Nicht überraschend, nicht mehr enttäuschend, schlecht

Schalke 04 offenbart sich im Auswärtsspiel beim Tabellenletzten Borussia Mönchengladbach. Die Blauen zeigten eine Leistung wie sie schlechter nicht hätte sein können und liessen sich vom zuvor hoffnungslosen Tabellenletzten an die Wand spielen. Schalke ist nicht gut mit Ausreißern, sondern unkonstant schlecht. Zum Glück wenigstens unkonstant.

Von 23 Spielen hat Schalke zehn verloren. Da ist man nicht mehr überrascht. Nicht mal wenn die Mannschaft bei einem Gegner antritt, dessen Heimbilanz mit drei Unentschieden in 11 Spielen kaum schlechter hätte sein können. Für das „noch schlechter“ ist dann eben Schalke zuständig.
Ich halte Lucien Favre für einen guten Trainer. Zaubern kann er nicht. Borussia Mönchengladbach spielte einfach, schnell und zielstrebig nach vorne, war im Mittelfeld solide und hinten unsicher. Solide reichte, um Schalkes Spiel ausreichend zu stören, um dafür zu sorgen, dass sich Magaths Mannschaft – abgesehen von dem geschenkten Ball zur plötzlichen Führung – keine wirklich zwingende Torchance erspielen konnte.

Vielleicht hätte nicht Peer Kluge sondern Klaas Jan Huntelaar von Dantes Fehler in der 2. Minute profitieren sollen. Vielleicht wäre es besser gewesen, der seit Wochen neben der Spur stehende Holländer hätte auch diesen Ball vertändelt. Vielleicht fühlte sich die Mannschaft nach der schnellen Führung sicher und wollte es locker angehen lassen. Nicht dass sie Grund dazu gehabt hätte, die letzte grottenschlechte Leistung lag gerade 16 Tage zurück. Aber anders ist so was kaum zu erklären.

Schalkes Abwehrreihe war einmal mehr mit simpelsten Steilpässen völlig überfordert. Jefferson Farfán sah sich rechts meist alleine zwei bis drei Gegnern gegenüber. Manuel Jurado schaffte das Kunststück, mehr Bälle zu verlieren als er eigentlich überhaupt am Fuß hatte, auch wenn ich das nicht nachweisen kann. Raúl kämpfte wieder den „Raúl alleine gegen Alle“-Kampf, nur eben mit schlechtem Ausgang. Und Huntelaar irrlichterte.
Peer Kluge schoss das Tor und war danach häufig weit vorne zu finden. Peer Kluge musste in der Halbzeit ausgewechselt werden und fehlte fortan überall. Peer Kluge ist seit Wochen der beste Schalker Spieler und belebte gegen Freiburg auch die Offensive. Wenn nun auch noch die Hoffnungen auf ein gutes Offensivspiel baden gehen, wenn Peer Kluge ausgewechselt wird, dann sagt das einiges über Peer Kluge, aber wirklich alles über diese Schalker Mannschaft aus.

Schalke hat nur 6 Punkte mehr als Kaiserslautern auf Platz 16. Zum Glück liegen noch 5 Clubs als beruhigender Puffer dazwischen. Schalkes Bundesligasaison will zu Ende gespielt werden, ist aber gelaufen. Schalke wird im Mittelmaß enden, sehr verdient.



17 Kommentare zu “Nicht überraschend, nicht mehr enttäuschend, schlecht”

  1. Detlef (Dr_D) sagt:

    Keine zweite zwingende Chance? Na ja, ein anderer Stürmer als Huntelaar hätte aus der Situation kurz nach dem 0:1 eine zwingende Chance gemacht, oder sogar ein Tor.

    Wo Schalke am Ende landen wird? Wer weiß das jetzt schon. Das schwankt mir alles zu sehr.

    Schlimm ist doch auch, daß Sarpei eingewechselt werden mußte. Sarpei!!!
    Der Kader ist eindeutig zu klein ;-) Zu wenig Alternativen.

  2. Aquii sagt:

    Gehofft habe ich ja bis zur 12. Minute, danach war mir klar wie das ausgeht. Also versuchen die Saison irgendwie gesichert zu überstehen und auf das Halbfinale Anfang März zu hoffen (ich träume schon wieder). CL noch versuchen ein paar Euronen mitzunehmen, damit der nächste Shoppingtripp nicht so schmal ausfällt…

  3. Detlef (Dr_D) sagt:

    Zusatz zu meinem Kommentar:

    Nach unserem Tor habe ich zu meiner Frau gesagt: „Abpfeifen.“ Darauf sie: „Hat doch grad erst angefangen.“ Ich: „Wär aber besser.“

  4. Alexander sagt:

    Wenn man bedenkt, dass die Eintracht mit nur 2 Punkten mehr schon am Zusammenstellen des Krisenstabs ist und selbst wir Clubberer mit unseren 35 Punkten noch immer nicht wirklich wirklich wirklich alle Restzweifel beseitigt haben, scheint mir Schalke noch nicht verinnerlicht zu haben, dass man derzeit nicht wie ein Selbstläufer im Mittelfeld einlaufen wird. Mag Stuttgart, Wolfsburg und Bremen auch noch so schlecht sein, es ist da nicht auszuschließen, dass ein einziges positives Ergebnis einen Lauf bringt – und auch die anderen Punkten immer wieder. Kurzum: Schalke tut gut daran sich zwar nicht verrückt machen zu lassen, aber doch auch mal über die Schulter nach hinten zu gucken.

    Schützenhilfe würden wir aber gern auf übernächste Woche verschieben …

  5. Torsten sagt:

    @Alexander: Die Frage ist ja immer wer Schalke ist und wie sich äußert, dass „Schalke“ nach unten, oben, hinter oder vorne schaut. Ich bin auch Schalke und schaue selbstverständlich auch nach unten. Bei jedem Blick auf die Tabelle errechne ich die Abstände zu Platz 16 und zu Platz 5, die Reihenfolge variiert je nach letztem Ergebnis …
    Ich finde es auch albern, dass nach so ungefähr jedem Sieg in der nächsten Pressekonferenz vom Angriff auf Platz 5 die Rede ist. Anderseits sind das alles stets nur Sätze für den nächsten Zeitungsartikel. Ich denke nicht, dass diese Aussagen die sportliche Arbeit bedingen.

    @Detlef: Schlimmer als die bloße Einwechslung Sarpeis ist, dass es einfach überhaupt keinen Unterschied macht.

  6. Pokalgewinnenmüsser sagt:

    Wobei man aber auch nicht unerwähnt lassen sollte, daß das entscheidende Foul an Metzelder eigentlich rotwürdig war (mMn), der Gladbacher hat ganz klar absichtlich nachgeschlagen. Und wenn er nicht angeknockt wäre, kann(mag) ich mir nicht vorstellen daß Metze den Idrissou beim 2:1 so hätte vorbeiziehen lassen…und wie schnell die Gladbacher bei einem Nackenschlag einknicken hat man die letzten Wochen immer wieder gesehen. Da ändert auch Favre nix dran.

    Aber natürlich hast Du insgesamt recht, das war nur noch ärgerlich. Eine einzige gute, ach was, _entschlossene_ Aktion hätte gereicht um das Spiel anders aussehen zu lassen, aber sowas können wir derzeit überhaupt nicht.

  7. Ben sagt:

    Zur Einstellung, Motivation und Leistung ist alles gesagt und leider stimmt es auch.
    Was mir aber einfach nicht den Kopf will, ist dass Magath trotz einem grossen und gut bezahlten Team es nicht schafft, ein tatisches System zu erstellen, welches zu den Stärken des Kader passt.
    Das ist um so trauriger, da Magath ja den Vorteil des Trainagers hat und den Kader zusammengestellt hat. Was eine gute Abstimmung zwischen System und Fähigkeiten bewirken kann sieht man zurzeit bei vielen Vereinen ( Mainz, H96, Freiburg, Nürnberg.)

    Ein Farfan und ein Jurado können richtige Waffen sein, so sieht es nach Katastrophe aus und Raul und The Hunter das passt einfach nicht zusammen, egal in welchem System.

    Warum bei einem Rückstand man einen schwachen Lukas Schmitz auf die 6 zieht ist mir auch unerklärlich, was spricht dagegen einen offensiven Spieler( Draxler, Baumi, Jurado..) auf diese Position zu setzte, so gibt es genug erfolgreiche Beispiele (Schweini & Co). Ein Unentschieden hätte uns auch nicht weitergebracht maximal ein Sieg.

    Unabhängig vom gespielten System sind für mich Uschi, Schmitz, Metze einfach viel zu langsam und daher nicht bundesligatauglich. Ich glaube von den letzten 15 Tore waren 12 identisch, es kann die Hereingabe von Aussen und Metze war in der Mitte zu langsam…..

    Alles sehr bedauerlich

  8. Arne sagt:

    Tja, die BL-Saison beim UEFA-Cup-Sieg 1997 war auch fürchterlich. Scheint wohl der Preis zu sein, den wir Schalker für den Gewinn von Europapokalen zahlen müssen…

    Und bevor man mich einweist, das war allein Galgenhumor.

  9. Bene sagt:

    @Arne

    Ich sag‘ seit Monaten, dass der schnellste Weg in die CL(-Quali) das Gewinnen der CL ist. Komischerweise werde ich dafür meist ausgelacht…

  10. Arne sagt:

    @Bene

    Diese Ignoranten…

  11. Philipp sagt:

    Soll der Magath denen den Urlaub streichen und dann gibts ne Serie bis zur Sommerpause – aber ich fürchte dafür haben wir noch (!) nicht wieder hoch genug verloren. :‘-(

  12. Andreas sagt:

    Torsten, Deinem Kommentar gibbet abba so gaa nix hinzuzufügen. Dat war fürde Tonne. Zweitschlechtestes Saisonspiel nach dem Heimdebakel gegen die Zecken. Man reiche mir den Übelkübel.

  13. T0bstar sagt:

    Gegen die fünf schwächsten Mannschaften der Liga hat Schalke in 6 Spielen 6 Punkte geholt. Gegen die fünf besten Mannschaften hat man im Vergleich dazu aus 7 Spielen 10 Punkte geholt – eine leicht bessere Statistik. Das deutet darauf hin, dass Schalke besonders mit schwachen Teams ein Problem hat. Ähnliches ließ sich ja auch in der Champions League sehen.

    Meine Erklärung ist, dass Schalke derzeit nicht in der Lage ist, ein Spiel zu machen. Kontern funktioniert an manchen Tagen recht gut, doch ein Spiel verwalten und von hinten heraus aufbauen, diese Fähigkeit fehlt.

  14. Torsten sagt:

    @T0bstar:
    Da ist was dran, das Problem besteht aber leider schon seit Jahren. Schalke erspielt sich selten was, Schalke „nutzt“ oder „erzwingt“. Allerdings muss man fairweise sagen, dass das bei mindestens der Hälfte aller Bundesligaclubs so ist. Wenn Fehler erzwingen und das Nutzen der sich dann ergebenen Chancen im Einklang stehen, spricht am Ende jeder von einem guten Spiel und einem verdienten Sieg.

    Das in Gladbach war aber eben garnichts im Sinne von garnichts …

  15. [NB010] Happy anniversary » Nachbesprechung sagt:

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  16. BlauWeissNord sagt:

    @ Ben

    Gute Analyse, sehe ich prinzipiell genauso. Ich hab noch im Ohr, wie man letzten Sommer unbedingt einen 10er verpflichten und Magath mit ner Raute im Mittelfeld spielen wollte. Ich weiss nicht, ob es an den schwachen ersten 6 Saisonspielen lag, dass wir wieder mit ner Doppelsechs spielen, aber so kann z.B. Jurado auf links nicht richtig abgehen, der zieht überdies sowieso immer nach innen.

    Wenn man die letzten zwei Tore mal wegdenkt, hatten wir immerhin schon wieder mit Bayern die zweitbeste Abwehr der Liga. Das täuscht allerdings über das teilweise Qualitätsgefälle hinweg. So leid es mir tut, Schmitz spielt mindestens ne Katastrophensaison, ich zweifle überhaupt an seiner BuLiqualität. Ushi leistet sich eben leider auch noch ab und zu dicke Patzer, wie zuletzt beim 2-1. Der hat mE nach aber noch mehr Potential und bringt auch mal was nach vorne.

    Da die Saison, wie Torsten richtigerweise sagt, bestenfalls im „No-where-land“ des BuLiMittelfelds enden wird, kann Magath doch mal eine taktisch offensivere Variante für nächste Saison testen und mit Raute spielen lassen….Vielleicht kommen dann mal wieder ein paar Bälle zu unseren armen Stürmern!

  17. leoluca sagt:

    Schalke wird im Mittelmaß enden – sehe ich genauso und könnte damit in dieser Saison sogar leben. Wenn, ja wenn, der Grottenkick in Gladbach wenigstens Mittelmaß gewesen wäre und wenn man wenigstens im Rahmen des Mittelmaßes eine Entwicklung dieser Mannschaft erkennen könnte. Nun aber war Gladbach das (nach Frankfurt, Lautern etc.) wiederholte Desaster, dem zwar oft akzeptable Leistungen vorangingen und dann auch wieder folgten. Nervös macht einen das trotzdem: hoffentlich kippt die ganze Chose nicht plötzlich mal um in eine längere Niederlagenserie….

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