Artikel im April 2011

Mumpitz © S04

Der FC Schalke 04 hat jedes über Warmlaufen hinausgehende Engagement eingestellt und konzentriert sich nur noch auf das DFB-Pokalfinale. Ich vermute eine Art Aberglaube. Das 1:4 in München ist also nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zur großen Feier in Berlin.

Im Sport entscheidet häufig der Zufall, und wo das so ist steht Aberglaube hoch im Kurs. Wenn nur noch eine absehbare Anzahl an Spielen ansteht, bevor ein großes Ziel erreicht werden kann, entscheiden sich Spieler ab und an dazu, aufs Rasieren zu verzichten, um den großen Fußballgott (oder Baseballgott, oder Hockeygott, oder Footballgott etc.) gnädig zu stimmen.
Für die Kerle des FC Schalke 04 fällt diese Form aus. Aus Joel Matips und Kyriakos Papadopoulos’ Gesichtern ist wohl noch nie ein Stoppel gesprossen, und Christoph Metzelder ist die Gesichtsmaske mittlerweile derart ans Gesicht gepappt, dass er sich nicht auch noch mit zu vielen Haaren rumärgern will. Also legten verschiedene Spieler verschiedene Rituale fest, in der Hoffnung, dass das zum Triumph gegen den MSV Duisburg in Berlin führen möge.

Hans Sarpei beispielsweise hat sich vorgenommen, keinem Gegner mehr seinen Rücken zu zeigen. Kyriakos Papadopoulos will die letzten Wochen ganz ohne Füße und nur noch mit seinem Körper spielen – so ganz gelingt ihm das noch nicht, aber der Wille zählt. Joel Matip, der junge Scherzbold, will die Kollegen mindestens dreimal pro Spiel mit einem Fehlpass im Rücken der eigenen Viererkette überraschen. José Manuel Jurado hat angekündigt, bis Saisonschluss die Annahe von Zweikämpfen zu verweigern; aber als seine Kollegen das hörten haben sie nur gelacht.
Christoph Metzelder lässt schlicht trotz gesundeter Nase die Maske auf. Ob er mit eingeschränktem oder uneingeschränktem Sichtfeld agiert, der Unterschied ist eh nicht zu erkennen. Schalkes Stürmer haben miteinander abgesprochen, in den letzten Spielen gänzlich auf Torschüsse zu verzichten. Das klappt mittlerweise sehr gut. Und Manuel Neuer konzentriert sich foran darauf „innerhalb Deutschlands zu wechseln.“

Inwieweit auch Trainer Ralf Rangnick an der Aktion beteiligt ist, weiß man nicht so genau. Möglicherweise will er in der nächsten oder übernächsten Begegnung doch noch mal einen Spielzug von seiner Mannschaft einfordern. Ganz sicher ist das aber noch nicht.

Da ich selbst stets für Mumpitz dieser Art zu haben bin ist es auch noch nicht ganz sicher, ob ich mich nicht beteilige und auf Blogbeiträge zu den noch ausstehenden Bundesligaspielen gegen die Karnevalclubs verzichte.

Ma’kuchen.



Foto: Julio Marquez

ESR: Kein Draxler, kein Dreier

Mit Julian Draxler wurde der Topptipp (32 Nennungen) erstmals seit langem nicht eingesetzt. Damit war diese ESR-Runde quasi erledigt. Nur 4 der 56 Tipper erzielten 2 Treffer.

Diesmal gab es „nur“ 29 Null-Treffer-Tipper. derwahrebaresi gehört nicht dazu. Er holt zum dritten Mal in Folge einen Punkt und führt damit weiterhin die Gesamtwertung an.

Die komplette Ergebnisliste der ESR-Runde zum 32. Spieltag gibt es hier.

This Week in Gelsenkirchen

Guten Morgen allerseits.

Der FC Schalke 04 will Fannähe demonstrieren und lädt zu einem …

Kabinengespräch

… ein. Fortan werden sich einmal im Monat wechselweise Horst Heldt und Peter Peters für 45 Minuten den Fragen von Fans stellen. Überraschende Fragen sind allerdings nicht vorgesehen. Es wird ein Thema vorgegeben – für das ersten Mal am 16. Mai lautetet es „Die Saison 2010/2011 – Höhen und Tiefen“ – und die Fragen sind zuvor per Mail einzusenden. Unter den spannendsten Fragen entscheide das Los, heißt es. Außerdem richtet sich dieses Angebot explizit an nicht in Fanclubs organisierte Fans, warum auch immer.

Manu gegen United

Nachdem Schalke 04 zuvor unter Ausschluss der Öffentlichkeit Fußball spielte, sah am letzten Dienstag die ganze Fußballwelt, dass Manuel Neuer ein herausragender Torwart ist. Alex Ferguson sagte britisch freundlich, Neuers Leistung sei das Beste gewesen, dass er gegen sein Team gesehen habe. Die englische „Daily Star“ forderte ihn umgehend auf, dass Angebot für Neuer zu verdoppeln, egal wer was biete.
Nette Geschichten ohne Gehalt. Manuel Neuer hat durch seine Interviews in den letzten Monaten zu verstehen gegeben, dass er zu Bayern München will. Die einzige Frage ist, welches Angebot Horst Heldt auszuschlagen bereit ist, bzw. ab wann er einschlägt. Wir werden sehen.

SsdnN*

Ron-Robert Zieler möchte offensichtlich in Hannover bleiben. Oliver Baumann möchte offensichtlich in Freiburg bleiben. Da trifft es sich ganz gut, dass Schalke 04 an diesen Spielern kein Interesse hat. Jedenfalls schreibt kicker in einem Beitrag zu Oliver Baumann, dass aus Gelsenkirchen durchgesickert sei, dass man „eher nicht zu einem unerfahrenen Schlussmann“ als Nachfolger Neuers tendiere. Damit würde auch Thomas Kraft ausscheiden. Wer übrig bliebe ist die aktuellere Frage. Passend dazu erscheint ein auf englischen Webseiten aufgekommenes Gerücht, Schalke sei an einer 1 Jahr Übergangslösung mit dem 39-Jährigen Brad Friedel von Aston Villa interessiert, dessen Vertrag im Sommer ausläuft. Halleluja.

Chefchen & Co.

Nun steht das Spiel gegen Bayern München an. Bastian Schweinsteiger wurde in SportBild despektierlich „Chefchen“ genannt, er nannte den verantwortlichen Journalisten „Pisser“. Eigentlich ein schöner Auftakt zu einem Wochenende, an dem das Spiel Bayern München – Schalke 04 ansteht. Aber, ehrlich gesagt, mir fehlt jegliche Begeisterung, für mich ist die Luft raus, mich interessiert nur noch das Auftreten in Manchester am Mittwoch und das DFB-Pokalfinale. Zwar glaube ich daran, dass ein Erfolgserlebnis wichtig wäre, dass Schalke nur mit dem Selbstvertrauen aus einem Sieg gegen die Bayern in Manchester eine ordentliche Leistung abliefern kann. Aber wenn es knapp wird setzt sich der Druck durch, den die Bayern haben, der Schalke abgeht. Dann wird auch Chefchen wieder zum Chef.

Einwechselspieler-Raten

Glaubt Ralf Rangnick wie ich, dass nach dem 0:2 gegen United gegen München vor allem Selbstvertrauen getankt werden muss? Oder werden die Schlüsselspieler wieder nur je eine Halbzeit eingesetzt, um sie für das Rückspiel gegen United zu schonen? Schont sich Schalke nun bis zum Finale in Berlin? Fragen über Fragen. 44 Null-Treffer-Tipps gilt es zu schlagen. Ich fange mal an mit …

Annan
Baumjohann
Jurado



Was ist Einwechelspieler-Raten?
Tippabgabe bis Samstag, 17:30 Uhr. Bitte die drei Spielernamen im Kommentarfeld als erstes und untereinander notieren. Das macht mir die Erfassung erheblich einfacher. Für „echte Kommentare“ unter den getippten Namen bin ich wie immer dankbar.
*: SsdnN steht für „Schalker suchen den neuen Neuer“

Wie viel ist Netzmeinung wert?

Unsere Welt geht online, täglich mehr. Medien aller Sparten streben ins Netz, jede Zeitung, jeder TV-Kanal hat eine Webseite, die für immer mehr Menschen mehr zum Leben gehört als das ursprüngliche Produkt. Immer mehr wird Netz mit Leben gleichgesetzt, auch weil man davon ausgeht, dass die persönliche Umgebung die Gesellschaft darstellt. Daran ist kaum was falsch aber eben auch nicht alles richtig. Ab und an geschehen Dinge die die Differenzen zwischen Netz und Realität aufzeigen. Das Palaver um Manuel Neuers Abschied war solch ein Ding.

Manuel Neuers Ankündigung, seinen Vertrag beim FC Schalke 04 nicht zu verlängern, war für einige Tage das Topthema in den Medien um den deutschen Fußball. Natürlich war die Frage nach Fanreaktionen interessant. Es gab in diesen Tagen kaum eine Medienportal von Belang, das nicht darauf einging, und zum überwiegenden Teil bezog man sich dabei auf Reaktionen in Foren oder bei Facebook. Selbst bei Journalisten alter Schule, die wie seit Jahr und Tag auch zu diesem Anlass von den „Stammtischen“ schrieben, an denen „man“ sich umhöre, hatte ich den Eindruck, dass sie zur Zeitersparnis den Besuch in Kneipen vermieden und kurzerhand Fußballforen zu modernen Stammstischen erklärten.

In den mir bekannten Foren gab es zu 90% Beiträge zu lesen, die Manuel Neuer kritisierten. Zum Teil auf peinliche Art und Weise, zum Teil in unglaublicher Heftigkeit. Auch bei Facebook war wenig Verständnis zu finden. Entsprechend war die Berichterstattung.
Im Stadion stellten sich die Reaktion ganz anders dar. Es gab Pfiffe, Rufe und Plakate gegen ihn, aber es gab doch deutlich mehr freundlich gesonnene Reaktionen, Danke-Transparente und Applaus für Manuel Neuer.

Man kann also feststellen, dass Stimmung im Netz sehr unterschiedlich zur Stimmung im Allgemeinen sein kann. Wie viel Gesellschaft ist aber denn nun im Netz? Wie viel ist Meinung im Netz denn außerhalb des Netzes wert? 1.247.342 Menschen gefällt die Facebook-Seite von Bayern München. Was genau würde Bayern München vermissen, gefiele nur 200.000 Leuten ihre Seite?

Ich selbst verbringe viel Zeit in der „virtuellen Welt“ und kann doch die Wertigkeit von Leserzahlen, Teilnehmern oder Gefällt-mir-Klicks in Bezug auf Größen außerhalb dieser Netzwelt nicht einschätzen.
Ich habe häufig den Eindruck, „die Gesellschaft“ ist überhaupt nicht zu fassen. Eher leben wir in einer Art Parallelwelten nebeneinander her. In einer Welt erreichen Schlagerstars höchste Plattenverkaufszahlen und füllen größte Hallen, ich bekomme das nicht mit. Die Oma nebenan denkt dafür bei Ultras nur an Damenbinden. So verhält es sich auch mit „den Schalkern“. Das sind viele und sie sind alles, sie können weder von Foris, noch von Trainingskibitzen oder Bloggern repräsentiert werden. Oder um es mit Fritz Eckenga zu sagen: „Die ganze Welt passt in’ Stadion“.

Was doch irgendwie beruhigend ist. Da denke ich jetzt noch mal ’ne Viertelstunde drüber nach.

Mit Köttel inner Buxe verdient verloren

Schalke 04 hat sich gestern Abend zeigen lassen wie eine Klassemannschaft spielt, das mit eine Niederlage bezahlt und dafür ein paar Millionen Euro kassiert. Schalke war der große Außenseiter, die Erwartungshaltung stand zuvor nahe Null, viel passiert ist also eigentlich nicht. Zufrieden muss man trotzdem nicht sein.

Manchester United war die in allen Belangen bessere Mannschaft, Schalke hat 0:2 verloren und das Ergebnis hätte durchaus höher ausfallen können. Nun ist man als Schalkefan geneigt dankbar zu sein, zu loben, dass die Mannschaft überhaupt so weit gekommen ist. Keine Frage, die Teilnahme an dieser Halbfinalrunde ist mehr als zu erwarten war. Trotzdem haben die Blauen gestern mutlos agiert und sich damit unter Wert verkauft.

Die ersten 15 Minuten ließen sich noch gut an. Dann übernahm United mehr und mehr die Initiative. Natürlich bedingt sich immer alles, die Geschwindigkeit und die Ballsicherheit in den Kombinationen waren beeindruckend, und so agierte Schalke fortan: Schwer beeindruckt. Schalke hielt die Ordnung nicht mehr. Unter dem offensichtlichen Gefühl, in den Zweikämpfen ob der Geschwindigkeit der Gegner eh keine Chance zu haben, wurde von Minute zu Minute häufiger nurnoch der Raum zum eigenen Tor gedeckt und nicht mehr gegen den ballführenden Gegner gearbeitet. Uniteds Spieler gerieten nicht mehr unter Druck, konnten nach belieben Kombinieren und nutzen ihren Platz, die Zeit und die eigene Ballsicherheit fast genüsslich aus.

Keine Frage, diese Mannschaften gehören nicht der gleichen Gewichtsklasse an. Bei United haben alle Spieler Champions League-Reife, bei Schalke 04 mit Neuer, Farfán und Raúl eigentlich nur drei. Dafür hat Schalke viel erreicht und man hätte meinen können, dass die Blauen frei von Druck agieren würden. Dass der Mannschaft derart die Düse ging, dass soviele Fehlpässe gespielt und Bälle verschenkt wurden, ist schade. Etwas mehr „Leck mich am Arsch-Einstellungen“ hätte es durchaus sein dürfen.

Am 5. Mai gibt’s eine zweite Chance, das Haupt hoch zu tragen. Ich hoffe auf ein besseres Gefühl.



Foto: puamelia

So, geht wieder los!

Außenseiter, außenseiteriger, am außenseiterigsten: Deutschlands zweitgrößter und hier jeden wie auch immer bewegender Verein ist im Maßstab sportlicher Erfolge in der UEFA Champions League neben der Fackel Manchester United lediglich ein Streichholz. Das tut der Freude auf das Spiel aber keinen Abbruch. Es erwarten uns zweimal 90 Minuten auf der für Fußballclubs größten Bühne der Welt. Nach dem müden Kick gegen Kaiserslautern muss Schalke nun „den Schalter umlegen“.

Zugegeben, dass sich Schalke gegen Kaiserslautern so wenig bemühte, fand ich schade. Ich saß im Stadion und es hat mich geärgert. Nach dem Sieg gegen den VfL Wolfsburg, als die notwendigen Punkte beisammen waren um nicht mehr in den Abstiegsstrudel zu geraten, hieß es, man wolle „dran bleiben“ und nicht nachlassen. Eben weil es so schwierig sei, erst in den Pausemodus zu schalten um dann aber, zum großen Spiel, auf den Punkt wieder bei 100% zu sein. Tatsächlich bot Ralf Rangnick aber zweimal in Folge nicht die beste Formation auf, und zumindest gegen Kaiserlautern agierte man auch im Pillepalle-Modus.

Aber vermutlich hätte man gegen Kaiserslautern einfach nicht hingehen sollen, und vermutlich war es clever, sich in diesem für Schalke unwichtigen Spiel nur ein wenig warmzulaufen. Ab heute denkt niemand mehr an dieses Spiel, aber an die Champions League Halbfinalspiele gegen Manchester United wird man noch lange denken, egal wie sie verlaufen.

Heute heißt das Stadion wieder für einen Abend „Auf Schalke“, weil die UEFA mit der hiesigen Werbung nichts am Hut hat. Heute sind die Werbebanden zwischen Unter- und Oberrang aus dem gleichen Grund wieder mit dem Sternenbanner verhüllt. Es geht um Lizenzen, um Mammon, und doch liefert es eine andere Stimmung, einen irgendwie festlichen Rahmen.
Ich hoffe, dass die Blauen in diesen beiden Spielen gegen United die zu erwartenden Rückschläge mit der gleichen Chuzpe wegstecken, wie sie es gegen Inter Mailand vermochten. Vielleicht stoßen sie diesmal an ihre Grenzen, aber ich hoffe auf das Gefühl, dass diese Begegnung wirklich erst am 04. Mai, nach Abpfiff in Old Trafford, entschieden sein wird. Dann wäre alles gut. Zu verlieren hat Schalke 04 eigentlich nichts.

Glück auf.



Foto: SnaPsi Сталкер

ESR: Die 44 Nullen steh’n

Mit der Startaufstellung im Spiel gegen Kaiserslautern sorgte Ralf Rangnick dafür, dass das ESR-Tipperfeld den in der letzten Woche aufgestellten Rekord von 44 Nullen einstellen konnte. Fünf Tipper erzielten immerhin 2 Treffer, das Rangnick Into The Brain Kucken gelang niemandem.

Ali Karimi wurde immerhin noch sechsmal als Einwechselspieler genannt. Dass José Manuel Jurado eingewechselt werden würde, konnten sich nur zwei Tipper vorstellen. Julian Draxler war mit 38 Nennungen erneut der Topptipp, vor Charisteas (28) und Schmitz (21).

derwahrebaresi führ das Gesamtklassement weiterhin mit 2 Treffern Vorsprung an. speckmantel hat sich mit 2 Treffern in der aktuellen Runde zum ersten Verfolger aufgeschwungen. Die komplette Ergebnisliste der ESR-Runde zum 31. Spieltag gibt es hier.