Einstellung der Ermittlungen gegen Diego: Recht so.

Gestern meldete der DFB die Einstellung der Ermittlungen gegen Wolfsburgs Diego. Das hat bei vielen Fans Unverständnis und Ärger hervorgerufen. Ich denke, dass die Entscheidung richtig und nachhaltig gut ist. Dumm ist nur die Inkonsequenz des DFB in der Regelauslegung.

Am Montag nahm der DFB Ermittlungen gegen Diego auf, nachdem dieser im Spiel Wolfsburg gegen Frankfurt seinem Gegner Patrick Ochs offensichtlich mit Absicht auf dessen Ferse getreten ist. Schiedsrichter Kinhöfer hatte diesen Tritt nicht gesehen, wohl aber hatte er die Situation als solche mitbekommen. Als Ochs am Boden hockte und sich an die Ferse griff bedeutete Kinhöfer ihm, er solle aufstehen und weiterspielen. Offensichtlich ging der Schiedsrichter von einem versuchten Zeitspiel aus.

Eben das erachtete der DFB nun als Bewertung der Situation, wodurch eine Tatsachenentscheidung vorliegt, die den Regeln entsprechend im Nachhinein nicht angetastet werden kann. Wohlgemerkt: Diego wurde nicht freigesprochen! Es ist lediglich so, dass auf Grund der Umstände die Beweise nicht herangezogen werden dürfen.

Man mag nun „Paragraphenreiter“ oder „Bürokratenspinner“ rufen, man mag anführen, dass das nicht im Sinne der Gerechtigkeit sein kann. Das kann ich nachvollziehen. Ich denke aber, dass es im Sinne des Spiels ist, die „Tatsachenentscheidung“ als oberstes Gebot unangetastet gelten zu lassen.

Der DFB hat mit diesem Fall bestätigt, dass das, was der Schiedsrichter sehen kann(!), was sich also in seinem Blickfeld abspielt, im Nachhinein nicht umgedeutet werden darf, selbst wenn der Schiedsrichter sagt, dass er ein Vergehen nicht gesehen hat. Wäre dem nicht so, könnte nach schlichtweg jeder Fehlentscheidung der Ruf nach Regulierung folgen, Schiedsrichter sehen ständig irgendwas nicht, sonst gäbe es keine Fehlentscheidungen. Diesen Grundsatz würde ich gut finden, wenn es denn ein Grundsatz wäre. Leider gibt es Beispiele, in denen der DFB andere Vorraussetzungen für das Argument „Tatsachenentscheidung“ festlegte.

Die Möller-Schwalbe natürlich, oder die Flugeinlage, mit der Mehdi Madavikia im Verbund mit Schiedsrichter Lutz Wagner im Jahr 2007 für den HSV die Saison umbog. Damals war es so, dass es kein Ermittlungsverfahren gegen Mahdavikia gab, weil Lutz Wagner trotz eindeutigster TV-Bilder seinen Fehler nicht zugeben wollte und bei der Behauptung blieb, es habe ein Foul gegeben. Ich – damals junger Blogger, temperamentvoll – hatte mich über dieses Gegenteil von Fairness fürchterlich aufgeregt. Hätte damals der Grundsatz wie im Fall Diego gegolten, hätte Wagner nicht beharren müssen, denn dass eine Strafstoßentscheidung stets im Blickfeld des Schiedsrichters liegt, ist klar.

Ich bin grundsätzlich gegen Videobeweise, Chips oder Torkameras, meines Erachtens sollte das Spiel bleiben wie es ist. Ich fände es gut, wenn der DFB generell die Entscheidungen und Fehler der Schiedsrichter nicht antasten würde. Es ist die Unstetigkeit des DFB, die es so kompliziert macht.



Foto: Michael Thurm



21 Kommentare zu “Einstellung der Ermittlungen gegen Diego: Recht so.”

  1. Henning sagt:

    Ich bin da ganz anderer Meinung. Natürlich muss man sich davor hüten, wegen jeder Fehlentscheidung ein Nachspiel in den DFB-Gremien zu führen. Im Falle von evident falschen Platzverweisen ist es aber anders! Ist ein Spieler zu Unrecht mit „Rot“ vom Platz gefolgen, ist es geradezu höhnisch, dass der Spieler dann trotz Unschuld (mindestens) 1 Spiel Sperre kassiert (siehe Höwedes gegen Stuttgart). Die Mannschaft wurde ausreichend gestraft durch den Verweis im Spiel. Andersrum bei einer nicht geahndeten Tätlichkeit (Fall Diego). Sein Team hatte einen Vorteil, da es das Spiel vollzählig beenden durfte. Es gibt keinen Grund, warum es durch die Verwehrung einer nachträglichen Sperre weiter bevorteilt werden sollte!

  2. Marcus sagt:

    Wenn Thorsten Kinhöfer die Szene tatsächlich in seinem Blickfeld gehabt hat und somit die Szene bewertet hat, blieb dem DFB-Kontrollausschuss ja eigentlich keine andere Wahl, als das Verfahren einzustellen.
    Das hätte man aber auch mit einem einfachen Telefonat regeln können, anstatt öffentlich einen Kontrollausschuss einzuberufen und eine Untersuchung des Falles anzukündigen. Ziemlich unglückliche Außendarstellung.
    Das große Unverständnis über das „Urteil“ ist meiner Meinung nach auch eher dem geschuldet, dass Diego schon die komplette Saison immer wieder unbestraft auffällig wird.

  3. malte sagt:

    Zum Thema: Bei Tatsachenentscheidungen finde ich es auch richtig, wenn diese nicht nachträglich revidiert werden. Ein Sportgericht sollte aber auch die Möglichkeit haben, bei der nachfolgenden Verhandlung keine weitere Sperre zu verhängen. Das ist dann keine Rücknahme der Schiedsrichterentscheidung, macht es aber nicht noch schlimmer.

    Grundsätzlich wäre ich auch gegen Videobeweis, Torchip etc. aber ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, bis das kommen wird. Von daher ist es bald wohl sinnvoller nicht mehr über das OB zu diskutieren, sondern über das WIE.

    Eigentlich wollte ich aber nur eine Frage zur „Bedienung“ der Seite loswerden: Hast Du schon mal drüber nachgedacht, den Link zu den Kommentaren an das Ende der Artikel zu stellen? Zum Einen ist direkt über dem jetzigen Kommentar-Link bereits der Titel-Link, der ja fast das gleiche macht. Zum Anderen passiert es mir sehr häufig, dass ich einen Artikel lese und dann am Ende zu den Kommentaren wechseln möchte. Wenn ich nicht anfangs dran gedacht habe, muss ich wieder den gesamten Text nach oben scrollen, um dort an den Link zu kommen. Das ist gerade auf dem Handy etwas umständlich. Sorry, falls das bereits diskutiert wurde und ichs übersehen habe.

  4. heinzkamke sagt:

    Die Diego-Entscheidung sehe ich genau wie Du, auch wenn zugegebenermaßen mein Herz etwas anderes sagt.

    Bei Chips oder Torkameras ist der Fall aus meiner Sicht etwas anders gelagert. Es geht dort nicht darum, eine Fehlentscheidzung des Schiedsrichters zu revidieren, sondern von vornherein sein Instrumentarium zu erweitern. Er würde nicht im Nachhinein korrigiert oder bestätigt, sondern könnte, zumindest stelle ich mir das so vor, eine Entscheidungshilfe zu Rate ziehen. Das würde ich, nicht zuletzt mit Lampards Tor im WM-Achtelfinale im Hinterkopf, begrüßen.

    Dass dadurch das Spiel ein wenig komplizierter wird und sich der Profifußball weiter von dem Spiel entfernt, das in den unteren Ligen betrieben wird, wären unschöne Nebeneffekte, die ich allerdings nicht für allzu gravierend halte. Auch heute ist das Spiel ohne Linienrichter und ohne Sperren nach gelb-roten Karten ein ganz anderes.

  5. skAndy sagt:

    Ich finde, Grobe Unsportlichkeiten müssen nachträglich geahndet werden. Wie zum Beispiel die Aktion vom späteren Torschützen Georgios Tzavellas, der sich nach einem fairen Zweikampf mit Farfan an eine völlig unberührte Stelle fast und zu Boden geht, wonach Farfan für den Rest des Spiels mit einer gelben Karte gezeichnet ist. So etwas nimmt Überhand und muss unterbunden werden.

  6. BlauWeissNord sagt:

    Ich finde man müsste bei dem Grundsatz der Unrevidierbarkeit der schiedsrichterlichen Tatsachenentscheidung differenzieren:

    Spielsituationen, wie etwa eine Abseitsstellung oder das Überschreiten einer Linie durch den Ball (Seitenaus- oder Torlinie etc.) müssen diesem Grundsatz selbstverständlich unterliegen. Sonst wird das Spiel nicht mehr auf dem Platz, sondern am Schreibtisch entschieden. Andernfalls würde der Vertrauensschutz in die Bindungswirkung der Schiedsrichterentscheidung erschüttert, womit der Schiri quasi überflüssig wäre.
    –> setzt man hier Kameras oder Chips ein, kann ich zwar verstehen, dass das von vielen Fussballfans abgelehnt wird. Ich glaube es gibt aber keine guten sachlichen Gründe hierfür: Erstens werden solche Technologien schon erfolgreich in anderen (auch traditionellen Sportarten wie Tennis, siehe Hawkeye) angewendet. Und das hat das Spiel, wie ich finde, eher noch interessanter gemacht. Man hatte damals die Eisenbahn auch noch für ein Werk des Teufels gehalten, ich glaube nicht, dass der Fussball daran Schaden nehmen würde, warum auch? Denn es wird doch nur der objektiven Wahrheit zur Durchsetzung verholfen, was soll daran falsch sein? Vor allem das „Alles-gleicht-sich-ohnehin-aus Argument“ zieht nicht, den mit Chip und Kamera wäre kein Unrecht mehr da, was ausgeglichen werden müsste und der Spruch ist sowieso eher ein Kalauer als eine Weisheit.

    Ander sieht es bei grobem Foulspiel oder groben Unsportlichkeiten aus. Kann man noch damit argumentieren, dass ich aufgrund des Wesens und der Widrigkeiten des Spiels in spielspezifische Fehlentscheidunegn (siehe oben) mehr oder weniger einwillige, wenn ich das Spiel spiele, sieht das in diesen Fällen anders aus. Hier bedarf es keines Vertrauensschutzes, denn es besteht schlichtweg keine Schutzwürdigkeit. Jemand der vorsätzlich die Regeln bricht, kann sich nicht auf formaljuristische Schutzvorschriften berufen. Ein freigesprochener Verbrechter kann zwar auch auf den Grundsatz „ne bis in idem“ vertrauen (Niemand darf für die selbe Tat zweimal vor Gericht stehen), dieser Grundsatz kann aber unter gewissen Umständen auch durchbrochen werden (Wiederaufnahme des Verfahrens), vor allem, wenn wesentliche Beweise übersehen worden sind.
    Ganz im Gegenteil: durch die vorhandene Regelung wird doch ein Spieler zu groben Regelverstößen noch ermutigt, wenn er weiss, man kann ihn im Nachhinein nicht mehr zu Rechenschaft ziehen.
    Es gibt bei solchen Regelverstößen einfach kein schutzwürdiges Interesse, was das Interesse an der Bestrafung des Täters überwiegen könnte. Henning weist darauf sehr schön hin („geradezu höhnisch“).

    Die Begründung, dass nur ein Beweisverwertungsverbot vorliegt aber kein Freispruch , ist ein argumentativer Winkelzug. In der Sache ist dieses Argument nämlich gerade nicht entscheidend (wie Berlusconis Rügen gegen die Zuständigkeit der ihn verfolgenden Gerichte. Die Frage ist ja gerade, ob dieses Beweisverwertungsverbot selbst gerechtfertigt ist.

    Also Tatsachenentscheidung ja bei „Spieltypischen Situationen“, nein bei groben Regelverstößen, die höchstpersönliche Rechtsgüter der am Spiel beteiligten Menschen betreffen (Gesundheit, Persönlichkeitsrechte)!

  7. derwahrebaresi sagt:

    @henning: verstehe deine argumentation nicht.

    in beiden fällen (diego & benni) hat der schiri eine TATSACHENENTSCHEIDUNG (aus seiner sicht) getroffen.

    – kein foul gesehen, keine karte.
    – handspiel gesehen, elfer und rot.

    ob diese jetzt richtig o. falsch waren steht nicht zur debatte.

    (beide fälle werden aus unserer sicht als tv-betrachter als FEHLENTSCHEIDUNG gewertet.)

    daher sind diese fälle m. e. nicht vergleichbar.

  8. Henning sagt:

    @derwahrebaresi

    Verstehe nicht, was du nicht verstehst. Es geht gerade darum, dass der Grundsatz der Unumstößlichkeit der Tatsachenentscheidung insoweit nicht gelten sollte, jedenfalls soweit evidente Fehlentscheidungen vorliegen. Ich sehe auch nicht, was diesen Grundsatz in solchen Fällen rechtfertigen würde!?

  9. derwahrebaresi sagt:

    @henning:
    definiere evidenz …

    „dem augenschein nach“ war es für die schiris „unzweifelbar“, danach haben sie ihre entscheidung getroffen.

    … nur weil der „sachverhalt“ in unseren augen „klar auf der hand liegt“, war es nach dem regelwerk des dfb noch lange keine evidente FEHLENTSCHEIDUNG.

  10. Oberwäller sagt:

    Die Entscheidung des Kontrollausschuss‘ kann ich bei der Argumentation nachvollziehen.

    Zu Chip im Ball und Torkamera habe ich keine 100%-Meinung für ein „ja“ oder „Nein“ – ich sehe sowohl Vor- als auch Nachteile.

    Wenn man sich denn z.B. für einen Videobeweis im Torbereich entscheidet, dann sollte man ggf. mal drüber nachdenken, ob es nicht Sinn macht ähnlich wie die NFL in den USA, dass jedes Team in einer Halbzeit die Möglichkeit hat EINE Entscheidung des Schiris mittels Videobeweis überprüfen zu lassen (in dieser Zeit müßte nat. jemand die ‚verlorene Zeit‘ stoppen, die dann nachgespielt wird.

    Wäre meines Erachtens ein wenig mehr Gerechtigkeit mit wenig Aufwand.

    Diese Regelung ginge dann aber nur für den Profibereich, wo die Spiele ohnehin aufgezeichnet werden.

    Meine Meinung…

    P.S.: Seit Dienstagabend fühle ich mich irgendwie „leicht“ und gut drauf…ob das am Frühling liegt ;-)

  11. Torsten sagt:

    Ehrlich gesagt, mir missfällt es schon, wenn großes Brimborium um Entscheidungen gemacht wird, die nur in Zeitlupe als Fehlentscheidungen zu erkennen sind. Nach meine Überzeugung verfälscht die Zeitlupe die eigentliche Realität genauso häufig, wie sie bei der Aufklärung hilft. Fußball wird nicht in Zeitlupe gespielt.

    Ein Beispiel ist dafür auch das Höwedes-Handspiel in Stuttgart. Ja, nach der x-ten Zeitlupe denke ich auch dass es keine Absicht war, aber es gibt Leute die das anders sehen, und ohne Zeitlupe wäre das Ding sehr viel strittiger gewesen. Soll man bei solchen Situationen tatsächlich juristisch nachspielen? Wo hört das denn dann auf?

    Was die technischen Hilfsmittel angeht, und meine Abneigung dagegen, muss ich mal ganz Grundsätzlich werden, selbst in der Befürchtung, dass ich Kopfschütteln ernte:

    Ich glaube tatsächlich, dass Fehlentscheidungen für den Profifußball gut sind, dass Fußball auch deshalb ein derart erfolgreicher Mediensport ist!
    Ein nahezu klinisch reguläres Spiel, in dem irgendwas bimmelt oder leuchtet wenn ein Ball eine Linie überschreitet, wenn ein Spieler ins Abseits läuft, in dem erst videokontrolliert wird bevor eine Strafstoßentscheidungen gefällt wird: Das eliminiert locker 25% aller Diskussionen über diesen Sport. Das nimmt sehr viel Emotion raus. Ja, man will nicht durch Fehlentscheidungen verlieren und fair geht vor blabla … aber zu jeder Fehlentscheidung gibt es auch Sieger. Der Mythos ums Wembley-Tor, das England-Tor bei der letzten WM, das Handspiel von Henry gegen Irland … dass wir das heute überhaupt wissen, dass wir darüber schreiben können bereichert diesen Sport sehr.

    Ich bin der Meinung, dass man das nicht einreißen lassen darf. Kommt die Torkamera, erfolgt bald der nächste Aufschrei, wenn irgendwo der nächste Henry per Handspiel bescheißt. Oder wenn ein Ball zwar im Tor, vor der Flanke aber schon im Aus war. An diese ganzen „wir wollen nicht komplett kontrollieren sondern nur …“-Lösungen glaube ich nicht.
    Deshalb erhebe ich mein Kaffeetässchen auf die Tatsachenentscheidung als höchstes Gut. Möge sie uns so lange wie möglich dieses schöne Spiel retten, mit all den Diskussionen, dem Ärger über Schiedsrichter, dem Gefühl von Ungerechtigkeit, den Tränen und dem Hoffen auf einen Fußballgott.

    Amen.

    @malte:
    Danke für den Hinweis, sehe ich ein. Ich kuckma.

  12. Arne sagt:

    Ach, da hüpft das Herz des Fussballromantikers in mir. Diese Position scheint ja mittlerweile kaum noch in der öffentlichen Diskussion vorhanden. Umso besser, sie mal so passend formuliert vorzufinden.

  13. Flo sagt:

    Keine Ahnung, was man sich einwerfen muss, um der Argumentation zu folgen – vielleicht liegt’s ja auch an Eurem tollen 2:5 Sieg in Mailand – aber, wenn ich nur ganz kurz diese Frage stellen dürfte; ich bin dann auch umgehend wieder weg, versprochen.

    Also, ich schnall mich noch schnell am Stuhl fest und dann lege ich los:

    Wie kann denn eine Tatsachenentscheidung im Vordergrund stehen, wenn Kinhöfer dem DFB mitteilte, den Tritt nicht gesehen zu haben? Und weiterführend: welcher „Tatsache“ liegt denn in diesem Fall diese Entscheidung überhaupt zu Grunde?

    Hm? Hmhmhmhm?

    ;)

  14. BlauWeissNord sagt:

    Zwecks Diskursanregung sach ich mal zu Torkamera, Chip und Co.:

    Das „fussballromantisch“ zu sehen ist doch auch ein Widerspruch in sich:
    Wenn die Fehlentscheidungen so toll sind und das Spiel so bereichern, ja warum überhaupt noch Linienrichter? Überdies brauch man dann ja gerade nix mehr über Fehlentscheidungen zu schreiben und sich aufregen, denn dann kommt das Totschlagargument, dass du doch froh sein musst, denn das bereichert den Sport ja so sehr. Dann erübrigt sich jede Diskussion und Aufregung ebenso, ja paradoxerweise müsste sie geradezu Freude auslösen….also ich weiss nicht….

    Vielleicht würde dadurch wieder mehr Raum für das eigentliche Spiel in den Medien entstehen, Taktik, Fähigkeiten der Beteiligten, spannende Beziehungen zwischen Spielern oder Vereinen. Ich frag mal etwas provokant: Ist es am Ende die deutsche Mecker- und Nörglerkultur, die hier eine Projektionsfläche verliert ;) ?

    Also ich persönlich hätte nen WM Titel lieber als die Wembley-Tor Geschichte und die Iren wären bestimmt lieber zur WM gefahren, als den Henry-Skandal zu haben. Im Fussball geht es um Geld, Arbeitsplätze, persönliche Karrieren, Gesundheit und Ansehen, wie überall in der Gesellschaft. Machen juristische Fehlentscheidungen das Leben wirklich interessanter? Aus Sicht der Betroffenen ist die Antwort glaube ich klar, und als Fans gehören wir nicht zu den Betroffenen. Einmal ärgern und das wars….Hier können Fehlentscheidungen ganz schön üble Konsequenzen haben. Hier geht es um mehr als seichte Unterhaltung.

    Ist uns Fairplay oder Unterhaltungswert wichtiger?

    @Oberwäller
    Das würde ich irgendwie auch cool finden, weil, wie bei der Hawkeyeentscheidung im Tennis, neue taktische Möglichkeiten entstehen würden und Diskussionen: War es klug, den Joker schon in dieser Szene zu ziehen, das gespannte Warten auf das Ergebnis, die Genugtuung des Rechthabens, der Spott des Gegners für die falsche Verdächtigung!

    Der Fussballgott ist vielleicht schon längst im Gange, seine Wege waren bis zur technischen Revolution für uns bloß noch unergründlich ;)

  15. hellwach sagt:

    Torsten, ich bin ein weiterer Verbündeter in der Sache. Keine Chips, keine Videobeweise und keine weiteren Regeländerungen.

    Mal ganz polemisch im Stil der Anwürfe: Flo, nimm mal was, das kann auch entspinnen, entspannen.

    Im Fussball geht es um Geld, Arbeitsplätze, persönliche Karrieren, Gesundheit und Ansehen, wie überall in der Gesellschaft

    bei der Beurteilung von Spielsituationen durch den Schiri? Ich würd sowas ja nie öffentlich schreiben, aber denken tu ich bullshit, nee, in der Kreisklasse gelten dieselben Regeln, und da geht es ausschließlich um persönliche Karrieren? Mann!

    Und nach der Satire auch gerne noch sachlich nachgereicht: Der Umstand, dass wir uns nach der Einführung des passiven Abseits unseren Frauen noch überlegener fühlen, ist ja für sich genommen nett, blendet allerdings ein unbedeutendes Detail aus: Die Mehrzahl der Fehlentscheidungen bei Abseits-Situationen liegt nach wie vor darin begründet, dass die Assistenten und der Schiri die Situation im Moment der Ballabgabe falsch einschätzen. Daran hat die Einführung des „passiven“ Abseits nichts geändert, daran würde dessen Abschaffung genauso wenig ändern.

    Zitat Torsten Wieland: „Fußball eben. Kein Tennis und kein Cyberball.“

    Bleibt noch zu fragen, warum Torsten heute dieses Thema im Königsblog bespricht. Beim Lesen des Posts dachte ich: okay, Samstag geht es gegen WOB, wieso darf der Treter Diego eigentlich spielen?

    Das hast du trefflich aufbereitet, danke Torsten.

  16. Torsten sagt:

    @Flo:
    Lass es Dir vom DFB erklären, ich habe das nicht erfunden. Ich schrieb auch oben, dass ich die Empörung in diesem Fall nachvollziehen kann und habe nur diese letzte DFB-Entscheidung ausgelegt. Eben dahingehend, dass alles, was im Blickfeld des Schiris passiert, nur durch ihn beurteilt werden darf. Das halte ich für angenehm klar.

    Wenn wir der wörtlichen Auslegung folgen mögen und sagen, dass keine Tatsachenentscheidung sein kann, wenn ein Schiri was nicht sieht, wäre nach jedem falsch beurteilten Zweikampf das Gericht anzurufen. Denn wenn der Schiri das Vergehen sieht, pfeift er schließlich auch. Klingt weltfremd, oder? Jo.

    @BlauWeißNord
    Ich schreibma: „Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt!“
    Erst kommst Du mir mit Moral („dt. Meckerkultur“) und Fairness umme Ecke und dann propagierst Du eine Regelung, nach der ein „Joker“ gezogen werden soll?! Das macht alles zur taktischen Spielerei. Wo bleibt Deine Fairness bei einer vom Schiri ungesühnten Tätlichkeit, wenn der Joker leider schon weg ist? Und wo bleibt die Fairness, wenn man sich – obwohl es fragwürdige Entscheidungen gab – gegen die Challenge entscheidet, weil man die später, wenn es um eine Strafraunszene geht, gewinnbringender einsetzen kann? Nimm Dir ein Time-Out und überdenke das doch bitte noch mal ;)

  17. Arne sagt:

    Immer dieses Geld-Argument. Ich würd ja sagen, dass eine Sportart wie Fussball gründsätzlich nicht das sicherste Geschäftsmodell ist. Und das weiß man auch vorher… Auch wenn viele Turnier-Reformen (wie eben die Ausweitung und Aufblähung der Champions League) ja bereits alles dafür tun, um dieses „Risiko“, was nunmal natürlicher Bestandteils von Sport ist, zu minimieren…

  18. BlauWeissNord sagt:

    Also Momente mal:
    Ich propagier ja nicht ne Jokerregelung, das war nur ein Gedankenspiel, was mE nach auch so deutlich wurde (stand im Anhang und so). Meinetwegen soll der Chip immer im Ball sein oder die Torkamera innerhalb von Sekunden Aufschluss bringen. Aber es ist gut, dass ihr nur die Jokerregelung kritisiert, alles andere ist schwierig ;D

    Ach ja @hellwach
    Isch red nur vom Profifussball, ist doch wohl klar oder lol? Und zum passiven Abseits, ähm, hab ich goar nix gesagt.

    Um Missverständnisse zu vermeiden:
    Ich rede nicht von Videobeweisen bei Abseits, dass ist ja auch tatsächlich unmöglich, wenn der Schiri pfeift müssen nunmal alle stehenbleiben, die Chance ist dahin, da nützt dann die Falsifizierung durch einen Videobeweis auch nix mehr. Bei sog. „dynamischen Spielentscheidungen“ will das ja auch keiner.
    Aber ob Tor oder nicht, ist doch wohl unproblematisch, wenn man in sekundenschnelle weiss, was Sache ist.

    Man überlege sich doch besser das Dilemma in das man sich andernfalls begibt: Ich kann hier z.B. von keinem, der gegen den Chip im Ball ist, mehr glaubwürdig Gemecker hören, wenn Wembleytore fallen etc. Man müsste dann doch sagen, ach ja da sieht man wie schön menschlich der Sport doch ist!

    Wenn Schiris die Spiele entscheiden und nicht die Spieler is das doch nicht im Sinne des Erfinders! Stellt euch vor ihr habt ein Schiri der keine Fehler macht, is das jetzt ein scheiss Schiri? Achso: Und das This is football Argument is ja mal ganz schwach: Fussball ist kein metaphysisches Etwas, was wir hier zu interpretieren suchen, sondern zunächst mal die Summe seiner Spielregeln, wie jedes andere Spiel auch. Ändere ich die Regeln is das aber immer noch football, denn football ist jez anders definiert. Wenn ich Mau-Mau lernen will, fang ich auch nich an zu meditieren, sondern lass mir von Tante Erna die Regeln erklären.

    Zur anderen Frage der Reichweite der sog. Tatsachenentscheidung hab ich mich ja schon ausführlich geäußert: Auch da geht es, wie gesagt, nur um grobe Foulspiele! Im übrigen, ich weiss es könnte nerven, deckt sich das mit der Rechtslage bei der Frage von Körperverletzungen im strafrecht und Schadenersatz im zivilrecht. Um es mal grob zu vereinfachen: In gelbe Karten willige ich ein, im Falle von roten Karten nicht! (Man bedenke jedes Foul ist ne Nötigung und u.U. ne Körperverletzung) Warum kann der Gefoulte den Fouler im Falle der roten Karte auf SE verklagen und ihn vom Staat bestrafen lassen, nur der heilige DFB sagt, nö des geht jetzte aber nich, denn Tatsachenentscheidung des Schiris. Ääähhmm, Widerspruch? Aber warum Widerspruch? Ihr wissts auch nicht, ich weiss.
    Aber König Fussball steht halt über allem, nicht wahr? Würde das Spiel auch endgültig kaputtmachen, hätte man keine fiesen Diegotritte mehr ungesühnt…aber das muss der DFB wissen!

    @Arne
    Ja von aussen als Nichtbetroffener, sagts sichs halt leicht….

  19. Conti sagt:

    Einen ähnlichen sehr schönen Beitrag hat Tobias mal verfasst, auch wenn aus eurer Sicht im falschen Blog (nein, nicht BVB).

    http://meinesaison.tobiassinge.....balls.html

    Ich kann mir seiner Argumentation nur voll und ganz anschließen, auch wenn der Fall hier natürlich aus gesundheitlichen Aspekten ganz anders liegt.

  20. Tinneff sagt:

    Bei der Möller-Schwalbe gab es damals ordentlich Schelte von der FIFA, deswegen wurde nie wieder ein Spieler für eine Schwalbe gesperrt. Sonst würde Diego andauernd gesperrt, oder der FC Sevilla hätte gar keine 11 Mann mehr für ein Spiel.

  21. Justitia | dicksgoodstuff.comdicksgoodstuff.com sagt:

    […] koenigsblog.net/2011/04/07/einstellung-der-ermittlungen-g… […]

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