Remis ohne Schmerzen

Schalke 04 spielte in Bremen 1:1 und beide Clubs können damit leben. Die restlichen Bundesligabegegnungen können ab sofort als Vorbereitung auf die Saisonhöhepunkte in der Champions League und in Berlin betrachtet werden.

Es war ein Spiel, dass sich beide Seiten schönreden können. Bremen hat viel investiert und der unbedingte Wille nach drei Punkten war zu spüren. Werder erkämpfte sich seine Chancen. Das nicht gegebene Tor Pasanens lieferte den Bremern die nötigen Emotionen und ermöglichte es am Ende auch noch, dem Schiedsrichter die Schuld zu geben. Ich hingegen war froh, dass Marko Marin so umständlich agierte wie er agierte, meine einen Fortschritt in der spielerischen Entwicklung meiner Blauen erkennen zu können und glaube, dass es eher an Schalke war, dieses Spiel zu gewinnen.

Gerade in der zweiten Halbzeit war Schalke die reifere Mannschaft. Rangnick brachte zur Halbzeit Jurado für Papadopoulos und schaltete einen offensiveren Gang ein. Davon profitierte vor allem Julian Draxler, der fortan besser eingesetzt und zu einem Aktivposten wurde. Schalke generierte Chancen, die Aktionen wirkten durchdacht. Es war kein Feuerwerk, Bremen hielt mit viel Einsatz, mit Sturm und Drang dagegen, aber bei nahezu jedem Ballbesitz war eine Idee zu erkennen, wie man zu einer Torchance gelangen wollte. Zwar missriet mancher Abschluss oder ein letzter Pass kam nicht an, Ballverluste beim Hin- und Herschieben, bei der vergeblichen Suche nach einer Lücke in der Abwehrreihe, gab es hingegen kaum zu sehen. Das ist für Schalke 04 ein echter Fortschritt.

Ich habe gelitten und häufig auf die Uhr geschaut. Mir ist Zufriedenheit nach Unentschieden in Punktspielen suspekt. Stunden später habe ich allerdings auch meinen Frieden mit dem Ergebnis gemacht. Ein Unentschieden, dass am Ende nicht weh tat. Außerdem mag ich Meister Schaaf.
Thomas Schaaf wird seinen Anteil an der schlechten Saison des SV Werder Bremen haben. Von außen schien es, als wollte man an der Weser einfach mal ausprobieren, Abgänge wie Diego, Özil und Almeida nicht adäquat zu ersetzen. Fast wie aus Trotz, um den Ruf der aus wenig viel Machenden mal besonders laut verkündigen zu können. Jedenfalls wunderte es in meinem Umfeld niemanden, dass die „Green Machine“ ins Stocken geriet, und eine besonders starke Defensivarbeit wurde in Bremen seit Jahren nicht verortet. Nun hat Thomas Schaaf den Abwärtstrend gestoppt. Die Mannschaft spielt konventioneller, defensiv stabiler. Als hätte Schaaf „Reset“ gedrückt um geordneter neu aufzubauen.

Werders Trainer wird weitermachen dürfen, obwohl es in dieser Saison Phasen gab, in denen der Eindruck entstehen konnte, dass er mit seinen Kräften am Ende sei. Ohne es bestimmt sagen zu können würde ich für das Festhalten der SV Werder Bremen GmbH & Co. KGaA an ihrem Trainer eher Wissen um dessen Können als Nibelungentreue unterstellen. Angesichts des Brimboriums um die Trainerwechsel dieser Saison ist das eine zu wenig gewürdigte Geschichte.



6 Kommentare zu “Remis ohne Schmerzen”

  1. Markus sagt:

    Gerade aufgrund der 2. Halbzeit mag ich mich nicht mit diesem Remis abfinden. Ich bin der Meinung, unsere Jungs haben da 2 Punkte hergeschenkt.
    Wobei wir sicherlich in der 1. Halbzeit auch Glück hatten, dass der erste Treffer nicht gegeben wurde. Manch anderer Schiedsrichter hätte das Foul an unserem Schnapper nicht gepfiffen…

  2. DeepBlue sagt:

    Zwei Seelen schlagen, ach in meiner Brust. Auf der einen Seite kann man nach dem bisherigen Verlauf der Liga mit einem Unentschieden auf fremdem Platz sicherlich gut leben. Auf der anderen Seite habe ich natürlich ein bisschen gehofft, die Mannschaft würde – mit neuem Selbstbewusstsein ausgestattet – vielleicht doch noch einmal den Kampf um die Euro-League aufnehmen. Aber solange das Pokalfinale gewonnen wird …!

    Liest man übrigens die Zeitung mit den 4 grossen Buchstaben, scheint der Wechsel unseres Ballfängers in eine süddeutsche Grosstadt unter Verweis auf einen lächelnden, die Entscheidung bereits kennenden Vorstand wohl schon beschlossen zu sein. Sei es drum. Reisende soll man ja bekanntlich nicht aufhalten.

  3. blues sagt:

    Hoffe wir sehen noch zwei bis drei starke Pokalfights. Der Rest ist Saisonvorbereitung 2011/12 und Schaulaufen für nicht Stamm-und Bankspieler.
    Warum Manuel Neuer das so macht wie jetzt in den Medien geschrieben wird? Warum er als Schalker bei den Bayern vor der Südkurve und auf Schalke als Bayerntorwart vor der Nordkurve zu stehen in Kauf nimmt? Es nicht so macht wie Raul, und erst im besten Torwartalter wechselt. Aber weg ist weg, das muss man aushalten. Vielleicht kommt er nach ein paar Wanderjahren wieder zurück. Die Option sollte man ihm und uns offen halten und ihn nicht symbolisch exkommunizieren

  4. toms3n sagt:

    @blues
    Schalke mit Real Madrid zu vergleichen kann von Dir nur als Witz gemeint sein, oder?
    Sein Abgang ist unheimlich schade und auch bitter für den S04, aber jetzt diese Judas-Geschichten aufzuziehen ist mMn albern. Das Fußballspielen ist Manus Beruf und wenn man woanders bessere Perspektiven sieht, dann wechselt man eben…im Fußball, im Basketball, beim Brötchen backen.

  5. Henning sagt:

    Die Sache ist doch die:

    Manus unglaublicher Status resultierte nicht allein aus seinen dauerhaft starken Leistungen. Zur „lebenden Legende“ wurde er ja auch, weil er selbst Schalker war, und in der Kurve stand, „einer von uns“! Dieser zweite Teil, das „Schalkersein“ endet mit dem Wechsel zum FCB.

    Er bleibt also ein großer Schalker Spieler, aber das, was ihn so ganz besonders gemacht hat, geht verloren!

  6. Maddin sagt:

    Hömma Thoms3n, als Kunde hasse auch mehr Perspektive bei den Bayern als auf Schalke. Himmel Herr Gott!!! Woher kommen all diese Bayernversteher??

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