Schalke 04 holt den ersten Titel seit 9 Jahren und erreicht das Halbfinale der Champions League. Trotz dieser Schlaglichter war es eine Saison voller Schatten. Zwar wurde alles irgendwann und irgendwo schon mal gesagt, vermutlich auch von mir, trotzdem ist es mir ein Bedürfnis, einen Strich drunter zu ziehen.
Die Ergebnisse
Am Ende steht ein Pokalsieg, hohe Einnahmen aus der Champions League und die Qualifikation für die Teilnahme an der Europa League in der kommenden Saison. Ich nehme es niemandem übel, wenn er an dieser Stelle den Rückblick beendet, ein Pilsken zischt und auf die neue Saison wartet. Ich selbst leide nach.
Schalke 04 hatte sehr viel Massel, dass mit den Leistungen in dieser Saison am Ende noch so gute Ergebnisse erzielt werden konnten. Dazu gehörte auch, in den Schlüsselspielen auf angeschlagene Gegner getroffen zu sein. Das gilt für das Pokalhalbfinale in München genauso wie für die Spiele gegen Inter Mailand.
München war zu dieser Zeit hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt. Schalke spielte solide, München erst schlecht und als sie besser wurden klärte Manuel Neuer einige Male überragend. Inter Mailand spazierte in der Anfangsphase des Hinspiels nach belieben durch Schalkes Defensive. Die Wende erfuhr dieses grandios verrückte Spiel als sich herausstellte, dass Mailand defensiv verwundbar war und Schalke an sich zu glauben begann.
Ich will nichts mies machen. Schalke hat im Pokal und in der Champions League vergleichsweise gute Leistungen gezeigt, und auch ich habe mich wie bekloppt darüber gefreut. Ich denke aber, dass auch in diesen Spielen die Schwächen zu sehen waren, die Schalke die gesamte Saison begleitet haben.
Die Mannschaft
… wurde völlig konzeptfrei zusammengewürfelt. Vom Weltstar bis zu Verlegenheitsverpflichtungen von vereinslosen Resterampekickern waren alle erdenklichen Qualitätsstufen vertreten. Ein solches Gewurschtel sucht im europäischen Fußball sicher seines Gleichen. Positionsbezogen war das Gefälle von Offensive nach Defensive über die gesamte Saison dramatisch.
Es lässt sich im Rückblick ja kaum noch lückenfrei aufführen, wer in dieser Saison alles hinter den Offensivstars Raul, Huntelaar, Farfan und Jurado für defensive Ordnung sorgen sollte. Jones, Rakitic, Moritz, Kluge, Annan, Matip und Papadopoulos fallen mir ein, am Ende Jurado selbst … so viele verschiedene Spieler, wie Schalke 04 auf der 6er-Position eingesetzt hat, haben andere Clubs für die ganze 4er-Kette nicht gebraucht. Und trotzdem hat es nicht funktioniert. Trotzdem war Schalke die gesamte Saison defensiv anfällig. Durch die Mitte und dann gerne auf den zu langsamen Christoph Metzelder treffend, oder über Außen, wo Atsuto Uchida bis zuletzt zu viele Chancen zuließ und auf der Linksverteidigerposition ein ähnliches Tohuwabohu wie im defensiven Mittelfeld herrschte. Bis zuletzt fehlten dieser Mannschaft die Grundlagen und ein Konzept, um das offensiv sicher vorhandene Potenzial ausschöpfen zu können. Dass ein so überragender Einzelspieler wie Jefferson Farfan in 28 Bundesligaspielen auf gerade mal jämmerliche 3 Tore kam, steht beispielhaft dafür, wie die Qualität der Einzelspieler in Konzeptlosigkeit verpuffte.
Felix Magath
… kaufte Spieler in der Hoffnung, sie nicht einsetzen zu müssen. Dazu kamen Spieler, die, trotz Hoffnung auf Einsätze, ohne eine echte Chance bekommen zu haben wieder aussortiert wurden. Felix Magath ersetzte Spieler mit der Begründung, durch die Wechsel Gehaltskosten zu senken. Heute hat Schalke 04 einen 32-Mann-Kader mit einem Haufen schwer vermittelbarer Profis und die Gehaltskosten sind höher denn je. Über den Trainer Felix Magath kann man vielleicht noch streiten. Der Manager und Vorstand Felix Magath war schlecht für den FC Schalke 04, und es ist gut dass er weg ist.
Clemens Tönnies, Horst Heldt und Ralf Rangnick
Clemens Tönnies ist immer wieder für Aktionen gut, die bei mir akutes Kopfschütteln verursachen. Wie gerade jetzt wieder, beim Palaver um Manuel Neuer. Manch einer mag sein Auftreten nicht mögen und seine Darstellung kritisieren. Aber dass ihm bezüglich der Personalie Felix Magath sachlich was anzulasten ist, denke ich nicht. Horst Heldts Zeit hat gerade erst begonnen. Seit Wirken wird erst in Zukunft beurteilt werden können. Ähnlich ist es bei Ralf Rangnick. Er hat erreicht, was zu erreichen war.
Raúl
Abseits aller sportlichen Werte und Bewertungen war Raúl González Blanco natürlich auch für mich, wie wohl für alle Schalker, eine tolle Erfahrung. Ein Mann, dem man ohne weiteres zutraut, nach dem Training auch noch im Park mit einer Hobbymannschaft zu kicken, einfach weil er noch Lust dazu hat. Raúl liebt das Spiel. In ihm lebt die Begeisterung eines Kindes. Gepaart mit seinem Können und dem Wissen um seine Erfolge ergibt das eine faszinierende Mischung.
Das Fazit
Der Pokalsieg und die Nacht von Mailand bereichern Schalkes Historie. Trotzdem ist die Bundesligasaison nicht irgendwie dumm gelaufen, Schalke 04 war tatsächlich nur für 40 Punkte gut. Durch einige gute Ergebnisse in den richtigen Spielen ist das Saisonergebnis ok und Schalke bleibt handlungsfähig. Obwohl gespart werden soll, werden Heldt und Rangnick in einem gewissen Umfang agieren können. Bei mir bleibt am Ende die Freude über den Pokal und ein „irgendwie noch mal gut gegangen“-Gefühl.









