Artikel im Mai 2011

Mein Schlussstrich

Schalke 04 holt den ersten Titel seit 9 Jahren und erreicht das Halbfinale der Champions League. Trotz dieser Schlaglichter war es eine Saison voller Schatten. Zwar wurde alles irgendwann und irgendwo schon mal gesagt, vermutlich auch von mir, trotzdem ist es mir ein Bedürfnis, einen Strich drunter zu ziehen.

Die Ergebnisse

Am Ende steht ein Pokalsieg, hohe Einnahmen aus der Champions League und die Qualifikation für die Teilnahme an der Europa League in der kommenden Saison. Ich nehme es niemandem übel, wenn er an dieser Stelle den Rückblick beendet, ein Pilsken zischt und auf die neue Saison wartet. Ich selbst leide nach.

Schalke 04 hatte sehr viel Massel, dass mit den Leistungen in dieser Saison am Ende noch so gute Ergebnisse erzielt werden konnten. Dazu gehörte auch, in den Schlüsselspielen auf angeschlagene Gegner getroffen zu sein. Das gilt für das Pokalhalbfinale in München genauso wie für die Spiele gegen Inter Mailand.
München war zu dieser Zeit hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt. Schalke spielte solide, München erst schlecht und als sie besser wurden klärte Manuel Neuer einige Male überragend. Inter Mailand spazierte in der Anfangsphase des Hinspiels nach belieben durch Schalkes Defensive. Die Wende erfuhr dieses grandios verrückte Spiel als sich herausstellte, dass Mailand defensiv verwundbar war und Schalke an sich zu glauben begann.

Ich will nichts mies machen. Schalke hat im Pokal und in der Champions League vergleichsweise gute Leistungen gezeigt, und auch ich habe mich wie bekloppt darüber gefreut. Ich denke aber, dass auch in diesen Spielen die Schwächen zu sehen waren, die Schalke die gesamte Saison begleitet haben.

Die Mannschaft

… wurde völlig konzeptfrei zusammengewürfelt. Vom Weltstar bis zu Verlegenheitsverpflichtungen von vereinslosen Resterampekickern waren alle erdenklichen Qualitätsstufen vertreten. Ein solches Gewurschtel sucht im europäischen Fußball sicher seines Gleichen. Positionsbezogen war das Gefälle von Offensive nach Defensive über die gesamte Saison dramatisch.

Es lässt sich im Rückblick ja kaum noch lückenfrei aufführen, wer in dieser Saison alles hinter den Offensivstars Raul, Huntelaar, Farfan und Jurado für defensive Ordnung sorgen sollte. Jones, Rakitic, Moritz, Kluge, Annan, Matip und Papadopoulos fallen mir ein, am Ende Jurado selbst … so viele verschiedene Spieler, wie Schalke 04 auf der 6er-Position eingesetzt hat, haben andere Clubs für die ganze 4er-Kette nicht gebraucht. Und trotzdem hat es nicht funktioniert. Trotzdem war Schalke die gesamte Saison defensiv anfällig. Durch die Mitte und dann gerne auf den zu langsamen Christoph Metzelder treffend, oder über Außen, wo Atsuto Uchida bis zuletzt zu viele Chancen zuließ und auf der Linksverteidigerposition ein ähnliches Tohuwabohu wie im defensiven Mittelfeld herrschte. Bis zuletzt fehlten dieser Mannschaft die Grundlagen und ein Konzept, um das offensiv sicher vorhandene Potenzial ausschöpfen zu können. Dass ein so überragender Einzelspieler wie Jefferson Farfan in 28 Bundesligaspielen auf gerade mal jämmerliche 3 Tore kam, steht beispielhaft dafür, wie die Qualität der Einzelspieler in Konzeptlosigkeit verpuffte.

Felix Magath

… kaufte Spieler in der Hoffnung, sie nicht einsetzen zu müssen. Dazu kamen Spieler, die, trotz Hoffnung auf Einsätze, ohne eine echte Chance bekommen zu haben wieder aussortiert wurden. Felix Magath ersetzte Spieler mit der Begründung, durch die Wechsel Gehaltskosten zu senken. Heute hat Schalke 04 einen 32-Mann-Kader mit einem Haufen schwer vermittelbarer Profis und die Gehaltskosten sind höher denn je. Über den Trainer Felix Magath kann man vielleicht noch streiten. Der Manager und Vorstand Felix Magath war schlecht für den FC Schalke 04, und es ist gut dass er weg ist.

Clemens Tönnies, Horst Heldt und Ralf Rangnick

Clemens Tönnies ist immer wieder für Aktionen gut, die bei mir akutes Kopfschütteln verursachen. Wie gerade jetzt wieder, beim Palaver um Manuel Neuer. Manch einer mag sein Auftreten nicht mögen und seine Darstellung kritisieren. Aber dass ihm bezüglich der Personalie Felix Magath sachlich was anzulasten ist, denke ich nicht. Horst Heldts Zeit hat gerade erst begonnen. Seit Wirken wird erst in Zukunft beurteilt werden können. Ähnlich ist es bei Ralf Rangnick. Er hat erreicht, was zu erreichen war.

Raúl

Abseits aller sportlichen Werte und Bewertungen war Raúl González Blanco natürlich auch für mich, wie wohl für alle Schalker, eine tolle Erfahrung. Ein Mann, dem man ohne weiteres zutraut, nach dem Training auch noch im Park mit einer Hobbymannschaft zu kicken, einfach weil er noch Lust dazu hat. Raúl liebt das Spiel. In ihm lebt die Begeisterung eines Kindes. Gepaart mit seinem Können und dem Wissen um seine Erfolge ergibt das eine faszinierende Mischung.

Das Fazit

Der Pokalsieg und die Nacht von Mailand bereichern Schalkes Historie. Trotzdem ist die Bundesligasaison nicht irgendwie dumm gelaufen, Schalke 04 war tatsächlich nur für 40 Punkte gut. Durch einige gute Ergebnisse in den richtigen Spielen ist das Saisonergebnis ok und Schalke bleibt handlungsfähig. Obwohl gespart werden soll, werden Heldt und Rangnick in einem gewissen Umfang agieren können. Bei mir bleibt am Ende die Freude über den Pokal und ein „irgendwie noch mal gut gegangen“-Gefühl.

Ehrenmänner aus dem Bayernland



via limbos86 | Foto: RedJinn

Hoffentlich besoffen!

Man kann sich des Themas nicht entziehen. Zwar war es nur in Boulevardzeitungen zu lesen, aber immerhin wurde Clemens Tönnies in wörtlicher Rede wiedergegeben. Er sei strikt gegen den Transfer Manuel Neuers nach München, er wolle Neuer „den Bayern noch aus dem Rachen reißen“. Bild will wissen, dass der Aufsichtsratschef Manuel Neuer mit 7 Millionen Euro Gehalt und dem Versprechen von „Star-Einkäufen“ doch noch zu einer Vertragsverlängerung auf Schalke bewegen will.

So bescheuert die Geschichte auch klingt, ich halte ein solches Ansinnen Tönnies’ für durchaus denkbar. Ich glaube, dass Clemens Tönnies immer das Beste für den FC Schalke 04 will und dass er davon überzeugt ist, dass solches Handeln auf große Zustimmung in der Schalker Gemeinde stößt. Ob dem tatsächlich so ist kann ich nicht beurteilen. Ich persönlich hoffe, Clemens Tönnies war nach den Pokalfeierlichkeiten hackedicht, als ihm ein Bild-Ohr nahe kam. Oder das Ohr war hackedicht. Am besten alle beide.

Horst Heldt sagte vor 8 Wochen, dass man nicht mehr von Meisterschaften faseln wolle, dass es bei sportlicher Konkurrenzfähigkeit ein ebenbürtigen Ziel sein soll, die Finanzen zu konsolidieren. Einem Spieler, egal wem, 7 Millionen Gehalt zu zahlen, und die Verpflichtung von „Stars“ anzukündigen, ist das Gegenteil davon. Die Fans werden per Anleihe um ihre Penunzen angepumpt um irgendwelche anderen, noch teurere Kredite bedienen zu können, und man spielt als zweitgrößter Verein Deutschlands gegen Manchester United mit Löchern im Stadiondach – da hegt man Hoffnung, wenn ein Manager zur Abwechslung mal bieder und sparsam erscheint. Ob Tönnies’ Vorhaben überhaupt realistisch ist oder nicht ist unerheblich: Es ist auf jeden Fall das falsche Signal.

Manuel Neuer will auf Schalke nicht verlängern. Das finde ich schade, aber richtig scheiße würde ich es finden, wenn er für 7 Millionen plötzlich doch bleiben wollte. Wenn die in den Medien kolportierten Summen stimmen hat Horst Heldt einen guten Preis für ein Jahr Vertrag ausgehandelt. Ich bin nicht sauer auf Manuel Neuer, aber ich will das ganze Rumgeier auch nicht mehr länger ertragen müssen.

Vielleicht löst sich demnächst alles auf, vielleicht stimmt das alles gar nicht und Clemens Tönnies war tatsächlich nur zu besoffen. Ich würde es ihm nachsehen, sogar gönnen. Und uns auch.



Foto: bloggingberlin

DFB-Pokalsieger 2011: FC Schalke 04!

Schalke 04 siegt gegen den MSV Duisburg mit 5:0, gewinnt einen wunderschönen Pokal und hat sich damit für die Play-Off-Runde der kommenden Europa League-Saison qualifiziert. Ein entspanntes Spiel. Ein angemessenes Drumherum. Trikots in einer Farbe, bei der am Ende nur der Name wirklich furchtbar bleibt. Eine tolle Pokalsaison, derer es unwürdig ist, wenn man an Ende nur über den Wechselwillen des Torhüters spricht.

Manuel Neuer will weg, Clemens Tönnies hat Lust Eier zu zeigen, und ein Idiot wollte ins Fernsehen. Ärgerliche Nebengeräusche, Ablenkungen von etwas, dass die volle Aufmerksamkeit verdient hat.

Sechs Spiele, sechs Siege. Nur ein Heimspiel, gegen den Club aus Nürnberg, das Julian Draxler so beeindruckend entschied. Das schwerstmögliche Halbfinale in München, mit Raúl als Torschützen und Manuel Neuer als überragenden Rückhalt.
Ein 5:0 gegen den MSV Duisburg, dass manch einer als „standesgemäß“ erachten mag. Aber zum einen halte ich das für respektlos dem Gegner gegenüber. Zum anderen waren die Zweifel vor dem Spiel, ob Schalke sich nicht vielleicht selbst im Weg stehen könnte, nach 6 Niederlagen in Folge, nicht von der Hand zu weisen.

Was bleibt ist der Triumph für den Verein und die persönlichen Eindrücke. Für mich als Duisburger war die Konstellation speziell, weil diesmal quasi jeder in meinem geteilten Duisburger und Gelsenkirchener Verwandten- und Freundeskreis Anteil nahm. Umso schöner, dass diesem Ergebnis nichts Diskussionswürdiges oder Negatives anhaftete. Ein klarer, kein dreckiger Sieg.

Mit diesem Erfolg endet eine unglaublich schalkige Saison. Was man sich auch immer ausdenken mag, was in einer Spielzeit in einem Club passieren könnte, der FC Schalke 04 ist prädestiniert für die Umsetzung jeglicher Phantasien. Dieser Pokalgewinn ist als Saisonrausschmeißer grandios. Im Fußball zählt nicht der erste Eindruck sondern das letzte Ergebnis. Ich freue mich wie bekloppt, hier und heute. Das Fazit zur Saison als Ganzes folgt später, das braucht noch ein paar Tage. Erstmal alles sacken lassen.

Glück auf!



Foto: Jarlhelm

Showdown in Berlin

Gestern gab es in der WAZ ein meines Erachtens ziemlich gutes Interview mit Ralf Rangnick. Im Handelsblatt gab es außerdem einen sehr interessanten Text zum Gazprom-Sponsoring auf Schalke.

Über diese Texte kann man nachdenken, man kann sich damit die Zeit verdingen. Aber dabei geht es um Schalkes Vergangenheit und Schalkes Zukunft. Jetzt ist die Gegenwart, das Pokalfinale, und darüber ist vorausschauend eigentlich alles schon gesagt. Jetzt geht es um das Erleben, um die Eindrücke, um das hier und jetzt.

Auf das Projekt „FinaleS04“ hatte ich hier bereits hingewiesen. Dieses Projekt besteht ausschließlich aus Eindrücken zum Hier und Jetzt. Gestern durfte ich das Projekt den Hörern von 1Live vorstellen, was hier nachzuhören ist. Sei dabei, folge mir und uns dort oder dort.

Glück auf!

Das Übrige zum Donnerstag

Da findet ein Europacup-Endspiel statt, und kaum jemanden interessiert es. Ich hab’s nicht gesehen. Das Relegationsspiel heute sehe ich mir an. Ich mag die Relegation.

Clemens Tönnies war in Russland. Ich nehme es ihm nicht übel. Schalke ist finanziell nicht gesund, da nimmt man was man bekommt. Vermutlich nimmt jeder war er bekommt, selbst wenn er finanziell gesund ist. Trotzdem ist es mit zuwider, das mein Verein für Gazprom wirbt. Bis 2017 werde ich mir kein Trikot kaufen können.

Wen die Werbung nicht interessiert, der schaut vielleicht auf die Farbe. Schalkes Ausweichtrikot ist so toll, das der Lichteinfall die Farbe bestimmt. Nicht Nürnberg oder Magath, sonder alles in einem. Live gesehen habe ich’s noch nicht. Ma’kucken.

Ab sofort läuft das Projekt „FinaleS04“. Bis Sonntag werde ich meine Eindrücke und meine Gedanken rund um das Finale vor allem unter @FinaleS04 / FinaleS04 kundtun.

Mittlerweile hat sich mein Ärger über die schlechten Leistungen in den letzten Spielen etwas gelegt. Ich gehe recht entspannt in das Finale. Zwischendurch war mir mulmig zumute. Jetzt freue ich mich drauf. Der DFB-Pokal ist ein toller Wettbewerb und ein schöner – weil ein urtypischer Pott. Schalke hat alle Voraussetzungen, das Ding zu holen. Möge die Übung gelingen …

Finale S04: Mit 12 Köpfen live dabei

12 Schalker werden 04 Tage lang, von Donnerstag bis Sonntag, von unterschiedlichsten Orten ihre Eindrücke rund um das Pokalfinale per Twitter in Echtzeit schildern. Zusammengefasst in einem Kanal werden dem Leser unterschiedlichste Live-Perspektiven geboten. Ich bin einer der 12.

In Berlin im Stadion. In Berlin, aber noch ohne Ticket. In Gelsenkirchen, beim offiziellen Public Viewing. In Kneipen irgendwo in der Repubik. Auf Dienstreise in Finnland. Wir werden das Spiel von unterschiedlichsten „Locations“ beobachten. Ich selbst fahre nicht nach Berlin, sondern werde in der Stadt des Gegners, die meine Stadt ist, im eigenen Wohnzimmer, mit meiner kleinen Schalker Familie, gemeinsam mit einer kleinen MSV Familie, das Spiel verfolgen. Aber das Spiel selbst sind ja nur 90 bis 120 Minuten.

Es geht eigentlich noch viel mehr um das Drumherum. Um die Anreise oder die Kartenjagd. Um Vorbereitungen und Vorfreude. Um Begegnungen, Skurrilitäten, Jubel oder Trauer, Organisation oder freies Treiben. Um die ganze Palette der Emotionen, die sich an unterschiedlichen Orten an unterschiedlichen Dingen aufhängen, und die sich unterschiedlich äußern. Wir werden beobachten und berichten. Live. Von Donnerstag bis Sonntag. Egal wie’s ausgeht.

Twitter-Nutzer können uns unter @FinaleS04 verfolgen.
Ohne Twitter kann man unsere Meldungen unter finales04.de nachlesen. Dort gibt es auch noch weitere Informationen zum Projekt.