Mein fehlendes Wort zu Borussia Dortmund

Nein, ich will keine freudige Anteilnahme bekunden, deshalb kann ich nicht gratulieren. Ein Glückwunsch liegt mir selbstredend noch viel ferner. Es lässt sich partout nicht auf ein griffiges Wort reduzieren, und ein aus zwei Wörtern bestehendes „Hut ab!“ wäre zu lapidar. Es läuft auf die sperrige Formulierung „Ich zolle Anerkennung“ hinaus. Es geht um Borussia Dortmund.

Seit drei Jahren wurde in Dortmund überragend viel richtig gemacht. Jürgen Klopp wirkte von Beginn an authentisch. Für ihn war Dortmund ein Aufstieg, man hatte sofort das Gefühl, dass es für ihn eine Herausforderung war, das Beste aus diesem Club zu machen. Zumindest gefühlt mit offenem Ende. Das Gegenteil von einem zeitlich begrenzten Projekt mit überhöhten Zielvorgaben.
Es wurde eine Mannschaft zusammengestellt in der die Leistungsträger so jung sind, dass sie noch gar nicht im Zenit ihrer Leistungsfähigkeit stehen können. Und doch funktionierten sie eine komplette Saison wie eine unter Hochdruck stehende Maschine und besiegten die Liga.

Nur gegen zwei der 17 anderen Bundesligaclubs hat Dortmund in dieser Saison nicht gewonnen; gegen einen davor wird noch mal gespielt. In 32 Bundesligaspielen hat Dortmund 19 Gegentore zugelassen. Der Club mit den zweitwenigsten Toren kassierte doppelt so viele. Aber auch Abseits der Zahlen war die Leistung beeindruckend. Die große Mehrheit der Spiele hat Borussia sehr dominant, aus eigener Kraft völlig verdient gewonnen. Bei einer Reihe der nicht gewonnenen Spiele war Dortmund auch noch die bessere Mannschaft. Verdienter kann eine Mannschaft kaum Meister werden.

Mal abgesehen von irgendwelchen Scharmützeln, von Populismus oder Peinlichkeiten, sondern bezogen auf Planung und Durchführung in allen Betätigungsfeldern die mit dem Spielbetrieb zu tun haben, hat Borussia Dortmund mit diesen drei Jahren eine Referenz für alle Bundesligaclubs außer Bayern München geschaffen.



22 Kommentare zu “Mein fehlendes Wort zu Borussia Dortmund”

  1. Detlef (Dr_D) sagt:

    Warum nicht gratulieren? Die Mannschaft hat sich den Meistertitel verdient. Wie du richtig schreibst war sie die dominierende Mannschaft während der bisherigen 32 Spieltag.

    Und ja es gibt jetzt eine neue Referenz, aber so etwas wie in D mund lässt sich nicht wiederholen, schon gar nicht durch Planung und einen 3, 5 oder 10 Jahresplan. Da kam einfach vieles glücklich zusammen, Talente, die richtige Leute zur richtigen zeit am richtigen Platz.

    Noch was: Der Himmel ist weiterhin Blau Weiß und das ist auch gut so.

  2. Bene sagt:

    Der beste Glückwunsch stammt imho von Frank Rost im ASS:

    http://is.gd/U8LFC7

  3. Ostwestf4le sagt:

    Danke, dass Du als einer der wenigen Blauen Größe zeigst.

  4. Die Blauen aus Gelsenkirchen gratulieren Borussia Dortmund > Borussia Dortmund > Borussia Dortmund, Deutscher Meister, Deutscher Meister 2011, Schalke 04 sagt:

    […] Ich zitiere aus seinem Artikel: […]

  5. derwahrebaresi sagt:

    ich gratuliere nur ihrem torwart, zum „matthäus des jahres“

  6. Matthias sagt:

    ich gratuliere nur ihrem torwart, zum “matthäus des jahres”

    Wobei man ehrlicherweise sagen muss, dass das Englisch des Dubai-TV-Reporters mindestens genau so grenzwertig war. Da haben sich einfach zwei Brüder im Geiste gesucht und gefunden ;-)

  7. Ney sagt:

    Da Benes link anscheinend nicht funzt, hier Fäustels Beitrag in Reinschrift:
    „Jaja, ich gratulier ihnen natürlich zu Meisterschaft, aber…pff…ist natürlich… – als Ex-Schalker tut man das nur aus Anstandsgründen.“ http://tinyurl.com/65fo8hf

  8. Bene sagt:

    @Ney Gerade nochmal überprüft; bei mir funzt er, genau wie deiner. Ansonten nochmal in Langform:
    http://www.zdf.de/ZDFmediathek.....s-der-Liga

    PS: auf’s Transscribieren hatte ich keinen Bock, Danke ;)

  9. Kowski04 sagt:

    Leider vorbildlich.

    Das Kapitel FM belegt aber wieder einmal die fehlende Staerke des Vereins sich von Maloche und Kampf loszusagen und ein modern gefuehrter Verein zu werden. Der BVB hat dies in den 90 ern geschafft.

  10. Ney sagt:

    @Kowski04
    Welche Art Ironie ist denn das nun wieder? Jener in den 90ern „modern geführte“ Verein war danach faktisch pleite.

  11. Ollis sagt:

    @Ney man kann nicht die gesamte Zeit des Vereins in den 90er Jahren mit der Pleite in Verbindung bringen. Ab ´89 – ´97 war es eine sehr erfolgreiche Zeit, in der finanziell wie sportlich sehr effektiv und gut gearbeitet wurde!

  12. Andreas sagt:

    Ich finde nichts dabei, den Zecken zu einem sportlich hochverdienten Titel zu gratulieren. Soviel Fairness muss sein, immerhin tun sich beide Seiten strukturell rein gar nichts. Außer natürlich, dass unserer ein wenig mehr Professionalität im Spiel mit den Medien fürwahr gut täte. Vom positivem Einfluss ganz zu schweigen, denn irgendwie hat man es immer wieder mit Kommentatoren zu tun, die sich ausschließlich darin gefallen, gegen uns zu stänkern. Wo bleiben die Fürsprecher von Schalke eigentlich in der sogenannten Öffentlichkeit?

    Das Stänkern gegen die Zecken wiederum geht nächste Saison doch sowieso weiter. Dann werden die Karten neu gemischt und wir sehen, wie weit Klopps Kasper in den 3 Wettbewerben kommen. Und uns über den einen oder anderen Denkzettel für schwachgelb ein Loch in den Boden freuen, gerade wenn wir selbst den Stachel ins Fleisch treiben dürfen.

  13. DeepBlue sagt:

    Als Kind des Ruhrgebietes ist mir Lüdenscheid-Nord als Meister immer noch lieber als die Münchener Dauersieger.

    Insofern habe ich den schwarz-gelben Kollegen im Büro natürlich gratuliert und bin mir sicher, dass die es im Falle unseres möglichen Pokalerfolges ebenso halten werden.

  14. Maddin sagt:

    Ach jau, da ist am Rande des Sauerlands ja ein Sack Reis umgefallen;)

  15. Links anne Ruhr (03.05.2011) » Pottblog sagt:

    […] Mein fehlendes Wort zu Borussia Dortmund (Königsblog) – Wie sich ein Schalke-Fan zur Meisterschaft des BVB äußert. […]

  16. Uwe sagt:

    @Bene. Sagt der Heidel denn in dem Interview bei ca. 1:30 wirkllich „Und jetzt lass die Sau raus, Gott“. Ich habe es mir dreimal angehört, weil ich erst dachte es ist das meeenzerisch ausgesprochene „dort“, aber ich glaube es heißt tatsächlich „Gott“. Haben die ihn in Mainz so genannt, und wenn ja, was müssen die Zecken jetzt zu ihm sagen??? ;-))

  17. Nick sagt:

    @Torsten: Danke für die Würdigung! So könnte man es ja auch nennen. ;)

    @Uwe: Heidel muss es ja nicht als Bezeichnung für Klopp gemeint haben. Auch wenn nicht mehr viel zum Trainergott fehlt. Aber es könnte eine spontane Äußerung a la „mein Gott“ von Heidel gewesen sein.

  18. Dan sagt:

    Ein aufrichtiges „Danke“ direkt aus Dortmund für diese ernst gemeinten Worte!!!!
    Schön zu sehen, dass es auf beiden Seiten nicht nur engstirnige Idioten gibt, sondern auch den einen oder anderen, der über den eigenen Tellerrand hinausblicken und über seinen Schatten springen kann!
    Viel Glück im Pokalfinale,

    Daniel

  19. Ben sagt:

    schade ich habe mich so auf raul gegen madrid gefreut, jetzt müssen wir doch gegen barca ran…..

  20. derwahrebaresi sagt:

    @dan: wenn man das mal auch über den „kurz“ sagen könnte …

  21. georg sagt:

    Nein, natürlich ist Dortmund zu gratulieren. Alles andere ist billig und Niveaulos. Zu uns: Magath hat´s gebracht, der kleine Professor ausser Sprüchen bis dato nichts. Mal sehen ob wir nicht aus lauter Siegesgewissheit in Berlin einen auf den Sack kriegen.

  22. tomba sagt:

    @Kowski: Das Problem sehe ich eher darin, dass diese „Malocher- und Kampfmentalität“ erst später als passende Weste über den Verein Schalke 04 gestülpt wurde, so ab der 80er, besonders verstärkt durch die Eurofighter.
    Schaut man aber mal Spiele und Spielausschnitte aus der Zeit davor, fällt auf, dass Schalke schon immer eine spielerisch herausragende Mannschaft war, der das kämpferische eher weniger zu eigen war (Schalker Kreisel, 50er und 70er Jahre)
    Nichts gegen die Kämpfermentalität, auch die muss man drauf haben. Ureigen ist sie der Schalker Spielweise aber eigentlich nicht. Aber sie wurde halt in Verbindung mit der „Kumpel- und Malochermentalität“ gerne aufgegriffen.

    zum Thema: verdient Meister, keine Frage.

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