Unvergessen, unverarbeitet

Heute spielt der FC Schalke 04 in Duisburg gegen den MSV. Die Einnahmen aus diesem Spiel werden den Opfern der Loveparade-Katastrophe zu Gute kommen.

Rund 10 Wochen ist es her, dass ich erstmals am Tunnel stehen blieb. Zuvor bin ich schnell vorbei wenn ich vorbei musste, zuvor passte es mir nicht, wollte ich es nicht an mich heran lassen. Nun war es ein Samstagmorgen, ich hatte keine Eile die zur Ausrede gereicht hätte, ich war alleine.

Auf einer Fläche, einige Meter neben dem Tunneleingang steht ein Glaskasten, in dem viel von dem aufbewahrt wird, was Trauernde an der Unglückstelle im Tunnel hinterlassen haben. Im Tunnel, an der Treppe, die für 21 Menschen unerreichbar blieb, kommen immer wieder mal weitere Trauerbekundungen dazu. Dort stehen nach wie vor brennende Kerzen.

Wer sich dort hinstellt, wer sich die Texte durchliest, die düsteren Mauern des Tunnels im Rücken, die Bilder und die Namen der Jungendlichen vor Augen, spürt Bedrückung, spürt Trauer, spürt Wut.





6 Kommentare zu “Unvergessen, unverarbeitet”

  1. NetGIER sagt:

    Als Nicht-Duisburger etwas undifferenziert:

    – Ein Bürgermeister klammert sich ans Amt, damit seine Pension nicht gefährdet ist
    – Statt die Schuldfrage zu klären, spielen Politik, Veranstalter und Polizei „Schwarzer Peter“
    – und das alles vor dem Hintergrund trauernder Hinterbliebener und psychisch angeschlagener Überlebender

    Von daher haben die Trauerfeier und die heutige Veranstaltung für mich einen besonderen Stellenwert: Ich habe das Gefühl, dass doch langsam Bewegung in die Verarbeitung kommt.

  2. Marc sagt:

    Sehr bewegend geschrieben, mir liefen kalte Schauer über den Rücken.

  3. berka sagt:

    Ich bin gelegentlich in Duisburg, noch häufiger durchquere ich die Stadt. Am Tunnel war ich noch nie. Ich habe ihn noch nicht aufgesucht weil es mir ein bisschen wie Sensationstourismus vorkäme (da abseits meiner üblichen Wege), und es hat sich auch noch nicht ergeben. Wenn ich am Bahnhof auf dem Bahnsteig stehe schaue ich nun immer zu der Halle hinüber unterhalb der das Geschehen seinen Lauf nahm.
    Und nun die Ereignisse von Oslo, fast genau ein Jahr später, ganz anders und weiter weg aber ebenso bedrückend.

  4. Andreas sagt:

    Die Loveparade ist ein weiteres Indiz dafür, dass das das Streben nach Höher, Schneller, Weiter und vor allem Mehr den falschen Götzen huldigt. Dass sich daran ernsthaft etwas ändern wird, wage ich zu bezweifeln, solange wir den Massenpsychotikern da draußen die Schaltstellen überlassen, anstatt selbst endlich Verantwortung zu übernehmen und zu sagen: Nein, ich mache Euren Schwachsinn nicht mehr mit.

  5. eisenschleuder sagt:

    ich glaube man muss sehr streng sein mit allen, die einen teil der verantwortung zu tragen hatten und um ihre kostenstellen möglichst zu schonen die gebotenen maßnahmen nicht ergriffen haben. damit wurden menschen mit tödlichem ausgang in gefahr gebracht. für profil- und charakterlos halte ich diejenigen, die sich nach kräften mühen, bloß ihren arsch an die wand zu kriegen. konsequent und angemessen wäre das bekenntnis gewesen, dass veranstalter und verwaltung und polizei versagt haben. dieses bekenntnis kommt aber nicht, weil es gilt die eigenen kostenstellen zu schonen. nix verstanden. nix gelernt. in einer gesellschaft mit solchen funktionsträgern, kann sowas immer wieder passieren. überall.

  6. Links anne Ruhr (27.07.2011) » Pottblog sagt:

    […] (Loveparade 2010): Unvergessen, unverarbeitet (Königsblog) […]

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