Artikel im September 2011

Haifa, HSV & Huubs ESR plus X-Premiere


Haifa | HSV | ESR plus X

Schalke 04 gewinnt im ersten Europa League Heimspiel in dieser Saison gegen Maccabi Haifa mit 3:1. Erst spielten sie gut, dann schlecht, am Ende wars nicht souverän aber völlig verdient.
In diesem ersten Spiel unter Huub Stevens war die Grundformation keine neue. Vor der Abwehrkette agierte mit Joel Matip ein echter- und mit Lewis Holtby ein falscher 6er, der bei gegnerischen Ballbesitz neben Matip rückte und sich bei eigenem Ballbesitz löste. Raúl als hängende Spitze mal neben, meist hinter Huntelaar, Draxler und Farfán auf den Außenpositionen; alles schon gehabt.

Im Unterschied zu den letzten Spielen blieben Draxler und Farfán konsequenter auf den Flügeln. Sie zogen weniger häufig früh in die Mitte, sondern orientierten sich in Richtung Grundlinie, bevor sie nachgerückte Mitspieler bedienten oder flankten. Huub Stevens hatte offensichtlich Schwächen auf den Außenverteidigerpositionen Maccabis ausgemacht. Die Vorgabe ging auf, in der ersten Hälfte hatten Julian Draxler und Fuchs starke Szenen auf der linken Außenbahn, rechts setzte sich Farfán immer wieder durch, in der zweiten Hälfte wurde José Manuel Jurado auf der linken Außenbahn gut, nachdem er sich zuvor im zentralen Mittelfeld deutlich schwerer tat.

Schalke hatte die besseren Einzelspieler, hatte auch die passenden Vorgaben mit auf den Weg bekommen, tat sich aber doch lange schwer mit diesem Spiel. Dabei hatte ich nicht den Eindruck dass es an Maccabi gelegen hätte. Schalke spiele in vielen Szenen einfach unsauber, nicht genau genug, und zeigte sich vom Ausgleich in der 35. Minute deutlich überrascht.
Der Gegentreffer geht klar auf die Kappe von Ralf Fährmann, der einen Distanzschuss einfach anders klären muss als ihn dem Gegner vor die Füße fallen zu lassen – eigentlich der Fährmann-Fehler, wenn ihm ein Tor anzukreiden ist, dann meistens nach eben diesem Muster. Joel Matip erwischte eine arg gebrauchten Tag und wurde von Huub Stevens fast zu spät ausgewechselt. Lewis Holtby leistete sich ebenfalls viele Ungenauigkeiten. Und weil auch Raúl kaum richtige Bindung zum Spiel fand, blieb in der Zentrale eben kein Spieler übrig, der eine Variation zum Flügelspiel initiieren konnte.

Gegen Hamburg wird sich Schalke sicherlich steigern müssen, es wird weniger Raum geben, das Spiel wird schneller sein. Aber das ist dann wieder ein anderes Spiel. Gestern sprang der Hengst Schalke eben so hoch er musste, und weil Bukarest gegen Larnaka nicht über ein Unentschieden hinaus kam, steht Schalke nun mit 4 Punkten auf Rang 1 der Europa-League-Gruppe J.

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Ein Selbstläufer für Journalisten. Heute vor einer Woche waren sich der HSV und Huub Stevens über eine Zusammenarbeit quasi einig, jetzt kommt Stevens als Schalke-Trainer nach Hamburg und will beweisen, dass der Trainer-Rookie Cardoso ihm nicht das Wasser reichen kann.

Es war schon eine komische Geschichte, die da zwischen dem HSV und Huub Stevens abgelaufen ist. Der HSV habe von einer Verpflichtung abgesehen, weil Stevens mit Schalke verhandelte und weil man einen Trainer wolle, der sich voll und ganz zum HSV bekennt. Das klingt so naiv und unprofessionell, dass es eigentlich nur eine fadenscheinige Ausrede gewesen sein kann. In Zeitungen war immer wieder zu lesen, dass sich Vorstand Arnesen und der Aufsichtsrat des Clubs angeblich nicht auf einen Kandidaten einigen konnten. Vielleicht war die Absage an Stevens nur ein Stich in den Machtspielchen des Vereins. Vielleicht war es aber auch so, wie ich es von einem HSV-Fan in einem Forum las, dass der HSV eh keine Chance mehr hatte, nachdem sich Schalke bei Stevens meldete.

Anlässlich der Begegnung wurde ich vom HSV-Fanblock eingeladen, einen Gastbeitrag zu schreiben. Also stieg ich in die Bütt, und weil mir nicht nach kuscheln war, schrieb ich ehrlich, wie ich den HSV sehe, auch wenn das vielleicht dem einen oder anderen Fan der Rothosen nicht gefällt. Den Beitrag gibt es hier zu lesen:

Gut, dass es den HSV gibt

Ich möchte noch kurz drauf hinweisen, dass ich dort, im Gastbeitrag, das Wort zwar benutze, es aber nicht in einem erklärendem Kontext gebrauchte, sondern mich stattdessen „per Anführungsstriche über die scheinbare Allgemeingültigkeit des Begriffs lustig machte“. Oder so. Also bitte ;-)

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Jetzt aber!
Runde 7 fiel unter den Tisch. Nach dem Rangnick-Rücktritt war ich zu enttäuscht, als dass ich auf ein Spielchen dieser Art Lust gehabt hätte. Aber jetzt ist Huub Stevens da, jetzt ist schon wieder alles anders, und erneut darf man sich fragen, ob das Spiel auch bei diesem Trainer funktioniert. Wir werden sehen. Jetzt kommt Runde 8!

Nachdem in den Kommentaren dieses Blogs einige Tage kontrovers über die Verpflichtung Huub Stevens diskutiert wurde, tat ich mich mit der Auswahl einer X Frage tatsächlich ein bisschen schwer. Dem einen oder anderen scheine ich als Stevens-Gegner zu gelten, und ich wollte den „Stevens-Jüngern“ nicht mit einer provokanten Aufgabenstellung vor den Kopf stoßen. Aber da ich mir in Zukunft noch jede Menge X Fragen ausdenken muss, dachte ich mir letztlich: Pfeif drauf. Zumal das Ergebnis ja völlig offen ist …

X Frage
Am Ende des Spiels gegen Freiburg wiesen die 11 Blauen auf dem Rasen ein Durchschnittsalter von 24,9 Jahren auf. Wie wird unter Huub Stevens das Durchschnittsalter am Ende des Spiels in Hamburg sein?

Wer auf +/- 0,2 richtig liegt, erhält den Punkt. Es werden nur die vollen Jahreszahlen der Spieler zur Ermittlung herangezogen, der Durchschnitt wird auf eine Stelle hinter dem Komma berechnet.
Es sei an dieser Stelle noch darauf hingewiesen, dass Ralf Fährmann vor drei Tagen Geburtstag hatte. Gegen Freiburg war er noch 22, gegen den HSV zählt er 23 Jahre.

Naja, und die Einwechselspieler zu raten ist unter Huub eben auch neu. Ich habe keinen Schimmer und tippe einfach mal auf …

Jones
Jurado
Pukki
X 26,0

Am Tag der Deutschen Einheit ist in diesem Blog auch „Dienstruhe“. Den Text zum Spiel in Hamburg gibt’s Dienstagfrüh, kurz davor erscheint die Auswertung zu dieser ESR plus X-Runde. Bis dahin wünsche ich ein grandioses langes Wochenende, viel Erfolg für unsere Blauen und Glück auf!

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Was ist Einwechelspieler-Raten und was ist eine X Frage?
Tippabgabe bis Sonntag, 16:30 Uhr. Bitte die drei Spielernamen und die Antwort auf die X Frage im Kommentarfeld als erstes und untereinander notieren. Mache dabei bitte die X Antwort mit einem vorangestellten „X“ kenntlich. Für „echte Kommentare“ unter den Tipps bin ich wie immer dankbar. | Fotos: holeymoon, Mark Henckel

Wortverbannung

 
 
 

K O N Z E P T T R A I N E R

 
 
 
Zwar hatte ich es selbst hier nie in einem Blogbeitrag benutzt. Trotzdem ist es nun an der Zeit, das Wort offiziell zu verbannen. Es wird zuviel Schindluder damit getrieben, mittlerweile ist es nur noch die Beschriftung einer Schublade. Die Benutzung trägt dazu bei, dass die Leute nicht mehr richtig hinschauen.

Natürlich machte es zunächst Sinn, das Wort zu erfinden. Es ließ sich schwer ausdrücken, was die Gruppe Trainer gemeinsam hatte, deren Interviews sich ähnlich lesen ließen, deren Interviews sich aber von den Interviews der bis dahin etablierten Trainer unterschieden. Tatsächlich konnte man auch auf dem Platz Gemeinsamkeiten erkennen. „Neue Generation“, das war zu ausgelutscht. Also schuf man das Wort.

Es passte, man konnte sich was darunter vorstellen. Aber definiert wurde es eben nie. Inzwischen wird es für alle Trainer genutzt die jung und einigermaßen erfolgreich sind. Wenn sie jung sind, einigermaßen erfolgreich waren und es gerade mal nicht mehr sind, wird es gar im negativen Sinn, als Schimpfwort benutzt, von denjenigen, denen es zuviel Brimborium um diese Trainer ist. Natürlich könnte ich nun, statt es zu verbannen, beschreiben, was ich darunter verstehe, sachlich eine Diskussion darum eröffnen. Am Ende blieben es aber bei dem Problem, dass man bei jedem Nutzer unsicher ist, was er darunter versteht, dass es Leute gibt, die es nach eigenem Erachten falsch definieren, dass man zuvor über das Wort diskutieren müsste, bevor man zum Kern kommen kann. Das ist müßig. Deshalb gehört es verbannt.

Sicher ist es anstrengend, genau zu beschreiben was man meint. Es ist verbindlicher Namen zu nennen, und vor zu viel Verbindlichkeit nimmt man sich in Acht. Aber um einer gelungene Kommunikation willen, ob der Versachlichung, ist es notwendig.

Amen.

Huub wie Huub

Es ist nicht wichtig, was in der Vergangenheit gewesen ist.
Es ist wichtig, was heute ist und was morgen ist.

… sagte Schalkes neuer Trainer auf der Pressekonferenz zu seiner Inthronisierung.

Eine Pressekonferenz, in der Horst Heldts deutlichste und nachvollziehbarste Aussage war, dass Schalke einen unfertigen Kader hätte und man deshalb bezüglich des Trainers kein Experiment wagen wollte. Ansonsten, so hörte es sich an, basiert die Idee auf der Nachahmung des FC Bayern München, der schließlich auch einen älteren Trainer ein zweites Mal verpflichtet hat. Dünn. Keine sehr gute Präsentation, meines Erachtens.

Eine Pressekonferenz, auf der Huub Stevens Dinge sagte, die man in dieser Situation eben so sagt. Er wolle Erfolg haben, er wolle fortführen, was Ralf Rangnick angefangen habe, er wolle einen Fußball spielen lassen, mit dem sich die Fans identifizieren könnten. Dabei war er meines Erachtens keines Wegs so locker, wie ihn Kommentatoren gesehen haben wollen. Wie seit 15 Jahren immer wieder gesehen lehnte er sich zwischen den Fragen mit verschränkten Armen zurück, nahm Abwehrhaltung ein. Wenn es um das Spiel, den Fußball an sich ging, wenn er Sätze sagte in denen „das war damals so und das ist auch heute so“ vorkamen, lehnte er sich vor und formulierte überdeutlich, scharf, verteidigend.
Huub Stevens fühlte sich bei diesen Fragen nicht wohl. Vielleicht weil er sich auf Pressekonferenzen generell nicht wohl fühlt, vielleicht weil ihm die Fragen nach „modernem Fußball“ mit der Unterstellung, er könne ihn nicht spielen lassen, einfach auf den Sack gehen, was durchaus nachvollziehbar wäre.

Es ist nicht wichtig, was in der Vergangenheit gewesen ist. Es ist wichtig, was heute ist und was morgen ist. Morgen ist immerhin Fußball. Ein perfektes Spiel für einen neuen Trainer, ein netter Rahmen, ein durchaus wichtiges Spiel gegen einen nicht allzu stark zu erwartenden Gegner. In den nächsten vier Wochen geht’s gegen Hamburg, Lautern und Leverkusen. Dann werden wir alle einschätzen können, wohin die spielerisch/taktische Reise geht. Ma’kucken. Wir können eh nichts dran ändern.

Der letztes Jahrhundert-Trainer

Fünf Tage nach Rangnicks Rücktritt hat Schalke 04 Huub Stevens als Nachfolger verpflichtet. Zuvor hieß es, man wolle die beste und nicht die schnellte Lösung finden, zuvor hatte Horst Heldt stets betont, man wolle einen Trainer, der Ralf Rangnicks Fußballphilosophie fortführen kann.

Horst Heldt hat versagt. Huub Stevens steht für das von Ralf Rangnick aus gesehen entgegengesetzte Ende des Fußballphilosophie-Spektrums. Huub Stevens steht für Fußball der 90er Jahre. Ein nach den ursprünglichen Vorgaben falscheren Trainer hätte Horst Heldt nicht holen können.

Als Übergang sei das ok, mag manch einer einwerfen, Stevens Verpflichtung bringe Zeit, demnächst könne man dann wieder einen anderen, zukunftsorientierten und jüngeren Trainer engagieren, oder gar zum dritten Mal auf Ralf Rangnick hoffen. Das wäre allerdings ein übles Spiel mit Huub Stevens, dass dieser nicht verdient hätte.

Heldt auf Partnersuche: Ein Trainer reicht nicht

Schalke 04 sucht einen neuen Trainer, das ist bekannt. Eine offene Frage ist, wie viel Konzept, wie viele Ideen und wie viel Marktwissen ersetzt werden müssen. In der Regel bleibt im Dunkel, wer in einem bundesligaüblichen Trainer/Manager-Tandem den innovativen Part inne hat. Wie schief es laufen kann hat Schalke 04 erst in der jüngeren Vergangenheit erlebt, mit einem Mann, der aktuell als Trainer wieder zu glänzen weiß. Mirko Slomka.

Wer entdeckte Marco Höger für Schalke 04? Wer entschied die Personalie Ciprian Marica und wer kam auf die Idee, Bernhard Trares als Trainer für Schalkes zweite Mannschaft zu verpflichten? Würde man Horst Heldt fragen bekäme man die Antwort, dass er mit Ralf Rangnick eng zusammen gearbeitet habe und alle Entscheidungen gemeinsam beschlossen worden seien. Als Außenstehender kann man zwar die formalen Verantwortlichkeiten abgrenzen, wer aber was leistet lässt sich kaum bestimmen.

Dass Ralf Rangnick auf Schalke mehr als nur trainieren und die Taktik festlegen sollte wurde früh klar. Schon bei seiner Verpflichtung betonte Heldt des Trainers Arbeit bezüglich der Nachwuchsabteilung in Stuttgart, von der er selbst später als Manager profitiert hätte. Schalke wollte das Rangnick-Gesamtkonzept verpflichten und es ist mehr als fraglich, ob die grundsätzlichen Ideen umgesetzt werden können, wenn ein anderer Cheftrainer mit eigener Philosophie ins Ruder greift. Dass „nur guter Trainer“ nicht reicht, wenn im Tandem mit dem Manager die guten Ideen fehlen, wurde auf Schalke unter Manger Andreas Müller und Trainer Mirko Slomka mehr als deutlich.

Als Mirko Slomka zum Cheftrainer wurde übernahm er einen noch gut aufgestellten Kader. Anfangs ließ er guten Fußball spielen. Während seiner ganzen Cheftrainerzeit auf Schalke hatte er das Talent zu punkten. Gegen Ende seiner Amtszeit ließ er gnadenlos ergebnisorientiert spielen, zur Not machte er hinten dicht und hoffte vorne auf die Chance durch Standardsituationen, die Schalke zur damaligen Zeit regelmäßig zu nutzen wusste. Trotz ordentlicher Ergebnisse wurde der Fußball immer schlechter, miese Transfers sorgten dafür, dass die Mannschaft an Talent einbüßte, dass sie „ausblutete“.

Ob das nun hauptsächlich Müllers oder Slomkas Schuld war, ließ sich nie bestimmen. Dass Mirko Slomka seinen Anteil daran hatte kann aber wohl niemand bestreiten. All die Grossmüllers, Sanchez’ und Streits werden nicht einfach unbedarft in seine Mannschaft gepurzelt sein. Er lies sie als Zugänge zu und wusste sie dann nicht einzusetzen. In Hannover weiß er nun wieder als Trainer zu glänzen. Ein Umbruch war noch nicht nötig. Sieben der zehn Feldspieler in Hannovers Startaufstellung am letzten Samstag waren bereits vor Slomkas Engagement bei den 96ern. Ob er gemeinsam mit Jörg Schmadtke bei Zeiten die Mannschaft wird umbauen können, bleibt abzuwarten.

Bei allem berechtigten Lob für Horst Heldt bisherige Arbeit möchte ich nicht, dass er sich die Zukunft komplett alleine denken muss. Er sucht deshalb völlig zu Recht nicht nur einen neuen Trainer, er sucht einen neuen Partner zur Leitung der sportlichen Belange des FC Schalke 04. Man kann nur hoffen, dass er findet und bekommt.

Von Uijuijui nach Hui

FC Schalke 04 - SC Freiburg 4:2 .. Von Uijuijui nach Hui

Trotz gruseliger Defensivleistung schlägt Schalke den SC Freiburg mit 4:2 und trägt dazu bei, das Umfeld des Clubs in der schwierigen, cheftrainerlosen Phase so gut als möglich zu beruhigen. Ein Spiel, in dem es von allem etwas zu sehen gab und nachdem sich Freiburg-Fans vermutlich ein Bein abhacken möchten.

Neben individuellen Fehlern und schlechter Defensive bot Schalke am Samstag zum Glück auch Einsatzbereitschaft, Tempo und ein bisschen Kunst – in dieser Reihenfolge. Doch bevor man hoffen durfte war erstmal Grauen angesagt.

Ralf Fährmann fehlte der Überblick, als er kurz nach Anpfiff einen unfreundlichen Rückpass Matips weder weit, noch platziert weg schlug. Das daraus resultierende Tor schockierte Schalke. Es folgten ungefähr 20 wirklich Angst machende Minuten. Die Blauen wirkten völlig verunsichert, das Passspiel funktionierte nicht, alles war langsam, als trügen die Spieler eine Zentnerlast mit sich herum. Man kann sich eine schwierige psychische Situation auch einreden, aber so kurz nach Rangnicks Rücktritt, nach dem frühen Rückstand und bei Beobachtung solchen Chaos’ auf dem Platz lag der Gedanke nah.

Doch zum Glück kam es anders. Zum Glück nutze Freiburg beste Chancen nicht. Auch weil 1:1-Duelle zu den Stärken Ralf Fährmanns gehören. Und weil sich die Blauen tatsächlich – auch wenn es nach abgedroschener Phrase klingt – in dieses Spiel hineinkämpften.
Zunächst war alles unkoordiniert und man suchte schlicht aus allen Lagen den Abschluss. Dann folgte der Ausgleich, die Halbzeit, und in der zweiten Hälfte sah das Offensivspiel deutlich strukturierter aus.

Plötzlich funktionierten Uchida und Farfán im Doppelpack als flinkes Duo auf der rechten Seite. Farfán kam in 1:1-Situationen die er zu gewinnen pflegt und Uchida konnte plötzlich wieder flanken. Im Mittelfeld lief der Ball besser, In der zentrale agierten Holtby und Raúl zielstrebiger. Nur der für Peer Kluge eingewechselte José Manuel Jurado fiel ab, links fand Fuchs selten einen Spielpartner.
Defensiv blieb die Leistung freilich arg anstrengend. Freiburg hätte gut und gerne 5 Tore erzielen können. Sie durchspielten Schalkes zentrales Defensivzentrum ein ums andere Mal, standen 5 Mal im Abseits und hatten trotzdem regelmäßig Großchancen. Kyriakos Papadopoulos hat derzeit eine ganz schwache Phase. Er ist 19, da kommt so was vor. Gefährlich ist’s trotzdem, vor allem wenn die Kollegen um ihn herum ebenfalls wackelig agieren.

Gegen Freiburg ging es gut. Der Doppelschlag durch Huntelaar und Holtby zog Freiburg den Zahn. Uchida flankte schön auf des Niederländers Kopf. Holtbys Tor war das Ergebnis Farfáns Solo. Das war schön, danach kam die Kunst.

José Manuel Jurados Lupfer als Zuspiel auf Raúl war etwas für die ganz große Bühne. Nicht nur der Technik, auch der Übersicht in dieser Situation wegen. Trotzdem war die Leistung Jurados insgesamt wieder kritikwürdig. Er spielt so, wie es arge Kritiker nach der Verpflichtung Raúls von einem alternden Star befürchteten: Wenig Bewegung, ohne Biss, ein Kunststückchen hier und da. Nun rackert der 34-Jährige Weltstar jede Woche als ginge es um die Karriere und der 25-Jährige Jurado agiert meist wie in einem Benefizspiel.

Neben 3 Punkten bringt der Sieg vor allem etwas Ruhe. Die Medienberichte werden sich auf Spekulationen um mögliche Trainer beschränken. Nach sieben Spieltagen steht Schalke auf Platz 5, punktgleich mit Platz 4. Das ist eine gute Basis. Wohin die Zukunft führt, dazu muss Horst Heldt nun die Weichen stellen.



PS: Wir haben uns weder nach, noch vor dem Spiel ausgetauscht, wir haben auch keine gemeinsame Schreibwerkstatt. Trotzdem veröffentlichte Matthias in der Weide in der gleichen Minuten einen „Zwillingsbeitrag“.

Tag 1 nach Ralf Rangnick

Gute Güte, was für eine Woche! Das Spiel gegen München, dass Neuer-Palaver. Dann der mir persönlich so wichtige Blogbeitrag mit so vielen Reaktionen. Und als ich gerade vor hatte, nur noch ruhig auf das nächste sportliche Ereignis zuzurollen, haut’s einem plötzlich den Trainer weg.

Die ersten 30 Minuten des Spiels in Wolfsburg hatten mich schwer begeistert. Ich ging natürlich davon aus, dass Schalke das ganze Spiel so absolvieren würde, und ich dachte schon darüber nach, wann ich Schalke zuletzt so gut hatte spielen sehen. Das Kurzpassspiel, das Spiel gegen den Ball, das schnelle Verschieben und das überfallartige Umschalten von Abwehr auf Angriff – Rangnicks Vorstellungen des Spiels wurden auf dem Platz immer besser sichtbar. Leider blieb es bei den 30 Minuten und das Spiel ging verloren, aber es war ein Blick auf das Ziel, und es war eine Probe die bewies, dass es ein erreichbares Ziel war. Nun muss Schalke einen anderen Trainer suchen, der andere Ideen hat und andere Prioritäten setzen wird. Ideen die ich nicht will. Es ist ein Jammer.

Nun braucht es zur Selbstberuhigung den negativen Blick. Was Rangnick mit Schalke hätte erreichen können, darüber nachzudenken bringt einen nicht weiter. Es hätte auch sein können dass er nichts erreicht hätte, dass stets nach der starken eine schwächere Halbzeit folgt. Man weiß es eben nicht, und es ist auch nicht mehr wichtig. Es bleibt nur, Ralf Rangnick alles Gute zu wünschen und sich mit dem Verein der Zukunft zuzuwenden.

Horst Heldt sucht den nächsten Trainer und wir dürfen uns derweil mit dem Spiel gegen Freiburg ablenken. Eine Pressekonferenz mit dieser Begegnung als Thema gab es nicht. Eine ESR plus X-Runde wird es auch nicht geben. Zwar muss the show on gehen, aber mit mir erst nächste Woche. Heute und jetzt fehlt mir dazu ausnahmsweise die Lust.