Artikel im Oktober 2011

Hinten im Verbund, vorne mit Helden

Hinten im Verbund, vorne mit Helden | Schalke 04 - TSG Hoffenheim 3:1

Schalke besiegt Hoffenheim 3:1. Ein Sieg, bei dem die stabilisierte Abwehr den Gegner weitestgehend unter Kontrolle halten konnte und bei dem die Helden in den wichtigen Momenten eben Helden waren.

Dem gegnerischen Team wird ein direkter Freistoß zugesprochen, wenn ein
Spieler eines der nachfolgenden drei Vergehen begeht: – einen Gegner hält, – einen Gegner anspuckt, – den Ball absichtlich mit der Hand spielt

… so lautet es in Regel 12 der Fußball-Regeln des Deutschen Fußball Bundes. Das Tor Raúls zum Skandal aufzubauschen gelingt deshalb nur, wenn man in der Argumentation das „absichtlich“ geflissentlich übersieht.

Vorbereitet wurde Raúls also reguläres Tor durch Julian Draxler, dem jüngsten und meines Erachtens ersten Helden dieses Spiels. Auch am dritten Tor war er beteiligt, zudem wäre er zweimal frei aufs Tor zugelaufen, hätte ihn der Linienrichter nicht zurückgewunken. Draxler gewann auf der linken Seite immer wieder seine Duelle gegen Andreas Beck. Ob Hoffenheim, ob Holger Stanislawski den Rookie Draxler unterschätzte? Ob man sich in der Taktikbesprechung auf Jefferson Farfán beschränkte? Jedenfalls war es erstaunlich, dass man Andreas Beck so lange mit seinem Problem alleine lies. Vielleicht war es sogar spielentscheidend.

Der andere Held war Klaas-Jan Huntelaar, wieder mal. Besonders das 3:1 zeigte meines Erachtens seine Stärke. Während Hoffenheims Torwart Tom Starke und zwei weitere Verteidiger Energie damit verplemperten, ihre Arme zu heben und auf einen Abseitspfiff zu hoffen, machte Huntelaar weiter, wie er es stets tut, so lange, bis er den Ball nicht mehr kriegen kann. Diesmal kriegte er ihn und schoss ein.

Ich fand Hoffenheim nicht so schwach wie sie später in der Sportschau gemacht wurden. Wenn sie auch ihr Angriffsspiel zum Glück nicht allzu häufig durchbringen konnten, waren sie doch stets offensiv orientiert und ich für meinen Teil hatte stets bedenken, dass sie eine Lücke finden könnten.

Schalke hielt die Defensive aber erneut gut dicht. Das lag natürlich auch wieder daran, dass die Abwehrreihe plus Jermaine Jones ihren Job gut machten, das liegt aber auch an dem defensiveren Stellungsspiel. Huub Stevens lässt nun ähnlich wie Felix Magath spielen. Schalke steht relativ tief, öffnet sich wenig zum Pressing und bietet keine Lücken. Aus der Tiefe soll dann das Umschalten erfolgen. So schnell wie möglich nach vorne, so schnell wie möglich zum Abschluss kommen. Das funktioniert immer dann, wenn es gelingt, Spieler wie Draxler und Farfán in 1:1 Situationen zu bringen, oder wenn Holtby auf Gegner in Rückwärtsbewegung zustürmt. Gegen Hoffenheim klappte das recht gut, auch wenn man sich gerade von Lewis Holtby in der einen oder anderen Kontersituation mehr Präzision wünschen konnte.

Schalke hat über 90 Minuten immer seine Chancen gesucht. Gegen einen Gegner, der zu einem ordentlich strukturierten Angriffsspiel das geeignete Personal mitbrachte, hielt die Abwehr den Ball in der Regel weit genug vom Tor entfernt. Nach einer Stunde hatte man Glück, dass sich Marvin Compper gegen Klaas-Jan Huntelaar so ungeschickt anstellte, aber ein bisschen Glück in der geieigneten Situation gehört eben immer dazu. Am Ende war dieser Sieg gegen den vermeintlichen Angstgegner meines Erachtens völlig verdient.

ESR plus X: Das dritte Ding war drin Neee …

Nach dem dritten Torschuss fragte die X Frage. In der 28. Minute war es soweit, und gleichzeitig war es Raúls Führungstreffer!

Eben nicht! klick

Acht der 88 Tipper lagen im zugestandenen Toleranzbereich von +/- 2 Minuten und erhielten den Punkt für die Torschussfrage. Alle 4 Punkte erreichte niemand. Trotzdem hatte diese Runde tatsächlich einen Huub-Into-The-Brain-Kucker. Während des Spiels hatte ich es spontan für undenkbar gehalten, aber Superclive hatte auch Kluge auf dem Zettel und alle Einwechslungen korrekt vorausgesagt!

Jan Moravek war der meistgetippte Name (57 Nennungen), Teemu Pukki (42) lag hinter Manuel Jurado (43) auf Platz 3. Auf Peer Kluge tippten nur 7 Mitspieler. Ansonsten hat sich Huub Stevens Startaufstellung verfestigt: Wie Raúl, Farfán und Huntelaar seit langem, wurden nun auch Papadopoulos und Joel Matip überhaupt nicht mehr genannt, auf Jermaine Jones entfiel nur eine Stimme.

Superclive, Erle72 und (ausgerechnet?!) hoffedocS04 waren mit je 3 Punkten die tagesbesten Tipper. In der Gesamtwertung führt eppinghovener mit nun 17 Punkten vor NiklasFrank und sld mit je 16 Punkten.

= = = K O R R E K T U R = = =
Raúls Tor war nicht das dritte Ding, sondern das vierte. In der 6. Minute gab es laut bundesliga.de zwei Torschüsse, einen von Huntelaar und einen von Papadopoulos. Der dritte Torschuss erfolgte demnach in der 18. Minuten, Julian Draxlers Schuss, der an den linken Pfosten ging.

Ich hatte mir die oben dargestellte Grafik angeschaut und danach ausgewertet. Dabei liegen die Punkte für die Torschüsse in der 6. Minute übereinander. Wenn man sich in der bundesliga.de-Matrix das ganze Spielfeld ansieht und entsprechend filtert, werden die Schüsse räumlich getrennt dargestellt, siehe links. Ich selbst hätte das nie mehr gemerkt, wäre nicht Mitspieler Ich einerseits so aufmerksam und andererseits so nett gewesen, mich zu informieren.

Für den Trefferbereich von Minute 16 bis 20 erhielten nun doch gleich 20 Tipper den Punkt für die X Frage. Auch der Gesamtführende eppinghovener gehört neben Superclive, heinzgeldermann und Gorden nun zu den Tagesbesten und führt nun mit 2 Punkten von bernd, NiklasFrank und sld.

Sorry ob den Hüh und Hotts, und noch mal: Die komplette und korrigierte Ergebnisliste gibt es hier. Ein Text zum Spiel folgt. Danke fürs mitmachen!



Grafik: Sceenshot von bundeliga.de

ESR plus X: Drei Dinger gegen Hoffenheim

Platz 3 fühlt sich gut an. Hoffenheim hat allerdings auch nur zwei Punkte weniger, auf Platz 8 der Tabelle. Ein Duell auf Augenhöhe, bei dem Schalke sicher mehr als nur eine Schippe drauf legen muss, im Vergleich zum Pokalspiel in Karlsruhe. In dem Schalke hoffentlich auch im Angriff wieder etwas konsequenter zu Werke gehen wird. Womit wir auch schon fast bei der X Frage zu Spiel wären.

Es gab gegen Karlsruhe in der ersten Halbzeit diesen Seit-/Rückwärtslupfer von Jefferson Farfán, der mit viel Wohlwollen als Torschuss gewertet werden konnte. So ein richtiger Torschuss war aber eigentlich erst das 1:0. In der 81. Minute.

X Frage
In welcher Spielminute wird für Schalke 04 im Spiel gegen Hoffenheim der dritte(!) Torschuss zu verzeichnen sein?

Alle Tipps bis auf +/- 2 Minuten genau erhalten den Punkt, wer an keine drei Torschüsse glaubt tippt „X 0“. Diesmal geht es um alles das, was die Statistiker für bundesliga.de als Torschuss erachten. Dieses Mal geht es nicht nur um Schüsse, die ohne Torwart im Tor gelandet wären, wie in der letzten Woche. Gegen Leverkusen standen für Schalke am Ende 14 Torschüsse in der Statistik.

Außerdem durfte in Karlsruhe Teemu Pukki aufs Feld. Vielleicht beschert ihm Huub Stevens ja gegen Hoffenheim seinen zweiten Bundesligaeinsatz. Meine Tipps lauten …

Höger
Metzelder
Moravek
X 28



Was ist Einwechelspieler-Raten und was ist eine X Frage?
Tippabgabe bis Samstag, 14:30 Uhr. Bitte die drei Spielernamen und die Antwort auf die X Frage im Kommentarfeld als erstes und untereinander notieren. Mache dabei bitte die X Antwort mit einem vorangestellten „X“ kenntlich. Für „echte Kommentare“ unter den Tipps bin ich wie immer dankbar. | Foto: duncan c

Alles Gute aus Karlsruhe

Papadopoulos. 1:0. 2:0. Weiter.


Parallelwelten

Man meint ja eigentlich, man könnte einschätzen, was so passiert, in der Welt, um einen herum. Aber es ist doch immer nur der eigene Blick. Wenn man sich nicht bewusst macht, dass Andere anders blicken, bleibt vieles um einen herum im Dunkel und führt das häufig zu Verständnislosigkeit.

In den Stadien der Bundesliga treffen sie alle aufeinander, denn für Fußball interessieren sich Menschen aller Art, und die Blicke auf diesen Sport und dieses Spiel sind unzählbar vielfältig. Immer mehr an Drumherum bietet immer mehr Möglichkeiten zum Konsum, immer mehr Formen an Medien unterteilen die Aufmerksamkeiten, denn kaum einer kann noch alles wahrnehmen. Immer mehr Menschen haben auch im Stadion ein Smartphone in der Hand, sie werden auch Feeds, Suchmaschinen, das Netz als Ganzes nutzen, vielleicht Blogs lesen, vielleicht dieses. Aber noch viel mehr Menschen haben kein Smartphone und lesen keine Blogs.

Deshalb ist es nicht doppelt gemoppelt, wenn Internet-Autoren das Medium wechseln, um ihre Texte in anderer Form zu präsentieren. Sie überführen sie damit in andere Welten.

Jannik Sorgatz hat die Rettung seines VfL Borussia Mönchengladbach nach der letzten Saison zu Papier gebracht. Jannik schrieb bis vor kurzem das Blog „Entscheidend is auf’m Platz“ und war auch schon als Interviewpartner im Königsblog zu Gast. Er hat das Talent, Geschichten zu erzählen, seine Texte zu den Spielen seines Vereins waren schon immer mehr als nur Berichterstattung oder Kommentar, eher Erlebnisberichte. In „Soweit die Raute trägt“ erzählt er die Saison nach, in der Gladbach eigentlich schon abgestiegen war, bis Favre kam.

Trainer Baade schreibt schon immer und meistens ist das gleichnamige Blog seine Bühne. Nun steigt er auf eine ganz reale und präsentiert neben seinen erfahrungsgemäß gut komponierten Wortwerken eben auch sich selbst, indem er liest. „Drama Queens in kurzen Hosen“ heißt sein Programm, eine Lesung in 2 Halbzeiten, die morgen Abend im Djäzz zu Duisburg zu erleben sein wird.

Im Oktober 2010 gefiel Matthias Berghöfer sein Schalke nicht mehr. Das Gefühl für das Besondere an diesem Verein drohte abhanden zu kommen. Um dem entgegenzuwirken begann er, Geschichten zu sammeln. In Internet-Foren und Social Networks warb er für seine Idee und bekam Texte von Schalkern, die von besonderen Erlebnissen, von Gefühlen oder von der Beziehung zu diesem Verein erzählen. Aus denen hervorgeht, was diese Gemeinschaft Schalke bedeutet, dass Schalke mehr ist als nur Fußballschauen. 1904 Geschichten will er sammeln. Ein erstes Buch ist mit 39 Geschichten unter den Titel „Mit Schalke is wie wennze fliechs“ erschienen.
 

Ein absolutes Talent


Alexander Baumjohann kam als gute Idee Felix Magaths zurück nach Schalke. Heute ist er vor allem ein Twitter-Star. Obwohl erst 24 Jahre alt sieht es nicht danach aus, als würde er in Schalkes Mannschaft noch mal eine tragende Rolle spielen können.

Von Magath geholt und wieder aussortiert, freute sich Alexander Baumjohann auch öffentlich über den Trainerwechsel auf Schalke. Von Ralf Rangnick bekam er sofort wieder Einsatzzeiten, stand er in sechs der letzten sieben Ligaspielen der vergangenen Saison und in den Champions League-Spielen gegen Mailand und Manchester auf dem Platz.

Noch kurz vor der aktuellen Saison, im Supercup gegen Borussia Dortmund, agierte er als Farfán-Ersatz gut, konnte man als jemand, der es gut mit ihm meint, wieder hoffen. Doch kurz darauf war es wieder vorbei. 67 Minuten Einsatzzeit am ersten Spieltag in Stuttgart, 60 Minuten im Pokalspiel gegen den Siebtligisten aus Teningen, der Rest ist kaum erwähnenswert.

Mittlerweile bekommt man von Alexander Baumjohanns Twitter-Aktivitäten mehr mit als von seinen sportlichen Leistungen. Dort ist er echt, ist er einer der eher wenigen Fußballprofis, deren in SMS-Form verfasste Gedankengänge nicht zuvor dreimal auf Stromlinienförmigkeit überdacht wurden. Es fällt auf, dass auch dort, auf Twitter, Schalke 04 bei @AlexBaumjohann immer seltener vorkommt. Sonntag, während seine Mannschaft in Leverkusen spielte, beschäftigte ihn das Derby zwischen City und United in Manchester.

Er ist ein absolutes Talent, hat geniale Anlagen und kann prinzipiell jeden Gegner in Grund und Boden spielen. Aber er sollte die Chance, die er jetzt bekommt, auch nutzen. Er weiß, dass es seine letzte Chance ist, vielleicht für die ganze Karriere. Dafür muss er richtig Gas geben. Wenn er es jetzt nicht packt, dann kann man ihm als Verantwortlicher nicht mehr viel Zeit einräumen.

… sagte Horst Heldt über Alexander Baumjohann vor rund 3 Monaten. Aktuell sieht es so aus, als sei „Baumi“ auf einem schlechten Weg. Immerhin hat er noch einen bis 2013 laufenden Vertrag, an den er sich festhalten kann. Wenn er seine aktuelle Schlagzahl beibehält, ist er dann bei 4.313 veröffentlichten Tweets.

Jones Schalke 1, Ballack Bayer 0

Schalke 04 besiegt Bayer Leverkusen mit 1:0. Mag es auch kein Spiel gewesen sein, bei dem sich neutrale Zuschauer an Raffinesse oder Kunst erfreuen konnten, so war es für Fans doch ein packendes, ein enges und intensives Spiel, in dem ständig was passierte und das nie langweilig wurde. Was die Defensivarbeit angeht war dies zweifellos Schalkes beste Saisonleistung. Der entscheidende Mann dabei war Jermaine Jones.

Schalke war von Beginn an sehr wach und konzentriert. Zwar griff man den Gegner in vielen Phasen erst ab der Mittellinie an, was mir persönlich nicht gefällt, aber in der eigenen Hälfte konnte man doch bemerkenswert viele Bälle erobern und lies Leverkusen kaum Möglichkeiten, Andre Schürrle einzusetzen. Joel Matip antizipierte hervorragend, lief und stand sehr häufig sehr richtig. Kyriakos Papadopoulos war der Mann fürs Grobe, neben Matip ebenfalls sehr zuverlässig. Beide hatten in Jermaine Jones die Kombination ihrer selbst vor sich.

Jones spielte überragend. Die frühe Gelbe Karte in der 8. Minute schien ihn eher zu disziplinieren als zu behindern, das ungestüme Einsteigen in der 81. Minute bildete da die Ausnahme. Er trieb die Gegner bei deren Ballbesitz vor sich her, dorthin wo er sie haben wollte, dahin wo es eng war, wo Schalke Bälle erobern konnte. Jones war immer irgendwie da, war unglaublich präsent.

Diese überraschend stabile Defensive machte es Lars Unnerstall in seinem Bundesliga Startdebüt leicht. Das war für unsereins auch deswegen beruhigend, weil sich Lars Unnerstall, bei aller Sympathie, das Vertrauen in seine Fähigkeiten erst noch erarbeiten muss. Noch weiß man nicht so recht, woran man bei ihm ist, auch nach diesem Spiel noch nicht. Die (vier) Schüsse auf sein Tor waren nicht allzu schwierig. Die Gelassenheit, die er an den Tag legte, war aber sehr angenehm.

Jones konnte auch deshalb dieser Jones sein, weil Lewis Holtby seinen Job gut machte. Holtby leitete die Gegenstöße ein, löste sich nach Ballgewinn und stürmte nach vorne, war stets anspielbar und verteilte die Bälle. Schalke versuchte immer, sein Offensivspiel durchzubringen. Am Ende fehlte es häufig an Präzision oder es war ein Leverkusener Bein dazwischen. Außer eben bei diesem einen Mal.

Leverkusen hat sich dumm angestellt, als Jefferson Farfán dem Treffer des Tages entgegenstürmte. Natürlich hätten sie ihn festhalten müssen, Kadlec und Bender waren dran, die Rote Karte hätten sie riskieren müssen. Vielleicht trauten sie ihm den Abschluss nicht zu. Vielleicht waren sie nach dem 80 Meter Sprint selbst derart fertig, dass es ihnen außerhalb des Möglichen war, daran zu glauben, dass Farfán noch die Kraft für einen solchen Schuss aufbringen könnte. Er konnte. Mit dem schnellsten Mann geradewegs nach vorne und Tor; so wie man es selbst früher auf dem Computer hundert Mal fabrizierte – und der Gegner spielte im Amateurmodus.

Hätte der Schiedsrichter Farfáns Balleroberung abpfeifen müssen? Hätte Jones vom Platz gestellt werden müssen? Damit darf argumentieren wer will. Das ganze Spiel war so, wie die Zweikämpfe zwischen Jermaine Jones und Michael Ballack. Es war giftig und es ging nicht um Fairness, sondern um das Ausreizen der vom Schiedsrichter gesetzten Grenze des Erlaubten. Am Ende gab es aber zumindest von Ballack im Sky-Interview kein böses Wort zu hören. Man kann Ballack mögen oder es lassen, fest steht, der Mann versteht das Spiel im Ganzen.