Schalker Fanprojekt nimmt Stellung

Am letzten Wochenende kam es am Hauptbahnhof Bremen zu Auseinandersetzungen zwischen Schalke Fans und der Polizei. In verschiedensten Zeitungen und Medienportalen war viel dazu zu lesen. Das Schalker Fanprojekt hat nun festgestellt, dass dabei Ereignisse falsch wiedergegeben wurden, und seinerseits eine Stellungnahme veröffentlicht.

Ich selbst kann mir kein Urteil erlauben, ich war nicht dabei und habe keine Informationen aus erster Hand. Mir ist allerdings bewusst, dass man, unabhängig von Wahrheit oder Unwahrheit, der durch Agenturen geschaffenen Öffentlichkeit kaum etwas entgegenzusetzen hat. Trotzdem ist der Hinweis auf die Stellungnahme des Fanprojekts als klitzekleiner Beitrag zur Schaffung von mehr Öffentlichkeit für den Blick aus der anderen Richtung gedacht.

Stellungnahme des Schalker Fanprojektes zu den Vorfällen während der Rückreise vom Bundesligaspiel am 02.10.2011 Hamburger SV-Schalke 04




13 Kommentare zu “Schalker Fanprojekt nimmt Stellung”

  1. hoffedocS04 sagt:

    Eine solche Auseinandersetzung gibt es in jeder Großstadt jede Nacht vor irgendeiner Kneipe. Das ist normalerweise eine Nachricht im Lokalteil der örtlichen Zeitung.

    Glück für die Schalker Fans, dass Montag Feiertag war. Sonst hätten viele Probleme am Arbeitsplatz bekommen, wenn sie unrasiert und ungeduscht dort gegen Mittag eingelaufen wären…;-)

  2. Ney sagt:

    DASS da was vorgefallen ist, steht außer Frage. Die Berichterstattung stank allerdings von Anfang an. Beispielsweise:

    „Auf Gleis 9 kam es zu Auseinandersetzungen der größtenteils alkoholisierten Fans mit den begleitenden Bundespolizisten.“ — anscheinend haben sie bei jedem Beteiligten erstmal einen Alco-Test gemacht. Löblich.

    „Der Großteil der anderen Fans beteiligte sich an den Flaschenwürfen.“
    – der größte Teil von 450 Fans warf mit Flaschen? DAS Schauspiel muss man sich erstmal ausmalen.

  3. oli4 sagt:

    dazu auch der SFCV auf:
    http://www.sfcv.de

  4. Jörn sagt:

    Also ganz allgemein wusste ich auch vorher schon:

    1. Medienberichterstattung in Deutschland ist viel zu häufig nur einseitig und auch sonst seriöse Zeitungen nehmen leider imme rmehr den Stil der Bild an auf die großgeschriebene Sensationelle Überschrift mehr zu achten als auf die Fakten.

    2. Deutsche Polizisten haben anscheinend kein Interesse zu deeskalieren oder wissen einfach nicht, wie man das macht. Ich habe schon mehr als oft genug gesehen, dass die Aggression von aussen durch die Polizei herangetragen, teilweise sogar forciert wird. Das sieht man ja auch immer schon daran, dass immer mit voller Kampfmontur angetreten wird. Wer redet denn mit jemand, der einen Helm aufhat und den Schlagstock/das Pfefferspray stets in der Hand hat? Natürlich gibt es immer Idioten, die die Polizisten auch so angreifen, aber warum muss denn immer auf alles eingeknüppelt werden? Ich dachte immer in England giibt es viel mehr/aggressivere Hooligans? Dort sehe ich solche Einsatztruppen aber nie bei Fußballspielen.

  5. Ney sagt:

    Was die Zeitungen schreiben, ist nicht so sehr „Bild“-Stil, sondern sie übernehmen einfach ungeprüft die Polizei-Pressemeldungen. Mal einen Gegencheck zum Beispiel bei Fanprojekten, die solche Fahrten begleiten, den sucht man vergebens.

  6. matz sagt:

    In diesem Fall übernehmen sie einfach die Agenturmeldung von dpa.

  7. eakus1904 sagt:

    Über den Vorfall kann ich nix sagen, ich war nicht dabei.

    Das mit der einfachen Übernahme von Polizeiberichten ist doch in den Redaktionen mittlerweile völlig normal. Ich denke, es wird kaum wirklich recherchiert, weil einfach das Personal nicht mehr da ist. Mir fällt das häufig an dem Lokalteil meiner örtlichen Zeitung auf. Dort war letztens ein Artikel, in dem der Vorsitzende der Karnevalsgesellschaft (hier in der Stadt recht bekannt) einfach einen falschen Vornamen bekam. Und dass nicht nur einmal,was man noch als Druckfehler bezeichnen könnte, sondern mehrfach im ganzen Artikel.
    Das wäre einem wirklichen Lokalreporter vor Ort nicht passiert.Und so etwas zieht sich durch viele Redaktionen, die Guttenberg-Variante „Copy&Paste“ ist hier wohl sehr beliebt!

  8. Ney sagt:

    @matz
    Und die dpa hat, wie es aussieht lediglich den Polizeibericht übernommen. Dass so eine Agentur anscheinend nicht einmal eine Adressliste hat mit den Fanbeauftragtem bzw. Faninitiativen der Vereine, ist schon verwunderlich. Aber so macht man sich als Agentur und als abnehmende Zeitung zunehmend überflüssig – Polizeimeldungen kann ich auch direkt den Polizei-Seiten dem Netz entnehmen, und um die Fan-Sicht auf solche Vorfälle zu erfahren, muss man ja ohnehin ins Netz.

    @eakus1904
    Die Zeitungen haben tatsächlich kräftig Personal gespart (die Verleger verlangen schließlich Renditen, von denen andere Branchen nur träumen; die kriegen ihre Hälse wirklich nicht voll), aber die Berichterstattung über Fussballfans war auch in früheren Zeiten genau die gleiche. Polizeimeldungen statt Recherche. Aber wenigstens gibts jetzt Internet, wenn man sich ein umfassenderes Bild machen will.

  9. Matthias sagt:

    Nur mal ganz allgemein:

    Ein Polizeipressesprecher ist das, was seine Berufsbezeichnung ausdrückt: Ein Pressesprecher für die Polizei! In den allermeisten Fällen handelt es sich hierbei auch nicht um gelernte Journalisten, sondern um Polizisten, die im Rahmen einer Fortbildung eine Einführung in das redaktionelle Schreiben erhalten haben.

    Das Polizeipressesprecher-Deutsch unterscheidet sich erheblich vom Journalisten-Deutsch und erst recht vom Deutsch, das gesprochen wird. Im Polizeideutsch „unter Alkoholeinfluss stehende Personen“ meint in der Regel Menschen, die knapp an der 0,5-Promille-Grenze kratzen und demnach besser nicht mehr Autofahren sollten. Der Alkohol behindert diese Menschen in ihrem Tun (sie können kein Auto mehr fahren), dementsprechend stehen sie „unter Alkoholeinfluss“. Lacht dann noch einer etwas lauter, ist es direkt „erheblicher Alkoholeinfluss“, da ja auch noch der Ansatz einer Ruhestörung (= Aktion gegen unbeteiligte Dritte) vorliegt.

    Ist in einer Polizei-Pressemeldung von „Verletzten“ die Rede, kann man eigentlich aufatmen, denn einfach nur „verletzt“ bedeutet i.d.R. eine kurzfristige Einschränkung, die keinerlei weitere Behandlung notwendig macht. Zündet irgendjemand einen Böller und erschrecken sich drei Personen, so dass sie kurzfristig zusammenzucken und sich mal kurz hinsetzen müssen, um den Schreck zu verdauen, sind es im Polizeijargon „drei Verletzte“. Hat eine dieser drei Personen nach dem Knall noch ein Fiepen im Ohr, leidet er unter einem „Knalltrauma“ (ein echtes Lieblingswort von Polizeipressesprechern!), oft einhergehend mit einem „Schockzustand“ und klettert in der Verletztenskala eine Stufe nach oben. Es gibt Polizeipressesprecher, die in diesem Fall bereits von „Schwerverletzten“ sprechen.

    „Schwerverletzte“ meint id.R. jedoch Verletzungen, die in der Tat eine Behandlung erforderlich machen. Diese Behandlung kann vor Ort erfolgen (der Sani pappt ein Pflaster drauf) oder im Krankenhaus. Ist letzteres der Fall, wird der Polizeipressesprecher allerdings von „Schwerverletzten, die zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus gebracht wurden“ schreiben.

    Beispiel: Wer in der Küche steht, Kartoffeln schneidet, vorher ein Glas Weißwein getrunken hat, und sich mit dem Messer einen drei Millimeter tiefen Schnitt in den Zeigefinger zufügt, sodass ein anderer ein Pflaster draufkleben muss, ist demnach „eine erheblich unter Alkoholeinfluss stehende, schwer verletzte Person“.

    Das muss man bedenken, wenn man Polizeipressemeldungen liest. Ganz allgemein, gar nicht einmal auf Fußballfans bezogen. Und das habe ich mir auch nicht ausgedacht, sondern wurde zumindest zu meiner Zeit (vor 15 Jahren) im Volontariat den angehenden Journalisten in Kursen vermittelt, damit sie nicht über die zahlreichen Fallstricke des Polizeipressesprecher-Deutsch stolpern.

  10. matz sagt:

    hier übrigens die Polizei-PM

    http://www.presseportal.de/pol.....bahnhofran

  11. 04gewinnt sagt:

    Paßt doch perfekt ins Bild. Erst das Medienspektakel um den negativen Empfang eines unserer einstigen Helden in der Heimat und nun das. „Schalker sind Krawallhelden“, wussten wir doch schon immer – die öffentliche Meinung sieht sich mal wieder bestätigt. Da macht sich doch kaum einer die Mühe, das mal zu hinterfragen oder im Internet zu recherchieren. Zieht sich ja leider durch alle Lebensbereiche.

    Aber mal was anderes, Kategorie Hoffnungsfunke: Heute soll das neue Derbytrikot der Schwarz-Gelben präsentiert werden und wenn das, was unter http://www.schalkefan.de/ steht keine Ente ist, super tolle Geste :-).

  12. Ney sagt:

    Na, immerhin die waz schildert auch die widersprechenden Darstellungen
    http://www.derwesten.de/staedt.....35266.html
    Laut google news diesbezüglich aber tote Hose in der sonstigen Presselandschaft.

  13. hoffedocS04 sagt:

    Passt hier rein:

    Lese gerade im Mannheimer Morgen von dpa:

    „Ein Polizist in Gelsenkirchen steht im Verdacht, ein gewaltbereiter Fußball-Hooligan zu sein. Der Beamte wurde in der Kartei „Gewalttäter Sport“ geführt, bestätigte ein Sprecher des Gelsenkirchener Präsidiums. Der 28-Jährige sei im Juni am Rande des EM-Qualifikationsspiels zwischen Österreich und Deutschland aufgegriffen worden, als Hooligans randalierten.“

    Gewaltbereite Fans und gewaltbereite Polizisten sind ja eh oft zwei Seiten einer Medaille. Und hier verwischt es sich jetzt vollends.

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