Erst kein Einsatz, dann keine Struktur

Schalke 04 – 1. FC Kaiserslautern 1:2 | Erst kein Einsatz, dann keine Struktur

Schalke verlor 1:2 gegen den 1. FC Kaiserslautern und verpasste damit den Sprung auf Platz 2 der Tabelle. Man konnte sich über den Schiedsrichter aufregen, über Elfmeter oder gegebene und nicht gegebene Rote Karten lamentieren. Als der Rauch verflogen war blieb, dass sich Kaiserslautern den Sieg auf Schalke verdiente.

Nun wird allenthalben über die Elfmeter und die Platzverweise diskutiert. Müßig, denke ich. Die Regel, dass trotz Elfmeters auch der Torwart als letzter Mann von Platz gestellt werden muss, ist bekloppt, aber so steht es nun mal geschrieben. Das der völlig überforderte Schiedsrichter Sippel den Fall per falschem Pfiff und Rot gegen Lautern ausglich, war zum fremdschämen lächerlich. Ja, das alles prägte dieses Spiel entscheidend, trotzdem bleibt eben noch viel mehr anzumerken.

Die erste Viertelstunde war Schalke gar nicht wirklich auf dem Platz. Teilnahmslos verschob man die Reihen in der eigenen Hälfte, lies Lautern kommen. In der ganzen ersten Halbzeit gab ein kein konzentriertes Attackieren des Gegners in dessen Hälfte, stets erwartete man den Gast erst 10 Meter hinter der Mittellinie. Ein Gast, der sich als Gast fühlen durfte.

Zur zweiten Halbzeit, als Schalke 0:1 zurück lag, war die Anweisung eine andere. Nun wurde früher angegriffen, nun wollte man den Ball in des Gegners Hälfte erobern. Huub Stevens setzte auf Einsatz. Die Einwechslung Jermaine Jones’ war das Signal. Man drückte, man kämpfte, man rannte an. Wille und Kraft waren nun da, es fehlte an Struktur.

Ich fühlte mich an das erste Saisonspiel in Stuttgart erinnert. Schalke in aufgerückter Formation um einen Rückstand aufzuholen, Jermaine Jones in der Ballverteilerrolle im Rückraum. Der Mann, der das Spiel vor sich hat, der die Befreiungen Lauterns aufnehmen, das Tempo variieren und die Angriffe einleiten soll. Will man eine Führung über die Zeit bringen wäre Jones immer meine erste Wahl. In solchen Situationen wie gegen Lautern sollte er meines Erachtens die letzte sein.

Der FCK hatte zuvor nur einen Auswärtspunkt holen können. Dafür agierten sie erstaunlich gut organisiert, abgezockt, eben nicht unsicher, wie man es bei ihrer Bilanz hätte vermuten können. Sie suchten über 90 Minuten immer den Weg zum Tor, gaben sich nicht mit einem Unentschieden zufrieden und hielten Schalkes Offensive 75 Minuten lang sehr gut vom eigenen Tor fern. Marco Kurz stand seinem ehemaligen Trainer Stevens in nichts nach und wollte noch mit einer besonderen Nummer aufwarten, in dem er just in dem Moment zur Auswechslung rief, als Klaas-Jan Huntelaar bereits zum Strafstoß bereit am Elfmeterpunkt stand. Andere Schützen hätte das vielleicht zu einem Zuviel an Nachdenken verleiten können.

Schalkes Offensive ist mit Farfán, Jurado, Raúl und Huntelaar immer für Chancen und Tore gut. Am Ende war es auch Pech, dass der Ball nicht doch noch rein ging, als Schalke in der letzten Viertelstunde noch mal mit aller Kraft anrannte. Das sollte aber niemanden darüber hinwegtäuschen, dass Schalke weiterhin eine unausgewoge Mannschaft ist, und dass Schalke eher von den Einzelkönnern vorne lebt, als von funktionierenden Abläufen und Angriffsplänen. Im defensive Mittelfeld, in der Abwehr und im Tor zeigt sich Schalke nicht regelmäßig so, als dass man auf den zweiten Tabellenplatz gehören würde.



26 Kommentare zu “Erst kein Einsatz, dann keine Struktur”

  1. blues sagt:

    Auf den Punkt gebracht. Bis auf Jones. Ich glaube, man muss ihn derzeit sogar von Anfang an bringen, damit die Mannschaft von Beginn an auf dem Platz richtig präsent ist, in die Zweikämpfe geht und damit näher am Gegenspieler ist. Ich sage das bei meiner Zwiespältigkeit gegenüber der Rolle eines „Aggressive Leaders“ im Allgemeinem und gegenüber Jermaine Jones im Besonderen.

  2. Henning sagt:

    Ja, wenn außer Jones hätte HS denn bringen sollen? Am regelmäßigen Auseinanderfallen der Schalker Defensive ist mE Fuchs der Hauptschuldige, über dessen Seite die weit überwiegende Zahl der Gegenstöße vorgetragen wird, weil er sich gerade zum Halbfeldflanken in Gegners Hälfte rumtreibt…

  3. Rjonathan sagt:

    Hmm… ich glaube ausnahmsweise muss ich mal widersprechen.

    „In der ganzen ersten Halbzeit gab ein kein konzentriertes Attackieren des Gegners in dessen Hälfte, stets erwartete man den Gast erst 10 Meter hinter der Mittellinie.“

    Ich habe nur die erste Halbzeit gesehen und nur ab ungefähr Minute 15 – wenn die esret Viertelstund grauenhaft war habe ich es nicht mitbekommen. Aber ab Minute 15 bis bis zum 0:1 wurde ziemlich konsequent und auch erfolgreich gepresst, und Lautern teilweise am eigenen Strafraum eingekesselt. Dafür waren die Konter dann aber leider die gefährlicheren Chancen, und ein solcher hat auch zum 1:0 geführt…

  4. Betzebub sagt:

    Vielleicht haben die Knappen unsere Jungs unterschätzt. Mal ehrlich, nicht ein Lautrer der bei Verstand ist, hätte vorm Spiel auch nur einen Euro auf ein Unentschieden geschweige denn einen Sieg getippt. So wie es gelaufen ist, ist es aber völlig verdient. Das ist Fußbal und das ist gut so. Mit einem anderen Schirri wäre das Spiel noch besser geworden :-) Und sowas schimpft sich FIFA-Schirri.

  5. 11 rote Teufel sagt:

    Die Wende auf Schalke…

    Ich traute meinen Augen nicht. Erst nach und nach begriff ich, daß diese Spieler in den weißen Trikots da auf dem Platz unsere Jungs waren. Eben diese Spieler die in den letzten Wochen so oft enttäuschten. Von Beginn an kämpften und spielten die Betzeb…

  6. Kowski04 sagt:

    HH sorgt mit allen Entscheidungen für das gewünschte und nun auch erreichte Mittelmaß. Das hier schon über einen Jones von Beginn an diskutiert wird, sagt doch alles. Kämpfen Aaaah
    HSV hat bei der Trainersuche an der richtigen Stelle gekämpft. Selbst der FC Kölle macht uns da was vor.

    Glück auf

  7. Christian sagt:

    Vielleicht haben wir am Samstag die Gründe gesehen, die zu der plötzlichen Leistungsstörung bei unserem ehemaligen Übungsleiter Ralf Rangnick geführt haben.
    Als Stevens inthronisiert wurde haben viele gemault über den Defensivtrainer, ich persönlich würde gerne mal wieder die 0 stehen sehen. Die kommenden Spieltage verheißen nichts Gutes.

  8. MAGsein sagt:

    Unausgewogen. Das ist das Stichwort.

    Ich möchte nicht dauernd an Fuchs rumnörgeln (ja, ich schon wieder! ;-): Aber es war doch klar, welch große Probleme wir in der Abwehr haben und das er nicht DIE Lösung für uns ist. Die königsblauen Freudentänze, die beim Fuchstransfer allüberall vollführt wurden, konnte ich absolut nicht nachvollziehen (und ja, er ist ein guter Typ). Auch wenn er ab und zu einen Freistoßtor reinmacht, von Zeit zu Zeit passable Flanken schlägt und viel rennt: Gerade weil wir gute Offensivkräfte haben, wäre es wichtiger, er würde hinten mit für mehr Stabilität sorgen. Kann er aber nicht. Leider.

    Ich hätte auch lieber gesehen, wenn Stevens zuerst Farfan, dann Jones gebracht hätte. Aber im Gegensatz zu Fuchs vermittelt (mir) Jones mehr Sicherheit. Weshalb ich es jetzt nicht als grundsätzlich falsch ansehe, Jones zu bringen, wenn wir hinten wieder ordentlich schwimmen.

    Ich war in Stuttgart und sah wohl den bis dato schlechtesten Schalkeauftritt 2011. Das war so schlimm, doch einen nahmen wir in unserer kleinen Fanrunde etwas raus aus unserer Kritik, das war Jones. Und ich weiß echt nicht, warum dass keiner schrieb, hervorhob, bestätigte (kann mich nicht erinnern, das irgendwo so gelesen zu haben). Und nein, Jones ist ansonsten nicht mein Fall. Aber bei der schönen Offensive, die wir haben schadete vielleicht ein Typ wie er dahinter nicht, oder?

    Die Lauterer sind mir bereits in der letzte Saison (sah sie in Freiburg) als taktisch gutes Team aufgefallen, mit guter Raumaufteilung und recht ballsicher. Das wirkte sehr eingespielt, sah also nicht nach Eintagsfliege aus. Es ist nur schwer, mit solchen zum Teil Totalausfällen wie Rodnei in der Bundesliga zu bestehen. Aber am Trainer, so sehe ich deren Spiel, läge es bei den Lauterern nicht, sollte es am Ende für sie nicht reichen.

    Schließlich fand ich es absurd, wie nur schlecht viele (Quelle Twitter) Schalke nach dem Spiel gemacht haben. So viele spannende Aktionen vorm Tor hatten wir die ganze letzte Saison nicht. Ich habe dermaßen mitgefiebert, mein armes Herz.

  9. DeepBlue sagt:

    Habe das Spiel nicht live gesehen, sondern nur über bundesliga.de hören können. Demnach hatten wir es aber nur der unglaublich schlechten Chancenverwertung der Lauterer zu verdanken, dass Schalke nicht schon in der ersten Halbzeit mit drei Toren zurücklag.

    Der Elfmeter kann passieren und ist natürlich ärgerlich, wurde jedoch schicksalhaft ausgeglichen.

    Die Hereinnahme von Jones brachte zumindest deutlichen Druck nach vorn – insofern wäre es durchaus denkbar, ihn in den nächsten Spielen früher einzusetzen.

    Schade, dass die Blauen bei der Chancenverwertung in den letzten 15 Minuten ähnlich schwach waren wie der FCK in der ersten 20.

  10. Erle72 sagt:

    Was auffällt ist die fehlende Kompaktheit des Schalker Spiels. Gerade auf den Flügeln kann der Außenverteidiger nur nach vorne gehen, wenn die dadurch entstehende Lücke von anderen Spielern geschlossen wird. Oder umgekehrt, wenn Fuchs oder Höger (Uschi) nach vorne aktiv sind, können nicht alle anderen auch an der gegnerischen Strafraumgrenze warten. Fast jeder gegnerische Konter führt auf diese Weise für Torgefahr weil unsere Spieler dann hinten zu wenige und zu weit vom Ball weg sind. Was gegen Freiburg mit Glück und Fährmann nochmal gut ging ist Samstag mit den bekannten Folgen schief gegangen. Ich denke das unsere Mannschaft auf jeden Fall das Potential hat ihre taktischen Fähigkeiten zu erweitern und eine bessere Raumaufteilung zu lernen. Ich befürchte nur, dass dies viel länger dauert wird, als von vielen erhofft.

  11. Andres sagt:

    da ich das spiel nicht gesehenen habe, stelle ich mir grad eine andere frage – die des torwarts
    was war da los? notbremse? in so einem spiel, zu diesem zeitpunkt?
    passt nicht in mein ansonsten gutes bild von fährmann.
    aber so geb es immerhin die chance sich mal unnerstall anzusehen
    wie war das?
    immerhin wird er ja jetzt noch häufiger den kasten hüten

  12. Frank aus Rheinhessen sagt:

    Lautern hat verdient gewonnen und wir haben nicht gut gespielt, was man auch dadurch nicht schönreden kann, dass es noch mal spannend wurde. Es war ein enttäuschendes Spiel, das Zusammenspiel war nur Stückwerk und die Verteidigung leicht zu übertölpeln. Einzelne Spieler nun heraus-zupicken und draufzuschlagen macht keinen Sinn, denn sogar Raúl hatte sich dem allgemeinen Niveau angepasst.
    Besonders dämlich finde ich die Diskussionen über Fährmann in diversen Foren. Wenn pro Spiel 2-3 mal immer wieder alleine Spieler auf dich zukommen, kann das was jetzt passiert ist geschehen. Er war da, aber nur einen Bruchteil einer Sekunde zu spät, sonst wäre das Ding sauber geklärt gewesen.
    Vielleicht war das auch gut so, dass wir eben nicht 2. in der Tabelle sind, sondern 6., also da wo ich hoffe, dass wir am Ende der Saison
    auch stehen werden.
    In den nächsten Partien spielen wir sicher stärker defensiv ausgerichtet, müssen wir auch, denn beide Ersatztorhüter brauchen
    mehr „Schutz“. Da Lev mit Dutt wohl nicht besonders gut fährt, besteht sogar Hoffnung auf was Zählbares.

  13. Jockel sagt:

    Mal ein anderes Thema, was war denn mit den Fans los? Angriffe auf EX-Schiri Merk dürfen nicht wahr sein! Hat einer von euch was mitbekommen?

  14. derwahrebaresi sagt:

    @jockel

    guckst du bspw. hier: http://www.web04.de/2011/10/17.....mment-4235

  15. blues sagt:

    @andres
    „was war da los? notbremse? in so einem spiel, zu diesem zeitpunkt?
    passt nicht in mein ansonsten gutes bild von fährmann.“

    Es fehlt ihm manchesmal das richtige Timing. Ich würde dazu vorsichtig und so bedauerlich es auch ist, sagen: gutes Timining das kann man nicht vollständig als Fertigkeit einüben. Man hat die Fähigkeit oder nicht.

  16. Jörn sagt:

    Zum Spiel: Schalke war bis zum Gegentor nicht richtig in den Zweikämpfen drin und hatte es dem Fehlenden Selbstbewusstsein der Lauterer zu verdanken, dass sie zu Chancen gekommen sind, da es leider wiedermal so war, dass wir nicht in den Strafraum kamen, da entweder zu langsam, zu ungenau oder wieder nach hinten (leider Holtby…) gespielt wurde. Nach dem Gegentor hat Schalke Druck gemacht und die Lauterer teilweise eingekesselt. Nach dem Ausgleich wurde da aber nicht weitergemacht, sondern wieder zu passiv gespielt und somit verdient verloren.

    Zu Jones: Bei 10 Mann auf dem Feld die einzig richtige Einwechslung. Holtby hatte einen gebrauchten Tag und durch Jones konnte Jurado vor beiden 6ern frei spielen, was er zum größten Teil auch gut gemacht hat. Allgemein hätte auch ich nichts dagegen ihn öfter in der Start11 zu sehen, besonders da Papa wahrscheinlich durch sein Alter ja öfter mal auch nicht gerade konstant spielt. Allerdings frage ich mich immer mehr wo ist Kluge?! Das war nämlich DER Stabilisator in der letzten Saison. Ballsicher, zweikampf- und überraschenderweise auch technisch stark. Den würde ich noch lieber wieder sehen.

    Zum Schiedsrichter: Eine einzige Katastrophe. Seit der roten Karte für Fährmann kennen meine Nachbarn jede Beleidigung für Schiris. Für Torhüter gilt nämlich seit der WM 2010, dass sie keine Notbremse begehen wenn sie versuchen den Ball zu spielen. Kouemaha erwischt den Ball den Bruchteil einer Sekunde vor Fährmann und dadurch brerührt Fährmann den Ball nicht. Klarer Elfer, keine Notbremse, kein Rot. Elfer/Rote Karte gegen Rodnei war dann noch der Höhepunkt der lächerlichkeit. Aber gut, Sippel ist mir sonst nicht so negativ aufgefallen, daher sei es ihm soweit verziehen (ist halt auch nur ein Mensch), nicht allerdings, dass er auch nach dem Spiel, nachdem er die Situationen nochmal anschauen konnte nicht dazu steht, klar falsch gelegen zu haben. Wahrscheinlich wollte er aus solidarität nur von Merk ablenken ;P

    Und: http://koenigsblog.net/2009/10/15/ich-will-perl/ für jedes Spiel bitte.

  17. MAGsein sagt:

    Genau, @Jörn, was ist eigentlich mit Kluge…

  18. Lutt sagt:

    Kluge hatte zuletzt muskuläre Probleme. Ich hoffe, wir werden ihn bald auf dem Platz wiedersehen.

    Hatte am WE leider nur Zeit für die Zusammenfassung, aber ich hatte schon vor dem Spiel ein mulmiges Gefühl.
    Ich kapier einfach nicht, warum wir immer wieder Aufbauhilfe für vermeintlich schwächere Teams leisten müssen. Der Sieg in HH hat mich schon gewundert…

  19. Jörn sagt:

    Kluge ist schon lange wieder fit, hat gg Bayern und Freiburg ja auch gespielt. Danach allerdings gar nicht mehr, obwohl er nicht schlecht gespielt hat.

  20. Torsten sagt:

    Für Torhüter gilt nämlich seit der WM 2010, dass sie keine Notbremse begehen wenn sie versuchen den Ball zu spielen.

    Diese Ausnahme ist in der Regeln nicht zu finden.
    Regel 12, Seite 82 ff

  21. Hendrik sagt:

    Ich finde gar nicht dass es nur für Torhüter bei Notbremsen, die zu Elfern führen, nur gelb geben sollte. Bei Feldspielern ist es doch das gleiche: Die geraubte klare Torchance wird durch den elfmeter 1:1 ersetzt. Kein Grund da noch rot zu geben. Ich weiß nicht warum man beim Torwart eine Ausnahme machen sollte.

    Am liebsten hätte ich, es würde bei Notbremse kein Rot geben, sondern immer Elfmeter, egal wo das Foul stattfindet. Fände ich deutlich fairer.

  22. Torsten sagt:

    Nur um das nochmal kurz klarzustellen, mit ging es nicht um meine Meinung dazu, wie es sein sollte. Ich habe nur die Regeln durchsucht, weil seit Samstag so viele Meinungen im Umlauf sind, was „laut Regel“ angeblich Ermessensspielraum, erlaubt, nicht verboten etc ist.

    Da steht …

    Ein Spieler, Auswechselspieler oder ausgewechselter Spieler erhält die Rote Karte
    und wird des Feldes verwiesen, wenn er eines der folgenden sieben Vergehen begeht:

    […] Vereiteln einer offensichtlichen Torchance für einen auf sein Tor zulaufenden
    Gegenspieler durch ein Vergehen, das mit Freistoß oder Strafstoß zu ahnden ist

    Und in den „Auslegung der Spielregeln und Richtlinien der FIFA für Schiedsrichter“ steht dann weiter

    Verhindern eines Tors oder Vereiteln einer Torchance

    Das Verhindern einer eindeutigen Torchance des gegnerischen Teams wird mit einem Feldverweis bestraft. Dabei ist unerheblich, ob das Vergehen im Straf raum erfolgte oder nicht. Entscheidet der Schiedsrichter bei einer klaren Torchance auf Vorteil und entsteht daraus direkt ein Tor, obwohl ein Gegner den Ball mit der Hand gespielt oder einen angreifenden Spieler gefoult hat, kann der betreffende Spieler nicht des Feldes verwiesen, muss jedoch verwarnt werden. Die Schiedsrichter berücksichtigen beim Entscheid über einen Feldverweis für das Verhindern eines Tors oder das Vereiteln einer Torchance folgende Aspekte:
    Distanz zwischen Vergehen und Tor
    Wahrscheinlichkeit, dass das angreifende Team in Ballbesitz bleibt oder kommt
    Richtung des Spiels
    Position und Anzahl verteidigender Spieler
    Art des Vergehens, durch das eine klare Torchance vereitelt wird, da dieses mit einem direkten oder indirekten Freistoß geahndet werden kann

    Natürlich kann man immer mal was übersehen, in diesem Regelwerk. Aber ich habe mir alle 60 Fundstellen des Wortes „Torhüter“ angesehen und nichts weiteres zum Fall „Vereiteln einer Torchance“ gefunden.

  23. Jörn sagt:

    Also ich habe es seitdem immer wieder so ausgelegt gesehen, ich meine, dass Blatter es vor der WM angekündigt hatte. Das es nicht in den Regeln steht wundert mich allerdings, wobei das auch schwammig beschrieben ist. Besteht denn zB noch eine Torchance, wenn der Torwart mit seinen Händen Zentimeter vom Ball entfernt ist? Hab es auch schon 2 mal bei eigenen Spielen gesehen. So oder so weiß doch jeder Schiri, dass die Mannschaft mit dem 11er schon genug bestraft ist.

    Edit: Solche Schiris hatten andere auch schon und deren Obmänner sagen das soll so ( http://www.trainertalk.de/fuss.....egelfrage/ ) und der Kicker ist auch meiner Meinung http://www.kicker.de/news/fuss.....rn-37.html [Schiribewertung lesen])

  24. BlauWeissNord sagt:

    @ Torsten

    Das sehe ich auch so.

    In unserem Fall geht aus den Regeln sogar hervor, dass der Schiri einen Feldverweis ausprechen MUSS !(„Ein Spieler […] ERHÄLT die Rote Karte […]“).

    Einen Auslegungspielraum diesbezüglich hat der Schiri nach den FIFA Auslegungsrichtlinien nur dann, wenn aus der Situation noch ein Tor entsteht. Dann KANN er es bei Gelb belassen.
    Hieran wird auch deutlich, dass der Feldverweis ausschließlich an das Vereiteln einer „offensichtlichen Torchance“ anknüpft und dafür eben nicht ein besonders „hartes“ oder „gefährliches“
    Verhalten von Nöten ist. Ebenfalls egal ist, ob der Spieler die Torchance durch ein vorsätzliches oder fahrlässiges Foul vereitelt. Hier gilt ein bloßer Verursachungszusammenhang (für Fouls iS eines direkten Freistoßes ist schon nach dem Wortlaut nur Fahrlässigkeit nötig). Diese Unsportlichkeit allein wird schon mit Rot geahndet.

    Dass es auch noch Elfmeter gibt, hat damit gerade nicht zwingend etwas zu tun, denn nach Regel 12 wird ein Strafstoß nur bei einem der 10 Vergehen für einen direkten Freistoß innerhalb des Strafraums gegeben. Nicht jedes Foul im Strafraum zieht somit einen Elfmeter nach sich (nämlich nicht die Vergehen, die „nur“ zu einem indirekten Freistoß führen, wie z.B. wenn ein Spieler ohne gleichzeitig ein Vergehen im Sinne eines direkten Freistoßes zu begehen „gefährlich spielt“ oder „den Lauf des Gegners behindert“).

    Hätte Fährmann die Torchance mittels eines solchen Vergehens vereitelt, hätte es keinen Elfmeter gegeben. Aber gleichwohl hätte er Rot gesehen, wenn er trotzdem die „offensichtliche Torchance“ vereitelt hätte. Freilich wird dies die Ausnahme bilden (hier hat Fährmann Kouemaha angerempelt bzw. angesprungen).

    Interessant ist, dass für einen Feldverweis in Regel 12 davon die Rede ist, dass der gefoulte Spieler bei der Vereitelung der offensichtlichen Torchance „auf sein Tor“ (des foulenden Spielers) zulaufen muss. Man könnte geneigt sein zu argumentieren, dass wenn der gefoulte Spieler nun quasi quer durch den Strafraum läuft, also auf die Seitenlinie oder Torauslinie zu, er eben nicht „auf sein Tor“ zuläuft und damit dieser Tatbestand nicht erfüllt ist. Eine weite Auslegeung, die es genügen lässt, dass der gefoulte Spieler irgendwie durch den Strafraum läuft, müsste sich entgegenhalten lassen, was dann der deutliche Wortlaut „für einen auf sein Tor zulaufenden Gegenspieler“ in der Regelung zu suchen hat. Diesen Wortlaut nicht zu beachten wäre also quasi „contra legem“. Dass dieser Passus jedoch zu berücksichtigen ist, bestätigen auch die FIFA Richtlinien zu Regel 12, die ausdrücklich betonen, dass „die Richtung des Spiels“ zu berücksichtigen ist. Hier findet sich übrigens auch die „letzer Mann“-Auslegungshilfe.

    Schmeisst Fährmann den zunächst nach aussen abgedrängten Spieler im Versuch den Ball zu packen sofort um, wenn dieser nicht mehr direkt aufs Tor zuläuft, würde er also zwar einen Elfer verursachen, aber nicht rot bekommen. Denn es fehlte an dem „auf sein Tor“ zulaufenden Gegenspieler (ob darüber hinaus noch von einer offensichtlichen Torchance die Rede sein kann, sei mal dahingestellt). Ob die Schiedsrichter, die in solchen Fällen nur gelb zeigen, sich auf diese Regelung berufen, wäre mal interessant in Erfahrung zu bringen. Das ist jedenfalls zu bezweifeln.

    Summa summarum: Es muss bei jeder Vereitelung einer offensichtlichen Torchance durch den Torwart (der anderem Spieler) mittels eines einfachen Fouls IMMER ROT nach den Regeln geben, es sei den der Gegenspieler macht ihn trotzdem rein. Es MUSS in diesem Falle aber nicht zwingend Elfmeter geben.

  25. Torsten sagt:

    Sippel hat die Situation nach dem Spiel so erklärt, wie sie in den Regeln auch nachzulesen ist. Ich sage nicht, dass mir das gefällt. Aber an irgendwas muss man sich ja halten. Und da ziehe ich im Zweifel die pdf bei dfb.de dem kicker vor ;-)

  26. Ney sagt:

    So’ne Regeldiskussion ist ja mal gar nicht schlecht. Angesichts dessen, dass wir nach einer Auswärtsniederlage bei Bayer Leverkusen nicht mehr nur spielerisch, sondern auch tabellarisch im grauesten Mittelmaß angekommen sein werden, tut Ablenkung gut.

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