Artikel im Dezember 2011

Eine gute Zeit

Am 21. Januar ist um 15:30 Anstoß auf Schalke, der Rückrundeauftakt gegen den VfB Stuttgart. Vorher bieten uns die Revolver- und Linkschleuderseiten der Fußballwelt Transfergerüchte, die wir wahlweise ignorieren oder belächeln können, von denen wir uns unterhalten-, Hoffnung oder Sorge bereiten lassen können. Wir werden Testspiele sehen und wir werden versuchen, daraus die Zukunft zu lesen. Alles wie immer eben. Aber das hat alles noch Zeit.

Jetzt ist Zeit zum durchatmen. Der Rauch ist verzogen, der Ärger verfliegt. Alles sacken lassen, zur Ruhe kommen, um später wieder langsam Vorfreude aufzubauen. Jetzt ist die Zeit zwischen den Jahren.

Jetzt ist auch hier erstmal Pause. Am zweiten Montag im Januar, am 9.1. geht es hier weiter, und ich freue mich schon drauf. Bis dato habe ich zu danken.

Vielen Dank fürs mitmachen! Fürs Lesen, fürs Kommentieren, fürs drüber Nachdenken und fürs Diskutieren. Zwar gebe ich hier den Takt vor, aber nur durch die Beteiligung lebt dieses Blog und ohne dem würde es nicht existieren.



Allen Lesern, jedweder Meinung oder Couleur, ein tolles Weihnachtsfest
und einen guten Rutsch ins Jahr 2012 …

wünschen die 4 Wielands

Taktik, Stark, Unnerstall

So habe ichs meinem Sohn beigebracht. Für ihn war das Spiel zu spät. Ich versprach, einen Zettel zu schreiben, damit er heute Früh direkt Bescheid wüsste.

Schalke verliert in Gladbach mit 1:3 und mich hat das Spiel von vorne bis hinten angekotzt. Die taktische Unterlegenheit in der ersten Halbzeit, der Schiedsrichter, die Gegentore. Schalke hatte sich einen Sieg keinesfalls verdient, aber wie die Niederlage zustande kam war dennoch zum schreien.

Ich kann nicht genau sagen, was die Stärken und Schwächen von Gladbach sind, dazu kenne ich sie nicht gut genug. Aber das sie Stärken haben ist klar.

… sagte Huub Stevens auf der Pressekonferenz vor dem Spiel, und genau so sah die erste Halbzeit auch aus. Offensichtlich völlig überrascht davon, dass Gladbach ein adäquates Pressing bereits 30 Meter vor dem Schalker Tor ausübte, kam eine Halbzeit lang kein Schalker Spielaufbau zustande. Unter Druck pöhlten Jones, Matip und Papadopoulos den Ball ein ums andere Mal nach vorne, und in der Regel landete er dabei beim Gegner. Das an individuellen Schwächen dieser Spieler festzumachen wäre meines Erachtens zu simpel. Es fehlte an einem Rezept, wie diese Nachteile auszugleichen sind, und eine ewige Halbzeit lang änderte sich daran auch nichts.
Schalke ließ keine Chancen zu, aber das eine Tor fiel eben dennoch, nach einem für Gladbach glücklichen Querschläger. Wenn so etwas passiert und man keine Reaktion zeigt, weil man nicht in der Lage ist die eigene Offensive ins Spiel zu bringen, gibt es nichts zu beschönigen. Es war ein bis dahin einseitiges Spiel und eine verdiente Führung für Gladbach.

Nach der Halbzeit drückte Schiedsrichter Wolfgang Stark dem Spiel seinen Stempel auf. Natürlich: Klaas-Jan Huntelaar zeigte erst eine Vogel und klatschte dann noch höhnisch Beifall. Regelrechtlich gesehen kann das getrennt geahndet werden und Stark handelte korrekt. Aber mit Verlaub, dieses Handeln war an dem, was Spieltag für Spieltag in der Bundeliga praktiziert wird, meilenweit vorbei und völlig überzogen.
Der ganzen Situation lag ein einzelner Aufreger zu Grunde. Huntelaar war zuvor nicht negativ aufgefallen, gefühlt war er 45 Minuten nicht mal in Ballnähe. Ein souveräner Schiedsrichter wäre hingelaufen, hätte sich vor seinen Assistenten gestellt, sich den Spieler geholt, die Situation beruhigt, den Spieler zurechtgewiesen und ihm die Gelbe Karte gezeigt; fertig. Herr Stark war eine halbe Platzlänge weit entfernt, lies sich vermutlich via Headset informieren und entschied während des Spurts in die Ecke, dass er nun ganz konsequent handeln müsse. Damit beeinflusste er den weiteren Verlauf des Spiels entscheidend.

Den Rest gab mir dann Lars Unnerstall. Natürlich hätte diese 1:1 Situation „Matip:Reus“ gar nicht entstehen dürfen, meinetwegen hätte Matip auch 50 cm weiter links stehen müssen, um die kurze Ecke abzudecken. Aber Reus war wirklich weit weg. Und der Schuss war wirklich sehr langsam … Man konnte förmlich sehen, wie Lars Unnerstall mit dem Schicksal haderte, statt sich zu bewegen. Ein junger Torwart, in der Liga zuvor fast fehlerfrei, man muss nun nicht den Stab über ihm brechen. Aber diese Situation in diesem KO-Spiel war dann eben doch ein Schlag in die Magengrube im falschesten aller Momente.

Das war’s im Prinzip. Schalke gab noch mal alles und kämpfte, ja. Gladbach hatte plötzlich den Faden verloren. Man kann noch über das dritte Tor Gladbachs diskutieren, oder über Jones Platzverweis, aber das war alles „obenauf“. Es waren doofe Situationen die das Spiel entschieden und Schalke schaffte es über 90 Minuten kaum, sich echte Torchancen zu erspielen. Das ist es, was bleibt.

Und der Pokalwettbewerb ohne Schalke 04.

Bevor der Vorhang fällt

Heute in Gladbach also. Eine wahrlich schwere Aufgabe. Die letzte Heimniederlage des VfL Borussia datiert vom 18. März. Ohne daran was zu ändern kann es für Schalke heute nicht gut ausgehen, so die simple Botschaft des Pokalmodus‘.

Andererseits hätte ein leichteres Los auch nicht zum letzten Kapitel des Jahres gepasst. Zwischen tollen Champions League-Abenden, realen Abstiegsplatzbedrohungen, dem Pokal-Triumph und Trainerwelchseln ging es stetig auf und ab, schalkig eben, der Club des großen Theaters.
Jetzt geht es um einen guten Abgang. Ein versauter Schluss macht nicht alles schlecht, aber im Theater wie im Fußball ist der letzte Eindruck das, worüber später zuerst gesprochen wird. Es geht um die Länge des Schlussapplauses. Möge uns unser Ensemble noch einen lautes Ende ermöglichen. Leise ist es danach ja lange genug.

Raúl? „Ja, aber“

Raúl ist das Gesicht der Schalker Mannschaft. In Interviews sympathisch bescheiden, auf dem Platz ein fairer Sportsmann. Ein grandioser Ballvirtuose außerdem, und wenn mal nicht soviel funktioniert immernoch ein großer Kämpfer. Ganz Schalke findet Raúl toll. Raúl fühlt sich wohl auf Schalke. Jetzt, da der Januar nicht mehr weit ist, wird des Spaniers Vertragssituation zum Dauerthema.

Eigentlich steht jetzt schon fest, dass wir vom Ergebnis der Verhandlungen nur die Hälfte erfahren werden. Raúl bleibt oder eben nicht. Was ein Verbleib den Verein kostet oder was dazu führt, dass eine Verlängerung nicht zustande kommt, werden wir nur ungefähr mitbekommen. Das ist deshalb schade, weil man nur mit solchen Informationen die fällige Entscheidung Horst Heldts beurteilen kann. Die Gleichung „Raúl bleibt = Horst Heldt gut“ bzw. „Raúl geht = Horst Heldt schlecht“ ist zu oberflächlich. Schalkes Manager hat auf der Jahreshauptversammlung angekündigt, Schalkes Finanzen im Blick behalten zu wollen. Das kann auch zu unpopulären Entscheidungen führen.

In der FAZ erschien gestern ein Text von Richard Leipold zum Thema. Abseits des allgemeinen Hurras wird dort ein eher skeptischer Blick auf die anstehenden Verhandlungen geworfen. Trotzdem ist es für mich ein „Wohlfühltext“. Die nüchterne und sachliche Art, in der Horst Heldt in diesem Text gezeichnet wird, ist genau die, welche ich mir zu solch einer Entscheidung von dem Schalker Verhandlungsführer erhoffe. Hoffentlich zeichnete Richard Leipold richtig.

ESR plus X: Die Abschlussstatistik

sld hat die erste ESR plus X-Runde der Saison 2011/2012 gewonnen. Die Apertura, wie wir gewiefte Südamerikagerüchteverfolger auch dazu sagen. Hier folgt nun die Abschlussstatistik mit allen Tippern und allen Punkten.

Insgesamt haben sich 157 Tipper an dieser ESR-Runde beteiligt. Die Stärke des Teilnehmerfeldes pro Spieltag variierte von 78 bis 111, im Schnitt machten 91 Tipper mit.

Seit Einführung der X Frage sind 4 Treffer das Non plus ultra und das Erreichen wird mit der „Royal Blue Walnut“ ausgezeichnet. In allen 16 Runden zusammen und bei insgesamt 1.458 abgegebenen Tipps gelang das nur viermal. Der Durchschnitt an erzielten Punkten pro abgegebenen Tipp lag bei 1,19.

Insgesamt wurden 362 verschiedene Tippkombinationen kreiert, die Kombination Höger – Jurado – Pukki war mit 43 Nennungen die häufigste. Innerhalb der Kombinationen war Teemu Pukki der meistgenannte Spieler (584 Nennungen), vor Ciprian Marica (566) und José Manuel Jurado (494). In der kompletten Runde wurde Christian Fuchs nur ein einziges Mal als Tipp aufgeführt, Raúl nie.
Der tatsächlich am häufigsten eingewechselte Spieler innerhalb der 16 von uns betrachteten Spieltage war Ciprian Marica (10 Mal) vor Julian Draxler (7). Baumjohann, Jurado, Moravek und Pukki folgten mit je 4 Einwechslungen auf den Plätzen.

Aber genug damit. Es folgt die Abschlusstabelle mit allen Teilnehmern und ihren Punkten, möge sich jeder seine Werte raussuchen und das alles nicht so ernst nehmen. Nach der Apertura folgt selbstverständlich auch die Clausura. Pünktlich zur Rückrunde geht’s mit der Raterei wieder los, bei Null.

Vielen Dank fürs mitmachen, hat Spaß gemacht!


Wohlfühlabend auf Schalke

Schalke hat nur zwei Bremer Chancen zugelassen. Schalke hat sich selbst mindestens 10 guten Chancen erspielt. Schalke hat fünf davon genutzt. Da gibt’s nichts zu meckern.

Das 5:0 gegen Werder Bremen war auch in der Höhe völlig verdient. Ein paar Minuten zu Beginn des Spiels und ein paar Minuten nach der Pause war Werder ein Gegner, den Rest der Zeit nicht. Damit mag man die „Schalke-Show“ vielleicht etwas relativieren, natürlich bedingt sich immer alles und zu einem 5:0 Sieg passt kein über 90 Minuten gut spielender Gegner. Ich will die Leistung Schalkes aber keineswegs kleinreden. Schalke hat alles richtig gemacht, hat einen offensiven Stil durchgezogen, auch nach einer 2:0 Führung zur Halbzeit, und hat sich in einen „Flow“ gespielt, in dem am Ende alles gelang. Dieses Spiel war Schalkes beste Leistung über 90 Minuten in dieser Bundesligasaison.

Schalkes empfindlichste Stelle ist die linke Abwehrseite. Christian Fuchs’ Stärke liegt in der Offensive, wenn vor ihm noch der eher zweikampfschwache José Manuel Jurado im linken Mittelfeld aufgestellt wird, sollte für eine aggressive Offensive klar sein, in welcher Richtung der Weg zum Schalker Tor zu suchen ist.
Aber Bremen konnte das nicht. Das Offensivspiel Werders war auf Kurzpassspiel durch die Mitte ausgelegt. Im Idealfall kam man mit zwei Offensivspielern hinter Claudio Pizarro und agierte mit Doppelpässen schnell und technisch sicher. Diesen Idealfall sah man aber nur zwei oder dreimal, Schalke wusste diese Situationen erfolgreich zu unterbinden.

Dabei war es von entscheidender Bedeutung, dass auch die Außenpositionen der Mittelfeldraute ihren defensiven Part gut ausfüllten. Marco Höger rechts und auch José Manuel Jurado arbeiteten sehr gut, stellten die „Fluchtwege“ zu und ließen ankommende Werderaner auf Jermaine Jones, Kyriakos Papadopoulos und Joel Matip prallen. Im Ergebnis konnte Claudio Pizarro kaum am Spiel teilnehmen und Bremens Offensive wurde vollständig entschärft.

Umgekehrt wusste Christian Fuchs seinen Raum zu nutzen. Nicht aus den Situationen heraus, sondern genau so geplant war er Schalkes linker „Halbstürmer“. Bei Ballbesitz und ohne pressende Bremer, auch bei eigenen Abschlägen, orientierte sich Fuchs sofort zur Mittellinie, Matip orientierte sich nach links, Jones zog sich zurück. Vorne wurde Fuchs von Jurado und dem überall helfenden Raúl unterstützt, und einmal mehr war das Übergewicht auf dem linken Flügel ein Schlüssel zum Sieg. Vor allem Sebastian Prödl, in der ersten Halbzeit Bremens Rechtsverteidiger, war hoffnungslos überfordert.

Schon zur Halbzeit wären mehr als zwei Tore verdient gewesen, Pukki, Raúl und Huntelaar waren für Bremens langsam wirkende Verteidigung nicht stoppen. Endgültig vorbei war das Spiel aber mit dem dritten Schalker Tor in der 63. Minute. Der Rest war pure Entspannung.

Alexander Baumjohann und Ciprian Marica wurden von Huub Stevens mit Einwechslungen für ihre ansprechenden Leistungen in Haifa belohnt. Vor allem Baumjohann versprühte Spielfreude, derart, wie man es von ihm zuvor lange nicht sah. Papadopoulos durfte noch frei Einköpfen, Klaas Jan Huntelaar machte sein Tor und nachdem er Tim Wiese abermals drei Dinger einschenkte erklärte Raúl González Blanco im Interview, wie toll er auf Schalke alles findet.

Angenehmer geht’s nicht. Ein Spiel, nach welchem sich Resultatpuristen und Zwischendasergebnis- kucker einig sein dürften.

ESR plus X: sld ist Gesamtsieger!

Christian Fuchs machte gegen Werder Bremen ein tolles Spiel und stach Ex-Schalker Lukas Schmitz im Vergleich deutlich aus. Wesentlich knapper ging es im Tipperfeld unseres ESR plus X-Spielchens zu: Am Ende entschied die korrekt getippte X Frage, dass sld den lange alleine Führenden eppinghovener in dieser letzten Runde noch überflügelte und mit 29 Treffern den Gesamtsieg einfuhr.

Herzlichen Glückwunsch!
(Applaus, Applaus, Applaus!)


Fünf der sieben Kategorien, die in der X Frage ausgegeben wurden, konnte Christian Fuchs gegen Lukas Schmitz gewinnen. Das sagten immerhin 23 der 85 Tipper voraus. Einer davon war sld, das machte den Unterschied aus. Bei den Einwechselspielern landeten sld und eppinghovener jeweils zwei Treffer.
Insgesamt wurden die Einwechselspieler so gut vorhergesagt wie in keiner Runde zuvor. Marica war mit 67 Nennungen der Top-Tipp, Draxler (45) und Baumjohann (26) folgten auf den Plätzen 3 und 4, dazwischen lag nur noch Christoph Moritz mit 52 Nennungen. Die Tipper des Tages waren hellwach und Superclive, die beide jeweils alle Einwechslungen und die X Frage richtig voraussagten und damit die „Royal Blue Walnut“ als „Wanderbrain“ erhalten. Auch hierzu großen Applaus und herzlichen Glückwunsch!

Die komplette Ergebnisliste gibt es wie immer auf der ESR plus X-Seite, hier. Eine Abschlussstatistik zu dieser ESR-Runde folgt morgen, am späteren Abend. Ein Text zum Spiel gegen Werder folgt – wie gewohnt – morgen früh. Danke fürs mitmachen!