Von Künstlern und dem Nikolaus

Der heilige Nikolaus, dessen wir am heutigen Tag Gedenken, war ein Bischof. Die historische Person soll zwischen 260 und 365 gelebt haben. Ich glaube, zu dieser Zeit war ein rotes Gewand noch dem Papst vorbehalten, aber da kann ich mich irren. Ziemlich sicher bin ich mir hingegen, dass der Bischof nicht mit Zipfelmütze unterwegs war. Aber man hat eben so sein Bild, dass von der Umwelt beeinflusst wurde.

In Sachen Nikolaus soll Coca-Cola an der Vermischung des Bildes eines Bischofs mit dem eines in firmenfarben plüschig gekleideten Weihnachtsmanns gearbeitet haben. Wohl weniger geplant, aus einem gesellschaftlichen Ich-Verständnis heraus, wird hierzulande ein technisch begabter Fußballer mit einem Künstler asoziiert, und ihm wird in der Folge eine gewisse Faulheit zugesprochen. Ein Künstler, das war seit jeher für die sich gerne als allesamt hart arbeitend glorifizierenden Leute im Ruhrgebiet ein Müßiggänger. Einer der erst dann aktiv wurde, nachdem ihn eine merkwürdige Muse endlich küsste.

In diesem Kontext fällt der Begriff „Künstler“ häufig im Zusammenhang mit José Manuel Jurado. Er ist der mit den Geistesblitzen ab und an, der ganz plötzlich tolle Dinge kann, auf die man aber eben immer wieder eine ganze Weile warten muss. Ich denke das ist falsch, alles, sowohl die Bezeichnung, als auch das Warten. Auch Künstler können produktiv sein, Fußballspieler müssen es. In der Zeit, in der ein Spieler nicht das Außergewöhnliche leistet, muss er zumindest normal Gutes bringen, als einer von Elf. Dann ist alles ok, dann warte ich gerne. Wenn er dazu nicht in der Lage ist, ist er auf dem Spielfeld so falsch wie der Weihnachtsmann am 6. Dezember.



23 Kommentare zu “Von Künstlern und dem Nikolaus”

  1. Stephan sagt:

    Zu Jurado passt ein Zitat von Steve Jobs: „Real artists ship!“

  2. eisenschleuder sagt:

    wahrlich ist es schwer mit diesen künstlern. man muss auch in erinnerung rufen, dass lincoln das publikum mit ziemlicher regelmäßigkeit an den rand der verzweiflung brachte.
    nur ist es bei jurado ungleich schlimmer. mit solchen leistungen und den (zu recht) unregelmäßigen einsätzen bleibt auch wenig hoffnung auf besserung.
    wenn diese typen doch den hauch des schneides eines jermaine jones hätten.
    mit dem donnergrollenden satz ‚zum laufen braucht man keinen guten tag haben, jungs!‘ konnte ein mir in lebhafter erinnerung gebliebener jugendtrainer kabinenwände einstürzen lassen. das war aber in der regel genau die richtige ansprache für uns, wenn wir mit bauern-hacke-spitze-1-2-3 zu scheitern drohten.

  3. Patigol sagt:

    … seh ich genauso, ein Mindestmaß an Einsatz muss man erwarten können, selbst wenn man in ´ner Hobbyliga spielt. Sonst macht´s keinen Spaß, weder als Mitspieler noch als Zuschauer…

  4. bernd sagt:

    Hallo Torsten,
    von mir, zum Nikolaus, ein großes Dankeschön für Deine wunderbaren Texte!
    bernd

  5. us.online sagt:

    @ Stephan

    Hilf mir mal als Nicht-Native-Speaker: „ship“?

    Oder muss es vielleicht „chip“ im Sinne von splittern, spalten heißen?

    BWG

    U.

  6. us.online sagt:

    Ok, habe es nochmal nachgelesen. Es ist tatsächlich ship. ‚Ship‘ meint in dem Sinne des Zitats ja ausliefern, also dass die wahren Künstler das was sie vorstellen auch sofort liefern können.
    Anfangs hatte Apple das was sie als neues Produkt vorstellten regelmäßig auch direkt in ihren Shops. Seit dem iPhone ist das ja nun auch nicht mehr wirklich so, aber das führt zu weit ab :-)

    Nun musst Du, lieber Stephan, mir aber mal erklären, was das nun alles mit Jurado zu tun hat!? :-)

    Um einen Erklärungsversuch zu unternehmen für das was ich mir eigentlich auch nicht erklären kann:

    Ich finde die Situation von Jurado grundsätzlich nicht sonderlich einfach. Er hatte sich von Spaniens Ligafussball auf die doch etwas härtere Spielweise der Buli umzustellen und ist als junger Spieler mit Zahnspange ohne Sprachkenntnisse hier angekommen (bei den Spaniern hapert es ja traditionell auch mit dem Englischen). Er landete bisher nach guten wie schlechten Spielen regelmäßig auf der Bank. Nie hat er mal 4-5 Spiele hintereinander – geschweige denn auf seiner 1a Position als 10er hinter den Spitzen – gemacht. Dass man da innerlich vielleicht aufsteckt, ist mE jetzt auch nicht verwunderlich. Dazu kommt sicherlich eine gewisse südländische laissez-faire Einstellung.

    Hoffe er kriegt die Kurve. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass die Bremer ihn mit Kusshand nehmen würden und er sich da auch gut entwickeln würde…

    BWG

    U.

  7. Carlito69 sagt:

    Wäre ja nicht der erste, der den Weg an die Weser gehen würde und dort aufgeblüht… hoffentlich kommt es nicht so, sondern er setzt sich doch noch bei uns durch.

  8. blues sagt:

    @us.online
    Jurado auf der 10. Gegen Haifa? Wer spielt mit Marica die Doppelspitze?

  9. Maddin sagt:

    Ähm, handelt es sich bei der Instrumentalisierung des überlieferten Geschenkebringers durch einen Brausefabrikanten nicht um den Weihnachsmann? Soweit mir bekannt ist hat der Nikolaus soviel mit dem Weihnachtsmann gemein wie Jurado und Raul. Den Nikolaus kann man historisch belegen, erklären und gelegentlich freut man sich über ihn. Der Weihnachtsmann ist eine Legende, mystisch und hält was sein Name verspricht.

  10. deepBlue sagt:

    @ us.online:

    „…Nie hat er mal 4-5 Spiele hintereinander…“ ist natürlich ‚was ‚dran…

    „…was das nun alles mit Jurado zu tun hat!?…“
    ich finde, Thorsten hat die Kerne des Problems auf den Punkt gebracht:

    – Spieler mit verheißungsvollen Fähigkeiten
    – Zuschauer-/ Trainerreaktion mit wenig Toleranz (Pfiffe/Einsatzzeiten)
    – Grätschen wirkt engagierter als schön spielen
    – Selbstbild von J evtl. „Künstler“ mit Definition „do not need to ship“

    (Leser, die Jurado problematisch auspfeiffen, pfeifen auch hier: Vergleich v. Publikumsmeinung zu Matip mit Statistiken – Effizienz – von Matip)

  11. Kowski04 sagt:

    Warum hat FM uns den nur hinterlassen? Holtby und Baumi sind aber schon besser, man sollte Allen einfach mehr Chancen geben und fest daran glauben.

  12. Torsten sagt:

    @Maddin:
    Sehr richtig. Trotzdem hat sich Coca-Cola eben des Nikolaus‘ bedient und die Folgen sind, dass das häufig durcheinander geworfen wird.

    Ist es denn tatsächlich so, dass Jurados eigentliche Position hinter den Spitzen ist? In den paar Bewegtbildern, die ich vor seiner Verpflichtung fand, kam er häufig über links. Ich denke nicht, dass sein Problem eine falsche Position ist.

    Dass es für ihn ein Problem sein könnte, dass er das Vertrauen nicht spürt, kann ich da schon besser nachvollziehen. Plötzlich ist da so ein Draxler, der sowohl rennen als auch noch ordentlich mit dem Ball umgehen kann. Aber ehrlich, Jurado hatte letzte Saison 28 Einsätze und an ein so richtig tolles Spiel von ihm kann ich mich nicht erinnern! Das Spiel in dem selbst Edu wie ein Weltklassespieler auftrumpfte, lasse ich mal bewusst außen vor.

  13. us.online sagt:

    @ Torsten

    Coca Cola hat sich nicht des Nikolaus bedient, sondern des Weihnachtsmannes. Guggst Du hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachtsmann
    Das meinte sicherlich auch (glaube ich zumindest) Maddin. Der Nicolaus ist der Mann mit Bischofsmütze und sieht deswegen auch nicht so aus wie der Weihnachtsmann, der an Weihnachten durch den Kamin die Geschenke bringt.

    Ich gebe Dir zwar Recht, dass der Nikolaus und der Weihnachtsmann oft verwechselt werden. Daran ist aber mE nicht Coca Cola Schuld sondern die allgemeine amerikanische Krankheit, dass der Weihnachtsmann zu allem Überfluss auch noch Santa Claus genannt wird, obschon er Weihnachten kommt und nicht am 6.12., alles klar :-)

    Ich glaube in dem Einwanderungsland USA ist diesbezüglich einfach alles durcheinander gekommen.

    BWG

    U.

    BTW: Das andere tolle Spiel war mE das Pokalendspiel :-)

  14. Bene sagt:

    Der Weihnachtsmann sieht übrigens so aus:

    http://www.dancingsantacard.com/?santa=64073

    ;)

  15. blues sagt:

    Erklärendes zum Weihnachtsmann-Rätsel fand ich hier:

    http://www.markenlexikon.com/c.....smann.html

    Das Rätsel Jurado kann ich auch nicht lösen.

  16. Matthias sagt:

    Weihnachtsmann ./. Nikolaus

    Ich kenne es so: Am 6.12. kommt der Nikolaus, der ursprünglich übrigens ausschließlich nett zu den Kindern war. Für die Abstrafung der bösen Kinder hat er seinen Handlanger Knecht Ruprecht, der allerdings im Rahmen von Personaleinsparungsmaßnahmen häufig wegrationalisiert wurde. Seitdem muss der Chef selbst die Rute schwingen.

    Am 24.12. kommt auch nicht der Weihnachtsmann, sondern das Christkind, häufig als eine weibliche, engelsgleiche Erscheinung dargestellt (aber auch keine Putte, denn das sind die kleinen fetten Biester, die ständig faul auf Kirchensimsen herumlungern).

    Die heutige Darstellung des Weihnachtsmannes ist in der Tat von vielen Faktoren beeinflusst, auch von Coca Cola. Vorlage für die Coca-Cola-Variante soll aber gar nicht der Nikolaus gewesen sein, sondern der russische, ursprünglich gänzlich unreligiöse „Väterchen Frost“. Der ist im Gegensatz zum Christkind wenigstens männlich und wird in der russischen Literatur als eine im hohen Norden wohnende Verkörperung des Winters beschrieben, der einen großen Rauschebart und einen langen warmen Mantel trägt. Somit wären – ganz im Gegensatz zum kleinasiatischen Nikolaus und dem nicht gesichtsbehaarten Christkind ohne festen Wohnsitz – schon einmal drei Merkmale des heutigen rot-weißen Weihnachtsmannes abgedeckt.

  17. us.online sagt:

    @ blues

    :-)))))))))))

  18. Elbdeichrutscher sagt:

    Generell kommt Künstler von „können“…dsa wird man Jurado nicht absprechen wollen.
    Leider wirken viele seiner Aktionen unmotiviert, teilweise wird da auch sicher eine selbsterfüllende Prophezeihung draus ( ich denk da gerade an den „Stolper-Kevin“…der doch immer seine Buden gemacht hat).
    Verunsicherung wegen fehlender Einsatzzeiten, das kann ich mir schon vorstellen, noch dazu, nachdem er erstmal nach der Ankunft „laufen lernen “ musste ( fehlende Kondition).
    Die wirklich „genialen Momente“ sind selten, ja…aber auch Draxler, Matip, Baumjohann…Raúl…spielen Bälle ungeschickt ins aus, Jones schießt gerne aus (zu) großer Entfernung.
    Mir geht es wie us.online und carlito69…und ich hoffe, er kann sich durchsetzen und darf noch bleiben und Raúl schöne Geniestreiche auflegen

  19. tomba sagt:

    ich habe mittlerweile die geduld verloren. das äußert sich nicht in auspfeifen, was ich einfach fehl am platze finde egal bei wem, sondern in resignation. es interessiert mich nicht ob jurado im kader steht, auf der tribüne sitzt oder im parkstadion das unkraut jätet. ich habe ihn als flop abgeschrieben, was auch seine zeit dauerte mir das einzugestehen.
    er ist sicherlich ein begnadeter techniker, der bei laune wirklich herausragende dinge mit dem ball veranstaltet. leider ist er auch ein „schlampiges genie“, was auch nicht weiter schlimm wäre (siehe lincoln). was mich allerdings mittlerweile einfach stört und regelmäßig verbal meine gute kinderstube vergessen lässt ist einerseits die „null bock attitüde“ mit der er einen großteil seiner spiele bestreitet (spielverschleppung, lieber mal ‚nen querpass, etc.) sowie die tatsache, dass sich licht und schatten seiner einsätze schon bedeutend nicht mehr in der waagschale halten (mehr schatten, weniger licht).schade, er hätte wirklich eine verstärkung sein können.

  20. Maddin sagt:

    Den damaligen Hype um Licoln konnte ich nie verstehen. Vom Diva-Level ein wesentlich härteres Kaliber als z.B. Rafinha, nur dessen konstante Leistung konnte Licoln nie erreichen.

  21. hoffedocS04 sagt:

    Philipp Hofmann

    ein gutes Signal finde ich

  22. Torsten sagt:

    Ein überraschend lautes Signal. Dass ein Bundesligakader mit hoffnungsvollen Talenten aufgefüllt wird, ist seit zig Jahren gang und gäbe. Meistens hat man diese Jungs erstmals auf dem Mannschaftsfoto für eine neue Saison gesehen. Dann wurden sie ein paar Mal eingesetzt, erhielten einen Profivertrag und machten ihren Weg, oder eben nicht.

    Heute kommen alle Portale mit der Meldung, dass der gute Philipp einen Profivertrag bekommen hat und es gibt tatsächlich ein relativ großes Hallo darum, obwohl er noch nie auch nur eine Minute lang höher als Regionalliga West gespielt hat.

    Nicht dass ich ihm das nicht gönnen oder ihm den Sprung nicht zutrauen würde, darum gehts nicht. Ich finde es nur zu laut.

  23. hoffedocS04 sagt:

    vielleicht soll dieses Signal so laut sein…möglicherweise..dann können andere Entscheidungen geräuschlos laufen…im akustischen Hintergrund..

    klapp jetzt hier zu, bin seit 38 Std. dabei, leg mich ab mit EINEM offenen Ohr für das Bayernspiel

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