Artikel im Januar 2012

Rudi Assauers letzter Tanz?

Wer mit der „Bild“-Zeitung im Aufzug nach oben fährt,
der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten.

Dieser Satz stammt vom Matthias Döpfner, dem Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG. Stefan Niggemeier zitierte ihn in einem Text zu Bundespräsident Christian Wulff und dessen Verhältnis zu dieser Zeitung. Ich habe mir diesen Satz gemerkt, ich konnte nichts dafür. Seitdem habe ich oft an ihn denken müssen. Auch gestern Abend wieder, obwohl in anderem Kontext.

Gestern Abend machte Bild Rudi Assauer und dessen Krankheit zur Schlagzeile. „Alzheimer! Große Sorge um Rudi Assauer (67) – Fußball-Legende schwer krank“ war da in gewohnt großer Schrift zu lesen. Es folgte eine Bildstrecke, die „Bilder seines Lebens“, fast schon wie bei einem Nachruf.
Der kurze Text bestand aus dem Hinweis, dass Bild und Sportbild eben diese Nachricht Dienstag berichten würden, dass Rudi Assauer diese Nachricht demnächst in seiner Biografie selbst verbreiten wird, und – noch mal in fett – dass „alle Informationen und Hintergründe morgen in Bild“ zu lesen seien.

Dass Rudi Assauer krank ist, war in Gelsenkirchen ein mehr oder weniger offenes Geheimnis. Das nun derart ekelhaft reißerisch präsentiert zu bekommen empfinde ich als furchtbar – und doch halte ich es für denkbar, dass es genau so sein sollte. Der Bild diese Veröffentlichung, dem Manager die größtmögliche Publicity für seine Biografie: Rudi Assauer hielt Zeit seiner Karriere die Nähe zu dieser Zeitung, wurde von ihr stilisiert und kritisiert, blieb aber immer Thema und damit auch groß. Da ist es naheliegend, in der gestrigen Schlagzeile statt einer Enthüllung, den vielleicht letzten „Tanz mit dem Teufel“ des Rudi Assauer zu sehen.

Schön ist das alles nicht.

Stevens löst schwierige Situation offensiv

Schalke dreht in der 2. Halbzeit das Spiel in Köln und kommt mit einem 4:1 Auswärtssieg zurück nach Gelsenkirchen. Das war zwar zu hoffen, aber wegen der Kölner Heimstärke und der Schalker Verletzungsmisere, nicht zwangsläufig zu erwarten. Auf dem Konto stehen nach jetzt 19 Spieltagen 40 Punkte. Um kurz daran zu erinnern woher wir kommen: 40 Punkte, das war exakt der Punktestand am 34. Spieltag der Vorsaison.

1. Halbzeit: Köln 1 – Schalke 0

Bei der Beantwortung der im Vorfeld viel diskutierten Frage, durch wen oder wie oder ob überhaupt der verletzte Raúl in seiner zentralen Rolle im Schalker Spiel ersetzt werden kann, überraschte Huub Stevens alle. Er brachte Ciprian Marica auf der Position von Raúl. Dazu lief Draxler von Anfang an auf. Alle anderen Positionen blieben entsprechend dem Spiel gegen Stuttgart besetzt. Der Effzeh begann stark und Podolski nutzte einen Ballverlust im Aufbauspiel von Höger eiskalt und ging direkt in Führung. Köln zog sich danach etwas zurück, staffelte die Abwehrreihen tief und dicht und lauerte auf Konter. Der lauf- und spielfreudigen Schalker Offensive gelang es nicht, den entscheidenden Ball Richtung Kölner Tor durchzustecken. Dem letzten Pass, der letzten Flanke fehlte die Präzision oder der letzte Laufweg passte nicht. Es fehlte die Ruhe und Übersicht um den tödlichen Pass für den Ausgleich vorzubereiten. Es fehlte Raúl. Köln ließ sich weder aus dem Konzept noch aus der Ruhe bringen, spielte teils auf Zeit, blieb aber mit Kontern immer brandgefährlich. Podolski hatte kurz vor der Pause das 2:0 auf dem Fuß.

2. Halbzeit: Köln 0 – Schalke 4

Huub Stevens reagierte in der Halbzeit massiv und stärkte taktisch und spielerisch die Offensive. Er löste die Doppelsechs auf und stellte auf Mittelfeldraute um. Uchida ging aus dem Spiel. Höger wechselte auf die Außenverteidigerposition. Jurado kam ins Team und nahm die Position hinter Huntelaar und Marica ein, die nun als Doppelspitze agierten. Mit Jurado als zusätzlicher Anspielstation gewann das Schalker Offensivspiel nach und nach an Struktur und Durchschlagskraft. Spielzüge wurden zu Ende gespielt. Flanken und Pässe fanden den Mitspieler. Der Fluidität der Schalker Spieler in ihren Offensivbewegungen konnte Köln kaum noch folgen. So war es beispielsweise Huntelaar, der Fuchs mit einem langen, präzisen Pass aus zentraler Position, zur Grundlinie an der gegnerischen linken Eckfahne schickte. Fuchs scharfe Flanke drückte Ciprian Marica vom Fünfmeterpunkt per Kopfball zum Ausgleich ins rechte untere Eck, während am langen Pfosten auch schon wieder Huntelaar auftauchte. Mit der auch im Anschluss weiter hohen Kampf- und Laufbereitschaft baute die Schalker Offensive in der spielentscheidenden Phase Mitte der 2. Halbzeit derartig viel Druck auf, dass die Kölner Defensive auseinander fiel. Drei weitere Schalker Tore waren die Folge.

Gegen alle Widrigkeiten, gelang es Huub Stevens im richtigen Moment, durch Drehen an den taktischen Stellschrauben und mit einer Auswechselung, sein Team neu aufzustellen. Geschickt versetzte er so die Schalker Mannschaft in die Lage, gegen einen heimstarken Gegner das Spiel zu drehen. Erstaunlich am Spiel gegen Köln war für mich, dass mit den aktuell einsatzfähigen Schalker Spielern derartig viel Offensivdruck bei einigermaßen sicherer Defensive aufgebaut werden konnte. Und das geschah hauptsächlich durch die Besetzung der „10“ mit einem technisch und taktisch starken Spieler in guter Tagesform, der als Bindeglied zwischen Mittelfeld und Doppelspitze agierte. Interessanterweise stehen dem Team mit Raúl, Jurado, Baumjohann und Holtby vier Spieler zur Verfügung, die alle diese Rolle der „10“ übernehmen können.

Wie das Team in den Spielen ohne Farfán, im Spiel gegen Stuttgart ohne Farfán, Holtby und Jones und zuletzt gegen Köln dann auch noch ohne Raúl gezeigt hat, ist es in der Lage sich komplett neu zu orientieren und zu organisieren. Man kann davon ausgehen, dass zwischenzeitlich einige wichtige „System-“ oder „Konzeptideen“ unserer letzten beiden Trainer und der Co-Trainer von der Mannschaft aufgenommen und automatisiert wurden. Dass aktuell auf Schalke eine Mannschaft zusammengewachsen ist, kann kaum noch übersehen werden.

Paradoxerweise scheinen die Schalker als Team sogar von Verletzungen und Sperren zu profitieren. Durch den Zwang sich Alternativen erarbeiten zu müssen und in Kombination mit dem „glücklichen Händchen“ der Trainer, kommt das Team mit mehr spielerischen und taktischen Varianten aus der jeweiligen Misere als am Ausgangspunkt vorhanden waren. Das schafft nicht nur neue Optionen für den Trainer bei der Mannschaftsaufstellung sondern auch zusätzlichen Verhandlungsspielraum für den Manager bei der weiteren Kaderzusammenstellung.

Nach den Siegen der beiden Führenden steht Schalke weiterhin nicht im ganz großen Rampenlicht. Das Team kann so mindestens eine weitere Woche mit dem Status und dem kleineren Druck des Underdogs weiterarbeiten und trainieren. Horst Heldt kann gelassen in die noch anstehenden Vertragsverhandlungen gehen.

Mein Dank geht an Torsten, für die Möglichkeit, das Spiel zum 40-Punkte-Meilenstein hier in seinem Blog kommentieren zu können.

ESR plus X: Erwartete Wechsel, (zu)viele Tore

Mit Jurado (35 Nennungen), Christoph Moritz (62) und Teemu Pukki (63) wechselte Huub Stevens drei der vier meistgenannten Einwechselspieler ein. Nur Ciprian Marica (60) wurde ähnlich häufig genannt. Das führte zu einem guten Trefferschnitt (1,71) und vier Stevens-Into-The-Brain-Kucker. Fünf Treffer fürs Spiel und für die X Frage hatten allerdings nur 11 der 94 Tipper auf dem Zettel.

NiklasFrank, Carlito69, Kat und … naja, ich eben … sagten die Einwechslungen korrekt voraus, kamen aber alle nicht auf die 5 Treffer fürs Spiel. Der Schnitt der X Frage-Tipps lag bei 3,4. Die meisten Tipper, 37 an der Zahl, erwarteten 4 Tore, nur drei Tipper gingen von einem torlosen Spiel aus, ebenfalls drei Tipper glaubten an 6 Tore.

Nach zwei Runden führt nun Ney mit 5 Punkten die Gesamtwertung an. Die komplette Ergebnisliste gibt es hier. Ein Text zum Spiel folgt. Danke fürs mitmachen!

ESR plus X: Torspektakel in Köln … vielleicht

Guten Morgen und herzlich Willkommen zur zweiten ESR plus X-Durchgang dieser Rückrunde! Nur die Punkte zählen, auch bei diesem Spielchen, deshalb ist zumindest die X Frage diesmal einfach gehalten …

Schalke spielt in Köln, und wie die Mannschaft aussehen wird, ist völlig offen. Ob Raúl nun auch noch ausfällt, ob Farfán doch zu einem Einsatz kommen kann, ob Tim Hoogland vielleicht erstmals wieder zum Kader gehört, ob in Abwesenheit Baumjohanns nun José Manuel Jurado wieder eine Chance bekommt – über all das sprach Huub Stevens in der Pressekonferenz zum Spiel. Nichts sagte er zu, nichts schloss er aus.

In den Spielen des FC Schalke 04 sind in dieser Saison bereits 64 Treffer gefallen, das ist der Topwert der Liga. In den Spielen des 1. FC Köln fielen 63 Treffer, Platz 2. Diese Erkenntnis führte zu einer simplen, aber naheliegenden …

X Frage
Wieviele Tore fallen im Spiel des FC Schalke 04 in Köln?

Mein Tipp lautet …

Jurado
Moritz
Pukki
X 3



Was ist Einwechelspieler-Raten und was ist eine X Frage?
Tippabgabe bis Samstag, 17:30 Uhr. Bitte die drei Spielernamen und die Antwort auf die X Frage im Kommentarfeld untereinander notieren. Mache dabei bitte die X Antwort mit einem vorangestellten „X“ kenntlich. Für „echte Kommentare“ bin ich wie immer dankbar. | Foto: Akbar Sim

Mal Wurstheini, mal Kotelett-Kaiser: Clemens Tönnies

Clemens Tönnies ist völlig unbestritten der starke Mann beim FC Schalke 04. Er stellt sich dar wie der Boss. Obwohl nur ein Teil des Aufsichtsrates, holt und entlässt doch er die Vorstände; ist doch er es, der die Kühe vom Eis holt. Irgendwie unvorstellbar, dass er sich im Aufsichtsrat nicht durchsetzen könnte. Tönnies ist der Macher. Westfälischer Geschäftsmann. Chef eines Konzerns mit 4,3 Milliarden Euro Umsatz. Milliardär.

Schalke 04 gehört den Mitgliedern. Die Mitgliederversammlung wählt den Wahlausschuss, welcher Kandidaten für den Aufsichtsrat zulässt, welche wiederum von der Mitgliederversammlung in den Aufsichtsrat gewählt werden. Ein demokratisches, basisorientiertes System. Da fühlt sich ein „Big Boss“ falsch an. Da fühlt es sich schlecht an, Aufsichtsratsmitglieder zu erleben, die nicht den Eindruck machen, als würden sie aus sich heraus „schaffen“, sondern eher beisitzen.

Andererseits glaube ich, dass Clemens Tönnies in der Tat nur das Beste für den FC Schalke 04 will. Er hilft diesem Club mit seiner Erfahrung als Konzernchef. Er hat offensichtlich aus eigener Tasche für vorübergehende Liquidität gesorgt, als es für den Verein kurz auf knapp stand. Er lies sich beschimpfen und bespucken. Sicher ist es für ihn keineswegs das reine Vergnügen, dieses Amt auf Schalke. Aber er macht weiter und handelt in der Regel nachvollziehbar.

In jüngerer Vergangenheit haben sich die Zeitschriften manager magazin und Wirtschafts Woche mit Clemens Tönnies befasst.

Der Text im manager magazin erschien Ende November letzten Jahres und beschreibt vor allem den Typ Clemens Tönnies. Es wird von seinem Werdegang erzählt. Es wird beschrieben, dass ihn die Gegend, die Nachbarschaft zu den Oetkers und Webers Ostwestfalens prägte. Ein Text, der alles in allem ein positives Bild zeichnet, Tönnies aber nicht durchgehend gut dastehen lässt, in dem er eher als „bauernschlau“ denn als intelligent dargestellt wird. Aus diesem Text stammt auch der Titel „Mal Wurstheini, mal Kotelett-Kaiser“, dort eine Aussage mit dem beschrieben wird, wie unterschiedlich die Sichtweise auf Tönnies sind, wie sehr er polarisiert.

In der Wirtschafts Woche erschien vergangenen Samstag ein Interview mit Clemens Tönnies. Dabei ging es zunächst um das Schlachtvieh, welches in Tönnies’ Fabrik verarbeitet wird – eben um alles das, was der Fleischindustrie vorgeworfen wird. Im zweiten Teil ging es dann um Schalke 04, und zwar konkret um die Veränderungen in der jüngeren Vergangenheit. Um die fehlende Transparenz im S04-Firmen-Konstrukt, um die Ablösung der Schechter-Anleihe, um den Rausschmiss Schechters selbst, um den Schuldenstand.

Zwei Texte zu Clemens Tönnies, die meines Erachtens jeder Schalke Fan gelesen haben sollte. Weshalb ich eben hier und jetzt darauf hinweise. Zwei längere Texte, zugegeben. Falls es jetzt nicht passt, einfach die Links speichern. Am Wochenende werden sich schon 20 Minuten dafür finden lassen. Schalke spielt Samstag ja erst um 18:30 Uhr.



manager magazin: „Deutschlands größter Schlachter mischt Schalke auf“
Wirtschafts Woche: „Von der Schlachtbank zum Fanblock“

Gerücht des Tages: Guti auf Schalke

Real Madrids Haus- und Hofzeitung AS berichtet heute, dass José María Gutiérrez genannt Guti noch in dieser Woche einen Vertag auf Schalke unterschreiben soll. Der Vertrag soll zunächst eine Laufzeit von 6 Monaten haben, danach wolle man sich erneut zusammensetzen.

Gerüchte um Guti gab es auf Schalke immer wieder, seit sein Kumpel Raúl bei den Blauen spielt. Diesmal ist es „denkbarer“ als sonst, weil Guti auch im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden kann, derzeit vereinslos ist und Schalke über einen kurzen Zeitraum Hilfe im defensiven Mittelfeld gebrauchen kann. Ein Medien-Coup wäre es auf jeden Fall.

Wörtlich: Jupp Heynckes

Er müsste einfach etwas ruhiger machen, etwas bedächtiger, etwas konzentrierter. Einfach Tempo rausnehmen. Das ist sein Problem, dass er unheimlich schnell den Ball wieder ins Spiel bringen will.

Manuel Neuer traf den Ball nicht richtig. Schnellschuss-Statements nach solchen Situationen sind immer gleich: Hatte der Protagonist in der Situation genügend Zeit, dachte er zuviel nach. Das ist dann nicht gut, dann soll er intuitiver agieren. Ging die Situation schnell vonstatten, fehlte ihm die Ruhe. Das ist dann nicht gut, dann soll er Tempo rausnehmen. Oder auch „einfacher“ Spielen.

Jupp Heynckes ist kein Mann der Schnellschuss-Statements. Seine Sprache ist holperig, seine Aussagen sind aber erfahrungsgemäß bedacht. Sollte der Trainer des FC Bayern München seinen Torwart also tatsächlich nicht verstehen, und dessen, bei aller Stärke, doch herausragende Fähigkeit tatsächlich für ein Problem halten?