Zwischen aktuellem und ewigem Ruf

Lionel Messi ist zum dritten Mal in Folge zum „Weltfußballer des Jahres“ gewählt worden. Der Beste ist er in nationalen Wettbewerben und der Champions League, bei zwei WM-Turnieren war er es bislang nicht. Dennoch werden heute schon Rufer laut, die ihn als „Besten Fußballer aller Zeiten“ nennen möchten. Den Ruf als solchen bringt aber erst die Zeit.

Die Champions League ist das Non plus ultra des Clubfußballs. Mit ihrer Gestaltung ist der UEFA, allen einstigen Kritiken zum Trotz, der große Wurf gelungen. Die Leistungen in der Champions League sind der stets zu betrachtende Maßstab für die Entwicklung des Fußballs. Lionel Messis Dominanz in diesem Wettbewerb führt zu seiner Dominanz bei der Wahl zum Weltfußballer.

Größer als der Clubfußball sind aber die Weltmeisterschaften. Vielleicht ändert sich das, die FIFA geht die Gefahr ein, den Status zu verhökert, bislang ist es aber noch so. Diese Turniere sind die großen Messen des Fußballs, was in der Champions League entwickelt wurde, wird bei den Weltmeisterschaften dargestellt. Bei der WM wurde Pelé zu Pelé, Beckenbauer zu Beckenbauer und Maradona zu Maradona. Bei allen Titeln oder Auszeichnungen, die diese Spieler gewonnen haben, stehen doch die Triumphe bei den Weltmeisterschaften stets im Vordergrund.

Auch Alfredo Di Stéfano oder George Best werden von manch einem genannt, wenn es um die Frage nach dem „Besten Fußballer aller Zeiten“ geht. Beide haben nie an an einer WM-Endrunde teilgenommen, habe weder glänzen, noch versagen können. Lionel Messi könnte der „Beste Fußballer aller Zeiten, der bei Weltmeisterschaften enttäuschte“ werden. Er wird im Juni 25 Jahre alt. Eine, vielleicht zwei Gelegenheiten werden sich ihm noch bieten, das zu verhindern.



12 Kommentare zu “Zwischen aktuellem und ewigem Ruf”

  1. Ossi sagt:

    „Größer als der Clubfußball sind aber die Weltmeisterschaften.“

    Was genau ist das, dieses „Weltmeisterschaften“? ;-)

  2. Patigol sagt:

    … oder Argentinien geht als das Land in die Geschichte ein, das den momentan weltbesten Fußballer in seinen Reihen hat, ohne seine Qualitäten auszuschöpfen…

  3. RWDJojo sagt:

    Ich finde dieses Gerede vom „Besten Fußballer aller Zeiten“ ziemllich bescheuert. Denn man kann den heutigen Fußball nicht mit dem Fußball vor 20, 30, 40 Jahren vergleichen.

    Selbst zwischen den aktuellen Fußballern finde ich die Auszeichnung „Bester Spieler“ ziemlich fragwürdig. Eigentlich müsste man für jede Position den Besten küren. Zum Beispiel ist ein Xavi ist doch nicht schlechter als Messi, vielleicht sogar besser und wichtiger für die Mannschaft und damit auch der Wegbereiter für die Topleistungen von Messi. Denn ohne seine genialen Kollegen (Iniesta wäre da auch zu nennen) spielt Messi in der Nationalmannschaft nicht so gut.

    Habe da vor kurzem mal einen Artikel bei SPON gelesen… http://www.spiegel.de/sport/fu.....42,00.html

    Zum Thema, was wichtiger, CL oder Weltmeisterschaft!
    Ich denke sportlich wertvoller und besser ist die Champions League. Eine WM ist sogar sportlich schwächer als die EM. Denn europäische Länder (z.B. Kroatien, Türkei, Serbien etc.), die sich zwar meist für eine EM qualifizieren können, jedoch bei der WM-Quali scheitern, weil es dort weniger Startplätze für europäische Mannschaften gibt, schätze ich grundsätzlich stärker ein als asiatische oder afrikanische WM-Teilnehmer.
    Aber vom Ruf, seiner Geschichte und dem damit verbundenen Mythos ist ein WM-Titel trotzdem das Nonplusultra im Leben eines Fußballers. Wobei für einen WM-Gewinn ein Fußballer neben seinem Talent und dem Glück des Entdeckt-Werdens auch noch das Glück der richtigen Nationalität und Zeitpunkts haben muss.

    Mich würde es ja mal interessieren, wie weit eine Mannschaft aus Spielern, deren Länder sich nie qualifizieren können (z.B. Finnland, Wales, Nordirland etc etc), es bei einer WM bringen würde…

  4. Carlito69 sagt:

    In der spanischen N11 käme er vermutlich wesentlich besser zurecht, die spielen eher „seinen“ Fußball, oder er eher ihren…

  5. DanielKu sagt:

    Eigentlich kann man immer nur den besten seiner Zeit benennen, wenn überhaupt! So sehr heute alle z.B. Gerd Müller verehren, der würde heute untergehen. Der hätte heute keine Chance,bei der kompromisslosen Art und Weise, wie heutzutage Abwehrspieler agieren! Auch so ein Netzer wäre den Ball heutzutage in Windeseile wieder los. Rudi Völler hatte in seiner berühmten Wutrede schon recht, bezüglich des Standfußballs, der damals gespielt wurde. Ebenso, nur nicht mehr ganz so schlimm, übrigens auch zu Rudis besten Zeiten! Da fehlt jegliche Dynamik, die das Spiel heute ausmacht! Schaut mal auf Youtube, das kannste dir teilweise nicht ansehen…;-)

  6. Ney sagt:

    War langsamer, aber gewiß nicht ohne Dynamik, und war auch sehr ansehnlich.
    http://www.youtu.be/watch?v=Ur.....re=related
    Nur hat der Rudi Michel nicht so „dynamisch“ rumkommentiert, und es gibt diese ausgefeilte, auf Dramatisierung angelegte Schnitt- und Großaufnahmentechnik mit 16 Kameras noch nicht.

  7. McP sagt:

    Messi hat übrigens auch die spanische Staatsbürgerschaft. Was für eine absurd perfekte Titelsammlung wäre da zusammengekommen, wenn er sich für die Spanier entschieden hätte.

    2006 hat Messi mMn auch nicht enttäuscht. Eher sein Trainer, der ihm viel zu wenig Einsatzzeit gab.

  8. Marvin sagt:

    @Ney:

    Dynamisch ja, aber eben immer nur von 2, 3 Spielern in Ballnähe.
    Da das aber für Offensive wie Defensive gilt, finde ichs zu Heute fast schon vergleichbar, da das kollektive, mannschaftstaktische Element sich eben in beiden Bereichen Einzug gehalten hat.

    @DanielKu:

    Also ich habe ja meine starken Zweifel, dass die heutigen Abwehrspieler kompromissloser zur Sache gehen…
    Müller hätte heute deshalb kaum eine Chance, weil die Räume einfach nicht mehr da sind, die ihm damals seine Tore ermöglichten.

  9. Torsten sagt:

    Selbstverständlich kann man jeden Spieler nur an den anderen Spielern seiner Zeit messen. Natürlich würde Netzer mit damaliger Qualität im heutigen Spiel nicht zurecht kommen, aber das ist eben ein falscher Vergleich und macht Netzer keinen Deut schlechter. Wie groß Netzer damals war zeigt eher, dass sich Real Madrid ihn ausgesucht hatte, obwohl nur 3 Ausländer erlaubt waren. Dass ist eine völlig andere Nummer als eine Özil oder Khedira-Verpflichtung, mit denen Real kein Risiko eingegangen ist; aber das nur nebenbei.

    @McP: Andererseits ist es schwerlich positiv zu werten, wenn sein Trainer entschied, lieber ohne ihn spielen zu wollen. Denke wir uns vielleicht „enttäuscht“ für 2006 weg und sagen, er war dabei, konnte seiner Mannschaft aber nicht entscheidend helfen.

  10. Stephen sagt:

    Ich sehe es ähnlich wie RWDJojo, dass die Spieler untereinander nicht so vergleichbar sind und wahrscheinlich ist es tatsächlich so, dass bspw. ein Xavi viel wichtiger für Barca ist als Messi. Aber auch das sind natürlich Spekulationen auf hohem Niveau. Ich finde es viel eher schade, dass (wie in oben genanntem Artikel) fast immer Stürmer gewählt werden und die anderen Positionen in diesem Mannschaftssport kaum eine Rolle spielen.

  11. RWDJojo sagt:

    @Stephen
    Was halt daran liegt, dass die Stürmer mit ihren tollen Aktionen meist auch ein Tor erzielen. Wenn ein defensiver Mittelfeldspieler den Ball in der eigenen Hälfte erobert, dann zwei Gegner aussteigen lässt und einen tollen Steilpass auf seinen Stürmer spielt, dieser aber die 100%-ige vergibt, dann erinnert man sich halt nicht mehr an die Aktion bzw. eine insgesamt tolle Aktion verblasst, weil die vergebene Chance in den Mittelpunkt rückt!

  12. Philipp sagt:

    Egal, ob Müller oder Netzer, sie wären immer noch großartige Fussballspieler.
    Man schaue sich alleine Müllers Torquote an. (Insgesamt erzielte Gerd Müller in Pflicht- und Freundschaftsspielen 1.455 dokumentierte Tore in 1.204 Spielen (1,21 Tore/Spiel).
    ) Auch damals hat nicht jeder so das Tor getroffen – und er würde es heute noch! Natürlich würde er heute anders trainieren und sich den anderen Umständen anpassen, mehr Kondition für schnelleres Spiel haben.

    Man schaue sich die Verwandllung vom Hunter an. Erst als limitierter Nur-Verwandler abgeschrieben, läuft der heute extrem viel. In sogar kurzer Zeit deutlich verändert und gesteigert.

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