Mal Wurstheini, mal Kotelett-Kaiser: Clemens Tönnies

Clemens Tönnies ist völlig unbestritten der starke Mann beim FC Schalke 04. Er stellt sich dar wie der Boss. Obwohl nur ein Teil des Aufsichtsrates, holt und entlässt doch er die Vorstände; ist doch er es, der die Kühe vom Eis holt. Irgendwie unvorstellbar, dass er sich im Aufsichtsrat nicht durchsetzen könnte. Tönnies ist der Macher. Westfälischer Geschäftsmann. Chef eines Konzerns mit 4,3 Milliarden Euro Umsatz. Milliardär.

Schalke 04 gehört den Mitgliedern. Die Mitgliederversammlung wählt den Wahlausschuss, welcher Kandidaten für den Aufsichtsrat zulässt, welche wiederum von der Mitgliederversammlung in den Aufsichtsrat gewählt werden. Ein demokratisches, basisorientiertes System. Da fühlt sich ein „Big Boss“ falsch an. Da fühlt es sich schlecht an, Aufsichtsratsmitglieder zu erleben, die nicht den Eindruck machen, als würden sie aus sich heraus „schaffen“, sondern eher beisitzen.

Andererseits glaube ich, dass Clemens Tönnies in der Tat nur das Beste für den FC Schalke 04 will. Er hilft diesem Club mit seiner Erfahrung als Konzernchef. Er hat offensichtlich aus eigener Tasche für vorübergehende Liquidität gesorgt, als es für den Verein kurz auf knapp stand. Er lies sich beschimpfen und bespucken. Sicher ist es für ihn keineswegs das reine Vergnügen, dieses Amt auf Schalke. Aber er macht weiter und handelt in der Regel nachvollziehbar.

In jüngerer Vergangenheit haben sich die Zeitschriften manager magazin und Wirtschafts Woche mit Clemens Tönnies befasst.

Der Text im manager magazin erschien Ende November letzten Jahres und beschreibt vor allem den Typ Clemens Tönnies. Es wird von seinem Werdegang erzählt. Es wird beschrieben, dass ihn die Gegend, die Nachbarschaft zu den Oetkers und Webers Ostwestfalens prägte. Ein Text, der alles in allem ein positives Bild zeichnet, Tönnies aber nicht durchgehend gut dastehen lässt, in dem er eher als „bauernschlau“ denn als intelligent dargestellt wird. Aus diesem Text stammt auch der Titel „Mal Wurstheini, mal Kotelett-Kaiser“, dort eine Aussage mit dem beschrieben wird, wie unterschiedlich die Sichtweise auf Tönnies sind, wie sehr er polarisiert.

In der Wirtschafts Woche erschien vergangenen Samstag ein Interview mit Clemens Tönnies. Dabei ging es zunächst um das Schlachtvieh, welches in Tönnies’ Fabrik verarbeitet wird – eben um alles das, was der Fleischindustrie vorgeworfen wird. Im zweiten Teil ging es dann um Schalke 04, und zwar konkret um die Veränderungen in der jüngeren Vergangenheit. Um die fehlende Transparenz im S04-Firmen-Konstrukt, um die Ablösung der Schechter-Anleihe, um den Rausschmiss Schechters selbst, um den Schuldenstand.

Zwei Texte zu Clemens Tönnies, die meines Erachtens jeder Schalke Fan gelesen haben sollte. Weshalb ich eben hier und jetzt darauf hinweise. Zwei längere Texte, zugegeben. Falls es jetzt nicht passt, einfach die Links speichern. Am Wochenende werden sich schon 20 Minuten dafür finden lassen. Schalke spielt Samstag ja erst um 18:30 Uhr.



manager magazin: „Deutschlands größter Schlachter mischt Schalke auf“
Wirtschafts Woche: „Von der Schlachtbank zum Fanblock“



16 Kommentare zu “Mal Wurstheini, mal Kotelett-Kaiser: Clemens Tönnies”

  1. Carlito69 sagt:

    Danke für den Tipp, werde ich mir auf jeden Fall bei Zeit und Muße in Kürze anschauen.

  2. eisenschleuder sagt:

    Sehr wertvoll. Danke!

  3. Patigol sagt:

    Im Interview macht er ´nen guten Eindruck – Danke für den Tipp!

  4. Manfred sagt:

    Kottlett? Hömma…

  5. blues sagt:

    Danke, ein lesenswerter Hinweis! Jetzt verstehe ich auch den Hintergrund der Wurst-Witze im 11-Freunde Ticker zu Gladbach-Bayern. Dort beschäftigten sie sich mit der vermeintlich richtigen Präposition bei der dortigen Bandenwerbung: „Böklunder, die Nummer 1 bei Wurst“. Da „Bei“; „in“ und „für“ Wurst, nicht wirklich passten schlugen sie „…die Nummer 1 trotz Wurst“ vor.

  6. DeepBlue sagt:

    Zwei wirklich gute Artikel! Vielleicht kann der ein oder andere CT-Kritiker dadurch eine neue Sicht der Dinge gewinnen.

    Ohne CT wäre Schalke nicht da, wo es heute ist. Man muss ihn ja nicht kritiklos mögen, sollte jedoch seinen unternehmerischen Erfolg und seine Leidenschaft und seinen – auch finanziellen – Einsatz für Schalke respektieren.

    Er ist sicher mehr Entscheider als Moderator. Damit hat er sich unternehmerisch in einer hart umkämpften Branche durchgesetzt, in der die Verantwortlichen nicht gerade mit Wattebäuschchen werfen.

    Der Uli vom Südstern hat auch nicht nur Freunde.

    Insofern: Danke CT. Mögest Du uns gewogen bleiben. Selbsternannte Sonnengötter hatten wir genug.

  7. StanLibuda sagt:

    Mahlzeit!

    Ich sehe da nur weiter Kommerz auf uns zu kommen.

    Zum Thema Sportschau, die für den Erfolg der Bundesliga
    sehr wichtig war und immer noch ist, kann ich nur das Beispiel
    Tennis anbringen. Tennis boomte solange, wie dieser im Free-TV
    zu sehen war. Danach interessierte es kaum noch jemanden.

    Ich glaube nicht, daß die Werbesponsoren mehr Geld zahlen,
    wenn die Werbung nur noch auf Sky zu sehen wären.
    Die neue Bandenwerbung nervt während des Spiels, wenn
    diese sich bewegt. Toll, daß wir dafür mehr Geld bekommen. :(

    Mit seiner letzten Aussage hoffe ich, daß Tönnies weiß,
    wo Schalke ohne seine Fans hingeht.
    Ich kauf in der Arena nix mehr, seitdem die Preise meiner Meinung
    nach zu hoch sind. Ronaldo spielt übrigens immer noch nicht für uns.

    In diesem Sinne
    Glückauf

  8. meinzu sagt:

    Danke für den Text und die Link’s werde sie mir später durchlesen, wenn hier alles schläft.

  9. Trainer Baade sagt:

    Sehr lesenswert. Bitte weiterhin auch ins Blog packen, wenn sowas – sehr Gutes – unterkommt.

  10. Trainer Baade sagt:

    In seinem Wikipedia-Artikel sind auch noch ein paar lesenswerte Sachen, zum Beispiel vom Handelsblatt.

    Und wenig Schmeichelhaftes über den verstorbenen Bruder im Spiegel (Print):

    „Maßgeblicher Förderer des rauhbeinigen Aufsteigers, der billige Leiharbeiter beschäftigte und Schweinen vor dem Wiegen gelegentlich die Ohren abschneiden ließ, um ostdeutschen Züchtern weniger bezahlen zu müssen, war sein Duzfreund Jürgen Möllemann.“

    Allerdings auch positives: „(…) und bestätigte seinen Ruf als hemdsärmeliger Sanierer: Der abstiegsbedrohte Verein blieb in der Bundesliga.“

  11. beef eater sagt:

    hallo zusammen,

    gleubt ihr wieklich, dass tönnies €65 millionne mal eben aus seinem privaten vermögen abzwackt?
    gut, kann sein, wäre aber der hammer, oder?
    kann aber auch sein, dass das unternehmen selbst dahinter steht, oder? aus welchen quellen kam die kohle? warum erst was von ungenannter ausländischer Großbank fasen, wenn alles sauber sit? musste man erst einige zeit abwarten?

    guten hunger

  12. matz sagt:

    Natürlich steht seine Unternehmensgruppe dahinter. Es wäre aber sicher nicht gut angekommen, weder in seiner Branche noch in Schalker Kreisen, wenn es so publik gemacht worden wäre. Nun, wo eine Rückzahlung über die Anleihe angelaufen ist, kann er mit zuvor schon durchgesickerten Nachricht auch an die Öffentlichkeit.

    Was mich mehr stört: Es war im Rahmen der Anleihe von einer Umschuldung zur Zinsentlastung die Rede. Hat Tönnies nun wesentlich höhere Zinsen verlangt als für die Anleihe gezahlt werden müssen oder tritt in Wirklichkeit mal wieder überhaupt kein nennenswerter Entlastungseffekt ein?

  13. Der Hans sagt:

    Irgendwo habe ich neulich aufgeschnappt, dass der Zinssatz der Anleihe 1,75 Prozentpunkte unter dem der abzulösenden Verbindlichkeiten liegen soll. Könnte im 1000-Freunde-Club gewesen sein, aber mit Sicherheit kann ich das nicht mehr sagen.

  14. Torsten sagt:

    Das Geld von Tönnies war mit 5% verzinst. Das ist zum größten Teil bereits zurückgezahlt worden. Übrig sind ca 25 Mio, die nun mit Geld aus der Anleihe zurückgezahlt werden sollen. Für diesen Teil gilt, dass S04 nun mehr Zinsen als zuvor zahlen muss. Andere Verbindlichkeiten, die mit Geld aus der Anleihe abgelöst werden sollen, sollen höher verzinst sein.

    So habe ich das gelesen, wo weiß ich allerdings nicht mehr so genau.

    Übrigens noch eine Bemerkung: Als die Anleihe an der Frankfurter Börse noch bei ca. 7 Mio stand, hat Peter Peters berichtet, dass bereits Papiere für 28 Mio gezeichnet worden seien. Bereits im Wertpapierprospekt steht:

    Zudem erfolgt eine Privatplatzierung an ausgewählte institutionelle Investoren in Deutschland, Luxemburg, Österreich, Frankreich und der Schweiz sowie in anderen ausgewählten Ländern.

    Da kann man nun nicht mehr zu wissen, aber vielleicht spekulieren. Vielleicht war der Erfolg der Emission ja bereits vorher abgesprochen.

  15. blues sagt:

    15-20 Mill. von Tönnies Kredit an Schalke wurden durch den Transfer von Manuel Neuer abgelöst. Manuel Neuer war so gesehen ein Pfand in einer waghalsigen Finanzierung von S04, das vom Verein eingesetzt wurde. Bitter.
    Die Judas- und Verrätermythen gehören sogesehen endgültig ins Gruselkabinett der Schalker Tradition.

  16. matz sagt:

    Schalke hat nun 35 Millionen Euro erlöst. Bei einem Zinssatz von 6,75 Prozent. Damit werden 25 Millionen Euro Tönnies-Kredit zu 5 Prozent abgelöst. Ich sehe einen immensen Zinsentlastungseffekt.

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