Wer mit der „Bild“-Zeitung im Aufzug nach oben fährt,
der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten.
Dieser Satz stammt vom Matthias Döpfner, dem Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG. Stefan Niggemeier zitierte ihn in einem Text zu Bundespräsident Christian Wulff und dessen Verhältnis zu dieser Zeitung. Ich habe mir diesen Satz gemerkt, ich konnte nichts dafür. Seitdem habe ich oft an ihn denken müssen. Auch gestern Abend wieder, obwohl in anderem Kontext.
Gestern Abend machte Bild Rudi Assauer und dessen Krankheit zur Schlagzeile. „Alzheimer! Große Sorge um Rudi Assauer (67) – Fußball-Legende schwer krank“ war da in gewohnt großer Schrift zu lesen. Es folgte eine Bildstrecke, die „Bilder seines Lebens“, fast schon wie bei einem Nachruf.
Der kurze Text bestand aus dem Hinweis, dass Bild und Sportbild eben diese Nachricht Dienstag berichten würden, dass Rudi Assauer diese Nachricht demnächst in seiner Biografie selbst verbreiten wird, und – noch mal in fett – dass „alle Informationen und Hintergründe morgen in Bild“ zu lesen seien.
Dass Rudi Assauer krank ist, war in Gelsenkirchen ein mehr oder weniger offenes Geheimnis. Das nun derart ekelhaft reißerisch präsentiert zu bekommen empfinde ich als furchtbar – und doch halte ich es für denkbar, dass es genau so sein sollte. Der Bild diese Veröffentlichung, dem Manager die größtmögliche Publicity für seine Biografie: Rudi Assauer hielt Zeit seiner Karriere die Nähe zu dieser Zeitung, wurde von ihr stilisiert und kritisiert, blieb aber immer Thema und damit auch groß. Da ist es naheliegend, in der gestrigen Schlagzeile statt einer Enthüllung, den vielleicht letzten „Tanz mit dem Teufel“ des Rudi Assauer zu sehen.
Schön ist das alles nicht.







Meinst Du wirklich das war/ist geplant?
“ Schön ist das alles nicht.“
Dem kann ich nur beipflichten…
Wenn es nicht geplant (und im Einverständnis) erfolgt wäre, lautetet die Schlagzeile:
“Große Sorge um Rudi Assauer” oder “Was ist los mit Rudi Assauer ?”, gespickt mit in Frageform gegossenen Untrerstellungen und Behauptungen wie:
“traurige Bilder von Rudi Assauer, nur noch ein Schatten seiner selbst” etc
Wie bereits erwähnt, war es lange schon ein offenes Geheimnis, die Medien haben aber sich wohl daran gehalten, nichts zu veröffentlichen. Wenn Assauer nun selbst im Rahmen seines Buches darüber reden möchte, ist das Thema nun mal in der Öffentlichkeit.
So schlimm das Thema ist, ich glaube, das hat der Rudi auch noch geschickt geplant. Auch die Bild (vor allem Herr Draxler) weiß davon schon seit Monaten wenn nicht mehr als einem Jahr… Ich wünsche dem Rudi alles Gute und viel Kraft!
Nachdem Rudi Assauer seine Krankheit nun durch ein Buch publik machen will, bleibt eine Berichterstattung natürlich nicht aus. Ist, wie Du schon gesagt, vielleicht sogar gewollt. Interessant wird das weitere Vorgehen des Boulevard sein: verfolgt man nun den kranken Mann auf Schritt und Tritt, berichtet ausführlich über den Krankheitsverlauf (siehe Juhnke) oder hält man sich, jetzt da die Geschichte raus ist, einfach zurück? Schön ist das alles nicht, es kann aber noch hässlicher werden.
Am Dienstag, den 7. Februar läuft eine “37 Grad”-Dokumentation über Rudi Assauer im ZDF, die ihn wohl seit einem Jahr begleitet haben. Die Veröffentlichung scheint also ein längerfristiges Projekt zum Thema Alzheimer zu sein. Wenn es der Aufklärung dient, warum nicht.
Rudi stand immer loyal (wenn es das überhaupt gibt) zur Bild. Es hatt seinen Grund warum die Bild in der Assauer-Ära jede kleinigkeit wusste und eine Schlagzeile drucken konnte.
Und warun soll er das nich auch für ein bisschen Werbung nutzen?
Man kann es für verwerflich halten aber man schreibt ein Buch ja auch um Geld zu verdienen.
Soll er sich mit seinem Gewinn und restlichen Vermögen eine schöne Zeit machen, solange er das noch kann.
Assauer ist am 3. Februar auch zu Gast in der Sendung “Volle Kanne” des ZDF, mit seiner Tochter, Werner Hansch und einem Alzheimer-Experten.
Mal abgesehen davon, dass Assauer aus der Geschichte ein Geschäft macht und u.a. die Bild-Zeitung dabei für die Publicity zuständig ist, finde ich es eminent wichtig, dass er mit dem Thema Demenz an die Öffentlichkeit geht. Die Krankheit ist immer noch tabuisiert und Betroffene scheiden mehr oder weniger still aus der Realität und dann aus dem Leben. Dadurch kann sich auch kein angemessener Umgang mit den Betroffenen in der Gesellschaft kultivieren. Deshalb: Wenn ausgerechnet Rudi Assauer, der, der immer der starke Mann und Haudegen war, sich dazu bekennt, ist das für viele Betroffene und deren Angehörige, Freunde und Bekannte ein tolles Vorbild, mit dem Thema offensiv umzugehen. Meine Mutter ist selbst dement und mich nervt das dauernde Unverständnis und Tuscheln der Umwelt.
[...] Rudi Assauers letzter Tanz? (Königsblog) – [...]
Assauer hat entschieden, dass er seine letzte Geschichte auch mit Bild macht. Da er auch in einem Interview auf der Schalker Homepage von seiner Krankheit hätte berichten können, zeigt dass der von ihm gewählte Weg zumindest nicht alternativlos ist.
Für eine Veröffentlichung auf der Schalker Homepage müsste man wissen, wie es überhaupt um sein Verhältnis zum Verein steht. Dass jemand, der (und dessen Verlag) ein Buch ankündigt, dafür eine Vereinshomepage nutzt, ist aber wohl eher nicht zu erwarten.
Wenn Assauer mit dem ZDF eine Doku gedreht hat und diese am Freitag im TV vorstellt, ist es doch nichts Besonderes, dass die Medien inkl. Bild 3 Tage vorher das Thema aufgreifen. Ob mit seiner Mithilfe oder nicht. Im übrigen wird in Bild (online zumindest) nur aus dem Buch zitiert, insofern ist überhaupt fraglich, ob Assauer die Geschichte mit “Bild macht”
Ich teile jegliche Abneigung gegen BILD ohne Vorbehalte, erkenne aber auch an, dass Assauer im Rahmen seiner Intention alles richtig macht. Die Intention lautet: die mediale Selbstkontrolle behalten. Noch einmal ein großer Tusch, noch einmal der große Auftritt, noch einmal als (zwar geschwächter, aber dennoch) Macher in der Öffentlichkeit stehen. Vor allem aber: Selbst entscheiden, wann dieser Tusch gespielt wird. Assauer tut dies von langer Hand geplant mit einer Biografie, mit einer Medientour in den nächsten Wochen und auch mit der Presse, in diesem Fall dem Publikumsmedium BILD.
Alternativlos war es nicht, auch die Bäckerblume oder der Pfarrbrief der katholischen Kirchengemeinde Düppel in Gelsenkirchen-Rotthausen wären Alternativen gewesen, aber diese Alternativen erreichen nicht einmal einen Bruchteil der Leser, die eine normale BILD-Ausgabe erreicht. Eine Veröffentlichung in einem derartigen Medium hätte ganz im Gegenteil bewirkt, dass BILD überhaupt erst angefangen hätte, nachzubohren und ekelig herumzuprokeln. Dass die Springer-Brut bislang trotz des offenen Geheimnisses überhaupt stillgehalten hat zeigt doch, dass hier ein Deal hinter den Kulissen gelaufen ist, an den sich BILD bislang gehalten hat. Und nun muss Rudi liefern.
Ja, Assauer tanzt einen letzten Tanz mit dem Boulevard. Aber er bringt auch ein wichtiges Thema in die Öffentlichkeit. Und vor allem bewahrt er die mediale Selbstkontrolle. Da er an einer Krankheit leidet, die mit fortschreitendem Verlauf einen immer größeren Selbstbestimmungsverlust mit sich führt, kann ich ihn verstehen und seinen Schritt respektieren. Er hat sich ein letztes Mal mit BILD ins Bett gelegt. Aber er hat auch die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass er nun aufstehen und sagen kann: “Wir hatten in all’ den Jahren eine gute Zeit. Aber jetzt lasst mich nach Hause gehen.”
Ganz starker Beitrag @Matthias!
Ich weiß schon, warum ich die BLÖD meide, wie der Teufel das Weihwasser…
Ich habe gestern Abend auf welt.de zum ersten mal von Assauers Erkrankung gelesen, und heute auf allen Kanälen kaum ein anderes Thema, zumindest sportlich gesehen.
Es widert mich an, dass die Medienlandschaft nun so darauf rumreiten muss. Rudi Assauer hat in seinem Leben weiß Gott viele Fehler gemacht, aber mindestens ebenso viel hat er richtig gemacht. Er hat große Dinge vollbracht, unser FC Schalke 04 wäre ohne ihn nicht da, wo er heute steht.
Deshalb: Lasst den Mann in Ruhe, ihr Pressegeier! Ich wünsche Rudi Assauer, dass es ihm gelingt, seinen Lebensabend mit Hilfe seiner Lieben so angenehm wie möglich zu gestalten. Danke für alles, Rudi!
Wenn er sich selbst mit dem Thema an die Öffentlichkeit wendet, siehe Link
http://www.zdf.de/ZDFmediathek.....-Alzheimer
ist die Aufforderung: “Lasst ihn in Ruhe” irgendwie seltsam
Kann mich Carlito nur anschließen, ich seh’s genauso wie Matthias.
Matthias, das hat mir sehr gut gefallen! Will ich mal schreiben, auch weil ich Dir, glaube ich, schon ziemlich oft widersprochen habe.
Was mich aber ein wenig wundert, für wie selten Ihr Demenz anscheinend zum Teil noch haltet. Demenz – allerdings meist in einem höheren Alter und nicht immer Alzheimer – ist SEHR häufig geworden, ein Alltagsphänomen. Leider.
Auch wenn matz den Link oben schon brachte, möchte ich doch nochmal darauf hinweisen.
Rudi Assauer: Der Kampf gegen Alzheimer
ZDF Mediathek, Video, 5:43 Min
@Matthias
Ich verstehe die „Blöd“e mediale Logik, halte sie aber nicht für zwangsläufig und unausweichlich. Wo die doch an einem neuen Image arbeiten.
Wir erlebten gerade wie sich Kids Jokes zu Hans Sarpei simsen und die Bauern plötzlich mächtig im Shitstorm stehen, weil sie ihre Facebookseite inhaltlich gegen die Wand gefahren haben. Und alle Medien berichten lang und breit darüber. In so einer Zeit die Multiplikatoreneffekte der Schalker Internetaktivitäten, S04.de und facebook/S04, auf die Bäckerblume und auf den Pfarrbrief von Dinkenskirchen zu schrumpfen, da muss man als Schalkefan erst mal draufkommen. Aber gut, ist es so gelungen Alternativen in ihrer Medienwirkung auf den Nullpunkt zubringen, hat man bei der Beantwortung der Frage, ob diese erste öffentliche Ansage seiner Krankheit alternativlos die Bild braucht, kaum noch Höhe zu überwinden. Dass diese Schiene a u c h bedient werden will, versteht sich von selbst. Und dass sein letzter Auftritt in dieser Form für Assauer selbst alternativlos ist, ist auch klar. Schade kann man das trotzdem finden.
[...] Buchstaben zu kaufen: Rudi Assauer ist an Alzheimer erkrankt. Clemens Tönnies ist schockiert, beim Koenigsblog hat Torsten passende Worte gefunden und auch in den Kommentaren darf ich denjenigen von Matthias [...]
[...] so furchtbar das ist, es ist gut, dass darüber geschrieben wird. Torsten sieht das anders, er findet die Bild-Berichterstattung “ekelhaft reißerisch” und [...]