Holstein Kiel verspottet selbsternannte Tugendwächter

Mittwoch, der 21.12.2011. Für Schalke 04 ein schlechter Tag. Für Holstein Kiel ein Tag zum Jubeln. Zunächst schaffte der Regionalligist die Pokalsensation gegen Mainz 05, dann bekam er für das Viertelfinale auch noch den Deutschen Meister Borussia Dortmund zugelost. Freuden-, und vielleicht nicht nur, trunken, versehentlich noch live auf Sendung, stimmten die Kieler Kicker den alten Gassenhauer an, der die dem BVB-Zugehörigen der Abstammung von professionellen Liebensdienst leisterinnen bezichtigt.

Nicht fein, aber auch nicht wirklich schlimm. Ein in fast ganz Deutschland verbreiteter Chor. Nichts, was einen Schwarzgelben noch aufregen oder gar überraschen würde, eben wie das Lederhosen-Lied den Bayern längst an der Krachledernen vorbei geht.

Aber doch zuviel Emotion für die Herren des DFB. Wegen „unsportlicher Gesänge“ wurde der Regionalligist zu einer Zahlung von 12.000 Euro verurteilt. Und weil man sich auch gegen die absurdesten Urteile des DFB nicht wirklich wehren kann, hilft in solchen Fällen nur beißender Spott.

Also produzierte Holstein Kiel ein „Entschuldigung-Video“, in dem die Konsequenz aus dem Urteil, die unbedingte „politische Korrektheit“, der Kuschelumgang mit dem Gegner, derart überzeichnet wird, dass die Funktionäre in Frankfurt sicherlich vor Wut kochen.

Wie da eine pisselige Autofensterfahne am letzten Eckchen mit den Fingerkuppen gehalten wird … wie der sprechende Kicker sein Grinsen unterdrückt, darauf bedacht bleibt, am Ende des Satzes mit der Stimme runterzugehen, betroffen zu sein … wie formuliert wurde, dass „die Pferde durchgegangen“ seien, dass man nun ein „gemeinsames, sportliches Event“ wolle … wie sie sich am Schluss hinstellen, einige mit Schals, alberner Weise auch zwei sich einen teilend, wie dann ein überdimensioniertes gelbes Band nebst BVB-Wappen über die Szene geblendet wird, wie dann im Chor „Sorry BVB“ gesagt wird: Das alles ist großartig gemacht und gibt auf herrlich subtile Art sowohl das Urteil, als auch alle diejenigen, die aus dem Vorfall unbedingt einen „Skandal“ formen musste, der Lächerlichkeit preis.


Falls Holstein Kiel das Filmchen allerdings doch ernst gemeint haben sollte, muss ich vor lauter Fremdscham mindest 24 Stunden den Kopf unter einem Kissen verstecken. Ich nehme an, auch normalen BVB-Fans ginge es nicht anders.



30 Kommentare zu “Holstein Kiel verspottet selbsternannte Tugendwächter”

  1. Erle72 sagt:

    Herrlich, in bester „Guten Morgen Herr Lehrer“-Manier geraden noch an der Grenze zum Lachkrampf. Große Leistung!

  2. Video: “Sorry BVB” – Holstein Kiel entschuldigt sich bei Borussia Dortmund > Borussia Dortmund > Auslosung, Borussia Dortmund, BVB, DFB-Pokal, Entschuldung, Holstein Kiel, Hurensöhne, Video, YouTube sagt:

    […] In eine ähnliche Richtung geht der Beitrag von Torsten nebenan im Blog: […]

  3. Paule sagt:

    Mir kommt das Ganze doch durchaus ernst gemeint vor. Oder zumindest von der Vereinsführung gewollt und eher widerwillig von den Spielern durchgezogen. Vielleicht fehlt mir das nötige Gespür, aber Ironie oder gar Spott kann ich da nicht erkennen. Zumindest würde ich davon ausgehen, dass das dann etwas beißender, reißerischer aufgezogen würde.
    Bleibt die Hoffnung, dass Du mit deiner Annahme richtig liegst. Eine aufrichtige Entschuldigung für das, was da geschehen ist, wäre absolut überflüssig und in dieser Form beschämend.

  4. Manfred sagt:

    Eine genauere Analyse dieses neuen Skandals findet man hier:
    http://www.11freunde.de/bundes....._waterkant

    Nebenbei: heißt der Verein nicht Holzbein Kiel?

  5. Maddin sagt:

    Nunja, bei 12.000€ Strafe für Holstein Kiel kann man so einiges nachvollziehen..

  6. RWDJojo sagt:

    so wie ich den 11-Freunde-Artikel verstanden habe, wurde das Filmchen am Samstag auch im Stadion bei den Schwach-Gelben gerzeigt. Daher gehe ich davon aus, dass das Video ernst gemeint ist.

    Interessant übrigens, dass der Verein Borussia Dortmund durch die Strafe vom DFB als Opfer dargestellt wird, während am Samstag eine Riesentrikot der Hoffenheimer (Sponsor „TV KAPITAL“ und durchgestrichenes Wappen) auf der Südtribüne präsentiert wird. Auch eine Verunglimpfung des Gegners, die sogar vom Verein genehmigt wurde.

  7. Benjamin sagt:

    Ich weiß ja nicht. Glaube auch eher, dass sie es wirklich ernst meinen. Ich seh bei keinem der Spieler ein unterdrücktes Lachen, nur stocksteifes Ablesen, weil man des Auswendiglernens nicht fähig ist. Zwar gezwungen, aber am Ende irgendwie nicht so ganz widerwillig.
    Naja, wurst. Sieht nur komisch aus, dieses Gelb mit dem Blau.

  8. Erle72 sagt:

    Jetzt mal ernsthaft. Wenn der gegnerischen Verein mit traditionellen Schmähgesängen traktiert wird, mag das nicht geschackvoll sein, ist aber eine fußballübliche Ausdrucksweise und in der Bundesliga in jedem Stadion bei jedem Spiel zu hören.

    Wenn der DFB das sanktioniert, hat er von Fußball keine Ahnung.
    Dummerweise hat er aber die Macht jeden Verein fertig zu machen, der nicht nach seiner Pfeife tanzt. (12000 Euro Strafe mit Option auf mehr)

    Eine Entschuldigung mußte her. Statt irgendeinen Spieler oder Offiziellen was Nettes sagen zu lassen, gibts nun dieses Video:
    Fußballer die in fremde Schals gewandet sind und schauen wie Pennäler. Diese Aufführung kann unmöglich ernstgenommen werden egal was das Ziel dieser Aktion gewesen sein sollte.

    Super! Das kommt sofort in der Fußballvideo-Bestenliste weit nach vorne.

  9. David sagt:

    Ich denke auch, dass das Video ernst gemeint war. Kommt natürlich etwas albern daher. Aber dieser Knirps ist auch nicht schlecht: http://youtu.be/KrvCNTm8jBw

  10. Ina sagt:

    Ich mach die Augen zu und kommentier ganz schnell, dann merk ich bestimmt nicht, dass ich in nem blauen Blog bin. ;-) Danke, dass du’s aussprichst, genau mein Gedanke – sobald die Kamera aus war, wurde bestimmt kräftig gelacht, am Ende des Videos sieht man schon, das sie gleich losprusten. Glaub aber schon, dass es eigentlich ernst gemeint ist. ;-)

  11. TobiTatze sagt:

    Also ich weiß wirklich nicht, was ich davon halten soll. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Spieler das Video nicht freiwillig gedreht haben, sondern die Order „von oben“ kam.

    Obwohl ich den Gesang selber nicht so richtig toll finde, sollte man da auch mal 5ve gerade sein lassen.

    @RWDJojo: Da würde ich dir raten, doch mal eine eMail an den DFB zu schreiben. Da würde ich zu gerne mal die Stellungnahme des DFB zu hören.

  12. Ney sagt:

    Also, DFB-politisch korrekt heißt es ab nun eben
    „Und ist der Feind gesto-hor-rben / Dann ist noch lang nicht Schluss /
    Die Grabstätte, die Grabstätte / Gepfleget werden muss /
    SORRY BVB – SORRY BVB – SORRY, SORRY, SORRY BVB ! „

  13. Tinneff sagt:

    Mir tun die Spieler einfach nur Leid. Die müssen da etwas gegen ihren Willen durchziehen (vermutlich von oben gewollt)und müssen sich für etwas entschuldigen, was in Dortmund keiner Sau wirklich wahrgenommen hat. Störend ist es sowieso für keinen. Zur Krönung dieser Geschichte durft Sebastian Kehl dann noch erzählen, dass mit der Entschuldigung die Sache vom Tisch sein und mich sich auf einen tollen Pokalabend freue.

  14. derwahrebaresi sagt:

    Wenn der DFB das sanktioniert, hat er von Fußball keine Ahnung.

    es lief auf einem öffentlich-rechtlichem sender …

  15. tommes04 sagt:

    Die kriegen die 12.000 Ocken jetzt aber doch wieder, oder?

  16. tommes04 sagt:

    @Ney:

    „Ihr seid Dortmunder,
    ganz vernünftge Dortmunder,
    Ihr schlaft auch mal im Hilton
    oder in dem A-ha-ha-dlon“

  17. KatharinaIda sagt:

    Klar mussten sie das machen, aber mit der Art und Weise wie sie das gemacht haben, haben sie es doch wunderbar gelöst! Ich habe mich köstlich amüsiert, als ich das am Samstag im ASS gesehen habe und selbst der Moderator war sich nicht ganz sicher, ob dies nun ernst gemeint war. Er kam sich irgendwie verarscht vor und hätte am liebsten gelacht!

    Wunderbar!!!

    Wie wäre es mit ner Spendenaktion?!

  18. Ney sagt:

    @tommes04 :

    „GRUSS – UND KUSS – DEM BE – VAU – BE ! “ ?

  19. matz sagt:

    Die Fans bei Tennis Borussia Berlin sangen immer: Auf geht´s TeBe, kuscheln und lieben.
    Vermutlich wünschen sich die alten Herren in der Otto-Fleck-Schneise mehr Gesänge dieser Art.

  20. tommes04 sagt:

    @Ney:
    „Ladiladiladiladilooo, BeVauBeee, Ehrenmähäänner“

    „Ihr seid ein Haufen Champions.“

    „Wann ist denn das Derby gegen die Kecken?“

  21. hoffedocS04 sagt:

    Wenn ich mal wissenschaftlich werden darf: das ist eine klassische double bind Kommunikation, will sagen, optisch kommt das Gegenteil dessen rüber was der Text aussagt.
    Wie das Fähnchen gehalten wird und wie sich zwei muntere Spieler ein Schälchen teilen, ist Verarsche, der Text, den sie sprechen, ist eine biedere Entschuldigung, die aus den Fünfzigerjahren stammen könnte. Zusammen ist das Komik.

    (Ursprünglich ist „double bind“ ein wirklich verrückt machender Erziehungsstil, z.B. sagt eine Mutter zum Kind: „Willst Du Deine Mama nicht umarmen?“ und wenn das Kind auf sie zugeht, um es zu tun, weicht sie zurück. Also hört das Kind das Gegenteil von dem, was es sieht und fühlt und wird bei ständiger Wiederholung solchen Verhaltens psychisch krank.)

  22. Carlito69 sagt:

    Egal, ob es es ernst gemeint war oder auch nicht, ernst nehmen kann man es auf keinen Fall. Genau so wie die alten Säcke beim DFB in Frankfurt übrigens…

  23. matz sagt:

    @ HoffedocS04

    Im Ruhrpott wird von „double bind“ keiner irre. Das liegt uns im Blut. Schließlich heißt es bei uns ja auch: Komm, geh mir wech damit

  24. Basti sagt:

    Natürlich kommt so eine „Ansage“ von der Vereinsführung. Ob die Spieler es so meinen wie Sie es sagen können nur Sie selbst wissen. Ich glaube aber nicht, dass das Video dazu dient die Angelegenheit ins Lächerliche zu ziehen.

    Daher finde ich es noch schlimmer, dass die Kieler am Ende den ganzen „Dortmunder-Fanshop“ leergekauft haben und sich mit deren Wappen schmücken. Erst kein Anstand und dann keine Scharm. Pfui

  25. kurtspaeter sagt:

    Für uns hier oben im Norden ist das Pokalspiel nächste Woche erstaunlicherweise ein absolutes Highlight. Holstein ist zwar Deutscher Meister 1912 aber da kann sich kein Mensch dran erinnern und Schleswig-Holstein ist bis heute das einzige Bundesland ohne Bundesligisten, sodass solche Spiele rar sind. So bitter, so wahr. Umso bitterer, das dieses Highlight untergeht in einem derartigen Nonsens.
    Nonsens von Seiten Holsteins, Nonsens von Seiten des DFB. Nachts um 23:30 hat kaum ein Schwein, geschweige denn irgendjemand zugehört, der Anti-BVB-„Song“ niemanden auf der Einen oder Anderen Seite ernsthaft gestört. Nur der DFB erliegt dem medialen Druck (wie übrigens in der Höhe, nicht in der Sache, auch bei der Sperre für Jones) und kredenzt eine unnötige Strafe. Leider spricht man nur wenig von der beeindruckenden Leistung Holsteins in den vorangegangen Pokalspielen.

    Und es geht noch weiter:
    National wahrscheinlich nicht weiter erwähnenswert, das der DFB Holstein untersagt, ein Public Viewing in der Sparkassen-Arena (die ehemalige Ostseehalle, da spielt normalerweise die beste Handballmannschaft der Welt, der THW, Woche für Woche vor 10500 Zuschauern alles an die Wand) für die vielen tausend Zuschauer ohne Tickets abzuhalten. Denn das kleine Holstein-Stadion fasst nur knapp 11500 Zuschauer, diese Karten sind längst vergeben. Der Grund liegt in den Rechten der übertragenden Fernsehanstalten von ARD und Sky. Es ist erst ab Halbfinale erlaubt, Public Viewing zu veranstalten, es könnte ja sein, das die knapp 10000 in der Halle (wenns überhaupt soviele würden) der ARD oder Sky in irgendeiner Aufrechnung der Einschaltquoten fehlen. In meinen Augen ein Armutszeugnis des grössten und steifsten aller Nationalverbände und seiner TV-Partner.

    Seis drum, ich frier mir nächsten Dienstag trotzdem die Zehen ab und werd mich dran ergötzen, wie der „grosse“ BVB vom kleinen Holstein den Arsch versohlt bekommt (na ja, wahrscheinlich nicht, aber man kann ja mal träumen) und werd wohl zuhören, wenn der oben beschriebene „Schmähgesang“ durch die abendliche Ostseekälte schallt (ohne ihn dann besonders originell, witzig oder intelligent zu finden, sondern einfach belanglos).

  26. Links anne Ruhr (02.02.2012) » Pottblog sagt:

    […] Holstein Kiel verspottet selbsternannte Tugendwächter (Königsblog) – Holstein Kiel musste eine Strafe wegen Anti-BVB-Gesängen zahlen. Dazu gibt es jetzt ein Video von Kiel, welches im Königsblog bewertet wird. […]

  27. matz sagt:

    das einzige „westdeutsche“ Bundesland ohne Bundesligisten, kurtspaeter, soviel Zeit muss sein. :-)

  28. Kurtspaeter sagt:

    Jo. Thüringen und Sachsen-Anhalt. Aber die haben in der vergleichbaren Liga der DDR Mannschaften gehabt. Egal.

  29. Der Rechthaber » Reue oder Satire? Sorry BVB. « sagt:

    […] Hier ist das gute Stück… mit der Bitte um Nachsicht bei allen BVBfans. Tags » Trackback: Trackback-URL | Feed zum Beitrag: RSS 2.0Thema: Ballerisches […]

  30. Ollis sagt:

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