Buyo sehen

Gestern hatte Mike Büskens Geburtstag, er wurde 44 Jahre alt. Heute setzt er mit seiner Spielvereinigung Greuter Fürth zur Saisonkür im Pokalhalbfinale gegen Meister Borussia Dortmund an. Irgendwann soll er einmal Schalkes Trainer werden, jedenfalls wünschen sich das viele königsblaue Fans. Dazu habe ich noch keine Meinung, aber ich freue mich auf das heutige Spiel.

Seine Mannschaft, und auch er selbst, hat heute nichts zu verlieren. Alles andere als eine Niederlage wäre eine Sensation, und anderes ist auch wichtiger, nämlich endlich den Aufstieg in die erste Liga zu schaffen. Seit nunmehr 12 Jahren war Fürth immer wieder oben dabei und schaffte es am Ende doch nicht. Auf Schalke gönnen es ihnen nun viele, obwohl die Spielvereinigung der natürliche Derby-Gegner der fanfreundschaftsbefreundeten Clubberer aus Nürnberg ist. Auch wegen Gerald Asamoah, vor allem aber wegen Mike Buyo Büskens.

Beliebt war er schon immer, seit er in Fürth erfolgreich arbeitet ist er auch begehrt. Der FC St. Pauli wollte ihn als Nachfolger Stanislawskis haben, und als Ralf Rangnick überraschend zurück trat, wurde auch im Schalker Umfeld vielfach sein Name gerufen. Mike Büskens stand nicht zur Verfügung, er wolle keinen Vertrag brechen, gab er sich so wie man ihn schätzt, ohne einen Hehl daraus zu machen, dass er Schalke als seinen Verein sieht, und dass es vielleicht irgendwann mal passen könnte.
Spätestens seit dieser Zeit des Rangnick Rücktritts und Büskens Aussagen sehen viele Fans Mike Büskens als natürlichen Erben Huub Stevens’, der gleich zu Beginn seines aktuellen Engagements auf Schalke bemerkte, dass er seine Karriere nicht mehr allzu lange fortsetzen wolle, dass er „nur noch zwei, drei Jahre plane“.

So sehr ich Mike Büskens als Spieler und Mensch, als „Typ“ schätze, so wenig kann ich ihn als Trainer einschätzen. Dazu fehlt mir einfach die Grundlage, ich habe bislang viel zu wenig von dem gesehen, was seine Arbeit in Fürth bewirkte. Eigentlich nur die Tabelle. Auch deshalb freue ich mich auf das Spiel heute Abend. Nicht, weil ich mir die Arbeit des nächsten Trainers des FC Schalke 04 ansehen will, sondern weil ich dann die Arbeit eines immer noch irgendwie Schalkers vielleicht ein bisschen besser beurteilen kann, wenn er gemeinsam mit Gerald Asamoah einen Underdog-Kampf gegen den Erzrivalen kämpft. Ma’kucken.



13 Kommentare zu “Buyo sehen”

  1. RWDJojo sagt:

    Ich gönne es den Fürthern, dass sie mal aufsteigen. Sicherlich liegt dies sehr stark auch daran, dass dort mit Buyo und Asa zwei ehemalige Schalker Kultspieler unter Vertrag stehen.

    Andererseits finde ich nicht, dass Fürth als Verein bundesligatauglich ist. Kleines Stadion, überschaubare Anzahl an Zuschauern, Dorfclub eben! Eigentlich ein typischer Zweitligist. Als Kompromiss schlage ich vor, dass die diese Saison aufsteigen und in ihrem zweiten Bundesligajahr dann wieder runter gehen und dort auch bleiben.

    Aber nun zu Buyo:
    Als Typen mag ich ihn. Aber ich habe meine Zweifel, dass er mit einer Schalker Mannschaft, wo immer ein paar kleine Diven spielen werden, über einen längeren Zeitraum klarkommen kann. Er ähnelt ein wenig dem Typen Stanislawski, der außerhalb von Pauli grandios gescheitert ist, an einem ungeduldigem Vorstand und einer schwierigen Mannschaft. Schalke ähnlet in dieser Hinsicht Hoffenheim ein wenig. Auch wenn es durch HH ein wenig ruhiger geworden ist, hat Schalke eine nervöse sportliche Führung und dazu ein enorm forderndes Umfeld. Und die Mannschaft besitzt ebenfalls ein paar schwierige Typen, die bei Laune gehalten werden müssen.

    Sportlich kann ich Buyo auch nicht beurteilen, dafür habe ich seine bisherigen Mannschaften zu selten spielen sehen. Was er bei Schalke II gemacht hat, weiß ich nicht, seine zwei Schalker Interimsphasen haben ihn eher als Motivator und Kumpel gefordert, weniger als Fußballfachmann. Daher ist Fürth seine erste bewertbare Station.

    Soweit ich mich erinnern kann, hat Buyo die Fürther mitten in einer Umbruchsaison übernommen, in der man stärker in Abstiegsnot geriet, als man das erwartet hätte. Buyo schaffte dann jedoch die Wende und trudelte mit seiner Mannschaft im Mittelfeld über die Zielgerade. Letze Saison wurde Fürth mal wieder Vierter, diesmal aber etwas überraschend, in der Zweiten Liga, was für mich bedeutet, dass Buyo dort gute Arbeit leistet und aus einer durchschnittlichen Zweitligamannschaft einen Aufstiegskandidaten geformt hat.

    Die Statistik spricht als für Buyo. Doch leider kann ich nichts bzw. nur wenig zum Fürther Spielstil sagen. Bei spielverlagerung.de konnte ich drei Artikel mit Fürther Beteiligung finden (übrigens drei Fürther Niederlagen). Buyo lässt in Fürth ein 4-4-2 spielen und scheint ein schnelles Angriffsspiel über die Flügel zu forcieren. Aber ob dies nun die Handschrift von Buyo ist oder ob das System den Spielertypen geschuldet ist, kann ich nicht sagen.

    Naja, mal schauen ob und wann er bei Schalke Trainer wird. Ich würde mir wünschen, dass er sich noch bei einem anderen Verein in der Bundesliga beweist, ehe er zu seinem Verein zurückkehrt. Aber die Rückkehr ist gewiss. In einem 11-Freunde-Interview sagte er mal, dass er definitiv nach Schalke zurückkomme. Er wisse nur nicht, ob als Cheftrainer, Jugendtrainer oder Trainer der Traditionsmannschaft!

  2. Matthias sagt:

    Zum Thema “Büskens als Trainer auf Schalke” hatte ich mir vor fast exakt drei Jahren schon mal Gedanken gemacht, aus damals aktuellem Anlass. Denn da war er (mal wieder) Interimstrainer bei uns und konnte zusammen mit Youri Mulder eine sagenhafte Bilanz vorweisen. Da sich in drei Jahren – gerade im Fußball – sehr viel ändert, habe ich mir gerade meine eigenen Zeilen noch einmal durchgelesen, in der Hoffnung, dass ich damals vielleicht einen großen Denkfehler begangen habe. Und dann stolperte ich über Folgendes

    Ein Bundesliga-Trainer weiß, dass er nur ein Arbeitnehmer auf Zeit ist. Zwei Jahre, vielleicht zweieinhalb – dann sind die meisten schon wieder weg. Der Abschied geht einher mit sportlichem Misserfolg und persönlichen Schmähungen. Ich mag Mike Büskens, der wie kaum ein anderer das Schalke-Gen repräsentiert, einfach zu gerne, als dass ich seinen Kopf in zwei, drei oder auch vier Jahren auf großen Papptafeln, wutschnaubend hochgehalten von den Ultras, sehen möchte. Eine Nordkurve die “Büskens raus!” skandiert ist für mich der größte aller vorstellbaren Albträume.

    Vor drei Jahren war meine Meinung: Natürlich wird Büskens irgendwann einmal Trainer auf Schalke sein. Doch er sollte erst einmal auf Wanderschaft gehen und sich die Sporen verdienen. Heute ist meine Meinung: Natürlich wird Büskens irgendwann einmal Trainer auf Schalke sein. Doch er sollte noch ein wenig weiter wandern und sich noch ein paar Sporen mehr verdienen. Fragst du mich in drei Jahren, werde ich wahrscheinlich genau dasselbe sagen. Und noch mal drei Jahre später ebenso.

    Doch eines Tages wird es dazu kommen. Wirklich darauf freuen kann ich mich nicht. Irgendwie ist es wohl wie mit der hübschen Nachbarstochter, die man als Junge angehimmelt hat. Wäre man damals mit ihr zusammengekommen, wäre sie jetzt sicherlich nur eine Ex-Freundin von vielen. Doch weil nie etwas gelaufen ist, kann man sich heute immer noch mit einem sanften Lächeln zurückerinnern.

  3. derwahrebaresi sagt:

    ich hoffe asa sogrt für den entscheidenden treffer
    und buyo´s truppe kegel den bxb raus. ;-)

  4. Jan sagt:

    Also, ich sitze gerade in einem königblauen Trikot — Nr. 14 “Asamoah” — vorm Fernseher. :-)

  5. Carlito69 sagt:

    @Matthias: Schöner Vergleich, der mit der Nachbarstochter. Da könnte was dran sein…

    Möchte eigentlich auch nicht, dass mal irgendwann einer “Büskens raus!” skandiert. Die Frage ist nur, sollte das Grundlage einer solchen Entscheidung sein? Ich bin unschlüssig.

  6. Torsten sagt:

    Guten Morgen. War schon ein tolles Spiel, denke ich. Falscher Ausgang, sicher, aber spannend, emotional, und Fürth stärker als erwartet, jedenfalls von mir. Ein guter Schiri, ein ZDF-Kommentator der völlig neben sich saß. Alles in allem ein toller TV-Fußballabend aus meiner Sicht. Mal sehen was der heutige Abend so bringt.

    Dieses Gefühl, sich Büskens nicht kaputt machen lassen zu wollen, kann ich gut nachvollziehen, auch wenn ich nie wirklich eine schöne Tochter als Nachbarin hatte ;) Die S04-Karriere des Andreas Müller kann da als warnendes Beispiel herhalten. Aber na ja, wir ändern eh nix dran, mal sehen durch welche Emotionsmeere wir noch zu schippern haben …

  7. Carlito69 sagt:

    Durch so einige, wie ich unseren geliebten Club kenne… ;-)

  8. hoffedocS04 sagt:

    Habe gerade die Nachricht bekommen, der liebe Großkreutz habe gestern in der 120. Spielminute seinen Verstand verloren, und da dieser so klein sei, werde seit dreizehn Stunden der Fürther Rasen mit Lupen abgesucht;-)

  9. Elbdeichrutscher sagt:

    @hoffedocS04
    Das ist ja völlig paradox – wie kann man etwas verlieren, dessen Existenz zweifelhaft ist?
    Aber was mich fast noch mehr irriert – wieso “lieb” ?

    Ich hatte gestern die gleiche Vorstellung wie derwahrebaresi…und am besten in der Nachspielzeit…dass es quasi diametral entgegengesetzt passieren musste und Fürth durch den treffer eines Ex-Clubberers ausscheidet – das ist schon absurd.
    Fürth hat eine gute Partie abgeliefert, zweikampfstark und lauffreudig – aber ob das in Liga 1 auch an jedem Spieltag gelingen kann oder doch nur der Euphorie des besonderen Spiels geschuldet war…wird man hoffentlich sehen. Verdient hätten sie es schon lang.

  10. Benny sagt:

    Buyo ist der Kracher! Der hat ja nicht umsonst einen Fan Club auf Schalke! “Mike Büskens Kirche”! Hammer!

  11. Montana sagt:

    Großkreutz steht für mich genau für die Art Ruhrpott-Rivalität, die ich so hasse.

    @hoffedocS04: Lustig fand ich die Antwort Großkreutz’ auf die Frage, ob er schon das Elfmeterschießen im Kopf hatte: “Da hat man gar nichts im Kopf.” Tja, wo er Recht hat… :-D

  12. hoffedocS04 sagt:

    @Elbdeichrutscher

    “Verstand”? Das kleine Teil wurde inzwischen gefunden und soll noch vor dem Derby auf Schalke wieder eingesetzt werden, um Schlimmeres zu verhüten!!

    “Lieb”? Weil ich glaube, dass er das eigentlich ist. Er hat es nur noch nicht begriffen;-)

  13. Wörtlich: Mike Büskens sagt:

    [...] jedenfalls wünschen sich das viele königsblaue Fans. Dazu habe ich noch keine Meinung“ schrieb ich im März, und so ist es auch heute noch. Aber Mike Büskens ist definitiv besonders. [...]

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