Sieg gegen Leverkusen – Fernduell gegen Gladbach

Schalke 04 gewinnt mit 2:0 gegen Bayer Leverkusen. Erneut war Schalke klar besser als der Gegner, erneut war der Sieg völlig verdient. Mit etwas mehr Glück im Abschluss hätte man die Leistung am Ende wohl auch „souverän“ nennen können. So behielt die Partie bis tief in die zweite Hälfte unnötige Spannung.

Dieses Spiel war gleich in zweifacher Hinsicht ungewöhnlich. Derart konzentriert und sicher stand Schalkes Defensive in dieser Saison selten. Man kassierte eben kein frühes Gegentor, wie so häufig in letzter Zeit, tatsächlich schoss Leverkusen in der gesamten ersten Hälfte nicht ein einziges Mal aufs Schalker Tor. Andererseits ist es auch nicht üblich, dass Schalke derart viele gute Chancen liegen lässt.

Auf die wiederholt frühen Rückstände in zurückliegenden Spielen angesprochen, sagte Huub Stevens vor dieser Partie, dass man Möglichkeiten gefunden habe, das abzustellen. Das klang derart simpel, dass ich mich fast schäme, von meinem Platz aus nicht erkannt zu haben, worin der Unterschied denn nun lag. Jedenfalls hat es funktioniert. Der Defensivverbund agierte hervorragend, alle, trotzdem würde ich Kyriakos Papadopoulos als noch ein bisschen hervorragender benennen wollen.

Offensiv stellte Schalkes Spiel eine Blaupause zu der Begegnung gegen Kaiserslautern dar. Wieder boten Lewis Holtby, Jermaine Jones und Raúl dieses „verrückte“ Mittelfeld auf, in dem jeder plötzlich neben Huntelaar und jeder auch neben den Innenverteidigern zu sehen war. Bevor man in zu große Euphorie verfällt sollte man sich vergegenwärtigen, dass dieses Mittelfeld weder gegen Lautern, noch in diesem Spiel gegen Leverkusen unter allzu großem Druck agieren musste. Beide Gegner ließen Schalke viel Zeit und Raum, zuviel, würden die gegnerischen Trainer sicher sagen. Es wird spannend sein, zu sehen, wie sich diese Formation gegen ein halbwegs aggressives Pressing schlagen wird.

Gegen Leverkusen jedenfalls wusste man sich durchzusetzen. Man wusste Chancen zu kreieren, wusste Farfáns Laufstärke zu nutzen und spielte doch arg dominiant gegen eine Mannschaft, die eigentlich alles kann, nur manchmal eben nicht. Aus Schalker Sicht ein schönes und auch irgendwie beruhigendens Spiel.

Das Duell um die direkte Champions League Qualifikation

Nach normalem Ermessen kann Schalke 04 nun nicht mehr auf den fünften Platz zurückfallen. Dazu punkten die Blauen zu zuverlässig und dazu ist keine der Mannschaften ab Platz 5 konstant genug. Jetzt geht es darum, einen Platz unter den ersten drei zu behaupten. Dabei scheint Borussia Mönchengladbach der Gegner zu sein, den es im Fernduell zu schlagen gilt, Dortmund und München agieren vorne doch arg souverän.

Sowohl Schalke als auch Borussia Mönchengladbach haben noch 4 Auswärtsspiele und drei Heimspiele zu absolvieren. Sowohl Schalke als auch Borussia Mönchengladbach holten in der Hinrunde gegen diese Gegner 16 Punkte. Gladbach verlor dabei in Augsburg und spielte gegen Dortmund unentschieden, Schalke verlor in Dortmund und kam in Hannover nicht über ein 2:2 hinaus.

Wer mag sagen, welches Restprogramm das schwierigere ist? Ich vermag das nicht zu tun. Gladbach brachte im Pokalspiel in der vergangenen Wochen Bayern München an den Rand des Ausscheidens, es wäre in dieser Saison der dritte Sieg gegen München gewesen. Als ich Samstag in der Bahn gen Schalker Arena fuhr, führte Gladbach auch gegen Hoffenheim, als ich um kurz nach 17 Uhr im Stadion war, lag Gladbach plötzlich zurück. So kann es gehen.

So kann es auch Schalke passieren. Ab sofort ist jedes Spiel ein Endspiel im Kampf um den direkte Einzug in die Champions League. Der eben soviel mehr wert ist als der Weg über die Qualifikation, weil er Planungssicherheit mitbringt, weil in der Qualifikation stets sehr starke Gegner möglich sind und weil es in der Champions League soviel mehr Geld zu verdienen gibt, als in der Europa League. Natürlich war jeder Bundesligasieg zuvor auch drei Punkte wert, der Einwand, jedes Spiel sei gleich viel wert, jedes Spiel sei somit ein „Endspiel“, mag gerechtfertigt sein. Aber jetzt geht es auf die Zielgrade, Schalke liegt vorne und hat somit was zu verlieren.

Noch sieben Spiele. Zwei Punkte Vorsprung. Ma’kucken.



13 Kommentare zu “Sieg gegen Leverkusen – Fernduell gegen Gladbach”

  1. Matthias sagt:

    Eine wirklich sehr schöne “Endspielserie”, zumal sie nahezu (5 von 7) gegen dieselben Gegner stattfinden wird. Ich sehe das Momentum aktuell bei uns, jedoch bin ich auch gespannt, wie die Mannschaft die kommenden Ligaspiele angehen wird. Im letzten Jahr hat sich die Truppe nach Erreichen des Saisonziels ja bekanntlich ziemlich gehen lassen.

  2. Der Hans sagt:

    Ich sehe die restlichen Spiele von Schalke und Gladbach als ziemlich gleich schwer an, wobei wir die vermeintlich schwereren Spiele (Hannover, Dortmund) zu Hause austragen. Dafür sehe ich bei den abweichenden Gegnern Gladbach leicht im Vorteil. Wird auf jeden Fall eine spannende Schlussphase, in der wir hoffentlich auch noch ein paar Wochen zweigleisig fahren dürfen.

  3. s_we sagt:

    Ich vermisse die Zeichnungen von Wieland Junior!
    Ansonsten wieder eine Superzusammenfassung. Was mir in der Defensive besonders aufgefallen ist, war wie oft Matip und Papa nach flachen vertikalen anspielen, einfach schneller am Ball waren als der gegnerische Stürmer. Extralob dafür!

  4. RWDJojo sagt:

    @Matthias
    In der letzten Saison hat die Mannschaft ihr Saisonziel NICHT erreicht. Nachdem man den Worst-Case, nämlich den Abstieg vermieden hatte und nach oben nichts mehr reißen konnte, ließ man sich etwas hängen. Ich glaube nicht, dass dies in dieser Saison wieder der Fall sein wird, da man zum Einen den dritten Platz sichern möchte und zum Anderen bereit sein will, sollten die beiden über uns doch noch patzen.

    Ich denke auch, dass das Restprogramm von Gladbach und Schalke gleich schwer ist. Aber Schalke scheint derzeit ganz gut drauf zu sein, während Gladbach ein wenig schwächelt. Aber vor wenigen Wochen sah das noch umgekehrt aus, also ist alles offen.

    @Torsten
    Sei nicht traurig, dass du die Gründe für das ausbleibende frühe Gegentor nicht sehen konntest. Wahrscheinlich hat der Huub seinen Spielern vor dem Spiel mal ein paar ordentliche Backpfeifen gegeben, damit se von Beginn an wach sind ;-)
    Übrigens hat der Huub nicht davon gesprochen, dass man Möglichkeiten gefunden hätte die frühen Gegentore abzustellen, sondern dass man HOFFE, man hätte Möglichkeiten gefunden ;-)

  5. Matthias sagt:

    @RWDJojo: Schon klar. Damals dominierten zudem die Pokalwettbewerbe das Denken. Mal schauen, wie wir uns gegen Bilbao schlagen. Sollte man dort den Halbfinaleinzug klarmachen, könnte es allerdings schon sein, dass die Konzentration auf die Liga etwas schwindet. Allerdings erwarte ich auch dann keinen so eklatanten Einbruch wie im letzten Jahr nach dem 1:0 gegen Wolfsburg. Dass Platz 3 nun das absolute Muss-Ziel sein sollte, ist jedoch klar. Die daraus entstehende Planungssicherheit ist Gold wert.

    Und was das frühe Gegentor angeht: Wenn Kießling den Ball nach 10 Minuten getroffen hätte… huiuiui… Aber Torsten hat natürlich recht. Man konnte wirklich nicht erkennen, was genau jetzt anders war. Beton angerührt haben unsere Jungs jedenfalls nicht.

  6. Maddin sagt:

    Und läuft und läuft und läuft….

  7. Null und schön | meinzu | laufend blau weiß sagt:

    [...] Heimspiel? Schön. Sonderangebote? Schön. Bier? Schön lecker. Essen? Schön gut. Spiel? Schön. Taktik? Schön umgesetzt wie der Trainer angekündigt. Tore? Kopien. 2 an der Zahl. Schön doof Leverkusen [...]

  8. StanLibuda sagt:

    Mahlzeit!

    Wie immer ein vorzüglicher Blog.
    Allerdings fehlt mir die Szene mit Rolfes.

    Meiner Meinung nach gehört der Vogel
    für den Rest der Saison gesperrt.

    Alleine deswegen hätte ich mir eine bessere
    Chancenverwertung gewünscht.

    In diesem Sinne
    Glückauf

  9. Carlito69 sagt:

    Schöner Bericht zum Spiel. Auch ich bin gespannt, wie unsere Truppe sich weiter schläcgt, jetzt wo sie Platz 3 wieder verlieren könnte. Bin aber auch gespannt, wie Gladbach die Dämpfer verkraftet, oder ob die jetzt doch noch den eigentlich schon längst erwarteten Einbruch bekommen…

  10. Montana sagt:

    @StanLibuda:

    Rolfes sagte nach dem Spiel in etwa, dass er zwar Körperkontakt gesucht, den Schlag aber nicht beabsichtigt habe. Ich bin geneigt, das zu akzeptieren. Fahrlässig ja, vorsätzlich nein. Also wenn Sperre, dann am ehesten als Zeichen an alle Spieler, in Zukunft etwas besser auf die Ellenbogen zu achten. War ja beileibe nicht die erste Szene dieser Art.

  11. Torsten sagt:

    Das ätzende an der Rolfes-Angelegenheit ist, dass “daran gedreht” wurde. Aytekin sagte nach dem Spiel, er habe die Szene nicht gesehen, nun ermittelt der Kontrollausschuss nicht, weil die Szene in seinem Blickfeld lag, man also einfach behauptet, er habe sie doch gesehen. Das ist hochgradig peinlich:
    http://www.reviersport.de/1883.....olfes.html

    Ich habe zu der Szene in meinem Beitrag nichts geschrieben, weil ich selbst sie im Stadion tatsächlich nicht gut genug gesehen- und mit später auch keine Zusammenfassung angesehen habe. Nachdem ich irgendwo die Draxler-Aussage zur Szene las, war mir die Sache nicht mehr wichtig genug, um mir damit meinen Wohlfühleffekt des Spiels kaputt machen zu lassen ;)

  12. Montana sagt:

    Als ich das heute las, habe ich auch gestutzt. Damit wird die ach so heilige Tatsachen-Entscheidung extrem elastisch und der Willkür preisgegeben. Es genügt die Unterstellung der Tatsache. Das ist so dämlich wie es klingt.

  13. Manfred sagt:

    Sehr interessante Gedanken seitens Honigstein im Guardian:
    http://www.guardian.co.uk/foot.....honigstein

Schreibe einen Kommentar