Lang lebe Asi Erich oder: Kein Foto ohne ‚nen Euro

Nein, an dieser Stelle folgt kein moralisches „Wort zum Sonntag“, aber abseits aller Themen die uns ansonsten gegen Saisonende so beschäftigen, vielleicht mal etwas zum Nachdenken.

Vor gut drei Wochen setzte irgendwer ein Gerücht in die Welt: „Asi-Erich“ sei verstorben. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer am Schalker Markt, Entsetzen und Anteilnahme waren – insofern man dem Gerücht Glauben schenkte – groß.

„Unser“ Asi-Erich ist, viel zu früh, von uns gegangen. Erich – ein Original, Erich – der mit dem Kultstatus, Erich – ein Schalker durch und durch, Teil unserer Jugend, unserer Identität, Teil unsere Schalker Vereinsfamilie, Kultur, Seele, Asi-Erich-Fussballgott.

Zwei Tage bevor diese schäbige Nachricht lanciert wurde hatten zahlreiche Schalker Erich noch gesehen, konnten bezeugen, er habe eigentlich gepflegt und gut wie lange nicht mehr ausgesehen. Jedenfalls trauten einige Schalker dem Braten nicht und machten sich schlau, fragten bei Polizei etc. nach – doch niemand wusste etwas von Erichs Ableben. Und so kam es, pünktlich zu Ostern, zur Auferstehung Erichs. Und das ist auch gut so.

Es ist in der jüngeren Vergangenheit teilweise zu einem Erich-Hype gekommen. Schön am Spieltag zu beobachten. Jede/r 04te möchte mit ihm fotografiert werden, es kommt dabei manchmal auch zu Gesten und Sprüchen die man als wenig respektvoll empfinden kann. Teilweise sogar als degoutant. Dabei sind die Leute (teils volltrunkene Komiker) die sich mit Erich ablichten lassen wollen nicht selten „more Asi“ denn Erich selbst. Aber Erich, so ist er, macht immer jeden Scheiß gerne mit – wie sollte er sich auch wehren? – und es soll ja hier auch keine Moralapostelei folgen.

Allerdings, und das muss einfach mal gesagt werden, hat Erich durch seine unverhoffte Auferstehung auch irgendwie ’ne „zweite Chance“ verdient. So groß die Bestürzung bei allen über sein vermeintliches Ableben war, so groß könnte doch auch im wahren Leben bei genau diesen Leuten nun auch die Bereitschaft sein, ihm ab und an mal irgendwie zu helfen. Nicht wahr? Erich ist nämlich vor allem eines: Ein ganz feiner Kerl, ein Schalker durch und durch, bei dem im Leben halt nicht alles so gelaufen ist wie wir es uns für unser eigenes Leben vielleicht wünschen.

Nein, Erich wird wohl nie wieder arbeiten gehen, keine Wellness-Gutscheine für ein Hotel brauchen oder Entschlackungskuren mitmachen wollen. Und drückt man ihm Kohle in die Hand wird er sie ganz sicher auch nicht für einen Bausparvertrag einzahlen (er hat ja nicht einmal einen festen Wohnsitz, ’ne eigene Wohnung). Ja und?

Aber wenn man ihm mal ’nen Pils ausgibt oder 2€ in die Hand drückt, einfach so, ohne das er „betteln“ kommen muss, ohne das man sich im Kollektiv darüber lustig macht, dann hat Erich wesentlich mehr davon als irgendwelche Beileidsbekundungen in der virtuellen Welt der sozialen Netzwerke …

Macht doch ruhig ein Foto mit Erich wenn er es okay findet (fragt vorher!), aber steckt ihm ruhig doch auch was zu (ungefragt): KEIN FOTO OHNE `NEN EURO!!!
Ein Heimspiel ist noch. Erich wird da sein. Ganz sicher. Und hoffentlich noch viel öfter. Also, haut mal einen raus! Gebt einen aus! Nicht darüber Lachen weil er wegen wiederholtem Schwarzfahrens mal wieder im Knast sitzt, sondern mit den Kumpels unbürokratisch fürs Bahnticket sammeln. Macht was!
Habt Respekt vorm „Fußballgott“ und helft ihm! Mit Betroffenheit allein – und Verarsche – ist ihm ganz sicher nicht geholfen.



11 Kommentare zu “Lang lebe Asi Erich oder: Kein Foto ohne ‚nen Euro”

  1. skandy sagt:

    Schwieriges Thema. Ich stecke Erich seit jeher ab und an was zu. Was ich nicht mehr tue, ist, ihm ein Bier ausgeben. Klar, vielleicht holt er sich davon auch Bier und, klar, ich werde damit kein übel abwenden. Doch bei einem offensichtlich alkoholkranken Menschen, den man gegen Abend immer wieder in übelsten zuständen antrifft, muss ich nicht noch einen gesellschaftlichen trinkzwang herstellen, in dem ich ihm ein Bier in die hand drücke. Zwischendurch mal fragen, ob er ne currywurst möchte, wäre da auch angebrachter. Und übrigens: ein Foto mit ihm ist mir trotz „kultstatus“ noch nie in den Sinn gekommen. Und ich finde das auch immens überflüssig…

  2. hanson41 sagt:

    Ich finde die Aussagen von skandy auch wirklich nicht falsch. Für mich kommt es nicht in Frage ihm ein Bier zu geben. Die Idee mit der Currywurst finde ich wirklich gut und ich werde es auch so umsetzen wenn ich ihn das nächste mal sehen sollte.
    Ne Cola wäre auch noch ne Idee. Frage mich ja eh wie man das aushalten kann. Wenn ich nen Tag zeche, hab ich immer Durst wie ne Bergziege, mag aber auch sein dass das irgendwann aufhört. Kenne ich mich (zum Glück) nicht mit aus.

  3. Uwe sagt:

    Also mit den Totgesagten und den Auferstehungen haben wir´s irgendwie wohl auch auf Schalke… Das war damals bei Catweazle so und jetzt dann bei Erich. Irgendwie will halt auch immer jeder mitreden, und wenn die (zweifelhafen) Idole auf dem rasen nicht reichen, dann sucht man sich eben (zweifelhafte) Idole im Umfeld.

    Ich habe nichts gegegen Asi Erich, habe auch schon mit ihm gesprochen und ihm auch schon Geld gegeben, aber ein Foto von ihm und mir gibt´s ebensowenig wie ein Foto von Raul und mir.

    Glückauf und ein langes Leben für Erich und alle Schalker! ;-)

  4. Hütte04 sagt:

    Schuldigung, wenn das jetzt blöd kommt. Ich kenne Erich zwar, aber kann mir mal einer erklären warum er so einen Status hat. Wie kam es denn dazu und was ist er für ein Typ? Ich kenn mich da noch nicht so gut aus!

  5. hoffedocS04 sagt:

    Mir steht bei diesem Erich-Asi-Thema ein erstaunlicher Schalkefan vor Augen – vermutlich NICHT der obenerwähnte Erich, der volltrunken nach dem Derby den Verkehr regelte.
    Bin diesmal auf Parkplatz D1 gelandet, der sich nach dem Spiel als elendes Nadelöhr erwies, von dem nichts vorwärts und nichts rückwärts ging. Plötzlich tauchte ein torkelnder Schalkefan mit Trikot und Schal auf, der einen vollen Bierbecher schwenkte, der dauernd überschwappte. Dieser Doppelt-Blaue schwankte zwischen den Autos hin und her, machte Zeichen, zu stoppen, weiterzufahren, in Lücken vorzustoßen, zurückzusetzen, grinste freundlich in die Wageninneren, verhinderte eine Eskalation zwischen den Insassen von zwei schwarzgelben Fanbussen und den blauen Insassen der PKWs, fuchtelte lächelnd mit den Armen, brüllte ein bisschen herum …. und brachte tatsächlich zustande, dass sich das Chaos lichtete und der Verkehr wieder lief… war groß, wirklich groß

  6. Christian sagt:

    Ich würde diesen Aufruf ganz niederschwellig anlegen:
    Vernünftiger mit Erich umzugehen, fängt nicht da an, wo man sich Gedanken darüber macht, was man alles für ihn tun kann, sondern ein bisschen sicherlich schon bei den ganzen Dingen, die man gottverdammt nochmal sein lassen könnte.

    Ganz oft sieht man ihn doch umzingelt von besoffenen Vollidioten, die sich einbilden, sie, und von allen bekackten Vollidioten ausgerechnet sie, seien irgendwie legitimiert Asi-Erich am sprichwörtlichen Nasenring vorzuführen. Da kriege ich jedes mal die Wut! Falls ihr euch angesprochen fühlt und ihn nicht zumindest ein bisschen in euer philanthropisches Herz geschlossen habt, verpisst euch einfach mal!

    Die meisten Spackos machen dabei vielmehr sich selbst lächerlich, als das vermeintliche Kuriosum, das für ihre dämlichen Späße herhalten soll.
    Es würde schon reichen, wenn man ein bisschen selbstverständlicher mit Erich umgeht. Und wer es wirklich gut mit ihm meint, könnte ihn zumindest ab und an vor diesen ganzen Vollidioten bewahren.

    Einfach mal den „Gaffern“ entreißen und sagen: „Komm Erich, lass die mal machen, holen wir uns ne Wurst!“

  7. Blondundblau sagt:

    Ich komme mir vor wie ein Wackeldackel, so oft habe ich bei Oli4s Text zustimmend mit dem Kopf genickt… ;-)

    Bei uns ist das (wiederholte, es war ja leider nicht das erste Mal, das Erich irrtümlich totgesagt wurde) Gerücht von Erichs Ableben in Bilbao angekommen und hat schlagartig für Betroffenheit gesorgt. Bis ein Mitreisender relativ zuverlässig für Entwarnung sorgen konnte, ging uns Ähnliches durch den Kopf: Hätte man nicht doch mehr tun müssen, als halb amüsiertes, halb peinlich berührtes Schmunzeln, wenn Erich wieder einen seiner legendären Auftritte hinlegt? Kann sich wirklich jede Einzelne davon freisprechen, in seinem Leben aus der Bahn zu fliegen – und möchte man dann als Lachnummer vorgeführt werden…?

    Wer die Frage für sich beantwortet hat, sollte Oli4s Appell folgen und Erich einfach mal unter die Arme greifen. Ich werde es jedenfalls tun.

  8. matz sagt:

    Wäre da nicht in erster Linie hilfreich, ihm nicht einen Kultstatus zuzusprechen?

  9. Tinchen04 sagt:

    Also ehrlich..

    ich finde die Leute, die ihn so behandeln, wie in den letzten beiträgen geschrieben, deutlich peinlicher und asiger, wie Erich selbst. Der Mann hat nu mal Pech gehabt im Leben, ja nu..da kann man eben nix dran machen. Ich gehe meistens hin und lade ihn zu was warmen ein, meistens ein Mittagessen bei “ Nordsee“, oder sonst was, wo er Bock drauf hat. Erich ist ein ganz prima und sehr freundlicher Kerl, und im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten, werde ich immer versuchen, ihm ein Stückchen davon abzugeben.

  10. Mattenschwinger sagt:

    Ohne blöden Hintergedanken: Ist überhaupt schon mal jemand auf die Idee gekommen dem Erich dauerhaft zu helfen? SFCV? Fan-Beutreuung? Fan-Projekt? Supportersclub? Ultras GE? Schalke 04? Stadt GE?

  11. Jörg aus Duisburg sagt:

    Erich ist noch ein Stück vom alten Schalke. Der Verein würde sich kein Bein ausreissen, wenn er Erich dauerhaft hilft. Denn er ist keiner von den Modefans, die heute Überhand nehmen. Kenne ihn über 30 Jahre, er hätte es verdient.

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