Wohlfühlheimsaisonverabschiedung

Das sportliche Ziel wurde pünktlich erreicht. Der zu verabschiedende Star traf. Der zu verabschiedende Ur-Schalker bekam seinen Auftritt. Ein 4:0 Sieg. Der Torjäger hält alle Chancen auf den Gewinn der Kanone. Eine wirklich gelungene „Abschiedsshow“. Das alles bei herrlichem Fußball-Sommerwetter. Schön! Da war es am Ende völlig egal, dass das Spiel lange nicht gut war.

Eine Halbzeit lang hatte die Begegnung den Charakter eines Freundschaftsspiels mit eindeutiger Rollenverteilung. Ein Favorit der spielen wollte ohne sich allzu sehr anzustrengen, weder körperlich noch geistig, was zu einer arg ideenlosen Offensive und einer arg sorglosen Defensive führte. Ein Underdog, der nicht an sich glaubte und hauptsächlich versuchte, sich keine Blöße zu geben.

Also schuf Riegel-Rehhagel eine Berliner Mannschaft, die auf biedere Schalker zu reagieren wusste, der aber in der Vorwärtsbewegung einiges an Können und noch viel mehr an Mut fehlte. Zum Führungstreffer für Schalke kam es denn auch, als etwas ungewöhnliches passierte, als eben der Innenverteidiger Joel Matip zum Solo ansetzten, worauf Berlin prompt nicht zu antworten wusste. Dass Matip am Ende seines Laufs diesen guten Pass spielte und damit Klaas-Jan Huntelaar das erste Tor perfekt vorbereitete, war große Klasse.

In der zweiten Hälfte lief vieles besser. Zum Beispiel gab es mal wieder diese Jurado-Momente. Momente, in denen er plötzlich flink wird und dann zeigt, welch großartiger Spieler er sein kann, dass man nur mit dem Kopf schütteln kann und sich fragt, weshalb er in 90% seiner Einsatzzeiten völlig unbeteiligt und träge über den Platz schlurft. Außerdem rückte Lewis Holtby häufiger in die Spitze, wo er sofort gefährlich wurde, nachdem sein Spiel im Mittelfeld sehr unglücklich und meist an ihm vorbei verlief.

Nach dem 2:0 war das Spiel endgültig gelaufen. Ab der 73. Spielminute ging es nur noch darum, dass am Besten auch Raúl noch zu einem Treffer kommt und wie es in Gladbach steht. Beides ging gut aus.

Raúl mit einem irgendwie unraúligen Treffer aber eben mit einem Treffer, Gladbach mit einem 0:0, was Schalkes Champions League-Qualifikation besiegelte und die schöne Geste des Trainers, als er Mathias Schober einen letzten Auftritt gönnte. Und in dieser Wohlfühlstimmung ging es weiter.

Ich bin kein Fan der „Florians“, aber Samstag fand ich sie nicht so schlimm. Der Rahmen dieser Verabschiedung war meiner Ansicht nach gelungen. Ja, es war eine Raúl-Verabschiedung, aber ich denke, dass auch Mathias Schober damit die ihm gebührende Aufmerksamkeit erhalten hat, Hans Sarpei und Levan Kenia eh. Ganz Schalke war Stolz, Raúl gehabt zu haben. Feierte ihn, feierte damit auch sich selbst ein Stück und schuf damit noch mehr „Schalke“, speicherte mit dieser Zeremonie das Kapitel Raúl auf der Vereinsfestplatte. Für Raúl applaudierten auch die letzten im Block verbliebenen Herthaner.

Ein schöner Abschluss, ein Spieltag vor Schluss einer guten Saison.



7 Kommentare zu “Wohlfühlheimsaisonverabschiedung”

  1. Vigil sagt:

    „und schuf damit noch mehr „Schalke““….

    trifft genau mein Empfinden. Ich hatte das große Glück diesen erinnerungswürdigen Spieltag als Familienevent genießen zu dürfen.

    Aufgrund einer „gut geplanten“ Familienfeierlichkeit des Dauerkartennachbarn meines Vaters, konnten wir einen Drei-Generationen-Tag daraus machen, Vater-Ich-9jähriger Sohn. Und dieser Tag wird in seiner Gesamtheit in unserer Erinnerung bleiben und mit Sicherheit viel zur Sozialisation meines Juniors beitragen.

    Irgendwo zwischen 302-Genöhle, Stadionbier, dreckigen Siegen, glanzvollen Momenten und tiefen Emotionen, zwischen hemmungslosem Jubel und stillen Tränen, zwischem den kleinen Bengels in zu großen Trikots (jaaaa…. auch kleinen Mädchen) und alten, sehr alten Männern, die den Begrüßungshandschlag 2 mal verteilen, irgendwo zwischen Millionenschulden und Schalkern die nach dem Spiel Bierträger in der Gegend verteilen, irgendwo da schlägt quasi immer das blauweiße Herz und schafft immer, immer wieder Tradition. Und diese Schalker Seele, so hab ich es wieder gefühlt, lässt sich zwar für 15 Euronen auf ein T-Shirt pressen aber käuflich wird die niemals sein.

    Danke Schalke!

  2. blues sagt:

    …oh it was such a perfect day!

  3. Der Hans sagt:

    Es war (wenn man einmal am Stadion war, Zugfahrer aus Richtung Münster wissen was ich meine: Schienenersatzverkehr olé) ein wunderbarer Tag, ein Tag für den es sich lohnt, Schalker zu sein. Zum Spiel muss man nichts mehr sagen, aber leichte Kritik am Artikel erlaube ich mir:

    1. Habe ich Farfans Vertragsverlängerung komplett überlesen oder hast du sie nicht erwähnt? Die gehört für mich eindeutig in die Aufzählung im ersten Absatz.

    2. Mathias Schober schreibt sich tatsächlich nur mit einem „t“.

    3. Der künstlerisch bekanntermaßen höchst talentierte Nachwuchs kennt Hert(h)a wohl nur als Würstchenmarke. Aber wer soll es ihm auch verübeln, wenn im Stadion des Öfteren „Herta ist ‚ne Wurst!“ angestimmt wird. ;-)

  4. Carlito69 sagt:

    Ja, es passte einfach alles am Samstag, auch wenn das Spiel lange nur so dahin plätscherte. Es war mal wieder ein schöner Tag im Stadion mit vielen geilen Momenten.

    Und zu Schalke kann man eigentlich 1-zu-1 den Barcelona-Leitspruch übernehmen:

    ‘Más que un club’!

  5. HeinS04 sagt:

    Jau, alles richtig so. Aber eins noch: wenn ich demnächst eine Party zu Hause habe und die Hyänen wollen nicht nach Hause gehen, spiele ich die Florians. Entweder pennen dann alle sofort ein oder Rennen
    schreiend weg. Welch abturnende Schlafwagen-Mucke! In diesem Moment wollte der Laden rocken, alle waren angeschossen, eine tolle Saison geht zu Ende und dann spielen Die so eine sülze. Sorry, aber die Bude zum Beben bringen nur die lokis, die Empfehlung am 16.06. Mitzuerleben wie es funktionieren kann, darf ich noch aussprechen….

  6. Torsten sagt:

    @Der Hans:

    Nein, Du hast nichts überlesen. Die Farfán-Verlängerung ist eine sachlich gute Entscheidung, wenn ich mal davon ausgehen, dass Schalke „seinen finanziellen Rahmen eingehalten“ hat, wie Heldt sagte. Für mich war diese Sache allerdings lange nicht so emotional wie der Rest und passte deshalb nicht in meine Aufzählung. Schließlich wurde nur ein Geschäft abgeschlossen, Podiumgehampel hin oder her.

    Den kurzen „Mathias“ habe ich korrigiert, danke. Die Wurst kennt mein Junior nicht, glaube ich. Eher schon das Örtchen Herten, bei Omma umme Ecke. War aber wohl nur ein Abmalfehler, im Fähnchen ist Hertha korrekt geschrieben.

  7. ic0n_ sagt:

    Bzgl. ‚Herta‘ hier ein Foto des Verzehrgutscheins (Heimspiel-Erlebnis-Tag) vom Samstag: https://twitter.com/ic0n_/statuses/196171030925021184

    :)

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