Artikel im September 2012

Grottensieg

Schalke 04 gewinnt ein ganz schwaches Spiel gegen Mainz am Ende noch unverdient deutlich mit 3:0. Erst in der 80. Minute löste Lewis Holtbys Treffer den Krampf.

Schon in der ersten Halbzeit gelang den Blauen aus dem Spielverlauf heraus kaum etwas. Der links für Draxler agierende Ibrahim Afellay bewegte sich völlig losgelöst von allem und fand nie Bindung zu seinen Mitspielern. Lewis Holtby in der Zentrale spielte den Ball meistens nur ins defensive Mittelfeld zurück. Und zu Klaas-Jan Huntelaar kam der Ball gar nicht erst.
Jefferson Farfan und Atsuto Uchida waren auf ihrer rechten Seite noch die Aktivposten, effektiv waren sie aber auch nicht. Die besten Schalke Chancen der ersten Halbzeit hatte Marco Höger, wenn er ungeplant, am Rande des Strafraums an den Ball kam.

Zusätzlich war Schalke defensiv auch nicht stabil. Über die Außen kam Mainz immer wieder hinter Schalkes Abwehrreihe, und es lag an der Mainzer Unfähigkeit im Angriff, dies nicht zu Toren genutzt zu haben. So ging Schalke mit einer glücklichen 1:0 Führung in die Pause, nachdem Benni Höwedes beim quercruisen durch den Strafraum freundlicherweise zu Fall gebracht wurde und Jefferson Farfan den Strafstoß verwandelte.

In der zweiten Hälfte hatte die Defensive der Blauen die Mainzer besser im Griff und die Offensivaktionen wirkten „gewollter“, hektischer; allerdings wurde das Passspiel immer fahiger. Nun fehlte endgültig jedes „Spiel“ nichts war mehr leicht, Fehlpass reihte sich an Fehlpass. Die Mannschaft wurde unruhig, das Publikum wurde unruhig, das Geschehen war gruselig anzuschauen. Auch die Wechsel funktionierten nicht, Draxler und Barnetta kamen für Afellay und Farfan, spielten aber konfus, waren plötzlich beide auf der rechten Seite, standen sich gegenseitig auf dem Fuß. Und in der 75. Minute stand Kyriakos Papadopoulos ballerwartenderweise im Abseits. Mehr Darstellung braucht es wohl nicht.

Das Tor zum 2:0 in der 80. Minute resultierte aus dem ersten fehlerlosen Angriff in der zweiten Hälfte. Fuchs-Flanke in die Mitte, tausendmal geübt, und Lewis Holtby freute sich über seine Freiheit. Es war eine Erlösung. Das 3:0 durch die noch frischen Draxler und Pukki, nach haarsträubendem Fehler der Mainzer, war schön anzuschauen, aber eigentlich schon des Guten zu viel.

Also gewann Schalke 04 ein Grottenspiel tatsächlich mit 3:0. Immerhin, so etwas gibt es auch nicht alle Tage.

Blackout

Die Blauen spielten auf Schalke gegen Bayern München, und ich habe nichts davon gesehen.

Im Zuge der Kommunionsvorbereitung meines Sohnes erlebte ich ein Familienwochenende in Xanten. Jugendherberge, Singen, Kirche, neue Menschen, vor allem 48 Stunden am Stück mir Frau Wieland, Tochter und Sohn. Solch ein Programm mag nicht jedermanns Sache sein, ich fand’ es prima. Aber natürlich hätte ich lieber ein anderes Spiel verpasst.

Solche Termine kann man sich nicht aussuchen. Ein Spiel meines Vereins zu verpassen finde ich immer doof, wäre es anders, hätte ich keine Dauerkarte, gäbe es dieses Blog nicht. Aber Spiele gegen Borussia Dortmund und Bayern München sind schon anders. Als die Terminansetzung veröffentlicht wurde war ich schon enttäuscht. Ein Spiel gegen Stuttgart oder Hamburg zu verpassen hätte mich weniger gekratzt.

Und so lies ich mich gerade professionell durch das alte Xanten führen, als das Smartphone in meiner Tasche mehrfach rappelte. Eben zu Beginn und Schluss einer jeden Hälfte, und zu den Toren. Nur durch diese „Alerts“ lies ich mich informieren, im Telegramm-Stil. Auf mehr verzichtete ich.

Hätte Schalke gewonnen, wäre das wohl anders gewesen. Berichte darüber hätte ich genossen wie den Jubel im Stadion, dann wäre mir das wie und warum egal gewesen und mir hätte die Tatsache als solche zur Freude gereicht. Aber bei Niederlagen interessiert mich vor allem das warum, und da verlasse ich mich nicht gerne auf kicker, Sportschau & Co. Der Abgleich zwischen Berichterstattung und meiner Wahrnehmung passte schon zu häufig nicht.

Also habe ich meine Sportschau-Aufnahme ungesehen gelöscht. Vielleicht erzählt mir ja hier der eine oder andere Kommentator, woran es seiner Meinung nach gelegen hat. Ansonsten geht’s zum Glück ja auch Dienstag schon weiter.

Fast souverän in Piräus

Schalke 04 gewinnt 2:1 in Piräus und holt gleich am ersten Spieltag 3 wichtige Champions League-Punkte. Dabei bot das Spiel von angenehmer Langeweile bis Herzklabaster alles zu seiner Zeit.

Wer ein Blog wie dieses hier betreibt, leidet in der Regel unter Fublos D, so auch ich. Und so war ich während der 90 Minuten schon einige Male bei Formulierungen wie „sehr souverän“ oder „eben Champions League-Erfahrung“, denn ich hatte Freude daran, wie Schalke 04 in dieser Partie agierte. Aber immer wenn ich grade so dachte, schoss irgendein Schalker einen Bock, und ein Olympiakos-Spieler stand frei vor Lars Unnerstall.

Viermal brannte das griechische Feuer in Schalkes Strafraum lichterloh, einmal schlug die Fackel ein. In diesen Momenten offenbarte sich die Stärke des Gegners. Das größte Kompliment, das man Huub Stevens’ Mannschaft machen kann, ist, dass sie es schafften, ihre Aufgabe zwischen diesen brenzlichen Situationen leicht aussehen zu lassen.

Schalke versuchte dieses Spiel zu kontrollieren. Vor allem versuchten die Blauen stets aufs nächste Tor zu spielen, auch noch in Führung liegend 10 Minuten vor Schluss. Man versuchte Piräus in der Defensive zu binden, störte früh und gewann im Mittelfeld die deutliche Mehrzahl der Zweikämpfe. Am Ende war der Sieg verdient, keine Frage. Aber es hätte viel einfacher sein können.

Hätte Klaas-Jan Huntelaar den Strafstoß verwandelt, wäre die Luft sicher raus gewesen. Hätten Schieds- und Torrichter Papadopoulos’ einwandfreies Kopfballtor in der ersten Hälfte nicht zurückgepfiffen, wer weiß wie das Spiel verlaufen wäre. So war es bis zur letzten Minute spannend, denn ein Tor – auch das lehrte uns dieses Spiel – kann Schalke immer noch kassieren.

Auf einzelne Spieler möchte ich nun nicht mehr eingehen. Jetzt, da ich das hier schreibe, ist es mir für solche Ausführlichkeit zu spät. Trotzdem möchte ich der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass Jermaine Jones nicht schwerer verletzt ist, dass er nicht länger ausfällt. Meines Erachtens ist er derzeit für diese Mannschaft so wichtig wie nie zuvor, er ist Bindeglied und Taktgeber zwischen Defensive und Offensive. Ihn sollte Schalke gegen Bayern München nicht vermissen müssen.

Und ein Wort noch zu „Turnvater Huub“, wie ihn Sky-Kommentator Wolff-Christoph Fuss nannte. Bislang dachte ich immer, in der Champions League herrsche für Trainer Anzugpflicht. In Piräus saß Huub Stevens im Trainingsanzug auf der Bank.
Grundsätzlich habe ich weder was gegen Trainer im Anzug, noch gegen Trainer in Sportkleidung. Grundsätzlich ist mir wichtig, dass Trainer „echt“ wirken. Ich sah Thomas Schaaf im Anzug und er kam mir fremd vor. Jürgen Klopp sah vergangene Saison im Anzug und rasiert aus wie ein Sitzenbleiber im Kommunionsvorbeitereitungskurs. Huub Stevens sah aus wie immer. Mir hat das gefallen. Und wenn er das durchzieht, obwohl alle anderen es anders machen, wenn er vielleicht sogar Strafe dafür zahlen muss, dann erst recht.

In zwei Wochen spielen die Blauen auf Schalke gegen Montpellier, aktuell nach fünf Spielen nur 15. der französischen Ligue 1. Mit einem Heimsieg wäre mehr als die „halbe Miete“ auf dem Weg ins CL-Achtelfinale eingefahren. Ma’kucken.



Foto: arnocastelli

Nur soviel wie nötig

Schalke gewinnt 2:0 in Fürth. Dabei machte es alles richtig. Und keinen Deut mehr.

Draxler, Holtby und Afellay als Offensivreihe hinter Klaas-Jan Huntelaar, da erwartet man vor allem Kreativität. Eine Aufstellung, die zumindest in der Theorie vor Spielfreude sprüht, schließlich sind dabei auch die Außen keinen bloßen Linienflitzer, sondern spritzige Typen mit „Spielmacherqualitäten“. Zu sehen war davon in Fürth aber nichts.

Lewis Holtby wurde einmal mehr in Manndeckung genommen. Fürth lernte das von Augsburg, Schalkes letztem Gegner, und Holtby kam auch dieses Mal damit nicht zurecht. Julian Draxler war bemüht, rannte sich aber immer wieder fest, fand unter Druck zu selten eine Anspielstation. Ibrahim Afellay war überall, nur nicht auf dem rechten Flügel, zumindest nicht in der ersten Halbzeit. Häufig versuchte er, in der Mitte hinter dem gedeckten Holtby für Überzahl zu sorgen. Ich glaube ja stets, dass so was nicht aus einer Spielerlaune heraus, sondern auf Anweisung des Trainers geschieht. Funktioniert hat es nicht. Schalke brachte nur äußerst selten einen durchdachten Spielzug aufs Feld, Klaas-Jan Huntelaar hing völlig in der Luft.

Schalke 04 gewann dieses Spiel trotz aller offensiven Unzulänglichkeiten völlig verdient, weil die Defensive den Gegner jederzeit im Griff hatte, und weil Fürth selbst so viele Fehler produzierte, dass Torerfolge für Schalke von Anfang an als sehr wahrscheinlich angesehen werden konnten.
Das es zur Halbzeit 0:0 stand war bereits ein Unding. Vier ganz dicke Chancen konnten die Blauen nicht nutzen, allen voran Klaas-Jan Huntelaar, der einmal am sehr guten Fürther Torhüter Max Grün scheiterte, ein weiters Mal aber wirklich selbst schuld war. Meistens entstanden die Chancen für Schalke, wenn Fürth im Aufbauspiel den Ball verlor und Schalke dann schnell gegenstieß. Einmal mehr ist hier meines Erachtens Jermaine Jones zu loben, der sich immer wieder nach Balleroberung sofort nach vorne orientierte.

Defensiv konnte sich Schalke auf das Dreieck Neustädter / Papadopoulos / Matip verlassen. Fürth machte es ihnen nicht besonders schwer, aber was zu erledigen war erledigten diese drei. Schwächen zeigte Schalke nur auf den Außen. Christian Fuchs brachte seine Kollegen in der ersten Hälfte gleich zweimal kurz hintereinander mit Fehlpässen in Bedrängnis, Benny Höwedes wirkte ebenfalls nicht immer sicher und konnte vor allem auch offensiv nicht überzeugen. Mit Afellay irgendwo und Höwedes an der Linie war Schalkes Offensive auf der rechten Seite kaum existent. Ich bin gespannt, wie Huub Stevens Höwedes’ Defensivleistung bewerten wird. Ich denke an der Defensive wird er festmachen, ob er ihn gegen Piräus und/oder Bayern München spielen lässt oder wieder Atsuto Uchida bringt.

Dass den Toren am Ende doch keine ausgenutzten Schnitzer zugrunde lagen, sondern aus einem Sonntagsschuss und einem letzten schönen Angriff kurz vor Schluss, als Fürth längst am Ende war, resultierten, war das Augenzwinkern des Fußballgottes. Was Schalke tat, reichte zum Sieg. Ich war am Ende zufrieden. Mir war wichtig, dass Schalke dem Gegner quasi keine echte Chance erlaubte. Gegen Augsburg war das noch ganz anders. Bezüglich der Offensive geht es mir wie vielen, auch ich vertraue darauf, dass das viele Talent noch zueinander findet, dass es richtig kombiniert wird, um durchschlagskräftig zu werden. Gegen Augsburg und Fürth reichte das Aufblitzen von individueller Klasse. Für die nächsten Aufgaben braucht es wahrscheinlich auch in der Offensive eine Mannschaftsleistung. In dieser Woche wird der Hengst Schalke 04 definitiv höher springen müssen, um was zu erreichen.



Foto: Kuster & Wildhaber

Wörtlich: Mike Büskens

Es ist für Gerald Asamoah, Edu und mich eine Reise in die Vergangenheit. Ich verbinde mit dem FC Schalke 04 18 wunderschöne Jahre, deswegen freue ich mich darauf, Huub Stevens und den Betreuer- und Trainerstab zu treffen. Es gibt viele Berührungspunkte mit diesen Menschen und deshalb gehe ich diese Aufgabe entspannt an. Aber eins ist auch klar, wir möchten dieses Spiel unbedingt gewinnen und vielleicht ist es gerade deshalb so besonders, weil mir die Königsblauen so am Herzen liegen.

… sagte Mike Büskens im Interview mit Steffen Hoss für bundesliga.de.

„Irgendwann soll er einmal Schalkes Trainer werden, jedenfalls wünschen sich das viele königsblaue Fans. Dazu habe ich noch keine Meinung“ schrieb ich im März, und so ist es auch heute noch. Aber Mike Büskens ist definitiv besonders. Nichts gegen Gerald Asamoah, aber würde nur er dort spielen wäre mir Fürth immer noch egal. Weil aber Mike Büskens dort der Cheftrainer ist, achte ich auf die Ergebnisse und freue mich sogar ein wenig über einen Sieg gegen Mainz. Wenn Fürth nun gegen Schalke spielt, freue ich mich nicht nur, weil ich mich immer freue wenn Schalke spielt, sondern ich bin auch gespannt auf Buyos Mannschaft. Auf sein Schaffen. Auf sein Können.

Ein kurzes Interview zu fast allem

Kurz ist natürlich relativ. 38 Minuten mögen manchem lang erscheinen, gemessen am Umfang des Inhalts sind sie es aber sicher nicht.

Klaas Reese lud mich für den Ballpod-Podcast zum Gespräch über Schalke 04, und wir sprachen über die ersten Spiele gegen Hannover und Augsburg, über Jermaine Jones, über Huub Stevens in Beziehung zu Raúl und Teemu Pukki, über Teemu Pukki im Allgemeinen und über Teemu Pukki in Beziehung zu Ciprian Marica.

Wir sprachen über die Zugänge, sowohl über Ibrahim Afellay als auch über Tranquillo Barnetta und Roman Neustädter, über das Überangebot im Mittelfeld und über das Problem, falls Klaas-Jan Huntelaar mal ausfällt. Über die Torhüterverletzungsseuche und über die Stärken und Schwächen der drei Schalker Keeper. Über das Duo Papadopoulos / Matip, über den fehlende Platz für Benedikt Höwedes, über Heiko Westermann als Höwedes-Vorgänger, über Christoph Metzelders Rolle, über den Gesamteindruck und über Schalkes Champions League Gruppe.

Viel mehr gibt es in Bezug auf die erste Mannschaft des FC Schalke 04 meines Erachtens derzeit nicht zu bereden.


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(38:04 Min)
Webseite / mp3-Datei / Podcast-Feed

Klaas Reese schreibt regelmäßig bei Reeses Sportkultur. Außerdem betreibt er seit neuestem gemeinsam mit Jens Peters eine Blog- und Presseschau namens Fokus Fußball.

Wenig links, dichte Mitte und Jones

Gegen Augsburg spielte Schalke nicht gut und gewann trotzdem mit 3:1. Zwar zeigte sich Huub Stevens kreativ, aber weder das „Auflösen“ des linken Offensivspielers noch Jermaine Jones als „10er“ brachten spielerische Vorteile. Schalke entschied das Spiel durch eine Ecke und durch eine Einzelleistung.

Nach der langen Pause und nach dem guten Auftritt in Hannover war vor dem Anpfiff im Stadion die Lust auf Fußball zu spüren. Mit Beginn des Spiels kühlte diese Hitze von Minute zu Minute ab. Augsburg wusste wie verteidigen geht. Schalke blieb kaum Platz. Die Offensivspieler wurden teilweise in Manndeckung genommen. Schalkes Spiel war zu langsam. Sowohl die Spieler, die sich ohne Ball zu wenig bewegten, als auch der Ball selbst, der zu selten direkt und fast immer vorhersehbar gespielt wurde. Es gelang wenig bis nichts. Das Eckballtor zur Schalker Führung kam gerade rechtzeitig, bevor man ernsthaft darüber nachdenken musste, dass dieses Spiel einen blöden Ausgang haben könnte.

37 Sekunden nach Beginn der zweiten Hälfte war das Spiel entschieden. Neustädter eroberte den Ball, Farfan machte das Spiel schnell und als Augsburgs Langkamp an Jermaine Jones vorbeigrätschte hatte der plötzlich viel Platz. Eine grandiose Einzelleistung von Jones entschied letztlich das Spiel, zu einem Zeitpunkt, als noch nicht klar sein konnte, wie offensiv er in der ganzen zweiten Halbzeit auf dem Platz agieren würde.

Tatsächlich tauschte er nach der Pause mit Lewis Holtby die Rolle. Nun rückte Holtby bei gegnerischem Ballbesitz neben Roman Neustädter und Jermaine Jones blieb im offensiven Mittelfeld, in der ersten Halbzeit war es umgekehrt. Jones fand noch mal zum Abschluss, als er von der Strafraumgrenze den Außenpfosten traf. In Sachen Passspiel war er in dieser Position allerdings überfordert. Dort vorne fehlte ihm einige Male die Übersicht und er verlor Bälle. Da aber Lewis Holtby in der ersten Halbzeit quasi gar nicht zu sehen war, war Jones zweifelsohne in diesem Spiel der „bessere 10er“. Diese Variante wird mit Sicherheit trotzdem eine Ausnahme bleiben.

Nicht minder bemerkenswert war, dass Schalke in der ersten Halbzeit ohne linken Offensivspieler auftrat. Dabei ist doch grade das die neben dem Torhüterposten am meisten umkämpfte Position im Schalker Kader. Bei jedem eigenen Ballbesitz rückte Julian Draxler in die Mitte, Christian Fuchs ins Mittelfeld und Joel Matip wurde zum Linksverteidiger einer Dreierkette. Natürlich ist Christian Fuchs seit je her ein offensiv orientierter Linksverteidiger. Dass er allerdings so konsequent seinen Platz dort zugewiesen bekam, und Draxler nur bei gegnerischem Ballbesitz wirklich links agierte, war neu. Fuchs bekam Raum und Draxler schuf Überzahl in der Zentrale hinter Huntelaar, so offensichtlich die Idee. Besonders erfolgreich war diese Maßnahme aber nicht. Christian Fuchs stieß zu selten bis zur Grundlinie vor, Julian Draxler kam mit Augsburgs Manndeckung nicht klar. Aus der Überzahl in der Mitte konnte Schalke keinen Vorteil ziehen, eher stand man sich selbst im Weg.

Augsburg war kein schwacher Gegner und wurde etwas unter Wert geschlagen. Trotz massiver Defensivarbeit fand Augsburg immer wieder den Weg zum Tor, vor dem die Stürmer zum Glück konsequent versagten. Defensiv war Schalke zu leichtfertig, das wird Huub Stevens nicht gefallen haben. In der Offensive kam erst nach der 2:0 Führung eine gewisse Leichtigkeit auf, mit der die Aktionen spielerischer, flüssiger wurden. Zum Schluß fühlte es sich so locker an, wie man es sich zu Beginn bereits gewünscht hatte. Drei Tore, drei Punkte. Gut.