Wenig links, dichte Mitte und Jones

Gegen Augsburg spielte Schalke nicht gut und gewann trotzdem mit 3:1. Zwar zeigte sich Huub Stevens kreativ, aber weder das „Auflösen“ des linken Offensivspielers noch Jermaine Jones als „10er“ brachten spielerische Vorteile. Schalke entschied das Spiel durch eine Ecke und durch eine Einzelleistung.

Nach der langen Pause und nach dem guten Auftritt in Hannover war vor dem Anpfiff im Stadion die Lust auf Fußball zu spüren. Mit Beginn des Spiels kühlte diese Hitze von Minute zu Minute ab. Augsburg wusste wie verteidigen geht. Schalke blieb kaum Platz. Die Offensivspieler wurden teilweise in Manndeckung genommen. Schalkes Spiel war zu langsam. Sowohl die Spieler, die sich ohne Ball zu wenig bewegten, als auch der Ball selbst, der zu selten direkt und fast immer vorhersehbar gespielt wurde. Es gelang wenig bis nichts. Das Eckballtor zur Schalker Führung kam gerade rechtzeitig, bevor man ernsthaft darüber nachdenken musste, dass dieses Spiel einen blöden Ausgang haben könnte.

37 Sekunden nach Beginn der zweiten Hälfte war das Spiel entschieden. Neustädter eroberte den Ball, Farfan machte das Spiel schnell und als Augsburgs Langkamp an Jermaine Jones vorbeigrätschte hatte der plötzlich viel Platz. Eine grandiose Einzelleistung von Jones entschied letztlich das Spiel, zu einem Zeitpunkt, als noch nicht klar sein konnte, wie offensiv er in der ganzen zweiten Halbzeit auf dem Platz agieren würde.

Tatsächlich tauschte er nach der Pause mit Lewis Holtby die Rolle. Nun rückte Holtby bei gegnerischem Ballbesitz neben Roman Neustädter und Jermaine Jones blieb im offensiven Mittelfeld, in der ersten Halbzeit war es umgekehrt. Jones fand noch mal zum Abschluss, als er von der Strafraumgrenze den Außenpfosten traf. In Sachen Passspiel war er in dieser Position allerdings überfordert. Dort vorne fehlte ihm einige Male die Übersicht und er verlor Bälle. Da aber Lewis Holtby in der ersten Halbzeit quasi gar nicht zu sehen war, war Jones zweifelsohne in diesem Spiel der „bessere 10er“. Diese Variante wird mit Sicherheit trotzdem eine Ausnahme bleiben.

Nicht minder bemerkenswert war, dass Schalke in der ersten Halbzeit ohne linken Offensivspieler auftrat. Dabei ist doch grade das die neben dem Torhüterposten am meisten umkämpfte Position im Schalker Kader. Bei jedem eigenen Ballbesitz rückte Julian Draxler in die Mitte, Christian Fuchs ins Mittelfeld und Joel Matip wurde zum Linksverteidiger einer Dreierkette. Natürlich ist Christian Fuchs seit je her ein offensiv orientierter Linksverteidiger. Dass er allerdings so konsequent seinen Platz dort zugewiesen bekam, und Draxler nur bei gegnerischem Ballbesitz wirklich links agierte, war neu. Fuchs bekam Raum und Draxler schuf Überzahl in der Zentrale hinter Huntelaar, so offensichtlich die Idee. Besonders erfolgreich war diese Maßnahme aber nicht. Christian Fuchs stieß zu selten bis zur Grundlinie vor, Julian Draxler kam mit Augsburgs Manndeckung nicht klar. Aus der Überzahl in der Mitte konnte Schalke keinen Vorteil ziehen, eher stand man sich selbst im Weg.

Augsburg war kein schwacher Gegner und wurde etwas unter Wert geschlagen. Trotz massiver Defensivarbeit fand Augsburg immer wieder den Weg zum Tor, vor dem die Stürmer zum Glück konsequent versagten. Defensiv war Schalke zu leichtfertig, das wird Huub Stevens nicht gefallen haben. In der Offensive kam erst nach der 2:0 Führung eine gewisse Leichtigkeit auf, mit der die Aktionen spielerischer, flüssiger wurden. Zum Schluß fühlte es sich so locker an, wie man es sich zu Beginn bereits gewünscht hatte. Drei Tore, drei Punkte. Gut.



8 Kommentare zu “Wenig links, dichte Mitte und Jones”

  1. RainerEdelmann sagt:

    Ich möchte zu Jones widersprechen.
    In der ersten Halbzeit war Holtby in der Tat im Mittelfeld-Zentrum völlig isoliert, da Ottl und Baier hervorragend verschoben und sich abwechselnd liebevoll um Lewis kümmerten (wie auch das gesamte Augsburger Team bestens organisiert war).

    In der zweiten Halbzeit schob Jones nicht vor Holtby, sondern neben jenen – schon gab es Probleme bei der Übernahme im Augsburger Zentrum.
    Allerdings ermöglichte dies auch Augsburg ein schnelleres Umschalten aus dem Mittelfeld, oft mit einfachen Bällen in den Rücken der Schalker Abwehr, wo Fuchs und Uschida mehrfach überfordert wirkten.

  2. Heimpremiere geglückt | unter Flutlicht… sagt:

    […] Stimmen zum Spiel: Königsblog – Wenig links, dichte Mitte und Jones Schalkefan – Kein Schönheitspreis aber drei Punkte This entry was posted in Schalke, […]

  3. Matthias sagt:

    Das Eckballtor zur Schalker Führung kam gerade rechtzeitig, bevor man ernsthaft darüber nachdenken musste, dass dieses Spiel einen blöden Ausgang haben könnte.

    Schön geschrieben. Genau so war’s.

    Was deine Überlegung zur linken Offensivseite angeht: Ja, das könnte natürlich sein, dass es eine Vorgabe war, die linke Seite „aufzulösen“. Ich hab’s im Stadion eher so empfunden, als wäre der Spielaufbau erst sehr rechts- und mittelastig gewesen, woraufhin Draxler sich (als Konsequenz daraus) immer mehr in die Mitte ziehen ließ. Irgendwie wie Henne und Ei. Da muss ich noch einmal 11 Nächte drüber schlafen, bevor ich mir ein endgültges Urteil bilde.

  4. Die Blogschau für Montag, den 3.September 2012 | Fokus Fussball sagt:

    […] “Königsblog” wundert sich Torsten Wieland über die verwaiste linke Seite im Schalker […]

  5. Rolf sagt:

    Es zeigt sich, dass es gut ist mit Afellay eine weitere Alternative für das Mittelfeld zu haben. Es ist nicht davon auszugehen, dass Holtby seine neue Aufgabe so konstant leisten kann, wie man sich das wünscht. Anfänglich
    stand ich dem Transfer kritisch gegenüber, aber es macht Schalke weniger berechenbar.

  6. hoffedocS04 sagt:

    @Torsten

    Erstmal Freude und Dank, dass Du das Spiel kommentiert hast. Hatte mir gestern beim kurzen Reinschauen richtig gefehlt.

    Und es war auch wirklich GENAU so: als ich anfing, aufgrund des mäßigen Spiels das Schlimmste zu befürchten, kamen der Eckball und Papadopoulos´ Tor.

    Habe gestern die Bayern gesehen. Stuttgart hat lange auf Augenhöhe gespielt, ist dann in Führung gegangen, und als hätte das die Bestie geweckt, die dann nach mehrmaligem Zuschnappen wieder einschlief,gab´s die Tore – ratzfatz – und dann verflachte das Spiel wieder.
    Eine grausame Effektivität. Kein gutes Spiel.
    Also auf Schalke am Besten das Siegtor in der 90. Minute, mit der Bestie spielen….

  7. Schalke weiter planlos sagt:

    […] planlos da wie im Dezember. Auch während des „Rekord-Saisonstarts“ spielte Schalke gegen Augsburg, Fürth oder Mainz nicht wirklich gut, sondern „nur“ erfolgreich. Um diese Mannschaft […]

  8. Die Presse- & Blogschau für Montag, den 4.2.2013 | Fokus Fussball sagt:

    […] während des „Rekord-Saisonstarts“ spielte Schalke gegen Augsburg, Fürth oder Mainz nicht wirklich gut, sondern „nur“ erfolgreich. Um diese Mannschaft […]

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