Artikel im Oktober 2012

Gewonnen

Ich habe mich geschont. Für den gestrigen Tag standen viele Termine in meinem Kalender. Mit dem entsprechenden Aufwand hätte ich diese verschieben und den Stadionbesuch einrichten können. Für ein Champions League-Spiel gegen Arsenal hätte ich es sicher getan. Gegen den SV Sandhausen gab ich mir aber eine Pause und anderen Zuschauern die Einsatzzeiten. Ich habe schließlich in dieser Saison schon so viele Spiel auf dem Puckel.

Via Sky statt vor Ort und mit Altenmünster Weißbier statt Veltins verfolgte ich das Spiel aber natürlich trotzdem. Ich sah das schicke Tor von Ciprigol Marica und erinnerte mich daran, dass Klaas-Jan Huntelaar in der Eredivisie der Bicycle Kick-King war, an ein Fallrückzieher-Tor von ihm für Schalke erinnerte ich mich aber nicht. Ich sah einen gut aufgelegten Julian Draxler, Schalker die spielen wollten und das auch über weite Strecken taten. Ich sah allerdings auch Nachlässigkeit, in der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit, aber der SV Sandhausen war, bei allem Respekt, einfach nicht gut genug, um daraus Kapital schlagen zu können.

Ein Pflichtsieg im Pflichtspiel gegen einen Zweitligisten. Nicht schlecht. Kein überstrahlender Glanz. Gewonnen eben, souverän, nicht glücklich, nicht blamiert. Mehr als das und den daraus resultierenden Einzug in die nächste Runde kann ein Erstligist in dieser Konstellation eigentlich nicht erreichen.

Sandhausens Pokalgeschichte

… ist mit diesen 5 Minuten und 49 Sekunden selbstverständlich nicht komplett abgehandelt. Der erzählenswerteste Teil aber schon. Hässliche Trikots, komische Frisuren, 1995 – und viele Elfmeter.
Sehr viele.




via Der Libero
Link: Die Geschichte des SV Sandhausen

Erfolg im Kirschenspiel

Schalke 04 gewinnt mit 1:0 gegen den 1. FC Nürnberg, rückt damit auf Platz 2 vor und liegt nur noch vier Punkte hinter dem Tabellenführer. Womit gleich im ersten Satz das Grund-zur-Freude-Verhältnis angesprochen ist. Die jetzige Situation als solche sorgt für viel mehr Spaß als es das Spiel gegen den Club vermochte.

Dieter Hecking schickte seine Mannschaft sehr defensiv auf den Platz. Nürnberg gelang es, Schalkes Offensive lahmzulegen. Nürnberg zog sich weit zurück, bot Schalke keine Räume, stand stets jeder Anspielstation auf den Füßen und bot den Blauen einen Test, in dem diese sich keine guten Noten verdienten.

Schalke war unpräzise und zu langsam. Sich durch das Abwehrdickicht zu spielen hätte Kurzpassstafetten gebraucht, aber spätestens der dritte Pass ging nicht mehr in des Mitspielers Fuß. Gegen derart kompakt auftretende Nürnberger stach nicht mal individuelle Klasse. Ibrahim Afellay war der fleißigste Schalker, versuchte es links, zentral, rechts, war immer in Bewegung, lief sich stets frei. Aber mit seinem häufigen Einrücken machte er die engen Räume noch enger und nahm Lewis Holtby die Luft. Was in anderen Spielen funktionierte, half gegen Nürnberg nicht.

Schalke kam (wie eigentlich auch Nürnberg) hauptsächlich dann zu Chancen, wenn der Gegner im Aufbau selbst patzte. Wie eben auch in der 77. Minute, als sich Nürnbergs Innenverteidiger ins „offene Mittelfeld“ vorwagte und gleich von drei Schalkern gestellt wurde. Als er sich wieder im eigenen Strafraum orientierte, flog der Ball grade an ihm vorbei, zu Jefferson Farfán.

Ein bisschen glücklich war es schon, und für Dieter Hecking entsprechend ärgerlich, dass eine der wenigen Chancen doch noch rein ging. Aber so ist das nun mal, Schalke mühte sich, versuchte das Spiel zu machen, hatte es gegen eine Mannschaft, die sicherlich auch mit einem Unentschieden zufrieden gewesen wäre, entsprechend schwer. Und doch nutzte Schalke eben eine Chance, ohne sich völlig zu öffnen und Nürnberg auch noch einen Lucky Punch zu ermöglichen. Es mag als Phrase gelten, aber wer oben stehen will, muss auch mal schlechtere Spiele irgendwie gewinnen, denn stets gut zu spielen schafft kein Team.

Und so steht Schalke nun also bestens da! Die Siege gegen Dortmund und Arsenal gaben Selbstbewusstsein, der Sieg gegen Nürnberg war die „Mache es wie ein Favorit“-Kirsche auf dem Kuchen. Aktuell ist Schalke in allen Wettbewerben bestens dabei, überall kann man sich ambitionierten Zielen stellen, immer geht es um was, das macht Laune. Und das alles obwohl Klaas-Jan Huntelaar nicht mal gut drauf ist. Man stelle sich mal vor, der trifft wieder so sicher wie letzte Saison …



Foto: Arijit Saha

Favoritensieg

Schalke gewinnt in London gegen den FC Arsenal mit 2:0, und was vor Wochen historisch anmutete war am Ende fast normal.

In Europa ist Schalke zwar meistens dabei, aber noch nicht immer mittendrin. Irgendwann während des Spiels erwähnte Marcel Reif die Statistik, dass Arsenal seit soundso vielen Jahren kein Champions League-Gruppenheimspiel verloren hätte. Das passte zum Gefühl nach der Auslosung dieser Gruppe: Arsenal ist der Favorit, Piräus und Montpellier sind sicher auch gut, aber Schalke kann schon weiterkommen. Das passte aber überhaupt nicht zum Geschehen auf dem Rasen. Denn Arsenal bot eine sehr durchschnittliche Offensiv- und eine ziemlich schwache Defensivleistung, während Schalke konzentriert zu Werke ging und fast über die gesamte Spielzeit als die reifere Mannschaft erschien.

Spätestens ab der Halbzeit wäre ich mit einem Unentschieden nicht mehr zufrieden gewesen. In den ersten 45 Minuten hatte Arsenal zwar den Hauptanteil des Ballbesitzes, Schalke aber wusste das Geschehen zu kontrollieren. Es wurde rechtzeitig attackiert, es wurden Bälle erobert, Arsenal kam kaum mal bis zum Strafraum durch. Umgekehrt hatten Ibrahim Afellay auf dem linken und Jefferson Farfán auf dem rechten Flügel unfassbar viel Platz. Aber Schalke traute sich insgesamt noch zu wenig zu, rückte nicht weit genug auf, war immer in Alarm- statt in Angriffsbereitschaft.

Das war in der zweiten Halbzeit anders. Nun begann Schalke zu agieren, behielt den Ball, versuchte Angriffe zu initiieren. Weiter stets über Außen, bis zuletzt verstand es Arsenal nicht, diese Schwachstelle auszubessern. Defensiv hatte Schalke den Gegner trotzdem weiterhin im Griff, und so wurde es nur eine Frage der Chancenverwertung. Zum Glück klappte es.

Der Jones für Höger-Wechsel ist meiner Ansicht nach misslungen. Sicher, Marco Höger war gelbbelastet, aber er machte ein gutes Spiel. Jones hatte in der zweiten Hälfte gleich drei schlechte Szenen. Direkt zwei Minuten nach Wiederanpfiff kurvte Arsenal um ihn herum und kam zum Abschluss. Und zweimal sah er schlecht aus, als er den in die Offensive aufgerückten Uchida rechts hinten vertreten musste. Zwar gab es in der entscheidenden Szene keinen Strafstoß, aber auf dem Weg in den Strafraum lies er sich allzu leicht ausspielen.

Beim Barnetta für Holtby-Wechsel hätte ich erwartet, dass Ibrahim Afellay in die Zentrale rückt und Tranquillo Barnetta den Flügel bespielt. Stattdessen übernahm Barnetta aber Holtbys Position. Hat er das auch schon in Leverkusen gespielt? Ich habe das nie gesehen. Hat er zentral für Schalke schon mal geglänzt? Mit ist das nicht aufgefallen. Bislang ist von der von Huub Stevens angekündigten, positionsbezogenen Flexibilität Afellays jedenfalls nichts zu sehen. Ibrahim Afellay spielt links, mit der Freiheit in die Zentrale zu rücken; und sonst nichts.

Am Ende war es keine Sensation, sondern ein durch den Spielverlauf gerechtfertigter Sieg des FC Schalke 04. Weiterhin erlangte man die Erkenntnis, dass keine Mannschaft in dieser Champions League-Gruppe tatsächlich besser als die eigene ist. Schalke hat das Zeug dazu, sich den Sieg der CL-Gruppe B zu sichern. Ma’kucken, was sich Arsène Wenger in den zwei Wochen bis zum Rückspiel einfallen lässt.



Foto: jpellgen

Spass inne Backen: Derbysieg!

Schalke gewinnt das Derby in Dortmund mit 2:1 und es ist, als dürfe erstmals seit Februar 2010 wieder die Luft aus den ständig aufgeblasenen Backen (sic!). Damals siegte Schalke mit viel Kampf und Härte, in den folgenden vier Begegnungen war Dortmund dreimal klar die bessere Mannschaft und einmal verlor Schalke eine ausgeglichene Partie unglücklich. Der Schalker Sieg an diesem Samstag war verdient. Das fühlt sich gut an.

Schalke spielte gut, Dortmund nicht. Viele Artikel zum Spiel benennen Jürgen Klopps Umstellung auf eine 3er-Abwehrkette als spielentscheidenden Fehler. Ich denke das greift zu kurz. In akuter Personalnot suchte Klopp nach einem Mittel, Schalkes vermeintlich beste Offensivwaffe, die Außenstürmer, in den Griff zu bekommen. Ein nachvollziehbarer Zug, der misslang. Weil die Borussen die Abstände zueinander immer wieder zu groß werden ließen, was Schalke viel Platz eröffnete, grade in der Mitte, wo Holtby, Höger und der einrückende Afellay sehr ballsicher agierten. Das mag am ungewohnten System gelegen haben, tatsächlich wussten die Dortmunder aber grade im defensiven Mittelfeld auch nicht besser zu stehen, als Klopp Mitte der ersten Halbzeit auf Viererkette umstellte. Dortmund fehlte an diesem Tag mehr als nur die richtige Formation.

Schalke war im Mittelfeld schneller und ballsicherer. Schneller auch im Kopf, die Situationen besser erfassend. Fleißiger, häufig mit Überzahl in Ballnähe, und eben auch spielstark. Marco Höger machte ein tolles Spiel, defensiv wie offensiv. Bei Roman Neustädter ist man geneigt „so stark wie immer“ zu schreiben, er erhält, gemessen an seinen Leistungen, meines Erachtens viel zu wenig Aufmerksamkeit. Ibrahim Afellay, Lewis Holtby und Jefferson Farfán versprühten ab und an Spielfreude. Klaas-Jan Huntelaar absolvierte die gewohnten weiten Wege, vergab seine große Chance in der Nachspielzeit kläglich, war aber auch am tollen 2:0 beteiligt. Mir fiele kaum noch was Negatives ein, hätte die Mannschaft nur ein bisschen mehr Zielstrebigkeit an den Tag gelegt.
Ich denke, Schalke hätte dieses Spiel schon in der ersten Halbzeit entscheiden können. Doch nach der 1:0 Führung wollte man „kontrollieren“, man schob den Ball im defensiven Mittelfeld hin und her, war auf Ballbesitz aus, statt die Überlegenheit im Mittelfeld zum Kreieren weiterer Chancen zu nutzen.

Aber diesmal geriet Schalke nach dem Anschlusstreffer zum 1: 2 nicht ins schwimmen. Man blieb weiter weitestgehend Herr der Lage, auch weil diese Borussia derzeit einen sehr auf Marco Reus bezogenen, eindimensionalen Fußball spielt. Schalkes Defensive stand vor allem in der Zentrale sehr eng gestaffelt. Im Dreieck zwischen Joel Matip, Benni Höwedes und Roman Neustädter blieb für Marco Reus wenig Platz. Mehr fiel Dortmund nicht ein.

Schalke war flexibler, vielschichtiger. Alles in allem besser, und mit der notwendigen Intensität am Werk. Nach dem Pffffft darf nun durchgeatmet werden. Und dann geht’s gegen Arsenal.

7 Tage offline

Nicht bloggen, nicht mal andere Blogs lesen. Kein Twitter, kein Facebook. Kein Google. Keine Termine ins Smartphone tippen und flott synchronisieren. Keine Datenbanken, keine Mediatheken, Musik von CD oder aus dem Radio, das dann aber auch via Antenne.
Notizen auf Zettel statt in Evernote. Keine Fotos irgendwo präsentieren. Ob’s den Regenschirm braucht aus der Zeitung erfahren, nicht durch Siri oder Alice. Überhaupt: Zeitung statt Feeds, Buch lesen statt surfen.

Klingt alles nicht besonders, unspektakulär. Für jemanden wie mich, um dessen Alltag sich mit der Zeit das Netz gelegt hat, der dies in sein Leben integriert hat, ist es aber doch ein Bruch. Eine Art Fasten.

In einer Woche stöpsel ich mich dann wieder ein. Den nächsten Blogbeitrag wird es hier nach dem Derby zu lesen geben. Und wie meistens zu solchen und ähnlichen Pausen möchte ich die Gelegenheit nutzen: Danke! Danke fürs lesen, fürs Kommentieren. Fürs mitmachen eben. Ihr alle seid – wir sind – das Königsblog, und so macht es mir nach wie vor Spaß.

Ich bin dann mal off.



Foto: Nigel Marshall

Respektlose Instrumentalisierung

Im Heimspiel des FC Schalke 04 gegen den FSV Mainz 05 gab es Pfiffe gegen die eigene Mannschaft und insbesondere gegen Lars Unnerstall. Horst Heldt zeigte sich darüber enttäuscht, Huub Stevens ging gar zum Gegenangriff über, bezichtigte Zuschauer der Ahnungslosigkeit. Einig waren sich beide darin, die Nordkurve von ihrer Kritik auszunehmen. Diese hätten die Mannschaft unterstützt.

Zwei Heimspiele später prangte nun dieses Spruchband an der Bande des Oberrangs der Nordkurve.



Horst Heldt und Huub Stevens kann ich ihr Verhören nicht übel nehmen, ich selbst hatte auch Probleme beim Orten der Pfiffe. In der Nordkurve selbst hat man aber sehr wohl mitbekommen, dass die Pfiffe auch von den „billigen Plätzen“ kamen, wie Matthias in der Weide noch am gleichen Abend bei Twitter unmissverständlich klarstellte:

15.000 Nordkurven-Arschlöcher pfeifen Unnerstall aus. Ich fasse es nicht. Ich schäme mich für mein Schalke.

Und weiter …

Um die 65 Minute herum, als das Schalker Spiel vollends erlahmt war und nur noch hintenrum lief, regte sich in der Nordkurve Unmut. Dieser richtete sich in erster Linie gegen die passive Spielweise des Teams. Jeder Rückpass wurde mit Pfiffen bedacht. Nach ein paar Minuten hatte sich der Oberrang der Nordkurve einen Schuldigen ausgekuckt: Unnerstall. Alle Aktionen von ihm wurden ausgepfiffen. Höhepunkt war, als auch der Stehplatzbereich beim Stand von 2:0(!) pfiff, als Höwedes einen dummen Rückpass spielte, den Lars Unnerstall ins Aus drosch.

Ich denke, dass das auch die Plakatmaler zumindest in Ansätzen mitbekommen haben müsste.

Das Plakat instrumentalisiert den Vorfall der Pfiffe, um gegen die Kartenpreispolitik des Vereins vorzugehen. Unlauter, da die Angelegenheit offensichtlich wissentlich falsch dargestellt wird, allerdings aus meiner Sicht für die gute Sache, da ich die Preispolitik ebenfalls für verwerflich halte. Was mir aber gegen den Strich geht und weshalb ich das Spruchband letzten Endes daneben finde ist, dass damit wieder erst pauschalisiert, und dann in gute und schlechte Schalker gespalten wird.

Wie schon Horst Heldt und Huub Stevens zwischen „Ahnungslosen“ und Nordkurve unterschied, zeigen auch die Macher des Spruchbandes mit Verachtung auf die „teuren Plätze“. Die teuren Plätze, die von Peter Peters dazu gemacht wurden, auf denen zu einem sehr großen Teil seit Jahren die gleichen Dauerkarten-Inhaber sitzen, kriegen es gerne ab, denn die vermeintlich „treuen Fans“, mit denen es sich Heldt & Co. nicht verscherzen wollen, weil das mediale Echo zu groß wäre, finden sich hinter dem Tor, und aus der Hintertorsicht sind die teuren Plätze die Anderen.

Nein. „Arschlöcher“ gibt es in allen Preiskategorien, ebenso wie „treue Fans“. „Eventfans“ werden vielleicht zu „Dauerfans“, und selbst wenn es welche gibt, denen das Drumherum wichtiger ist als das Spiel, ist der Gedanke, dass ausgerechnet diese Leute nur aus Spaß den Torwart auspfeifen, doch etwas krude. Wenn jemand sagt, dass er das Auspfeifen der eigenen Mannschaft als respektlos erachtet, kann ich damit was anfangen. Meines Erachtens fehlt es aber auch unter den vielen verschiedenen Fans, den vielen verschiedenen Schalkern, an gegenseitigem Respekt.



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