88 Minuten Kontrolle

Schalke 04 gewinnt 3:0 gegen den VfL Wolfsburg. Dabei war Wolfsburg schwach und Schalke zunächst kontrolliert, später noch besser.

Ich denke die erste Halbzeit wird neutralen Zuschauern nicht gefallen haben. Zu Beginn zeigte sich Wolfsburg bemüht, konnte sich aber nicht entscheidend durchsetzen. Schalke versuchte vor allem die Kontrolle zu wahren. Defensiv stand man gut, offensiv fehlte es an Überraschendem. Ohne sich zu sehr zu öffnen reichte das Tempo nicht aus, um sich gegen noch gut organisierte Wolfsburger entscheidende Vorteile verschaffen zu können. So hatte Schalke zwar viel Ballbesitz, aber Torchancen gab es auf beiden Seiten kaum. Die erste echte wusste Farfàn nach toller Fuchs-Flanke zu nutzen.

Mit dem 2:0 kurz nach der Pause durch Ibrahim Afellay wurde es ein gutes Spiel von Schalke 04. Im Gegensatz zu den letzten Partien wahrte das Mittelfeld weiterhin die Kontrolle, erzielte weiterhin viele Ballgewinne. Diesmal wurde schnell in die Lücken der gegnerischen Reihen gespielt, die sich ergaben, weil Wolfsburg bei diesem Rückstand aufrücken musste. Gegen einen guten Gegner wäre es ein Mittelfeldkampf mit gelegentlichen, schnellen Gegenzügen geworden. Gegen Wolfsburg wurde es geradezu ein Sturmlauf, eben weil viele Balleroberungen gelangen und weil sich viele Räume auftaten. So erspielte sich Schalke Chancen zuhauf, während man das gegnerische Wirken weiterhin auf ein Minimum reduzierte. In dem ganzen Spiel hatte Wolfsburg nur eine echte Torchance, durch Lakic, zwei Minuten vor Schluss, welche durch Lars Unnerstall vereitelt werden konnte.

In der Südkurve sitzend, durfte ich in der ersten Halbzeit vor meiner Nase einmal mehr das Stellungsspiel Joel Matips bewundern. Matip gewinnt Bälle bevor es zu Zweikämpfen kommt, weil er entstehende Situationen frühzeitig antizipiert. Wenn er ins Aus rollende Bälle mit seinem Körper abschirmt, bewegt er sich wie Barack Obama im Oval Office auf dem Weg zum Rednerpult. Matip lässt das Schwierige unspektakulär aussehen. Zumindest die erste Halbzeit von ihm war großartig.

In der zweiten habe ich nicht mehr so sehr auf Matip geachtet, da hatte ich Schalkes Offensive vor meinem Sitz. In dieser Hälfte wusste mich vor allem Lewis Holtby zu überzeugen. Er bestimmte das Spiel, entschied, ob der Ball gehalten oder schnell gespielt wurde. Er fand die Lücken in Wolfsburgs Abwehrreihe und setzte seine Mitspieler in Szene; am häufigsten Jefferson Farfán, aber auch Ibrahim Afellay kam endlich mal auf Touren.

Ein Spiel, das am Ende auch 5:0 oder noch höher hätte enden können. Das man allerdings auch nicht zu hoch hängen sollte, da Wolfsburg wahrlich keinen guten Eindruck machte. Ein souveräner Sieg, ein souveränes Spiel, das gegen einen solchen Gegner eben so zu spielen ist.



6 Kommentare zu “88 Minuten Kontrolle”

  1. Maddin sagt:

    Da gibt es mal nix, aber auch gar nix zu meckern heute!! Meine Fresse, wer hat dem Uschi denn in den letzten 2 Tagen das Grätschen beigebracht? Und Farfan hat heute einmal mehr bewiesen dass er unersetzbar ist. Erstes Tor für Affelay und ne Riesen Parade von Unnerstall zum Ende der Partie. So schnell können auf Schalke wieder alle Augen leuchten.

    P.S.: Wolfsburg war sowas von erschreckend harmlos, das wird nix mehr in dieser Saison bei denen.

  2. elbdeichrutscher sagt:

    Jemand muss der Mannschaft wohl Torstens Kritik vorgelesen haben…Holtby war spielstark und hat nicht verzögert…Unnerstall hatte wenigstens kurz vor Schluss seine Flugshow…Super Zug zum Tor von Affelay…nicht aufgehört, zu Spielen.
    Zwischenzeitlich stellte die Statistik 71% Ballbesitz für die Blauen fest, was den Sky Kommentator zu einem (wenn auch gleich relativierten) Vergleich motivierte, solche Zahlen kenne er nur von Barca

    Allerdings hat Maddin mit dem PS so recht…also, nicht zu euphorisch werden, aber freuen darf man sich!

  3. Roman sagt:

    Hätte die Mannschaft gegen Montpellier auch nur ansatzweise so WEITERgespielt wie Schalke es in der zweiten Hälfte gegen Wolfsburg gezeigt hat, hätte es keine Pfiffe und somit auch keine Diskussion gegeben.

  4. Lisa sagt:

    genau roman, du sprichst mir nun wirklich aus der seele. wenn das wörtchen „hätte“ nicht wäre…

  5. Die Blogschau für Montag, den 8.Oktober 2012 | Fokus Fussball sagt:

    […] Torsten Wieland hat ein besonderes Auge auf Joel Matip geworfen. “Er lässt das Schwierige unspektakulär aussehen”, so der Königsblogger. […]

  6. blues sagt:

    @Torsten
    Matip sehe ich auch so. Der „Reviersport“ vermisste wohl den Körpereinsatz unseres griechischen Helden und sieht das deshalb ganz anders: Note 4 für Matip. Wohl eine Form von „antiker“ Wahrnehmungsstörung. Dann war da noch ein Abschlag von Lars Unnerstall bis fast zur Eckfahne vor der Südkurve mit dem nicht mal Afellay rechnete und ihn deshalb verpasste, das Feuerwerk das Uchida und Farfan auf unsrer rechten Seite abbrannten, den Spass den Holtby hatte und die 60 Minuten Freude die ich mit Schalke hatte und mit nach Hause nahm. Mal ganz egal, ob Wolfsburg so schwach oder Schalke so stark war.

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