Ein komisches Spiel

Welch ein intensives Spiel! Schalke erreicht nach einem 0:2 Rückstand gegen den FC Arsenal noch ein 2:2 Unentschieden und bot dabei Leistung von großartig bis gruselig. Am Ende gab es jubelnde und enttäuschte Schalker, verärgerte und zufriedene; und alle hatten irgendwie recht.

Was Schalke in der ersten Viertelstunde bot war fantastisch. Wie man Ball und Gegner laufen ließ, wie man spielerisch aus engen Situationen herauskombinierte, das war echte Champions League, das war zum Staunen. Und trotzdem warf man sich kurz drauf selbst wieder Knüppel zwischen die Beine.

Das erste Gegentor war Slapstick pur. Neustädter, der den Ball rückwärts in den Lauf des Gegners köpfte, Höwedes, der sich selbst unbeweglich grätschte und dann seinen Torwart behinderte, Unnerstall, der sich erst zu keinem Rauslaufen durchringen konnte und dann um Höwedes herumkurven musste, was ihn gegen Walcott zu spät kommen lies … Selbstverschuldeter geht’s nicht.

Dieses Ding traf Schalke ins Mark. Das zweite Gegentor und die Leistung in der folgenden halben Stunde waren Produkte des Schocks. Das Selbstvertrauen war wie weggeblasen. Fehlpässe reihten sich aneinander, plötzlich war alles unsicher und wackelig. Doch der Huntelaar-Treffer kurz vor dem Pausenpfiff, fast wie aus dem Nichts, gab Hoffnung. Und tatsächlich spielte Schalke in der zweiten Halbzeit wieder besser.

In dieser zweiten Halbzeit war nicht alles toll, aber Schalke machte Druck, blieb dran und drängte auf den Ausgleich. Die Kraft, mit der zu Werke gegangen wurde, war beeindruckend. Das Verhältnis Aufwand zu Ertrag war erschreckend.
Schalke spielt viel und gut, im Sinne des Wortes, aber Schalke spielt nicht mehr unbedingt zu Gunsten Huntelaars – und das gilt allgemein für die letzten Spiele. Farfan, Holtby und Afellay sind viel unterwegs, machen und tun, bekommen den Knicker aber zu selten auf des Mittelstürmers Fuß. Ja, Klaas-Jan Huntelaar lässt derzeit beste Chancen ungenutzt. Das ist schade, ändert aber nichts an seinen Eigenschaften als Stürmer. Will man diesen Spieler nutzen, muss man ihn im Strafraum in Ballbesitz bringen. Als „Mitspieler“ 30 Meter vor dem Tor sind die Qualitäten Klaas-Jan Huntelaars verschenkt.

Also schoss Jefferson Farfán nach dem gefühlten 163. Angriff endlich den Ausgleich, und prompt hoffte ich auf den Sieg. Ich bekenne, ich bin ein „Weiter! Weiter!“-Typ. Über Leute, die nach dem Hoffenheim-Spiel sagten, man hätte auch mal mit einem Unentschieden zufrieden sein müssen, kann ich nur den Kopf schütteln. Aber offensichtlich wollte die Mannschaft gegen Arsenal jenen Nachherbesserwissern genügen. Man war am Drücker, gab es aber auf. Schalke zog sich zurück, griff nur noch deutlich verhaltener an. Es gab noch Chancen, aber der Druck war weg. Dass sich mit solch verhaltenem Spiel trotzdem keine defensive Sicherheit erkaufen lässt, bewies Theo Walcotts Großchance in der 95. Minute.

Einen Zweitorerückstand aufzuholen ist toll, keine Frage. So richtig gelöst freuen konnte ich mich nach dem Abpfiff aber trotzdem nicht. Das Unentschieden mag „gerecht“ sein, aber Gerechtigkeit juckt mich wenig, wenn Schalke hätte gewinnen können; und meines Erachtens wäre das möglich gewesen. Arsenal ist mittlerweile – oder zumindest derzeit – mehr Name denn Klasse. Im Vergleich war Schalke die bessere Mannschaft. Fürs Achtelfinale qualifiziert ist man trotzdem noch nicht. Schade.



Foto: David Flores



35 Kommentare zu “Ein komisches Spiel”

  1. Maddin sagt:

    So, gerade wieder aus der Donnerhalle heimgekehrt und aufgewärmt. Zeit für ein kurzes Resume:

    – heute Abend hat sich jeder Euro für das Ticket gelohnt. Welch ein phantastischer Fussballabend! Ergebniss unabhängig war das einfach ein Spiel wie es sein soll: spannend, chancen- & torreich, schnell und offen.

    – unsere Mannschaft hat in den letzten Monaten definitiv eine positive Entwicklung genommen. Auch wenn im entscheidenden Moment der vielgerühmte „tödliche Pass“ noch fehlt und zuviel über die Aussen kommt, so ist unser Offensivspiel schon definitiv auf dem richtigen Weg.

    – Höwedes dreht seit Wochen richtig auf.

    – Matip braucht hingegen dringend eine Pause. Ausgerechnet sein vormals überragendes Stellungsspiel ist zur Zeit der Knackpunkt für gegnerische Konter.

    – Beim Hunter nix neues: auch wenn er 2 100%ige liegenliess, so war sein Tor doch die wichtige Initialzündung.

    – Farfan ist fast beängstigend konstant überragend und für mich auf einem Level mit einem Ribéry.

    – ich würd gern anderes behaupten, aber Lars Unnerstall ist kein Nummer 1 Keeper. Von individuellen Fehlern einmal abgesehen: er kommuniziert nicht mit seinen Vorderleuten, ergibt sich zu einfach in sein Schicksal und hat einfach nicht die Persönlichkeit in die beschissen großen Fußstapfen zu treten.

    – Huub Stevens ist ein Segen für Schalke und ich hoffe inständig, dass er nich mindestens ein Jahr bleibt.

    – Schalke wird nie langweilig.

    – Holtby geht.

    – Huntelaar bleibt.

    Alles wird gut.

  2. scrotus sagt:

    Ich muss zugeben das ich auch ein „Weiter! Weiter!-Typ“ bin. Aber genau aus diesem Grund wäre ich wohl auch kein besonders guter Trainer…In manchen Situationen muss man sich mit einem Punkt auch mal zufrieden geben!

  3. Torsten sagt:

    @scrotus:

    In welchen? Und warum?

    @Maddin:

    Bezüglich Lars Unnerstall bin ich ganz bei Dir.
    Was bringt Dich zu den Aussagen bezüglich Holtby und Huntelaar?

  4. Detlef sagt:

    Wer sagt, dass das Ergebnis gerecht war?
    Arsenal war wenig bis gar nicht zu sehen zu Beginn und bekommt 2 Tore quasi geschenkt und dadurch auch Sicherheit.
    Für mich blieb Schalke trotzdem das ganze Spiel bestimmend, mit kurzen Ausnahmen. Und wenn man dann noch den Rückstand aufholt und weitere Chancen hat, dann hätte man auch den Sieg verdient gehabt, weil man besser war.

    Einzelkritik spare ich mir lieber ;-)

    Weiß jemand wie es um Höger und Uschi steht? Eine RV für´s Wochenende wäre schon toll und Bene sehe ich lieber in der Zentrale.

    Zu Lars nur so viel. Er stand beim letzten Angriff von Arsenal richtig. Nicht mehr und nicht weniger.

  5. Matthias sagt:

    Sehr schöne Zusammenfassung, Torsten. Chapeau! Auch wenn ich selbst so ein „Weiter, weiter“-Typ bin und deshalb auch die Niederlage in Hoffenheim einzuordnen wusste, war ich gestern doch zufrieden, dass Schalke nach dem extrem Kräfte zehrenden Run auf das 2:2 einen Gang zurückschaltete. Ärgerlich ist nur, dass Holtby Sekunden nach dem 2:2 das 3:2 vergibt. Dann wäre die Halle gestern vollends explodiert.

  6. DeepBlue sagt:

    Innerhalb der von Torsten genannten Gruppe gehöre ich dann doch zu den Zufriedenen. So schmerzhaft vor allem die Art und Weise war, zunächst einmal 2 Tore in Rückstand zu geraten, so beeindruckend fand dich die blau-weisse-Aufholjagd.

    Hier ist meiner Meinung eine deutliche Entwicklung der Mannschaft zu sehen. Die Ruhe, mit der man die beiden Tore weggesteckt hat, die Klarheit, mt der man weiter „sein“ Spiel machte, fand ich bemerkenswert.

    Klar hatte ich auch noch auf das alles entscheidende 3 Tor der Knappen gehofft, zumal es bei den Chancen und dem möglichen Handelfmeter auch verdient gewesen wäre – letztendlich hat mich die Mannschaftsleistung aber überzeugt.

    Die Frage ist also nicht: Warum haben wir nicht gewonnen? sonderen eher „Warum mussten wir zwei Toren hinterherlaufen?“

  7. Maddin sagt:

    Holtby gab gestern nach dem Spiel ein Interview mit dem Satz in „dieser Saison“ sei er königsblau. Er möchte unbedingt nach England, lieber heute als morgen. Dies sind zwar keine Fakten, aber es hört sich alles danach an. Beim Hunter sieht es da etwas anders aus. Er will dauerhaft CL und um Titel spielen, von den bisherigen Interessenten kann Schalke am ehesten diese Voraussetzungen bieten.

  8. DanielKu sagt:

    @Maddin: Mit dem Szenario könnte ich leben, man müsste nämlich nur eine, zugegebenermassen sehr gut besetzte, Schlüsselposition ersetzen. Das kann eventuell Julian Draxler leisten! Schön wäre es natürlich auch, könnte man Afellay noch etwas länger behalten(dürfen)! Aber das dürfte utopisch sein, wenn der uns gegen Barca mit zwei Toren ins Finale gegen die Zecken schiesst! ;-)
    Zum Spiel: Riesen Reaktion der Schalker und ich mag garnicht dran denken, wenn der Offensivknoten mal platzt und wir endlich eine, für die Anzahl an Grosschancen, normale Quote an Toren schiessen?!

  9. werna sagt:

    Die Aussage von Holtby war „Es ist ja bekannt, dass ich für die Premier League schwärme und es mein Traum ist, dort einmal zu spielen.“

    „Einmal“ ist nicht unbedingt „jetzt“ und „spielen“ was anderes als „auf der Bank zu sitzen“.
    Natürlich ist es bei dem Wunsch sinnvoll, englische Vereine mit solchen öffentlichen Sprüchen auf sich aufmerksam zu machen.
    Aber Holtby ist erst 22 und im Moment scheint die Premier League (noch) nicht unbedingt Schlange zu stehen, um ihn abzuwerben.
    Bei Schalke bekommt er Spielerfahrung und kann englische Vereine direkt in CL-Auftritten beeindrucken, bis sie ihn *wirklich* wollen.

  10. Torsten sagt:

    Uchida hat einen Muskelfaserriss, Höger eine Verletzung der rechten Syndesmose. Wie ich gestern via Twitter schon kurz bemerkte, zwei Verletzungen, die Joel Matip den Platz in der Startaufstellung gegen Bremen retten und Bene Höwedes den IV-Posten klauen.

  11. Erle72 sagt:

    Wieso wir mit nur einem ausgewiesenen rechten Verteidiger in die Saison gegangen sind, da Hoogland verliehen wurde, war von Anfang an ein Rätsel. Denn Höger und Bene spielen anderswo stärker.
    Ob Kolasniac oder Barnetta rechts hinten spielen können?
    Denn Höwedes wieder nach außen zu beordern hat er nicht verdient.

  12. matz sagt:

    wie schon im Hoffenheim-Beitrag kommentiert: Torwart und Rechtsverteidiger sind die Transfer-Baustellen der nächsten Saison. Holtby wäre nicht schlimm, Jurado kommt ja zurück :-)
    Höwedes auf rechts wäre nicht nur für ihn unverdient, es wäre auch für die Mannschaft nicht hilfreich.

  13. RWDJojo sagt:

    Gegen Hoffenheim war ich zufrieden, dass Schalke noch den Dreier wollte. Denn ein Punkt mehr oder weniger in der Bundesliga spielt zum jetztigen Zeitpunkt keine so große Rolle. In der CL sieht das dann schon anders aus. Mit dem Punktgewinn konnte man Arsenal auf Distanz halten (die haben ja auch nur einen Punkt bekommen)und man ist weiterhin in einer aussichtsreichen Position das Achtelfinale zu erreichen.

    @Holtby
    Der Junge will irgendwann mal in England spielen. Das ist bekannt und auch in Ordnung. Wann das sein wird, weiß man nicht. Am Ende der Saison läuft sein Vertrag aus. Da bietet sich grundsätzlich ein Wechsel an. Ich hoffe aber, dass der Junge für 3 Jahre verlängert, Schalke noch 2 Jahre mit tollen Spielen beglückt und als gestandener Profi im Sommer 2015 für ne schöne Ablöse nach Everton geht, weil sein englischer Lieblingsverein dann in der CL spielen darf.
    Leider hat er, wie alle anderen auch, einen Berater, der scheinbar einem Wechsel in diesem Sommer nicht abgeneigt ist. Dabei macht ein Wechsel für Holtby nur Sinn, wenn der neue Verein ebenfalls in der CL spielen sollte.

    @Rechtsverteidiger
    Ich finde Höwedes ist die beste Alternative auf rechts. Höger wirkte am Dienstag nicht so sicher. Ich würde aber im aktuellen Fall (Matip außer Form, Metzelder verletzt, Kolasinac noch keine Alternative in der IV) Höwedes in der Zentralen lassen, da er im Moment auch super drauf ist und mal das Experiment mit Barnetta auf rechts versuchen.

    Wieso wir mit nur einem ausgewiesenen rechten Verteidiger in die Saison gegangen sind, da Hoogland verliehen wurde, war von Anfang an ein Rätsel.

    Weil das Geld für einen neuen RV, der Schalke auch weiterhilft, gefehlt hat. Der Hoogland ist doch auch schon wieder verletzt. Er wäre also eh keine Alternative. Mit Höwedes, Höger, Barnetta haben wir doch drei Alternativen, die dort spielen können, auch wenn es nicht deren Idealposition ist.

  14. blues sagt:

    @ RWDJojo
    „Weil das Geld für einen neuen RV, der Schalke auch weiterhilft, gefehlt hat.“

    Nachdem ich mir vor Wochen die Halbjahresbilanz anschaute war das auch meine Vermutung und gilt eventuell auch in der Torwartfrage. Und vielleicht sogar für Huntelaar. Man hat ja – an Tagen wie heute – fast den Eindruck, das nicht Schalke auf Huntelaar, sonder Huntelaar auf Schalke und die Millionen aus einer weiteren Runde CL wartet, um einen neuen Vertrag vorgelegt zu bekommen.

  15. Torsten sagt:

    Gegen Bremen wird die RV-Positon jedenfalls ein Knackpunkt. Da kommt Eljero Elia über links (bzw. unser Rechts). Auch wenn der bislang noch nicht der absolute Überflieger ist, er ist sehr schnell und an guten Tagen selbst für sehr starke RV nicht zu bremsen. Insofern denke ich auch, dass Höwedes dort spielen wird. Kolasinac oder Barnetta wären wohl zu große Defensiv-Experimente.

    Überhaupt wird das Spiel gegen Bremen sehr interessant. Mit Pizarro waren sie vor allem zentral gefährlich, damit kam Schalke in den letzten Spielen sehr gut klar. Jetzt ist Werder ähnlich aufgestellt wie die Blauen. Ma’kucken. Ich denke übrigens, Schalke hätte gegen Schalke riesen Probleme. Farfan gegen Fuchs, Afellay gegen Uchida? Puh ;)

    Von wegen „Holtbys Berater nicht abgeneigt“: Da geht es um einen neuen Vertrag, da gehört Klappern dazu, und sei es nur, um den Preis zu treiben. Völlig legitim.

  16. RWDJojo sagt:

    Natürlich gilt das auch in der Torwartfrage. Man bedenke, dass im Sommer ein gewisser René Adler ablösfrei zu haben war. Doch ich vermute, dass Adler doppelt soviel verdient, wie unser Trio zusammen.

  17. Torsten sagt:

    Eine Adler-Verpflichtung war auch ein Risiko. Der HSV stand extrem unter Zugzwang, die halten sich für einen natürlichen Champions League-Contender und zuckeln dann doch stetig wieder im Mittelfeld herum. Also haben sie mit Adler und Van der Vaart nochmal finanziell auf die Pauke hauen müssen, und es machte ja den Eindruck, das seien bereits Arnesens letzte Patronen.

  18. blues sagt:

    @RWDJojo / @Torsten
    Kann Jermaine Jones eigentlich flanken? Vieleicht wäre er dann ja auch ein Spieler für die rechte Aussenverteidigerposition. Schnell genug wäre er.Und grätschen kann er auch. Christoph Moritz spielt statt Jones dann auf der Sechser Position. Könnte man mal sehen ob Moritz und Neustädter zusammen als Sechser funktionieren und der derzeit auf der Innenverteidigerpostion extrem stark spielende Höwedes kann dort weiter glänzen.

  19. Torsten sagt:

    Kann Jermaine Jones eigentlich flanken?

    Uchida kann auch nicht vernünftig flanken, daran sollte es also nicht scheitern.

    An solch eine verrückte Lösung glaube ich aber nicht. Kolasinac ist übrigens Linksfuß. Ich lege mich auf Höwedes fest, mit Papadopoulos und Matip in der Zentrale. Das ist die „natürlichste“ Entscheidung.

  20. blues sagt:

    @Torsten
    … ich zweifle deshalb an Höwedes auf der rechten Verteidiger Position, weil doch unser Präsident letztlich Höwedes als Innenverteidiger in die Startaufstellung der Nationalmannschaft geredet hat. Und wer wäre im Fall der Verletzung von Höwedes sein Backup? Ich denke Höger und Uchida sehen wir erst in Katar wieder.

    Apropos Präsidenten. Völlig offtopic ein paar Worte zu der Meldung, dass bei Bayern ein weiterer Investor einsteigt.

    Als Uli Hoeneß vor Kurzem im „11 Freunde“ Interview zu der Frage nach der finanziellen Abhängigkeit der Clubs von externen Geldgebern sagte, „die eigentliche Gefahr geht nicht von einzelnen Mäzenen aus, sondern von Klubs, die von einem Staat in Person eines Scheichs subventioniert werden“, fragte ich mich, wohin er mit dieser Nebelkerze zielte. Dass das eine Nebelkerze war und dass da demnächst von Bayern aus der Richtung etwas kommen würde, war ich sicher.
    Dabei finde ich Vereine die sich ganze Nationalmannschaften halten (Neuer, Boateng, Badstuber, Lahm, Schweinsteiger, Müller, Kroos, Gomez), im Zweifel dem Fußballsport als Ganzem noch abträglicher als eben Staaten die sich nur Vereine halten.
    Geradezu absurd wird Hoeneß Aussage, wenn diese nationalmannschaftbesitzenden Vereine selbst wiederum im Besitz von Privatfirmen sind. Adidas und Audi besitzen je 9% an der FC Bayern München AG.
    Uli Hoeneß hat heute einen weiteren Großinvestor (100 Mill Euro für weitere 9%) bei der Bauern AG angekündigt. Damit sind dann rund 27 % des Bauernvereins in der Hand von Privatfirmen.

    Link zum 11 Freunde Interview
    http://www.11freunde.de/interv.....-interview

  21. Maddin sagt:

    Auch ich denke, dass Höwedes bis Weihnachten auf Rechts ran muss, was noch nicht einmal dem Mangel an Alternativen geschuldet ist: er kann es einfach! Ich bin in diesem Zusammenhang einfach froh, dass wir einen sehr guten Innenverteidiger haben der auch einen guten Aussenverteidiger abgibt. Jones gegen Elia?? Da wären wir nach 25 Minuten nur noch zu zehnt….

    Zu der Hoeneßschen Nebelkerze:

    Ich denke mal der Rauch sollte Richtung Malaga, Leipzig/Salzburg und ManCity ziehen – womit er sogar Recht hat. Den neuen Großinvestor beim sympatischen Stern des Südens… das halte ich einfach mal für Angeberei. Er wird ja nicht müde immer wieder auf die soliden Finanzen, das prall gefüllte Festgeldkonto und das internationale Standing des FC Bayern hinzuweisen. Der Martinez-Transfer war qualitativ gesehen nicht nötig, Uli musste allen halt zeigen, dass Bayern sich das leisten kann.
    Man könnte also feststellen, dass sich ein Uli Hoeness und ein Scheich XY in Sachen „ich kann´s mir leisten und hab den grösseren P…“ gar nicht so unähnlich sind.
    Das der FC Bayern heute da steht wo er steht ist allerdings nur wirklich zu 100% Uli´s Verdienst – drum sei es ihm gegönnt.

    Und ob bei uns nun Gazprom, Evonic, RWE oder die Telekomm als Hauptsponsor auftachen ist doch schlussendlich wirklich latte: Dreck haben diese Konzerne alle am stecken. Diese alberne Wiesenhof-Debatte bei den Werderanern kann ich da ebensowenig ernst nehmen wie Bayernfans….

  22. Matthias sagt:

    Diese alberne Wiesenhof-Debatte bei den Werderanern kann ich da ebensowenig ernst nehmen wie Bayernfans….

    Die Debatte gründet letztendlich darin, dass die Fans von Werder sich zu sehr in die Story verliebt haben, dass ihr Club das gute Gewissen der Bundesliga ist. Vereine definieren sich über Geschichten. Schalker sind die „Knappen aus’m Pütt“, Paulianer sind die „sympathischen Outlaws“, Augsburger sind die lustige Puppenkiste, Düsseldorfer sind die, die richtig durch die Sch… gingen und immer noch treu sind, Hamburg ist der „Weltverein mit sozialer Verantwortung“, Bochumer sind die „Dreckfresser“ etc. pp. In den letzten Jahren haben die Clubs viel professionelle Arbeit in ihr Image gesteckt (siehe „Werkself“). Und Bremen hat sich eben dafür entschieden, die „gut wirtschaftenden hansesatischen Kaufleute ohne Ecken und Kanten“ zu mimen. Da kratzen Wiesenhof und das 14-Mio-Defizit im vergangenen Jahr gewaltig am Selbstbewusstsein. Nun klammern sich die Fans an das „Westerstadion“ als letzten Strohhalm ihres Selbstverständnisses. Mal kucken wie lange es noch dauert, bis wir die Haacke-Beck-World (oder so ähnlich) in der Bundesliga erleben.

    Was den bayerischen Großinvestor angeht, so grinse ich seit Jahren schon still in mich hinein, wenn Hoeneß davon parliert, dass alle Clubs beim Bankbesuch links in die Kreditabteilung und er rechts in die Festgeldabteilung abbiegen. De dacto geht Hoeneß seit Jahren schon geradeaus zum Malkler und verbimmelt Stückchen für Stückchen seinen Club. Das „Festgeldkonto“ ist eben auch nur eine Story, die als Alleinstellungsmerkmal genutzt wird.

    Und jajaja, ich weiß: Wir Schalker sollten mal schön die Fresse halten. Aber in meinen Zeilen ging es gar nicht darum, ob der bayerische, Bremer, Augsburger, Paulianer oder Schalker Weg der „bessere“ ist.

  23. blues sagt:

    @Matthias
    Ich suche ja schon ´ne Weile ein „blanko“ Schalketrikot, um an Stelle des Logos unseres Sponsors, ein freches „Pussy Riot“ zu drucken.

  24. Torsten sagt:

    @Matthias:

    Du schreibst immer wieder Kommentare, von denen ich denke, dass sie Artikel sein sollten. Diese Ausführungen zu Werders Selbstverständnis zum Beispiel. Danke jedenfalls.

    @Gazprom bzw. Sponsoring in der BL allgemein

    Ich denke auch, dass man – wenn man denn ein bisschen recherchiert – jedem Club/Sponsor ans Bein pinkeln, und etwas „politisch inkorrektes“ finden kann. Deswegen ist es mir aber trotzdem nicht egal, an wen mein Verein sein Image verkauft. Und Gazprom, mehr als nur eine Firma, Machtinstrument eines unberechenbaren und undemokratischen Staates, ist so ziemlich das Letzte, mit dem unser Club was zu tun haben sollte. Geld hin oder her, man sollte nie den Arsch hinhalten.

    Das das mittlerweile so viele Menschen als normal / nicht so schlimm / mit anderen vergleichbar erachten ist der Erfolg des Gazprom-Engagements. Genau das war von Beginn an das Ziel.

  25. RWDJojo sagt:

    Ich suche ja schon ´ne Weile ein “blanko” Schalketrikot, um an Stelle des Logos unseres Sponsors, ein freches “Pussy Riot” zu drucken.

    Kannst ja das neue Logo über den Sponsor kleben/bügeln. Das wurde ja auf Schalke schon mal gemacht (Wechsel von Ractiv zu Müller). Wenn man nen „Müllertrikot“ auf links zieht, sieht man, dass hinter dem Müller-Logo eigentlich noch der Ractiv-Flock drauf ist.

    Das bayerische „Kreditmodell“ ist im Übrigen noch riskanter bzw. teurer als ein normaler Bankkredit. Denn die Anteilseigner wollen ihr angelegtes Kapital ja auch verzinst wissen. Solange die Investoren im Boot sind wird der FC Bayern ne jährliche Dividende zahlen müssen, was im Grunde nichts anderes ist als die Ratenabzahlung eines Kredits. Da im Falle einer Insolvenz der Bayern die Anteilseigner leer ausgehen (das Restvermögen geht nämlich an die echten Kreditgeber), lassen sich diese dieses Risiko mit entsprechenden Zinsaufschlägen bezahlen. Außerdem ist ein Kredit zeitlich begrenzt. Man vereinbart im Vorfeld den Zeitraum, in dem Kreditsumme zzgl. Zinsen zu zahlen sind. Danach ist das Geschäft beendet. Ein Anteilseigner wird solange seine Dividende kassieren, wie der Anteile hält. Das kann im Zweifel ewig sein.
    Manch einer wird vielleicht einwenden, dass man bei finanziellen Problemen eher mit dem Anteilseigner über eine Aussetzung der Zahlungen sprechen als mit einem Kreditgeber. Aber dem ist nicht so. Denn auch ein Kreditgeber lässt sich im lieber auf einen längeren Rückzahlungszeitraum ein, als im Extremfall den Schuldner in die Insolvenz zu treiben und dann nur einen Teil der geliehenen Summe wiederzusehen.

  26. Matthias sagt:

    @blues
    Um dir bei deiner langen Suche zu helfen: Trikots ohne Sponsorflock werden fortlaufend bei ebay angeboten.

  27. matz sagt:

    @Matthias

    Danke für deine Ausführungen zu Werder. Ich stoße immer auf Stirnrunzeln, wenn ich sage, dass ich die nicht mag. Das hat eben auch damit zu tun, dass ich immer wieder mal auf Werder-Fans getroffen bin, die sich in dem Image gesonnt haben, das politisch korrekte Gewissen der Liga zu sein. In Richtung Schalke hieß dann immer, „Söldner-Truppe“ und „unseriöses Finanzgebaren“. Dabei hatte Werder lange Zeit überhaupt nichts Nennenswertes aus dem eigenen Nachwuchs hervorgebracht und die jetzigen herben Verluste zeigen, dass das ach so hanseatische Kaufmannswesen von den Einnahmen der CL abhängig war. Also exakt das Finanzgebaren, das wir seit Jahren praktizieren. Wenn jetzt noch Klaus Allofs in rauer See das sinkende Schiff verlässt….

  28. blues sagt:

    @Matthias u. @RWDJojo
    Danke für die Tipps und für den Link!

    „Was den bayerischen Großinvestor angeht, so grinse ich seit Jahren schon still in mich hinein, wenn Hoeneß davon parliert, dass alle Clubs beim Bankbesuch links in die Kreditabteilung und er rechts in die Festgeldabteilung abbiegen. De facto geht Hoeneß seit Jahren schon geradeaus zum Malkler und verbimmelt Stückchen für Stückchen seinen Club. Das “Festgeldkonto” ist eben auch nur eine Story, die als Alleinstellungsmerkmal genutzt wird.“

    Genialer Text. In drei Sätzen perfekt auf den Punkt gebracht.

  29. hoffedocS04 sagt:

    Zum Thema Gazprom und Schalke stand wieder einmal ein ganz guter Artikel in der Frankfurter Rundschau vom 23.10. Kann noch online nachgelesen werden.
    (Weiß leider nicht, wie man hier einen Link einstellt.)

    Fazit, dass es weiterhin sinnvoll ist, die „Problematik“ dieses Sponsors im Auge zu behalten, und dass die Zahl derer, die auf Schalke darauf hinweisen, inzwischen leider immer weiter abnimmt.

    Gazprom und z.B. Telekom zu vergleichen, finde ich etwas weit hergeholt.

  30. matz sagt:

    Ich kenne zumindest noch Leute, die sich beharrlich weigern, Gazprom-Werbung zu tragen. Aber es ist nur eine Handvoll, zugegeben.

  31. blues sagt:

    Zum „Mythos Uli Hoeneß“, hier noch ein Nachtrag.

    Interessant, dass Theo Zwanziger, in einem Interview zu seiner Biografie bei welt.de (s. Link unten), die sportpolitischen Äußerungen von Hoeneß fast schon grundsätzlich als reinen Populismus eines „Machos“, „Scharfmachers“ und „Besserwissers“ kategorisiert und dies auch belegt.

    Zwanziger sagt dort: „Er (Hoeneß) hatte das Angebot, statt mir in die Exekutive des Weltverbandes zu gehen. Das hat er abgelehnt.“ Und weiter führt Zwanziger aus, „ich hätte ihn oder Karl-Heinz Rummenigge gern in der Fifa gesehen. Aber das wollten sie nicht. Da muss ich sagen: Nur in den Talkshows die Sprüche raushauen, langt auf Dauer nicht.“

    Wohl war. Hoeneß, ein populistischer Blender, überwiegend und immer zuerst in Sachen der eigenen Firma, der FC Bayern München AG, unterwegs.

    http://www.welt.de/sport/fussb.....uscht.html

  32. Torsten sagt:

    Zum Thema Gazprom und Schalke stand wieder einmal ein ganz guter Artikel in der Frankfurter Rundschau vom 23.10. Kann noch online nachgelesen werden.
    (Weiß leider nicht, wie man hier einen Link einstellt.)

    Oh, einfach die URL per Strg+C/Strg+V einfügen, so wie sie ist. Danach sieht es automatisch so aus:
    http://www.fr-online.de/sport/.....97524.html
    Ein Plugin meines Blogs verkürzt die Darstellung der URL, damit das Layout nicht zerschossen wird.

    Ich kenne zumindest noch Leute, die sich beharrlich weigern, Gazprom-Werbung zu tragen. Aber es ist nur eine Handvoll, zugegeben.

    Ich bin so einer, und ich kenne auch noch ein paar andere. Erwäge ich das Verhältnis „mein Bekanntenkreis“ zu „Schalker insgesamt“, frage ich mich, ob das wirklich nur eine Handvoll sind. Aber selbst wenn die Größe als „schweigende Menge“ bezeichnet werden könnte, reicht es sicher nicht, als dass S04 das irgendwie spürt. Wir kaufen dann eben Fan-Utensilien ohne diesen Schriftzug. Dem Verein ist es sicherlich wurscht, wofür das Geld ausgegeben wird, solange es nur überhaupt in die Clubkasse fließt.

  33. Maddin sagt:

    Sollte in der Winterpause einmal inhaltliche Ebbe zum geilsten Club der Welt herrschen würde ich das Thema Sponsoren im allgeimen und Gazprom im besonderen gerne ausführlicher diskutieren. Vielleicht kann Torsten das ja schonmal im Hinterkopf behalten…
    Ohne Uli Hoeneß in irgendeiner Form verteidigen zu wollen: ohne ihn wäre doch vieles wesentlich langweiliger. Man muss ja nun auch nicht jede Äußerung von ihm ernst nehmen.
    Es dürfte allerdings jedem klar sein, dass beim Transfer unseres letzten Stammtorwarts längst unterzeichnete Vorverträge im Tresor lagen und Hoeneß gewaltig hätte zocken können. Die 22 Mio plus X bei einer Restlaufzeit von einem Jahr zu zahlen ist nicht unbedingt selbstverständlich im Fussballgeschäft.

  34. blues sagt:

    @Maddin
    Es gibt nur „Ein Rudi Völler“, aber es gibt medial eben“ zwei Uli Hoeneß“. Und der Uli mit Herz wird gerne als Vorbild genommen, dass das mit dem Kommerz im Bundesligafußball nicht so dramatisch ist, wie es gelegentlich aufscheint. Aber so wenig Schalke beim Verkauf von Manuel Neuer durch Hoeneß, sondern durch die 200 Mill. von Audi und Adidas gerettet wurde, so wenig zieht sich Bremen selber aus dem Sumpf, sondern wird durch den bundesligaweiten Sponsor und Vereinsmitbesitzer (VW über Audi beim FCB) Volkswagen AG gerettet werden. Der Preis sind Thomas Schaaf und Klaus Allofs, wenn Bremen Glück hat,vielleicht auch nur einer von den beiden und das Weserstadion wird nicht wie Matthias weiter oben vermutet einen Brauereinamen , sondern eher den eines Autoherstellers tragen. VWs, Audis, Porsches, Skodas und Seats „GreenMotion Arena“… ;-)

  35. hoffedocS04 sagt:

    http://fr-online.de/panorama/b.....64036.html

    (Letzter Test. Wenn das nicht funktioniert, reicht´s mir erstmal)

    Danke, Torsten, gibt zwar noch letzte Unklarheiten, aber scheint zu klappen. „Jeden Tag Neues lernen“;-)

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