Grandioser Kraftakt

Schalke 04 gewinnt 2:1 gegen Werder Bremen. Was das Spielerische in der Offensive angeht, war es Schalkes schwächster Auftritt der Saison. Kämpferisch war es aber ein tolle Leistung und insgesamt war es ein hochdramatisches Spiel mit glücklichem Ausgang. Was will man mehr?!

Werder Bremen hat sehr viel richtig gemacht. Man hat Schalke den Ballbesitz gelassen und zwei engstehende Viererketten aufgeboten, die keine technischen Unsauberkeiten zuließ. An diesem Tag war das entschieden zu wenig Luft für Schalke. Lewis Holtby versprangen die Bälle regelmäßig. Bremens Mischung aus Raum und Manndeckung degradierte Klaas-Jan Huntelaar zum Totalausfall. Jermaine Jones und Joel Matip leisteten sich im Spielaufbau viel zu viele Fehlpässe.

Ob vermehrte Positionswechsel Schalke hätten helfen können, wie sie es in dieser Saison schon einige Male taten? Ich weiß es nicht. Das Spiel der Blauen blieb jedenfalls weitestgehend statisch, und wenn sich der erneut erstaunlich ausdauernd ackernde Jefferson Farfan mal entscheidend durchsetzen konnte, waren in der Zentrale die Abnehmer stets gut zugestellt.

Schalke rannte an, aber letztlich bot Bremen kaum mehr als diese zwei Fehler, die zu Schalkes Toren führten, als man Roman Neustädter im Strafraum frei zum Kopfball kommen ließ und als man nach eigener Ecke nicht schnell genug wieder hinten war. Das war jedoch bereits zuviel, Schalke wusste diese Fehler grandios auszunutzen. Ein Hoch auf die Moral, den sie war Schalkes Trumpf; und auf Julian Draxler.

Julian Draxler bot als Außen den Zug zum Tor, den Ibrahim Afellay und auch Jefferson Farfán häufig vermissen ließen. Nach dem 2:1 hatte er und hatte es die ganze Offensive natürlich leichter, jetzt musste Bremen seine Defensivstrategie über den Haufen werfen. Trotzdem war es auch ein Unterschied in der Herangehensweise, vom zuvor stetigen Nach-Außen-und-wieder-zurück-Spiel zu Draxlers Tempoläufen in Richtung Tor.

Benedikt Höwedes machte seinen Job als Rechtsverteidiger meines Erachtens ordentlich, Christian Fuchs war vor allem defensiv gut. Die Abstimmung zwischen Papadopoulos und Matip passte nicht immer. Am Ende suchte sich die Fußballchaostheorie den zuvor offensiv eher unglücklich agierenden Lewis Holtby für die Abschlusspauke aus.

Nach der Führung war Schalke die Müdigkeit anzumerken, es war das siebte Pflichtspiel in 21 Tagen. Diese Leistung war ein bemerkenswerter Kraftakt in einem intensiven Spiel, das von beiden Seiten mit Haken und Ösen geführt wurde. Nach dem Schlusspfiff kamen mir Beschwerden über den Schiedsrichter von Bremer-(Fan-)Seite zu Ohren, was ich als übertriebenes Mimimi empfand, vielleicht war es aber auch nur ein ad hoc-Produkt der Enttäuschung. Bremen hat eine gute Auswärtsspiel-Leistung geboten. Aber Schalke hat gewonnen. Gut so.



12 Kommentare zu “Grandioser Kraftakt”

  1. blues sagt:

    …kamen mir Beschwerden über den Schiedsrichter von Bremer-(Fan-)Seite zu Ohren.

    Auch Thomas Schaaf jammerte im Sky Interview nach dem Spiel über den Schiedsrichter. War für mich nicht richtig nachvollziehbar, da „Astronaut“ovic in der Strafraumszene wohl mehr ein Problem mit der Schwerkraft als mit dem Schalker Verteidiger hatte und umgekehrt Bremen das Spiel auch leicht mit 9 Mann hätte beenden können.

    Schalkes Offensivkräften der Startformation fehlte meinem Gefühl nach am Samstag die mentale Frische und Dynamik für einen Angriffswirbel gegen eine tiefstehende Mannschaft. Das Tor zum Ausgleich kam dann zum richtigen Zeitpunkt und setzte zusammen mit den Einwechslungen von Draxler und Marica den Impuls für mehr Dynamik nach vorne.
    Diesesmal erkannte Huub Stevens in der Halbzeit die Zeichen und wechselte so früh wie noch nie in dieser Saison, ohne dass eine Verletzung dies notwendig machte. Und dann nahm er sogar nach 70. Minuten Klaas-Jan Huntelaar vom Platz. Ich mach ein Sternchen in meinem Kalender.

  2. RWDJojo sagt:

    Mir hat Marica nach seiner Einwechslung ganz gut gefallen. es passte zwar nicht alles, aber er machte doch mehr Alarm als ein Huntelaar. Auch in den vergangenen Spielen hat Marica immer für neuen Schwung gesorgt. Endlich haben wir eine gute Nummer 2 im Sturm!

  3. David sagt:

    Spieler des Spiels: Lewis Holtby, wie er in den letzten Ball springt und so zwei Punkte rettet. Das ist 100 % Leidenschaft.

  4. Matthias sagt:

    De Bruynes freier Lauf auf’s Schalker Tor wird beim Stand von 0:1 durch die Schwalbe von Papadopoulos unterbunden; der Freistoß vor dem 1:1 war keiner. Diese beiden Szenen sind es wohl, die Bremen moniert. Würden wir – umgekehrt – genauso tun. Es war eine extrem ärgerliche Niederlage für Bremen, inklusive zweier Lattentreffer und der Last-Second-Rettungstat von Holtby. Da hadert man schonmal mit dem Schiedsrichter.

  5. RJonathan sagt:

    Vor allem hat Draxler den Flügel besetzt und ist dann mit dem Ball nach innen. Afellay stand meistens in der Mitte rum, wo der Raum viel zu eng war. Deswegen ging’s in der ersten Halbzeit komplett über rechts (wo die Flanken grottig waren) oder die Mitte (wo es zu eng war).

    Bei der Statik gebe ich Dir 100% Recht. Das Hauptproblem bei allen schlechteren Spielen diese Saison scheint mir das Spiel ohne Ball in der Offensive. Auch bei den Kontern waren die Laufwege ja lange Zeit so, dass der Ballführende gezwungen war Tempo raus zu nehmen.

  6. Mühsam, aber erfolgreich | unter Flutlicht… sagt:

    […] Meinungen zum Spiel: Spielanalyse: Schalke 04 – Werder Bremen 2:1 – Spielverlagerung.de Grandioser Kraftakt – Königsblog Schalke strapaziert das Glück – Schalkefan.de Schiiiiiiiiieeeeeeß! – Blog und Weiss […]

  7. Die Blogschau für Montag, den 12.11.2012 | Fokus Fussball sagt:

    […] zwei Fehler leisteten sich die Bremer, so Torsten Wieland, die dann prompt zu Toren führten. Schalke rannte an, aber letztlich bot Bremen kaum mehr als […]

  8. Henning sagt:

    Off topic, aber trotzdem eine positive Nachricht:

    http://www.transfermarkt.de/de.....05223.html

  9. Maddin sagt:

    Zwei Dinge sind mir im Stadion explizit aufgefallen:
    1. Mich eingeschlossen hat mein gesamtes Umfeld im Vorfeld der Begegnung Bremen nicht einzuschätzen gewusst. Ist Werder Bremen in der aktuellen Verfassung nun ein starker oder vermeintlich machbarer Gegner? Kann man sich über das Ergebnis und dessen Zustandekommen nun freuen oder nicht? Ich sehe das sichere, tiefe Stehen wie Torsten es beschrieben hat nicht wirklich so. Was mich auch gleich zum nächsten Punkt bringt:

    2. es ging einfach zu wenig durch die Mitte. Die Räume wären da gewesen, da die Bremer innnenverteidigung doch häufig zuweit von Huntelaar und Holtby entfernt stand. Mehr als einmal dachte ich mir: Mensch, jetzt einfach mal den Steilpass in die Tiefe! Klappt das nicht, gibt es entweder einen Aufpflücker vom TW oder Abseits. So oder so eine Unterbrechung des Spielflusses und keinen Konter. Zu oft ging alles über die Außen und war zu vorhersehbar.

    Ach so:

    3. Farfan ist in der Form seines Lebens! Wir er alleine körperlich den Ball abschirmt: ein Genuss!

  10. Torsten sagt:

    Was das Einschätzen der Bremer angeht:

    Jahre lang spielten sie mit Pizarro hauptsächlich durch die Mitte. Gefährlich ob der individuellen Klasse, aber doch auch wenig überraschend. Schalke kam damit zuletzt sehr gut klar
    Jetzt warten sie statt mit einem zentralen Helden mit starken Flügelstürmern auf, ähnlich wie S04 auch. Und trotzdem war Bremen in diesem Spiel gegen uns vor allem dann gefährlich, wenn es durch die Mitte ging. Schon ein kleines Bisschen kurios …

    Was das Schalker Aufbauspiel angeht:
    Ich kann mich grade bezüglich der ersten Halbzeit an zig Matip/Jones-Fehlpässe ins zentrale Mittelfeld erinnern.
    Aber ich habe das Spiel auch nur dieses eine Mal live gesehen, mag sein dass sich meine Wahrnehmung von der Anderer unterscheidet.

  11. Lutt sagt:

    zum Schiedsrichter:
    ich hab’s nur im Stadion gesehen, weil es in keinem Nachbericht gezeigt wurde, aber hat man uns nicht ein Tor vom Hunter weggepfiffen, indem man den Vorteil nicht abgewartet hat? Will sagen, der Schiri war nicht gut, aber Werder war nicht nur benachteiligt…

    Übrigens muss ich David recht geben: auch wenn Holtby einige Bälle versprungen sind, mutiert er doch zu einem kleinen Kampfschwein. Großartiger Einsatz, viele Bälle geholt!

  12. Wieder bis zum Busfahrer schlecht sagt:

    […] Sieben Tage zuvor tat sich Schalke gegen Thomas Schaafs Werderaner sehr schwer. Werder ließ den Schalker Innenverteidigern beim Spielaufbau alle Zeit der Welt und konzentrierte sich auf das Decken der defensiven Mittelfeldspielern, der Innenverteidiger Anspielstationen. Man verwand nicht allzu viel Kraft darauf, Schalkes Außenverteidiger bei ihren Linienläufen zu stören, stattdessen bot man im Zentrum den potenziellen Abnehmern keinen Raum. Werder machte zwei Fehler und verlor das Spiel, grundsätzlich funktionierte die Taktik aber, Schalke kam damit nicht klar. Das hatte Leverkusens Trainerduo Sami Hyypiä und Sascha Lewandowski aus der Gegneranalyse offensichtlich gelernt, ihre Mannschaft spielte wie Werder. Schalke hatte aus dem Spiel gegen Bremen hingegen nichts gelernt. […]

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