Mit Fleiß und Carrolls Hilfe

Schalke 04 gewinnt gegen Olympikos Piräus mit 1:0 und sichert sich damit die Teilnahme am Champions League-Achtelfinale. Keineswegs ohne Zittern, mit Unterstützung durch Piräus’ Torhüter, aber trotzdem verdient.

Eine Niederlage gegen die Griechen bei gleichzeitigem Arsenal-Sieg hätte für Schalke das Quasi-Aus bedeutet. Man wäre in der Gruppentabelle plötzlich Dritter gewesen, hinter Arsenal und Piräus, und eben diesen Mannschaften hätte im letzten Spiel gegeneinander ein Unentschieden gereicht.
Den entsprechenden Druck merkte man der Schalker Mannschaft an. In der ersten Halbzeit gelang es, Piräus keine Chancen zu bieten. Dafür haperte es aber am eigenen Aufbauspiel. Wie schon in den letzten Bundesligapartien hatten Schalkes Verteidiger Schwierigkeiten, den Ball ins Mittelfeld zu bekommen. Dabei kam Neustädter zur Unterstützung häufig zurück, offensichtlich eine Maßnahmen des Trainers ob dieser Problematik. Aber Neustädter wurde prompt auch dort noch von seinem Gegenspieler manngedeckt, weshalb auch er in dieser Position kaum mehr als Quer- oder Rückpässe zustande brachte.

Nach der Pause machte Schalke mehr Druck. Der Gegner wurde höher attackiert, der Ball wurde bewusst In der Hälfte Piräus‘ gehalten. Wurde dieses Mittelfeld allerdings von den Griechen überbrückt, konnte es schon mal brenzlig werden. Grade nach der Führung schien Schalke defensiv plötzlich unsicher zu werden.

Die vielen Schalker Distanzschüsse waren auffällig. Sicherlich war dieses Vorgehen eine Vorgabe der Trainer. Viele dieser Schüsse verpassten das Tor, häufig waren sie zu hoch. Der eine Schuss von Christian Fuchs, in der 77. Minute, passte genau, vor allem zur Überraschung Roy Carrolls.
Piräus’ Torhüter stand nicht schlecht und bewegte sich auch frühzeitig in die richtige Ecke. Doch dann brach er die Bewegung ab, zog den Arm zurück. Roy Carroll dachte offensichtlich, Christian Fuchs’ Schuss würde links an seinem Tor vorbei gehen. Carroll wollte keinen Abpraller riskieren, wollte einen Abstoß haben und verursachte mit diesem Fehler das Ausscheiden Olympiakos’ aus der laufenden Champions League-Saison.

Letztlich gewann die engagiertere Mannschaft dieses Spiel. Schalke kam über das ganze Spiel verteilt immer wieder zu Abschlüssen und drängte mehr auf den Sieg, auch wenn die Qualität der Abschlüsse und auch die Qualität der Angriffe als solche eher niedrig war. Schalke arbeitete sich durch diese schwierige Situation, einem Spiel, in dem das Weiterkommen einerseits gewonnen, aber eben auch verloren werden konnte.

Alles in allem macht die Mannschaft derzeit keinen guten Eindruck. Es ist, als müsste alles verbissen erkämpft werden. Das spielerische Element, die Leichtigkeit von vor ein paar Wochen ist nun einer Unsicherheit gewichen, die aus vielen Rückständen in den letzten Spielen resultiert. Außerdem wirkt die Mannschaft auch konditionell angeschlagen. Huub Stevens lässt seit Wochen seine Stammelf mehr oder weniger unangetastet, außer er wird durch Verletzungen zu Veränderungen gezwungen. Entsprechend können auch die dauerhaften Bank- oder Tribünensitzer keinen Spielrhythmus haben und der Mannschaft in der derzeitigen Situation nicht weiterhelfen.

Eine Verschauf- oder „Jetzt-freuen-wir-uns-erstmal“-Pause bekommt die Mannschaft nicht. Noch zweimal schlafen, dann geht’s gegen Eintracht Frankfurt schon wieder um die Champions League-Teilnahme der kommenden Saison. Wenn auch noch nicht ganz so endgültig …



10 Kommentare zu “Mit Fleiß und Carrolls Hilfe”

  1. blues sagt:

    „Huub Stevens lässt seit Wochen seine Stammelf mehr oder weniger unangetastet, außer er wird durch Verletzungen zu Veränderungen gezwungen.“

    Dazu passt, dass Huub Stevens auf allen Pressekonferenzen betont, er denke nur von Spiel zu Spiel. Psycholgisch ist das richtig, strategisch ist es fatal, denn die Banksitzer können, wie gesagt, wenn es nötig wäre, nicht wirklich weiterhelfen.

    Die Fernschusstaktik war mMn gut überlegt und ging mit dem Tor auf. Durch den Abschluss wurden die Schalker Angriffsbemühungen häufig abgeschlossen und liesen dem Gegner dadurch keine Chance für Ballgewinne und schnelle Konter.

  2. Uwe sagt:

    Bei aller Freude über das Erreichen des Achelfinales, bleibt als Erkenntnis aus diesem Spiel, dass wir gegen einen Gegner vom Kaliber LEV auch gestern verloren hätten….

  3. eakus1904 sagt:

    Ein Spielbericht,der auch-wie fast immer- meine Wahrnehmungen trifft.

    Erstaunlich fand ich, wie häufig wir in der zweiten Halbzeit weit in des Gegners Hälfte die Bälle schnell zurückerobert haben. Die daraufhin entstehenden Chancen wurden jedoch zu leichtfertig versiebt oder eben überhastet abgeschlossen.
    Das schönste ist jedoch: Achtelfinale!! Egal wie es zustande kam,ich freue mich sehr darüber!

    Die Rechnung, dass wir bei einer Niederlage quais raus gewesen wären,ist jedoch falsch. Ein Sieg in Montpellier hätte definitiv fürs Weiterkommen gereicht, auch wenn wir gestern verloren hätten.Dann hätte die Tabelle heute so ausgesehen:
    Arsenal 10 Punkte
    Piräus 9 Punkte
    Schalke 8 Punkte

    Bei einem Sieg in Frankreich wären 11 Punkte auf unserem Konto,da hätte den Griechen kein Unentschieden gegen Arsenal gereicht!

    Aber zum Glück müssen wir ja darauf nicht mehr schauen!

  4. Carlito sagt:

    Keineswegs ohne Zittern, mit Unterstützung durch Piräus’ Torhüter, aber trotzdem verdient.

    Trifft es ziemlich gut, auch die restliche Zusammenfassung.

    Und @Uwe: Vermutlich hast Du Recht, interessiert aber für gestern zum Glück nicht. Auch wenn mir die aktuelle Entwicklung nicht wirklich gefällt, da

    Das spielerische Element, die Leichtigkeit von vor ein paar Wochen ist nun einer Unsicherheit gewichen…

  5. Dreiköpfiger Affe sagt:

    Mit den überlegenen 70 Minuten, die dann irgendwann mit dem Tor endeten, kann man vielleicht noch zufrieden sein, irgendwann ist der halt mal drin. Das ist auch gar nicht so einfach bei so eng stehenden Griechen.

    Aber danach…?!??!
    Piräus löst die 6er Abwehrkette auf und Schalke fährt einen Konter nach dem anderen…ohne Erfolg. Das machte mich sprachlos. Das war mehr als leichtfertig, das war unfähig.

    Ich erinner mich an den Felix M. auf der Trainerbank. Beim Stande von 3:0 für Schalke (ungefähr) brechen die Stürmer um Kevin K. einen Bilderbuchkonter in der 90. Minute ab und spielen stattdessen die Zeit runter…da ist der Felix ausgerastet. Da musste ich gestern dran denken.

    Wäre er heute noch da (Gott bewahre) wären die Wasserflaschen nach dem Waldlauf nicht nur leer sondern mit anderer, gelber Flüssigkeit gefüllt. So gute Laune hätte der.

  6. Maddin sagt:

    Wir hätten, könnten, würden, aber Stumpf ist Trumpf….

  7. Jan sagt:

    Mir kam es ebenfalls so vor, dass die Fernschüsse ein vom Trainer vorgegebenes Mittel waren. In einigen Situationen wäre durch einen klugen Pass (bspw von Holtby oder Neustädter in der jeweiligen Situation) eine wesentlich gefährlichere Torchance entstanden. Es wurde aber bewusst der Fernschuss gewählt.

    Dadurch dass die Mitte vor dem Tor mit der Manndeckung der Griechen immer sehr voll wurde wenn das Mittelfeld aufrückte hätten mehr Läufe aus dem Zentrum mit Pässen in die entstehenden Räume für Gefahr gesorgt. Holtby ist oft auf links ausgewichen und Farfan ist in die Räume rechts im Strafraum gelaufen. Aber leider fehlt dann einer der immernoch einen brauchbaren Pass spielen kann. Jones und Neustädter sind dafür nicht geeignet. Draxler war mit Holtby auf links gebunden.

    Ich denke Marko Höger hätte spätestens in der zweiten Hälfte für den erschöpften Jones (teilweise stand er ab Min 60 rum und ging nicht mehr in Zweikämpfe die 3m von Ihm entfernt waren) ein wares Wunder bewirkt.
    Durch seine Verletzung merkt man, dass die Breite im Kader leider noch nicht ausreicht um sich mit den Großen zu messen. (Etwas, dass Bayern letztes Jahr erkannt hat und auch Dortmund diese Saison früher oder später ereilen wird.)

  8. Blauer Ys sagt:

    Das entspricht hier, genau wie der Spielbericht, alles ziemlich genau auch meinen Wahrnehmungen von gestern Abend inne Arena und ich hatte gestern leider auf beiden Seiten Sitznachbarn, mit denen ein Austausch nicht sehr erquicklich war, weil beide CL-Fussballtouristen waren, die ich vorher im Fan-Shop noch schnell einen blau-weissen Schal gekauft haben und weder von Fussball noch von unserem Verein oder unserer Mannschaft auch nur die geringste Ahnung hatten. Deswegen freue ich mich über Eure Beiträge hier und bin beruhigt, daß auch Ihr es so einschätzt,

    – daß die Leichtigkeit vom Saisonbeginn komplett weg ist,
    – daß es unserem Spiel vor dem Tor doch eklatant an Qualität mangelt,
    – daß es erschreckend ist, von gefühlten 100 Kontern in der Schlussphase nicht einen zu vollstrecken
    – daß, um auch mal etwas Positives zu nennen, das Engagement aber gestimmt hat und es erstaunlich war, wie oft und schnell wir in Halbzeit zwei die Bälle in der Häfte Gegners zurückerobert haben.

    Dazu kommt für mich etwas sehr beunruhigendes, von dem mich interessiert, ob Ihr es auch so wahrgenommen habt oder ob ich das Hirngespinste habe: Hattet Ihr auch das Gefühl, daß es in der Mannschaft nicht so richtig stimmt? Die Kommunikation und Körpersprache untereinander hat sich verändert. Der Abgang vom Hunter nach seiner Auswechslung war irgendwie komisch, und irgendwie konnte der künstlich übertriebene Jubelhaufen nach dem Tor mir da auch nicht drüber hinweghelfen. Das hat mir nicht gefallen und beunruhigt mich seit gestern sehr.

    Aber vielleicht war das auch nur die Anspannung, die von dem Bewusstsein ausgelöst wurde, daß ein Sieg zwar richtig gut, alles andere aber auch richtiger Mist gewesen wäre, wie Torsten es in seinem Bericht sehr gut schreibt. Ich hoffe das zumindest und werde übermorgen genauer hingucken – und vielleicht ist dann ja auch alles wieder gut…?

  9. derwahrebaresi sagt:

    @und vielleicht ist dann ja auch alles wieder gut…?

    ich befürchte am samstag gibbet ne fette packung …

  10. Die Blog- & Presseschau für Freitag, den 23.11.2012 | Fokus Fussball sagt:

    […] sich dreckig ins Achtelfinale gespielt haben. Dumbdog beobachtete schwerfällige Schalker und Torsten Wieland stellt Fleißkärtchen […]

Schreibe einen Kommentar