Artikel im November 2012

Meinungsbildung: Auf die Formulierung kommt es an

Vor seinem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt am vergangenen Samstag verwendete der FC Bayern München zwei Zelte, um „verstärkte Einlasskontrollen“ durchführen zu können. Schnell war von „Ganzkörperkontrollen“ die Rede, sehr viele Fans jedweder Couleur protestierten auf ihre Weise.
Das vermeintliche Ergebnis dieser verschärften Kontrollen wurden gestern Früh publik.

Bayern-Sprecher Markus Hörwick verteidigt die Maßnahme: „30 bis 40 Anhänger wurden strenger kontrolliert, mussten maximal ihre Jacken ausziehen.“ Dabei wurden laut Polizei 22 Messer und ein Pfeffer-Spray gefunden.

… war bei bild.de zu lesen. Ähnliches wurde von nahezu allen relevanten deutschen Nachrichten-Webseiten gemeldet. Die Süddeutsche schrieb beispielsweise unter dem Titel „FC Bayern verteidigt Sonderkontrollen vor Frankfurt-Spiel“…

… extra zwei Zelte aufgebaut … wurden darin stichprobenartig Frankfurter Fans kontrolliert. Dabei wurden sichergestellt: 20 Messer, zwei Schlagstöcke, ein Schlagring, eine Sturmhaube und Pfefferspray, außerdem Kokain.

Der erste Eindruck beim Lesern dieser Zeilen: Dann war die Maßnahme wohl richtig, offensichtlich hat man die richtigen erwischt. Stellvertretend für diese Wahrnehmung sei hier der keineswegs als cholerisch bekannte Moritz Hoffmann aufgeführt, der gegen 9:45 Uhr twitterte:

22 Messer bei Frankfurtern gefunden? Na danke ihr Vollidioten, jetzt rechtfertigt ihr alle Übergriffe von Sicherheitspersonal. Arschlöcher.

Es wurden also 30 bis 40 Anhänger strenger kontrolliert, und dabei wurde das Waffenarsenal von 20 Messer, zwei Schlagstöcke, ein Schlagring, eine Sturmhaube und Pfefferspray sichergestellt? Stefan Krieger, Journalist und Schreiber des Eintracht-Blogs der Frankfurter Rundschau „Blog-G“, kam das merkwürdig vor. Also fragte er nach:

Fast die gesamte Medienlandschaft übernimmt ungeprüft eine schlampig formulierte PM der Bayern. Und so wundert sich keiner, dass bei 30-40 überprüften Fans angeblich 22 Messer gefunden worden sein sollen. Ein einziger Anruf bei der Polizei München klärt auf: Es wurden 22 Messer bei allen Kontrollen aller 71000 Zuschauer gefunden. Eine Quote, die in der S-Bahn höher sein dürfte.
Quelle: 1 + 2 + 3

„Schlampig formuliert“?
In der auf der Webseite des FC Bayern veröffentlichten Pressemeldung steht wörtlich:

Bei diesen Kontrollen handelte es sich weder um sogenannte „Nackt-Scanner“, noch um Untersuchungen, bei denen sich Personen „ausziehen“ mussten. Von insgesamt rund 6.600 Frankfurter Fans wurden ca. 30 bis 40 Personen gebeten, ihre Jacken abzulegen und teilweise ihre Taschen überprüfen zu lassen.

Dies sieht der FC Bayern als seine Aufgabe an, um z.B. verbotene Pyrotechnick und Gewalt im Stadion zu verhindern und um damit die Sicherheit von rund 71.000 Zuschauern in der Allianz Arena zu gewährleisten.

Bei den Kontrollen am Samstag wurden im Übrigen von der Polizei und dem Ordnungsdienst u.a. 20 Messer, 2 Schlagstöcke, 1 Schlagring, 1 Sturmhaube, Pfefferspray und Kokain sichergestellt.

„Bei den Kontrollen am Samstag wurden im Übrigen …“ ist keineswegs dasselbe wie „Bei den Überprüfungen der Frankfurter Fans …“ oder „In diesen Zelten wurden …“ oder auch nur „Bei diesen Überprüfungen …“.

Da kann man Absicht unterstellen

meint Stefan Krieger. Dem stimme ich zu.

Grandioser Kraftakt

Schalke 04 gewinnt 2:1 gegen Werder Bremen. Was das Spielerische in der Offensive angeht, war es Schalkes schwächster Auftritt der Saison. Kämpferisch war es aber ein tolle Leistung und insgesamt war es ein hochdramatisches Spiel mit glücklichem Ausgang. Was will man mehr?!

Werder Bremen hat sehr viel richtig gemacht. Man hat Schalke den Ballbesitz gelassen und zwei engstehende Viererketten aufgeboten, die keine technischen Unsauberkeiten zuließ. An diesem Tag war das entschieden zu wenig Luft für Schalke. Lewis Holtby versprangen die Bälle regelmäßig. Bremens Mischung aus Raum und Manndeckung degradierte Klaas-Jan Huntelaar zum Totalausfall. Jermaine Jones und Joel Matip leisteten sich im Spielaufbau viel zu viele Fehlpässe.

Ob vermehrte Positionswechsel Schalke hätten helfen können, wie sie es in dieser Saison schon einige Male taten? Ich weiß es nicht. Das Spiel der Blauen blieb jedenfalls weitestgehend statisch, und wenn sich der erneut erstaunlich ausdauernd ackernde Jefferson Farfan mal entscheidend durchsetzen konnte, waren in der Zentrale die Abnehmer stets gut zugestellt.

Schalke rannte an, aber letztlich bot Bremen kaum mehr als diese zwei Fehler, die zu Schalkes Toren führten, als man Roman Neustädter im Strafraum frei zum Kopfball kommen ließ und als man nach eigener Ecke nicht schnell genug wieder hinten war. Das war jedoch bereits zuviel, Schalke wusste diese Fehler grandios auszunutzen. Ein Hoch auf die Moral, den sie war Schalkes Trumpf; und auf Julian Draxler.

Julian Draxler bot als Außen den Zug zum Tor, den Ibrahim Afellay und auch Jefferson Farfán häufig vermissen ließen. Nach dem 2:1 hatte er und hatte es die ganze Offensive natürlich leichter, jetzt musste Bremen seine Defensivstrategie über den Haufen werfen. Trotzdem war es auch ein Unterschied in der Herangehensweise, vom zuvor stetigen Nach-Außen-und-wieder-zurück-Spiel zu Draxlers Tempoläufen in Richtung Tor.

Benedikt Höwedes machte seinen Job als Rechtsverteidiger meines Erachtens ordentlich, Christian Fuchs war vor allem defensiv gut. Die Abstimmung zwischen Papadopoulos und Matip passte nicht immer. Am Ende suchte sich die Fußballchaostheorie den zuvor offensiv eher unglücklich agierenden Lewis Holtby für die Abschlusspauke aus.

Nach der Führung war Schalke die Müdigkeit anzumerken, es war das siebte Pflichtspiel in 21 Tagen. Diese Leistung war ein bemerkenswerter Kraftakt in einem intensiven Spiel, das von beiden Seiten mit Haken und Ösen geführt wurde. Nach dem Schlusspfiff kamen mir Beschwerden über den Schiedsrichter von Bremer-(Fan-)Seite zu Ohren, was ich als übertriebenes Mimimi empfand, vielleicht war es aber auch nur ein ad hoc-Produkt der Enttäuschung. Bremen hat eine gute Auswärtsspiel-Leistung geboten. Aber Schalke hat gewonnen. Gut so.

Ein komisches Spiel

Welch ein intensives Spiel! Schalke erreicht nach einem 0:2 Rückstand gegen den FC Arsenal noch ein 2:2 Unentschieden und bot dabei Leistung von großartig bis gruselig. Am Ende gab es jubelnde und enttäuschte Schalker, verärgerte und zufriedene; und alle hatten irgendwie recht.

Was Schalke in der ersten Viertelstunde bot war fantastisch. Wie man Ball und Gegner laufen ließ, wie man spielerisch aus engen Situationen herauskombinierte, das war echte Champions League, das war zum Staunen. Und trotzdem warf man sich kurz drauf selbst wieder Knüppel zwischen die Beine.

Das erste Gegentor war Slapstick pur. Neustädter, der den Ball rückwärts in den Lauf des Gegners köpfte, Höwedes, der sich selbst unbeweglich grätschte und dann seinen Torwart behinderte, Unnerstall, der sich erst zu keinem Rauslaufen durchringen konnte und dann um Höwedes herumkurven musste, was ihn gegen Walcott zu spät kommen lies … Selbstverschuldeter geht’s nicht.

Dieses Ding traf Schalke ins Mark. Das zweite Gegentor und die Leistung in der folgenden halben Stunde waren Produkte des Schocks. Das Selbstvertrauen war wie weggeblasen. Fehlpässe reihten sich aneinander, plötzlich war alles unsicher und wackelig. Doch der Huntelaar-Treffer kurz vor dem Pausenpfiff, fast wie aus dem Nichts, gab Hoffnung. Und tatsächlich spielte Schalke in der zweiten Halbzeit wieder besser.

In dieser zweiten Halbzeit war nicht alles toll, aber Schalke machte Druck, blieb dran und drängte auf den Ausgleich. Die Kraft, mit der zu Werke gegangen wurde, war beeindruckend. Das Verhältnis Aufwand zu Ertrag war erschreckend.
Schalke spielt viel und gut, im Sinne des Wortes, aber Schalke spielt nicht mehr unbedingt zu Gunsten Huntelaars – und das gilt allgemein für die letzten Spiele. Farfan, Holtby und Afellay sind viel unterwegs, machen und tun, bekommen den Knicker aber zu selten auf des Mittelstürmers Fuß. Ja, Klaas-Jan Huntelaar lässt derzeit beste Chancen ungenutzt. Das ist schade, ändert aber nichts an seinen Eigenschaften als Stürmer. Will man diesen Spieler nutzen, muss man ihn im Strafraum in Ballbesitz bringen. Als „Mitspieler“ 30 Meter vor dem Tor sind die Qualitäten Klaas-Jan Huntelaars verschenkt.

Also schoss Jefferson Farfán nach dem gefühlten 163. Angriff endlich den Ausgleich, und prompt hoffte ich auf den Sieg. Ich bekenne, ich bin ein „Weiter! Weiter!“-Typ. Über Leute, die nach dem Hoffenheim-Spiel sagten, man hätte auch mal mit einem Unentschieden zufrieden sein müssen, kann ich nur den Kopf schütteln. Aber offensichtlich wollte die Mannschaft gegen Arsenal jenen Nachherbesserwissern genügen. Man war am Drücker, gab es aber auf. Schalke zog sich zurück, griff nur noch deutlich verhaltener an. Es gab noch Chancen, aber der Druck war weg. Dass sich mit solch verhaltenem Spiel trotzdem keine defensive Sicherheit erkaufen lässt, bewies Theo Walcotts Großchance in der 95. Minute.

Einen Zweitorerückstand aufzuholen ist toll, keine Frage. So richtig gelöst freuen konnte ich mich nach dem Abpfiff aber trotzdem nicht. Das Unentschieden mag „gerecht“ sein, aber Gerechtigkeit juckt mich wenig, wenn Schalke hätte gewinnen können; und meines Erachtens wäre das möglich gewesen. Arsenal ist mittlerweile – oder zumindest derzeit – mehr Name denn Klasse. Im Vergleich war Schalke die bessere Mannschaft. Fürs Achtelfinale qualifiziert ist man trotzdem noch nicht. Schade.



Foto: David Flores

Schalkewichteln 2012

So geht’s | Mitmachen | Aktuelles

Wichteln als vorweihnachtlicher Brauch ist vielerorts beliebt. Es wird in Familien, in Vereinen, unter Kollegen gewichtelt. Eine Gemeinschaft braucht es, und eben das sind wir auch. Fußballfans, Schalker, Nerdkurven-Nerds, Schalkeblogger, Schalkeblogs-Leser; und jeder der hier mehr oder weniger regelmäßig vorbei schaut ist auch stets ein Teil des Königsblogs. Da darf man sich ruhig mal gegenseitig beschenken.

Im letzten Jahr feierte das Schalkewichteln Prämiere. Das Feedback war ausnahmslos positiv, deshalb gibt es hier und ab jetzt die Neuauflage.



So geht’s

Die Anmeldephase läuft ab sofort bis zum 24.11. (Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt). Jedem Teilnehmer wird anschließend ein anderer Teilnehmer („Wichtel“) zugelost. Dieser erhält dann die zugeloste Adresse, an die er sein Geschenk verschickt. Das Geschenk muss etwas mit Fußball zu tun haben, bestenfalls sogar mit Schalke. Der Wert sollte zwischen 7 und 10 Euro liegen. Das Geschenk ist bis spätestens 13.12. zu verschicken, damit wirklich jeder sein Päckchen bis Weihnachten bekommt. Dabei darf der Wichtel auch gerne auf den Absender verzichten. Geöffnet werden darf das Geschenk natürlich erst an Heiligabend, wir sind ja keine Banausen.



Mitmachen

Um teilzunehmen sende mir bis zum 24.11. eine Mail mit dem Betreff „Schalkewichteln“ und folgenden Angaben …

  • Vorname, Name:
  • Nickname:
  • Straße, HNr:
  • PLZ, Ort:
  • URL (optional):

… an wichteln2012@koenigsblog.net .

Sobald ich die Daten erfasst habe, sende ich eine Bestätigung per Mail. Nur wer diese empfangen hat kann auch sicher sein, dabei zu sein. Nachfrage ist jederzeit erlaubt und sogar erwünscht. Allerdings kann es schon mal einen Tag dauern, bis die Bestätigung kommt, da das Sekretariat unter chronischer Überlastung leidet ;)
Die Daten des von Dir zu Beschenkenden erhältst Du am 25. oder 26. November. Du verschickst Dein Geschenk mit Fußball- oder Schalke-Bezug im Wert von zirka 7 bis 10 Euro bitte spätestens bis zum 13. Dezember.



Aktuelles

[25.11.2012]
So. Die ersten Phase wurde gestern abgeschlossen. Heute früh hat die wieland’sche Wichtelzettelmanufatur ganze Arbeit geleistet, die entsprechenden Zettelchen geschnippelt, beschriftet, gefaltet und hernach stilecht, aus einer Schalke 04-Retro-Plümmelmütze, gezogen.

Die E-Mails mit den entsprechenden Geschenkeempfängern sind nun alle verschickt.
Sollte wer eine Mail vermissen, melde er sich bitte möglichst flott bei mir.

Insgesamt sind wir 59 Wichtel und damit 3 mehr als im Vorjahr. Dabei wird von Finnland bis Frankreich, quer durchs Ruhrgebiet und von Erfurt bis zur Donau eingepackt und verschickt. Die Wichtelhochburgen sind Gelsenkirchen und Duisburg mit je 5 Wichteln. Nicknametlich dabei sind:

Angel, AR1904, Arne1904, axelix, blauesherz, Carlito, Chulian1904, daffilino, Der Metty, Derby, doc.hasenbein, dPro08, eppinghovener, Frank aus Rheinhessen, Franz, heinzgeldermann, hellwach, Jan, juni, kallemann1904, kani111, Kat, MAGsein, malte, Matthias, meinzu, Montana, Mr.Burnett, Nerve, newtons_apfel, nontec, Oli4, omenanto, Ossi, Paqui, Rantanplan, Sagittarius, Sarah, SchalkerDU, Schalkerfuchs, SchalkerJunge1959, schimanski666, Schlumfie, siika04, Sizu90, skAndy, Spook, stadioncheck, Stollengewitter, supml, Till, Timi, Tobeilinho, tommes04, TurnhallenPhil, Uckmann_Heise sowie Wieland Jr. und ich selbst natürlich.

[08.12.2012]
10 Wichtel haben ihre Sendungen mittlerweile auf die Reise geschickt, drei davon wurde bereits als angekommen gemeldet.

Das Kleingedruckte

… in Normalgröße, damit es auch nicht übersehen werden kann: Ich leite zwar diese Aktion, ich bin aber selbstverständlich auf die Vernunft aller Teilnehmer angewiesen. Falls jemand kein Geschenk erhält weil uns ein Teilnehmer verarschen will oder weil auf dem Postweg etwas schief geht, kann ich nicht dafür haften. Ich traue mich, eine solche Aktion durchzuführen, weil ich in den Jahren meiner Bloggerei nahezu ausschließlich gute Erfahrungen mit der Leserschaft und den Kommentatoren gemacht habe, auch im Umgang untereinander. Ich gehe davon aus, dass diese Aktion Spaß und keinen Ärger bereiten wird. Nur garantieren kann ich es eben nicht.



Idee: Gesehen bei Stempelwiese | Bilder: Free Christmas Wallpapers, Brenda Clarke

Ausgerechnet Hoppelheim

Nach längerer Fußballabstinenz, unterbrochen nur durch das nette Auswärtsspiel in dem gelben Versicherungssportpark, Schalke endlich mal wieder über ein ganzes Spiel sehen zu dürfen, ist an und für sich eine gute Sache. Aber ausgerechnet gegen Hoffenheim, gegen einen Verein, der mir so gar nichts sagt. Nur das eine Mal, als der von mir geschätzte Markus Babbel das Traineramt dort übernahm, horchte ich auf. Und war überrascht von seiner Entscheidung, einen sehr guten Thirty Something Torhüter Starke – zudem die Spielerpersönlichkeit im Hoffenheimer Kader – durch einen Thirty Something Wiese zu ersetzen. Das Schöne daran: Während wir einen Lauf haben, hat er keinen. Überhaupt läuft es im Kraichgau nicht rund. Das stimmt mich optimistisch, und zwar so zutiefst, dass ich bis zur bitteren Nachspielzeit an einen Sieg glauben sollte. Als Uschi bereits in der ersten Minute zu einem Schüsschen aufs Tor kommt, wenig später Firmino hohle schlägt, deute ich das als weiteres Zeichen für einen günstigen Verlauf.

Die Kraichgauer zeigen sich zu Beginn giftig, sind eng am Mann. Schalke ist spielerisch überlegen. Leider kommt in der ersten halben Stunde nichts Nennenswertes dabei heraus. Das 1:0 durch Volland nehme ich als Hallo-Wach-Kiste hin. Die Hoffenheimer machen hinten dicht und lauern auf Konter. Wenn aus dem Spiel heraus nichts geht, muss ein Standard her: Folgerichtig köpft Neustädter eine schöne Ecke von Farfan in der 36. Minute zum 1:1 ein.

Meine Halbzeitbilanz bei einem Gläschen Wein: Schalke war anfangs etwas lasch, zu nachlässig, hat sich dann aber nach dem Rückstand reingekämpft. Farfan spielt überragend. Ich bin guten Mutes. „Liga Total!“-Experte Thomas Berthold kann sich übrigens in seiner Halbzeitanalyse ebenfalls keinen Reim darauf machen, warum Afellays Treffer in der 39. nicht zählte.

In der zweiten Hälfte ist richtig Dampf drin. Schalke spielt phasenweise wunderschönen Kombinationsfußball. Das geht alles so schnell, dass ich fast nicht mehr mitkomme: Neustädter, Huntelaar, Farfan, sie schieben sich blitzschnell die Bälle zu; Afellay zieht ab; klasse Zuspiel von Holtby auf Jones; eine super Flanke von Farfan findet Jones – doch wir treffen nicht, wir treffen nicht, wir treffen einfach nicht. Ein Schuss nach dem anderen wird entweder von einem Hoffenheimer abgeblockt oder von Wiese entschärft. Ja, Wiese, der leider gegen uns ein super Spiel macht. Trotzdem: Wo ist unser Knipser Hunter? Was ist mit Fuchsens alter Bochumer Freistoßstärke, wo ist sie geblieben?

So kommt es wie es immer kommt bei mangelnder Chancenverwertung: Es gibt Elfmeter für 1899, Firmino verwandelt. Uschi gleicht zwar nochmals aus, doch in der Nachspielzeit fällt das bittere 3:2 durch Schipplock. Wir haben verloren. Ausgerechnet gegen Hoppelheim.

Ob es ein Elfer war oder nicht, ob Afellays Treffer zu Unrecht nicht zählte – das Fass Schiri-Leistung mache ich nicht auf. Weil es keine Rolle spielt. Weil man trotz ungerechter oder unglücklicher Entscheidungen als Sieger vom Platz gehen kann. Wenn man entsprechend Tore schießt.

Und dann die unsägliche Torwartfrage. Ullreich hatte beim VfB dürre Zeiten und kam zurück. Ter Stegen schwächelt und wird wieder zurückkommen. Wie wäre es, auf Unnerstall mal länger zu setzen um ihn kommen zu lassen?

Von wegen wir hätten das Unentschieden halten und hinten dicht machen sollen: Gegen ein Team wie Hoffenheim ist es legitim, aufzumachen und den Sieg unbedingt noch einfahren zu wollen. Das kann dann natürlich auch in die Hose gehen.

Ich hadere etwas mit den schlechten Spielerbenotungen in Der Westen und in Bild. Sieben bzw. sechs Mal Noten von 4 bis 5, als hätten wir einen totalen Riemen runtergekickt. Klar war Farfan (Der Westen 2,5/Bild 2) der beste Schalker, Höwedes (2,5/2) war top präsent. Aber ich habe auch bis zu seiner Auswechslung bei Holtby (5/5) lichte Momente gesehen: Ihm unterlief zwar der Fehler vor dem 1:0, doch versuchte er viel, spielte einige kluge Bälle nach vorn. Dabei geht er natürlich stets das Risiko ein, dass manche Pässe nicht ankommen. No risk no fun eben. Jones (3,5/3) gefiel mir. Ok, Matip (5/5) hatte einen schlechten Tag. Aber Uschi 4,5/5? Er war Mittelmaß, aber nicht hundsmisrablig schlecht. Er war fleißig bemüht, schoss ein Tor und sah sich beim 3:2 allein mit zwei Hoffenheimern konfrontiert. Was soll er machen?

Mein Fazit lautet: Wir haben verloren, weil wir trotz Überlegenheit in entscheidenden Phasen keine Tore machten. Hunters Ladehemmung stimmt mich in dem Zusammenhang ebenfalls nachdenklich.