Artikel im Dezember 2012

Frohe Weihnachten und guten Rutsch!

Winterpause, Jahresende, Weihnachten. 2012 war mein sechstes Jahr als Blogger. Abgesehen von den ersten beiden Jahren habe ich zwischen den Jahren stets pausiert. Das werde ich auch diesmal so halten.

Im Jahre 2012 wurden hier 159 Beiträge veröffentlicht. Dafür wurde diese Seite 828.179 mal geklickt und erhielt 2.521 Kommentare – ohne ESR-Tippabgaben, versteht sich. Das ist eine ganze Menge Kommunikation. Obwohl ich seit August weniger Beiträge veröffentlichte als in den Jahren zuvor, gibt es doch weiterhin Anteilnahme, Leser, Links, Kommentare, Diskussionen. Das ist es, was das Königsblog ausmacht, das ist für diese Webseite existenziell. Ohne Anteilnahme stellt kein Mensch sechs Jahre lang Texte ins Netz. Euer Lesen und Eure Kommentare sind mein Lohn.

Am Montag den 07. Januar geht’s hier weiter. Lasst Euch durch alberne Transfergerüchte nicht foppen, habt eine entspannte Zeit. Jedes betrübt sein ist genauso sinnlos wie himmelhoch zu jauchzen, denn auch in 2013 läuft alles wie bisher:

Schalke lebt von der Hand in den Mund, ist planlos, das Gegenteil von smart, und eifert Bayern München nach, statt sein Leitbild zu leben. Aber trotzdem geben wir nicht auf, hoffen und bangen, opfern Zeit, Geld und Leidenschaft für die Momente, in denen wir spüren, dass Schalke 04, trotz aller Nackenschläge, nach wie vor der geilste Club der Welt ist.

Und kurz drauf wird das Ganze im Königsblog diskutiert.

Frohe Weihnachten! Guten Rutsch!
Glückauf.



Grafik: HikingArtist.com

Bitterer Ausklang

Schalke verliert auch gegen Mainz 05 und scheidet aus dem DFB-Pokalwettbewerb aus. Dabei gab es durchaus Hoffnung schürende Aspekte. Als einzig wirklich positive Erkenntnis bleibt am Ende aber doch nur, dass nun Pause ist, dass der Spielbetrieb, der ganze Absturz endlich unterbrochen wird.

Schalke hat nicht toll gespielt. Schalke hat aber weder moralisch aufgegeben, noch im Anrennen jegliche Form verloren. Das war durchaus mehr, als man zuletzt erleben musste. Jens Keller hat die Mannschaft umformiert und damit durchaus Mut bewiesen. Der Einsatz Metzelders für Matip erwies sich als ok, Ciprian Marica machte ein sehr gutes Spiel und erwies sich als guter Griff. Tranquillo Barnetta erwischte es hingegen hart. Als Rechtsverteidiger eingesetzt war er ab und an nicht auf der Höhe, vor allem bei beiden Gegentoren.

Atsuto Uchida ist verletzt. Nach langer Verletzungspause und mit frischem Jochbeibruch kam Marco Höger offensichtlich auch nicht in Frage, und dass Benedikt Höwedes in der Innenverteidigung gebraucht wird, das ist einer der ganz wenigen Punkte, über die auf Schalke Einigkeit herrscht. Keller stand für den Rechtsverteidiger-Posten schlicht keine gute Alternative zur Verfügung.

So platt es auch klingt, Schalke hat über den Kampf in dieses Spiel gefunden und sich Chancen erarbeitet. Man hatte nicht wirklich den Eindruck, die Mannschaft hätte einen geeigneten Plan, wie man Mainz’ Abwehr auseinander nehmen könne. Aber der Drang war da, mit hoher Laufbereitschaft wurden verloren gegangene Bälle zurück geholt und erneut nach vorne getragen. Es reichte nicht. Neben allem, was berechtigt kritisiert werden kann, hat Schalke eben auch noch „Scheiße am Hacken“. Da hüpft der letzte Pass vom Schuh, da klatscht der Fernschuss nur an die Latte, und gleichzeitig fühlt es sich an, als sei jeder Schuss des Gegners ein Treffer.

Welch ein bitterer Abschluss. Unfassbar, wie sich dieser Verein innerhalb von nur viereinhalb Wochen und ohne Fremdeinwirkung selbst in die Grube rammen kann. Schalke 04 ist eben ein besonderer Verein. In jeder Hinsicht.

Knappenzwist

Schalke 04 hat nicht nur im sportlichen Bereich Probleme. Auch auf den Rängen der Arena ist im letzten Heimspiel ein Gegeneinander entfacht, wie man es bis dato noch nicht kannte. Dabei stehen die Ultras Gelsenkirchen als eine große Fanvereinigung einem Großteil unorganisierter Fans gegenüber. Eine furchtbare Situation, die ich hier, bestmöglich getrennt, nach Vorkommen und Meinung, darstellen möchte.

Wie sich mir die Ereignisse darstellten

Ultras GE waren und sind eine Speerspitze der Fankritik gegen das DFL-Sicherheitspapier „Stadionerlebnis“. Nachdem die DFL das Konzept, in den Augen der Ultras unzureichend verändert, verabschiedete, kündigten die Ultras GE auf ihrer Webseite an, in den Spielen gegen Freiburg und Mainz keinen „koordinierten Support“ zu leisten. Man würde aber dennoch die Plätze im Block N4 einnehmen und jedem Mitglied freistellen, ob und wie es „unsere Mannschaft nach vorne schreit“.

Tatsächlich sorgte der Gruppendruck dafür, dass die Ultras einheitlich schwiegen. Sogar beim Torerfolg durch Jefferson Farfán, in der 20. Spielminute, war unter den Ultras wenig Regung zu bemerken.

Stattdessen versuchten andere Teile der Fanschar, Stimmung zu erzeugen. Sowohl der obere Teil der zentralen Nordkurve, als auch die Ecken begannen wiederholt mit unterstützenden Gesängen. Zum Teil stimmten Südkurve und Bereiche der Haupt- und Gegentribüne mit ein. Das missfiel den Ultras in ihrer Boykotthaltung und offensichtlich fühlten diese sich provoziert. „Kinderchor“ riefen sie den weniger organisierten Stimmungsmachern entgegen. Diese machten trotzdem weiter.

Die Situation eskalierte, als die Ultras GE wiederholt und vehement „Peters raus!“ skandierten. Diese Rufe wurden von großen Teilen es übrigen Publikums, aus allen Teilen des Stadions, mit „Ultras raus!“ beantwortet.

In der Nordkurve und in den Randbereichen soll es zu Handgreiflichkeiten zwischen Ultras und Nicht-Ultras gekommen sein. Das wurde mir allerdings nur zugetragen, selbst mitbekommen habe ich das nicht.

Meine Meinung

Ich denke nicht, dass es auf Schalke eine grundsätzliche Anti-Ultra-Haltung gibt. Ich denke, dass aktuell eine polarisierende und auch meines Erachtens überzogene Haltung der Ultras den Gegenwind der Andersdenkenden abbekommen hat, dass allerdings weiterhin die Grundlage für die gemeinsame Unterstützung des Vereins gegeben ist.

Ich selbst kann mich nicht als Teil der Fanschar im Ultras- oder Supportersclub-Sinn bezeichnen. Trotzdem nehme ich gelegentlich an Fanveranstaltungen teil, beobachte und höre, was gesagt oder geschrieben wird, nehme als Mitglied mein Stimmrecht auf den Jahreshauptversammlungen wahr. Dabei habe ich die Ultras GE stets als im besten Sinn für die Vereinskultur des FC Schalke 04 förderlich empfunden. Ich wüsste auch nicht, wie ich für Peter Peters argumentieren sollte. Will ich auch nicht, ich denke, dass es auch kaum einem „Ultras raus!“-Rufer um Peter Peters ging. Diese Reaktion entstand meines Erachtens aus der Wut darüber, dass die Ultras ihre Aktion im Angesicht des sportlichen Desasters und ohne sichtbare Anteilnahme daran durchzogen. Diesen Ärger teile ich.

Da stellt Schalke 04 eine verunsicherte Mannschaft auf den Platz, da geht es um den Kopf des gewählten Jahrhunderttrainers, aber Fans sind bockig, weil eine Funktionärsentscheidung der DFL unliebsam ausfiel? Dann freut man sich plötzlich nicht mehr über das Tor der eigenen Mannschaft, dann dürfen alle anderen die Mannschaft nicht mehr unterstützen?

Natürlich fällt es dem Stadion schwer, ohne Ultras gute Stimmung zu erzeugen. Aber nicht, weil es keine anderen Fans gibt, weil alle Nicht-Ultras eh Mannschaftsauspfeifer oder Zufrühgeher sind oder weil sich diese Fans nicht einsetzen wollten. Sondern weil sie nicht geübt sind, weil die Ultras diesen Platz, den „Kopf der Kurve“, eingenommen haben, und weil es für den Rest so bequem war. Sollte es aber von heute auf morgen keine Ultras mehr geben, würde sich auch dieses Vakuum selbstverständlich wieder füllen, es würde sich was Anderes, Neues entwickeln, denn nichts ist unersetzlich.

Ich bin gegen „Ultras raus!“, ich sehe sie als einen wichtigen Teil der Schalker Fankultur. Aber ich denke, dass die Schalker Fankultur dazu da sein sollte, den Verein und die Gemeinschaft aller Schalker zu erhalten, sowie die Mannschaft des FC Schalke 04 nach vorne zu bringen. Wer nicht imstande ist, sich diesem Ziel unterzuordnen, muss sich über Gegenwind nicht wundern. Da sind Fans eben Fans, da gibt es kein besser oder schlechter. Das ist gut so.



Bild: Vectorportal

Zu Stevens, Gisdol, Keller, Heldt und Schalker Geschwätz

Ik had het gevoel dat ik nog wel iets uit deze groep zou kunnen halen.

Ist einer der zwei wichtigen Sätze in dem Statement, dass Huub Stevens dem niederländischen Magazin Voetbal Primeur gab. Dass er das Gefühl hatte, aus der Mannschaft noch etwas herausholen zu können, entspricht eben so überhaupt nicht der Aussagen von Clemens Tönnies und Horst Heldt. Diese hatten das Gespräch mit Huub Stevens so dargestellt, als sei der Trainer quasi kurz davor gewesen, von alleine hinzuschmeißen.

Ausschmückendes Darstellen, sicherlich. Professionell, mag mancher einwerfen. Aber solches Geschwätz nervt mich unendlich. Solche Unehrlichkeiten sind alle Nase lang zu entdecken, wenn man die Aussagen Schalker Protagonisten einigermaßen aufmerksam verfolgt. Sie kommen on top auf den Berg von „geschäftstypischen“ Lügen, welche jeder Fußballfan eh schon ertragen muss, wie beispielsweise Treueschwüre und Laufzeitaussagen von Spielern, die sich von den Fans feiern lassen, nur weil der andere Verein plötzlich doch nicht mehr so viel zahlen wollte wie zunächst gedacht. Das alles ermüdet sehr.

Wie schon damals bei Mirko Slomka hoffte ich auf ein stilvolles Handeln meines Clubs. Wie damals wurde ich enttäuscht. Wie damals kann ich aber auch heute die Begründung nachvollziehen.

Horst Heldt sagte in der gestrigen Pressekonferenz, man habe nicht mehr geglaubt, in dieser Konstellation das Pokalspiel gegen Mainz 05 gewinnen zu können. Mir ging es Samstag genauso. Und während ich mir als normales Vereinsmitglied den Wunsch nach Treue und Anstand leisten kann, muss ein Manager wohlmöglich handeln, wenn ihm der Glaube an den Erfolg fehlt. Schalke kann sich Erfolglosigkeit nicht leisten. Nicht nur des sportlichen Ehrgeizes wegen, sondern der Finanzen, letztlich der Existenz wegen.

Der zweite wichtige Satz in Stevens’ Statement lautete übrigens …

Ik blijf ook een goed gevoel houden bij Schalke.

Markus Gisdol

Mich überraschte es durchaus, dass Co-Trainer Markus Gisdol ebenfalls freigestellt wurde. Er gilt als jemand dem ein Cheftrainerposten zuzutrauen ist, ein Angebot dazu vom Zweitligisten Paderborn wurde bekannt, vor kurzem soll auch Hoffenheim ein Interesse an ihm gehabt haben. Auf die entsprechende Frage nach Gisdol während der Pressekonferenz gab Horst Heldt eine Antwort, in der er ausschließlich auf das Thema „Hierarchie“ abhob.
Die sei auch zwischen Stevens und Gisdol „natürlich“ klar gewesen, aber nun wolle man mit der Benennung von Jens Keller einen „klaren Cheftrainer“ und eine „klare Hierarchie“ haben, und dies sei aus Heldts Sicht mit Markus Gisdol nicht möglich gewesen. Dingdong.

Jens Keller und die Situation der Trainerfrage als solche

Wenn man die Stevens-Beurlaubung zu einem solchen Zeitpunkt als gegeben nimmt, ist die Inthronisierung Jens Kellers als Zwischenlösung eigentlich offensichtlich, und ich ärgere mich ein bisschen über mich selbst, dass mir das nicht bereits am Samstagabend bewusst wurde.
Ich denke, dass Horst Heldt von Beginn an einen Trainerwechsel für die kommende Saison anstrebte, und dass das auch weiterhin gilt. Auch glaubte ich nie tatsächlich an die Babbel-Gerüchte. Für Schalke begehrenswerte Trainer gibt es in der Regel nicht Mitten in der Saison. Einen ganz neuen Mann zu holen, um sich dann zur nächsten Saison doch wieder um einen „Wunschtrainer“ zu bemühen, wäre Schalke 04 natürlich zuzutrauen – Schalke 04 ist grundsätzlich immer alles zuzutrauen. Es wäre aber eben noch chaotischer als eine interne Zwischenlösung. Als solche bot sich Jens Keller eben an.

Als Jugendtrainer ist Jens Keller erfolgreich. Wie einst in Stuttgart ist es denkbar, dass er nach einem halben Jahr wieder ins zweite Glied zurücktritt. Jens Keller kann an Reputation nur gewinnen. Cheftrainerangebote aus dem Profibereich scheinen zuletzt ausgeblieben zu sein, und auch bei den Fans herrscht keine allzu hohe Meinung von ihm, was ein Blick in verschieden Foren, soziale Netzwerke oder auch auf die Kommentare unter meinem gestrigen Artikel zeigt.

Diese Skepsis ist natürlich nachvollziehbar, schließlich bekam Jens Keller bei seinem Cheftrainer-Engagement in Stuttgart auch nicht mehr als ein kurzes Aufbäumen zu Stande. Trotzdem sollte man auch ihm zunächst mal eine Chance geben. Ich möchte dazu an Mirko Slomka erinnern, den nach seiner Zeit auf Schalke eine kleine Ewigkeit niemand haben wollte, der nun plötzlich als Überflieger gilt, oder an Meister Veh, vor dem zwischenzeitlich auch die halbe Liga drei Kreuze machte und der nun plötzlich wieder, Land auf Land ab, hoch im Kurs steht. Auch Trainer entwickeln sich. Manchmal passen Trainer zu einem Verein, auch wenn sie bei einem anderen fehl am Platz waren. Vielleicht konnte Jens Keller aus seiner Cheftrainer-Zeit in Stuttgart lernen, wie Mirko Slomka aus seinen Fehlern auf Schalke lernte.

Nun gibt es zumindest eine Unbekannte, in die man die Hoffnungen auf ein Weiterkommen gegen Mainz 05 legen kann. Gelingt das, könnte das Weihnachtsfest auf dem Berger Feld doch noch relativ ruhig werden. Falls nicht, nicht. Jedenfalls bleibt es dabei, dass das nächste Spiel nicht nur immer das Schwerste, sondern auch das Wichtigste ist. Das gilt gleichermaßen für den Verein, die Mannschaft und die Fans. Aber „die Fans“, das ist ein Thema, welches ich erst morgen an dieser Stelle thematisieren möchte.

Schalke wirft Stevens und Gisdol raus, Jens Keller übernimmt

Schalke 04 hat Huub Stevens und Markus Gisdol beurlaubt. Was ich von Stevens Beurlaubung halte sollte durch den Beitrag „Schützt Huub Stevens!“ klar geworden sein. Dass auch Markus Gisdol rausgeschmissen wurde überrascht, galt er doch als heimliches Trainertalent und als ein möglicher Nachfolger Stevens’.

Stevens’ Nachfolger wurde nun aber stattdessen Jens Keller. Keller trat im April recht plötzlich für Schalke in Erscheinung, als er erst „heimlich“ als Scout unterwegs war und prompt zum U17-Trainer ernannt wurde. Horst Heldt holte Jens Keller einst als Jugendtrainer nach Stuttgart, dann holte er ihn nach Schalke, nun übergibt er ihm die erste Mannschaft.

Mehr Meinung später.

Ich will

… einen glücklichen Sieg. Meinetwegen durch einen unberechtigten Elfmeter. Meinetewegen nach nur einem Schuss auf das Freiburger Tor. Dieses Spiel muss weder gut noch gerecht sein. Gerne darf Freiburg anschließend mit dem Schicksal hadern, oder dem Schiedsrichter, oder beidem. Nicht, dass ich was gegen den SC Freiburg hätte. Aber ich will den Umschwung für Schalke 04, und alles soll mit Glück beginnen!

Falls es sich so nicht einrichten lässt, nähme ich allerdings auch einen völlig verdienten Sieg.

Schützt Huub Stevens!

Journalisten schießen Huub Stevens an. Nach sieben sieglosen Spielen kommt das nicht überraschend. Jetzt ist es an Horst Heldt, ihn zu schützen. Nicht nur, um Chaos zu verhindern, sondern auch, weil Huub Stevens als Schalkes Jahrhunderttrainer nicht austauschbar ist.

Ich selbst war nicht erbaut, als Horst Heldt am 27. September vergangenen Jahres Huub Stevens als Rangnick-Nachfolger engagierte. Zuvor hatte ich auf eine „Rangnick-Ära“ gehofft. Nachdem Horst Heldt zunächst vollmundig ankündigte, man wolle jemanden, der Rangnicks Arbeit fortführe, man wolle nicht die schnellste, sondern die beste Lösung, und nachdem Horst Heldt dann bereits nach 5 Tagen mit Huub Stevens aufwartete, fühlte ich mich verarscht. Ich wollte nicht loslassen vom Traum von neuen Spielideen, hoffte auf Aufbruch, neue Konzepte, Kreativität. Da war für mich Huub Stevens, der Inbegriff des soliden Pragmatikers, eine Enttäuschung.

Aber Huub Stevens hatte Erfolg. In den letzten 12 Monaten gab es immer wieder Situationen, in denen sein Pragmatismus ein Segen war. Huub Stevens war, ist und wird immer „echt“ sein. Der Mann im Trainingsanzug in der Champions League, dem es eben nicht passt, sich zu verkleiden und der – natürlich – Manns genug ist, sich durchzusetzen. Er ist authentisch, er ist nicht anders als erwartet und nichts an ihm sollte Horst Heldt oder irgendjemanden sonst tatsächlich überraschen. Nein, Huub Stevens ist nicht „mein“ Trainer, das ändert aber nichts daran, dass er auch in meinen Augen was Besonderes ist, und dass ich finde, dass sich auf Schalke im Umgang mit ihm im besonderen Maße Anstand gehört.

Mit Huub Stevens feierte Schalke seine größten Erfolge der Neuzeit. Erfolge, die Identität stifteten. Der gewählte Jahrhunderttrainer gehört zu den ganz großen Namen der ehedem ruhmreichen Vereinsgeschichte. Er hat sich seitdem nicht verändert, sich nichts zu schulden kommen lassen, ist nach wie vor dem Verein FC Schalke 04 gegenüber die Loyalität in Person. Solch einen Mann sägt man nicht ab! Mit solch einem Mann „pokert“ man nicht um Verträge! Solch einen Mann hat Horst Heldt zu schützen, denn „Stevens raus“-Rufe entsprächen einem Sakrileg!

Ich glaube, dass Horst Heldt diese zweite Amtszeit Huub Stevens’ von Beginn an bis Sommer 2013 geplant hat. Das wäre nicht verwerflich, wenn offen gesprochen wurde, was ich allerdings nicht beurteilen kann. In der jetzigen sportlichen Situation sind die ewigen Gerüchte und Zeitungsartikel gegen Huub Stevens kaum zu ertragen. Ich hoffe jetzt auf klare Worte Heldts.

Eine klare Aussage, dass man den Vertrag mit Huub Stevens nicht verlängert, dass sich der Verein im Sommer neu orientieren möchte, ist sicherlich schwierig. Nach jedem Punktverlust käme aus dem Boulevard die Frage, ob der zukunftslose Trainer die Mannschaft noch erreiche. Spekulationen über die Winterpause hinaus wären allerdings ungleich zermürbender und eben unwürdig Huub Stevens gegenüber. Eine tatsächliche, vorzeitige Entlassung Stevens’ wäre nicht nur beschämend, sondern würde erneut nur zu einer Ad hoc-Lösung auf dem Trainerposten führen.

Eine Situation, die schwierig zu kommunizieren ist. Da Horst Heldt aber bislang auf Schalke eh vor allem mit „öffentlichem Verkaufen“ seine größten Erfolge hatte, ist er der geeignete Mann dafür.