Artikel im Januar 2013

† Reinhard Nagel

Nein, er war kein Schalker. Er war mein Papa. Am Montag ist er im Alter von 76 Jahren verstorben.

In Beuthen/Oberschlesien kam er zur Welt. In Kriegszeiten flüchtete die Familie nach Bayern, wo er aufwuchs. Als er mit 19 Jahren nach Duisburg kam, um hier bei der Post zu arbeiten, als er das damals 18-Jährige Fräulein kennenlernte, das einmal meine Mutter werden sollte, konnte die ihn, ob seines bayerischen Dialektes, kaum verstehen.

In Duisburg sollte er Zeit seines Lebens bleiben. Meine Eltern heirateten 1958, im Jahr der letzten Schalker Meisterschaft. Mein Papa, den ich solange ich denken kann immer nur Fatter nannte, schaute immer Fußball. Früher an der Hafenstraße in Essen und im Wedaustadion zu Duisburg, in den letzten 20 Jahren als Anhänger des FC Bayern alles, was der Pay-TV-Decoder hergab. Wichtiger als Fußball war für ihn aber Eishockey. Dabei blieb er Duisburg stets treu, egal in welcher Liga der hiesige Club auch grade spielte.

Als ich 7 oder 8 Jahre alt war nahm er mich erstmals zu einem Eishockey-Spiel mit. Seitdem war das, bis zum Ende meiner „Jugend“, unser gemeinsames Ding. Sehr intensiv, mit vielen Auswärtsfahrten und regelmäßigen Trainingsbesuchen. Ich entwickelte mich vom faszinierten Knirps zum pickeligen Fanmob-Fan und wäre sicher ein Ultra geworden, hätte es so was damals gegeben. Fatter blieb hingegen über die ganzen Jahre wie er war. Er mochte mosern, sich aufregen, auch mal abwinken, und blieb doch treu und immer dabei.

Ich wurde spät geboren und blieb ein Einzelkind. Als ich auszog, verlor das Leben meiner Eltern eine gehörige Portion Palaver. Schneller als es – meiner Ansicht nach – hätte sein müssen, entwickelten sie „Olle Lütt-Marotten“. Ich denke, ab und an fand mein Fatter mich sicher doof. Ich glaube er hätte sich mehr und intensiveren Kontakt gewünscht, als ich mein eigenes Leben leben wollte, als mich die Fragen nach meinem Alltag nervten. Manchmal war es anstrengend, wie es eben zwischen verschiedenen Generationen anstrengend sein kann. Aber im Grunde gab es nie eine Bruch und nie einen länger anhaltenden Streit.

Als meine Kinder zur Welt kamen, tat das auch meinen Eltern gut. Mein Fatter war nun Opa und er war es gerne. Er liebte seine Enkel sehr, und sie ihn, bei ihm durften sie alles. Wenn mal ein strenges Wort angebracht gewesen wäre, weil meine Kinder den Bogen überspannten, musste er dabei lachen, weil es ihm selbst so unecht vorkam. Der stets gutmütige Opa, der seine Enkel zum lachen brachte, war seine letzte Paraderolle.

Wenn Schalke und der FC Bayern nicht grade zeitgleich spielten, habe ich die Auswärtsspiele der Blauen häufig bei ihm gesehen. Oft war mein Sohn dabei. Auch letzten Samstag war das noch so. Vor dem Spiel schenkte mein Sohn ihm ein Ribéry-Poster, das er in irgendeiner seiner Fußball-Zeitschriften gefunden hatte. Wir könnten demnächst ja mal Pizza zum Spiel bestellen, meinte mein Fatter irgendwann, da hätte er mal wieder Lust drauf. Demnächst mal, ja, auch mein Sohn war von der Idee begeistert.

Als wir nach dem Spiel aufbrachen, als wir uns wie immer verabschiedeten und ich mein übliches „Bis die Tage“ sprach, ahnte keiner von uns, dass es keine weiteren gemeinsamen Tage geben würde.

Ohne jegliche vorherige Anzeichen sackte er Montag in sich zusammen. Jede Hilfe kam zu spät.



Tschöö Fatter!
Kein Vorwurf, aber das ging mir jetzt viel zu flott.
Schade, dass ich Dir so vieles nicht mehr sagen konnte.
Aber danke für alles!

Armutszeugnis

 

„Bastos ist in der Champions League nicht spielberechtigt“

Oder doch?!

Schalke 04 soll an einer Verpflichtung Michel Bastos’ von Olympique Lyon interessiert sein. Der Transfer soll gar kurz vor dem Abschluss stehen.

„Im Gegensatz zu Raffael wäre Michel Bastos auch in der Champions League spielberechtigt.“

So steht es geschrieben, eigentlich überall, jedenfalls in allen großen Zeitungen und Webportalen. Ich habe es ungeprüft geglaubt, war dankbar, dass das geklärt wurde, denn die Beschäftigung mit den UEFA-Statuten zum Thema ist kein lustiger Zeitvertreib.

Nun war ich aber gestern Abend zu Gast im 90elf-Fußballradio, und sowohl die Moderatoren, als auch der zweite Gast, Heiko Buschmann von RevierSport, waren anderer Meinung. Michel Bastos sei für Schalke in der Champions League nicht spielberechtigt, da er für Lyon in der Gruppenphase der Europa League gespielt hat, erklärte man mir. Wesley Sneijder hingegen sei für Istanbul durchaus spielberechtigt, da er von seinem vorherigen Club Inter Mailand lediglich in der Qualifikations-Runde der Europa League eingesetzt wurde. Ich nahm das erst mal hin, schließlich wusste ich es nicht besser.

Nach der Sendung schaute ich dann aber doch noch in die Statuten …
Das Thema wird im „Reglement der UEFA Champions League“ unter Punkt 18.07 behandelt. Im entsprechenden Abschnitt steht:

In der Regel ist ein Spieler innerhalb derselben Spielzeit in einem UEFA Klubwettbewerb (UEFA Champions League und UEFA Europa League, nicht aber UEFA-Superpokal) nur für einen Verein spielberechtigt. Ein Spieler, der in der ersten, zweiten oder dritten Qualifikationsrunde bzw. in den Playoffs der UEFA Champions League oder der UEFA Europa League eingesetzt wurde, ist jedoch ab der Gruppenphase der UEFA Champions League oder der UEFA Europa League für einen anderen Verein spielberechtigt; ausserdem kann ein Spieler ab dem Achtelfinale gemäss den Bestimmungen in Absätzen 18.18 bis 18.21 unten nachgemeldet werden.

Wie gesagt, Michel Bastos spielte nicht etwa in Qualifikations- oder Playoff-Spielen der Europa League, er wurde am Nikolaustag im Gruppenspiel gegen H.I.K. Shmona eingesetzt. Verfolgen wir aber auch noch den Hinweisen nach „außerdem“ und schauen und die Punkte 18.18 bis 18.20 an, finden wir dort …

Für alle Spiele ab dem Achtelfinale darf ein Verein höchstens drei neue spielberechtigte Spieler […] nachmelden. […] Einer der drei Spieler des oben genannten Kontingents kann ausnahmsweise nachgemeldet werden, auch wenn er bereits in einem Spiel der Gruppenphase eines UEFA-Klubwettbewerbs von einem anderen Verein in der aktuellen Saison eingesetzt wurde. Voraussetzung hierfür ist, dass er nicht

a) für einen anderen Verein im selben Wettbewerb eingesetzt wurde; oder
b) für einen anderen Verein eingesetzt wurde, der derzeit im selben Wettbewerb vertreten ist.

Ich denke, dass dies der entscheidende Punkt ist. Bastos könnte, sofern Schalke 04 ihn verpflichtet, „ausnahmsweise nachgemeldet werden“. Mich würde interessieren, ob die Formulierung „auch wenn er bereits in einem Spiel der Gruppenphase“ meint, dass er zuvor tatsächlich nur in einem(!) Spiel eingesetzt werden durfte, ob die Ausnahmeregel also mit einem zweiten Einsatz wegfällt. Im Fall Bastos ist das aber egal, er war tatsächlich nur in einem Gruppenspiel aktiv.

Ich hoffe ich habe es nun richtig verstanden.

Zu Gast bei 90elf

In der 90elf-Sendung „Bolzplatz“ ging es gestern Abend hauptsächlich um den FC Schalke 04. Neben Heiko Buschmann von RevierSport durfte auch ich meine Meinung kundtun. In den rund 12 Minuten ging es um die aktuellen sportlichen Themen. Natürlich noch mal um das Torfestival am letzten Freitag, speziell um die Abwehrleistung der Blauen, um Lewis Holtby und Raffael, um den Ausblick und um Horst Heldts Entscheidungen. Jetzt hier nachzuhören.


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(12:33 Min)
mp3-Datei / Podcast-Feed / 90elf-Webseite




PS: Der von mir erwähnte „Prospekt zur Anleihe“, in dem Schalke sein Saisonziel veröffentlichte, war doch kein solcher. Es war vielmehr der Konzernabschluss 2011, in dem unter „6. Prognosebericht“ (Seite 27) veröffentlicht wurde, dass man für die Spielzeiten 11/12 und 12/13 mit dem Erreichen des dritten Tabellenplatzes plane. Ich hatte das an dieser Stelle schon mal thematisiert.

Zuviel im Normalen: Ein bekloppter Sieg

5:4! Acht Tore in der zweiten Halbzeit und am Ende bleibt Schalke 04 der Sieger, Hannover geht leer aus. Grinsend und kopfschüttelnd zugleich ging ich aus dem Stadion und viele taten es mir gleich. Irgendwie toll, und trotzdem fühlt man sich nun so wenig schlau wie zuvor.

Es stand kein neuverpflichteter Hoffnungsträger auf dem Platz. Abgesehen von Ciprian Maricas Einsatz für den gesperrten Klaas-Jan Huntelaar war es eine normale Aufstellung. Neu war vor allem der Trainer, und so schaute man natürlich vor allem darauf, ob sich die Blauen in ihrer Ausrichtung anders verhielten als unter Huub Stevens.

Wirklich neues gab es nicht zu sehen. Die 4-2-3-1-Formation mit einem linientreuen Farfán und einem einrückenden Draxler kann als üblich bezeichnet werden. Hüben wie drüben gelang es häufig, die Abwehrspieler zu langen Bällen zu zwingen. Mirko Slomka lies Roman Neustädter bei Schalker Spielaufbau durch Manuel Schmiedebach manndecken. Ohne diese „natürliche Anspielstation“ und unter Druck waren alle Schalker Verteidiger im Aufbau überfordert, was dazu führte, dass Schalke nach der Startoffensive nicht mehr recht ins Spiel kam. Die Eröffnungsschwäche der Schalker Verteidiger ist ein Problem, dass Jens Keller lösen muss. Dass Horst Heldt für eine dieser Positionen investiert, statt den xten Außenstürmer zu verpflichten, ist nicht zu erwarten.

Andererseits ließen die Blauen in der ersten Hälfte keine Hannoveraner Chance zu … um später doch noch 4 Dinger zu kassieren.

Denn plötzlich schlug es ein, überall. Für mich fühlte sich der Schalker Sieg verdient an, aber wirklich bewerten kann ich die Leistung in der zweiten Halbzeit nicht. Es gelang mir einfach nicht mehr, nach Vorteilen zu suchen oder nach taktischen Verschiebungen zu schauen. In einer Halbzeit viermal jubelnd hochspringen und sich viermal mit der flachen Hand vor die Stirn klatschen, achtmal Gefühle besprechen, von Erleichterung zu „nicht schon wieder“ und zurück, mit Abschlusskopfschütteln nach Fallrückzieher: Das war zuviel im Normalen. Wie Gruppensex nach dem Candlelight-Dinner. Toll, aber verwirrend irreal.

Hildebrand? Vier Gegentore schüren auf Schalke Reflexe, ich würde ihm aber keine Vorwürfe machen. Nicht mal beim vierten Gegentor. Mit einem Fallrückzieher aus dieser Position muss ein Torwart nicht rechnen.

Holtby? Mich hat es sehr gefreut, dass das Stadion nicht der Stimmung der Parallelwelt Nicht-Stadion folgte. Lewis Holtby hat ein gutes Spiel gemacht und natürlich würde er sich auch weiterhin reinhängen, bliebe er bis Saisonende auf Schalke. Meinetwegen dürfte er aber auch direkt wechseln, da ich glaube, dass Schalke mit Raffael für Holtby mindestens gleichwertig, eher stärker aufgestellt ist.

Marica? Auch er hat ein gutes Spiel gemacht. Er ist eh ein guter Fußballer, im Vergleich mit Klaas-Jan Huntelaar der technisch bessere Spieler. Kurioserweise ist durch seinen Treffer gegen Hannover sein Schnitt Spielminuten/Tore besser als der Huntelaars. Nein, ich möchte nicht gegen Huntelaar und für Marica argumentieren, aber ich denke, dass Ciprian Marica häufig unfair bewertet wird, dass er mehr Chancen bekommen sollte und dass etwas mehr Konkurrenz im Sturm Schalke gut tun würde.

Schalke liegt weiterhin 5 Punkte und 17 (!) Tore hinter Platz 3. Die Blauen sollten tunlichst sowohl in Augsburg, als auch zu Hause gegen Fürth gewinnen.

Raffael Caetano de Araújo

Schalke 04 hat Raffael Caetano de Araújo verpflichtet. Dadurch wird der Kader zweifellos stärker, auch wenn die offizielle Begründung zur Notwendigkeit dieses Transfers in die Irre führt.

Das Verletzungspech, vor allem der Ausfall Ibrahim Afellays, habe Horst Heldt dazu gebracht, zu handeln, heißt es allenthalben. Nun ist es aber so, dass Afellay auf Schalke, trotz anderer, damaliger Ankündigungen, stets auf der Außenposition eingesetzt wurde. Raffael hingegen ward dort in seiner bisherigen Karriere kaum gesehen. Er gibt in der Regel eine hängende Spitze oder den klassischen 10er.
Insofern ist man doch geneigt aufzuhorchen, bezüglich aktueller Gerüchte, nach denen Lewis Holtby angeblich doch noch kurzfristig nach London wechseln könnte und sich Horst Heldt noch um einen Außenstürmer bemühen wolle. Damit würde die Puzzlestücke in ihre natürlichen Positionen fallen. Bezüglich Tranquillo Barnetta und Chinedu Obasi wäre es jedoch eine Heldt’sche Selbstbezichtigung.

Wie sich die anderen Personalien auch darstellen werden, es ist meines Erachtens durchaus vorstellbar, dass Raffael gut zu Klaas-Jan Huntelaar passt.

Raffael spielt gerne hinter der einzigen Spitze, bedient diese oder nutzt selbst den sich bietenden Platz. Unter Lucien Favre hatte er bei Hertha BSC gelernt, wie erfolgreich sich eine Beteiligung an Defensivarbeit auswirken kann. Mit 27 Jahren steht er „voll im Saft“ und zeigte sich in seiner Bundesligazeit wenig verletzungsanfällig. In den letzten vier Spielzeiten kam er jeweils auf mindestens 30 Ligaeinsätze.

Raffael soll in Kiew 4 Millionen Euro verdient haben, Kiew hatte für ihn 8 Millionen Euro an Hertha BSC überwiesen. Dieser Spieler ist sicher kein Schnäppchen-To-Go für Schalke 04 und man kann nur hoffen, dass mit Schalkes Führung grade nicht mal wieder die Gäule durchgehen, was die Finanzierung der Saisonrettung angeht. Um das wirklich beurteilen zu können, fehlt es uns aber an Informationen. Auf den sportlichen Mehrwert durch diesen Transfer dürfen wir deutlich unbeschwerter hoffen. Dieses Ergebnis werden wir sehen und am Ende auch bewerten können.

Ma’kucken.



Bild: Steindy

Mal Hü, mal Hotte: Der Schalker Weg

Schalke 04 ist nach Bayern München der zweitgrößte Verein Deutschlands, sowohl bezüglich der Mitgliederzahl, als auch in der Deloitte Money League, einer Rangliste der weltweit einkommensstärksten Fußball-Klubs. Bezüglich der sportlichen Ergebnisse wurde man allerdings längst von Borussia Dortmund überholt. Horst Heldt zollt dem gelben Gegner aus dem Osten Respekt, dort hätte man vieles richtig gemacht, in den letzten Jahren. Schalke aber könne und wolle das nicht kopieren, Schalke – und damit wohl auch er, Horst Heldt selbst – habe seinen eigenen Weg. Anlässlich der Entwicklungen in jüngster Zeit steht dem interessierten Fan der Königsblauen allerdings der Mund offen und die Frage im Gesicht: Was ist denn dieser Schalker Weg?

Bayern München hat sich seine Finanzmacht mit regelmäßigen Erfolgen seit der zweiten Bundesligasaison erarbeitet. Zwar drücken den Club durch den Stadionbau heute ähnlich große Schuldenberge wie den FC Schalke 04, an der Liquidität Bayern Münchens gab es allerdings nie einen Zweifel. Um großen Fußes in die Schuldenfreiheit zu marschieren wurden zuletzt Anteile der Bayern München AG an Investoren verkauft. Erreicht man das Ende der Stadionabzahlung bei gleichzeitig dauerhaftem, sportlichen Erfolg, steht eine goldene Zukunft bevor, so offensichtlich der Plan. Sportlich handelt der Club seit Ewigkeiten ungeduldig. Die Bestimmer sind Hoeneß und Rummenigge, Trainer sind nur Trainer, und in der Regel kurzfristig. Obwohl der Verein immer wieder auch eigene Talente hervorbringt hat man doch das Gefühl, als seien Bayern-Mannschaften stets eine Zusammenstellung aus neuen (Spieler-)Trophäen.

Das Konzept Borussia Dortmunds heißt vor allem Jürgen Klopp. Meines Erachtens ist Klopp in allen Belangen der beste Trainer der Liga. Trotzdem denke ich, dass die jüngsten Erfolge ohne den Finanzcrash in der Vor-Klopp-Zeit nicht möglich gewesen wären. Borussia Dortmund stand derart nah am Abgrund, dass man sich zeitweise über das bloße Dasein freute. Für Dortmund war es ein großer Erfolg, 2009 knapp das internationale Geschäft zu verpassen. Die Verbesserung um einen Tabelleplatz in der Folgesaison war erst recht ein Grund zum Jubel. Diese „Erfolge von klein auf“ entsprachen dem Wachstum eines Vereins, Jürgen Klopp hatte Zeit zu wirken, er musste nicht mit einer von jemand anderem zusammengestellten Mannschaft sofort große Ergebnisse liefern. Nach zwei Meisterschaften ist der Club gefestigt wie nie zuvor. Neuerdings wirbt man der Konkurrenz regelmäßig junge Spieler ab. Der Kader ist gefüllt mit unglaublich viel Talent, und statt mit viel Geld und großen Namen „Erfahrung“ einzukaufen, werden eher weitere 18- oder 19-Jährige nachgeschoben. Jürgen Klopp weiß das Puzzle zusammenzusetzen und es scheint, als würde die Mannschaft mit des Trainers eigenem Zuwachs an Erfahrung ebenfalls routinierter werden, egal wie jung die Spieler sind.

Schalke 04 lebt seit dem Stadionbau und dem Zusammenkauf der Mannschaft um Bordon, Krstajic, Kuranyi usw. (2004, 2005) von der Hand in den Mund. Man übernahm sich derart, dass mehrere Male die Liquidität infrage stand. Alle „Rettungspläne“ von damals bis heute basieren auf regelmäßigen sportlichen Erfolg, auf Einnahmen aus internationalen Wettbewerben. Ist dieser Erfolg in Gefahr wird agiert, wie auch immer, ungeachtet zuvor proklamierter Vorhaben.

Sein Einstieg als Macher sei der Umbruch vom Umbruch vom Umbruch, machte sich Horst Heldt noch über den Kurs des Clubs bis zur Entlassung Felix Magaths lustig. Mittlerweile beweist sein Handeln, dass auch er mehr getrieben ist, als dass er die Geschicke des Clubs selbst betreibt. Egal welche Ergebnisse der Trainer in der Vorsaison erreichte, egal ob ein Saisonstartrekord zu Buche stand oder nicht und trotz kurz bevorstehender Winterpause, es reichen 4 Wochen schlechte Ergebnisse, um den Trainer rauszuwerfen und sein Glück im nächsten Trainer zu erhoffen, egal wie unerprobt dieser auch sein mag. Eine Verletzung eines für nur noch 6 Monate ausgeliehenen Spielers reicht aus, um Transfers aller einigermaßen namhaften und nicht allzu fest in ihren Verträgen festgezurrten Spieler in Erwägung zu ziehen. Das ist kein Sonderfall, keine Ausnahmesituation. Paniktransfers, um die kurzfristigen Ziele zu erreichen, stehen in der Tradition des Handelns von Horst Heldts Vorgängern Andreas Müller und Felix Magath; in Schalkes Tradition.

Schalke 04 hat eine hervorragende Jugendabteilung vorzuweisen, profitiert davon aber vergleichsweise wenig, da sich im stetige Wechsel von Trainern und Ad hoc-Verpflichtungen keine zusammenwachsende Mannschaft herausbilden kann. Auf Schalke ist es nicht möglich, dass ein Trainer eine Mannschaft unter eigener Einflussnahme zusammenstellt und zu spielerischer Blüte führt, vollkommen egal, wie der Trainer auch heißen mag. Schalke agiert wie ein armer FC Bayern, bei dem zwar im Falle der Erfolglosigkeit sehr schnell reagiert wird, bei dem es aber an Geld fehlt, um Akteure mit so großer Qualität einzukaufen, dass eine Verbesserung garantiert werden kann. Deshalb fängt Schalke immer wieder von vorne an und tritt dabei im Grunde auf der Stelle. Der Schalker Weg ist keiner, im eigentlichen Sinn, denn ein Weg führt in der Regel nach vorne.