Artikel im Februar 2013

Nicht mehr Spiel, aber endlich mehr Sieg

Schalke 04 gewinnt mit 2:1 gegen Fortuna Düsseldorf und allenthalben wird ein Aufatmen beschrieben. Dabei war dieses Spiel ganz sicher kein „Befreiungsschlag“, dafür war die Leistung nicht gut genug. Ein Spiel wie so viele in der letzten Zeit, nur dass am Ende eben ein Sieg stand. Vielleicht sollte man aber sogar grade deshalb besonders laut jubeln.

Schalke hatte in der ersten halben Stunde 80% Ballbesitz. Der Ball lief recht flüssig in den eigenen Reihen. War er mal beim Gegner, wurde er flott zurückerobert. Schalke wollte Druck machen, das war zu sehen. Düsseldorf wollte zunächst mal den eigenen Strafraum verteidigen, auch das war offensichtlich.

Aus derart viel „Ballzeit“ machte Schalke allerdings erschreckend wenig. Es war nicht so, dass das 1:0 ständig in der Luft lag, dass es quasi nur eine Frage der Zeit war, was man meinen konnte, wenn man nach dem Spiel die Verantwortlichen und auch viele Fans von dieser ersten Halbzeit schwärmen hörte. Schalke war doch sehr häufig nach Ballgewinnen zu langsam, verhedderte sich wieder und wieder in Einzelaktionen.

Natürlich war das 1:0 hochverdient, und hätte Schalke so weitergespielt wie zu Beginn, man hätte wohl wirklich von einer Steigerung gegenüber den letzten Spielen reden können. Doch ziemlich genau mit dem Führungstreffer war’s auch schon vorbei. Fortan spielte Schalke wieder so wie zuletzt. Eben nur bemüht.

Nach wie vor passte einfach sehr vieles nicht zusammen, bei den Blauen. Jermaine Jones überzeugte mit Kampfkraft und „Machergeist“, zu häufig war er allerdings Roman Neustädter keine Hilfe, und der ist seit geraumer Zeit neben der Spur. Die einzige Alternative für diese Position ist Marco Höger, der derzeit den Rechtsverteidiger geben muss. Das macht er ganz gut, ebenso wie Sead Kolasinac einen ordentlichen Linksverteidiger abgibt. Gegen Düsseldorf schafften es aber beide nicht so recht, ihre offensiven Vorderleute Bastos und Farfán geeignet zu unterstützen.

Schalke wirkt defensiv weiterhin anfällig. Wenn der Gegner zielstrebig durch die Mitte nach vorne spielt, hat ganz Schalke Bammel. Nicht nur die Mannschaft, auch die Fans, vermutlich auch der Trainer und der Manager, ich denke das geht rauf bis zu Herrn Tönnies’ Platz auf der Tribüne. Zum Glück suchte Düsseldorf sein Heil nicht allzu couragiert in der Offensive und zum Glück hatte auch Benni Höwedes wieder einen besseren Tag als zuletzt in Istanbul.

Schalke spielte nicht toll, aber der Wille zum Sieg war da, trotz schwindender Kräfte nach dem Champions League-Spiel unter der Woche. Auf dem Rasen hatte es später kaum Auswirkungen, aber die Einwechslung des offensiven Max Meyer für den defensiven Roman Neustädter war doch ein gutes Zeichen. Es wurde nicht erspielt, es war vielmehr ein verunglückter Abschlussversuch von Michel Bastos, der den Ball zu Joel Matip brachte, aber es war eben doch das goldene Tor des Tages.

Solche Spiele machen am Saisonende den Unterschied. Diese Schalker Mannschaft ist nicht stark genug, um sich viele Siege durch dominantes Spiel zu „sichern“, das war auch in der Saisonstartrekordphase zu Saisonbeginn nicht so. Schalke spielt viele Spiele, in denen am Ende eine geglückte Szene, ein entscheidender Zweikampf, manchmal der größere Wille und manchmal auch nur ein bisschen Massel über Sieg und Niederlage entscheiden. In diesem Bewusstsein gilt es meines Erachtens, einen solchen Sieg besonders laut zu bejubeln, nachdem man jüngst erfuhr, wir häufig so was auch schiefgehen kann.

Schalke steigert sich zur rechten Zeit

Schalke 04 erarbeitet sich ein 1:1 in Galatasarays „Hölle“. Ein gerechtes Ergebnis und eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel am 12. März, mehr aber auch noch nicht.

Am Ende war die Hölle doch recht leise. Die Fans Galatasarays hatten sich das anders vorgestellt. Sie hörten von Schalkes Abwehrschwäche, sahen Drogba im eigenen Trikot und hatten die entsprechende Erwartungshaltung. Ein gedankliches Bild, welches durchaus meiner Befürchtung entsprach.

Auf dem Platz war Schalkes Abwehrarbeit dann tatsächlich kurios. Mit unfassbaren Böcken lud man den Gegner geradezu ein. Abgesehen von diesen Aussetzern zeigte sich die Defensive aber richtig gut, zeitweise fast souverän. Schnell war klar, dass Schalke 04 dieses Spiel entscheiden würde. Die Frage war nur, ob für oder gegen sich.

Wie viele große Chancen Schalke in der ersten Halbzeit ungenutzt lies, war zum Haare raufen. Ebenso aber auch die Aussetzer zwischen defensivem Mittelfeld und Innenverteidigung. Ich fühlte mich ständig zwischen den Gedanken „jetzt sind wir aber klar die besseren“ und „ach Du scheiße“ hin und her geschubst. Dass legte sich in der zweiten Hälfte ein wenig, weil sich auch das Spielgeschehen etwas beruhigte. Ergebnisorientiert wohl die perfekte herangehensweise, das Spiel etwas kontrollierter zu gestalten und dann mittels Kontern den sich bietenden Platz nutzen. Wenn doch nur erstens diese Chancen besser ausgespielt worden wären, wenn nicht zweitens weiterhin stets ein Abwehr-Bock gedroht hätte und wenn man drittens nicht doch irgendwie das Gefühl gehabt hätte, mit etwas mehr Druck hätte man doch gewinnen können …

Nein, dieses Spiel war nicht hochklassig. Für neutrale Zuschauer mag die erste Hälfte unterhaltsam gewesen sein, die zweite war für sie wohl eher hartes Brot. Für mich als Mitzitternden war das Spiel hingegen sehr intensiv, und als „sehr intensiv“ würde ich auch die Leistung der Schalker beschreiben wollen. Es gab keine Unaufmerksamkeiten. Es wurde kaum mal gehadert, weder mit dem Schiedsrichter noch mit sich selbst. Man gönnte sich keine Pausen. Man trat selbstbewusst auf.

Angesichts der Krise in der Bundesliga hatte ich das so nicht für möglich gehalten, erst recht nicht nach dem frühen Rückstand. Vor diesem Hintergrund war die Leistung der Schalker eine enorme, eine plötzliche und eine überraschende Steigerung. Zum wichtigen Zeitpunkt. Schön!

Wat auffe Ohren: Über Huub, Heldt, Heynckes und Hoffnung

Als erklärter Podcast-Fan nehme ich weiterhin gerne (fast) jede Gelegenheit war, mich an Internet-Wortradio-Sendungen aktiv zu beteiligen. Gestern Abend bot sich mir mal wieder eine solche. Zum nunmehr 04. Mal war ich Gast der mittlerweile etablierten Sendung Blogsport360.

Über Schalke gibt’s viel zu sagen, immer eigentlich, derzeit vielleicht noch ein bisschen mehr. Entsprechend viel kann man in der Sendung von mir hören, auch wenn mir ein Skype-Fehler bei Minute 18:35 uncharmant das Wort abschnitt.

Weitere Gäste waren Florian Neumann und Nick Triantafillou.


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(44:15 Min)
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Eine Schalker Leistung für alle Gemüter

Das Spiel des FC Schalke 04 beim FSV Mainz 05 endete 2:2. Licht und Schatten, hin und her, Enttäuschung und Jubel. Trübsal blasen oder Hoffnung schöpfen, dieses Spiel eignete sich zu beidem. Auf jeden Fall war es tolle Unterhaltung.

Ich habe mich dazu entschieden, dieses Spiel „positiv zu fühlen“.

Natürlich habe ich auch das Negative gesehen, und ich kann kaum etwas entgegnen, wenn jemand darauf abheben will. Wieder gab es Szenen, in denen Schalkes Defensive schrecklich aussah. Bei den Gegentoren natürlich, und in der letzten Viertelstunde. Schalkes vermeintlicher Held Michel Bastos hatte auch an beiden Gegentreffern großen Anteil. Im Mittelfeld hatten auch in diesem Spiel Jones und Neustädter wieder große Probleme. Kein Schalker Feldspieler, auf den man nicht zeigen und ihm Fehler ankreiden könnte. Mainz war die besser funktionierende Mannschaft, hatte über weite Strecken des Spiels im Mittelfeld Vorteile und war zweikampfstärker.

Aber diesmal war das eben nicht alles. Diesmal verfiel Schalke trotz vieler Fehlpässe nicht in unkontrolliertes Gepöhle, sondern versuchte, sein Spiel weiterhin durchzubringen. Timo Hildebrand war sehr stark. Die für Schalke ungewohnte Offensivformation mit vielen Positionswechseln funktionierte grundsätzlich. Schalkes Offensivspieler waren wieder „näher beieinander“, unterstützten sich, erarbeiteten sich Chancen. Nach den Gegentoren lies sich die Mannschaft nicht hängen – fast will man schon „erstaunlicherweise“ schreiben, nach den vielen Misserfolgen in letzter Zeit. Diesmal hatte ich das Gefühl, dass Schalke dieses Spiel unbedingt gewinnen wollte, und dass man dafür bis zum Schlusspfiff alles getan hat.

Auch wenn es am Ende dazu nicht reichte, bescherte uns das ein spannendes und nie langweiliges Bundesligaspiel. Ein Spiel, an dem ich meinen Spaß hatte. In der derzeitigen Phase ist mir das sehr viel wert.

Schalkes Ziele für die nächsten 7 Jahre

In unserer Finanzplanung für die nächsten sieben Jahren sind zwei Teilnahmen an der Champions League und vier in der Europa League eingeplant.

So wird Schalkes Finanzvorstand Peter Peters in den „Westfälischen Nachrichten“ zitiert.

Ausgerechnet er, ebenso ausgerechnet einer von Schalke 04, referierte zum Thema „Wirtschaftliche Vernunft in der Fußball-Bundesliga“. Mit Witzen darüber könnte man eine TV-Show bestreiten. Ich belasse es allerdings lieber bei einem Augenzwinkern und bei der Nachricht als solche, die, wenn man den Worten Peter Peters Glauben zu schenken gewillt ist, eine Antwort auf die vielfach gestellte Frage bietet, wie viele Nicht-Champions League-Qualifikationen sich Schalke 04 leisten kann.

Gleich mit der Nieten-Saison in die 7-Jahres-Periode zu starten, wäre natürlich blöd.



Zur Erinnerung, hier auch noch mal das sportliche Saisonziel: „Ziel für 2012/2013: Schalke plant mit Platz 3“

Seit 12 Wochen Aschermittwoch

Trotz Trainerwechsel erlebt Schalke 04 einen Tiefpunkt nach dem anderen. Zum Meisterschaftsspiel nach München fuhren die Blauen ohne jeglichen Glauben an eine Chance. Eine Mannschaft, die einen Kopftrainer bräuchte, aber keinen bekommt. Erneut eine Entwicklung im Tagesgeschäft, welche die mittelfristige Planung gefährdet. Aschermittwoch seit 12 Wochen, ohne Aussicht auf ein Ostern.

Nach Karneval halten Christen 40 Tage Fastenzeit, an deren Ende das Fest der Auferstehung steht. Darben mit der Gewissheit, dass alles gut wird. Für Schalker dauert die dröge Zeit nun schon 12 Wochen an. Woche für Woche schleppt sich die Mannschaft von einem Negativerlebnis zum nächsten, der Glaube an ein versöhnliches Saisonende droht verloren zu gehen, bei vielen Fans ist er das bereits.

Man sei mit einem Fünkchen Hoffnung nach München gereist, sagte Benni Höwedes nach dem Spiel gegen die Bayern. Ich glaube das war gelogen. Schalke war nicht nur überfordert, Schalke war nicht mal bemüht. Natürlich war Schalke arg ersatzgeschwächt, natürlich stellt Bayern München den alles überragenden Kader der Liga. Trotzdem findet München in jedem Pokalspiel gegen einen Amateurverein einen bissigeren Gegner. Beißen ist das Mindeste. Nicht mal das leistete Schalke 04.

Das Defizit, welches zu einer solch eklatanten Harmlosigkeit führt, liegt zwischen den Ohren. Nach wiederholten Misserfolgen schwindet der Glaube an die eigenen Fähigkeiten. In solchen Fällen – und auch sonst – können Mentaltrainer helfen. Auf eine entsprechende Frage bestätigte Jens Keller jüngst, wie wichtig dieses Thema sei, weil sich im Fußball „viel im Kopf“ entscheiden würde. Gleichzeitig bestätigte er aber auch, dass die Hilfe eines Mentaltrainers bei Schalke grundsätzlich nicht vorgesehen ist, dass nur „vielleicht der eine oder andere Spieler“ so was nutze. Horst Heldt fühlte sich sogar gleich dazu genötigt, das Wort zu ergreifen, um klarzustellen, dass „solche Sachen“ auf jeden Fall immer mit dem Vereinsarzt abzustimmen seien. Ihm schien das Thema peinlich zu sein.

Und jetzt?

Der Stand der Dinge nach 4 Spielen der Rückrunde lautet jedenfalls, dass sich trotz Trainerwechsel am Spiel der Mannschaft nichts auch nur um Nuancen verbessert hat, und dass eine von zwei Winterverpflichtungen nicht als Verstärkung der ersten Elf angesehen wird.

Es droht eine Saison ohne Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb. Sollte tatsächlich ausschließlich die Angst vor diesem Misserfolg zur Entlassung Huub Stevens’ geführt haben, dürfte es für Jens Keller noch eng werden, trotz Heldts Beteuerungen.

Ich wünsche mir allerdings, dass Horst Heldt standhaft bleibt.

Es muss endlich aufhören, dass Schalke 04 von kurzfristigen Entwicklungen getrieben wird. Ein Anfang wäre, einen „Wunschtrainer“ zu verpflichten, und das ist sicher niemand, der grade zwischen einem 21. und 22. Spieltag vorbei kommt. Ich wünsche mir, dass Jens Keller tatsächlich bis Saisonende im Amt bleibt, dass er danach wieder seinen Job im Jugendbereich übernimmt und dass Horst Heldt zur kommenden Saison eine Nicht-Notlösung präsentiert. Auf dass der Trainerposten nach dem Rangnick-Burnout, und den Fehlern Horst Heldts in dessen Folge, wieder auf Null gesetzt wird.

Ma’kucken.



Grafik: sweetclipart.com

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