Artikel im März 2013

† Matthias in der Weide

Matthias in der Weide ist gestern verstorben. Nach „kurzer schwerer Krankheit“, nur 38 Jahre alt.

Obwohl ich ihn nicht wirklich gut kannte ist es auch für mich wie ein Schlag in den Bauch. Er und sein Blog schalkefan.de waren schon immer da, jedenfalls lange bevor ich anfing auf diversen Webseiten zu kommentieren und meine eigene Meinung zu Schalke 04 ins Netz zu stellen. Noch vor drei Wochen traf ich ihn im Stadion. Letzten Mittwoch gab es ein Treffen für „Fußball-Twitterer“, bei dem ich zugegen war und zu dem Matthias ursprünglich auch kommen wollte.

Matthias war ein kreativer Kopf und ein wichtiger Teil dieser kleinen Gruppe, die regelmäßig das Internet mit Texten zu Schalke 04 bedient; diese Gruppe, die sich mal den Namen „Nerdkurve“ gab.
Jetzt ist er plötzlich nicht mehr da. Matthias fehlt.

Übrigens: Karfreitag

… wurde in der Geschichte der Bundesliga ein einziges Spiel ausgetragen. Am 27.03.1964 empfing Hertha BSC vor 35.000 Zuschauern den Meidericher SV und gewann mit 5:2.

Die Duisburger waren damals der große Favorit. Am Ende dieser ersten Bundesliga-Saison wurde man Vizemeister, etwas, das die Zebras bislang nie wiederholen konnten. Im besagte Karfreitagspiel lag man allerdings bereits nach 4 Minuten mit 0:2 zurück. Für Berlin stand übrigens auch Otto Rehhagel auf dem Platz.

Mehr zum Spiel gibt es hier zu lesen.

100 Tage Jens Keller: Ein Rückblick

Am 16. Dezember, heute vor 99 Tagen, wurde Jens Keller auf Schalke zum Cheftrainer. Die ersten 100 Tage sind ein Zeitraum, der gerne für eine erste Bilanz herangezogen wird. In einem entsprechenden Interview in RevierSport ging es allerdings kurioserweise nur drei Sätze lang um Sport. Dabei gab und gibt es doch einiges zu betrachten.

Bislang stand Jens Keller in 12 Pflichtspielen in der Verantwortung.

  • 18.12.2012: Nur zwei Tage nach Jens Kellers Amtsantritt, verliert Schalke sein Pokalspiel gegen Mainz 05 und scheidet aus diesem Wettbewerb aus, trotz lebhafterem Auftreten als zuletzt unter Huub Stevens.
  • 18.01.2013: Schalke siegte in einem kuriosen Rückrunde-Auftaktspiel gegen Hannover 96 verdient mit 5:4.
  • 26.01.2013: In Augsburg kam Schalke nach einem grauenvoll ängstlich geführten Spiel nur zu einem 0:0.
  • 02.02.2013: Schalke spielte auch zu Hause gegen Fürth nicht gut, ging trotzdem in Führung, verlor am Ende aber sogar noch mit 1:2 gegen die ansonsten so gnadenlos erfolglosen Fürther.
  • 09.02.2013: Beim 0:4 in München erfüllte Schalke alle Erwartungen, weil niemand, auch kein Schalker Spieler, geglaubt hatte, dass man dort einen einigermaßen ernsthaften Gegner hätte abgeben können.
  • 16.02.2013: In Mainz holte Schalke nach zweimaligem Rückstand ein 2:2 und bot erstmals seit langem eine Leistung, die man positiv bewerten konnte.
  • 20.02.2013: In Instanbul, beim Champions League Achtelfinal-Hinspiel gegen Galatasaray, kam Schalke zu einem gerechten 1:1.
  • 25.02.2013: Kein zwingendes Spiel, kein Befreiungsschlag, aber eben doch ein 2:1 Sieg für Schalke daheim gegen Düsseldorf, am 23. Bundesligaspieltag.
  • 02.03.2013: In Wolfsburg lieferte Schalke das bis heute beste Spiel unter Jens Keller und siegte dabei zwingend, überzeugend und verdient mit 4:1.
  • 09.03.2013: Gegen Dortmund, im Heimspiel-Derby, gewann Kellers Mannschaft durchaus verdient mit 2:1 und bescherte der königsblauen Fußballwelt einen Feiertag.
  • 12.03.2013: Beim Champions League Achtelfinal-Rückspiel, daheim gegen Galatasaray, verschlief Schalke eine ganze Halbzeit, konnte in der zweiten Halbzeit aus Dauerballbesitz kaum Chancen erspielen und zog folgerichtig nicht ins Viertelfinale ein.
  • 16.03.2013: Beim Auswärtsspiel in Nürnberg hatte Schalke unfassbar viel Pech, hatte genug Chancen um zu gewinnen und verlor doch deutlich mit 0:3

.
Nüchtern betrachtet ist Schalke mit Jens Keller aus dem Pokalwettbewerb und der Champions League ausgeschieden. Nüchtern betrachtet hat Schalke unter Jens Keller aus 9 Bundesligaspielen 14 Punkte geholt, ein Schnitt, der in der Regel nicht zu einer Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb qualifiziert¹. Schalke hat jetzt 39 Punkte und ist punktgleich mit Platz 4, der zur Qualifikationrunde zur Champions League qualifiziert. Nüchtern betrachtet muss man aber vor allem den „Umständen“ dankbar sein, dass Schalke mit derart wenigen Punkten nach 26. Spieltagen noch Chancen auf eine Teilnahme an der Königsklasse hat².

Kommt man aber vielleicht abseits der nüchternen Daten zu einer anderen Bewertung der letzten 100 Tage?

Manch einer mag Jens Kellers ruhige und sachliche Art, manch anderer spricht ihm eben deshalb ab, eine Mannschaft begeistern zu können. Ich halte das für eine Frage des Geschmacks und deshalb für eine Bewertung seines Schaffens eher für unzulässig.

Ob Jens Keller die Mannschaft über einen längeren Zeitraum weiterentwickeln kann, lässt sich schlecht einschätzen, dafür waren auch 100 Tage noch zu wenig. Bislang ist davon aber meines Erachtens noch nichts zu sehen. Wenn auch mit anderen Protagonisten, kommen Schalkes Leistungen doch sehr vergleichbar mit denen der Hinrunde daher. Häufig hat Schalke die besseren Einzelspieler als der Gegner, aber nicht das bessere Mannschaftsspiel. Häufig ist Schalke nicht stark genug, um zu verhindern, dass am Ende Kleinigkeiten, auch Glück, über das Ergebnis entscheiden. Und weil die Münze eben mal auf die eine und mal auf die andere Seite fällt, kommt nicht mehr als eine sehr ausgeglichene Bilanz zustande³.

Bis Saisonende bleiben Jens Keller und seiner Mannschaft noch 54 Tage mit 8 Bundesligaspielen. Angesichts der bisherigen Saison kann man nicht uneingeschränkt von einem guten Ende überzeugt sein. Man kann aber darauf hoffen, dass die Tabellensituation ausnahmsweise so kurios bleibt, und das Schalke die Saison der Auf und Abs mit einem Auf beendet. Dann wäre es noch mal gut gegangen.



¹: Der aktuelle Punkteschnitt unter Jens Keller würde, auf eine ganze Saison berechnet, 53 Punkte ergeben. Diese reichten in den letzten 10 Spielzeiten zweimal zu Platz 5, viermal zu Platz 6, zweimal zu Platz 7 und zweimal zu Platz 8.

²: In den letzten 10 Spielzeiten hätte man am 26. Spieltag mit 39 Punkten um folgende Punktwerte hinter dem CL-Qualifikations-Platz gelegen: 11, 8, 14, 10, 6, 7, 12, 9, 9, 7 (Darstellung der Jahreswerte von 2012 bis 2003 in umgekehrt chronologischer Reihenfolge)

³: Insgesamt 11 Siege, 6 Unentschieden, 9 Niederlagen bei 43:43 Toren, unter Jens Keller 4 Siege, 2 Unentschieden, 3 Niederlagen bei 16:18 Toren

viagogo: Deine persönlichen Nachteile

Liebes Mitglied des FC Schalke 04,
lieber leidenschaftlicher Anhänger des FC Schalke 04,

 
die Initiative ViaNOgo, getragen von engagierten Vereinsmitgliedern, hat in den zurückliegenden Wochen viele tausend von Mitgliedern unterschriebene Anträge für eine außerordentliche Mitgliederversammlung erhalten. Wir möchten dem Vorstand unseres Vereins deutlich machen: Alle Unterzeichner lehnen die mit dem umstrittenen Ticket-Weiterverkäufer Viagogo ab 01.07.2013 getroffenen Vereinbarungen ab und empfinden diese als eine Verletzung der Werte unseres Vereins. Dies soll die Verantwortlichen zum Umdenken veranlassen.

Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
 
Leider benötigen wir nach wie vor die Unterstützung noch weiterer Teile der volljährigen Vereinsmitglieder, die mit uns einer Meinung sind, in Form einer simplen geleisteten Unterschrift.

Sehr viele Mitglieder – vielleicht sogar du – stehen Viagogo zwar prinzipiell eher ablehnend gegenüber, konnten sich bisher jedoch noch nicht zu einer klaren Stellungnahme durchringen. Dies ist ja auch nicht leicht, wenn es scheinbar gegen den eigenen Verein geht.
 
Neben denen, die hinter ViaNOgo stehen, gibt es noch zwei weitere Gruppen, um die es jetzt gleich geht:

Die Egoisten: Unter der gewaltigen Zahl der Mitglieder gibt es beim FC Schalke – wie in jeder größeren Gruppe – die, denen der eigene Vorteil wichtiger ist als eine für alle möglichst faire Lösung. Sie sehen im Vertrag mit Viagogo eine Möglichkeit zur persönlichen Bereicherung. Diese Leute wird ViaNOgo nicht erreichen können.

Die, denen das alles nicht so wichtig ist: Man hat eine Dauerkarte oder hat keine, ist aber vielleicht ganz gut vernetzt und hat sich irgendwie kuschelig in der Vereinsfamilie eingerichtet. Irgendwoher kommt immer eine Karte, wenn man mal auf Schalke möchte.

Erkennst du dich in dieser letzten Gruppe? Dann ist das hier dein Text und deine Chance.
 
Es liegt in der Natur des Menschen, erst dann wach zu werden, wenn die ganz persönlichen Konsequenzen erkennbar sind, leider ist es dann aber oft zu spät. So mag folgende Aufstellung als Motivationshilfe gelten, um vom bequemen Vereinssofa herunterzukommen.
 
Das kann sich für dich persönlich schon bald durch Viagogo ändern:

Für dich als Mitglied:

  • Jedes Mitglied hat ein Vorkaufsrecht auf ein festgelegtes Kartenkontingent. Die Beschaffung dieser Karten stellt sich schon jetzt als mühsam dar: Website überlastet, Hotline überlastet. Nicht wenige Mitglieder verzichten daher auf die Wahrnehmung dieses Vorkaufsrechts.
  • Durch den zukünftig offiziell genehmigten Weiterverkauf mit Zugewinn (max.100% abzüglich Verkaufsprovision) ist es naheliegend, dass ein noch größerer Teil der Tickets von Mitgliedern ausschließlich zum Zwecke des Weiterverkaufs erworben wird. Über Viagogo ist dies dann legal und die letzten Skrupel werden nach und nach verschwinden.
  • Noch mehr Mitglieder als bisher werden bei der Verteilung leer ausgehen, da nichts mehr da ist, wenn man im Netz oder an der Hotline endlich durchgekommen ist. Die Weiterverkäufer haben immer die größere Ausdauer.
  • In ganz gewagten Phantasien erscheint es sogar wirtschaftlich, nur zum Zwecke von Erwerb und Weiterveräußerung der Tickets für Bundesliga und internationale Spiele in den Verein einzutreten.
  • Du wirst zukünftig weniger Karten bekommen können.

Für dich als Dauerkarten-Inhaber:

  • Für dich ändert sich wenig. Wer als Dauerkarten-Inhaber nicht zum Spiel möchte, darf die Karte zukünftig mit erheblichem Gewinn weiterverkaufen, muss das aber mit seinem Gewissen vereinbaren.
  • Als Inhaber einer Stehplatzdauerkarte konntest du bisher mit relativ wenig Aufwand bei Vorhandensein eines Einzeltickets Freunde und Verwandte
    mitnehmen. Durch die freie Blockwahl in der Nordkurve konntest du gemeinsam mit ihnen das Spiel erleben. Dies wird zukünftig schwerer möglich sein, zumindest aber deutlich teurer.
  • Durch die Möglichkeit des erheblichen Zugewinns steigt bei vielen die Bereitschaft, bei eher unattraktiven Spielen oder bei schlechtem Wetter bzw. unattraktiven Anstoßzeiten die eigene Dauerkarte mit Gewinn an anonyme Käufer zu veräußern, anstatt sich letztlich doch noch zu überwinden, selbst hinzugehen. Als Inhaber von Sitzplatzdauerkarten wirst du also zukünftig immer häufiger neben völlig fremden Leuten sitzen, die ebenso häufig auch vom gegnerischen Verein stammen können. Vorher bist du schlimmstenfalls auf die immer gleichen zwei oder drei Kumpels deines Sitzplatznachbarn getroffen.
  • Du wirst oft denken, dass es früher um dich herum netter war.

Für dich als Dauerkarten-Anwärter:

  • Wer es bisher zu einer gewissen Anzahl von Spielen pro Saison nicht in die Arena schaffen konnte, immer wieder mal auch keinen Abnehmer für seine Karte fand, überlegte sich spätestens im zweiten Jahr, ob ihm die Dauerkarte, die oft ungenutzt bleibt und die er eigentlich nicht wirklich benötigt, nicht zu teuer wird.
  • Nun kann die teure Dauerkarte durch den Verkauf von 50% aller Spiele auf dieser Karte vollständig gegenfinanziert werden. Dadurch wird die Anzahl der Dauerkarten, die zum Saisonbeginn regelmäßig neu verteilt werden, stark sinken. Als Anwärter auf eine Dauerkarte wirst du mit frustrierend langen Wartezeiten rechnen müssen.
  • Die Anzahl der Personen, die eine Dauerkarte nur zum Zwecke des gewinnorientierten Weiterverkaufs erwerben möchten, wird wie bei den Einzeltickets steigen.
  • Du kannst noch lange warten, und zwar ganz lange …..

Für dich als Gelegenheitsbesucher, der gern häufiger ins Stadion gehen würde:

  • Reguläre Einzeltickets selbst für die „vermeintlich unattraktiven“ Gegner werden nach Abschluss des Mitglieder-Vorverkaufs wie oben erläutert für dich kaum noch verfügbar sein.
  • Der Weiterverkauf mit Gewinn wird allgemein akzeptiert werden und zum Normalfall, vermutlich auch außerhalb von Viagogo.
  • Die Preise für dann reichlich verfügbare Eintrittskarten werden – vorausgesetzt die Verkäufer nutzen die 100%-Aufschlag Option – erheblich steigen. Es macht hier keinen Sinn, nur die Spitzenspiele zur Betrachtung heranzuziehen; was zählt, ist der Bundesliga-Alltag. Allein der Preis für ein reguläres Nordkurven-Stehplatz-Ticket zu einem durchschnittlichen Bundesligaspiel, welches aktuell (Saison 2012/13) 15,50€ kostet, steigt durch Viagogo inklusive Versand auf 46,48€*. Das ist für den Käufer der Karte eine Verdreifachung des ursprünglichen Preises. Wobei allerdings berücksichtigt werden muss, dass auch das regulär erworbene oder das vom Kollegen zum Normalpreis übernommene Ticket eventuell mit der Post versandt werden muss – jedoch zu geringeren Portokosten.
  • Solche Beträge werden sich nur wenige regelmäßig leisten können oder wollen. Die Hoffnung, häufiger ein Spiel seines Vereins in der Arena oder auch auswärts – wo die max. 100% Regel im Übrigen nicht gilt – sehen zu können, geht wohl nur für die in Erfüllung, bei denen Geld keine besondere Rolle spielt.
  • Du wirst nicht häufiger ins Stadion gehen, sondern seltener.

Für dich als Besucher internationaler Spiele:

  • Viele Dauerkarten-Inhaber mit weiter Anreise verzichten auf das Schalke-Total-Abo, da sie Spiele in der Woche häufig nicht sehen können. So war es für dich in der Vergangenheit vergleichsweise einfach, zumindest an Karten für internationale Spiele zu kommen.
  • Mit der Möglichkeit des erheblichen Zugewinns „rechnet sich“ ein Schalke-Total-Abo bis zum Achtelfinale bereits, wenn man nur zwei Vorrundenspiele über Viagogo weiterverkauft.
  • Es gelangen so erneut weniger Karten in den freien Verkauf.
  • Diese wenigen Karten werden zudem – wie bei den Bundesliga-Karten – noch häufiger nur zum Zweck des Weiterverkaufs erworben werden.
  • Du wirst deinen Verein auch international kaum noch im Stadion sehen können.

Für uns alle in der Arena:

  • Immer häufiger werden freie Plätze von „Einmal-Besuchern“ besetzt werden, die sich das Spiel für teures Geld leisten, für dieses Geld aber auch eine ordentliche Stimmung erwarten, ohne zu ahnen, dass sie selbst ein Teil dieser Stimmung sein müssten.
  • Immer häufiger werden wir auf dem Platz neben uns Anhänger des gegnerischen Vereins erleben.
  • Überteuerte Tickets zuhause oder auswärts werden nach und nach akzeptiert, das wirkt sich auch auf den „Verkauf unter Kollegen“ aus.
  • Wir werden erleben, dass 1000 Freunde halt nicht zusammenstehen, weil sich 50 von ihnen zu Lasten der anderen 950 die Taschen vollmachen.

 
Wenn dich als volljähriges Mitglied nun eines oder mehrere dieser Szenarien wachgerüttelt haben und du denkst: „Hey, das betrifft ja mich“, dann steh jetzt auf, wenn du Schalker bist, druck dir auf www.vianogo.de diesen Zettel mit dem Antrag aus und steck ihn unterschrieben in den Briefkasten.
Nicht morgen, heute.

Wenn du kein Mitglied oder als Mitglied noch unter 18 Jahren bist und dasselbe denkst: Sprich mit so vielen Schalkern wie möglich, suche Kontakt zu anderen Mitgliedern, besonders zu denen, die nur wenig Zugang zum Internet haben und kaum über Informationen verfügen. Bitte diese um ihre Unterstützung. Habe dazu Anträge und Kuli dabei.

Mach das, steh auf, es ist dein Verein!



*) Hier noch das Rechenbeispiel für den oben erwähnten durchschnittlichen Stehplatz bei einem ganz normalen Spiel in der Nordkurve, wie es ab 01.07.2013 aussehen wird, wenn du jetzt nichts tust:

Stehplatz Einzelverkauf (Preis der Saison 2012/2013): 15,50 €
auf +100% begrenzter Aufschlag durch den Verkäufer: 15,50 €
+15% Buchungsgebühr auf den Gesamtpreis an Viagogo: 4,65 €
MwSt. auf die Buchungsgebühr 19%: 0,88 €
Versandkosten (übliche Summe auf Viagogo): 9,95€
Das macht für dich als Käufer: 46,48€

Machen statt moppern: Jederzeit in erster Reihe

Ähnlich wie zu den Themen Bahn, Kirche und Schalke-Trainer bekommt man auch zum Thema ARD & ZDF schnell eine sich beschwerdende Menge zusammen, wenn man mal umfragt. Zu Beginn des Jahres, anlässlich der Umstellung von GEZ-Gebühr auf Rundfunkbeitrag, war dem auch wieder so. Soviel Geld als Zwangsabgabe für Musikantenstadl und Wetten Dass?!, für Dauerübertragungen von Karnevalsumzügen oder Papstwahlen, das könne doch wohl nicht wahr sein, wo bleibe da denn die Qualität?!

Natürlich bin auch ich grundsätzlich gegen jegliche Abzüge von meinem Konto. Über das Programm von ARD & ZDF wird man mich trotzdem nicht meckern hören. Meines Erachtens geht es „uns Deutschen“ mit „unserem öffentlich rechtlichen Programm“ sehr gut. Die einzige Voraussetzung, um daran teilhaben zu können, ist die Änderung des eigenen Verhaltens. Weg davon, das TV-Gerät einzuschalten und zu erwarten, dass im richtigen Moment das für einen persönlich richtige Programm geliefert wird. Hin dazu, sich über Mediatheken sein Programm selbst zusammenzustellen. Die 23 TV- und 11 Hörsender liefern derart viel Gutes, dass ich kaum noch Zeit für anderes hätte, nähme ich mir vor, alles was mich interessiert zu sehen und zu hören.

Für das bundesligafreie Wochenende kann ich beispielsweise drei Halbzeiten „Verrückt nach Fußball“ empfehlen. In allen drei Teilen geht es um Fans und ihr Verhältnis zu ihrem Lieblingsprofisport. Mir gefällt vor allem der dritte Teil, in dem es um England geht, und in dem auch die Entwicklung vom Volksereignis Fußball zum sterilen Qualitätsprodukt beleuchtet wird. Aber auch die beiden andern Folgen, über italienische Ultras (Folge 2) und den Fußball in Polen und der Ukraine (Folge 1), halte ich für sehr sehenswert.



PS: Bestimmte Sendungen dürfen in den Mediatheken nur zeitlich beschränkt angeboten werden. Außerdem ist die Suche in den Mediatheken manchem zu kompliziert. Hier kann das Programm MediathekView helfen. Zum einen fasst es alle Mediathek-Suchen zusammen, zum anderen ermöglicht es das Herunterladen der angebotenen Sendungen und Filme.

Das unschöne Spiel ohne Ball

Ja ja, ich weiß, alles ist vollkommen offen. Ob Armin Veh in Frankfurt verlängert oder nicht ist offen. Mit welchem Trainer Schalke 04 in die kommende Saison startet ist offen. Nichts hängt miteinander zusammen.

Und doch warten mittlerweile eben nicht nur Eintracht-Fans auf die Entscheidung des Armin Veh. Auch Schalke-Fans warten darauf. Auch ich.

Mir gefällt das überhaupt nicht.

Mir gefällt nicht, dass ich das Gefühl habe, dass Schalke 04 nicht das Heft des Handelns in der Hand hält. Mir gefällt nicht, dass ich das Gefühl habe, dass Schalke 04 wie ein Verlierer dasteht, wenn ein Trainer eines anderen Clubs seinen Vertrag verlängert.

Mir gefällt die Situation nicht. Welcher Trainer mir gefällt, ob dieser oder jener, darüber habe ich noch nicht einmal begonnen nachzudenken. Aber dazu habe ich wohl auch noch viel Zeit.

Wie Du mir, so ich Dir?

Gestern erfuhr ein Facebook-Vorfall große Aufmerksamkeit. Nach dem Spiel in Nürnberg fand Schalkes Torhüter Timo Hildebrand an der Pinnwand seiner Facebook-Seite folgendes Posting vor:

Du dummer basdart! Erschieß dich bitte .du kanns nix

Timo Hildebrand entschloss sich, diese harten Worte nicht zu übergehen. Er entschied sich, den Fall zu veröffentlichen. Er stellte ein Bild des Postings auf seine Facebook-Seite, auf dem neben dem Text als solchem auch der Username und das offensichtliche Portraitfoto des Absenders zu erkennen war. Dazu veröffentlichte er folgenden Text:

Hallo, mußte erstmal eine Nacht darüber schlafen, bevor ich was zu dem Spiel schreibe! Waren überlegen und dennoch Verloren. Was mich noch viel mehr schockiert hat, war dieser post den ich nach dem Spiel an meiner Pinnwand hatte. Das kann nicht geduldet werden. Das ist auch der Grund weshalb ich es hier poste! Bin gespannt wie das hier diskutiert wird!

Im Laufe des Montags wurde in den Medien vielfach über den Vorfall berichtet, auch BILD und WAZ waren dabei. Während BILD im Gegensatz zu Timo Hildebrand das Foto des Täters unkenntlich machte, veröffentlichte Christoph Winkel für die WAZ, in welcher Stadt dieser wohnt und welche Schule er besucht hat.

Unter Hildebrands Facebook-Veröffentlichung waren bis Montagabend bereits über 3.200 Kommentare zu finden. Viele sind für Hildebrand aufmunternd, manche diskutieren tatsächlich die Frage, wie weit Kommentare gehen können und ab wann möglicherweise ein Straftatbestand erfüllt sei. Die überwältigende Mehrheit lässt sich aber über den Täter aus, und es dauert keine Minute, um auch solche Kommentare zu finden:

du hobbyloses Schwein lass unseren derbysieger in ruhe du arschloch sonst besucht dich mal jemand dann bist du am arsch fuck you

solche wie dich sollte man aus dem leben Boxen du bist doch Komplet am leben vorbei gelaufen haben dich deine Eltern überhaupt lieb tuhe uns ein gefallen und springe mal von einer Autobahnbrücke du bist es nicht Wert zu leben du Bastard du sollte’s ambesten nicht mehr auf Schalke kommen man macht sowas nicht gegen die eigenen Spieler ich hoffe du wirst das lesen

So ein Penner. ..ich hoffe mal er wird erschossen. .

Ich bin zwar BORUSSIA DORTMUND Fan aber dieser Bastard [Username] hat ein auf die fresse verdient !

Die Ausgangslage war eindeutig, ich habe oben bewusst vom „Täter“ geschrieben. Wenngleich ich aus dem besagten Text auch keine Bedrohung für Timo Hildebrand interpretieren würde, wurde doch die Grenze jedweden Geschmacks überschritten. Timo Hildebrand hatte nachvollziehbar Grund dazu, sich schockiert zu zeigen.

Trotzdem muss sich Timo Hildebrand stets auch seiner „Facebook-Macht“ bewusst sein. „Für ihn“ entstanden nun Postings, die keinen Deut besser sind als das, welches ihn schockierte, die eher noch schlimmer sind, die bedrohen. Meines Erachtens hat Timo Hildebrand mit dieser Form von an den Pranger stellen falsch gehandelt. Man kann nur hoffen, dass am Ende nicht wirklich noch jemandem „für Timo“ körperliches Leid zugefügt wird.