Eine Frage der Toleranz

Die FIFA hat sich dazu entschlossen eine Technik einzuführen, die dem Schiedsrichter die Entscheidung abnehmen soll, ob ein Ball die Torlinie vollständig überquert hat oder nicht. Bei der Entwicklung einer solchen Technik lässt die FIFA eine Toleranz von drei Zentimetern zu.

Der Ball als solcher hat üblicherweise einen Durchmesser von rund 22 Zentimetern. Die geduldete Toleranz entspricht also immerhin ca. 14% einer „Balllänge“. Mal länger, mal kürzer, je nachdem ob es an des Schiedsrichters Uhr piepst oder nicht.

Natürlich wird diese Technik „sehr genau“ sein. Vor allem die Szenen, in denen bereits die TV-Kameras ausreichen um eine Aussage zu treffen, werden damit in der Regel souverän entschieden werden können. Doch fehlerfreie Technik gibt es nicht, das kann jeder von uns in verschiedenen Lebensbereichen täglich erfahren. Es wird zu Fehlern kommen und es wird Szenen geben, in denen vermeintliche Fehler von TV-Kameras „bewiesen“ werden. Der Schiedsrichter ist dabei dann aus dem Schneider, für ihn wird sich die Situation verbessern. Ob es aber Spielern und Fans leichter fällt, Fehler einer solchen Installation zu akzeptieren, statt menschliches Versagen zu verzeihen, bleibt abzuwarten.



23 Kommentare zu “Eine Frage der Toleranz”

  1. hoffedocS04 sagt:

    Für mich liegt der „Fehler im System“ woanders.

    Die Technik hat im Tennis und im Eishockey, ohne dass ich von großen Debatten wüsste, funktioniert.

    Aber der Fußball hat es u.a. geschafft, alle anderen Sportarten in den Schatten zu stellen, weil sich über ihn jahrzehntelang diskutieren lässt, und er damit nie endende Emotionen entfacht. Ganze Weltmeisterschaften wurden aufgrund von Fehlern entschieden und erregten die Gemüter.

    Dieses „Archaische“, diese brodelnde Wut, wenn einem ein Tor „geklaut“ wurde oder diese im wahrsten Sinn des Wortes DIEBISCHE Freude, wenn einem ein Tor zugesprochen wird, das einem gar nicht gehört, diese GANZEN GELIEBTEN AUSRASTER, die sind dann vorbei…
    Unter diesem Aspekt wäre DEINE Befürchtung der Technik gegenüber MEINE Hoffnung.

  2. Simon sagt:

    Ich habe ehrlich gesagt das Argument, das von hoffedocS04 ins Spiel gebracht wird, nie wirklich verstanden. Meiner Meinung nach wurde das Wembley-Tor deswegen zur Legende, eben weil auch die Kameras seinerzeit kein eindeutiges Bild liefern konnten. Noch heute könnte man sich diese paar Sekunden einen ganzen Abend in lebhafter Diskussionsrunde ansehen und ich bin mir sicher – ohne Ergebnis. ;)

    Heute ist das nachgewiesenermaßen eben nicht mehr so. Das Lampardtor gegen Deutschland bei der WM 2010 wird nicht zur Legende werden, sondern hat bei den Engländern schlicht verständlichen Ärger verursacht. Wenn die Sache umgekehrt gelaufen wäre, will ich nicht wissen mit welch albernen Kampagnen Bild, Beckenbauer und Konsorten gegen alles Schlechte in der Welt gewettert hätten…

    Und es kann mir ehrlich gesagt niemand erzählen, dass der Fußball so erfolgreich ist, weil so viele Fehlentscheidungen auftreten, über die man sich nachher so schön ärgern könnte. Man ärgert sich doch mindestens genauso über blöde Abwehrfehler, „dumme Querpässe“, zögerliche Trainer – oder geduldiges Spiel einer Heimmannschaft gegen einen Abstiegskandidaten. ;)

    Wenn die Schiedsrichter damit ein wenig aus der Schusslinie genommen werden, dann wäre das schonmal ein großer Fortschritt, wenn die vollkommen offensichtlichen Fehlentscheidungen beseitigt werden ebenfalls. Strikt dagegen bin ich, dass zum Beispiel Abseitsentscheidungen per Kamera entschieden werden sollten. Einfach deswegen, weil es hier – trotz aller Regelwerke – immer noch so viel Interpretationsspielraum gibt, dass hier nie und nimmer sekundenschnelle Entscheidungen vorlägen. Wer die Fehlentscheidungen für das Salz in der Suppe hält, der kann sich auch damit trösten.

    Aber Torsten hat natürlich recht: Keine Technik ist perfekt und mit Sicherheit wird es hin und wieder zum Situationen kommen, wo wir der Torlinientechnik nicht wirklich glauben wollen, weil die Kameras doch was anderes zu zeigen scheinen…

  3. Tiki-Taka ohne Tor | Fokus Fussball sagt:

    […] Torsten Wieland beschäftigt sich mit der Fehlerhaftigkeit der Torlinientechnologie. […]

  4. RWDJojo sagt:

    Ich bin ein Gegner der Torlinientechnologie. Denn Fußball genießt auch deshalb eine so hohe Popularität, weil das Spiel immer und überall unter nahezu identischen Bedingungen stattfindet. In der Kreisklasse von Mosambik gelten die gleichen Regeln wie bei einer Weltmeisterschaft. Die Entscheidung, ob ein Ball im Tor ist oder nicht, trifft immer der Schiedsrichter. Eine Torlinientechnologie würde dies in den oberen Spielklassen ändern, so dass sich hier der professionelle Sport von der Basis entfernt.

    Mein zweites Argument gegen die Technik ist, dass solch knifflige Entscheidungen, in denen eine Technologie einen Vorteil bringt, äußerst selten vorkommen. Da stellt sich doch die Frage, ob Millioneninvestitionen das wert sind.

    Hinzu kommt dann noch, dass das System eben ein Toleranz von nicht unerheblichen 3cm zulässt. Dies ist eine Menge. Gerade die ersten 10cm sind doch die kniffligen. Danach erhöht besteht doch eine realistische Chance, dass auch ein Schiedsrichter sieht, dass der Ball im Tor war. Ich verstehe das mit der Toleranz übrigens so, dass ein Ball, der nur 1cm hinter der Linie ist, nicht als „drin“ gegeben wird. Kann man also demnächst die Torlinie 3cm breiter machen???

  5. toms3n sagt:

    Da es nun diese 3cm Toleranz geben wird, könnte doch rein theoretisch ein Schiedsrichter auch auf Tor entscheiden, wenn die Uhr nicht piepst und damit sogar recht haben. Oder halt auch nicht.
    Auch wenn ich grundsätzlich eine Entlastung der Schiedsrichter durch Technik (mehr Schiedsrichter haben es ja nicht wirklich gebracht) begrüße, befürchte ich auch, dass es nicht unbedingt weniger Diskussionen geben wird.
    Diskussionen über (vermeintliche) Fehlentscheidungen machen für mich den Fußball null attraktiver oder besonderer, sondern nur anstrengender, auch wenn es heißt, dass sich am Ende alles ausgleicht.
    Ich würde mir sogar eine nachträgliche Bestrafung von Schwalben wünschen, weil die Schauspielerei gefühlt von Monat zu Monat zunimmt und dies Unart tatsächlich Einfluss auf die Attraktivität des Sports hat…eine leichte Berührung an der Schulter verspüren -> schreiend und das Gesicht in den Händen verbergend zu Boden gehen -> mindestens Gelb wegen Unsportlichkeit.

  6. Ney sagt:

    @RWDjojo
    Du vermischt Bedingungen mit Regeln. Die Bedingungen waren und sind
    keineswegs überall nahezu identisch, ein Champions League Spiel vor
    60.000 Zuschauern bei Flutlicht auf Naturrasen im Schalker Stadion,
    wobei die Tore aus Alumnium sind (etc. pp.) unterscheidet sich ja nun
    doch erheblich von der Kreisklasse in Mosambik. Eine technische Hilfe
    für den Schiedsrichter ändert an den Regeln dagegen nichts, die bleiben
    für alle gleich.

  7. Jan sagt:

    Ich kann das Argument, dass Fussball in der Kreisklasse und im Profifussball sich dann von einander entfernen auch nicht nachvollziehen. Dann müsste die Bundesliga auch auf dem Ascheplatz von Köln-Ehrenfeld 65 spielen, weil 70.000 Zuschauer, 15 Balljungen und die elektronische Bandenwerbung andere Bedingungen schaffen als 25 Rentner, 6 Väter und die B-Jugend, die danach spielt.

  8. Juwie sagt:

    Ich freue mich auf die neue Technik! Auch wenn sich die Technik, wie Torsten natürlich ganz richtig anmerkt, auch schon einmal irren kann, und auch wenn eine Tolleranz von sagenhaften 3 cm erlaubt bleibt. Ich halte jedenfalls den „Irrfaktor“ der Schiedsrichter und vor allem deren Tolleranz für weitaus größer. Nicht immer, aber fast immer.

    An der Attraktivität des Fußballs wird die Technik sicher nichts verschlechtern, dann die ist auch für mich absolut nicht von Fehlentscheidungen abhängig. Ich glaube sogar, dass das Gegenteil eintreten kann, denn die Technik macht zumindest die Torentscheidungen ein ganzes Stück gerechter. Natürlich treten diese engen Entscheidungen nicht in jedem Spiel auf, aber man sollte die Technik, wenn sie denn von Nutzen sein kann, auch einsetzen. Wie toll wäre es denn, wenn bei jeder Schwalbe eine Sirene losheulen würde. Traumhaft. Und da können 10 Fernsehreporter behaupten: „es hat aber eine Berührung gegeben“. Als wenn eine Berührung die Ermächtigung dazu ist, sich fallen zu lassen. Da bin ich ganz bei @toms3n.

    Und @Ney kann ich auch nur beipflichten – die Bedingungen sind weiß Gott nicht überall gleich. Ich könnte da von Fußballplätzen erzählen… Aber das würde jetzt auch zu weit führen.

  9. Torsten sagt:

    Ich bin ganz grundsätzlich (auch) gegen Technik. Ich befürchte, dass damit die Büchse der Pandora geöffnet wird. Bei der nächsten WM kassiert England ein Tor, nachdem ein Erbe Henrys den Ball mit der Hand spielte und die Welt wird fragen, wieso der Schiedsrichter keine Info von Außen bekommen darf, obwohl die Situation im TV doch eindeutig zu belegen war; in Sachen Torlinie hätte man doch auch eine Lösung gefunden, usw. usf.

    Die jetzt favorisierte Tortechnik hat zumindest den Vorteil, dass sie für den Zuschauer nicht in Erscheinung treten wird. Es gibt kein Leuchten und keine Sirene bei einem Tor, der Schiedsrichter erhält lediglich ein Zeichen über seine Uhr. Dass er den Hinweis auf ein Tor von einem Computer bekommt und nicht per Sprechfunk von seinem Assistenten, wird für uns nicht zu bemerken sein. Insofern wird der „Störungsfaktor“ gleich 0 sein. Immerhin dafür bin ich dankbar.

    Aber nebenbei bemerkt: Mit der Torlinientechnik wird sich die Welt umgewöhnen müssen. Denn dass der Ball tatsächlich mit vollem Umfang (oder Durchmesser, egal) die Linie überquert haben muss, um im Tor zu sein, ist man nicht gewohnt. Meines Erachtens wird grundsätzlich zu früh auf Tor und auf Aus an der Seitenlinie entschieden, eben weil es so weniger Ärger mit den Entscheidungen gibt. Ähnlich wie bei der gleichen Höhe bzgl. Abseits, die grundsätzlich abgepfiffen wird.

    Wie toll wäre es denn, wenn bei jeder Schwalbe eine Sirene losheulen würde. Traumhaft.

    Für mich der absolute Albtraum.

  10. hoffedocS04 sagt:

    @RWDJojo
    Zum genauen Blick der Schiedsrichter nur ein Hinweis auf das „Tor“ von Thomas Helmer für Bayern München. Du erinnerst Dich? Der Schiedsrichter zeigte auf den Mittelkreis und gab das Tor, während Helmer verdutzt samt Ball NEBEN dem Tor stand.
    In Sinsheim hat die TSG ein Führungstor gegen die Bayern geschossen, bei dem der Ball MITTEN im Tor landete, alle im Stadion + Fernsehkamera sahen es. Nur der Schiedsrichter ließ weiterspielen als habe es dieses Tor nicht gegeben.

    Trotzdem stehe ich zu dem, was ich oben geschrieben habe. Warum wohl kommen Handball, Eishockey, Basketball etc. nicht entfernt an die „Elektrisierungswerte“ des Fußballs heran? Hat das nicht mit den Emotionen zu tun(?), und die werden in einem rationalen, technisch kontrollierten Umfeld weniger. Ich habe nicht gesagt, dass Fehlentscheidungen den Reiz des Fußballs ausmachen, aber sie geben u.a. den Stoff für die ganz großen Dramen.

    Es hätte auch Schalkes 4-Minuten-Meisterschaft nie gegeben, wenn im Fußball wie im Eishockey und im Handball die Uhr angehalten würde. Dann gäbe es keine willkürlichen Nachspielzeiten mehr, und Schalke wäre Meister gewesen!! Diese Willkür ist heutzutage nur noch typisch für den Fußball. Oder sollen wir die Spielzeit stoppen, wenn sich einer am Boden wälzt, die Schuhe bindet oder ausgewechselt wird? Auch diese 1 bis 5 Minuten, auf die jeder mit Spannung wartet, sind archaisch und – wie wir alle wissen – der Stoff für die großen Fußballdramen. Aber wollen wir es anders???

  11. Maddin sagt:

    Da bin ich ganz bei Hoffedoc.
    Fussball ist mehr als die bloße Einzelentscheidungen, mehr als Samstag 15:30. Fussball ist 3 Tage hadern mit der Schirientscheidung. Der Chip im Ball wäre erst der Anfang. Das Ende könnte das Uhranhalten bei Spielunterbrechungen sein. Soccer sollte Soccer bleiben und niemals Football werden.

  12. malte sagt:

    Dass Fussball in diesen Breitengraden populärer ist als andere Sportarten hat meiner Ansicht nach weniger mit den Dramen drum herum zu tun sondern ist einfach ein regionales „Phänomen“. In den USA zum Beispiel sind diese Sportarten mit den gleichen (oder sogar noch mehr?) technischen Hilfsmitteln deutlich populärer als Fussball. Ohne selbst je dabei gewesen zu sein würde ich mal mutmaßen, dass die Emotionen dort ähnlich hochkochen wie hierzulande bei einem Fussballspiel.

  13. RWDJojo sagt:

    Ja, ich weiß, mein Argument mit gleichen Regeln für Alle hinkt ein wenig. Aber dennoch sind strittige Torentscheidungen so selten, dass ich es nicht für richtig halte, dafür Millionen zu investieren nur um für den Fall des Falles gewappnet zu sein.

    Und wie Torsten schon anmerkte, befürchte ich auch, dass dies dann erst der Anfang ist. Nach und nach wird man bei immer mehr Entscheidungen nach einem Videobeweis oder anderen technischen Hilfsmitteln rufen.

    @Hoffe
    Natürlich gab es immer mal wieder krasse Fehlentscheidungen. Die wird es auch in Zukunft geben. Aber wenn eine Technik eingeführt wird, werden sich die Schiedsrichter zukünftig darauf verlassen und nur noch auf Tor entscheiden, wenn vorher die Pulsuhr vibriert hat. Was passiert, wenn plötzlich die Technik ausfällt??? Es gibt genügend Tore in der Bundesliga, bei denen der Ball zwar klar hinter der Linie ist, aber kurz dahinter geklärt wird. Verlässt sich der Schiri in so einer Szene auf die Technik, die zufällig in dem Moment streikt, wird er sich wundern, dass es nicht vibriert und das Spiel laufen lassen!!!

  14. Simon sagt:

    Zitat RWDJojo:
    „Es gibt genügend Tore in der Bundesliga, bei denen der Ball zwar klar hinter der Linie ist, aber kurz dahinter geklärt wird. Verlässt sich der Schiri in so einer Szene auf die Technik, die zufällig in dem Moment streikt, wird er sich wundern, dass es nicht vibriert und das Spiel laufen lassen!!!“

    Das wäre natürlich fatal! Ich hoffe aber, dass die Schiedsrichter dahingehend sensibilisiert werden, dass sie dennoch – und auch in erster Linie – ihren Augen vertrauen, bei all den Fällen, die doch recht klar sind.

    Noch ein Argument zu den gleichen Bedingungen: Durch die Hintertür ist der Videobeweis zum Teil eh schon eingeführt worden. Ich erinnere mich an ein BL-Heimspiel der Leverkusener, in welchem diese den Schiedsrichter durch die Bilder auf der Videoleinwand überzeugen konnten, doch eine Ecke zu geben, die dann, wenn ich mich richtig erinnere, auch noch zu einem Tor führte…

    Und die Bedingungen sind rund um den Globus und quer durch die Spielklassen in der Tat auch schon jetzt recht ungleich.

    Wie Emotionen und den Fehlentscheidungen mit der persönlichen Faszination für den Fußball zusammenhängen, lässt sich letzten Endes wohl nicht auf einen gemeinsamen Nenner bringen.

    Ich persönlich bin über jede Reduzierung von Fehlerquellen dankbar – so lange dadurch das Spiel nicht unterbrochen wird. Einen Videobeweis für strittige Szenen wie Handspiel, Schwalbe, etc. lehne auch ich strikt ab – allein deswegen, weil diese Szenen eben oft gar nicht eindeutig zu klären sind, sondern, gerade beim Handspiel und Abseitssituationen, im Gegenteil oft weiten Interpretationsspielraum hergeben.

    Daran dass auch für die Torentscheidung eben keine Torkamera einführt worden ist, hoffe ich ablesen zu können, dass ich in diesem einen Fall mal mit der FIFA einer Meinung bin und wir daher kein Einfallstor zu befürchten brauchen…

  15. Torsten sagt:

    Das wäre natürlich fatal! Ich hoffe aber, dass die Schiedsrichter dahingehend sensibilisiert werden, dass sie dennoch – und auch in erster Linie – ihren Augen vertrauen, bei all den Fällen, die doch recht klar sind.

    Das kannst Du wohl vergessen, da bin ich mir ziemlich sicher. Dafür ist das Spiel zu schnell. Da werden die Schiedsrichter sicherlich eher an ihrer Wahrnehmung zweifeln, als an der Maschine. Eben wegen der trügerischen Wahrnehmung wird der Klumpatsch ja eingeführt.

  16. RWDJojo sagt:

    Das wäre natürlich fatal! Ich hoffe aber, dass die Schiedsrichter dahingehend sensibilisiert werden, dass sie dennoch – und auch in erster Linie – ihren Augen vertrauen, bei all den Fällen, die doch recht klar sind.

    Ein klares Tor ist es demnächst nur noch, wenn der Ball ne Beule ins Netz macht (was ja bei 95% aller Tore passiert). Bei allen anderen Entscheidungen wird man sich auf die Technik verlassen.
    Das ist doch ähnlich wie beim Abseits, beim Aus und Fouls an der Seitenlinie. Der Schiedsrichter verlässt sich dabei auf seine Assistenten. Selbst wenn er die Situation klar erkennt, wartet er noch auf die zweite Meinung des Assistenten an der Linie. Entspricht die Meinung des besser postierten Linienrichters nicht der des Hauptschiedsrichters zweifelt dieser doch auch an seiner eigenen Wahrnehmung und lässt das Spiel gem. der Entscheidung des Assis weiterlaufen. Das der Hauptschiedsrichter auch mal alleine entscheidet bzw. seine Untergebenen überstimmt ist mir klar. Aber grundsätzlich passt das schon so!

  17. hoffedocS04 sagt:

    @R (WDJojo)
    @Mad (din)
    Fühle mich durch die ewige Verstümmelung meines Namens allmählich von der S04Fanschaft ausgegrenzt und überlege Konsequenzen;-)

    @Simon
    Die neue Technik beruht auf Torkameras. Der „Chip im Ball“ ist out.
    Nun könnten z.B. von den vielen Kameras drei ausfallen, dann gibt das perspektivisch schon ein anderes Bild. Und vielleicht erscheint dann auf der Uhr des Schiedsrichters ein verwackeltes oder flimmerndes „GOAL“, und dann müsste man nach dem Spiel im Büro der Verantwortlichen schauen, welche Kameras sind ausgefallen und wo war der Ball wirklich, und dann erfahren wir am übernächsten Tag aus den Tagesthemen, welche Mannschaft wieviel Tore geschossen hat … oder so ..

  18. Ney sagt:

    Zu Torsten Wieland sagt man in der Regel doch auch nur Torsten,
    wieso nicht auch hoffedocS04 einfach beim altbekannten Rufnamen
    nennen.

  19. hoffedocS04 sagt:

    Ja, Ney, Du musst Dich fürchten, denn wenn ich bei Dir drei Buchstaben weglasse, bleibt von Dir nichts übrig;-))

  20. McP sagt:

    Technik als Büchse der Pandora – irgendwie fühlen sich Deine Argumente seltsam an, Torsten. Du bemängelst, dass der Schiri zu früh auf Tor, Aus (und Abseits) entscheidet, bist aber vehement gegen eine Technik, die das verbessern könnte. Du meinst, Schiris würden mit ihren (Fehl-)Entscheidungen Ärger aus dem Weg gehen wollen und gleichzeitig bist Du u.a. gegen die Technik, weil man Schiris vermeintlich eher Fehler verzeiht. Das passt irgendwie nicht zusammen. Ich würde auch bezweifeln, dass die Macher der Torlinientechnik nach Fehlern dann insgesamt mehr Mord- und ähnliche Drohungen bekämen als die Schiris. Zumal die Technikfehler weitaus weniger auffällig wären.

    Nach meinem Verständnis ist die Fehlertoleranz nicht 14% des Fußballdurchmessers, sondern bis zu 14%; was z.B. der Fall wäre, wenn der Ball zu 2,9999 cm im Tor ist und die Positionsberechnung daraus 0,0001 cm nicht im Tor macht. Ist der Ball dagegen zu 2,5cm nicht im Tor und die Technik berechnet 0,5cm im Tor, beträgt der relevante Fehler nur 0,5cm. Im Schnitt haben wir also eine relevante Fehlertoleranz (wenn ich das richtig überblicke) von 7%. Technik hat zudem die erfreuliche Eigenschaft mit der Zeit immer besser zu werden. Sobald die Firmen Einnahmen mit der Technik erzielen, würde mMn die Fehlerhaftigkeit auch schnell sinken.

    Was mich persönlich zweifeln lässt, sind eher die Argumente von RWDJojo. Sind diese teuren Investitionen es überhaupt wert? Und ist es ein schützenswertes Gut, dass der Fußball in allen Ligen grundsätzlich gleich ist? Zu letzterem könnte man allerdings anmerken, dass die 1. Bundesliga gegenüber der 8. südafrikanischen Liga mehr und bessere Schiris einsetzt und daher auch schon ohne Technik sehr viel weniger Fehler produziert.

  21. Torsten sagt:

    Ich habe mich da wohl missverständlich ausgedrückt. Ich schrieb zwar „Meines Erachtens wird grundsätzlich zu früh auf Tor und auf Aus an der Seitenlinie entschieden“, ich sehe darin aber keinen Mangel den es unbedingt abzustellen gilt. Ich wollte das nur feststellen und bemerken, dass eine andere Bewertungsinstanz – eben die Maschine anstatt der Mensch – zu für uns ungewohnten Ergebnissen kommen wird. Dass die Schiedsrichter das so handhaben wie sie es handhaben hat ja einen Grund, es ist für alle Beobachter in Realgeschwindigkeit nachvollziehbar. Wenn wir Probleme erkennen – das gilt auch bei den meisten kritischen Tor oder Nicht-Tor Entscheidungen – werden wir dieser Mängel sehr häufig erst durch Zeitlupen gewahr. Wir setzen demnächst also Technik ein, um Dinge zu verbessern, die erst durch den Einsatz von Technik zum Problem werden. Da der Einsatz von Superzeitlupen und der 28. Wiederholung nicht abzuschaffen ist, ist das wohl notwendig. Ich finde es trotzdem nicht gut.

    Von wegen „sondern bis zu 14%“: Ich habe nichts anderes behauptet. Ich schrieb „die geduldete Toleranz entspricht“ und natürlich gehe ich dabei vom worst case aus, schließlich wird dann das Geschrei am lautesten werden.

    Die Frage nach dem Geld, ob sich eine solche Investition lohnt, finde ich eher befremdlich. Profifußball ist ein Milliardengeschäft. Die Installation von flackernden LED-Werbebanden ist vermutlich deutlich kostspieliger.

    Und ist es ein schützenswertes Gut, dass der Fußball in allen Ligen grundsätzlich gleich ist?

    Die Rahmenbedingungen sind nicht gleich, können nicht gleich sein, wie ja nun schon mehrfach festgestellt wurde. Dass das Spiel als solches, eben alles das, was das Regelwerk vorschreibt, möglichst gleich ist, das halte ich für ein hohes/wichtiges Gut. Das würde m.E. beschädigt, wenn der Schiedsrichter bspw. für eine Videoentscheidung an den Rand gehen und sich erstmal ein Filmchen anschauen würde … dadurch würden Pausen entstehen, Timeouts, die das Spiel verändern würden. Diese Tortechnik, die „nur“ dazu führt, dass des Schiris Uhr piepst, halte ich insofern für „bestmöglich“.

  22. Simon sagt:

    @ hoffedocS04:
    Danke für die Erläuterung zur Technik! Das wusste ich nicht. Hoffen wir dennoch auf möglichst wenige Fehler und mein Kommentar dazu, dass ich Kameras ungern sähe bezog sich auch eher auf Situationen, wie sie Torsten im letzten Absatz des vorangehenden Posts ausgemalt hat. Timeouts, etc. lehne ich auch entschieden ab.

    PS: Gestern abend gab es dann kurz vor Schluss nochmal eine folgenreiche Fehlentscheidung, die auch mit der neuen Technik so entschieden worden wäre und jede Menge Ärger – zumindest für eine Seite – produzierte. Also „alles gut“. ;)

  23. Torsten sagt:

    Übrigens, von wegen Büchse der Pandorra aka Forderung von technischen Hilfsmitteln über die Torlinientechnik hinaus:

    Der erste Funktionär, von dem ich das nun gelesen habe, ist Horst Heldt.
    http://www.reviersport.de/2285.....chter.html

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