Artikel im August 2013

Schalke 04 verpflichtet Kevin Prince Boateng!

Schalke 04 hat Kevin Prince Boateng vom AC Milan verpflichtet. Ein auf höchster Ebene erprobter Spieler, wahnsinnig vielseitig. Fraglos eine große Verstärkung für den Kader der Blauen. Aber auch ein ziemlich heftiger Zug an der Notbremse durch Horst Heldt, dessen Transferpolitik zuvor in die entgegengesetzte Richtung fuhr. Ein Transfer, der Schalke die gerade erst gewonnenen Gelder für die Teilnahme an der Champions League-Gruppenphase kosten dürfte.

„Clemens hat grünes Licht gegeben …“ lautete die Botschaft für Kevin Prince Boateng am Donnerstag, gegen 17 Uhr im Düsseldorfer Hyatt Hotel. cami04 hatte das gehört, er hat davon berichtet, und niemand hat ihm geglaubt. Ich auch nicht. Zu abwegig schien mir ein Transfer dieser Größenordnung, nach den Erfahrungen mit Horst Heldts Transferpolitik in den letzten Jahren.

Sein Name wird gerne abgekürzt, „KPB“, auf seinem Trikot steht „Prince“, 11 Freunde titelte nur „Boa!“ und seine Mitspieler in Mailand nannten ihn angeblich „Popstar“. Neben vier verschiedenen Möglichkeiten ihn zu benennen gibt es auch (mindestens) vier verschiedene Möglichkeiten, ihn auf dem Platz einzusetzen. In der vergangenen Saison spielte er für Mailand meistens auf der Rechtsaußen-Position oder im offensiven Mittelfeld hinter dem Stürmer, ab und an aber auch etwas defensiver oder auf der linken Seite.

Auf Schalke werden nun zunächst alle Blicke auf ihn gerichtet sein. Schalke hat sich mit ihm ein neues, markantes Gesicht gekauft. Ein Star, der von den Medien gerne als solcher angenommen werden wird, der sich dazu mehr anbietet als der doch recht ruhige Klaas-Jan Huntelaar oder der noch so junge Julian Draxler. Boateng wird Druck auf sich und von den jungen Spielern nehmen können, und dass er grundsätzlich hervorragend spielen kann steht außer Frage. Wie genau er Schalke aber helfen wird, ist bis zum heutigen Tag noch ein großes Rätsel. Wie er in die Mannschaft eingebaut wird, werden wir abwarten müssen. Gerade seine „Hauptpositionen“ sind bei Schalke mit Farfán (Rechtsaußen) und Draxler (offensives Mittelfeld) die noch am besten besetzten Positionen.

Mit diesem Transfer setzt Horst Heldt Zeichen. Sportlich erhöht er die Qualität der Mannschaft, aber er haut auch einen Nagel in die Luftmatratze des laut gepriesenen finanziellen „Konsolidierungskurses“. Hieß es lange Zeit stets, man plane ohne die Gelder aus der Champions League und nutze dort erzielte Gewinne zu einem großen Teil für den Schuldenabbau, macht es mit diesem einen Deal plötzlich plöpp, und die gerade gegen Saloniki gewonnenen, garantierten Gelder aus der kommenden Gruppenphase stehen für den Schuldenabbau nicht mehr zur Verfügung. Die Ablösesumme an den AC Milan und drei Jahresgehälter für Boateng sollten die kolportierten frischen 20 Millionen Euro jedenfalls locker überschreiten. Nachdem Schalkes Manager zuletzt ausschließlich auf Talente und „Hoffnungstransfers“ setzte, ist die Verpflichtung Kevin Prince Boatengs ein ziemlicher Bruch. Angesichts des schlechten Saisonstarts geht Horst Heldt offensichtlich ziemlich die Düse.

Der nächste Heldt’sche Hoffnungstransfer: Dennis Aogo

Schalke 04 hat Dennis Aogo vom Hamburger SV verpflichtet. Ein Spieler für die richtigen Positionen, ein Spieler mit Potential. Allerdings auch keine sichere Verstärkung, eher wieder ein Transfer der zu Hoffen nötigt. Ein typischer Horst Heldt-Hoffnungstransfer.

Dennis Aogo kann die Position des linken Verteidigers spielen. Sead Kolasinac ist verletzt, Christian Fuchs ist gesperrt. Aogo bringt mehr Kadertiefe und Konkurrenz für diese Position. Später ermöglicht er eventuell, dass ein genesener Sead Kolasinac auf seiner in der Jugend ursprünglich gelernten Position des Innenverteidigers eingesetzt wird.
Dennis Aogo kann auf der linken Seite auch offensiv eingesetzt werden. Michel Bastos ist weg, Julian Draxler soll zentral spielen, Tranquillo Barnetta soll überhaupt nicht spielen. Auch für diese Position bringt Dennis Aogo Kadertiefe und Konkurrenz.

Aber bringt er auch einen Qualitätsschub?

In Hamburg war er zuletzt schlecht. Aus dem ehemaligen jungen Nationalspieler ist ein Mitläufer geworden. Einer, dessen Leistungen sein Gehalt nicht mehr rechtfertigte, den man eben abgeben konnte. Andererseits ist sein Potential groß, ein Spieler, der heute für einen überschaubaren finanziellen Einsatz zu bekommen ist, und der in der Vergangenheit schon bewiesen hat, was er zu leisten imstande sein kann. Diese „Hoffnungstransfers“ ziehen sich wie ein roter Faden durch die Amtszeit Horst Heldts auf Schalke.

Obasi, Barnetta, auch Raffael und Bastos waren alle irgendwann mal Spitzenkräfte ihrer Clubs und zum Zeitpunkt des Transfers zu den Blauen aus verschiedenen Gründen relativ günstig zu haben. Tranquillo Barnettas war ablösefrei zu bekommen, nachdem er zuvor 25 von 34 Spieltage verletzt war.
Raffael kam in der Ukraine nicht zurecht, wollte unbedingt zurück in die Bundesliga. Er konnte als Leihspieler geholt werden. Horst Heldt hätte ihn gerne als solchen weiterhin behalten. Dass er jemals ernsthaft in Erwägung zog, für Raffael eine Kaufoption zu 7 Millionen Euro zu ziehen, hat nie jemand geglaubt.
Michel Bastos war der Aogo Olympique Lyons. Irgendwann mal richtig gut, zuletzt stagnierten seine Leistungen und er war Lyon zu teuer geworden. Horst Heldt bekam ihn geliehen, weil Lyon schon froh war das Gehalt zu sparen, wenn man ihn schon nicht verkaufen konnte. Er bekam ihn wieder abgenommen, als Lyon von einem anderen Club eine Ablöse für Bastos erzielen konnte. Auch in diesem Fall war von Beginn an klar, dass Michel Bastos schon sehr stark hätte aufspielen müssen, damit Horst Heldt für ihn in eine Kaufoption investiert.

Alle drei Spieler kosteten Host Heldt ein überschaubares Budget. Raffael war eine Bereicherung, Michel Bastos so lala, Barnettas Verpflichtung war ein Fehlgriff. Obasis Verpflichtung war auch ein Fehlgriff und kostete sogar einige Millionen an Ablösesumme. Sein Gehalt wurde aber bislang vermutlich zu 95% von Versicherungen bezahlt.

Muss man Horst Heldt für dieses Vorgehen mit überschaubarem Erfolg kritisieren?

Ich bin mir sicher, dass Schalkes Manager gerne mehr Geld für vermeintlich sichere Verstärkungen ausgeben würde. Aber er muss haushalten und er hat den Auftrag, einerseits Talente zu fördern und andererseits kurzfristigen Erfolg zu ermöglichen. Dieser Spagat ist wahnsinnig schwierig, eigentlich ein Unding. Ich denke, dass Spieler wie Höger, Fuchs, Neustädter oder nun auch Szalai, Goretzka und Clemens gute Verpflichtungen waren und sind; und es gehört auch zur in Heldts Verantwortung liegenden Personalpolitik, im Kader Platz für Spieler wie Kolasinac oder Meyer geschaffen zu haben. Heldts „Hoffnungstransfers“ sind nur ein Teil seiner Transferaktivitäten. Gerade die Leihspieler erhalten ihm eine gewisse Flexibilität. Man muss das nicht mögen, aber ich halte dieses Tun für nachvollziehbar.

Nun also Dennis Aogo. Hoffen wir das Beste.



Bild: Steindy

Hineingestümpert: Schalke in der Champions League

Eine Leistung abliefern, die kaum Zweitliganiveau erreicht, und dafür mit dem Einzug in die Champions League-Gruppenphase belohnt werden: Das schafft nur Schalke 04! Man litt unter 90 Minuten Dauerschämen, dass man der Fußballwelt solches unter der Hymne bot, die von „Besten“ und „Meistern“ singt. Man weiß, dass man des in der Champions League normalerweise gebotenen Fußballs nicht würdig ist. Aber immerhin hat Schalke das Geld.

Kann eine Mannschaft mehr schlechte Pässe spielen und mehr Bälle schlecht annehmen als es Schalke in der ersten Halbzeit tat? Kann man noch zielloser über das Feld traben? Als wäre es ein Trainingsspiel im Parkstadion gegen ETuS Bismarck tötterten Kellers Mannen über den Platz, und der Trainer fand es prima! Gut im Griff hätte man das Spiel in der ersten Halbzeit gehabt, sprach er hernach in Oliver Welkes Mikrofon. Eigentlich ist Welke der Komiker, Jens Keller meinte es ernst. Da fühle ich mich verarscht!

Ebenso wird sich Max Meyer verarscht gefühlt haben wird, auch wenn er Profi genug ist, Verständnis vorzugaukeln. Er kam rein, spielte den besten Pass des Spiels und wurde wieder ausgewechselt. Keller hätte jeden anderen auswechseln können, Jefferson Farfán ging bereits mit dickem Fuß ins Spiel, gut war keiner. Und doch war es der kleine Max, der sich noch nicht traut, seinen Unmut über soviel Schwachsinn öffentlich kund zu tun.

Mit einem Jermaine Jones könnte Jens Keller so nicht verfahren. Der tut was er will. Nach links spielt er seinen Kollegen Christian Fuchs in der Regel auf 1,50 Meter Höhe an. Nach rechts pöhlt er den Ball derart hart und steil, dass selbst Atsuto Uchida genervt abdreht, dessen beste Eigenschaft sein Fleiß ist. Ein guter Kicker ist er nicht, der Jermaine Jones. Trotzdem steht er immer auf dem Platz. Er ist schließlich ein „Führungsspieler“, der unter der Woche den Journalisten diktiert, was alles schlecht läuft auf Schalke. Und wenn es auf dem Platz zu ruhig ist, wichst er eben einen Gegner um. Schalke spielt mit 10 Mann eh viel besser als mit 11, davon ist Jens Keller überzeugt. Toll, der Jermaine.

Dieses Spiel war die schlechteste Darbietung Schalkes in der bisherigen Saison. Nichts hatte Schalke im Griff, nicht mal die eigenen Beine. Aber nach dem überraschend zustande gekommenen Führungstreffer vor der Pause hatte Schalke in der zweiten Halbzeit etwas mehr Platz. Auch in dieser zweiten Hälfte war Schalke ängstlich, ungenau, ohne Plan, schlecht. Aber Schalke hat einen Julian Draxler, der tolle Dinge mit dem Ball anstellen kann. Auch Max Meyer ist ein riesiges Talent und Adam Szalai weiß wo das Tor steht. Deshalb hat Schalke in diesem Spiel gegen PAOK Saloniki gewonnen. Deshalb nimmt Schalke nun 20 Millionen Euro ein, auch wenn man einmal mehr den Nachweis der Champions League-Unfähigkeit statt den der Qualifikation erbracht hat.

20 Millionen, welche die Möglichkeit bieten, Fehler zu korrigieren. Es sollte damit beginnen, die Verträge mit Jermaine Jones und Jens Keller abzufinden.

Viel Unglaubliches in Hannover

Schalke 04 verliert 1:2 in Hannover und steht nach drei Spieltagen mit nur einem mickrigen Pünktchen auf dem drittletzten Tabellenplatz. Eine halbe Stunde war die Leistung vollkommen indiskutabel, eigentlich schon peinlich. Trotzdem hätte das Spiel Unentschieden ausgehen müssen. Unglaublich, das alles.

Unglaublich schlecht, wie sich Schalke nach der Roten Karte gegen Benedikt Höwedes und dem Rückstand durch den Strafstoß präsentierte. Ja, die Mannschaft ist verunsichert. Ja, durch Verletzungen wurde eine ungewöhnliche Aufstellung notwendig. Außerdem versuchte es Jens Keller mit einer ungewöhnlichen Formation – aus guten Gründen meines Erachtens, schließlich lief zuletzt auch mit gewohnter Formation wenig zusammen. Aber alle Ausreden zusammen können ein derartiges Tohuwabohu nicht erklären, wie Schalke 04 es ab der 15 Minuten auf den Platz zauberte.

Ein gewisses Maß an Grundordnung sollte man bei einer Bundesligamannschaft erwarten können. Bei Schalke 04 in dieser Phase offensichtlich nicht. Ob zwischen den Innenverteidigern, ob zwischen Innen- und Außenverteidigern, ob auf den Flügeln oder im zentralen Mittelfeld: Nirgends passte irgendwas zusammen. Ob aus dem Spiel heraus oder nach ruhenden Bällen: Die Mannschaft rannte wie aufgescheucht über den Platz, orientierungslos, wie blind. Hannover lief durch Schalkes Reihen wie es letzte Woche Wolfsburg tat, nur dass Hannover es kaum ausnutzte. Dass es zur Pause lediglich 2:0 für 96 stand war nahezu skurril.

Ebenso skurril, ebenso unglaublich, war das Vergeben bester Ausgleichchancen in der zweiten Hälfte. Nach dem von Roman Neustädter toll vorbereiteten Anschlusstreffer Adam Szalais bestimmte Schalke das Tempo und zeigte sich bemüht, ohne sich freilich viele Chancen erarbeitet zu haben. Tatsächlich waren es sogar nur noch zwei Chancen, zu denen Schalke in den verbleibenden 35. Spielminuten kam. Eben diese, die einen dazu brachten, sich paralysiert an den Kopf zu fassen. Als Adam Szalai das leere Tor nicht traf und Tim Hoogland, wie auch immer – ich habe es auch nach 10 Wiederholungen nicht verstanden – in der Nachspielzeit ein Loch in die Luft köpfte.

Wie bewertet man ein solch schräges Spiel?

Jens Kellers Anfangsformation empfand ich als nachvollziehbar, doch bevor ich mir eine Meinung bilden konnte, ob das so funktioniert, entschied sich Joel Matip einmal falsch, zog Bennie Höwedes einmal durch und der Wahnsinn brach aus. War die zweite Halbzeit gut? Im Vergleich zur ersten natürlich, objektiv eher nicht, dafür erspielte Schalke einfach zu wenig gefährliche Situationen. Jens Keller stellte das nach dem Spiel zu positiv dar, aber kann man ihm das übel nehmen? Ich denke nicht.

Auch wenn ich nicht daran glaube, dass Jens Keller dieser Mannschaft eine eigene und erfolgreiche Spielweise beibringen wird, ist das, was es gerade zu sehen gibt, unnormal schlecht. Dagegen hilft nur ein Erfolgserlebnis, wie auch immer das zustande kommen mag. Ein Ausgleich in Unterzahl und in der Nachspielzeit hätte ein solches geeignetes Ereignis sein können. Bei allem Ärger über Schlechtleistungen birgt das die wahre Tragik: Wie konsequent Schalke derzeit auch das kleinste Fitzelchen Massel fehlt. Unglaublich.

Ich weiß nichts

Ich war nicht im Stadion. Ich habe das Spiel auch nicht im TV gesehen, nichtmal irgendeinen Live-Ticker habe ich verfolgt. Nicht, weil ich keine Lust gehabt, den Papp nach zwei Bundesliga-Spieltagen bereits auf gehabt hätte. Ich hatte ein seit längerem geplantes Date mit der besten Frau von allen, da muss man schon mal Prioritäten setzen.

1:1. Kann mir das jemand erklären?

Schalke will Normal

Jedes Mal, wenn in Fußballdeutschland der Satz vom Schalter, der nun umgelegt werden müsse, gesprochen wird, explodiert irgendwo auf der Welt ein Mikrofon. Befürchte ich.

Ich glaube ja, dass die Leser dieses Blogs ähnlich ticken wie ich. Wer in diese Ecke des Internets findet muss ein Sucher sein, und diese Sucher saugen auf was ihnen unterkommt; eben wie ich. Statt Dinge, von denen man weiß dass sie einem nicht gut tun, unbeachtet vorbeiziehen zu lassen, beachtet man sie eben doch: Stets mit der Hoffnung auf das Überraschende. Aber nein, es gab nichts Überraschendes zu hören in diesen Tagen, nach Wolfsburg und vor Saloniki. Nicht von Jens Keller, nicht von Benedikt Höwedes, auch nicht von Horst Heldt. Ich nehme es ihnen nicht übel, ich hörte wider besseren Wissens hin, bin selbst schuld.

Gut, den Schalter hätten sie sich wirklich sparen können und ich bin nach wie vor der Meinung, dass es für die Außendarstellung von Vorteil wäre wenn man mal versuchen würde, Kompliziertes zu erklären. Kein „das würde jetzt zu weit führen“, sondern wirklich klarmachen, was die Analyse des letzten Spiels ergeben hat. Durchaus auf einzelne Situation eingehen, darstellen, wie man im Training dagegen vorgeht. Das braucht keine Namen, dadurch werden auch keine Geheimnisse verraten. Es würde die sicherlich vorhandenen Kompetenzen präsentieren, es würde das übliche Blabla aufbrechen und ein geschärftes Bild einer fachlich kompetenten Führung hinterlassen. Aber das wäre wohl über Normal, und offensichtlich will man nur normal sein, eben „professionell bedienen“. Glatt. Das schaffen sie.

Auch für das heutige Spiel muss man „normal“ Spielen, sagte Benedikt Höwedes, was selbstverständlich impliziert, dass die Leistungen gegen Hamburg und Wolfsburg unter Normal waren. Die Mannschaft müsse „ihre Leistung“ abrufen. Und tatsächlich ist diese Qualifikation so wichtig, dass das Wie zurücktritt, da wird aus Wie ein Irgendwie.

Hoffentlich schafft Schalke sein Normal. Hoffentlich reicht Schalkes Normal gegen Saloniki tatsächlich. Sollte gegen Saloniki Besonderes notwendig sein, würde das wohl arge Probleme aufwerfen.

Überfordert in Wolfsburg

Schalke 04 wird in Wolfsburg mit 4:0 abgeschossen. Dabei spielten die Blauen eine Halbzeit halbschlecht und eine Halbzeit ganz schlecht. Ob individuell oder systematisch: Schalke leidet unter Defiziten in allen Bereichen.

In der ersten Halbzeit war Schalkes defensive Raumaufteilung in Ordnung, man kam mit gutem Willen aus der Halbzeitpause und Klaas-Jan Huntelaar hatte eine Chance, die mit einem bisschen Glück zur Führung hätte werden können. In diesem Satz steckt alles positive, was es aus Schalker Sicht zu diesem Spiel zu sagen gibt.

Sobald Schalke aus der ordentlichen Raumaufteilung den Ball gewann, wurde es bereits schlechter. Ähnlich wie Joel Matip am 1. Spieltag hatte wohl nun Felipe Santana die Anweisung, das Mittelfeld mit langen Bällen zu überbrücken. Man kann Willen zu schnellem Spiel gutheißen, alleine es funktionierte nicht. Entweder kamen die Pässe nicht an, oder sie konnten von den Offensivspielern nicht behauptet werden. Mittelfeld und Verteidigung rückten zu zarghaft nach. Clemens, Draxler und Farfán erfuhren zu wenig Unterstützung, unterstützten sich gegenseitig zu wenig und zogen auch in Zweikämpfen in der Regel den Kürzeren. Der Wolfsburger Achse Naldo – Gustavo – Diego hatte Schalke qualitativ nichts entgegenzusetzen, und auch in Sachen Taktik und Spielweise war Wolfsburg die bessere Mannschaft.

Einige wenige Minuten nach der Pause durfte man hoffen, dass Schalke Mut gefunden und Wolfsburg etwas an Orientierung verloren haben könnte. Furchtbare Fehler auf Schalker Seite führten dann allerdings schnell zur Wolfsburger Führung, danach brachen alle Dämme.

Die Liste der individuellen Fehler zu den vier Gegentreffern wäre lang, ich halte die Aufzählung für müßig. Jeder dieser Spieler kann es besser und es ist legitim darauf zu hoffen, dass das nicht mehr passiert, dass „das weggeht“. Das alleine ist aber zu wenig, und nur mit „weniger Fehler machen“ wird auf dieser Mannschaft kein Champions League-Aspirant. Diese Mannschaft wusste gegen Hamburg nicht, wie man gegen Offensivpressing spielt. Sie wusste kein Spiel gegen die im Rückraum starken Wolfsburger aufzubauen. Sie bekommt es nicht hin, ihre Stärken einzusetzen, und weiß ihre Schwächen nicht zu kaschieren. Diese Mannschaft steht nicht für eine bestimmte Art von Fußball. Nichts ist automatisiert, obwohl es keinen großen Umbruch im Kader gab, eigentlich sollte „Eingespielt sein“ in dieser Saison-Anfangsphase ein Vorteil für diese Mannschaft sein.

Es fehlt an Struktur, wie Horst Heldt nach dem Spiel gegen Hamburg selbst bemerkte, und diese Kritik ist so grundsätzlich, dass man seinen Kopf mit einem Fragezeichen darüber automatisch gen Trainer wendet.
„Stopp!“ ruft da der hoffende Schalker, das sei ja Wahnsinn, eine Trainerdiskussion nach dem 2. Spieltag wäre viel zu früh! Wahnsinn ist es in der Tat, und eine Trainerdiskussion ist nicht gut. Es ist jedoch nicht zu früh, sondern es ist dafür zu spät.

Horst Heldt hatte ab Weihnachten letzten Jahres die bestmögliche Situation für einen Bundesligamanager, den Trainerposten neu zu besetzen. Obwohl sich das Spiel der Mannschaft während der Rückrunde keinen Schritt zum Besseren entwickelte und man seine ursprünglichen Ziele um Meilen verfehlte, reichten die errungenen Ergebnisse und die Umstände als Argument, nichts zu tun. Jetzt, nach dem 2. Spieltag der Folgesaison, gibt es in der Tat kaum eine andere Möglichkeit, als zu harren und zu hoffen.

Schalke wird wieder gewinnen. Vielleicht schon übermorgen, vielleicht kommenden Samstag in Hannover. Schalke wird defensiv wieder weniger Fehler machen und in der Offensive wird die Qualität von Spielern wie Draxler, Farfán, Huntelaar oder Szalai für Tore sorgen. Dass Jens Keller die Mannschaft allerdings verbessert, dass man auch gegen individuell gleichwertig oder besser besetzte Mannschaft auf eine eigene Spielweise vertrauen kann, daran glaube ich nicht. Dafür gibt es nach nunmehr 8 Monaten und mehreren Trainingslagern meines Erachtens keine Anzeichen.