Erfolgreicher Auftakt

Schalke gewinnt sein Champions League Auftaktspiel mit 3:0 und erfüllt damit seine Pflicht. Am Ende machte es Spaß, lange Zeit zuvor allerdings nicht.

Wenn Schalke Platz hat und Pässe in die Tiefe spielen kann, kommt die nominell starke Offensive zur Geltung. Jefferson Farfan und Julian Draxler sind sehr schnell, nicht nur auf den Füßen, auch im Kopf. Prince ist die Variable in dieser Reihe, er ist auf keine Position festgelegt und für das Ungewöhnliche zuständig. Adam Szalai ist ein sehr beweglicher Stürmer, stets anspielbar und torgefährlich. Wenn diese Offensive ins Rollen kommt gibt es richtig guten Fußball zu sehen. So war es in diesem Spiel, ab der 67. Minute, nachdem eine mäßige Hereingabe Atsuto Uchidas irgendwie ins Tor hoppelte und bei Steaua Bukarest in der Folge die Dämme brachen.

Ebenso grundsätzlich wie über Schalkes Stärken, lässt sich nach diesem Spiel aber auch über Schalkes Schwächen schreiben. Auch dafür bot dieses Spiel die Blaupause. Eben bis zu dem besagten, ersten Tor. Schalke ist selbst bei deutlichen Vorteilen an Qualität bezüglich der Einzelspieler schlecht darin, gegen einen defensiven Gegner Chancen zu erzwingen.

Bukarest begann das Spiel sehr defensiv, war durchaus aggressiv, schnell auf den Beinen, verschob gut. Schalke hatte viel Ballbesitz, war anfangs auch passsicher. Chancen ergaben sich aber selten, vor allem pendelte Schalke vom einen Flügel zum anderen und zurück. Ab und an nach vorne, in Regel aber auch flott wieder nach hinten, zur Sicherung des Ballbesitzes. Ideenlos. Planlos.

Mir fortlaufender Spieldauer und fortlaufender spielerischen Erfolglosigkeit wurde Schalke ungenauer. Fehlpässe häuften sich. Das eigene unsichere Spiel machte dem Gegner Mut. Dieser traute sich nun mehr, kam zu Distanzschüssen. Einige schwere individuelle Fehler brachten Schalke plötzlich in echte Notsituationen. Zu Beginn der zweiten Hälfte gestaltete sich das Spiel fast ausgeglichen.

Aber dann hoppelte Uchidas Ball, und weiter ging’s mit … siehe oben.

Schalke will, sollte, muss vielleicht das Achtelfinale erreichen, in dieser Champions League-Gruppe. Um das zu schaffen war ein Heimsieg gegen Bukarest Pflicht. Das hat Schalke geschafft. Und am Ende hat’s sogar Spaß gemacht. Freuen wir uns über den Augenblick und hoffen wir für die Zukunft auf viel weiteres Hoppeln, unberührte Flanken oder gegnerische Patzer.



Foto: puamelia



12 Kommentare zu “Erfolgreicher Auftakt”

  1. Grieche sagt:

    Boateng im ZDF: „Vor einem Spiel auf Schalke hab ich immer Kribbeln im Bauch, denn es ist viel Druck auf uns. Ich bin froh, dass das Spiel vorbei ist und dass wir gewonnen haben.“
    Hat mich etwas erschreckt, die Aussage. Wenn selbst ein in diesen Dingen erfahrener Spieler wie Boateng (in Mailand wird der Druck auch nicht klein sein) sagt, er sei nur froh, dass das Spiel rum ist, muss der Druck auf die Spieler ja enorm sein.

  2. Detlef (Doktor_d) sagt:

    Aus meiner Sicht hat Schalke in den ersten 20 Minuten den Gegner beherrscht, Ballgewinne erzwungen, aber ohne nennenswert zum Abschluss zu kommen. Bis dahin wurde auch aus der Abwehr nicht nur mit langen Bällen operiert.

    Nach nur einem Distanzschuss der Rumänen änderte sich ( fast ) alles. Für mich hatte Steaua sogar ein leichtes Übergewicht, sowohl optisch, wie auch bei den Chancen und zwar bis Uchidas „geniale“ Hereingabe ins Tor segelte.

    Erschreckend war für mich immer wieder, wenn der Ball zu Hilde zurück gespielt wurde und der keine andere Möglichkeit sah als den Ball nach vorne zu kloppen. Ballverlust inklusive.

    Gegen Bukarest reichte es trotzdem, das ist das Wichtigste. Beim nächsten Spiel … aber das ist eine andere Geschichte.

  3. Erle72 sagt:

    Die Hoffnung auf „viel weiteres Hoppeln, unberührte Flanken oder gegnerische Patzer“ ist wohl nötig. Nach wie vor reicht eine engagiert-offensive Ausrichtung des Gegners mit viel Vorchecking aus, um Schalke aus dem Spiel zu nehmen. Zwischen Minute 20 und 67 war Bukarest die dominierende Mannschaft. Auch die Pausenansprache änderte daran nichts. So sehr ich mich über den Sieg gefreut habe, es gibt noch viel zu tun.

  4. Torsten sagt:

    Aus meiner Sicht hat Schalke in den ersten 20 Minuten den Gegner beherrscht, Ballgewinne erzwungen, aber ohne nennenswert zum Abschluss zu kommen.

    Diese Phase meinte ich oben mit dem Satz: „Schalke hatte viel Ballbesitz, war anfangs auch passsicher.“

    Die Formulierung „den Gegner beherrschen“ ist eine positive Umschreibung für einen im Grunde defensiven Spielverlauf. Sie sagt aus, dass man den Ball hat, und der Gegner nicht. Sie impliziert auch, dass man mit dem Ball wenig anzufangen weiß. Denn ehrlich: Wenn man sich in 20 Minuten 10 Chancen erspielt, käme niemand auf die Idee, zu formulieren, man hätte „den Gegner beherrscht“.

    Der Ballbesitz und die Passsicherheit sind die Grundlage. Aber eben auch nur das.

  5. #Link11: Tim und Jürgen und Kevin und Vic | Fokus Fussball sagt:

    […] Spiel in dem in “vielen Phasen Tempo und Inspiration fehlten”. Auch Torsten Wieland (Königsblog) meint: “Am Ende machte es Spaß, lange Zeit zuvor allerdings […]

  6. McP sagt:

    Nach dem verkorksten Saisonauftakt ist das jetzt immerhin eine deutliche Steigerung. Hinten sieht es zur Zeit solider aus und dadurch hält man die Spiele gewinnbar, was ja momentan auch klappt. Alles in allem ein Stand, den man sich zu Saisonbeginn und ohne last-minute Teuertransfers gewünscht hätte. Ein Stand, auf den man die nächste Evolutionsstufe setzen kann, um Siege noch etwas selbstverständlicher zu machen. Ich fand es vor dem Leverkusen-Spiel nicht unwahrscheinlich, dass sich Schalke bis kommenden Samstag ein tiefes Grab schaufelt. Das ist nicht passiert. Von daher ist die Entwicklung erstmal okay. Mir ist es sogar lieber, es geht Stück für Stück voran, als das 1-2 Hurra-Spiele zu falscher Sicherheit führen.

  7. RJonathan sagt:

    Dass man ein Defensiv-Bollwerk nicht mal so eben knacken kann, kann ich verschmerzen. Aber dass wir seit Jahren keine schnelle Umschalten bei Ballgewinn hinkriegen, schmerzt mich regelmäßig beim zuschauen von solchen Spielen. Wenn wir gegen die dicht gestaffelten Abwehrreihen keine Chance haben, dann sollten wir uns auf die wenigen Momente konzentrieren, wo die mal nicht so sortiert stehen und die Geschwindigkeit von Draxler, Boateng und Farfan voll ausspielen. Aber irgendwie klappt das nicht. Und das mindestens seit Magath, weiter kann ich gerade nicht zurückerinnern.

  8. M-1904 sagt:

    @RJonathan: Sehe ich genauso, gegen einen engen Deckungsverband tun wir uns sehr schwer.
    Das Umschaltspiel beginnt beim Torhüter. MN hat hier das Spiel oft schnell gemacht.
    Hildebrand dagegen strahlt eher Unsicherheit aus.
    Farfan macht wesentlich weniger Sprints in die freien Räume als früher. Er wirkt nicht ganz austrainiert und schnauft öfter durch.
    Abwehr wirkt wirklich einigermaßen gefestigt, bei jeder Standart beginnt man aber wieder zu zittern. Unsere beiden Sechser schaffen es auch nicht mit Dynamik das Mittelfeld zu überbrücken und Neustätter hat zusätzlich ein-zwei schlimme Fehlpässe im Spielaufbau drin.
    Trotzdem, wir haben gestern in den letzten zwanzig Minuten gesehen, dass wir Potential haben, wenn es läuft.

  9. Torsten sagt:

    McP: Was die Abwehr angeht, die war im Zeitraum der letzten 3 Spiele m.E. gegen Leverkusen am stärksten und gestern am schwächsten. Zwar blieb es zum Glück auch gestern bei der 0 und darüber darf und sollte man sich freuen, aber gestern wars doch einige Male arg wackelig. Ich deachte jedenfalls einige Male daran, dass sowas gegen den Gegner von Samstag vermutlich weniger glimpflich ausgegangen wäre.

    Aber bange machen gilt nicht. Ich hoffe natürlich auf die LEV-Leistung …

    M-1904: Dass Farfan nicht austrainiert wirkt, sehe ich nicht so. Wann er wohin läuft entscheidet er nicht selbst, sowas ist ja ein Resultat des Trainings und der Ansage des Trainers. Insgesamt halte ich Farfan weiterhin für einen Top-Mann, der zudem offensiv gut von Uchida unterstützt wird.

    Höwedes hatte gestern einige leichte Fehlpässe und auch Hildebrand brachte sich selbst in Bedrängnis.

  10. Steffen sagt:

    @M-1904

    Farfan wird ja in der Vorbereitung immer gerne erwähnt wie er total fertig vom Trainingsplatz schleicht, oder als letzter hinterhertrottet. Ein Spieler dessen Schnelligkeit so eine Waffe ist muss eigentlich vollkommen austrainiert werden.
    Generell hab ich das Gefühl das die physischen Vorteile der Medizinballära in vergessenheit geraten sind.

  11. Rychi sagt:

    Endlich wieder Fussball statt Finanzen oder Politik!

    Uschis Traumtor: mein Favorit für das Tor des Monats. Motto: eine Flanke, an die niemand rankommt, muss nicht unbedingt etwas Schlechtes sein…

    Natürlich keine absolute spielerische Dominanz – aber hatte das wirklich jemand erwartet?

    Was mich besonders freut: wieder ohne Gegentor.

  12. Carlito sagt:

    Ich fand es vor dem Leverkusen-Spiel nicht unwahrscheinlich, dass sich Schalke bis kommenden Samstag ein tiefes Grab schaufelt. Das ist nicht passiert. Von daher ist die Entwicklung erstmal okay. Mir ist es sogar lieber, es geht Stück für Stück voran, als das 1-2 Hurra-Spiele zu falscher Sicherheit führen.

    Schließe mich den Worten von McP vorbehaltlos an. Hätte zum jetzigen Zeitpunkt wesentlich schlimmer um unsere Mannschaft stehen können. Und wenn es noch was zu kritisieren gibt, was aktuell sicherlich so ist, schützt dies hoffentlich vor zukünftiger Überheblichkeit gegenüber anderen Gegnern und hält hoffentlich die Anspannung hoch.

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