Artikel im Oktober 2013

Horst Heldts Prince-Fakt

Fakt ist: Kevin-Prince Boateng war bis auf zwei Spiele immer dabei. Und er hat auch in Italien in den vergangenen beiden Spielzeiten fast alle Partien absolviert.

Fast. Bis auf 30 Pflichtspiele.



Spark: Sport1: Heldt sauer auf Hitzfeld

Klassenunterschied

Schalke 04 verliert das Derby mit 1:3. Wie erwartet, könnte man sagen, denn trotz Pfeifen im Walde hatten die allermeisten mir bekannten Schalker nicht wirklich an einen Sieg geglaubt. Wie erwartet hatte Schalke dann auch gespielt.

Horst Heldt bereut seinen Spruch längst. Fast auf Augenhöhe sah er unseren Club im Vergleich zu Borussia Dortmund vor der Saison. Damals war Schalkeland zufrieden mit des Managers Arbeit. Auch die allermeisten Journalisten feierten Horst Heldt für eine gelungene Transferphase, in der es gelang, viel Talent nach Gelsenkirchen zu holen. Spätestens nach der zweiten Saisonniederlage wurde das „fast“ vergessen und der Manager bekam die „Augenhöhe“ um die Ohren gehauen. So geht das bis heute. Ich hoffe, Horst Heldt lernt daraus.

Heute erscheint der Vergleich aber auch zu albern. Am Samstag bekamen wir eine Mannschaft in Gelb zu sehen, die wusste wie sie an den Ball kam, die wusste, was sie danach mit ihm anfangen sollte, die die Stärken und Schwächen des Gegners kannte und entsprechend agierte. Die Mannschaft in Blau offenbarte Schwächen im Spielaufbau, brachte sich mit individuellen Fehlern selbst unter Druck und hatte in der Offensive Probleme, seinen Stoßstürmer freizuspielen. In der Summe ergab das einen Klassenunterschied, eben den Unterschied zwischen einem guten Champions League-Team und einer Mannschaft des gehobenen Bundesliga-Mittelfelds.

Jens Kellers Aufstellung war mutig, ging aber leider kräftig in die Hose. Über 90 Minuten lag es sicherlich nicht an Dennis Aogo oder Sead Kolasinac, dass Schalke die schlechtere Mannschaft war. Doch vor dem 0:1 sorgten eben genau diese beiden mit ihren Fehlern für Dortmunds Vorteil. Christian Fuchs auf der linken Seite war nicht schwächer als zuletzt Christian Clemens auf rechts. Allerdings darf man infrage stellen, ob es für Julian Draxler gut war, auf der „falschen“ Seite eingesetzt zu werden. Der Junge hat gerade eine schwierige Phase. Als „Star“ erfährt er von jedem Gegner besondere Beachtung, gegen die es ihm zu selten gelingt, sich durchzusetzen. Der Seitenwechsel machte es ihm sicherlich nicht leichter.

Meines Erachtens lag es nicht an zuwenig Einsatz. Meines Erachtens haben die Blauen nicht zuwenig gekämpft. Schalke hätte das Momentum kriegen können, wenn Prince den Elfer versenkt hätte. Wer weiß wie es dann gelaufen wäre, Fußball ist immer auch ein bisschen Glückssache. Doch grundsätzlich war der Unterschied zwischen den Mannschaften deutlich, und Schalkes Schwächen waren in diesem Spiel nicht besonders, sondern üblich. Nicht nur gegen hoch stehende Dortmunder, auch gegen tief stehende Gegner hat Schalkes Ball Schwierigkeiten, den Weg von den Innenverteidigern in den Sturm zu finden.
Nach dem Spiel gegen Borussia ist das Geschrei lauter, weil es eben gegen den Erzrivalen ging. Aber eigentlich ist das ein Witz. Schlimmer ist, dass Schalke auch gegen Mannschaften wie Augsburg oder Braunschweig, und nicht mal gegen einen Drittligisten wie Darmstadt 98 ein gradliniges Aufbauspiel zustande bekommt, selbst wenn Schalkes teuer erkaufte, individuelle Klasse in solchen Spielen dazu führen mag, dass man trotzdem gewinnt.

Auf Schalke diskutiert man nun, ob die Mannschaft zu schwach ist oder ob es am Trainer liegt. Ich halte die Qualität des Kaders für gut genug, um besseren Fußball spielen zu lassen. Meines Erachtens behielt Jens Keller den Job am Ende der letzten Saison nur, weil Horst Heldt keinen besseren Trainer verpflichten konnte. In keinem einzigen Aspekt des Fußballspiels konnte sich Schalke unter Jens Keller verbessern. Aber die Qualität des Fußballs spielt keine Rolle, nur Ergebnisse zählen. Folgerichtig wird Schalke 04 solange Treue zum Trainer heucheln, wie man in Sichtweite zu Platz 4 zu bleiben vermag. Und das Dilemma bleibt: Auch heute ist es Horst Heldt nicht zuzutrauen, einen besseren Trainer aus dem Hut zu zaubern. In der Tat eine üble Situation. Zur Überbrückung werden bis auf Weiteres den Fans die Probleme des Schalker Aufbauspiels in die Schuhe geschoben. Peinlich. Als würde Schalke auswärts besser spielen.

Statistik der Woche

Immer wenn Borussia Dortmund in der Bundesliga in Gelsenkirchen gewann, unentschieden spielte oder verlor, wurde Schalke 04 nicht Deutscher Meister.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, das erledigen dann die Anderen. Meines Erachtens trotzdem ein durchaus gelungener Joke zum Thema.

Uns, der trotzdem stets richtigen Seite, bleibt, den fehlfarbenen unter unseren Verwandten, Freunden und Arbeitskollegen fröhlich die Derbysieger-Melodie vorzusingen. So lange das noch gilt. Wenn man mal so verrückt ist, darauf zu hoffen, dass es die Blauen dem Gegner morgen bei Ecken nicht ganz so leicht machen … vielleicht … bei kräftigem Hüpfen halte ich Augenhöhe für ein Spiel durchaus für denkbar. Ma’kucken.

Glückauf!

Eigenniederlage

Schalke 04 verliert zu Hause mit 0:3 gegen den FC Chelsea. Ein Duell Lernender gegen geballte Erfahrung. Rookies wie Keller, Clemens, Meyer oder Draxler auf Schalker Seite, gegen Mourinho, Terry, Lampard oder Torres; coole Säcke, die alles schon mal erlebt und die auf das Meiste flott eine Antwort parat haben. Trotzdem war die Niederlage ärgerlich, weil am Ende nicht die Erfahrung siegte, sondern Schalke sich die Bälle nahezu freiwillig ins eigene Tor legte.

Eine Viertelstunde spielte Schalke richtig gut, die 15 Minuten vor der Halbzeit agierte Schalke zielstrebig. Mutige Vertikalpässe schufen Räume, der Raum wurde genutzt um zu Abschlüssen zu kommen. Es war Pech, das in dieser Phase kein Tor gelang. Es wäre verdient gewesen.

Vor dieser Phase, nach dem frühen Rückstand, fehlte Schalke der Mut. Statt Räume vorne zu suchen spielte man Sicherheitspässe hin und her, und her und hin, und noch mal zurück. So, wie wir es leider nur allzu gut aus anderen Spielen in dieser Saison kannten. Nach der starken Phase – in der zweiten Halbzeit – drang Schalke zwar weiter in Chelseas Hälfte ein, kam aber nur noch sehr selten zum Abschluss. Chelsea hatte entweder selbst den Ball oder stand tiefer und konzentrierte sich darauf, Schalke die Anspielstationen in der Spitze zuzustellen. Schalke war bemüht, fand darauf jedoch keine Antwort.

Aber es ist müßig, sich Gedanken über Taktik und Offensivspiel, über den Gegner oder über einzelne Spieler zu machen, wenn Schalke derart Tore verschenkt. Ein Eckball, den gleich vier Schalker missachteten, und eine Konter, bei dem drei Schalker in Folge sich und die Situation falsch einschätzten. Danach wars vorbei. Für solche Gegentore braucht der Gegner keine Erfahrung. Das schafft Schalke zur Not auch gegen einen Drittligisten. Schade.

Wie damals gegen Chelsea

Schalke 04 gegen Chelsea, das ist schon was Besonderes. Ich freue mich sehr auf das Spiel, auch ein wenig von den guten Erinnerungen geleitet. Vor ziemlich genau 6 Jahren, am 06. November 2007, war ich auch im Stadion, als die Blauen die Blues auf Schalke empfingen. José Mourinhos erste Zeit in London war im September zu Ende gegangen, Chelseas Trainer auf Schalke hieß Avraham Grant. Schalkes Skipper war Mirko Slomka.

Es endete 0:0, aber es war ein tolles Spiel.

Schalke zog nun alle Register. Jeder, aber auch wirklich jeder Spieler arbeitete für die Defensive, um dann schnell und geradlinig nach vorne zu spielen. Westermann trieb über links an, Jones war überall zu finden, Asamoah hatte ein Riesenlaufpensum. Alle waren in Bewegung, es gab immer Anspielstationen.

… schrieb kicker später fast wie ein Fanblog.

Bei mir las es sich ähnlich.

Schalke spielte schnörkellos und schnell. Sehr diszipliniert und mit hoher Laufbereitschaft. Und in der taktischen Grundformation, mit der es schon letzte Saison seine besten Spiele ablieferte, mit Doppelsechs und zwei hängenden Außen, mal neben, mal hinter dem einen Stoßstürmer.

Vor allem erinnere ich mich aber an die grandiose Stimmung bei diesem Spiel.

Gestern hat Schalke jedenfalls gezeigt, dass es noch ordentlich Fußball spielen kann. Sogar gegen einen stärkeren Gegner, und sogar noch unter Mirko Slomka. Und es hat seine Fans wieder begeistert.

Was war das für eine unglaublich tolle Stimmung! 90 Minuten Anspannung, viel intensiver als bei einem normalen 0:0. Bei jedem Eckball waren die Zuschauer auf ihren Füßen. Fangesänge wurden nicht nur in der Nordkurve sondern auch in der Süd- und auf der Gegengrade angestimmt. Eine riesige Menge Adrenalin in 11 plus 53.000 Schalkern, immer mit dem Wissen, dass ein einziger Fehler gegen eine Mannschaft mit Didier Drogba jederzeit zum Gegentor führen kann.

Dabei war Schalkes Lage damals der heutigen nicht unähnlich. Auch damals lag Schalke 8 Punkte hinter dem Platz, der direkt für die Champions League-Gruppenphase qualifizierte und das ausgemachte Saisonziel war. Auch damals blies einem noch recht unerfahrenen Trainer der Wind bereits recht kalt ins Gesicht. Auch damals trat Schalke mit 2 „A-Junioren“ an, sie hießen Rakitic und Özil …

Später wurde Schalkes Saison noch arg turbulent. Aber an diesem Abend, gegen Chelsea, zeigte Mirko Slomkas Mannschaft, dass sie tollen Fußball spielen und das Stadion zum beben bringen konnte. Ähnliches heute, gegen Mourinho, es wäre wunderbar.



Rückblick: Schalke zeigt sich selbst wie’s geht

Irgendwie-Sieg in Braunschweig

Schalke gewinnt in Braunschweig glücklich mit 3:2. Gruselig spielend bewies man immerhin Moral und liegt nun nur noch einen Punkt hinter Platz 4.

Man solle sich mal den Kader anschauen, mit dem Schalke angereist sei, man hätte mit 2 A-Jugendlichen gespielt, redete sich Jens Keller nach dem Spiel einmal mehr heraus. Durch die derzeitige Knie-Seuche hatte der Trainer auf der Bank tatsächlich wenig Auswahl, ein Handicap welches nicht unbeachtet bleiben darf. Trotzdem empfand ich Jens Kellers Kleinreden der eigenen Mannschaft schon als dreist, vor allem gegenüber den „A-Jugend-Spielern“. Leon Goretzka hat Schalke 04 nicht nur mehr Geld gekostet, als Eintracht Braunschweig in den letzten 10(!) Jahren zusammen für Zugänge ausgegeben hat. Er hat in der letzten Saison auch mehr Profispiele absolviert als jeder Braunschweiger Spieler. Auch Max Mayer wäre in der Mehrzahl der Bundesligaclubs Stammspieler, würde ich meinen. Ich denke, Schalke bot trotz Verletzungsproblemen eine gute Aufstellung, mit der ordentlicher Fußball hätte möglich sein sollen. Einmal mehr gelang das nicht.

Das Spiel blieb stecken. Immer wieder. Auf beiden Seiten. Eine Zweikampf und Fehlpassorgie. Braunschweig verteidigte mit zwei flexiblen Abwehrreihen und machte das gut. Auch Schalke stand defensiv weitestgehend sicher. So wurde es ein Spiel, fast ohne Spielzüge.

Der gelungenste Spielzug führte Braunschweig zur 2:1 Führung, nachdem Neustädter den Ball verlor und die Eintracht mit wenigen direkten Pässen Bellarabi, an Santana vorbei, vor Fährmann freispielte. Ein anderer gelungener Spielzug brachte beim Stand von 1:0 Aogo zu einer Schusschance, die er leider mit dem Außenriss am langen Eck vorbei vergab. Vor dem Meyer-Abstauber zum zwischenzeitlichen 1:1 Ausgleich gab es auch etwas Spielzug-Ähnliches, was zur zum Abstauber vorbereiteten Kopfball-Chance für Adam Szalai führte. Mehr fällt mir aber auch schon nicht mehr ein. Und auch dieses Spiel ging über 90 Minuten.

Bei Braunschweigs Führung ließ sich Benni Höwedes foppen und auch Ralf Fährmann sah nicht gut aus. Schalkes zweites Tor war reingeknusselt, der Siegtreffer ein Irgendwie-Ding, sowohl was den Ballweg Richtung Schütze Neustädter, als auch was den Schuss selbst angeht. Mit dem Innenriss schiebend, in dieser Situation, war auch irgendwie unnormal.

Sei’s drum. Gewonnen! Mag auch das Wissen um ein Wie gefehlt haben, die Moral war vorhanden. Auch nach zweimaligem Rückschlag gab es kein Aufgeben. Man gab dem Massel die Chance und gewann auf ganzer Linie.

Durch die anderen Ergebnisse an diesem Spieltag rückte Schalke einen weiteren Punkt und drei Plätze an den Champions League-Qualifikations-Platz heran, und in den nächsten beiden Spielen wird Schalke besser aussehen, davon bin ich überzeugt. Sowohl Mourinhos Chelsea als auch Klopps Borussia haben den Anspruch und das Können, Spiele zu dominieren. In diesen Spielen kann Schalke seinen „halben Top-Club-Fußball“ zum Programm erklären und in seiner eher passiven Rolle bleiben. Gegen diese Clubs ist Kellers Schalke quasi das Braunschweig der großen Bühne. Dann heißt es hinten sicher stehen und vorne ma’kucken, was ziemlich exakt der Schalker Spielidee in den letzten Monaten entspricht. Aber gegen Chelsea und Dortmund finden wir das alle gut. Versprochen.

Ma’kucken: Das Mediengespräch zum Samstagspiel

Die Pressekonferenzen des FC Schalke 04 sind unter S04-tv.de für jedermann kostenlos zu verfolgen. Das ist löblich, ein Service den längst nicht jeder Bundesligaclubs seinen Fans bietet. Meistens sind die Aufzeichnungen allerdings wenig spannend. Wöchentliche Routine, mit lediglich wechselnden Namen bezüglich der Verletzten, ansonsten die zu erwartenden Sätze zum Gegner und dem Willen zum Sieg.

Gestern wurde die Routine ausnahmsweise durchbrochen. Peter Wenzel und Uwe Dietz, gestandene Journalisten, fragten hartnäckiger nach als üblich. Dabei ging es um Prince. Die Frage, die aufgeworfen wurde, war, ob sein Transfer ein bewusstes Risiko darstellte. Ob Manager Horst Heldt wusste, dass des Spielers Knie Probleme bereiten würde und sich dennoch für ihn entschieden hätte. Ob Jens Keller klar war, dass er einen Spieler bekommen würde, der zur Schonung seines Knies häufiger auf Training verzichten müsse.

Horst Heldt wurde aus der Reserve gelockt. Nicht weniger interessant als seine Aussagen ist das, was er nicht sagte.

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