Die Sache mit den Pfiffen

Samstag gab es auf Schalke Pfiffe. Wieder mal. In der ersten Halbzeit, auf offener Szene, wegen Schalkes Spiel. Bereits in der Pressekonferenz vor der Begegnung sagte Augsburg-Trainer Markus Weinzierl, dass man wisse, dass das Schalker Publikum schnell unruhig würde, wenn ein Gegner lange genug defensiv gut stünde, und dass man das nutzen wolle. Nach dem Spiel sagte Benedikt Höwedes, dass es schade sei, dass das Publikum pfeife wenn „man mal hintenrum“ spiele. Journalisten benutzen regelmäßig die Formulierung vom verwöhnten Publikum auf Schalke.

Im Spiel gegen Augsburg musste Schalke dringend siegen. Nach Roter Karte war der Gegner früh zu zehnt und Schalke spielte nicht „mal“, sondern offensichtlich bewusst und ausdauernd „hintenrum“. Es war eine geeignete Spielweise, die Mannschaft hatte am Ende damit Erfolg. Taktik-Fans sagten, man habe den Gegner „geduldig bespielt“. Aber auf den Rängen der Arena auf Schalke sitzen oder stehen vor allem Menschen, denen die Differenzierungen taktischer Maßnahmen während der 90 entscheidenden Minuten am Arsch vorbei gehen. Nicht weil sie dafür zu dumm wären, sondern weil es nicht ihr Job ist. Schalkes Publikum, wenn man die Menge der Vielen mal unbedingt als eins betrachten will, ist wie es sein soll, und wie alles an und um diesen Club ist es extrem.

Die Pfiffe auf Schalke sind das Abfallprodukt einer sehr erwünschten Hochemotionalität. „Wo Emotionen zu Hause sind“ ist ein Werbespruch auf der Webseite zum Schalker Stadion. Dafür wurde dieses Ding gebaut. Nun hat man die Leute da so sitzen und weiß es nicht so recht zu nutzen. Immer dann, wenn Schalkes Spieler oder Trainer von „geduldigem Spiel“ reden, rollen sich dem Schreiber dieser Zeilen jedenfalls die Fußnägel hoch. Weil er weiß, dass das wieder nicht zusammenpassen wird, Spielweise und Heimvorteil, und weil er sich wundert, dass das von den Profis nicht beachtet, vielleicht gar nicht erkannt wird.

Es gibt nie nur eine geeignete Spielweise. Gute Taktik geht auch mit Tempo, dazu ist nicht zwingend ein „hintenrum“ notwendig. Schalkes Publikum will nicht pfeifen. Es will stehen, es will singen, den Gegner niederbrüllen, feiern: Seine Mannschaft als Ganzes, einzelne Helden, auch sich selbst als wild und laut. Es braucht nicht viel um es zu vereinen und hinter die Mannschaft zu bringen. Manchmal reicht ein Foul eines Gegners oder eine üble Schiedsrichterentscheidung. Am Besten geht es aber durch die Art und Weise, wie die eigene Mannschaft auftritt. Die emotionale Mischung auf den Rängen dieses Stadions ist immer hochexplosiv. Der Funke muss aber auf dem Platz gezündet werden. Dann geht die Druckwelle in die richtige Richtung und sorgt für einen großartigen Schub namens Heimvorteil.



38 Kommentare zu “Die Sache mit den Pfiffen”

  1. papa04 sagt:

    schön geschrieben. Aber wenn die Mannschaft mal nicht imstande ist diesen Funken zu zünden (manchmal läuft es halt einfach nicht), sollte trotzdem nicht gepfiffen, sondern der Mannschaft ein Feuerzeug gereicht werden :) [nicht schmeißen! :P].

  2. Patigol sagt:

    Schlechten (wohl erfolgreichen, aber unattraktiven) Fußball sehen wir seit Jahren. Wenn die Mannschaft volle Pulle spielte, Hochgeschwindigkeitfußball, aggressiv, Pressing – dann gibt es wenig Stadien, die so abgehen wie unseres. Aber wie oft startet das Publikum hochmotiviert, bis nach 10-15 Minuten die Stimmung abflacht, weil da aufm Platz keine Emotionen zu spüren sind…?!

    Was ich seit langem nicht verstehe: Warum spielt man in Hälfte 2 nicht auf die Nordkurve? Die Sonne steht doch nur im Mai / August ungünstig…?!

  3. Rjonathan sagt:

    Hm.. ich weiß nicht… Es ist nicht nur mit Emotion zu erklären. Bei Celtic funktioniert das auch mit Rumpelfussball.

  4. Tüte sagt:

    Danke Torsten!!! Du sprichst mir aus der Seele! Warum sind früher schon Mannschaften (da wo wir im Mittelfeld waren) nicht gerne auf Schalke gereist!? Richtig,weil sie wussten,dass man die Leute hinter sich hat,wenn man sie mitnimmt!!!! Ich habe schon mal irgendwo geschrieben,dass es aufgrund der Großen Leidenschaft zum Verein zu solchen Situationen auf Schalke kommt! Egal ob Jung ob alt,ob groß,ob klein…. Schalke ist Religion/liebe/Passion von der man nicht mehr loskommt! Es ist emotionales denken aus Angst/liebe und Erfahrungswerten!!!! Und wie schnell man über 60000 Leute mitnehmen kann,hat man schon oft gesehen!!!!
    Ob dieses Gründe für oder gegen ein Pfeifen sind,kann und will ich nicht erörtern,soll jjeder für sich selber entscheiden! Aber es ist liebe und da macht man manchmal Sachen,die nicht rational sind!!!

  5. Papman sagt:

    Wenn sich der Verein mit seinen Eintrittspreisen sein Publikum selbst aussortiert braucht er sich nicht über diese Entwicklung zu wundern!

    Es werden immer weniger von denen die bedingungslos hinter der Mannschaft stehen, weil das die sind, die Schalke mit seiner Preispolitik aus die Arena drängt!

    Leute die ab und zu 60 Euro für ne Karte zahlen meinen nun mal das dort ne Sieges- und Klasse-Spiel Garantie drin ist.
    Wo ist denn das alte Parkstadion Publikum?
    Es werden immer weniger, dafür kommen die Arena Touristen.
    Langsam aber stetig, so kommt es mir auf jeden Fall vor, fahre lieber nur noch Auswärts, das sieht man diese Leute nicht.

    Warum man immer oder meistens in der ersten Hälfte auf die Nord spielt ist mir auch unerklärlich??

  6. Torsten sagt:

    @Papman:

    Ich glaube Du liegst da falsch. Ich weiß, dass diese Meinung weit verbreitet ist: Teure Tickets, „Eventfans“, Erwartungshaltung. Aus dieser Reihe entspringt der Schluss, dass es ein Wir und ein Die da gibt, wir die echten Fans und die da, die ab und an-Fans, die nichts leisten, nur unterhalten werden wollen und uns die Stimmung kaputt machen.

    Nein, ich denke nicht, dass das so ist. Gerade auf Schalke gibt es noch vergleichsweise wenig Fluktuation. Gerade die ab und an-Fans sind m.E. schnell begeisterungsfähig, weil für sie der Stadionbesuch was ganz Besonderes ist. Viele der ab und an-Fans hätten gerne Dauerkarten, kommen nur eben an keine ran. Ich halte diese Trennung und die Schuldzuweisung an ein paar vermeintlich Doofe für falsch.

    @RJonathan:

    Es geht nicht um die Qualität des Fußballs, sondern um die Spielweise.

  7. Franzi sagt:

    Ja, die Pfiffe….

    Ich schaffe es leider auch nur zu 3-5 Heimspielen in der Saison. ( Dazu kommen natürlich noch einige Auswärtsspiele ) Dies hat verschiedene Gründe, ich wohne 420 km weit weg von der Arena und kann deswegen nicht jeden 2. Samstag nach GE fahren. Das geht zeitlich nicht, finanziell wäre es auf Dauer wohl auch recht happig. Und es ist auch nicht immer so leicht Karten zu bekommen, wenn man nicht glücklicher Dauerkartenbesitzer ist. Ich wäre gerne öfter in der Arena. Allerdings habe ich, die ja somit scheinbar auch als „Arenatourist“ gilt, noch nie gepfiffen und ich habe auch schon sehr unterschiedliche Spiele in der Arena erlebt. Im Gegenteil ich ärgere mich sehr über die Pfiffe, obwohl mir auch schon oft aufgefallen ist, dass es auch häufig die Jahrelangen-Dauerkartenbesitzer neben mir waren, die gepfiffen haben. Die dann gar nicht verstehen konnten, dass wir nicht pfeifen, aber wir würden ja das „Elend“ auch nicht Woche für Woche live sehen müssen….Ich bin auch oft nicht glücklich und zufrieden mit dem, was ich auf dem Platz sehe,
    aber die Pfiffe finde ich trotzdem Mist, da ich denke, dass sie nicht helfen während des Spiels.

  8. ExilDynamo sagt:

    Ich kann da nur beipflichten: die Pfiffe sind unter aller Kanone!

    Auch ich muss mich wohl in die Kategorie „Arena-Tourist“ einordnen lassen, aber nicht, weil ich so weit entfernt wohne, sondern weil es schwierig ist, an Tagestickets zu kommen. Und seit es die Ticket-Börse nicht mehr gibt, ist es noch schwerer… (vom Preis mal ganz abgesehen)
    Wenn ich dann mit meinen beiden Jungs schon mal im Stadion bin, dann fiebern wir 90 Minuten lang mit und schreien uns die Seele aus dem Leib. Da machen wir uns selbst das „Event“.
    Die Pfiffe finde ich unmöglich und mindestens genauso schlimm ist das frühzeitige Verlassen der Arena! Da führen wir gegen Bukarest 3:0 und die Tribünen leeren sich in einem Tempo, dass man meint, man liege 0:3 zurück! Das ist doch reichlich unhöflich der Mannschaft gegenüber.

    Kritik ist ja berechtigt – sollte aber NACH dem Spiel vorgebracht werden. Mit Pfiffen peitscht man keine Mannschaft nach vorn.

  9. RWDJojo sagt:

    Im Spiel gegen Augsburg musste Schalke dringend siegen. Man spielte gegen 10 Mann, es stand 0:1 und Schalke spielte nicht „mal“, sondern offensichtlich bewusst und ausdauernd „hintenrum“.

    Schalke hat gegen Augsburg beim Stand von 0:1 und gegen 10 Mann nicht hintenrum gespielt. Mit der ersten Aktion gegen dezimierte Augsburger gelang der Ausgleich (eben der Elfer, der durch die Rote Karte verursacht wurde). Sicherlich ist das nur eine Unschärfe, kann aber falsch verstanden werden.

    Was ich seit langem nicht verstehe: Warum spielt man in Hälfte 2 nicht auf die Nordkurve? Die Sonne steht doch nur im Mai / August ungünstig…?!

    Möglicherweise möchte man in der entscheidenden Phase der 2. Hälfte den 12. Mann im Rücken haben. Die Nordkurve peitscht die Mannschaft nach vorne. Andersherum könnte es bei entsprechender Lautstärke so wirken, als laufe man in eine Wand.

    Ich glaube Du liegst da falsch. Ich weiß, dass diese Meinung weit verbreitet ist: Teure Tickets, “Eventfans”, Erwartungshaltung. Aus dieser Reihe entspringt der Schluss, dass es ein Wir und ein Die da gibt, wir die echten Fans und die da, die ab und an-Fans, die nichts leisten, nur unterhalten werden wollen und uns die Stimmung kaputt machen.

    Ich würde die sog. Eventfans auch nicht als Sündenbock nennen wollen. Ich weiß nicht, wie es früher war. Wurde im Parkstadion nicht auch öfter mal gepfiffen?
    Ich glaube jedoch, dass die Pfeiferei trotzdem ein Stück weit mit den Eintrittspreisen zusammenhängt. Spielt Schalke gut, dann ist es „unser Jule“, der drei Bunden gemacht hat. Spielt Schalke schlecht, dann wird der „verwöhnte Jungmillionär Draxler“ zum Fummelkönig. Dann kommt schnell das Argument, dass man selber ja einen riesen Batzen Geld für die Karte bezahlt hat und der Scheißmillionär da unten aufm Rasen nicht einmal kämpfen tut. Dann MUSS man die Spieler ja auspfeifen. Wie soll man denn sonst dem Keller zeigen, dass er den Hildebrand endlich ausm Tor nehmen soll?

    Jetzt ist es mir doch passiert, dass ich sauer wurde… mir gehen diese Pfiffe tierisch aufn Sack. Es kann doch nicht sein, dass so nen Kackverein wie Augsburg, die noch nicht einmal den Gästebereich voll bekommen, sich vorm Spiel hinstellt und uns u.a. über das Publikum knacken will. Für unsere junge Truppe sind diese Pfiffe total schädlich. Spielt der Matip einen Pass in die Spitze, der nicht ankommt, wird gepfiffen. Aus Angst wieder einen Fehlpass zu spielen, spielt er das nächste Mal hintenrum. Wieder wird gepfiffen. Beim dritten Mal kann er sich daher nicht entscheiden (sicher oder riskant), wartet zu lange und vertändelt den Ball… usw usw

  10. ExilDynamo sagt:

    @RWDJojo:

    Spielt der Matip einen Pass in die Spitze, der nicht ankommt, wird gepfiffen. Aus Angst wieder einen Fehlpass zu spielen, spielt er das nächste Mal hintenrum. Wieder wird gepfiffen. Beim dritten Mal kann er sich daher nicht entscheiden (sicher oder riskant), wartet zu lange und vertändelt den Ball

    Genau das ist es!
    Da haben sich scheinbar Teile des Publikums auf diverse Spieler eingeschossen und diese Spieler können dann machen, was sie wollen: es ist immer falsch!

  11. Patigol sagt:

    Sich auf Spieler einschießen gab´s schon immer, siehe Nico van Kerckhoven im Parkstadion, wo es noch keine Eventfans gab…

    Ich glaube, es hat mit dem Auftreten zu tun. So blöd es klingt, aber ich will Maloche sehen, Aggessivität, schnelles Spiel, 90 Minuten Volldampf. Ich pfeife nicht, aber Unmut über eine abwartende Haltung und Spielanlage zu Hause gegen AUgsburg (!) und das gegen 10 Mann (!) ist einfach nicht zufriedenstellend. Wo wir wieder bei Herrn Keller und der Spielanlage sind…

  12. ExilDynamo sagt:

    @Patigol:

    siehe Nico van Kerckhoven im Parkstadion

    Der war aber zu diesem Zeitpunkt auch schon 28 (?) Jahre alt, oder?
    Das soll zwar keine Rechtfertigung sein, aber als älterer Spieler kann man mit so einer Situation garantiert besser umgehen als ein 22jähriger.
    Und nochmal nachgefragt: hat das Auspfeifen von van Kerckhoven was genützt?

  13. Torsten sagt:

    @RWDJojo:

    Du hast natürlich recht, es stand schon 1:1, als Augsburg zu zehnt war. Ich habe das korrigiert. Danke. Pomadig war das Ballgeschiebe zu dem Zeitpunkt aber trotzdem.

    @ExilDynamo:

    Ich denke nicht, das der werte Patigol mit dem Hinweis auf NvK die Pfiffe gegen Matip oder andere heutige Spieler rechtfertigen wollte. Es ging eher um die Feststellung, dass das kein neues Problem ist. Aus gleichem Grund könnte man auch noch durchaus erfolgreiche Kicker wie Martin Max oder Kevin Kuranyi anführen …

    Dieses „gegen einzelne Spieler“ ist allerdings ganz bestimmt kein besonderes Schalker Problem. Dass gibt es leider auch in sehr vielen anderen Stadien.

  14. ExilDynamo sagt:

    @Torsten:

    Dieses “gegen einzelne Spieler” ist allerdings ganz bestimmt kein besonderes Schalker Problem.

    Ja, das ist natürlich klar.
    Aber ich habe den Eindruck, dass es irgendwie immer zeitiger wird, dass gepfiffen wird. Die Geduldsschwelle ist (im Moment zumindest) ziemlich niedrig. Und bei Matip ganz besonders.
    Womit sich der Kreis wieder schliesst zu der Aussage vom Weinzierl, dass man sich diese Pfiffe zunutze machen will. Und damit erweist man der eigenen Mannschaft einen Bärendienst.

  15. #Link11: Schlaaaaaaand! | Fokus Fussball sagt:

    […] und dessen Finanzgebaren (sportbusiness.com) +++ Tinnitus: Die Sache mit den Pfiffen, erklärt vom Königsblog +++ Diskussion: Gehören Fangesänge wie “Zieht den Bayern die Lederhosen aus” bald der […]

  16. Patigol sagt:

    Ja, es ging mir darum, darauf hinzuweisen, dass diese Pfiffe kein neues Phänomen sind. Klar ist, dass das m. E. gar nicht geht…

  17. paul sagt:

    Der Parkstadionvergleich ist ein Phänomen, das mit zunehmender Zeit immer weiter an Boden gewinnt. Ein klassisches Symptom klassischer Verklärung. Ja, damals waren die Preise noch geringer. 1, 50 DM für eine ermäßigte Nordkurvenkarte ist mir auch nach zwanzig Jahren noch in Erinnerung. Ganz zu schweigen davon, dass man die Karte direkt am Stadion holen konnte. Dass man sich gern an solche Zeiten zurück erinnert – geschenkt. Aber wer will denn hier ernsthaft behaupten, dass damals bessere Stimmung war? Es wurde genauso gepfiffen. Gegen die Mannschaft, gegen einzelne Spieler. Es wurde auch damals über zu hohe Kartenpreise diskutiert. Sowohl in der Nordkurve, als auch auf den Tribünen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass die komplette Parkstadionzeit auf die UEFA-Cup Spielzeit reduziert wird. Eine Ausnahmesaison mit Ausnahmestimmung. Begonnen hat sie aber auch mit einem Skandal und Pfiffen – ich erinnere an die Entlassung Jörg Bergers.
    Nun zum Essentiellen: warum wird gemeckert? Und warum wird immer behauptet, dass es früher besser war? Weil der Mensch in dieser Region gerne mal so ist. Weil Fussball schon immer ein Ventil war. Es hat sich nichts geändert am Fan als solchen. Was sich geändert hat ist die mittlerweile grenzenlose Kommerzialisierung des Fussballs, die natürlich auch vor unserem Verein nicht halt gemacht hat. Dagegen anzukämpfen wäre löblich, aber in gleichem Maße vergebens. Sich untereinander niederzumachen ist auf jeden Fall nicht produktiv.

  18. Torsten sagt:

    Das Problem ist also klar. Einige haben für den Unmut ein gewisses Verständnis, aber niemand hier findet die Pfiffe gut und Pfiffe gegen einzelne Spieler werden von allen hier geächtet.

    Aber wie kann man gegen das Problem vorgehen?

    Mit dem Finger auf den Nebenmann zeigen reicht nicht. Den Nebenmann verhauen ist auch doof. Sich Geduld zu wünschen und auf Ruhe zu hoffen ist sinnlos. Und schon sind wir meines Erachtens wieder bei meinem letzten Absatz, oben im Text.

    Ich weiß, dass es einigen Mitlesern/Kommentatoren ein Greul ist, wenn ich über Klopp schreibe/spreche. Aber trotzdem. Ich hatte damals die PK zu seinem Antritt beim BVB in voller Länge gesehen. Da war er der beliebte und anerkannte Trainer aus Mainz, noch kein Meister. Er sagte, dass er für Powerfußball stünde, und er sagte, dass, egal wie die Spiele auch laufen werden, er dafür sorgen will, dass man immer das Gefühl haben wird, die Mannschaft hätte alles gegeben. Er sagte nicht, man müsse geduldig daran arbeiten, erfolgreich zu werden …

    Das mag manch einer als Blabla abtun, m.E. ist es das aber nicht. Sondern das ist ein wichtiges Thema bei einem Club mit einem Publikum wie in Dortmund oder in GE (und ja, diese beiden Clubs sind in ganz vielen Bereichen sehr gleich).
    Das mag nicht immer gehen. Manchmal hat die Mannschaft einfach einen schlechten Tag. Manchmal gelingt einiges nicht. Aber es geht um die grundsätzliche(!) Frage der Ausrichtung des Spiels. Wenn die Mannschaft „aktiv offensiv“ spielt wird das Publikum das lieben und unterstützen. Wenn das Publikum mag, was es sieht, dann geht es mit, dann hat es kaum Zeit dafür, einzelne Spieler auszupfeifen. Und wenn das „in der Regel“ so ist, dann wird das Publikum auch toleranter, wenn es ab und an mal nicht läuft.

    Auf Schalke ist der Spielstil seit Jahren(!) von Kontrolle und Abwarten geprägt. Schnell gespielt wird dabei Szenenweise, eben dann wenn sich Kontersituationen ergeben. Insgesamt ergeben sich daraus in sehr vielen Spielen ziemlich lange Phasen, in denen es releativ wenig Drang zum Tor gibt.

    Das meint der pfeifende Nachbar Franzis (s.o.), wenn er von „Elend seit Jahren“ redet. Er ist nicht unzufrieden wegen fehlendem Erfolg, er ist auch nicht so anspruchsvoll, dass er Barca-Fußball sehen will. Er hat einfach keinen Bock mehr, Woche für Woche lange Phasen auf interessante Szenen warten zu müssen.

  19. Klopenner sagt:

    Ich bin mir nicht mal sicher, ob die Pfiffe immer gegen einzelne Spieler gerichtet sind, oder sie der kompletten Mannschaft gelten sollen.

    Mir persönlich geht das „hintenrum“ spielen nur auf den Sack, weil es immer das gleiche Schema ist. Einer unserer defensiven Spieler findet keine Anspielstation und spielt den Ball zum Torwart zurück, der daraufhin natürlich genauso wenig Anspielstationen finden kann, wie der Passgeber. Also ballert er die Pocke einfach nach vorne, wo in 90% dieser Fälle der Ball direkt, oder nach einem Kopfball eines unserer Spieler beim Gegner landet. Dieses sinnlose nach Vorne kloppen hätte schon der „defensive Spieler“ machen können. Beides ist nicht schön und beides ist total ineffektiv. Das alles hat aber auch mit der taktischen und körperlichen Einstellung zu tun.

    Taktisch werden wir von sehr vielen Mannschaften ordentlich mit Pressing konfrontiert, so dass es keine Anspielstationen gibt, weil alle direkt vom Gegner attackiert und/oder zugestellt werden.
    Körperlich ist die Einstellung zu mehr Bewegung im Spiel ohne Ball unfassbar oft nicht vorhanden. Wie lethargisch da manche über den Platz schleichen, wenn wir in Ballbesitz sind ist häufig einfach nicht mehr zu Ertragen.
    Da bringt dann der Pass zum TW das Fass zum Überlaufen.

    Meine Einschätzung ist eben, dass nicht ein Matip, oder Neustädter ausgepfiffen werden, wenn sie diesen Pass spielen, sondern die komplette Mannschaft, weil ihr – aufgrund mangelnder Bewegung oder taktischer Finesse – nichts einfällt. Ergebnis ist dann der Ballverlust durch den TW.

    Pfiffe sind natürlich meistens kontraproduktiv, weil sie Verunsicherung heraufbeschwören, aber da wir diese Situation in JEDEM Spiel sehen und sie in KEINEM bisher auch nur einen wundervollen Angriff eingeleitet hat, sollte sich die Mannschaft langsam mal darüber klar werden, dass ein Rückpass zum TW nur im äußersten Notfall sinnvoll ist, um die Gefahr zu reduzieren, aber nicht, weil es sonst nicht vorwärts geht.

    Bedingt durch die Nichtübertragung unserer CL Spiele im FreeTV musste ich mir die anderen beiden Teams ansehen. Da kommen solche Situationen auch vor, aber sowohl ein Neuer, als auch ein Weidenfäller lösen das „Problem“ dann spielerischer als unser TW. Hinzu kommt, dass die defensiveren Spieler beider Mannschaften sich auch mit Ball am Fuß mal trauen den Gegner auszuspielen um so Raum zu schaffen. Das liegt zum einen an der Qualität, zum anderen aber sicher auch am Selbstbewusstsein. Ein Lahm spielt den Ball nur im NOtfall zu Neuer, ansonsten versucht er den Gegner durch ne Körpertäuschung oder ein kleines Dribbling selbst zu überwinden. Bei uns wäre das zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. Jedenfalls fällt mir gerade keine Situation ein, wo jemand das versucht hätte (Jones gegen Hoffenheim als letzter Mann mal ausgeschlossen)

  20. Der Hans sagt:

    Schalkes Publikum will nicht pfeifen. Es will stehen, es will singen, den Gegner niederbrüllen, feiern

    Wenn es nicht pfeifen wollte, würde es das auch nicht tun. Niemand fängt einfach so, ohne Vorsatz, damit an. Und wenn es durchgehend stehen, singen und den Gegner niederbrüllen würde, würde es das ganz sicher tun.

  21. Torsten sagt:

    Ach Hans … da argumentiert man sich die Kuppen platt und Du schnipselst ‚nen Halbsatz raus …

  22. Սաշա sagt:

    Sehe ich genauso wie Der Hans.
    Dazu bin ich mir auch sicher, dass tatsächlich, wie es seit Jahren guter Brauch ist, gezielt einzelne Spieler ausgepfiffen werden(den Sündenbock durften u.a. schon geben: NvK, Poulsen, Kuranyi, Matip). Das hat bei uns gute Tradition. Und zwar nicht nur auf den Sitzplatztribünen, wo vielleicht tatsächlich der ein oder andere Eventfan sitzt, der glaubt, er habe eine Sieggarantie im Preis inbegriffen, sondern auch in den Teilen der Kurve, wo das „gute, alte Parkstadion“ steht.

    Es gibt in der Nordkurve nämlich einen Teil, der will nicht „singen, den Gegner niederbrüllen, feiern“. Der steht da auch nur, weil er es schon immer gemacht hat und die Steher vergleichsweise günstig sind. Er steht da 90 Minuten mit einer in Stein gemeißelten Antihaltung, denn er ist nur zum Meckern gekommen und er reagierte auch schon im Parkstadion die eigentlichen Unzulänglichkeiten an den Spielern ab. Warum also liebgewonnene Traditionen aufgeben?! Wenn ich mal keinen Bock mehr habe zu singen und den Gegner niederzubrüllen, gehe ich aus der Kurve und nehme mir einen Sitzplatz. Da bin ich dann in guter Gesellschaft, muss vielleicht einmal kurz aufstehen und klatschen, weil ich Schalker bin und habe ansonsten den Rest des Spiels meine Ruhe. Das funktioniert in Deutschland zum Glück noch. Nicht auszudenken, wenn man in Süd(ost)europa oder gar in Südamerika zum Fußball gehen würde, da hat man ja nirgends seine Ruhe…

    Den Verweis auf Dortmund kann ich so auch nicht unterschreiben. Eigentlich ist die hohe Bereitschaft zum Pfeifen mit keinem anderen Stadion in Deutschland vergleichbar. Vielleicht noch mit dem Münchener Schlauchboot, aber dort sitzen dann auch ein paar Touris und Eventfans mehr, die beglückt werden wollen. Ansonsten hat man in keinem deutschen Stadion die Finger so schnell am Mund wie bei uns, denn darin – und NUR darin – sind wir die „Besten Fans der Welt“.
    Man sollte nicht den Fehler machen und glauben, ein bisschen Tempofußball ändere etwas daran, dass die besagten Personengruppen einen Grund zum Pfeifen finden. Den finden sie! Garantiert. Selbst wenn die Mannschaft 34 herausragende Ligaspiele abliefern würde.

    Das hat meines Erachtens auch damit zu tun, aus welchem Grund man zum Fußball geht: Wenn man zum Fußball geht, weil man „singen, den Gegner niederbrüllen, feiern“ will, dann macht man das auch. Man kann dabei natürlich enttäuscht werden(in Wolfsburg wollte ich auch ganz gerne singen und feiern und ich habe es auch echt lange versucht, aber die Standhaftigkeit über und gegen die Enttäuschung zu singen, ging mir dann irgendwann etwas ab), aber man wird wohl eher nicht anfangen zu pfeifen.
    Wenn man allerdings zum Fußball geht, weil man stehen, meckern und die auserkorene Sau durchs Dorf treiben will, dann macht eben genau das. Und wenn man das schon seit Jahrzehnten so macht, wird man das auch nicht mehr ändern.

    Damit man meine Zeilen nicht in den falschen Hals bekommt: Ich meine damit sicher nicht, dass jeder sich so verhält, der im Parkstadion in der Nordkurve stand und nun in der Arena immer noch dort steht.
    Es sind ganz persönliche Erfahrungen, die ich immer wieder mache, wenn ich mit der Familie zum Heimspiel fahre und wir dann alle zusammen in N6 oder soagr I stehen.
    Früher dachte ich, die beschissene Stimmung in N6/I/K wäre der Tatsache geschuldet, dass man soweit ab von der Mitte ist. Dann kamen die Hugos und haben versucht von K aus die Ausläufer der Kurve mitzunehmen.
    Dabei ist mir dann endgültig aufgefallen, dass die mäßige Stimmung in besagten Blöcken daran liegt, dass viele dort einfach keinen Bock haben zu singen und zu feiern, sondern nur zum Meckern kommen. Kann ich natürlich keinem verbieten, aber ich frage mich in diesen Fällen, was man überhaupt in der Kurve will.

  23. Frank aus Rheinhessen sagt:

    Vielen Dank für dieses Thema. Das schlechte Verhalten des Heimpublikums hat mich schon von so manchem Heimspielbesuch abgehalten. Da bin ich nur
    noch auswärts mit, sofern ich Karten bekommen habe. Ich hab auch schon offen mitgeteilt, auch während eines Spiels, was ich von den Pfiffen halte. Dadurch, dass wir immer wieder mal andere Plätze in der Arena
    hatten, konnte ich mir so mein Bild machen, wo die Pfiffe verstärkt
    herkommen. Auf der Haupttribüne in den Nummerblöcken sitzen einige,
    die anscheinend nur zum Frustabbau in der Arena sind, anders kann man
    sich das Dauergemeckere und die Tobsuchtsanfälle nicht erklären. Aber
    auch aus der Nordkurve, hauptsächlich der Block ganz links, neigt sehr gut hörbar zum Pfeifen. Choleriker gibt es in jedem Block, ein echtes Arschloch auch, obwohl die sicher auch Schalker sind. Mit am Schlimmsten war das beim Spiel gegen Saloniki, (wir sind jetzt Block P)
    ein Typ 6-8 Reihen unter uns. Hat die Griechen über uns in der Loge permanent die Faust, Stinkefinger und mit hochrotem Kopf beschimpft. Der Gipfel der Provokation war dann das Wedeln mit einem 10 Euroschein.
    Das die über uns nicht gleich runter sind, wurde dann durch die Ausschreitungen der Polizei in der Nordkurve „verhindert“. 10 Minuten
    vor Schluss, hat sich dann der Kollege Hitzeblitz schnell aus der Arena
    geschlichen und wart seit dem nicht mehr gesehen. OK, ich bin abgeschweift, wollte das aber mal loswerden. Für so ein Verhalten
    schäme ich mich als Fan des Gastgebers. Genauso ist das beim Auspfeifen
    der eigenen Spieler während des Spiels.

  24. Benno aus Warstein sagt:

    Ich finde, dass dieses Problem mit den Pfiffen wirklich an der Spielweise liegt. Es hat oft den Eindruck, dass Hildebrand öfters den Ball hat, als die Stürmer. Es gibt Bundesligaweit keine Mannschaft, die bei Balleroberung so das Tempo aus dem Spiel nimmt, wie unsere Schalker.

  25. Die Sache mit den Pfiffen | Fanecho Bundesliga sagt:

    […] Artikel weiterlesen… […]

  26. McP sagt:

    „Eigentlich ist die hohe Bereitschaft zum Pfeifen mit keinem anderen Stadion in Deutschland vergleichbar.“

    Սաշա, mMn hast Du hier eine falsche Wahrnehmung. Ich sehe nicht, dass bei Schalke enorm viel mehr gepfiffen wird als in vergleichbaren Situationen woanders. Ich stimme Torsten zu, dass die Spielweise einen Einfluss hat. Aber ich denke, wichtiger ist noch, wie die Mannschaft im Vergleich zur Erwartungshaltung abschneidet. Schalke erwartet von sich ein Top3-Team zu sein. Je weiter man davon weg ist, desto Pfiffe. Wenn andere Mannschaften unterhalb der Erwartung liegen, reagiert deren Publikum nicht sanfter. Das funktioniert auch umgekehrt, siehe die erste Magath-Saison. Spielerisch war das auch nicht state-of-the-art. Aber man lag deutlich oberhalb des Erwarteten.

    Kurz gesagt, nach meinem Empfinden sind die Schalke-Fans nicht besser oder schlechter als andere. Sie sind aber zahlreicher als die der meisten anderen Vereine. Dadurch ist alles lauter, im Guten, wie im Schlechten, wie auch das Echo zwischen den Spieltagen.

  27. Սաշա sagt:

    Ich würde euch ja gerne zustimmen. Dagegen spricht allein die Realität. Würde es an der Erwartungshaltung liegen oder an der Spielweise, dann hätte man dieses Phänomen in erfolgreichen und/oder attraktiven Spielzeiten nicht wahrnehmen können. Konnte man aber leider.
    Egal wie erfolgreich wir waren, egal wie die Mannschaft gespielt hat, es gab immer den einen Sündenbock und es wurde auch immer gepfiffen. Egal ob wir am Ende 2. oder 3. wurden oder sogar zusätzlich noch attraktiv gespielt haben wie teilweise zu Beginn der 00er Jahre.
    Das ist eben der Unterschied. Wir sind relativ erfolgreich, seit nunmehr über 15 Jahren. Gepfiffen wurde und wird aber immer. Das gibt es sonst nur in München, dabei bleibe ich.

  28. Christoph sagt:

    @ torsten
    Deinen 11:44 beitrag möchte ich mir einrahmen, stempeln, unterschreiben und als götzen anbeten.
    Du triffst da den nagel da, wo es ihm weh tut.
    Als leitender angestellter – trainer – muss ich doch einen plan intern verfolgen und extern erklären. Ich erkenne aber nichts an trainerhandschrift. Ich hoere nur “ auf schalke ist der druck besonders hoch, hier pfeifen die fans bei ballgeschiebe. …“
    Aber der druck ist doch nicht höher als in münchen dortmund, hamburg oder köln! In münchen und dortmund findet nur seit jahren kein ballgeschiebe statt. Ich pfeife auch nicht, verfalle aber auch nicht bei rückpass-stafetten in extase.

  29. Der Hans sagt:

    Ach Hans … da argumentiert man sich die Kuppen platt und Du schnipselst ‘nen Halbsatz raus …

    Ich wollte dir deinen Text dadurch nicht kaputtreden oder unsachlich kritisieren, mir kommt es nur leider immer häufiger so vor, als ob nur darauf gewartet wird, einen – und sei er noch so klein und unbedeutend – Grund zu finden, mit dem Pfeifen zu beginnen.
    Es gibt sicher genug Schalker, die abwarten können, sich ihre Meinung bilden und ihre Kritik auch im Stadion zum richtigen Zeitpunkt äußern. Aber der (wahrnehmbare) Großteil pfeift halt gerne und viel.

  30. Ney sagt:

    Wie viele Leute pfeifen denn überhaupt? 1/50, 1/100?

  31. hoffedocS04 sagt:

    Zum Glück gehen nicht so viele Spiele verloren. Das ist ein Grund für ERLEICHTERUNG nach den Spielen.
    Die Spiele werden aber nur mühsam gewonnen, und das ist leider KEIN Grund für BEGEISTERUNG.

    Pfiffe finde ich aber nie gut. Lieber still die Zehennägel hochrollen lassen, damit die Mannschaft zusätzlich zum fehlenden Konzept nicht noch verunsichert wird.

    Keller wandert auf dem schmalen Grad, dass er Ergebnisse braucht, weil er aufgrund der kümmerlichen Spielweise keinen Kredit hat, den er aufbrauchen kann.

    Also wird sich das Problem bei der nächsten Phase ausbleibender Ergebnisse von allein erledigen.

    Bald ist 2014, und dann gibt es eine breite Palette von Möglichkeiten. Man soll nie „nie“ sagen.

    Das war mein Wort zum Sonntag;-)

  32. Mattes sagt:

    Das die Mannschaft nach einer sehr schlechten Halbzeit in die Kabine gepfiffen wird, ist ja eigentlich fast schon normal.

    Aber wenn bei Spielzügen oder einzelnen Aktionen gepfiffen wird, dann hat das auch was mit Ohnmacht gegenüber der Situation zu tun.

    Ich stehe also (oder sitze) da auf der Tribüne und kann nichts tun außer mir das Ballgeschiebe rein zu ziehen. („Jetzt spielt der Kerl schon wieder zum Torwart“)
    Das muss nicht unbedingt auf den Spieler bezogen sein.
    -OK Nutella Kevin war wohl noch was anderes, den hat glaub ich eh kaum einer für ernst genommen und dazu Chancen am Fließband versemmelt. Beim Altintop hab ich das nie verstanden, waren wohl -glaub ich- hauptsächlich Leute von der Gegengeraden.-

    Aber kann es sein, das dies auch (zumindest Teilweise) mit dem herrschenden Stimmungsmonopol zusammenhängt?
    „Stimmung“ wird mittlerweile nur noch von den Ultras gemacht. Warum? Weil sie alle Fans nieder gesungen und übertönt haben mit ihren beschissenen Lautsprechern.
    Vor noch nicht allzu langer Zeit, (ich fahre erst seit 2003 regelmäßig auf Schalke) war es noch so, das irgendwo einer angefangen hat was zu singen oder zu rufen und wenns OK war haben die umstehenden mitgemacht und dann vielleicht die Kurve > Stadion.
    Schon zu dieser Zeit, waren die Ultras Lautstärkemäßig auch schon dominant, aber nicht so übermächtig wie heute. Ich warte noch auf den Tag, an dem die ganze Kurve mit Megafonen zugepflastert ist und man endgültig dem Stimmungsaffen ausgeliefert ist.
    Jetzt spulen die Ultras ihr Programm von gefühlt 6 – 8 Stücken herunter und den Rest der Zeit wird wie blöde getrommelt. Das ist ja sooo kreativ. Vielleicht noch nen bisschen Singsang. (Schalke Null Viiiiieer – Schalke Null Viiiiieer – Schalke Null Viiiiieer) Das auch ja keiner auch nur auf die Idee kommt mal was anderes zu singen. Könnte ja vielleicht mal was Gutes oder gar was Neues dabei sein. Gescheite Kurvengesänge hab ich jedenfalls schon länger nicht mehr gehört bzw. gesungen. Hat ja eh kein Zweck, hört eh keiner mehr. Die höre (singe)ich höchstens noch im Bus oder mal in der Straßenbahn, wenn ich mit dem Zug anreise. Solche Sachen wie: „Steht auf wenn ihr Schalker seid“ wird es heute definitiv nicht mehr geben. Damals war zu dem Zeitpunkt Ruhe im weiten Rund der Schüssel und der Mensch wurde gehört.

    Vielleicht bin ich ja der einzige, aber für mich hat das getrommel irgendwas Hypnotisches und schläfert förmlich ein. Wenn dann auch noch das x-te mal zurück oder quer gespielt wird, dann gibts halt so nen Pfeif-Impuls. Nein- ich pfeife nicht, auch wenn ich es manchmal wirklich gerne tun würde. Ich kann es aber sehr gut nachvollziehen.
    Man steht da oben im Block, sieht ne Riesenlücke, denkt -mach endlich- und? -wieder quer.
    Also bin ich wieder bei der Mannschaft. Sie hat es wirklich in der Hand den Funken überspringen und trotz Hypnosetrommel Begeisterung aufkommen zu lassen. Wenn dann mal eine wirklich übermächtige Mannschaft kommt, wird bestimmt nicht mehr gepfiffen sondern angefeuert.

    Es ist leider schon (zu) lange her, als man es spüren konnte, das die Fans auf keinen Fall eine Niederlage akzeptieren würden. Da wurde nach nem Gegentor nicht rumgezetert, gepfiffen oder ist gar in Schockstarre gefallen. Nein- Es wurde demonstrativ geklatscht und dann nach vorne gepeitscht. Aber das ganze Stadion. Wann gab es das zuletzt? Ich hab mich zuletzt etwas rar gemacht, kann deshalb über das letzte 1 1/2 Jahre nicht soo gut mitreden. Aber wenn eh nur Querfussball gespielt wird, nutzt auch klatschen nix. Weil Tore werden vorne geschossen.

    Wenn sich die Mannschaft beim Quergewürge tatsächlich an die taktischen Vorgaben des Trainers halten sollte, ist auch er mit schuld. Ich glaube nicht, dass schon jemals gepfiffen wurde (zumindest ist es mir nicht bewusst) wenn die Mannschaft nach vorne marschiert.

    Wir haben jetzt so eine geile Mannschaft- Ich will nicht andauernd nach Süden oder gar nach Lüdenscheid gucken müssen wenn ich guten und auch schnelleren Fußball mal über einen längeren Zeitraum wie 15-20 Minuten sehen möchte. Woanders ist vom schlafenden Riesen Schalke 04 die Rede. Sie haben Recht. Wir machen einfach nichts aus unseren Möglichkeiten. Im Gegenteil, wir sind absoluter Meister darin, uns selbst ein Bein zu stellen.

    P.S. Deinen Kommentar vom 11.10 11:44 Uhr unterschreibe ich von ganzem Herzen Torsten

  33. Սաշա sagt:

    Klar, am Ende sind wieder die „unkreativen“ Ultras dran schuld,, dass Fußball und Stimmung so „schlecht“ ist, weil die allen anderen verbieten eigene Gesänge anzustimmen oder sich gar neue auszudenken. Wie sie immer da stehen, mit ihren Maschinengewehren und sagen: „Wer eigenmächtig ein Lied anstimmt, kommt hier nicht mehr lebend raus!“, furchtbar. Ich stand schon mal daneben, als so ein armer Teufel aus Unwissenheit selbst ein Lied angestimmt hat. Sie haben ihm eine Schaufel in die Hand gedrückt und dann er musste sein eigenes Grab ausheben. Er war doch erst zwölf und wusste nicht, dass er Unrecht tat…!

    Kevin Kuranyi ist natürlich so einer, der es verdient hatte, dass man ihn auspfeift, der hat schließlich nur in acht aufeinanderfolgenden Spielzeiten in Folge zweistellig getroffen, was häufiger allein Burgsmüller und Gerd Müller gelang. Da kann man es auf jeden Fall verstehen, dass gepfiffen wurde. Der sah ja so komisch aus, war ein bisschen eitel und hatte nen dämlichen Bart. Das reicht natürlich, um auf Schalke zur Zielscheibe nicht weniger Personen zu werden.

    Ich finde auch, dass die Fans, bei einer drohenden Niederlage Gas geben und die Mannschaft nach vorne peitschen sollten, anstatt in Schockstarre zu verfallen und normalerweise klappt das auch im ganzen Stadion, nur die Ultras machen da nie mit. Oder war das andersherum?!
    Auswärts ist jedenfalls auch immer Mist, denn ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, wann denn mal der ganze Auswärtsblock trotz Niederlage noch nach Spielende den FC Schalke 04 gefeiert hat. Ah, doch ich weiß es wieder… Das war u.a. Ende August in Hannover so.

    Ich freue mich jedenfalls, dass wir in unserem Verein so kreative Menschen haben, wie Mattes, der immer wieder Choreographien entwirft und deren Umsetzung aus eigener Tasche bezahlt, mit viel Geld und Zeit. Einer der immer wieder neue Gesänge erdichtet, zu jedem Spiel fährt und jeden Tag für den FC Schalke lebt. Danke, Mattes!

  34. Mattes sagt:

    @Սաշա:
    Selbstkritik ist nicht deine starke Seite oder?
    Ich habe nichts gegen die Ultras an und für sich, von mir aus können sie auch gerne ihr gesamtes Leben auf den Verein ausrichten und nur für Schalke leben. Und gegen eure Choreographien hab ich auch nichts gesagt. Aber erwartet ihr etwa ewige Dankbarkeit dafür, oder wie muss ich das verstehen? Es ist euer Ding, oder evtl. noch mehr. Aber eben nicht für jeden.
    Habt also bitte auch Verständnis, wenn andere ihr Leben eben nicht nur nach dem Verein ausrichten. Für manche Menschen soll es sogar möglich sein unter der Woche eben nicht nur an Schalke zu denken.
    Wogegen ich was habe, und das sage ich deutlich, ist das nieder Singen und die Zwangsbeschallung per Lautsprecher und eure mangelnde Kreativität in Bezug auf den Support.

    Habt ihr noch gar nicht bemerkt? Wie denn auch, ich hab ein paar Mal versucht mit Leuten von euch ins Gespräch zu kommen und meinen Standpunkt dar zu stellen. Das einzige was zurück kam war, das ich meist blöde angeblafft wurde. Scheinbar habt ihr nicht nur die Stimmungs- sondern auch die Meinungshoheit. Ab und an ein wenig Selbstreflektion schadet nicht.
    Klar, wenn ihr von jetzt auf gleich euren Support einstellt ist erstmal Schweigen im Walde, weil viele Leute sich mittlerweile großenteils auf euch verlassen und erst gar nicht mehr den Versuch machen selbst kreativ zu werden bzw. zu singen etc.
    Ihr wolltet und habt mittlerweile also das Stimmungsmonopol.
    Dann macht bitte auch was daraus. Ab und an mal was Neues wäre bestimmt keine allzu schlechte Idee.

    Und nun zu meiner Selbstkritik:
    Ich hab in meinem Text eindeutig überzogen und für den Affen möchte ich mich ausdrücklich entschuldigen. Und zum Kevin möchte ich noch sagen, Nutella Kevin ist wirklich unfair, Sorry.
    Als öffentliche Person, achte ich aber normalerweise ein ganz klein bisschen auf mein Image.
    Das der Mann eindeutig unter seinen Möglichkeiten geblieben ist kann keiner bestreiten. Bei den vielen Chancen, hätte das locker für mehrere Torjägerkanonen reichen müssen.
    Nein- Ich habe noch nie einen Schalker Spieler ausgepfiffen und habe auch nicht vor so schnell damit anzufangen.

  35. Սաշա sagt:

    „Wir“ erwarten schonmal gar nichts, weil ich kein Ultra bin.
    ICH habe jedenfalls Respekt davor, dass die Jungs(und Mädels) sich so für ihren Verein einsetzen,ihre Zeit und ihr Geld dafür opfern.

    Man muss den Dauersupport doch auch gar nicht gutfinden. Wenn ich aus irgendeinem Grund mal keinen Bock habe etwas mitzusingen, was die Ultras anstimmen, vielleicht weil mir einfach gerade nicht daran ist, dann lasse ich es eben einfach.
    Das letzte, was aber von mir kommen wird, ist eine Beschwerde, weil mir Singsang xy nicht gefällt, wenn ich nicht auch bereit bin, selbst Initiative zu zeigen. Den Ultras kann ich es jedenfalls nicht vorwerfen, dass gewisse Teile des Stadions – wie gesagt auch in der Nordkurve – nur zum Meckern kommen und von vornherein keinen Bock haben, irgendwas zur Stimmung beizutragen.

    Aber diese Menschen ruhen sich eben immer wieder auf den gleichen „Argumenten“ aus, die auch von dir kommen. Am Ende sind immer die Ultras dran schuld, weil früher im Parkstadion ja auch alles besser war und spontaner und sowieso ganz toll. Das stimmt zwar nicht – schließlich war ich selbst oft genug dort (gut, wenn du vor 2003 nicht auf Schalke warst hast du das naturgemäß nicht mitbekommen können), aber so wird eben alles schön verklärt. Früher hat ja auch angeblich keiner gepfiffen.

    Auf jeden Fall machen immer die Ultras dies und das falsch und das Vorsingen und Koordinieren der Kurve ist auch doof(weil ja wie erwähnt früher alles besser war). Dass man dann aber daraus den Schluss zieht, man würde alles richtig machen, weil man selbst gar nichts macht(außer sich darüber zu beschweren, wie es aktuell ist), kann nicht zur Veränderung beitragen.

    Ich kann nur aus eigener Erfahrung sprechen: Auswärts ist es deutlich besser als Zuhause. Da sind 10.000 in Hannover, alle singen alles mit, egal ob von den Ultras oder von wem auch immer angestimmt. Wenn die Mannschaft zurückliegt, gibt man beim Supporten nochmal mehr Gas, um sie anzutreiben(wie es ja hier schon gefordert wurde) und das alles ist bestimmt nicht trotz, sondern auch wegen der Ultras so.

    Was Kuranyi angeht, sind das übrigens auch schon wieder die gleichen Ausflüchte, wie man sie von bestimmten Leuten immer gehört hat. Als ob Huntelaar ne 100%-Quote hat. Aber über den hört man gar nichts, weil er nicht so ein Gockel ist und so ein Bärtchen hat. Sollte uns aber eigentlich egal sein. Kuranyi war ein mannschaftsdienlicher Stürmer, dersich in einer teilweise beschissenen Mannschaft immer den Arsch aufgerissen hat.
    Also genau das, was wir auf Schalke angeblich so schätzen. Das gilt aber wohl doch nur für Menschen, die auch optisch ins Proletenbild passen.

  36. ExilDynamo sagt:

    @Mattes:

    Jetzt spulen die Ultras ihr Programm von gefühlt 6 – 8 Stücken herunter und den Rest der Zeit wird wie blöde getrommelt. Das ist ja sooo kreativ.

    Starker Tobak!
    Zunächst vorweg: ich bin kein Ultra, dafür bin ich leider zu alt.
    Aber was die dort auf die Beine stellen, finde ich grandios.
    Ich möchte nur mal an die hammergeile Choreo beim letztjährigen Saisoneröffnungsspiel gg. Augsburg erinnern. Absolut Gänsehaut.
    Gerade in puncto Kreativität finde ich die Schalker Ultras ganz oben in der Liste. Wenn man auswärts fährt, sieht man ja, was die dortigen Heim-Fans auf die Beine stellen. Das ist meistens recht armselig und/oder abgekupfert. Das Repertoire an Gesängen ist doch gerade bei Schalke sehr vielschichtig und abwechslungsreich! Eben was anderes als das ewige „humbda humbda FC xxxx“.
    Eines der neueren Lieder, die die Ultras kreiert haben, passt übrigens perfekt zu diesem Thread: „Wir sind die Fans, die auch zu dir stehen, wenn du verlierst“!

    Und noch eins: im Rahmen der 12:12-Kampagne hat mal bei einem Spiel das halbe Stadion „Ultras raus!“ gebrüllt und daraufhin haben die Ultras im darauffolgenden Spiel ihren Support sehr stark zurückgefahren.
    Die Kurve hat zwar versucht, dieses Fehlen zu kompensieren, aber das ging gewaltig nach hinten los. Und neue Gesänge kamen da auch nicht!

    „Die Kurve singt im Chor und wir treiben die Mannschaft nach vorn!“
    So muss es sein!

  37. eakus1904 sagt:

    ExilDynamo sagt:

    Und noch eins: im Rahmen der 12:12-Kampagne hat mal bei einem Spiel das halbe Stadion “Ultras raus!” gebrüllt und daraufhin haben die Ultras im darauffolgenden Spiel ihren Support sehr stark zurückgefahren.

    Wobei das nichts mit den Rufen zu tun hatte. Der Support im folgenden Spiel wurde wegen (aus Sicht der UGE) übertriebenen Durchsuchungen und Verbot von Spruchbändern eingestellt.

    @Mattes: Ganz kurz vorweg. Ich bin weder Ultra noch stehe ich einer derartigen Organisation nahe. Aber dennoch halte ich deine Kritik(na ja,eigentlich ist es fast schon Hetze) für unangebracht und falsch. Du meinst also oder stellst es zumindest in den Raum, die Pfiffe kommen daher, dass ein Großteil der Stadiongänger sich wegen dem Dauersingsang der Ultras nicht gehört fühlt und sich demnach nur durch Pfeifen Gehör verschaffen kann!?

    Hhm,das muss ich erstmal auf mich wirken lassen.

    Nee,wird nicht besser! :-)

  38. Ney sagt:

    Neustädter laut derwesten.de zum Braunschweig-Spiel:

    „Wir haben bis zum Ende daran geglaubt, die Fans haben uns nach vorn gepeitscht, haben gerufen, dass sie uns kämpfen sehen wollen. Und das haben wir auch gemacht und wurden dafür belohnt.“

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