Artikel im Dezember 2013

Endlich vorbei

Weihnachten. Endlich. Pause. Wegschauen. Wegdenken. Woandersentlanghoffen. Sich nicht ärgern müssen. Abschalten.

Ich bin müde.

Mal ehrlich: Solch einem scheiß Fußball kann man doch nichts abgewinnen, oder? Nicht, wenn man auf technisch sauberes Spiel steht. Nicht, wenn man es mag, dass die Mannschaft bis zum umfallen kämpft. Nicht, wenn man die Umsetzung einer gewieften Taktik bestaunen möchte. Wahrscheinlich selbst dann nicht, wenn man sich ein Spiel nur schönsaufen will.

Wenn die Konkurrenten im Kampf um die Champions League-Plätze verlieren, beim bislang sieglosen Tabellensiebzehnten so zu kicken, als sei man selbst der abstiegsgefährdete Club:
Das ist Schalke 04 im Jahr 2013.

Ein großer Haufen sehr talentierter Kicker, deren Spiel nicht zu charakterisieren ist. Die Lethargie auf dem Platz nervt mich. Die Zufriedenheit nach solch einem Mist ärgert mich. Die Amateurhafte Außendarstellung meines Vereins ist mir peinlich.

Zwar fehlt mir die Hoffnung, dass sich diese Dinge in absehbarer Zeit ändern, aber vielleicht kann ich sie ausgeruht wieder besser ertragen.

In diesem Blog geht’s erst am 06. Januar weiter. Vielen Dank allen Lesern und Kommentatoren, fürs Diskutieren, fürs Mitbeobachten und Mitbewerten, fürs Mitdenken, fürs Mitfreuen und Mitleiden.
Habt ein schönes Weihnachtsfest und kommt gut ins nächste Jahr!



Foto: Cedward Brice

Gerd Rehberg war der Maulwurf

Sowohl mit dem Inhalt, als auch mit dem Namen Rehberg wurde Horst Heldt auf der Pressekoferenz zum Spiel, später auch vor Ort in Nürnberg von Sky konfrontiert.

Der Manager zeigte sich diesbezüglich sichtlich angefressen. „Bei allem Respekt“ formulierte er, nur wenn Clemens Tönnies oder er was sagten habe das Aussagekraft. Er beharrte darauf dass es dabei bliebe, dass man nach dem Spiel allumfassend, ausführlich und knallhart analysieren und entscheiden würde.

Trotz der späten Zeitlage des Spiels, am Samstag in Nürnberg, und trotz der Magen- / Darmprobleme des Trainers, war Schalke am Sonntag flott fertig mit Analysieren und Entscheiden. Bereits um 13:02 Uhr gab es die ersten Pressemeldungen zu den Ergebnissen, ein Potpourrie fußballerischer Allgemeinplätze.

Es scheint angebracht, den Verein in „Farce-Club Schalke 04“ umzubenennen.

Auswärts-Interview und eine Wahl

Welch Tullus auch immer Schalke fliegen lässt, es kommt wieder ein nächstes Spiel. Nun steht Nürnberg an. Anlässlich dessen baten mich die Clubfans United zu einem Interview.

In einer der Antworten sagte ich, dass meiner Ansicht nach heutzutage zu jedem Trainerteam ein Psychologe gehört, der dann die Köpfe der Spieler ebenso trainiert wie andere Trainer die Beine. Ebenfalls heute sagt Horst Heldt in einem Interview mit Bild, dass man überlege einen solchen einzustellen. Würde das doch immer so funktionieren …

Mein Interview bei Clubfans United gibt’s hier: Klick

Noch mehr zu lesen gibt es in der Parade, die bei Fokus Fußball zur Wahl des Fußballblogs des Monats November gestellt wird. Ich finde ja nach wie vor, dass das Blog die Form und der Text der Text ist, und nicht der Blog der Text und das Blog die Form, zumal ja viele auch zu dem Blog der Blog sagen, Block gar, ab und an; aber lassen wir das.

Jedenfalls war der durch spielverlagerung.de bekannte Kaiserkumpel Tobias Escher, auch Mitmacher bei Fokus Fußball, so drauf, dass er meinen Text zu Glück nominierte. Das ehrt mich. Danke! Ebenfalls nominiert und in der Abstimmung klar führend ist übrigens skAndy vom Web04 mit seinem Plädoyer für mehr Scheissfußball.

Zu dieser Wahl mit den Links zu allen fünf Texten geht’s hier entlang: Klick

Schalkes Maulwurf-Problem

Bleibt Jens Keller, kommt Thomas Schaaf oder ein anderer, im Winter, im Sommer, nie?

Man weiß es nicht und es ist müßig, das zu diskutieren. Zeitungsmeldungen wechseln sich mit Dementi des Clubs ab, um ein Bild zu bekommen ist zuviel Interpretation nötig.

Der Verein hoffte, über Wochen bei der Aussage bleiben zu können, erst das Nürnberg-Spiel abwarten zu wollen, und scheint sich zu wundern, dass Zeitungen trotzdem täglich über Schalke 04 berichten. Das ist ihnen nicht vorzuwerfen, das ist ihr Geschäft. Schlimm ist, wenn Interna an Zeitungen gelangen, deren Veröffentlichung dem Verein schaden.

Drei Gründe sollen nach Informationen unserer Redaktion dafür ausschlaggebend sein:

1.) Die Schalker Verantwortlichen haben Zweifel, dass Schaaf sofort erfolgreich bei Königsblau arbeiten wird.

2.) Die Finanzen! Schalke fährt einen strikten Konsolidierungskurs. Schaaf würde ein deutlich höheres Gehalt als Keller beziehen, zudem müsste der aktuelle Schalker Trainer abgefunden werden.

3.) Unter Schaaf haben beim SV Werder Bremen in 14 Jahren nur wenige Talente den Sprung in den Profi-Kader geschafft. Das ist den S04-Chefs wichtig.

… schreiben die RuhrNachrichten heute und begründen damit, weshalb Jens Keller (angeblich) weitermachen soll und die von eben dieser Zeitung als fast perfekt gemeldete Schaaf-Verpflichtung (angeblich) nicht stattfindet.

Das ist für Schalke 04 absolut geschäftsschädigend! Das lässt Jens Keller als einen Trainer dastehen, der nur bleiben darf, weil er billig ist. Das kritisiert bereits vorab jede mögliche spätere Verpflichtung von Thomas Schaaf, kritisiert den Meistertrainer grundsätzlich. Das lässt Schalke 04 wie ein Irrenhaus dastehen, in dem niemand weiß wofür noch wie viel Geld zur Verfügung steht. Und wenn „der Verantwortliche“ Horst Heldt mit Thomas Schaaf verhandelt haben sollte, und nun „die Verantwortlichen“ Zweifel an dieser Wahl haben, enteiert das auch noch den Manager.

Intern darf so was so entschieden werden. In der Zeitung darf so was niemals zu lesen sein.
Wer daran schuld ist, gehört von Schalke 04 verklagt.

Schwach gespielt, aber: 3 Punkte und Papadopoulos

Schalke 04 gewinnt ein insgesamt schlechtes Fußballspiel gegen den SC Freiburg mit 2:0. Emotionaler Höhepunkt des Nachmittags waren die ersten Spielminuten des Kyriakos Papadopoulos seit dem 27. November 2012.

Eigentlich ist damit schon alles gesagt. Das Ergebnis und das damit verbundene Aufholen von 2 Punkten in der Tabelle gegenüber Platz 4 hilft über die Qual der ersten Halbzeit hinweg. Andererseits führte zuvor das Beobachten dieser ersten Halbzeit dazu, sich seiner Gedanken an einen Champions League-Platz schlecht zu fühlen. Da lässt einen wieder mal nur die Reihenfolge im Frieden zurück.

Freiburg hat das gut gemacht, in der ersten Hälfte, keine Frage. Flotten Schrittes ging es auf den jeweils um Aufbau bemühten Schalker. Dessen Hilflosigkeit erleben zu müssen tat allerdings weh. Die Innenverteidiger und Neustädter, der sich für eben diesen Aufbau immer wieder zurückfallen lies, standen blank vor den angreifenden Freiburgern. Die nächsten Schalker waren irgendwo ganz weit weg. Wieso das eine ganze Halbzeit so bleiben musste, kann ich nicht verstehen.

Der nun tiefer im Mittelfeld eingesetzte Prince funktionierte bei eigenem Ballbesitz jedenfalls überhaupt nicht. Wie alle anderen Offensivspieler war auch er in der Regel für Matip oder Santana nicht anspielbar. Schalkes Innenverteidiger blieben die Deppen, die sich nach den von den eigenen Mitspielern erzwungenen, langen Pässen dem Unmut der Zuschauer ausgesetzt sahen. Das Leben ist ungerecht, so ohne Spielidee auf Schalke.

Aber eine Spielidee ist nicht zwingend nötig, wenn der Gegner Eigentore erzielt. Somit kam Schalke zufällig auf die Siegerstraße, wusste sich das aber immerhin in der zweiten Halbzeit durch den größeren Aufwand zu verdienen.

Freiburg ging mehr und mehr die Kraft aus. Schalke kam nun durch schnelleres Spiel auf die Flügel besser ins Angriffsdrittel. Dort konnte man den Ball weitestgehend halten und erzeugte damit zwangsläufig Druck, ohne sich jedoch klare Torchancen zu erspielen. Auch für das zweite Tor brauchte Schalke wieder Glück, denn das Foul zum Strafstoß hätte der Schiedsrichter ebenso gut vor den Strafraum platzieren können. Hat er aber nicht, Farfán verwandelte sicher. Ab da war es ein Schaulaufen, was Jens Keller die Möglichkeit eröffnete, Kyriakos Papadopoulos ohne größeres Risiko, nach einer kleinen Ewigkeit, wieder auf den Platz zu schicken.

Jubel nach Schlusspfiff, Aufruhr am späten Abend. Verschiedene Medien, zuerst die Ruhr Nachrichten, verkündeten, dass es bereits feststünde, dass Jens Keller in der Winterpause von Thomas Schaaf abgelöst werden soll, dass nur Schalkes Aufsichtsrat noch sein Okay geben müsse, was bereits am heutigen Montag geschehen könne. Schalke 04 dementierte offiziell gegenüber derwesten. Ma’abwarten.

Und nu’? Weiterhoffen!

Der Spielplan schrieb Schalke 04 gleich drei richtungsweisende Spiele vor, in drei verschiedenen Wettbewerben und innerhalb von 10 Tagen. Die sind nun vorbei, und plötzlich ist das Spiel gegen Freiburg genauso wichtig.

Schalke schied aus dem DFB-Pokal aus, verlor in der Liga gehörig an Boden, erreichte aber das Champions League-Achtelfinale. Dabei waren die Blauen einmal zum Abwinken schlecht, einmal richtig gut und einmal zwar die schwächere Mannschaft, zeigte dabei aber eine den Umständen entsprechend ordentliche Leistung. Das ist dermaßen Alles in Allem, dass es schreit! Von Grusel bis Triumph in 270 Spielminuten, inklusive berechtigter und unberechtigter Roter Karten, peinlichen Schiedsrichterbeschimpfungen und hanebüchenen Fehlentscheidungen, traumhaftem Fuß/Ball-Petting und lächerlichen Lufttritten.

Zwei der drei Ergebnisse schaffen Klarheit für die weitere Saison, das Spielerische lässt weiterhin jede Klarheit vermissen. Im Gegenteil: Klar ist nur, dass nichts klar ist, dass immer alles sein kann, von richtig schlecht bis richtig gut. Will man unbedingt positiv bilanzieren, kann man die zeitliche Folge der Leistungen heranziehen, da diese eine Steigerung beschrieben; nach einem Zeitraum von 10 Tagen ist das aber auch albern, natürlich.

Also gilt es nun, gnadenlos weiterzuhoffen. Jetzt gegen Freiburg, dann gegen Nürnberg. Dann ist Weihnachten. So oder so.

Schalke siegt trotz, nicht wegen krasser Fehlentscheidung

Schalke 04 gewinnt sein Champions League-Heimspiel gegen den FC Basel mit 2:0 und zieht damit ins Achtelfinale ein. Schalke war gut, Basel nicht, das Schiedsrichtergespann war furchtbar. Das ist schade, denn Schalke hatte die Bevorteilung an diesem Abend nicht nötig.

Das Abseits vor dem zweiten Schalker Treffer war so klar, dass ich zunächst dachte, ich hätte irgendetwas übersehen. Dass der Linienrichter gleich vier Schalker in derart eindeutiger Situation übersah, ist allerdings unglaublich. Was auch immer sich der Mann gedacht hat, sein Fehler ist schade, denn er heftet dem Spiel einen Makel an, den es nicht verdient hat.

Denn Schalke war gut, nahezu souverän, hatte den Gegner jederzeit im Griff. Einzig einige schlechte Pässe im Spielaufbau leisteten sich Schalkes Defensivspieler. In diesem Spiel wurden Fehler aber von den Kollegen umgehend korrigiert, insgesamt zeigte Schalkes Abwehr eine sehr konzentrierte Leistung und nötigte Ralf Fährmann zu keinerlei schwierigen Aufgaben.

Auch die Offensive agierte gut und bewies in der ersten Hälfte erneut, dass Ballbesitzzeit an sich kein erstrebenswertes Ziel ist. Während Basel das Spielgerät lange Zeit führte, brachten die Blauen es deutlich weniger umständlich und schneller nach vorne. Vor allem das Tempo machte den Unterschied zwischen den Teams: Sowohl beim Spurten, hier war Farfán einmal mehr König auf dem Feld, als auch beim Passen, dabei fielen vor allem Draxler und Meyer positiv auf.

Am Ende konnte man mit Schalkes Spiel rundum zufrieden sein, auch wenn man sich über den Auftritt des FC Basel schon etwas wundern musste. Deren Leistung hatte nicht mal im Ansatz irgendwas Gefährliches. Basels Ballbesitz vollzog sich hauptsächlich um die Mittellinie herum, die Verbindung zum Angriff fehlte völlig. Nachdem die Schweizer durch die Rote Karte dezimiert wurden – eine Szene die ich von meinem Platz aus nicht bewerten konnte – war es auch mit dem Mehr an Ballbesitz vorbei. Erstaunlich, dass diese Mannschaft Chelsea zweimal schlagen konnte.

Aber das kann Schalke nun zum Glück egal sein.