Artikel im Januar 2014

Der Markenkern

Diese Darstellung ist im aktuelle „Markenbuch“ des FC Schalke 04 zu finden. Eine Publikation, die beispielsweise bei der Sponsorensuche verwendet wird. Bitte hinterlasse den bei Dir erzeugten Eindruck in einem Kommentar.



Foto: Matthias Berghöfer

Jones zu Bilic

Jermaine Jones wird die Saison für Besiktas Istanbul beenden, darüber sind sich türkische wie deutsche Medien mittlerweile einig. Sein Vertrag bei Schalke 04 läuft im Sommer aus, bis eben dahin wird er nun verliehen. Schalke spart vor allem Jones Gehalt, was ein durchaus beträchtliches war, bei seinem letzten Vertragsabschluss war Jermaine Jones eine Korsettstange der Schalker Mannschaft.

Bei Besiktas Istanbul trifft Jones auf Slaven Bilic. Der war als kroatischer Nationaltrainer einst einer der aufkommenden Sterne am europäischen Trainerhimmel. Erst für die U21 zuständig, ab 2006 für die A-Mannschaft, zog er vor allem bei der EM 2008 und in der Vorbereitung dazu die Blicke auf seine Arbeit.

Als Schalke 04 nach der Entlassung Fred Ruttens einen neuen Trainer suchte, wollte man Slaven Bilic gerne haben. Gerüchte dazu gab es eine ganze Weile. Schalke wollte in Ruhe verhandeln und stritt – marktüblich – den Kontakt ab. Bilic hingegen entschied sich erst gegen Schalke und dann dazu, das ganze öffentlich zu machen, indem er den Schalker Aussagen widersprach und betonte, dass das Angebot auf seine gute Arbeit bei der kroatischen Nationalmannschaft hinweisen würde. „Slaven Bilic stellt Schalke bloß“ titelten die Zeitungen.

Zur Saison 2012/2013 verließ Bilic das kroatische Nationalteam und unterschrieb einen Dreijahresvertrag bei Lokomotive Moskau. Nach einem enttäuschenden 9. Platz wurde er nach nur einem Jahr entlassen und zog weiter nach Istanbul. Mit Besiktas liegt er nun nach 18 Spieltagen auf Platz 5 der Türkischen SüperLig und hofft, sein Team mit dem auf Schalke Aussortierten verstärken zu können.

Ein neuer Jupp für Schalke 04

Schalke 04 hat Joseph – genannt Jupp – Boyamba verpflichtet. Ein 17-Jähriger Junge, der in Troisdorf geboren wurde, der die Hautfarbe und den Nachnamen seines im Kongo geborenen Vaters hat, und dessen Mutter Französin ist. Er begann beim FC Hennef 05 und wechselte später in die U17 des MSV Duisburg. In dieser Saison spielte er für die U19 der Zebras, unter Trainer Carsten Wolters, hauptsächlich im zentralen offensiven Mittelfeld. In 14 Spielen erzielte er 7 Tore. Drei Treffer bereitete er vor, einen davon beim 3:3 gegen Norbert Elgerts Knappen-U 19. Bereits vor drei Wochen wurde bekannt, dass sich Boyamba für einen Wechsel zu Schalke 04 entschieden hat, sein Vertrag beim MSV lief im Sommer aus. Die Meldung, dass er nun sofort zu Norbert Elgerts Team wechseln würde, kam einigermaßen überraschend.

„Jupp Boyamba“, ein Name mit Kultpotential. Wenn ich richtig nachgesehen habe gab es in der Profiabteilung des FC Schalke 04 bislang „nur“ 4 Jupps/Josefs. Da waren Josef Machniki (1951/1952), Josef Broden (1959-1966), Josef Elting (1965-1970) und Welttrainer Josef Heynckes (2003/2004). Ob der neue junge Jupp irgendwann dazugezählt werden kann, bleibt abzuwarten. Tatsächlich weiß ich nicht mehr über ihn als das oben Aufgeschriebene, ich habe ihn noch nie kicken sehen. Dass sein sofortiger Wechsels allerdings so „laut“ vonstatten geht – verschiedene Webseiten führen den Wechsel im Profi-Transferticket auf, man könnte meinen, der Junge würde in 3 Wochen hinter Klaas-Jan Huntelaar auftauchen – verwundert mich doch.

Gelungener Auftakt gegen schwache Hamburger

Schalke 04 gewinnt 3:0 in Hamburg. Ein verdienter Sieg, der vor allem im defensiven Mittelfeld erarbeitet wurde. Die Höhe des Ergebnisses täuscht ein wenig darüber hinweg, dass Schalke offensiv deutlich weniger überlegen agierte. Der HSV war aber ein dankbarer Gegner, so dass dieses Spiel für die Blauen zu einem rundum gelungenen Abend wurde.

Nach dem missratenen Testspiel in Köln verzichtete Jens Keller gleich wieder auf die im arabischen Trainingslager eingeübte 4-1-4-1-Formation. Er stellte Prince neben Roman Neustädter und machte damit alles richtig, gewann damit das Spiel. Diese Doppelsechs und die solide agierende Innenverteidigung mit Joel Matip und Felipe Santana sorgten dafür, dass Schalke 70 der 90 Spielminuten kontrollierte.

Prince‘ Präsenz stach dabei heraus, er hatte die auffälligen Aktionen, während Roman Neustädter fleißig Hamburger Passwege zustellte. In der Innenverteidigung gab Felipe Santana den „Prince“ und Joel Matip den „Neustädter“. Das wirkte nicht immer absolut souverän, war aber effektiv. Durch das Zentrum kam Hamburg kaum vors Schalker Tor. Wenn überhaupt wurde der HSV über Standardsituationen oder über die Außenpositionen gefährlich, wo der eingewechselte Ola John ein für Atsuto Uchida zu schneller Spieler war. In den kurzen Druckphasen des HSV, in den 10 Minuten vor der Pause und nach Wiederanpfiff, wusste Ralf Fährmann zu überzeugen.

Schalke brachte den Ball aus der Abwehr zügig nach vorne, auch weil der HSV nur sehr selten Druck auf den eröffnenden Spieler ausübte. Ab 30 Meter vor dem Tor tat sich Schalke dennoch schwer, durch die Hamburger Abwehr zu finden. Bis zur 1:0 Führung durch Huntelaar, nach ungestörter Farfán-Flanke in der 34. Minute, hatte Schalke nur wenige, harmlose Abschlüsse zu verzeichnen, eine echte Chance war nicht darunter.
Offensiv agierte Schalke recht statisch. Christian Fuchs war auf seiner Position ein guter Defensivspieler, konnte offensiv aber keine Akzente setzen. Max Meyer wusste als 10er die Bälle zwar zu verteilen, gleichzeitig verlor er aber auch viele Zweikämpfe. Pässe hinter die Abwehrreihe, auf den sich viel bewegenden Klaas-Jan Huntelaar, gelangen gar nicht. Mit Prince weiter hinten fehlte es weiter vorne auch an dessen Dynamik. Wenn er unterstützend vorstieß wurde das Angriffsspiel gefährlicher, aber dass ein Spieler überall gleichzeitig dominiert funktioniert eben nicht.

Doch der HSV machte Fehler und Schalke wusste diese zu nutzen. Der in der 53. Minute, zwischen Marcell Jansen und Jaroslav Drobny, lies Jefferson Farfán jubeln und entschied dieses Spiel früh. Ein „typischer Schalke-Konter“ setzte noch einen drauf und trug zur guten Laune bei. Der Rest war Auslaufen.

Ein Spiel, das Schalker Helden hatte, und doch vor allem defensiv im Kollektiv gewonnen wurde. Ein Sieg, der keine Wünsche offen lies, dessen Schwierigkeitsgrad gegen eine wackeligen HSV aber auch nicht allzu hoch war. Dafür kann auf Schalke jedoch niemand etwas, insofern sollte uns das an dieser Stelle egal sein.

Direkt ins Ohr: Interview für sport1.fm Daily

In einer insgesamt 50 Minuten dauernden Sendung für sport1.fm blickte Christoph Fetzer (laola1.tv) vor allem mit David Nienhaus (DerWesten.de) voraus auf die Rückrunde. Rund 16 Minuten lang drehte sich die Sendung allerdings speziell um Schalke 04. Dazu war ich zu Gast.

Themen sind dabei Julian Draxler, Sidney Sam, Jens Keller und Horst Heldt, Lewis Holtby, Ralf Fährmann und Fabian Giefer, Christian Fuchs und Huntelaars Rückkehr als Hoffnung, und mein Gefühl für die Rückrunde.

Mein Part gleich hier …
 

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(16:35 Min)
mp3-Datei / Podcast-Feed

Die komplette Sendung da: sportradio360.de


Die Abwesenheit von Aufbruchstimmung

Schalke will sein Spiel justieren, die Defensive verbessern, vor allem 3 Tabellenplätze gutmachen. Dazu sollte man sich stark fühlen. Da hilft eine „Jetzt erst recht“-Stimmung. Die fehlt auf Schalke. Seit Jens Keller Trainer ist, gab es noch nie sowas wie Aufbruchstimmung.

Vor einem Jahr kassierte Schalke 04 in einem Testspiel gegen Bayern München, im Rahmen des Trainingslagers in Katar, eine 0:5 Klatsche. Nur ein Testspiel, natürlich. Ein tolles Trainingslager, natürlich. Und doch missriet der Rückrundenauftakt gehörig. Nach einem 5:4 Sieg gegen Hannover 96, einem unnormalen Spiel ohne Defensive, spielte Schalke gegen Augsburg und Fürth sehr schwach und ohne Selbstvertrauen. Jede Hoffnung auf Trainer Keller als neuen und entsprechend gut kehrenden Besen war wie weggeblasen.

Ralf Rangnick sorgte bereits durch sein Auftreten für Hoffnung, außerdem war da das Wunder von Mailand. Huub Stevens sicherte Platz 3 und sorgte durch den besten Saisonstart seit zig Jahren für Hoffnung. Sein Nachfolger Jens Keller zeigte sich unerfahren und ließ sich ein halbes Jahr in jedem Interview über die seines Erachtens unfaire Presse aus, bevor er überhaupt mal anfing, über Fußball zu reden.

Nachdem Schalke mit Ach und Krach – und lediglich 55 Punkten – die Qualifikationsrunde zur Champions League erreichte, wurde Horst Heldt in der Sommerpause für seine Transferpolitik viel Lob zuteil. Er verpflichtete junge Spieler mit viel Talent, verstärkte den Kader in der Breite. Er korrigierte, was Schalke fehlte, so hieß es. Die Stimmung war okay, bis der Ball wieder rollte. Nach drei Spielen ohne Sieg war die Aussicht futsch. Trotz der nachträglichen Verpflichtung des Princen blieb Schalke die gesamte Hinrunde an der Schwelle zu den Europa League-Plätzen hängen und spielte in der Regel auch nicht besser.

Jetzt wollte sich Schalke einen Dämpfer gegen Bayern München ersparen und organisierte zwei Testspiele gegen unterklassige Gegner. Ein Zweitligist für die erste Elf, ein Viertligist für die Ersatzspieler. Zum Tanken von Selbstvertrauen reichten beide Spiele nicht. Jetzt soll Roman Neustädter eine Rolle ausfüllen, für die er der Erfahrung nach nicht geeignet ist. Jetzt soll Prince vermehrt Löcher stopfen, obwohl er doch in der Offensive so dringend gebraucht wird. Auf Grund der Verletzungen ist jetzt der Kader dünn. Schalke fehlt der Haken, an den man seine Hoffnung hängen könnte. Eigentlich ist der Trainer der Mann im Club, der die Fans überzeugen muss, der aufzeigt, warum was wann funktioniert oder nicht, der die Öffentlichkeitsarbeit eines Fußballclubs führt, der für die Hoffnung zuständig ist. Aber Jens Keller ist nicht so.

Wenig Licht am Horizont

Schalkes Profis sind zurück im Abendland, die Geschichten aus der Wüste gehören zum Gestern. In 13 Tagen startet für sie die Bundesliga-Rückrunde mit einem Auswärtsspiel in Hamburg. Dann gilt es, von Platz 7 auf Platz 4 vorzurücken, mindestens. Als Fan sucht man nach Nachrichten die einem Hoffnung geben, Gründe, weshalb das Gelingen wahrscheinlich ist. Das gestaltet sich schwierig.

Das Trainingslager war super, natürlich. Es wurde viel am taktischen Verhalten gearbeitet. Schalke will vermehrt mit nur noch einem defensiven Sechser auflaufen, eine Formation, in der regelmäßig sowohl Prince, als auch Max Meyer und ein echter Stürmer Platz finden können. Jermaine Jones, ein häufiger Faktor bei Gegentoren in der Hinrunde, wurde aussortiert. Kyriakos Papadopoulos hat das Programm weitgehend beschwerdefrei mitmachen können. Klaas-Jan Huntelaar kann vielleicht schon in Hamburg wieder dabei sein, er veröffentlicht regelmäßig Fotos in sozialen Netzwerken und tut damit kund, wie gut es ihm schon wieder geht.

Immerhin, möchte man sagen. Genaueres Hinsehen kann einem aber schon die Laune verderben.

Schalkes Offensive wird immer für einige Tore gut sein. Schalkes Erfolg hängt von der Reduzierung der Gegentreffer ab. Eine veränderte Formation alleine verbessert die Abwehrarbeit nicht, erst recht nicht wenn sie im Vergleich zur vorherigen Formation mit weniger nominellen Defensivspielern aufwartet. Jens Keller musste und muss seiner Mannschaft beibringen, wie sie sich nach Ballverlusten auf dem Platz zu verhalten hat. Das betrifft die ganze Mannschaft. Die ganze Mannschaft stand ihm beim Üben aber nicht zur Verfügung. Nicht nur, dass Jan Kirchhoff vorerst ausfällt, der als Soforthilfe für das defensive Mittelfeld aus München ausgeliehen wurde. Auch Leon Goretzka, der laut Horst Heldt nun seinen Platz in der Mannschaft finden soll, hat vom Üben ebenso nichts mitbekommen wie Julian Draxler und Klaas-Jan Huntelaar.

Besagter Leon Goretzka wird weiterhin vormittags in der Schule sitzen und viele Trainingseinheiten verpassen. Mit Marco Höger und Dennis Aogo ist in dieser Saison nicht mehr zu rechnen. Joel Matip war bislang fester Teil der Innenverteidigung. Spätestens als Horst Heldt in Katar explizit die tolle Trainingsleistung Anthony Annans lobte, mussten bei allen Zuhörern die Alarmglocken schellen. Der heutige Stand der Dinge ist, dass Schalke 04 mit Roman Neustädter als einzigem wirklich erfahrenen defensiven Mittelfeldspieler in die Rückrunde geht. Er soll der Defensivanker sein, dabei war gerade Roman Neustädter bislang immer vielmehr der perfekte Partnerspieler, vielmehr ein Mann für ein Kurzpassdickicht, statt ein Sicherheit gebender Rückraumspieler.

Tatsächlich hängt die Hoffnung an der Abwesenheit Jermaine Jones‘ und daran, dass ein 21-Jähriger Grieche namens Kyriakos Papadopoulos, der zum letzten Mal am 27.11.2012 für mehr als drei Minuten auf dem Platz stand, gesund bleibt und bis Saisonende Bestform liefert.
Viel ist das nicht.