Maximal verdienter Zittersieg

Schalke war die klar bessere Mannschaft, am Ende freute man sich aber doch noch über Befreiungsschläge. Schalke erspielte sich viele erstklassige Torchancen, die Treffer waren aber dennoch irgendwie knusselig. Braunschweig war hoffnungslos unterlegen, hätte um Fingerbreite aber doch noch einen Punkt gewonnen. Das 3:1 des FC Schalke 04 gegen Eintracht Braunschweig war beinahe ein kurioses Spiel. Am Ende blieb es zum Glück doch nur ein Sieg.

„Verdient“. Für eine solche Bewertung hat jeder seine eigenen Maßstäbe. Ich persönlich bewerte dies nach den erspielten bzw. zugelassenen Torchancen. Ich gehe davon aus, dass in vielen Fällen der Zufall aka das Glück dazu beiträgt, ob der Ball letztlich wirklich über die Linie geht oder nicht, ob der Stürmer ihn auf den richtigen Quadratzentimeter bekommt, ob das Bein im richtigen oder zu späten Bruchteil einer Sekunde in die Flugbahn rutscht. Aber die Chance als solche muss zunächst erspielt – oder verhindert – werden. Das ist die eigentliche Arbeit auf dem Platz, dafür braucht es das geeignete Konzept, das Können und den Einsatz. Nach Spielen wie gegen Wolfsburg oder Leverkusen konnte man deshalb meines Erachtens über das „verdient“ diskutieren. Nach dem Spiel gegen Braunschweig waren sich aber alle Beobachter einig.

Erst kontrollierte Schalke das Geschehen, später erspielte man sich reihenweise Chancen. Die Abwehr hatte kaum etwas zu tun, Braunschweig traute sich nichts zu, spielte selten klar nach vorne. Und doch war es nicht die spielerische Überlegenheit, die zum Erfolg führte. Ein Schuss von weit weg, den Braunschweigs Keeper hätte halten müssen, und ein Freistoß an die Mauer brachten Schalke mit 2:0 in Führung.
Wie auch immer, es fühlte sich sicher an, für mich jedenfalls, eigentlich schon zur Halbzeit. Doch dann kam trotzdem noch ein Warnschuss, den Ralf Fährmann über die Latte lenkte. Dann stand es plötzlich doch nur noch 2:1. Dann war es auf einmal spannend, und niemand wusste so recht warum.

In der entscheidenden Szene der Endphase dieser Begegnung kamen für Schalke dann noch Glück und die Klasse Ralf Fährmanns zusammen. Als Mirko Boland in der 83. Minute quer in Schalkes Strafraum passte geriet der Ball wenige Zentimeter zu nah an Omar Elabdellaouis Standbein. Dieser bekam daher sein Schussbein nicht mehr rechtzeitig in die beste Position und konnte den Ball nicht kontrolliert zur offenen, rechten Torseite platzieren, weshalb sein Schuss recht zentral, aber immer noch direkt und damit sehr plötzlich aufs Schalker Tor kam. Ralf Fährmann wiederum, der bei der Hereingabe schon zu Boden ging und dem durch Sead Kolasinac der Blick verstellt war, brachte mit einem überragenden Reflex die Hand an den Ball und rettete damit den Schalker Sieg.

Nach nunmehr 26 Spieltagen hat Schalke 50 Punkte auf dem Konto, exakt so viele wie auch in der Saison 2011/2012 zum gleichen Zeitpunkt. Vor zwei Jahren stand Schalke damit auf Platz 4. Dank der andauernden Ergebniskrise Leverkusens hat man nun damit einen fast schon komfortabel zu nennenden 6 Punkte-Vorsprung auf den ersten nicht direkt für die Champions League qualifizierenden Platz. Diesen zu verteidigen wird noch harte Arbeit, vor allem weil Jens Keller durch die lange Verletztenliste kaum noch Möglichkeiten hat, durch Spielerwechsel auf bestimmte Gegner oder Spielsituationen zu reagieren. Aktuell ermöglicht dieser Vorsprung aber einen gelassenen Blick aufs Derby am Dienstag. Man kann Platz 2 erobern aber Platz 3 nicht verlieren. Schön.



20 Kommentare zu “Maximal verdienter Zittersieg”

  1. M-1904 sagt:

    Was zusätzlich positiv ist: Das nächste Eigengewächs Ayhan schlägt voll ein. Man kann es nicht oft genug sagen: Meyer (18), Ayhan,Goretzka(19) und Kolasinac,Draxler(20)
    Wahnsinn, was die Jungs leisten!

  2. Der Hans sagt:

    Verdienter Sieg, der aber nach dem 2:0 unnötigerweise nicht wirklich souverän über die Zeit gebracht wurde. 6 Punkte gegen einen Aufsteiger und abgeschlagenen Tabellen-18. hört sich nach Pflichtprogramm an, aber beide Spiele gegen Braunschweig waren doch knapper, als ich es erwartet hätte.

    Aktuell ermöglicht dieser Vorsprung aber einen gelassenen Blick aufs Derby am Dienstag. Man kann Platz 2 erobern aber Platz 3 nicht verlieren. Schön.

    Entspannt ins Derby gehen? Das klappt wohl nur, wenn wir vor dem letzten Spieltag mit mindestens 4 Punkten Vorsprung als Tabellenführer nach Lüdenscheid fahren. Da das nie passieren wird, werde ich auch in absehbarer Zeit nicht gelassen dem Derby entgegensehen.

  3. eakus1904 sagt:

    Schöne Zusammenfassung, Torsten. Ich konnte Samstag nur die Konferenz sehen und habe auch sämtliche Zusammenfassungen verpasst, aber der Spielbericht hier ist echt informativer als von WAZ und Co. Danke!

    @DerHans

    Entspannt ins Derby gehen?

    Ja, im Endeffekt schon. Ich verstehe natürlich,was du meinst. Aber im Hinblick auf das Saisonziel ist es nunmal auch nur ein Spiel um drei Punkte. Und in den letzten Wochen hat sich die Mannschaft die Möglichkeit erarbeitet, eben ohne den Riesendruck in das Spiel gehen zu dürfen. Das gefällt mir. Nicht falsch verstehen, natürlich erwarte ich maximalen Einsatz und Siegeswillen. Aber die Situation, Platz drei nicht verlieren zu können, kann sogar zum Vorteil für uns werden.

  4. Carsten sagt:

    schön wenn die Jungs siegen und die Punkte einsammeln… aber schöner Fußball? der sieht anders aus! aber man kann ja nicht alles haben

  5. Detlef (Doktor_d) sagt:

    Die Überschrift sagt eigentlich schon alles aus.

    Ich muss gegeben, daß ich in den letzten 10 Minuten schon am zittern war und das eigentlich völlig unnötig. Braunschweig war schlecht, oder besser Schalke war zu gut für Braunschweig.

    Leider war die bisher schon so oft gelobte Chancenverwertung nicht ganz optimal, so das eben dieses Zittern begann. Egal. Am Ende gewonnen.

    Und jetzt geht es ins Derby. Vorfreude. Aber locker bin ich ganz bestimmt nicht.

  6. schalkoholiker sagt:

    Unsere gute Bilanz seit der Winterpause – und hier muss man die Spiele gegen die beiden europäischen Übermannschaften noch nicht einmal ausnehmen – hat zwei wesentliche Gründe:

    1. Torchancen werden effizient genutzt, wenn es darauf ankommt (und darauf kam es am Samstag nicht an).
    2. Wir haben im richtigen Augenblick auch mal das erforderliche Glück und den entscheidenden Punch (der seit der Winterpause recht häufig den Namen Fährmann trägt).

    Ich gehe mit einem ausgesprochen guten Gefühl in das Derby. Wir gewinnen mit 2-1.

    Glückauf!

  7. Lutt sagt:

    Ich schreibe es dem zarten Alter der Mannschaft zu, dass man sich am Ende, ähnlich wie gegen Augsburg, nicht mehr gut befreien konnte. Ansonsten: alles super, ich freu mich aufs Derby – und ja, sehe dem gelassen, ohne Sorge (nicht ohne Anspannung) entgegen. Das war zuletzt oft anders :)

  8. #Link11: Auf den Punkt gebracht | Fokus Fussball sagt:

    […] aber Veränderungen im Sommer. Den 2:1-Sieg seiner Schalker über Braunschweig klassifiziert der Königsblog als “maximal verdienter Zittersieg” und blogundweiss.de äußert sich nach dem Erfolg […]

  9. swe sagt:

    Wieder mal ein sehr lesenswerter und schön geschriebener Text!

    In einer Sache möchte ich jedoch widersprechen, Torsten schreibt die Abwehr hätte nicht viel zu tun gehabt. Zwar stimmt es, dass Braunschweigs Aufbauspiel aus langen Abschlägen des Keepers bestand, allerdings stand Schalke auch sehr hoch und gut und konnte so Bälle direkt zurückerobern (Ausnahme die Minuten 80-85).

    Ich habe im transfermarkt.de Forum einen langen Beitrag zur taktischen Analyse geschrieben, wer dort vorbeischaut findet ihn bestimmt (Schalke-Forum > Taktikecke). Falls Torsten es für okay hält verlinke ich ihn auch gerne hier direkt.

  10. Erle72 sagt:

    Für ohne Uschi-Höwedes-Santana-Papa-Aogo-Höger-Kirchhoff-Farfan-Fuchs-Clemens gehts mit erstaunlich guter Stimmung ins Derby. Von Sieg bis Klatsche ist bei unserem Kindergarten alles möglich. Wenn zwischendurch geschwommen wird, sollte das aber keinen wundern. Einsatz und das Quentchen Glück bereiten hoffentlich einen denkwürdigen Abend. Ein knappes 4:3 für Schalke wäre ok.

  11. RJonathan sagt:

    Ein weiterer Grund für Entspannung im Derby ist für mich das Dortmunder Rest-Programm. Sie spielen gegen das gesamte obere Drittel der Tabelle bis auf Gladbach und haben gleichzeitig dreifachbelastung mit Real und WOB als Gegner. Würde mich sehr wundern wenn sie da nicht Federn in der BL lassen, zudem sie ja auch Verletzungspech haben.

    BL FC Schalke 04
    BL VfB Stuttgart
    CL Real Madrid
    BL VfL Wolfsburg
    CL Real Madrid
    BL Bayern München
    DFB VfL Wolfsburg
    BL 1. FSV Mainz 05
    BL Bayer 04 Leverkusen
    BL Hoffenheim
    BL Hertha

  12. Simon sagt:

    Was im Zusammenhang mit Braunschweig oft übersehen wird, ist, dass sie dafür, dass sie wohl als abgeschlagener Letzter absteigen werden, bisher recht selten wirklich vom Platz gefegt wurden. Auch unser kommender Gegner hat beide Spiele jeweils nur knapp mit 2-1 gegen Braunschweig gewonnen und auch sonst gab es für sie viel weniger Packungen, als man auf den ersten Blick denken könnte.

    Dennoch hätte man natürlich viel früher den Sack zumachen müssen. Da ich das Spiel nicht live sehen konnte, muss ich mich dabei auf die Augenzeugenberichte und die Daten verlassen – und dabei fallen 14 Ecken, von denen keine einen direkten Ertrag brachte, doch etwas unangenehm auf. Wäre vielleicht mal ein Ansatz für die Trainingseinheiten der nächsten Wochen, in denen für das Einstudieren neuer Spielsysteme vermutlich ja nicht genug Zeit bzw. Spieler da sein werden.

  13. Ney sagt:

    Das passiert nämlich, wenn man aufhört, sich ausreichend auf den aktuellen Gegner zu konzentrieren und lieber Ladilaladiladiladiloo-Lieder über die Abstammung des nächsten Gegners singt, kleine Sünden bestraft der liebe Gott nämlich sofort, und daher kommt das!

  14. bernd sagt:

    @RJonathan
    Ich hab ja aus Spaß den Kickertabellenrechner durchgespielt und aufgrund des Restprogramms sollten wir optimistisch sein Zweiter zu werden. Allerdings schmerzt doch immer noch die Art und Weise der Niederlagen gegen Real und Bayern, daher empfinde ich keine Entspannung. Vorfreude gab es ja vor dem Realspiel reichlich….. Ich möchte die Wiedergutmachung jetzt! Ein Unentschieden wäre dies schon.
    Natürlich trotzdem, großer Respekt und Anerkennung für unsere jugendlichen Spieler.

  15. Der Hans sagt:

    Lieber morgen gewinnen und am Ende doch Dritter sein als gegen die Fehlfarbenen verlieren, aber Vizemeister werden.

  16. Grieche sagt:

    Einziger Kritikpunkt vom Spiel zum Spiel und drumherum: das Wort Rasselbande. Hört sich nach Jungs im Kindergarten- oder Vorschulalter an. Ich glaube nicht, dass sich 19jährige Männer freuen, so bezeichnet zu werden. Ich hoffe, das Wort setzt sich nicht durch (auch wenn mir kein besseres einfällt, junge Wilde find ich zu abgestanden).

  17. Carlito sagt:

    Der Bericht trifft es ziemlich gut. Hatte am Samstag auch „nur“ zwischen dem 2-1 und dem 3-1 den Anflug von Sorge. Davor war es sehr souverän. Bin auch hin und her gerissen, was das Derby angeht. Ich denke, fürchte, es ist die komplette Bandbreite an Ergebnissen möglich.

    Hoffen wir mal das Beste! :)

  18. Königsblau MS sagt:

    Fährmann, immer wieder dieser Fährmann! Ralle ist auf Neuer-Niveau und wird uns auch gegen den BXB im Spiel halten. Hoffentlich beim Punkt(e)sammeln …

  19. Malte sagt:

    @swe

    Sehr schön, Deine Analyse. Scheint aber in dem Forum etwas unterzugehen. Hast Du schon mal daran gedacht ein Schalke-Taktikblog zu machen?

  20. leoluca sagt:

    Mit Blick aufs Derby hat mir am Samstag vor allem eines gefallen: Die Mannschaft war – als Team – von der ersten Minute an voll da und versuchte, ihr eigenes Spiel aufzuziehen statt wie sonst oft abwartend oder gar übervorsichtig zu agieren und sich auf die eine oder andere vorzügliche Einzelleistung zu verlassen. Dieses Selbstbewusstsein wünsche ich mir heute – gegen einen Gegner, der durchaus nervös und derzeit recht anfällig für ein gutes Gegenpressing ist. Die Leistung der Innenverteidiger und Sechser im Spiel nach vorn war gegen Braunschweig richtig stark.

    Allerdings müssen die Angriffe wirklich konsequenter durchgespielt werden als gegen Braunschweig, auch wenn Torsten natürlich recht hat: es fehlte auch das Quentchen Glück bei den Torchancen

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