Artikel im April 2014

Schalke wählt

Am Sonntag findet in der Arena auf Schalke die diesjährige Jahreshauptversammlung (JHV) des FC Schalke 04 statt. Dieser Club ist weiterhin ein eingetragener Verein, mit einer Satzung, welche die Mitgliederversammlung als oberstes Beschlussorgan nennt, und der grundsätzlich demokratisch funktioniert. Schon im Vorfeld der JHV ging es hoch her. Bei den Wahlen zum Aufsichtsrat und zum Wahlausschuss wird mal wieder um das große Ganze gekämpft, um Richtungsentscheidungen, jedenfalls kommt es vielen Schalkern so vor. Die Ergebnisse dieser Wahlen könnten von einem Teil der Schalker als eine absolut notwendige Stärkung des Clubs im Wettbewerb um Geldgeber und Stabilität gesehen werden, während ein anderer Teil der Schalker die gleichen Ergebnisse als eine Beschneidung der Demokratie sieht.

Die Wahlen zum Aufsichtsrat

Zunächst ist die Mitgliederversammlung dazu aufgerufen, zwei Posten des Aufsichtsrats (AR) zu besetzen. Dazu wurden 4 Kandidaten zugelassen. Neben dem bisherigen AR-Mitglied Dr. Armin Langhorst, der sich um eine Wiederwahl bewirbt, sind das Axel Hefer, Dr. Heinz-Werner Voß und Peter Wagner.
Deutlich nachhaltiger als diese Auswahl könnte das Ergebnis der Abstimmung über den einzigen zugelassenen Antrag zum Thema „Aufsichtsrat“ wirken. Dieser Antrag wurde vom Aufsichtsrat selbst gestellt. Dabei wird beantragt, den maximal 11-köpfigen Aufsichtsrat auf 12 Köpfe zu erweitern. Außerdem wird dabei beantragt, zuzulassen, dass statt bisher „bis zu drei AR-Mitglieder“ demnächst „bis zu vier AR-Mitglieder“ vom Aufsichtsrat ohne vorherige Wahl bestimmt werden können.

Diese Plätze für zu bestimmende („kooptierte“) AR-Mitglieder werden in der Regel an Vertreter von Großsponsoren oder andere, mit dem Club in Geschäftsbeziehung stehenden Firmen vergeben. Aktuell werden diese Plätze von jeweils einem Vertreter Gazproms, der Stadtwerke Gelsenkirchen und der ERGO-Versicherungsgruppe besetzt. Geldgeber möchten gerne aus nächster Nähe mitbekommen, was mit ihrem Geld geschieht. Dieses Kontingent zu erhöhen erscheint sinnvoll. Der FC Schalke 04 befindet sich im Wettbewerb mit anderen Clubs, nicht nur auf dem Spielfeld, auch im Kampf um Geldgeber.

Andererseits würde nach einem Ausschöpfen dieses Kontingents die Hälfte der AR-Mitglieder nicht mehr durch eine Mitgliederwahl legitimiert sein. Neben den dann 4 kooptierten Mitgliedern wird ein Mitglied vom „Sportbeirat“ und ein Mitglied vom „Schalker Fan Club Verband e.V.“ entsendet, nur 6 Mitglieder werden von der Mitgliederversammlung gewählt. Außerdem ist der Aufsichtsrat bei Anwesenheit von 6 Mitgliedern beschlussfähig. Es wäre dann also sogar möglich, dass eine AR-Sitzung ganz ohne gewählte Mitglieder Entscheidungen fällt.

Die Wahlen zum Wahlausschuss

Die Aufgabe des Wahlausschusses ist, Kandidaten für den Aufsichtsrat als geeignet oder ungeeignet zu beurteilen und zur Wahl zuzulassen, oder eben nicht. Der Wahlausschuss besteht aus 7 Mitgliedern und wird alle 3 Jahre komplett neu gewählt.

Dieser Wahlausschuss ist demnach die Schleuse zum Aufsichtsrat und entsprechend wichtig. Der Kampf um die Posten in diesem Ausschuss erinnert mittlerweile an einen Lager-Wahlkampf politischer Parteien. Hierbei stehen sich vor allem der „Schalker Fan Club Verband (SFCV)“ und die Initiative „Schalke.V.ereint“ gegenüber.

Für den Wahlauschuss gibt es insgesamt 16 Kandidaten. Davon sind 6 Mitglieder des SFCV (Rainer Vollmer, Dr. Eva-Maria Lewkowicz, Arthur Saager, Frank Arndt, Kornelia Toporzysek und Michael Zylka), 8 Kandidaten werden von „Schalke.V.ereint“ unterstützt (Thorsten Altfeld, Stefan Barta, Andreas Jour, Dr. Stephan Kleier, Günther Reipen, Stefan Schorlemmer, Dennis Steckel und Anja Wortmann) und zwei Kandidaten gelten als in diesem Sinne „parteilos“ (Meik Deinert und Birgit Feldbrügge).

Selbstverständlich wollen alle Kandidaten, überhaupt alle Schalker, stets nur das beste für den Verein, und selbstverständlich sollte jeder Kandidat individuell, und nicht nur als Teil einer Gruppe betrachtet werden. Trotzdem lassen sich vor allem die Vorwürfe gegen die Gruppierungen gut zusammenfassen, da man sich diese in den letzte Wochen gegenseitig besonders ausdauernd an den Kopf geworfen hat.

Die Initiative „Schalke.V.ereint“ wird vor allem von Leuten der großen Fanorganisationen geführt, den UltrasGE, dem Supportersclub und der Schalker Faninitiative („Fan-Ini“). Diese hatten sich in der Vergangenheit vom SFCV abgespalten, weil sie sich durch diesen Verband nicht mehr vertreten fühlten. Gerade deshalb ist „Schalke.V.ereint“ für einige mehr Trennung denn Vereinigung. Außerdem gibt es bei einigen Schalkern generelle Vorbehalte gegen zuviel Mitbestimmung durch Fans, sie fürchten eine „Unterwanderung“ des Clubs, vor allem durch Ultras und Supporters.

Der SFCV wurden vor einer Weile eng mit dem FC Schalke 04 verbunden. Der FC Schalke 04 unterstützt den SFCV finanziell. Im Aufsichtsrat des SFCV sitzt ein Vorstandsmitglied des FC Schalke 04, im Aufsichtsrat des FC Schalke 04 hat wiederum ein Mitglied des SFCV einen festen Sitz. Die Wahlausschuss-Kandidaten des SFCV wurden vom FC Schalke 04 sehr offen unterstützt. Dem SFCV wird dadurch von einem Teil der Schalker eine zu große Abhängigkeit vorgeworfen. Der SFCV sei dadurch zu kritiklos, habe sich weder gegen Viagogo, noch gegen Preiserhöhungen gewehrt und äußere sich auch sonst kaum zu kritischen Themen. Wenn der SFCV als mit dem Vorstand und Aufsichtsrat eng verbundene Organisation die Mehrheit im Wahlausschuss besetze, könnten in diesem Ausschuss per se alle zu kritischen Kandidaten für den Aufsichtsrat verhindert werden; dies würde die Demokratie im Verein schlicht abwürgen, meinen die Kritiker des SFCV.

Und nun?

Nun gilt es für jedes Mitglied, sich selbst Gedanken zu den Dingen zu machen und am Sonntag zur Jahreshauptversammlung zu kommen.

Für die weitere Meinungsbildung empfehle ich die Webseiten des SFCV, die Seite „Starkes Schalke“ vom FC Schalke 04, die Webseite der Initiative „Schalke.V.ereint“ und die Seite „Schalker Markt“. Die Seite „Schalker Markt“ hat übrigens auch allen Kandidaten für den Aufsichtsrat und für den Wahlausschuss einen Fragebogen vorgelegt. Vielleicht können die Antworten bei der Meinungsbildung behilflich sein. Diese gibt es hier („Vorstellung der Aufsichtsrats-Kandidaten“) und hier („Vorstellung der Wahlausschuss-Kandidaten“).

Glück auf.

Schalke mit Schiss inner Buxe

Schalke scheitert im Heimspiel an Gladbach, verliert 0:1. Einmal mehr liefert Schalke nicht, wenn es drauf ankommt. Noch bleiben 2 Spiele um 4 Punkte zu holen, aber schon gegen Gladbach war zu spüren, dass die Angst vor dem Scheitern größer war als die Lust zu gewinnen.

In dieser Rückrunde hat Schalke tolle Spiele abgeliefert. Mal sah man ein prima Offensivspiel, mal gab es gutes Offensivpressing zu bestaunen. Mal war man spielerisch besser, mal aggressiver als der Gegner. Bis Anfang diesen Monats war Schalkes Rückrunde auf Rekordkurs. Doch seit es darum geht, den Saisonerfolg zu sichern, beginnt Schalke zu straucheln. Einmal mehr.

Wirklich dominant war Schalke in diesem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach nie. Zwar hatte man stets das Plus an Ballbesitz, aber nie kam man zu einer echten Druckphase. Zwar war der Ball meistens in Gladbachs Hälfte, aber zu einem echten Plus an Torchancen kam Schalke nicht.

Der Offensive fehlte es an Ideen und die Defensive war unsicher. Man traute sich nicht, für ein Offenivpressing nach vorne zu gehen, und wenn man es hinten mit Gladbachs Offensive zu bekam, drosch man den Ball meist unkontrolliert raus. Dieses Spiel war ein Rückschritt, war viel schlechter als viele andere Spiele in dieser Rückrunde. Aber warum?

Schalke gehe auf dem Zahnfleisch, liest man immer wieder. Fast scheint es, als wolle sich der Königsblaue Kosmos diese Ausrede einreden. Gerade Kaan Ayhan, der letzte Zugang aus Schalkes U19 in den Profikader, war es, der nach dem Spiel in Bremen darauf hinwies, dass fehlende Kraft kein Faktor sein, dass alle Schalker Profis seien und eine Woche Pause zwischen den Spielen zur Regeneration ausreichten.

Abgesehen von Klaas-Jan Huntelaar, der erst in der 72. Minute eingewechselt wurde, war die Startaufstellung die gleiche wie beim Derby in Dortmund. Mit der Chuzpe, die Schalke in Dortmund an den Tag legte, hätte man Gladbach an die Wand gespielt, davon bin ich überzeugt. Aber während gegen Dortmund ganz Schalke hochdreht, hat dann, wenn es vermeintliche „Restpunkte“ einzufahren gilt, ganz Schalke Angst vor dem Versagen. Seit ich in meiner Sidebar darstelle, wie viele Punkte Schalke noch holen muss, um sich sicher für den 3. Platz zu qualifizieren, rechnen mir Kommentatoren vor, dass das ja gar nicht nötig sei, weil Leverkusen und Wolfsburg schließlich noch Punkte liegen ließen. Statt sich auf seine Stärke zu besinnen und seine Gegner zu schlagen schaut man auf das Restprogramm der Konkurerenz, hofft auf deren Punktverluste. Das ist Schalke. Und so sehen die letzten Spiele der Saison in der Regel dann auch aus.

In Bremen spielte Schalke larifari, gegen Frankfurt reichte eine gute Halbzeit. In Stuttgart war Schalke schlecht und gegen Gladbach hat man nun auch verdient verloren. Glücklicherweise konnte Borussia Dortmund dem ersten Konkurrenten Schalkes um Platz 3, Bayer Leverkusen, zwei Punkte abtrotzen. Nicht auszudenken, Leverkusen hätte sein Heimspiel gewonnen. So braucht Schalke aber nur noch 4 Punkte und hat dafür noch 2 Spiele, eins in Freiburg und eins zuhause gegen Nürnberg. In Freiburg konnte Schalke bereits in der letzten Saison, trotz Abwesenheit von Souveränität, einen entscheidenden Sieg einfahren. Man darf also weiter hoffen.

Ma‘ Kandidaten kucken: Infoveranstaltung zur JHV

Anlässlich der anstehenden Jahreshauptversammlung findet am Sonntag eine Informationsveranstaltung statt. Veranstalter ist die Initiative Schalke.V.ereint, los geht’s um 13:04 Uhr an der Glückauf-Kampfbahn und ab 15:30 Uhr stehen Sonderbahnen der Bogestra bereit, um Jedermann pünktlich zum Stadion zu bringen. Selbstverständlich wird die ausrichtende Initiative dort ihre Ansichten bewerben. Vor allem aber wurden alle Kandidaten für den Wahlausschuss und den Aufsichtsrat eingeladen, sich und ihre Anliegen den Anwesenden vorzustellen.

Wer Mitglied des FC Schalke 04 ist und am 04.05. bei der Jahreshauptversammlung dabei sein will, sollte sich vorab bestmöglich über die Kandidaten zu den verschiedenen Wahlen informieren, und da ist eine solche persönliche Vorstellung viel wert. Wer Mitglied ist und nicht zur Jahreshauptversammlung kommen will sollte auch zu dieser Veranstaltung gehen und sich überlegen, ob ihm die dargestellten Themen nicht doch die Teilnahme am 04.05. wert sind. Und Nicht-Mitglieder sollten diese Veranstaltung nutzen um – vielleicht erstmals – einen Eindruck zu bekommen, was diesen Verein abseits des Rasens sonst noch umtreibt, dass Schalke 04 mehr ist als nur bloßer Fußball.

Ich werde da sein. Wer von Euch mich dort entdeckt: Einfach anquatschen, ich bin immer für ein nettes Gespräch zu haben.

Aufruf: Texten für die TSG!

Derzeit kursieren Gerüchte, nach denen Fans der TSG Hoffenheim den Schalker Fangesang „Mythos vom Schalker Markt“ kopieren wollen. Ob das nun wahr oder die fixe Idee eines Einzelnen ist; im Sinne des Wohlfühlens in der Bundesliga kann man solcherlei nur unterstützen. Tausende schwarz-gelbe Borussen tun regelmäßig so, als wären sie in Liverpool, und das gilt als tolle Stimmung. Da sollte man auch ein paar Hoffenheimern ermöglichen, ab und an so zu tun, als sei es bei ihnen so schön wie auf Schalke.

Ein erster, ebenfalls kursierender Textentwurf einer Hoffenheimer Version war allerdings furchtbar und wartete mit falschem Versmaß und wenig aussagenden Worten auf. Der Fall ist klar: Die so sein wollen wie wir brauchen Hilfe, Deine Hilfe! Jeder anständige Schalker sollte sich aufgerufen fühlen, sich zu beteiligen, die Melodie weiterzutragen und zum Wohle der Bundesliga indirekt auch den Ruhm des FC Schalke 04 zu mehren!

Hier mein erster Vorschlag:

Kennst Du den Mythos der Hopp’schen Mark?
die Geschichte, die einst begann
unser Dietmar wurde Legende
hier kein Fußball ohne Spende

Ohhhh ohh ohhhhhhhh …

Deinen Vorschlag bitte ins Kommentarfeld. Danke!

Bedenken aus Erfahrung

Am Ende einer Saison läuft Schalke „auf der letzten Rille“, wird es immer nochmal spannend, verliert man in Stuttgart. Ohne Drama ist Schalke nicht denkbar. Obwohl der FC Schalke 04 der Neuzeit ein überaus erfolgreicher Bundesligaclub ist, käme man doch nie auf die Idee, ihn als „souverän“ zu bezeichnen. Das sind keine Vorurteile, sondern Erfahrungswerte. In der Schlussphase der Saison fällt Schalkes Punkteschnitt deutlich ab.

Für mich beginnt die „Neuzeit“ mit der Saison 2000/2001. Eben mit dem bis heute nachhallenden, tragischen Ende einer insgesamt großartigen Saison. Mit dem Abschied aus dem Parkstadion und den Bezug der Arena. Seit dieser Saison und bis heute haben 8 Clubs stets in der ersten Liga gespielt: Bayern München, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen, Werder Bremen, der VfB Stuttgart, der Hamburger SV, der VfL Wolfsburg und Schalke 04. In diesem Zeitraum war Schalke nach Punkten, hinter Bayern München und Borussia Dortmund, der drittbeste Club. Betrachtet man allerdings ausschließlich die letzten 4 Spieltage der einzelnen Spielzeiten, holte lediglich der Hamburger SV noch weniger Punkte als Schalke 04.

Mit Beginn der Saison 2000/2001 und bis heute haben die genannten Clubs jeweils 473 Bundesligaspiele bestritten. Schalkes Schnitt liegt bei 1,71 Punkten pro Spiel. Nur auf die jeweils letzten 4 Spieltage der einzelnen Spielzeiten bezogen fällt der Schalker Punkteschnitt auf 1,40. Das ist die größte Verschlechterung aller 8 Dauerbundesligisten in dieser Zeit.

Der Punkteschnitt des HSV an den letzten 4 Spieltagen liegt bei 1,21 Punkten. Allerdings kommen die Hamburger auch insgesamt nur auf einen Wert von 1,42. Die Werte aller sechs anderen genannten Clubs steigen an den letzten 4 Spieltagen, zu lasten der nicht dauerhaft in der ersten Liga verbliebenen Clubs; und eben zu Lasten des HSV und Schalkes. Fast wie zu erwarten steigert sich der Schnitt Bayern Münchens am deutlichsten, vom ehedem besten Gesamtschnitt (2,13) auf einen noch besseren Schnitt in der Saisonschlussphase (2,36).

In der Balkengrafik oben sind Schalkes erreichte Punkte an den jeweils letzten 4 Spieltagen seit 2001 dargestellt. Tröstlich ist, dass es natürlich stets nur um das Erreichen eines bestimmten Zieles geht, und dass dazu kaum die volle Punktzahl aus diesen Spielen benötigt wird. Wie gesagt, der FC Schalke 04 der Neuzeit ist ein erfolgreicher Club, fast immer international vertreten. Der Unterschied des Punkteschnitts der Schlussphase im Vergleich zur Gesamtsaison ist dennoch bemerkenswert und durchaus ein Argument, vielleicht ein Grund, für die allerorts anzufindenden, knusseligen Schalker Dauerpessimisten; auch wenn mir das nicht gefällt.

Hilflos in Stuttgart

Schalke 04 verliert in Stuttgart mit 3:1. Eine verdiente Niederlage, die Blauen kamen gegen gut eingestellte Stuttgarter lange Zeit überhaupt nicht zurecht.

Die Gegentore sind flott erklärt. Beim Freistoß in der 23. Minute zögerte Ralf Fährmann. Als er sich zum Rauskommen entschloss, war es bereits zu spät. Das Ding ging auf seine Kappe. In der 54. Minute ließ Chinedu Obasi seinem Gegenspieler Traoré zuviel Zeit zum Flanken, obendrein vergas Tim Hoogland, hinter seinem Rücken nach Cacau zu schauen. In der 59. assistierten mit Leon Goretzka, Tim Hoogland und Kaan Ayhan gleich drei Schalker durch vornehme Zurückhaltung den dritten Stuttgarter Treffer.

Aber vielleicht wäre es soweit gar nicht gekommen, wäre Schalke durchschlagskräftiger gewesen. 20 Minuten stand Schalkes Defensive ordentlich, hatte Schalke den Ball gut unter Kontrolle, kamen die Kurzpässe in der Regel auch an. Alleine es führte zu nichts.

Ohne den gesperrten Julian Draxler und den kranken Jefferson Farfán blieben Schalkes Flügel lahm. Chinedu Obasi hatte einen schwachen Tag, verlor viele Bälle und brachte offensiv nichts zustande. Leon Goretzka machte individuell eigentlich ein ordentliches Spiel, wirkte außen aber verloren. Das Zusammenspiel mit Tim Hoogland funktionierte nicht gut und in die Mitte traute er sich nicht häufig genug; oder er durfte das nicht, man weiß es nicht.

Ohne schlagkräftige Flügel richtete sich der Blick ins Zentrum, aber hier hatte Huub Stevens vorgesorgt. Max Meyer wurde von Carlos Gruezo komplett aus dem Spiel genommen. Roman Neustädter und Prince wurden durch Stuttgarts Pressing ausreichend beschäftigt, um nicht häufig genug nachrücken zu können. Also eilte immer wieder Klaas-Jan Huntelaar zu Hilfe, das Defizit 30 Meter vor dem Tor zu beheben, weshalb er als Anspielstation fehlte.

Die Entscheidung, das Zentrum zu verstärken, traf Jens Keller erst nach dem zweiten Gegentor. Zu spät. Auch wenn noch der Anschlusstreffer gelang, auch wenn es vielleicht nochmal richtig spannend hätte werden können, wenn der Schiedsrichterassistent Adam Szalais zweiten Treffer nicht zurückgewunken hätte: Schalke hat dieses Spiel in den ersten 60 Minuten auf Grund seiner Hilflosigkeit verdient verloren.

Nun sind’s noch 3 Spiele, und Schalke braucht immer noch 6 Punkte.

Nach der Pause zurück in die Spur

Schalke gewinnt sein Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt mit 2:0. Nach einer eher mauen ersten Hälfe brachten die zweiten 45 Minuten viel Trubel, eine starke Schalker Phase und den dadurch verdienten Sieg.

An vergebene Strafstöße Klaas-Jan Huntelaars hat man sich ja fast schon gewöhnt. Gleich nach dem Pfiff kam Sead Koalsinac von ganz hinten nach ganz vorne gerannt, hätte wohl gerne die Verantwortung übernommen. Aber Ober sticht Unter, und wenn der Star will, bleibt vom Junior nur ein aufmunternder Klaps. Für mehr Aufregung führte das vom Schiedsrichtergespann zurückgepfiffene Draxler-Tor, nach mehr als einer Minute Jubel, nachdem der Schiedsrichter erst auf Tor entschied und der Assistent die Fahne unten lies. Aber Abseits bleibt Abseits.

Es lief nicht alles Rund für die Blauen. Verdient war der Sieg trotzdem, denn zur Halbzeit entschied sich Jens Keller für das Risiko und wurde belohnt. In der Anfangsviertelstunde der zweiten Hälfte blieb Schalke auch bei Frankfurter Ballbesitz kompakt in des Gegners Hälfte. Die Abwehrreihe blieb sehr kurz hinter dem Mittelfeld, für Frankfurt gab es keine Pressingfreie Zone. Diese Druckphase führte zum 1:0 und schubste das Spiel in die richtige Richtung.

Dass Schalke nicht von Beginn an so agierte hatte durchaus gute Gründe. Gerade das Spiel über die Außenpositionen ist Frankfurts Stärke. Entsprechend agierten Sead Kolasinac und Tim Hoogland in der ersten Hälfte so, dass sie ihre Seiten nicht vollends entblößten. So aber reichten Schalkes Offensivbemühungen nur zu viel Ballbesitz. Zu Chancen kam man nur selten, in der ersten Hälfte hatte die Verteidigung der Eintracht das letzte Spielfelddrittel gut im Griff.

Nach der starken Anfangsphase der Schalker in Halbzeit 2, nach der Führung und nach der Szene um Draxlers aberkanntes Tor, hatte Eintracht Frankfurt die große Chance, das Spiel zu drehen. Als sich noch das halbe Stadion über die späte Reaktion des Schiedsrichtergespanns ärgerte lief Joselu plötzlich alleine auf Ralf Fährmann zu. Ein Treffer zu diesem Zeitpunkt hätte das Momentum für die Eintracht bedeuten können. Doch einmal mehr entschied Fährmann eine 1:1 Situation für sich, rettete Schalke die Führung, vielleicht den Sieg.

Und dann war da noch der Freistoß in der 90. Minute, zu dem sich Kaan Ayhan und Jefferson Farfán an den Ball stellten. „Lass Ayhan schießen, der kann das“ sagte ich. „Farfán kann das auch“ sagte Herbert links neben mir. „Schon länger nicht mehr“ sagte ich. Farfán schoss. „Siehste“ sagte Herbert.

Noch 4 Spiele. Im schlechtesten Fall braucht Schalke noch 6 Punkte.