Bedenken aus Erfahrung

Am Ende einer Saison läuft Schalke „auf der letzten Rille“, wird es immer nochmal spannend, verliert man in Stuttgart. Ohne Drama ist Schalke nicht denkbar. Obwohl der FC Schalke 04 der Neuzeit ein überaus erfolgreicher Bundesligaclub ist, käme man doch nie auf die Idee, ihn als „souverän“ zu bezeichnen. Das sind keine Vorurteile, sondern Erfahrungswerte. In der Schlussphase der Saison fällt Schalkes Punkteschnitt deutlich ab.

Für mich beginnt die „Neuzeit“ mit der Saison 2000/2001. Eben mit dem bis heute nachhallenden, tragischen Ende einer insgesamt großartigen Saison. Mit dem Abschied aus dem Parkstadion und den Bezug der Arena. Seit dieser Saison und bis heute haben 8 Clubs stets in der ersten Liga gespielt: Bayern München, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen, Werder Bremen, der VfB Stuttgart, der Hamburger SV, der VfL Wolfsburg und Schalke 04. In diesem Zeitraum war Schalke nach Punkten, hinter Bayern München und Borussia Dortmund, der drittbeste Club. Betrachtet man allerdings ausschließlich die letzten 4 Spieltage der einzelnen Spielzeiten, holte lediglich der Hamburger SV noch weniger Punkte als Schalke 04.

Mit Beginn der Saison 2000/2001 und bis heute haben die genannten Clubs jeweils 473 Bundesligaspiele bestritten. Schalkes Schnitt liegt bei 1,71 Punkten pro Spiel. Nur auf die jeweils letzten 4 Spieltage der einzelnen Spielzeiten bezogen fällt der Schalker Punkteschnitt auf 1,40. Das ist die größte Verschlechterung aller 8 Dauerbundesligisten in dieser Zeit.

Der Punkteschnitt des HSV an den letzten 4 Spieltagen liegt bei 1,21 Punkten. Allerdings kommen die Hamburger auch insgesamt nur auf einen Wert von 1,42. Die Werte aller sechs anderen genannten Clubs steigen an den letzten 4 Spieltagen, zu lasten der nicht dauerhaft in der ersten Liga verbliebenen Clubs; und eben zu Lasten des HSV und Schalkes. Fast wie zu erwarten steigert sich der Schnitt Bayern Münchens am deutlichsten, vom ehedem besten Gesamtschnitt (2,13) auf einen noch besseren Schnitt in der Saisonschlussphase (2,36).

In der Balkengrafik oben sind Schalkes erreichte Punkte an den jeweils letzten 4 Spieltagen seit 2001 dargestellt. Tröstlich ist, dass es natürlich stets nur um das Erreichen eines bestimmten Zieles geht, und dass dazu kaum die volle Punktzahl aus diesen Spielen benötigt wird. Wie gesagt, der FC Schalke 04 der Neuzeit ist ein erfolgreicher Club, fast immer international vertreten. Der Unterschied des Punkteschnitts der Schlussphase im Vergleich zur Gesamtsaison ist dennoch bemerkenswert und durchaus ein Argument, vielleicht ein Grund, für die allerorts anzufindenden, knusseligen Schalker Dauerpessimisten; auch wenn mir das nicht gefällt.



14 Kommentare zu “Bedenken aus Erfahrung”

  1. johajoha sagt:

    Vor allem der Abfall im Vergleich zu den anderen Teams ist merkwürdig schalkig.

    Als Daueroptimist möchte ich aber anmerken, dass immerhin in 9 der 13 Spielzeiten die jetzt noch benötigten 6 Punkte aus 4 Spielen geholt wurden. In 2007 und 2012 auch obwohl der 31. Spieltag verloren ging.

  2. Voice sagt:

    Interessante Statistik, schöne Idee das auszuwerten. Erstaunlich und bedenklich ist es allemal. Postiv dabei ist, dass der Durchschnitt von 1,4 diesmal zur Zielerreichung langen würde, zumindest wenn man aufrundet…

    In meiner Erinnerung haben wir -außer natürlich in den Traumajahren 2001 und 2007- das Ziel trotzdem jeweils erreicht oder ohnehin schon vorher verspielt. Da kann ich mich aber auch irren, habe das jetzt nicht nachgeschaut.

  3. schoschi sagt:

    Halloooo! es bleibt eine statistik!!! es wurde mit anderen spielern, mit anderem trainer und was weiß ich noch für anderen faktoren fussball gespielt. solche zahlen können verwirren. ich hatte einst statistik während des studiums. ist wirklich hilfreich. hier aber nicht. wenn z.b. jemand von 5 elfern vier nicht netzt, dann würd ich diese auch zu rate ziehen. aber in diesem fall heißt es die manschaft so vorzubereiten dass sie gegen gladbach gewinnt. fitness spielanalyse etc. man stelle sich vor die spieler ließen sich davon leiten;) also: der wille zum sieg gepaart mit spielerischen fähigkeiten. da sollten allerdings im gegensatz zum letzten spiel änderungen vorgenommen werden. vollgas!! GlückAuf

  4. schalkoholiker sagt:

    @Torsten: Das ist ja mal eine schräge Statistik-Analyse. Manchmal, wenn ich nachts aufwache, gehen mir auch solche Dinge durch den Kopf. Meist – und das zum Glück – habe ich die am Morgen aber wieder vergessen…

    Zur magischen Zahl: Dat wird schon. Nur Mut.

  5. Torsten sagt:

    Diese Veröffentlichung hier sollte auch nicht Jens Kellers Mannschaft zur Vorbereitung dienen ;-)

    Eingentlich hatte ich vor, das Gegenteil zu „beweisen“. Ich habe um mich herum nach der Niederlage in Stuttgart soviel Geunke mitbekommen, soviel „am Ende wirds für Schalke immer eng“, andererseits ist S04 aber doch recht erfolgreich (wie oben schon zweimal erwähnt). Ich hatte in den Daten gewurschtelt um irgendwie dazustellen, dass kein Grund zur Sorge besteht. Und vielleicht besteht auch wirklich kein Grund zur Sorge, aber diesen Unterschied zwischen sonstiger Saison zu Schlussphase halte ich für so krass, dass ich um diesem Beitrag nicht herum kam …

    Diese „letzten 4 Spieltage“ seit 2001 sind insgesamt 53 Spiele (13 x 4 plus der Spieltag am letzten Wochenende). In diesen 53 Spielen holten Bremen und Leverkusen jeweils über 20 Punkte mehr als Schalke 04.

  6. bernd sagt:

    „andererseits ist S04 aber doch recht erfolgreich“
    Jaja, schön und gut, aber genau das war der Grund warum wir 2001 und 2007 nicht Meister geworden sind. Schmerz und Trauer wieder erwacht.

  7. Ney sagt:

    Sehr schöner Einfall, Torsten!

    Im Schnitt macht Leverkusen demnach am Saisonende (letzte 4 Spiele) 1,6
    Punkte auf Schalke gut, Wolfsburg 0,5 Punkte. Das wäre mit dem viertletzten
    Spieltag schon ausgeschöpft.

    Allerdings kennen wir dabei noch nicht die Standardabweichungen, die Volatilität,
    vulgo wie groß das Risko für Ausrutscher nach oben oder unten ist…

  8. Lutt sagt:

    Ich finde sowas immer wieder mega interessant. Danke für die interessante Zusammenstellung, Torsten.
    Die Zahlen belegen auch bei mir ein Gefühl. Aber der Ausreißer von 2011, wo wir über den DFB Pokal in den UEFA Cup gekommen sind und die Bundesliga Saison eh schon gelaufen war, verfälscht das Bild natürlich etwas.
    Ich bin zuversichtlich, dass es für Platz 3 reichen wird. Ein Sieg gegen Gladbach wäre schon mal ein guter Anfang.

  9. RJonathan sagt:

    Ich bin auch eher der Angst-Hase, der schon die ganze Rückrunde auf den frustrierenden Einbruch wartet. Danke, dass du mich da jetzt drin bestätigt hast. :-(

  10. hellwach sagt:

    In der letzten Saison haben wir an den letzten 4 Spieltagen

    Gegen Stuttgart verloren (daheim)
    Gegen Mönchengladbach gewonnen (auswärts)
    Gegen Freiburg gewonnen (auswärts)

    und das gesteckte Ziel mit Platz vier erreicht.

    Läuft wie auf Schienen.

  11. Der Hans sagt:

    Du hast es sicher schon 1904 Mal geschrieben und vielleicht sogar einen eigenen Artikel verfasst, aber an mir muss es vorbeigegangen sein. Was bildet deine Grundlage für diese Art von Statistikbeiträgen?

    Zapfst du eine (un)bekannte Datenbank an, klickst du dich durch die archivierten Tabellen und Ergebnisse beim Kicker oder führst du seit dem ersten Meisterschaftsspiel anno 1903 eigenhändig Buch über alles?

    Egal, wie du es machst, solche Artikel sind immer wieder interessant und gut, beim nächsten Feierabendbier mit unnützem Wissen auftrumpfen zu können. Danke dafür.

  12. Torsten sagt:

    Ganz grundsätzlich nutze ich keine Daten, die nicht jedermann im Internet abfragen könnte. Die Daten stammen zum größten Teil von Portalen wie weltfussball.de, fussballdaten.de o.ä.

    Ich bin allerdings ein recht passabler Excel-Mensch und habe mir da ein paar Hilfen eingerichtet. Einfaches Sammeln von Daten per Strg+C/V – bspw. eine Liste mit allen Spielergebnissen der Bundesliga oder alle Abschlusstabellen – alleine damit kann man in Excel schon viele Sachen auswerten, z.B. das hier oben.

    Excel selbst kann aber auch Daten von Webseiten importieren. Per Makro/VBA-Schleife bekommt man, wenn man es sich erst mal programmiert hat, ratzfatz bestimmte Daten von „einigen Seiten mehr als üblich“ nach Excel – und danach geht’s so weiter im letzten Absatz beschrieben.

    Gerade solche zu programmierenden Abfragen empfinde ich nicht als „Aufwand“ oder gar „Arbeit“. Eher ist es eine Art knobeln. Ich will dann was Bestimmtes hinbekommen und freue mich, wenn es dann funktioniert. Andere lösen Sudoku. Mir macht Excel Spaß.

  13. Gladbach verchelseat Schalke » blogundweiss.de sagt:

    […] wenn sich die Bundesliga dem Ende neigt, wie Torsten Wieland letzte Woche erst aufzeigte. Die Konsequenz ist nun: Schalke muss in den letzten beiden Spielen noch 4 Punkte holen um ohne […]

  14. malte sagt:

    Falls Dir in irgendwelchen Sonderfällen Excel mal nicht ausreicht, um Daten von bestimmten Seiten zu lesen, kannst Du Dich gerne melden. Ich habe in den letzten Jahren häufiger mal solche „Scraper“ bauen müssen und habe mittlerweile auch etliche Code-Schnipsel für diese Zwecke fertig hier rumfliegen (größtenteils in python). Das ließe sich wahrscheinlich mit wenig Aufwand an Deine Anwendungsfälle anpassen.

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