Oranje boven!

Die Niederlande schlagen den Weltmeister aus Spanien mit 5:1. Fünf zu eins! Ein großartiges Fußballspiel mit atemberaubenden Szenen. Grandioser Fußball, bereits im dritten Spiel dieser WM.

Lange Zeit war Spanien die reifer agierende Mannschaft. Gewohnt ballsicher agierte der Weltmeister geduldig, wartete auf Lücken oder individuelle Fehler, kam zu Chancen. Individuelle Fehler boten Oranjes junge Abwehrspieler einige, mal versprang ein Ball, mal war ein Pass zu kurz. Lücken bot Holland wenige. Lediglich eine Szene blieb in Erinnerung, weil sie besonders war, weil sie gleich zweimal Weltklasse in Folge bot: Iniestas Pass auf David Silva, in der 43. Minute, war zum Applaudieren, Cillessens Reaktion auf Silvas versuchten Heber war aber keinesfalls minder großartig.

Abgesehen davon setzte Van Gaals Mannschaft den Spaniern einen sehr gut organisierten Defensivverbund entgegen. Und die individuelle Klasse der niederländischen Offensivkräfte setzte solche Highlights, die Fußball wunderschön werden lassen können.

Welche ein großartiger Spieler Ajren Robben sein kann. Wieviel schneller als seine Gegenspieler er in der 79.(!) Spielminute über den halben Platz flog, um danach noch zwei Verteidiger und den Torwart auszutanzen. Wie er in der 88. Minute den Ball volley Richtung Tor zimmerte; eine Szene wie aus einem Videospiel, wenn der Zocker schon dauerhaft auf X drückt, während der Ball noch unterwegs zum Spieler ist, um den Ball danach unwirklich schnell gen Kasten zu schießen.

In der zweiten Hälfte agierte Oranje wie entfesselt. Die Spanier wussten nicht mehr, wie ihnen geschah. Ilker Castillas tat mir schon leid, als ihm der Ball vom Fuß sprang, was Robin Van Persie prompt bestrafte. Aber es waren eben nicht nur Fehler der Spanier, es war der absolute Überfall der Niederländer. Viele Szenen, die einen raunen ließen, und alles wurde noch übertroffen von Van Persies Wundertor. Daley Blinds Hereingabe, Ausgangspunkt 3 Metern hinter der Mittellinie, Robin van Persie mit eingesprungenem Kopfball aus 15 Metern, aus vollem Lauf. Pure Kunst, auch noch in der Zeitlupe, wenn man sieht wie Van Persie mit angelegten Armen, bäuchlings über den Boden rutscht, das Gesicht nach unten, wie er quasi mit der Nase bremst.

Auch Chile ist ein starker Gegner. Aber dieser Sieg gegen Weltmeister Spanien bietet den Niederländern die Chance, die Gruppe zu gewinnen, im Achtelfinale den Brasilianern aus dem Weg zu gehen und weit zu kommen. Ma’kucken.



37 Kommentare zu “Oranje boven!”

  1. leoluca sagt:

    Es gibt ihn doch, den Fußballgott.

    Spaniens Diego Costa schindet einen Elfer heraus – und danach wird der Weltmeister von Oranje zerlegt.
    Grandios.
    Hup Holland Hup.

  2. blues sagt:

    Furioses Spiel der Niederländer. Eine unglaubliche 2. Halbzeit. Für mich wars eine Sternstunde des Fußballs.

  3. Steffen sagt:

    Als kleines Kind sind meine Fussballerinnerungen auf Campingurlaube in Frankreich beschränkt. Weltmeisterschaften im Fernsehsal gucken der meist in oranger Übermacht waren und ich als Knirps dazwischen. Von der Freundlichkeit, Stimmung und Feierlaune der Fans und dem Oranje der Trikots in den Bann gezogen worden schlummert eine tiefe Sympathie für die Elftal und der geheime Wunsch, dass mehr als nur ein zweiter Platz herausspringt.
    Dank der tatsächlich videospielartigen Vorstellung gestern bin ich endlich in WM-Stimmung.

    HupHupHup.

  4. Steffen sagt:

    Wolff Fuss: Robben steht in den letzten Monaten ganz entspannt mit dem Fussballgott an der Bar und lässt sich einen nach dem anderen ausgeben.

  5. leoluca sagt:

    Habe noch Gänsehaut, wenn ich an dieses Spiel gestern denke.

    So wunderschön kann Fußball sein. Eine Sinfonie der Elftal, mit unglaublichen Soli von van Persie und Robben, nicht zu vergessen, der geniale Ball von Sneijder auf den Kopf von de Vrij.

    Mein Herz schlägt – nach Schalke natürlich – seit Johan Cruyff für Oranje. Van Basten, Rijkaard, Gullit, Van der Sar, Bergkamp, Kluivert, Seedorf …..

    Ein Riesenfußball-Land. Oranje Boven! Dank an Torsten für diesen Text.

  6. Simon sagt:

    Nachdem ich ‚unserer‘ Nationalmannschaft aus diversen Gründen seit ca. 4-5 Jahren immer weniger abgewinnen kann, aber dennoch möglichst viele WM-Spiele gucken möchte, habe ich lange gegrübelt bzw. eher in mich gehorcht, wem ich den Titel gönnen würde – bis gestern.

    Trotz des unberechtigten Elfers würde es mich für die brasilianischen Fans zwar nach wie vor freuen, wenn der Gastgeber den Titel holt, aber den Holländern würde ich es von ganzen Herzen gönnen.

    Einfach wunderschöner Fußball, so wie er mir Spaß macht – ich war noch nie ein Freund von Tiki-taka (+ der selbstgefälligen Stilisierung von Barca und Spaniens Nationalmannschaft als Vertreter des – in jeder, auch moralischer, Hinsicht – besseren Fußballs). Deswegen nervt Löw mich ja auch so, weil er das irgendwie als Vorbild zu haben scheint, wenn man seine Interviews liest, anstatt die Spieler einfach das spielen zu lassen, was sie viel besser könnten. Aber das ist ja erstmal nur Nebensache. Toller Fußball von Oranje, das erste große Highlight dieser WM, auf deren Fortgang ich mich nun mehr als zuvor freue.

  7. Hendrik sagt:

    x heißt Pass,also versteh ich nicht was du meinst ;-)

  8. Torsten sagt:

    @Hendrik:
    Ich stamme aus früheren Zeiten. Da war X ein Torschuss und B ein Pass. Vielleicht sind meine Texte so gesehen nicht mehr kompatible ;-)

  9. Սաշա sagt:

    Richtig, (bei International Superstar Soccer Deluxe auf dem SNES) auf X ist Schuss, auf Y Sprinten, auf B Pass/fairer Zweikampf und auf ist A Hoher Pass/Grätsche.

    Ich habe gemischte Gefühle bezüglich des Spiels. Die Spanier haben leider ihre Paradedisziplinen vernachlässigt. Nicht Tiki-Taka hat verloren, sondern Spanien, weil sie das schöne Kurzspassspiel aufgegeben haben und stattdessen oft mit langen Bällen den enttäuschenden Diego Costa gesucht haben. Dazu noch eine desaströse Leistung von Casillas, der an zwei Gegentoren entscheidenden Anteil hatte. So konnte mal wieder Konterfußball das Spiel gewinnen, weil er kein Interesse am Ball hat.

  10. Ney sagt:

    Gegen das eine Robben-Solo tauscht man aber doch liebend gerne ein Dutzend der erstickenden 1-zu-Null-Vorführungen der Tiqi-tacadores ein…

  11. Torsten sagt:

    Und dieses Tor. Dieses Tor!

  12. Սաշա sagt:

    Nee, das Robben-Solo war nur aus einem Grund gut: Es hat funktioniert. Und es stand eh schon 4:1. Wenn er das Ding bei 0:0 versemmelt, obwohl links sein Kollege mutterseelenallein auf den Ball wartet, während Robben unbedingt drei Spieler austanzen muss, nennt jeder das Kind beim richtigen Namen: Egozocker.
    Was Oranje da spielt, ist Verrat am eigenen Erbe und an der eigenen Fußballkultur. Aber ist halt auch van Gaal und der ist sowieso ein selbstherrlicher Spinner. Das wissen auch die, die ihn als Bondscoach installiert haben. Wenn sie es so wollen, kann man das nicht ändern. Mich tröstet einzig das Bewusstsein, dass die Niederlande den Titel sowieso nicht holt.
    Da kann die Vorrunde noch so furios sein.

    @Torsten: Dieses Tor war Torwartfehler Nr. 1. Keine Ahnung was Casillas so weit vor dem Tor sucht. Wenn er besser steht, ist das mehr als haltbar.

  13. Torsten sagt:

    Van Gaal ist kein Verräter, sondern ein Pragmatiker, und darin einer der allerbesten. Dieses Spiel wurde gewonnen, weil die Defensivstrategie funktioniert hat. Die Art der Offensive war die Kirsche auf der Sahne, der Kuchen war das Mittelfeld.

    Wie ich oben schon schrieb, es gab durchaus individuelle Fehler, die Spanien den Sieg hätten bescheren können. Deshalb wird Oranje auch sicherlich kein Weltmeister. Die Jungs hinten – De Vrij, Martins – sind überraschend gut, aber wohl nicht gut genug für den großen Wurf. Aber drauf gepfiffen: Dieses Spiel werde ich in Erinnerung halten, des Spieles wegen.

    Und der „selbstherrliche Spinner“, niederländischer, deutscher und spanischer Meister, wird nach diesem Turnier, innerhalb der nächsten drei Jahr, noch englischer Meister.

  14. Սաշա sagt:

    Die eigentliche Abwehrreihe von Oranje halte ich auch für die beste seit… ca. 20 Jahren.

    Van Gaal kann bei Klubs mit viel Geld bestimmt noch viele nationale Titel gewinnen, wenn er es sich nicht mit den jeweiligen Verantwortlichen verscherzt. Bei United mangelt es aber an der Selbsteinschätzung. Das Personal ist einfach nicht mehr ansatzweise konkurrenzfähig verglichen mit Chelsea, City und mittlerweile auch Liverpool. United hatte auch mit Moyes schon einen großartigen Trainer, allerdings glauben sie dort immer noch – wie der Rest Englands – dass einer wie Rooney ein Weltklassespieler sei, der ein Weltklassegehalt verdient. Die Innenverteidigung hat ihren Zenit überschritten, genau wie Evra, Jones finde ich nicht brauchbar, wenn man die Ansprüche bei United aufrecht erhalten will. Das gleiche gilt für das Mittelfeld, dass sehr durchwachsen besetzt ist. Fellaini und Mata finde ich großartig, Nani, Kagawa, Valencia und Carrick eher nicht.
    Vorne haben sie RVP und das ist ja wirklich einer der besten der Welt, aber sonst haben sie viele Spieler, die entweder mal besser waren oder zumindest mal mehr versprochen haben.
    Wenn die Verantwortlichen für van Gall ordentlich Geld zum Einkaufen locker machen, gewinnt Van Gaal da vielleicht auch noch einen nationalen englischen Titel. Ansonsten darf in Zukunft mit der EL geplant werden.

  15. leoluca sagt:

    Spanien hat gestern schlicht versucht, doch wieder das alte Spiel aufzuziehen, was ihnen in der ersten halben Stunde ja auch gelang, aber dann halt nicht mehr. Der Guardiola-Code ist eben seit einiger Zeit geknackt.

    Van Gaal hatte seine junge Defensive so gut auf das neue NL-System (3:4:1:2) bzw. auf ein zwar riskantes, aber intelligentes, bewegliches Pressing eingestellt, dass der Plan aufging, den Spaniern den Ballbesitzfußball als Kreisverkehr aufzuzwingen. Präzision konnte Holland schon immer. Das Land lebt seit langer Zeit schon von seiner Ingenieurs- und Baukunst.

    Das wäre alles trotzdem kaum so gut gelaufen ohne diese Weltklasseoffensive. Dieses kleine Land bringt einfach seit einigen Jahrzehnten am laufenden Band großartige Ballkünstler und Fußballpersönlichkeiten hervor.

  16. Raymond sagt:

    Der WM fangt mir langsam an richtig Spaß zu machen. Das 5-1 hat mich fühlen lassen als das 5-2 in Mailand vor ein Paar Jahren.

    So eben das 3-1 von Costa Rica. Mich hat vor allen das holen der verlorene Ball zum Flanke und Ausgleich richtig gefallen.

    Lass der Rest der Spiele kommen.

  17. Ney sagt:

    Was am meisten Spaß macht, ist das diesmal fehlende unablässige Tuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu-
    uuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu…t

  18. Torsten sagt:

    Finde Deinen inneren Van Persie …

  19. leoluca sagt:

    Der Hinweis ist ja richtig, dass die Holländer für ihre Verhältnisse untypisch gespielt haben.

    Aber das war ja das Geniale von General Louis. Dabei hat er für diese WM nicht nur eine neue Defensivordnung erfunden, wie oben beschrieben, er hat gleichzeitig aus dem Mittelstürmer van Persie und dem Außenstürmer Robben jeweils einen Halbstürmer gemacht. Das hat die Spanier resp. eine der besten IV der Welt völlig überrumpelt. Holland hätte auch mehr als 5 Tore schießen können.

  20. Simon sagt:

    Eine frühe Taktikanalyse zur WM, die sich ganz gut in die Diskussionen zu diesem Beitrag (und allgemein zu taktischen Beobachtungen in dieser Saison) einfügt:

    http://www.sueddeutsche.de/spo.....-1.2002080

    Der Text ist etwas zugespitzt auf die Alternative Konterfußball – Ballbesitzfußball. Das ist vielleicht überpointiert, da vermutlich – auch wenn diese Erkenntnis nicht neu sein dürfte – über mittlere Sicht keine extreme Auslegung einer Spielweise dauerhaften Erfolg bringen wird, sondern eine jeweils situationsgegebene Kombination bzw. Schwerpunktlegung.

    Da ich eher ein Freund des Konterfußballs bin, kann ich meine Freude über die jüngsten Triumphe von Real und nun Holland aber nicht verhehlen. :)

    Van Gaal deswegen als Verräter zu bezeichnen, halte ich auch für abwegig. Man muss ihn nicht mögen, aber man wird darum kommen, ihn als einen der besten Taktiker der Fußballwelt anzuerkennen, der sicher noch mehr Ideen für dieses Turnier auf Lager hat. Er hat schlicht die Situation erkannt und seine Mannschaft undogmatisch auf dieses spezielle Spiel eingestellt. Das macht doch eben einen guten Trainer aus.

    Vielleicht sind das gedankliche Ansätze, an die auch Jens Keller für die nächste Spielzeit mehr anknüpfen könnte. Im Grunde haben wir ja ebenfalls einen Kader, dem eine solche Spielweise ganz gut liegen sollte, wobei es in der Praxis vermutlich schwer fallen wird, dies umzusetzen, wenn sich 3/4 der Gastmannschaften auf Schalke hinten reinstellen. Aber für die Duelle gegen den FCB und in der CL wäre das doch mal ein Ansatz… schlimmer als im Achtelfinale und in den letzten Jahren gegen die Bayern kann es ja eh nicht mehr werden.

  21. derwahrebaresi sagt:

    @Holland hätte auch mehr als 5 Tore schießen können.

    versenkt david silva die 100prozentige zum 2-0,
    erzielen die käsköpp nicht ansatzweise 5 buden!

  22. Սաշա sagt:

    @derwahrebaresi: Sehe ich genauso. In seiner Entstehung und mit seinem technisch feinen Abschluss wäre es auch das deutlich schönere Tor gewesen, als das von RVP oder das Ego-Tor von Robben.

    Von mir aus können die Niederlande spielen wie sie wollen, schön ist es dennoch nicht. Genau das wird aber immer wieder behauptet. Ich sehe nicht ein, was daran schön sein soll, wenn man auf Ballverluste des Gegners wartet bzw. hinarbeitet und dann wie blöde nach vorne rennt. Pragmatisch mag man das dann gerne nennen. Für das Spiel tut es aber wenig.

    In der Vergangenheit war Oranje an einigen der schönsten Spiele beteiligt, die ich je gesehen habe. Weil sie ihrer Philosophie treu geblieben sind. Niederlande – Brasilien im Viertelfinale der WM 1994, sowie im Halbfinale 98 waren solche Spiele. Das war einfach schön anzusehen. Ganz im Gegensatz dazu die Niederlande von 2010 und die aktuelle (nicht ganz so schlimme wie 2010).

    Gerade in den Niederlanden, wo man unter Rinus Michels den Totalen Fußball geprägt hat, sollte man verstehen, dass großer Fußball mehr als purer Pragmatismus ist. Van Gaal hat das indes nie verstanden, weshalb Cruijff ihn 2011 auch nicht als Sportdirektor bei Ajax sehen wollte, dagegen sogar vor Gericht zog und gewonnen hat.

  23. schoschi sagt:

    bei aller analyse: was für ein toller wm-auftakt!!!! hab bis auf zwei, alle gesehen. da gehts doch richtig ab. fussball mit alles!!!! ssassiki und ssalat!! hätte nämlich nicht gedacht, dass wir so viel offensive sehen würden!! ich freu mich wie dolle! und bin gespannt auf belgien. und auf unsere heute abend!! GlückAuf!

  24. Simon sagt:

    Tja, die Frage ist: Was ist schön?
    Das liegt wohl wie so oft im Auge des Betrachters. Ich frage mich seit Jahren, was schön daran sein soll, wenn sich eine Mannschaft über Ewigkeiten den Ball zuschiebt, dabei 80% Ballbesitz hat, sich irgendwann eine Lücke auftut und dieses Team dann 1-0 gewinnt. Ok, das ist der Extremfall, aber im Grunde ist dies das Prinzip von Ballbesitzfußball. Ich hasse es.

    Mir gefällt ein Spiel, das dynamisch und schnell ist, eben einfach besser. Da mag dann nicht alles perfekt sein und natürlich gab es auch beim Spiel Spanien-Holland Momente, in denen das Spiel hätte in eine andere Richtung laufen können. Die gibt es allerdings, wenn zwei Mannschaften auf insgesamt so hohem Niveau aufeinandertreffen meistens. Das ist ja das Interessante an diesem Sport, dass sich nicht alles vorausplanen und vorhersehen lässt, dass mitunter eine einzige Aktion, ein Ausrutscher usw. ein Spiel zu Kippen bringen können… und dass verschiedene Taktiken und grundverschiedene Herangehensweisen zum Erfolg führen (das als Trost für alle Van Gaal-Feinde) können – und der ist (ob man das nun Pragmatismus nennen will oder nicht) nunmal das Ziel des Spiels.

    Die wichtigste Statistik dieses Spiels ist nunmal diejenige, die am Ende der Partie auf der Anzeigetafel steht. Sad but true – but nothing else matters. ;)

  25. Սաշա sagt:

    Nein, das ist nicht das Prinzip des Ballbesitzfußballs. Bevor sich Mourinho erst mit Chelsea und dann mit Inter gegen Barca eingemauert hat und sich zum CL-Titel gekontert hat(und es ihm fortan zunächst gegen Barca, dann gegen Spanien und später als Grundprinzip alle nachtaten), sah man sehr schön, was die Natur des Ballbesitzfußballs ist. Der will auch lieber nach vorne, anstatt minutenlang im Halbkreis zu spielen, kann er aber nicht, weil sich die höchst attraktiven Umschaltmannschaften mit zwei dicht gestaffelten Fünferketten im und am Strafraum aufgebaut haben und den Ball gar nicht haben wollen.
    Der Ballbesitzfußball alter niederländischer Prägung will Fußball zelebrieren, als eine Art Kunst und nicht bloß als maschineller Automatismus mit beliebig austauschbaren Spielern. Dass den Deutschen das gefällt, überrascht nicht wirklich. Abgesehen von den 1970ern hatte man hier noch nie etwas mit feinsinniger Spielkunst zu tun. Aber die Fans von Oranje sind wirklich besseres gewohnt.

  26. Floooooater sagt:

    Nachdem im Nachhinein Spanien die Niederlande geschlagen hat,
    wenn man in Rechnung stellt, dass van Gal ein Verräter ist und Spanien
    seine Spielidee verraten hat und Robbens Tor nicht gildet wegen Ego,
    erklärst Du uns am besten im selben Schwung, wieso Portugal eigentlich
    gewonnen hat gegen die doofen Deutschen.

  27. Սաշա sagt:

    Frag mal den Serben, der das Spiel gepfiffen hat. Der erzählt dir sicher gerne mehr darüber, wie es zum ungefährdeten Sieg kam.
    Aber nein, während Frääääd von der BILD schon in Schwalbinho umgetauft wurde und DER Bösewicht des Weltfußballs ist – neben Pepe natürlich – wurde Götze natürlich glasklar gefoult. Der zieht zwar mindestens genauso fest an Joao Pereira wie andersherum Pereira an ihm, allerdings ist er „schlau“ genug, sich rechtzeitig in Pereira zu werfen. Klarer Elfmeter! So gebietet es zumindest die deutsche Doppelmoral (von der aber natürlich keiner etwas im schwarz-rot-geilen Freudentaumel hören oder wissen möchte), die auch der Kommentator vorlebt und die der unkritische Zuschauer ohne zu hinterfragen gleich übernimmt.
    Spätestens gegen dezimierte Portugiesen (nach einer relativ harten, aber eben auch unnötigen, dummen roten Karte) war es dann etwas leichter. Glückwunsch jedenfalls demjenigen, der hierin eine Zurschaustellung von spielerischer Überlegenheit auf Seiten Deutschlands belegt wissen möchte. Dadurch weiß ich wenigstens von vornherein, dass sich die Diskussion bei soviel Kompetenz nicht lohnt und beschränke mich lieber weiter auf sachlich verständigere Gesprächspartner, von denen es hier glücklicherweise ein Mehr gibt.

  28. blues sagt:

    @Սաշա
    Ist es eine Überinterpretation, wenn ich festzustellen glaube, dass die „harte Linie“ der Schiedsrichter bei Fouls im Strafraum weiter durchgezogen wird.
    Wenn sich das Trikotzerren, Klammern und Festhalten so eindämmen lässt führt das zu mehr Abschlüssen im Strafraum und zu mehr Toren. Spiele mit Toren kann die Fifa sicher auch viel besser verkaufen…

    Tja dem Pepe gehts wie Jermaine Jones, bist du erstmal der Bösewicht und gebärdest dich dann im Spiel 1001000100050013001000auch noch entsprechend, gibts früher als für andere die Karte.

  29. Սաշա sagt:

    Ja, das z.B. dieses Klammern auf Anordnung von „oben“ härter geahndet werden soll, kann natürlich sein und ist dann erstmal so hinzunehmen. Dann bekommen wir zwar bis auf weiteres kaum mehr Spiele zu sehen, die ohne Strafstoß auskommen, aber das ist dann eben so. Und dann wissen auch die Spieler: Wenn ich mich wie FRÄÄÄÄÄD/Schwalbinho oder Götze irgendwann beim Rangeln in den Gegner fallen lasse, kriege ich meinen Elfer auf jeden Fall. Eine solche Vorgabe an die Schiedsrichter ist eben auch immer eine Einladung an die Stürmer.

    Völlig richtig, was Pepe angeht, der es aber auch langsam wissen müsste und sich einfach zurückhalten muss, um seiner Mannschaft nicht zu schaden. Von Jones hatte es der deutsche Kommentator natürlich gestern Abend auch wieder, als der ein Allerweltsfoul begangen hatte. Auf der anderen Seite höre ich mir dann aber doch lieber das typische Jones-Bashing an, als Steffen Simons Stammtischparolen aus dem Spiel davor („Die Iraner, das sind Südländer, da ist nicht alles perfekt organisiert“).

  30. leoluca sagt:

    Fakt ist, dass der Elfer für Australien im Leben keiner war, dass van Gaal zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Leute einwechselte, dass die Elftal ihre klasse Tore professionell herauspielte und dass Oranje trotz mancher Stolperei verdient gewonnen hat. Achtelfinale kann kommen. Kroatien oder Mexiko.

  31. Ney sagt:

    Anscheinend ist der vielzitierte Stammtisch auch nicht mehr das,
    was man sich darunter so vorstellt, zumindest wenn man sich die
    Reaktionen auf Steffen Simons „Iraner“-Zitat anschaut.

  32. Սաշա sagt:

    Stört eben im exkulpierenden Fußballpatriotismus niemanden. Da muss man das doch auch mal sagen dürfen. Wenigstens beim Fußball.

  33. Ney sagt:

    Dass das gar niemanden störte, entspricht
    nicht den Fakten. Simon hat herbe Kritik
    wegen des Spruchs bekommen.

  34. Սաշա sagt:

    Natürlich hat er Kritik bekommen. Wäre auch schlimm, wenn das völlig kommentarlos hingenommen würde. Immerhin hat er es ja auch geschafft, sich noch während des gleichen Spiels zu entschuldigen.
    Allerdings liest man in Kommentaren unter den entsprechenden Artikeln und Posts zu Simons „Fettnäpfchen“ doch erstaunlich oft, dass das gar nicht so schlimm ist, was er gesagt hat, man es nicht mit der PC übertreiben soll und es doch auch gar nicht um Rassismus geht, sondern vielmehr um verschiedene Mentalitäten (einfacher: Diese Südländer sind eben so).
    So besonders herbe hat er es vergleichsweise nicht abbekommen. Andere haben schon für weitaus weniger mehr Gegenwind bekommen.
    Hoffentlich hat man ihm wenigstens intern deutlich gemacht, dass sowas nicht geht.

  35. Simon sagt:

    In dem Zusammenhang kann ich mich noch gut an ein Zitat von Steffen Simon von einem vergangenen Turnier erinnern (tut mir leid, ich weiß wirklich nicht aus welchem Jahr, aber es müsste 2002 oder eher 2004 gewesen sein): „Der Totti…. Der Totti soll sich endlich diese komischen Haare abschneiden und spielen wie ein Mann.“
    Das war so bescheuert, dass es eher zum Schmunzeln war, aber zeigt die fachliche Expertise dieses Kommentators doch ganz gut.

    Zum Thema Nutzerkommentare unter Artikeln empfehle ich diesen Link: http://www.sueddeutsche.de/kul.....-1.1147168

    Fazit: Besser gar hinsehen, schon gar nicht in Diskussionen eintreten.

  36. leoluca sagt:

    Alles spricht über Arjen Robben und Robin van Persie, aber wer über Daley Blind, 24 Jahre jung?

    Von ihm, dem Jungen mit dem großen Namen, kamen die beiden perfekt getretenen Bälle, die zu den ersten beiden Traumtoren der Elftal gegen Spanien führten: dem Ausgleich von van Persie und der Führung von Robben.

    Für den Erfolg von van Gaals Wechsel vom traditionellen holländischen 4-3-3 zum 5-3-2 gegen den Weltmeister war Blind einer der wichtigsten Spieler: seine Fähigkeit als (linker) Außenverteidiger, seine Seite zu dominieren und die beiden Stürmer ins Spiel zu bringen.

    Dadurch, dass Blind das gelang, rutschte das holländische Spiel immer wieder hin und her zwischen einem
    5-3-2 und einem 3-5-2.

    Der alte Blind, Vater Danny, der in Brasilien neben van Gaal und zusammen mit Patrick Kluivert auf der Assistenz-Bank sitzt und dort auch unter Hiddink bleiben wird, dieser Danny Blind war einst unter dem Trainer van Gaal der Kapitän der großen Ajax-Mannschaft, die 1995 die Champions League gewann.

    Sein Sohn Daley ist seit sechs Jahren Ajax-Profi, wurde zum „Spieler der Saison“ in der Eredivisie gewählt und spielt bei Ajax meistens auf der 6er Position im MF, wo seine Passquote um die 90 Prozent liegt.

  37. Simon sagt:

    Klingt so als sollte Horst Heldt den Hunter beauftragen, sowohl den jungen als auch den alten Blind ein wenig zu beschwatzen, sich das schöne Ruhrgebiet mal ein wenig näher anzusehen.

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