Deutschland ist durch, Prince auch

Mit einem 1:0 Sieg über die USA erreicht Deutschland das Achtelfinale als Sieger der Gruppe G, letztlich souverän. Im Dauerregen begann man mit viel Druck und erspielte sich flott einige Chancen. Im Laufe des Spiels nahm das Tempo allerdings immer weiter ab. Mehr als dieses Ergebnis war nicht nötig, das merkte man. Defensiv hatte Deutschland den Gegner aber nahezu über die gesamte Spielzeit im Griff. Das ist entscheidend bei einer WM, wo es stets vor allem darum geht, nicht zu verlieren.

Auf ganzer Linie verloren hat Kevin Prince Boateng. Sicherlich hatte er große Lust, bei dieser WM auf sich aufmerksam zu machen, doch schien er nie wirklich Teil seines Teams zu sein. Die Spiele zur Qualifikation zu dieser WM sagte er regelmäßig ab, und in Brasilien fiel er nur durch Medienpräsenz, nie durch Leistung auf dem Platz auf. Gegen die USA begann Ghana ohne ihn. Gegen Deutschland war er, bis zu seiner Auswechslung in der 53. Minute, der schlechteste Spieler auf dem Platz. Am Spiel gegen Portugal nahm er nicht mehr teil, weil ihn sein Trainer aus dem Kader geschmissen hatte. In Kombination mit Klaas-Jan Huntelaar, der von seinem Trainer Louis van Gaal vermutlich nicht mal dann eingesetzt werden würde, wenn Robin van Persie, Leroy Fer und Dirk Kuijt von oben bis unten eingegipst werden müssten, bekommen es Schalkes Häuptlinge bei dieser WM mit der Demotivationskeule dauerhaft von links und rechts um die Ohren.

Für die USA – und damit auch für Jürgen Klinsmann – ist die Qualifikation fürs Achtelfinale ein großer Erfolg. Fast wie in einem dieser pathetischen amerikanischen Sport-Trailern beschrieben, lebt dieses Team tatsächlich mehr vom „Spirit“ als von der spielerischen Qualität der Akteure. Ausgerechnet Jermaine Jones aus Frankfurt-Bonames ist so gesehen der „amerikanischste“ Spieler von allen. Sein Einsatz in der ersten Halbzeit gegen Deutschland war überragend. Damit, mit ihrem soliden taktischen Grundgerüst und mit ein bisschen Glück, kann diese Mannschaft auch die nächste Runde überstehen.

Portugal ist die große Enttäuschung dieser Gruppe. Es war, als wäre die WM für diese Mannschaft nach 11 Minuten vorbei gewesen. 11 Minuten spielten sie nicht schlecht, dann gab es den Elfmeter für Deutschland und es schien, als würde Portugal fortan nicht mehr an einen möglichen Erfolg glauben. 0:4 in einem desaströsen Spiel, auch für Superstar Christiano Ronaldo persönlich, damit hat man sein Ausrutscherkonto aufgebraucht, da darf man sich kein weiteres Unentschienden mehr leisten. Portugal war schlicht schwächer als erwartet. Zu schwach.



17 Kommentare zu “Deutschland ist durch, Prince auch”

  1. Սաշա sagt:

    Ich denke bei Portugal war genau das auch der Fall. Nach 11 Minuten, spätestens aber nach der roten Karte gegen Pepe, war die WM gelaufen. Das war mir in diesem Moment schon klar.
    Man darf auch nicht vergessen, dass im zweiten Spiel gegen die USA nicht nur Pepe – für mich aufgrund einer Fehlentscheidung – gefehlt hat, sondern verletzungsbedingt auch Coentrao, Hugo Almeida und Stammtorhüter Patricio. Nacht einer Viertelstunde verletzte sich auch noch Hugo Almeidas Vertreter Helder Postiga und es kam Stürmer Nr. 3: Eder von Braga. Nun ist Portugal schon seit Jahren keine Nation, die für überragende Mittelstürmer steht. Aktuell haben sie nicht einen, dem man dieses Prädikat verleihen könnte. Und dann muss plötzlich die dritte Wahl ran.
    Wenn man qualitativ in der Breite nicht so gut besetzt ist wie beispielsweise Deutschland, es dann bereits im ersten Spiel gleich in mehrerer Hinsicht ganz dicke kommt – teils selbstverschuldet, teils unglücklich, teils durch Fremdverschulden – dann kann so eine WM auch schon mal nach der ersten Halbzeit des ersten Spiels gelaufen sein. Auch ein Weltfußballer allein reicht dann nicht aus, der sich meiner Meinung nach nicht einmal viel vorwerfen lassen muss.

  2. blues sagt:

    Auf ganzer Linie verloren hat Kevin Prince Boateng

    Schade für ihn, wie das in Brasilien gelaufen ist. Zu welcher Willensleistung er fähig ist, zeigte er in der kompletten Rückrunde mit Schalke, als er die von ihm ungeliebte Rolle auf der „Sechs“, für seine Verhältnisse, nahezu lautlos spielte.

    bekommen es Schalkes Häuptlinge bei dieser WM mit der Demotivationskeule dauerhaft …um die Ohren.

    Wohl wahr. Überhaupt dabeigewesen zusein, sowie die üppigen Schalker Löhne und werden sie aber über die dabei entstehenden psychologischen Untiefen hinwegtrösten…

  3. Simon sagt:

    Hoffen wir auf den positiven Trotzeffekt bei Huntelaar und Boateng. Jetzt wo die WM für die beiden (in Hinsicht auf KJH: bisher) so bescheiden lief, haben sie allen Grund mit einer gehörigen Wut im Bauch in der kommenden Saison die BL in Grund und Boden zu schießen. ;)

    Tatsächlich betrachte ich es immer auch mit einem lachenden Auge, wenn ein Schalker seiner jeweiligen Nationalmannschaft den Rücken zuwendet. Insbesondere wenn die Länderspiele wie bei Boateng regelmäßig weite Reisen und zusätzliche Belastungen mit sich bringen. Andererseits sehe ich natürlich auch die Möglichkeit, dass Spieler dort reifen und Erfahrungen sammeln, die sie tatsächlich besser machen können, wovon auch der S04 profitieren kann.

    Wie auch immer: Die ganze Sache um Boateng und das Team von Ghana ist irgendwie undurchsichtig. Schade, dass diese Mannschaft, die mit so viel Potential ausgestattet ist, nicht mehr auf die Beine gestellt hat bei diesem Turnier.

  4. schalkoholiker sagt:

    Ja das mit der Demotivationskeule ist mir auch durch den Kopf gegangen. Andererseits hat Benni bei der WM jetzt schon mehr Länderspiele gemacht als gefühlt in den letzten 4 Jahren zusammen. Das dürfte ihm gut tun. Und Joel Matip hat ein Törchen gegen Brasilien geschossen. Wenn man sucht, dann findet man auch (zwar kleine) positive Muntermacher.

    Podolski hat sich gestern nicht unbedingt aufgedrängt. Vielleicht wird ja Jule dadurch bei der nächsten Rochade auf der linken Seite doch noch eine Option. Ansonsten droht auch ihm eine Null-Minuten-WM.

  5. Thomas 04 sagt:

    Die Nationalmannschaft interessiert mich zwar auch, aber bei weitem nicht so wie die Bundesliga. Deshalb schau ich mir die WM Spiele irgendwie entspannter und neutraler an. Wie Torsten schrieb war der Einsatz von Jones tatsächlich überragend und ich bin der Meinung dieser Spieler hätte einen anderen Abschied bei uns verdient gehabt. Sicher hat er uns diese Saison nicht weitergeholfen, vielleicht aufgrund seiner Technischen Mängel und seiner „Taktik auf dem Platz“ mehr geschadet. Trotzdem darf man nicht vergessen er hat immer Einsatz und Siegeswillen gezeigt und es gab auf jeden Fall Zeiten in denen wären wir mit 10 Spielern wie ihm Meister geworden.

    Zum Thema Demotivationskeule denke ich kann so eine WM auch anspornen. Ich würd mich freuen, wenn Boateng und Huntelaar sich nun komplett auf Schalke konzentrieren und nicht mehr zur Nationalmannschaft abgestellt werden müssen. Dies würde vorallem auch einem Jefferson Farfan guttun, bei ihm merkt man die zusätzliche Belastung am stärksten, da er extrem von seiner Dynamik lebt. Warum Draxler dabei ist hab ich mich gestern auch gefragt (Götze, Müller, Özil, Poldi, Schürle und eigentlich auch Reuss kommen vor ihm zum Zug). Dies soll keine Kritik an Draxler sein ich hoffe ganz stark das seine Zeit noch kommen wird aber momentan seh ich (und offensichtlich der Bundestrainer auch)noch andere vorn.

  6. leoluca sagt:

    Vielleicht Zeit für eine kleine Prognose – nach Torstens Zwischenfazit.

    Afrika wieder mal überschätzt. Spanien, England, Portugal und Italien zurecht raus. Brasilien und Argentinien bisher nicht überzeugend, da zu abhängig von nur einem Superstar. NL und FR sind Geheimfavoriten. Chile spielt richtig guten Fußball, die könnten Neymar und auch andere schlagen. Auf jeden Fall gewinnt die Mannschaft mit der besten Defensive – da konnte man fast in jedem Spiel Schwächen bei der deutschen Mannschaft sehen.

  7. Rjonathan sagt:

    Bei Frankreich habe ich das Gefühl, die sind noch gar nicht gefordert worden. Sind ein möglicher Viertelfinal-Gegner von Deutschland. Es wird sich dann ggf. zeigen ob das gut oder schlecht ist. Aber erst mal geht es gegen Herz erfrischende Hurra-Fußballer aus Algerien. Wenn die es schaffen Deutschland rauszuschmeißen, gönne ich es ihnen. Weil sie so schön ihr heil im Angriff suchen.

  8. MarcB sagt:

    Ich mach mich mal noch unbeliebter:
    Ja, Jones hat guten Einsatz gezeigt. So wie nie auf Schalke. Es ging auch gegen den Trainer, der ihn nicht haben wollte (Wir stellen nicht nach Tattoos auf. OT Löw). Da gab es was zu beweisen. Dabei hat man dann auch genau gesehen, warum wir alle froh sein können, das er weg ist. Defizite in allen Bereichen.

    Was offen bleibt ist die Frage wie gut nun die N11 ist:
    Der erste Gegner hat nach 10 Minuten das Spiel eingestellt. Der zweite ist dermassen aggressiv auf den Ballführenden, das dieser aufgrund Verletzungsgefahr erst gar nicht in einen Zweikampf gegangen ist und dennoch gewonnen hat. Der dritte Gegner wollte gar kein Fußball spielen.
    Das war nicht schön anzusehen.

    Interessant wird es bei den vermeintlich großen Gegnern. Wenn Löw wieder die Hosen voll hat und wie bei den letzten Turnieren die Mannschaft falsch einstellt (Spanien) oder aufstellt (Italien).

  9. rubbeldikatz sagt:

    ok, chile hat es fast geschafft. jetzt gilt es eben den kolumbianern die daumen zu druecken gegen diese 2-brauchbare-iv-plus-neymar-plus-mittelmäßig-und-zu-doof-zu-kapieren-dass-es-keine-falschen-elfer-mehr-für-euch-gibt Truppe.

  10. leoluca sagt:

    Warum diese Arroganz gegenüber Brasilien? Die Selecao war in der ersten, Chile in der zweiten Hälfte die bessere Mannschaft – in einem absolut spektakulären Spiel mit wenig Taktik und viel Leidenschaft. Das nicht gegebene Tor von Hulk war übrigens – so gut Howard Webb auch insgesamt war – eine durchaus kniffelige Entscheidung, das man hätte auch geben können.

  11. Rjonathan sagt:

    @leoluca
    Das allgemeine Brasilien-Bashing wundert mich auch. Aber das Handspiel war eindeutig. Verstehe nicht wie du zu dieser Sichtweise kommst.

  12. leoluca sagt:

    Ja, ich gebe mich geschlagen: die meisten haben wohl ein Handspiel gesehen, ich fand’s nicht so eindeutig, allerdings von Howard Webb sehr mutig, so gegen fast das ganze Stadion zu entscheiden.

    Wichtiger ist mir die Aussage, dass es diesmal ganz und gar nicht diesen vielfach behaupteten Gastgeber-Bonus gab. Webb hat irgendwie den Ruf der Zunft gerettet.

  13. Սաշա sagt:

    Ja, „eindeutig“, sagte ja auch schon der Kommentator des Spiels (Gottlob?). Dann muss es ja stimmen. Kann sein, dass das Handspiel aus der Sicht des Linienrichter oder des Schiedsrichters eindeutig war, die Zeitlupen vermochten das allerdings nicht nachzuweisen. Ich bin deshalb auch sehr unschlüssig und kann leoluca nur beipflichten. Nach den diversen Zeitlupen fand ich das alles andere als eindeutig.

    Die Arroganz und das Bashing gegen Brasilien ist mir auch aufgefallen. Ich wünsche mir jeden Tag mehr an dem ich anbiedernde Nullberichterstattung, überhebliche Kommentatoren und hämische Eventfans ertragen muss, dass die Häme bald die trifft, die es verdient haben.

    Allez les Fennecs!

  14. Ney sagt:

    Hat Spaß gemacht, Chile die Daumen zu drücken.
    Andererseits wäre es schade gewesen, begnadete
    Protagonisten wie Hulk bereits verabschiedet zu
    sehen.

  15. Klaas-Jan Huntelaar, Neymar da Silva Santos Jr. sagt:

    […] schrieb ich noch am Freitag. Aber als es schlecht aussah für Oranje stellte Van Gaal seine Mannschaft um, […]

  16. Rjonathan sagt:

    Ich habe es mir noch mal angeschaut (https://vine.co/v/MFh0zbq5XP7). Für mich berührt der Ball ganz eindeutig den Arm jenseits des Schlüsselbeins. Aber er klatscht halt auch genau auf diesen Grenzbereich. Insofern ist es knapp aber eindeutig. Gelb ist da vielleicht etwas zu hart. Aber Abpfeiffen muss er das.
    Oder anders: wenn er den Arm unten gelassen hätte, hätte er den Ball zwar berührt, er wäre aber in eine andere Richtung weggesprungen, weil der „Armteil“ der Berührung ihm erst die Kontrolle erlaubt hat.

    Aber gut. Jedem seine Meinung und Sicht. Am Ende ist Brasilien ja ohnehin weiter. Und ich finde: Auch wenn Chile sich das weiterkommen verdient hätte, Brasilien hat es sich auch verdient.

  17. Սաշա sagt:

    Auch diese Einstellung hilft mir nicht sonderlich weiter. Kann das nicht auch überwiegend die (regelkonforme) Schulter gewesen sein, die für die Richtung verantwortlich war?
    Wie auch immer, es war auch nach Ansicht der Zeitlupen eine Entscheidung, die ich schwierig finde. Howard Webb und seinem Team ist in diesem Fall so oder so kein Vorwurf zu machen. Eine insgesamt sehr gute Leistung des Schiedsrichtergespanns. Das ist immerhin etwas, das bei dieser WM selten genug der Fall war. Man freut sich schließlich noch immer über jedes Spiel ohne zählbare und entscheidende Fehler.

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