Klaas-Jan Huntelaar, Neymar da Silva Santos Jr.

Holland dreht das Achtelfinale gegen Mexico innerhalb von 6 Minuten, und ausgerechnet Klaas-Jan Huntelaar hatte maßgeblichen Anteil daran.

Klaas-Jan Huntelaar, der von seinem Trainer Louis van Gaal vermutlich nicht mal dann eingesetzt werden würde, wenn Robin van Persie, Leroy Fer und Dirk Kuijt von oben bis unten eingegipst werden müssten

schrieb ich noch am Freitag. Aber als es schlecht aussah für Oranje stellte Van Gaal seine Mannschaft um, beorderte Memphis Depay und Arjen Robben auf die Außen und stellte Klaas-Jan Huntelaar in die Mitte. Die Außen funktionierten sofort und waren der Schlüssel für Hollands Druck, an Huntelaar lief das Spiel anfangs noch vorbei. Am Ende standen nur 7 Ballberührungen für ihn zu Buche. Aber mit seiner Präzision bei der Kopfballvorlage zum Ausgleich, und mit seinem Selbstbewusstsein, den wichtigen Elfer in der Nachspielzeit zu verwandeln, trug er seinen Anteil am bislang erfolgreichen WM-Turnier Oranjes bei. Einen gewichtigen. Heel leuk!

Apropos Selbstbewusstsein: Neymar da Silva Santos Júnior weiß bei diesem Turnier zu überzeugen. Gerade 22 Jahre alt, jünger als Joel Matip, und trotzdem erwartet ganz Brasilien, dass er seine Mannschaft zum Weltmeister-Titel führt. Unter solch einem Druck solche Leistungen abzuliefern ist meines Erachtens überragend.
Auch in diesem denkwürdigen Spiel gegen Chile war er der Dreh- und Angelpunkt seines Teams. Es scheint als könne er tun und lassen was er will, und als seien es die Aufgaben von Hulk und Oscar, sich stets um ihn herum zu positionieren, mitzugehen. Dabei ist Neymar unglaublich schnell, versprüht Spielfreude, wirkt wie losgelassen.
Ich habe während diesem Spiel meine Daumen für Chile gedrückt. Aber Neymars Leistung, vor allem in der ersten Halbzeit, sein Selbstbewusstsein beim Elfmeterschießen, seine Schmerzen am Ende des Spiels, seine Tränen nach der Entscheidung, als deutlich wurde, welche Last von seinen Schultern fiel: Das alles hat mich beeindruckt.



7 Kommentare zu “Klaas-Jan Huntelaar, Neymar da Silva Santos Jr.”

  1. Սաշա sagt:

    Vollkommen richtig. Es ist beeindruckend, was Neymar bei diesem Turnier leistet – vor allem weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass er diesem Druck in seinem Alter schon gewachsen sein könnte.

    Allerdings steht dieses mangelnde Vorstellungsvermögen meinerseits bezüglich Neymar in einer langen Reihe von Dingen, die ich mir ebenfalls nicht vorstellen konnte.
    So konnte ich mir nicht vorstellen, dass er tatsächlich so gut ist, als über zwei bis drei Jahre hinweg sämtliche Sportzeitschriften immer wieder darüber spekulierten, wann und ob er den FC Santos verlässt, um den nächsten Schritt in Europa zu machen. Ich fand das reichtlich albern und übertrieben.
    Ich konnte mir selbst dann noch nicht vorstellen, dass er wirklich so gut ist, als ich in regelmäßigen Abständen Videoclips seiner spektakulären Tore sah. Ich schob das dann gerne auf die deplaziert bis abwesend wirkenden Verteidiger und kam zu dem Schluss, dass er diese Tore auch nur in der brasilianischen Zirkusliga schießt. Eine Einschätzung, die despektierlicher klingt als sie ist. Wer bereits so viele Nächte damit verbracht hat wie ich, südamerikanische Ligen und die Copa Libertadores zu schauen, der muss das sagen dürfen, denn er hat dafür einen hohen Preis gezahlt.
    Auch die Vorschusslorbeeren nach Bekanntgabe des Wechsels zu Barca sowie der Hype vor dem Confed Cup waren für mich in keiner vorstellbaren Weise zu rechtfertigen. Ich hatte aufgrund dieses Hypes schon fast eine Art Abneigung gegen dieses kleine tanzende Frettchen mit der eigenwilligen Frisur entwickelt.

    Ich musste meine Meinung dann allerdings ziemlich schnell revidieren. Schon während des Confed Cups kam mir der leise Verdacht, dass da doch etwas dran sein könnte. Seine erste Saison bei Barca war für einen Debütanten aus Südamerika mehr als ordentlich und seine bisherige WM ist nun wie erwähnt dennoch wieder jenseits von allem, was ich mir vorstellen konnte.

  2. blues sagt:

    „…im Strafraum ist er der Beste!“ (v. Gaal über Klaas-Jan Huntelaar)

    Vaan Gaal ist konsquent. Man sieht es ja auch auf Schalke. Wenn wir den Ball nicht in den gegnerischen Strafraum bekommen, spielen wir mit Huntelaar mit einem Mann weniger. Im gegnerischen Strafraum aber, macht Klaas-Jan Huntelaar den Unterschied.

  3. Rjonathan sagt:

    @Neymar (Torsten und Սաշա)
    Und ich finde es dazu noch extrem hervorhebenswürdig, wie mannschaftsdienlich sein Auftreten ist. Er arbeitet extrem viel defensiv mit und geht auch weite Wege. Ich finde ihn deutlich sympathischer als Messi.

    @Սաշա
    Von den Nächten mit lateinamerikanischen Fußball würde ich gerne mehr hören. Vor ein ein paar Jahren ging das Gerücht um, dass die mexikanische Liga und die brasilianische Liga deutlich aufholen. Die Brasilianer sind dieses Jahr aber schon alle aus der Copa Lib ausgeschieden. Die Mexikaner haben einen nicht unerheblichen Anteil von „Heimspielern“ in der Nationalelf und damit gestern ein ziemlich gutes Spiel gemacht. Wobei die Säulen trotzdem in Europa kicken.

  4. leoluca sagt:

    Das ist ja wie ein Endspiel – diesen Gedanken hatte ich mehrmals bei Brasilien-Chile. Und war danach quasi emotional erschöpft. Ein Riesenkick mit wenig Taktik und unglaublich großer Leidenschaft.

    Die Texte zu Neymars wirklicher Größe sprechen mir voll aus dem Herzen, da kann sich der Boulevard noch so bigott über seine Darstellungskunst echauffieren.

    Für den Hunter freut mich sein Erfolg sehr – und van Gaal ist eben ein gnadenloser Pragmatiker.

  5. Սաշա sagt:

    @RJonathan: Zur mexikanischen Liga kann ich nicht viel sagen. Die Aufmerksamkeit für den mexikanischen Fußball beschränkt sich bei mir auf gelegentliche Qualifikationsspiele zur WM und auf den Gold Cup. Ab und an sehe ich auch mal einen mexikanischen Vertreter in der Libertadores. Die Regelungen sind aber seltsam. So spielen Teile der mexikanischen Liga in der CONCACAF CL und andere eben in der Libertadores. Meiner Kenntnis nach spielen die besseren Teams aus Mexiko jedenfalls in der CONCACAF CL und sind damit nicht berechtigt Libertadores zu spielen.
    Dank der Qualifikationsspiele war ich in den letzten Wochen jedenfalls einigermaßen überrascht, wie sich Mexiko bei dieser WM präsentiert hat.

    Die brasilianische Liga kenne ich ebenfalls hauptsächlich über ihre Vertreter aus der Libertadores. Sehr unregelmäßig schaue ich mir auch mal ein Ligaspiel an. Bevorzugt sind das dann Derbys oder Spiele zweier Clubs mit großem Namen. In der Regel kommen die brasilianischen Vertreter in der Libertadores weit und ich würde es auch nicht zu hoch hängen, dass es in dieser Saison kein brasilianischer Vertreter bis ins Halbfinale geschafft hat. Das kann man vielleicht ein wenig mit dem diesjährigen Abschneiden der Premier League in Europa vergleichen. Die Qualität würde man der PL insgesamt wohl trotzdem nicht absprechen. So sehe ich die brasilianische Liga auch immer noch als die insgesamt stärkste südamerikanische Liga an.

    Einzelne Vertreter anderer Länder konnten allerdings immer wieder eindrucksvoll auf sich aufmerksam machen. Die 2011er Mannschaft von ‚La U‘ (Universidad de Chile) beispielsweise war so ein Vertreter. Sie gewannen mit taktisch hoch entwickelten Fußball und spielerisch sehr hoher Qualität die Copa Sudamericana und spielten 2010 und 2012 im Libertadores Halbfinale.
    Auch Newell’s unter dem mittlerweile ehemaligen Barca-Trainer Martino spielte 2013 gerade für argentinische Verhältnisse sehr ansprechenden Fußball und gewann hochverdient die Meisterschaft. Allerdings ist die argentinische Liga, die ich mir hauptsächlich anschaue, für europäische Fußballgemüter schwere Kost. Gestern bei Griechenland – Costa Rica fiel es einigen inkl. des Kommentators sehr schwer das Spiel zu ertragen, weil das eben nicht das Hin- und Hergerenne war, das alle gerne sehen wollen. Diesen Menschen empfehle ich dringend sich von jeder Art des südamerikanischen Vereinsfußballs so weit wie möglich fernzuhalten. Dort geht es nämlich, was das Spieltempo angeht, doch eher gemächlich zu.
    Gerade in den letzten Jahren entwickelte sich die Liga allerdings zu einer sehr spannenden, vor allem weil die Abomeister Boca und RiBer aktuell ihre Dominanz verloren zu haben scheinen. Für RiBer ging es sogar für eine Saison in die Nacional B, die 2. argentinische Liga.

  6. blues sagt:

    Wenn Huntelaar nochmal eine Vorlage von Gaal zugespielt bekommt, und diese dann ebenso gut nutzt, wie gegen Mexico, dann kriegt S04 am Ende der WM noch glatt 15 Mill. Euro Ablöse von einem englischen Scheichclub und Jan Klaas Huntelaar dort einen Rentenvertrag. Alles wird gut.

  7. leoluca sagt:

    Van Gaals Meisterleistung bestand diesmal darin, dass er die Trinkpause in der 75. Minute zu einer taktischen Neuausrichtung seiner Mannschaft nutzte. Das hat sogar van Gaals Intimfeind, Johan Cruyff, zu einer direkt an van Gaal gerichteten Lobeshymne veranlasst.

    Cruyff in seiner Telegraaf-Kolumne:
    „Ich habe die schönsten 20 Minuten der WM gesehen. Die letzten 20 Minuten haben gezeigt, wozu du imstande bist.“

    Van Gaal über Huntelaar:
    „Ich musste Huntelaar nicht viel erzählen. Klaas weiß genau, was wir von ihm erwarten. Er hat es großartig gemacht.“

    Inzwischen hat sich auch die kleine Geschichte rund um den Elfer herumgesprochen: Robben ist eigentlich der im Team vorgesehene Elfer-Schütze, er ging aber zum Hunter und fragte „Willst du ihn schießen?“
    Dazu Huntelaar nach dem Spiel: „Wahrscheinlich hat Robben nicht gewusst, dass ich den letzten Elfer für Schalke verschossen habe.“

Schreibe einen Kommentar