Deutschland kämpft sich erdig Richtung WM-Titel

Deutschland gewinnt 1:0 gegen Frankreich und steht damit im Halbfinale. In einem der am wenigsten spektakulären Spiele dieser WM war Deutschland von zwei gut organisierten Teams das einen Tick bessere.

Das Tor fiel nach einer Standardsituation in der 12. Minute. Das nächste Mal schoss Deutschland in der 82. Minute auf das Tor der Franzosen. Auf der anderen Seite gab es mehr Schüsse zu verzeichnen, wirklich gefährlich war aber eigentlich nur Karim Benzemas Chance in der Nachspielzeit, die Manuel Neuer nur mit einer überragenden Reaktion zu Nichte machen konnte.

Alles andere war gute Defensive, nicht mehr aber auch nicht weniger. Mats Hummels war überragend, Benedikt Höwedes nahezu fehlerfrei, die anderen deutschen Spieler standen den beiden kaum nach. Wenn das so funktioniert, wenn das Defensivverhalten so gut ist, dass man sich eine Offensive mit wenig Glanz leisten kann, ist Deutschland tatsächlich ein WM-Favorit.

Seit 1972 war Deutschland noch nie so lange ohne Titel bei Welt- oder Europameisterschaften wie jetzt. Von 1996 bis 2006 wurde gehadert, seitdem ging es Fußballdeutschland trotzdem gut. Denn unter Klinsmann und Löw wurde plötzlich mitreißender und offensiver Fußball geboten. Im achten Jahr unter Joachim Löw scheint die Mannschaft nun reif für den Titel zu sein, aber eben nicht im so lange gefeierten löw’schen Spielstil, sondern auf so zweckmäßige Art wie zuletzt unter Berti Vogts.
Verrückte Geschichten schreibt er, der Weltfußball.



18 Kommentare zu “Deutschland kämpft sich erdig Richtung WM-Titel”

  1. Jens sagt:

    Höwedes‘ Leistung sehe ich eher gemischt: In der Absicherung und im Zweikampf stark, dafür aber mit einigen leichten und vor allem gefährlichen Fehlpässen.

  2. ReinerEdelmann sagt:

    Sehe ich wie Jens – zudem Null Unterstützung für den offensiven Bahnspieler.

    In der Nationalmannschaft kann das funktionieren (sieht man ja!), in der BuLi oder CL sicherlich nicht.

  3. Rjonathan sagt:

    Ja wirklich lustig. Man kann mit Hurra-Fussball wohl tatsächlich keinen internationalen Blumentopf gewinnen. Siehe auch BVB und Atletico.

  4. Watson04 sagt:

    @ReinerEdelmann da hatte ich eher eine andere Wahrnehmung, nämlich, dass Höwedes sehr unter der nicht vorhandenen Defensivarbeit von Özil zu leiden hatte. Dazu kommt, dass Özil auch nach vorne kaum stattfand, und somit nicht für Entlastung sorgte. Unter dem Aspekt sollte man Höwedes‘ Leistung eigentlich noch höher bewerten.

  5. ReinerEdelmann sagt:

    @Watson,

    ich verfolge die WM nur minder aufmerksam, hatte aber das Gefühle, dass Özil für seine Verhältnisse gut nach hinten gearbeitet hat. Es ist in jedem Fall ein Unterschied, ob ich hinter mir Lahm oder Benny auf der Seite habe – zumal links, wo Höwedes auch flankentechnisch nichts kaputt machen kann.

    Anyway, wir führen gerade 2:0! Was steht auf jeder Kordel? DJK TuS Hordel!

  6. Seba sagt:

    Von „Kämpfen“ will ich nicht reden…andere zeigen doch noch einiges an Herzblut mehr als wir.
    Ewiges Thema im Büro: „Warum singt kaum einer die Nationalhymne mit?“
    Wenn man z.B. Italien sieht ist man mehr als bewegt, wenn die Jungs vor Stolz fast platzen, dass sie mitsingen dürfen. Und bei uns? Hach ja…

  7. Սաշա sagt:

    Eigentlich hatte ich für diese WM fast schon meinen Frieden mit Oranje gemacht. Aber was Robben im Spiel gerade durch Schwalben an Freistößen schindet, ist so widerlich, dass ich der niederländischen Mannschaft sportlich nichts Gutes wünschen kann. Nach dem letzten Spiel entschuldigte sich Robben noch für eine Schwalbe. Heute zeigt er, wie ernst man das nehmen darf und das seine Reue genau so schäbig geschauspielert ist wie seine Schwalben.

    Wenn man Suarez für sein Unsportlichkeit – zu Recht – aus dem Verkehr zieht, warum dann nicht auch den notorisch fallsüchtigen, widerlich unsportlichen Robben?! Man muss sich das einfach auch mal ganz klar vor Augen führen: er will durch klare Unsportlichkeiten den Schiedsrichter täuschen, damit seiner Mannschaft ein regelwidriger Vorteil zukommt und die gegnerische Mannschaft unrechtmäßig benachteiligt wird. Er nimmt dies nicht nur in Kauf, er legt es gerade darauf an!

    Deshalb und aufgrund der Tatsache, dass er es ständig macht, finde ich es sogar schlimmer als das was Suarez gemacht hat. Bei dem waren einfach nur sämtliche Lichter aus und er bzw. Uruguay hatte davon nichtmal einen Vorteil, Italien hatte auch keinen Nachteil.

  8. leoluca sagt:

    Habe keine einzige Schwalbe von Robben gestern gesehen. Kein einziger Freistoß nach Foul an ihm war unberechtigt. Dass Robben aus einem Foul mehr Dramaturgie macht als nötig, ist eine andere Frage und gefällt mir auch nicht immer. Im Spiel gegen Mexiko fand ich die halbe Schwalbe von Robben, die zum entscheidenden Elfer führte, irgendwie gerecht, nachdem Holland vorher ein klarer Elfer (Foul an Robben) verwehrt worden war.

    Stürmer und angebliche Schwalben, ich denke, in dieser Diskussion steckt mehr drin als nur die Frage nach Unsportlichkeit.

    Ich finde zum Beispiel, dass in diesem Video hier Gary Neville nah an die Wahrheit rankommt, wenn er über lazy legs redet, und das Stürmer sie natürlich suchen. Die richtig guten Stürmer können lazy legs herstellen. Vielleicht gehört das zum Spiel eines Stürmers dazu, wie Ballannahme und Abschluss.

  9. thoschl sagt:

    @Սաշա: Du schreibst, wie du’s verstehst

    es geht hier doch eigentlich um den Einzug der DFB Elf ins Halbfinale oder nicht?

    Zu Robben: Finde ich klasse. Zug zum Tor. Kämpft immer. Absoluter Vollprofi. Natürlich zieht er in den Strafraum und will eine Aktion notfalls ein Foul. Ist ja nicht so, dass der Elfmeter gegen Mexico völlig unberechtigt war. Du weißt schon, dass er sich für eine andere Aktion entschuldigt hat?

    Und wenn Robben für Bayern einen Elfer schindet und sich flach legt und damit das Spiel entscheidet, freue ich mich genauso, wie das ganze Land 1990 über die Schwalbe Völlers. Da hat sich ja auch niemand beschwert. Es wurde sogar der Titel damit entschieden.

  10. Սաշա sagt:

    Hier wird immer auch mal zu anderen Spielen geschrieben (sieht man auch, wenn man regelmäßig hier mitliest). Es ist eben gerade der aktuellstes Eintrag zur WM.

    Zu Robben: Also wenn das vor Sneijders Freistoß an den Pfosten keine Schwalbe war, dann hinterfragt einfach mal eure Definition einer Schwalbe. Nicht immer, wenn es einen Kontakt gab, schließt das auch eine Schwalbe aus. Wenn man nämlich wie Robben schon am Spieler vorbei ist und dann den Fuß des Gegners regelrecht sucht und findet, dann ist auch das eine Täuschung.

    Ich habe Völlers Schwalbe noch nie gut geheißen. Im Gegenteil. Aber so ist das eben: Solange man auf der „guten“ Seite der Fehlentscheidungen steht, wie es die Deutschen fast immer tun, legt man sich ein eigenes moralisches Gefüge zurecht, das widerliche Unsportlichkeiten von widerlichen Typen wie Robben rechtfertigt. Tolles Beispiel dafür! Danke, thoschl! Nur dass es tatsächlich Robbens Unsportlichkeit gar nicht rechtfertigt, sondern lediglich Dich als ebenfalls unsportlich entlarvt. Wer sich über Schwalben freut, hat an fairem Sport ohnehin kein Interesse.

  11. Սաշա sagt:

    Gerade habe ich mir noch das Video mit Gary Neville angesehen. Ja, genau das meine ich übrigens. Gleich die erste Szene, die Neville kommentiert: Wenn man wie der Spieler im Video realisiert, dass man den Ball nicht mehr bekommt und dann das Lazy Leg sucht, dann ist man ein dreckiger, unsportlicher Bastard und bekommt von mir ganz sicher keinen Applaus dafür, dass man ach so clever ist. Und wenn Robben das im Spiel gegen Costa Rica alle zwei Minuten macht, weil er auch schon gemerkt hat, dass sein Team aus dem Spiel wohl an diesem Tag nicht mehr trifft, dann ist er ein unsportlicher, dreckiger Bastard, der für mich gesperrt gehört und nicht auf ein Podest gehoben, weil er die wichtige Eigenschaft des „Lazy Leg“-Herstellens und -Findens beherrscht.

  12. hellwach sagt:

    @Սաշա

    Ich mag keinen Schwalben-Schinder. Darum mag ich -auch- Robben nicht, bedauere ganz besonders, dass so ein großartiger Sportler und toller Fußballer Dinge tut, die er überhaupt nicht nötig hat.

    Aus dem selben Grund verabscheue ich die Spiele(r) Brasiliens. Ich empfinde Hulk, Fred, Marcello und Co als höchst unsportlich. Ganz gleich, ob taktisches Foul oder Forderung einer gelben Karten für den Gegner (Rafinha läßt grüßen).

    Das Fehlverhalten dieser unfairer Sportler ist unbedingt zu verurteilen. Auch nur einen von Ihnen als „dreckicken Bastard“ zu bezeichnen ist -wohlwollend bewertet- pubertäres Lamento. Zuletzt habe ich jedenfalls eine solche Wortwahl bei Karl May gelesen. Bevor ich erwachsen wurde.

  13. Simon sagt:

    Natürlich sind Schwalben nicht schön, genausowenig wie die anderen schauspieltechnischen Einlagen. Ich bin auch froh, dass wir auf Schalke keinen ausgewiesenen Schwalbenkönig im Kader haben. Oder sehe ich das durch die blau-weiße Brille zu geschönt? Was meint Ihr?

    Ich finde aber, dass die ganze Debatte sich zu einseitig auf Robben konzentriert. Ein Spieler von Costa Rica (Marco Ureña ?) hatte in der Verlängerung versucht, mit einer Schwalbe, gegen die jedes Lazy-Leg-Suchen von Robben und anderen ein Witz ist, einen Elfer rauszuholen. Darüber redet hinterher aber irgendwie kaum jemand – genauso wenig wie über die ständigen Versuche der halben Mannschaft von Costa Rica bei jeder Gelegenheit auf dem Boden wälzend Zeit zu schinden, um sich irgendwie ins Elfmeterschießen zu retten.

    Ich finde aber auch, dass das Hauptproblem bei dieser WM weniger Schwalben sind (wurde bisher auch nur ein Spiel dadurch entschieden?), sondern das nichtgeahndete Rumgerumpel im Mittelfeld. Costa Rica konnte am Ende froh sein, dass sie die Partie mit 11 Mann beenden durften. Mindestens Júnior Díaz hätte zwingend Gelb-rot sehen müssen, aber taktische Fouls werden kaum mal mit Gelb geahndet bei diesem Turnier – um dann Tiago Silva wegen nichts für das Halbfinale zu sperren. Dass Neymar nun ins Krankenhaus getreten wurde, war – hier kann man sich tatsächlich mal Scholl und Urs Meier anschließen (sic!) – abzusehen. Ich habe nichts gegen harten physischen Einsatz beim Fußball. Aber hier wurde es von einigen Spielen doch wirklich übertrieben (siehe auch die nichtgeahndeten Tätlichkeiten der Franzosen im Spiel gegen Ecuador!).

    Die Verletzung von Neymar macht für mich das Turnier ein wenig kaputt – viel mehr als ein Freistoßsuchen von Robben – so lange kein Spiel durch eine klare Schwalbe entschieden wird. (Nein, Mexiko-Niederlande zählt da für mich eindeutig nicht zu. Das war ein Elfer, den man durchaus geben kann, strenggenommen geben muss). Wirklich ekelhaft fand ich die freulockenden Zeitungsüberschriften in dem ein oder anderen deutschen Blatt am Wochenende. Bei mir hat das jedenfalls dazu geführt, dass meine Sympathien für morgen abend klar verteilt sind…

  14. Ney sagt:

    Brasilien praktizierte gegen Chile und Kolumbien
    eine ordentliche Treterei, dazu häufig die bereits
    vor der WM erwarteten taktischen Fouls. Nachdem ihr
    eigener Spieler der Treterei zum Opfer gefallen
    ist, ergeht sich die brasilianische Presse in
    Kriegsmetaphorik und der Trainer in Verschwörungstheorien.

    Ich fürchte, dass sie annehmen, im Halbfinale einen
    Bonus für noch mehr Knüppelei zu haben und entsprechend
    zulangen. Der Schiedsrichter der Partie hat bereits
    Italien-Uruguay gepfiffen, was nicht unbedingt eine
    Empfehlung ist.

  15. Ney sagt:

    @Simon
    Welche Blätter haben frohlockende Überschriften verfasst?

  16. Simon sagt:

    Ich finde das Bild, auf das Jakob Augstein hingewiesen hat, schon ziemlich daneben:

    https://fbcdn-sphotos-d-a.akamaihd.net/hphotos-ak-xpf1/t1.0-9/10347477_781443685233895_2189869804494978329_n.jpg

    Und als ich gestern morgen beim Bäcker war, konnte ich einer Grafik auf dem Titel des Kölner Stadtanzeigers (glaube ich. ansonsten war es der „Express“) ebenfalls entnehmen, dass „wir“ „uns“ zu freuen hätten, weil „wir“ durch die Verletzung von Neymar nun dem WM-Titel ein gutes Stück näher gekommen seien. Ok: Fairerweise sei angemerkt, dass in der gleichen Grafik als gleichgewichtete Faktoren auch angeführt wurde, dass Jogi Löw den Spielern ihre Frauen und Freundinnen zuführt, um sie mit ein wenig Sex zu belohnen und weiter anzuspornen (findet das eigentlich noch jemand so entwürdigend für Spieler wie Frauen wie ich?) und das Schweini nun endlich kämpft. In günstigem Licht betrachtet könnte man also dahinter eine Satire vermuten – ein Blick auf die um mich herum Stehenden dort ließ mich aber vermuten, dass jegliche satirische Absicht beim Großteil des WM-Volkes z.Zt. wohl dazu verurteil ist, ins Leere zu laufen. ;)

    Statt frohlockende Überschriften wäre es also korrekter gewesen, frohlockende Grafiken zu schreiben.

  17. leoluca sagt:

    Jenseits von albernem Triumpfgeheule und langweiligen Homestories gibt es zum Glück genug andere Medien, die sich wirklich den Kopf machen über die Chancen der deutschen Mannschaft, Weltmeister zu werden. Da ist gedämpfter Optimismus vorherrschend, den ich für angebracht halte.

    Die deutsche Mannschaft hat gegen Frankreich ihre Defensivordnung gefunden und der berühmte Satz ist ja nicht ganz falsch, dass die Mannschaft mit der besten Defensive diesmal Weltmeister werde.

    Hinzu kommt, dass die Nationalelf viel reifer wirkt als vor 4 oder 2 Jahren und sie tatsächlich in der Lage ist, ihre Schwächen (das Fehlen von Reus, das fast nicht vorhandene Aufbauspiel über Außen, Özils Formkrise und falsche Positionierung etc.) zu kompensieren. Sie hat zwar nicht solche Genies wie Robben oder Neymar im Kader (außer Neuer), aber sie hat über ihre Schlüsselspieler (neben Neuer: Hummels, Schweinsteiger, Müller) vermittelt einen großen Teamspirit, ein starkes Selbstbewußtsein verbunden mit Kampfgeist.

    Überspitzt gesagt, hat sich Löw, um Erfolg zu haben, vom konsequenten Angriffs- und Kombinationsfußball verabschiedet und greift auf die legendären „deutschen Tugenden“ zurück. Torsten beschreibt das in seinem Kommentar treffend.

  18. Սաշա sagt:

    @hellwach:
    Okay, man muss ja auch mal an die Kinder denken. Ich nehme das mit dem dreckigen Bastard deshalb zurück und ersetze es durch „kein Gentleman von jenem Schlage, wie ihn Hellwach als kleines Mädchen immer heiraten wollte“. Darüber hinaus sehe ich keine Notwendigkeit, meine geistige Reife unter Beweis zu stellen, indem ich mich in einer informellen Internetkonversation über zugegebenermaßen aufregende und mitreißende Banalitäten wie Fußball in ein Sprachkorsett zwänge. Wer das nötig hat, soll das bitte machen. Ich weise dennoch darauf hin, dass zumindest ich die geschriebenen Beiträge eher nach ihrem Aussagegehalt bewerte und weniger Wert auf den Ausdruck lege.

    @Simon:

    Robben als Beispiel habe ich unter dem direkten Einfluss des Spiels genannt. Das soll keineswegs bedeuten, dass es keine anderen unsportlichen Spieler gibt, die Schwalben aber auch andere fragwürdige Aktionen als legitimes Mittel ansehen. Das Zeitspiel vor der 90. Minute gehört für mich allerdings nicht dazu. Da braucht es einfach nur mutige Schiedsrichter, die notfalls auch acht Minuten nachspielen lassen. Dann merkt auch irgendwann der letzte Spieler, dass es sich nicht lohnt.
    Der Elfmeter gegen Mexiko war für mich übrigens keiner. Ich sehe ein, dass dort ein Kontakt vorlag, möchte deshalb auch gar nicht auf eine Schwalbe hinaus (wie er sie früher im Spiel ungestraft gezeigt hat, was er sogar zugab). Aber für einen Elfmeter reicht es für mich nicht. Nicht für einen der Kategorie „kann man geben“ und schon gar nicht für einen der Kategorie „muss man geben“.

    Ein ganz anderes Thema sind die gelben Karten. Was die Zurückhaltung der Schiedsrichter bei Verwarnungen angeht, dachte ich zunächst noch an „Einzeltäter“, die ihre Spiele einfach schlecht leiten. Mittlerweile muss man dies allerdings anders bewerten, da es sich wie ein roter Faden durch das gesamte Turnier zieht. Gerade in der Anfangsphase der jeweiligen Partien verzichteten die Schiedsrichter darauf, das oftmals wichtige Zeichen zu setzen. Mit zum Teil verheerenden Folgen.

    Die Spiele, die wir in der Folge zu sehen bekamen, waren oft zerfahren, weil zwar schon noch Foul gepfiffen wurde, nur eben ohne die angebrachte Konsequenz durch den Schiedsrichter. Die Spieler haben das sehr schnell begriffen und sich diese Situation häufig zunutze gemacht. Mutmaßlich soll es sich dabei wie schon oft vermutet um eine interne FIFA-Anweisung handeln.

    Die Verletzung von Neymar sehe ich allerdings nicht in dieser Reihe. Dass es ein Foul war, dürfte außer Frage stehen. An diesem Punkt fängt allerdings schon der Fehler des Schiedsrichters an. Das hat er nämlich gar nicht gesehen und nicht einem Freistoß gepfiffen. Mit der möglichen Anweisung vom Weltverband hat es deshalb auch nichts mehr zu tun. Dass es in einem WM-Viertelfinale mal zu so einem Zweikampf kommen kann, halte ich jedenfalls auch unter „normalen“ Bedingungen für möglich. Nur sollte das dann auch entsprechend mit einer Karte geahndet werden. Trotz der tragischen Verletzung, die auch mir ein wenig diese Schlussphase der WM verdirbt, würde ich es aber bei einer gelben belassen. Das Knie gehört da sicher nicht hin, aber dass sich dabei gleich ein Spieler einen Wirbel anbricht gehört für mich nicht zu den typischen Folgen eines solchen Zweikampfes, was es umso bitterer macht.

    Denn jetzt kommen wir zu leolucas Beitrag: Die deutsche Defensivarbeit ist für mich neben der von Oranje die Beste – jedenfalls will ich das für die Franzosen hoffen, denn sonst gibt es für deren weitestgehend harmloses Spiel keine Entschuldigung. Brasilien hätte gerade deshalb einen Neymar in der aktuellen Form bitter nötig gehabt. Ob es auch ohne ihn ein spannendes Spiel werden kann? Ich bin eher pessimistisch.

    Wer mir im Viertelfinale auch erstmal gut gefallen hat, sind „meine“ Argentinier. Da war endlich mal ein Zusammenspiel in der Offensive zu erkennen und der Defensivverbund hat trotz oder gerade wegen (ich bin mir noch nicht sicher) Demichelis sehr gut gehalten. Auch wenn die Verletzung Neymars schwer wiegt: Die Freude auf die Halbfinals überwiegt am Ende doch.

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