Der eingebrannte Abend

7:1. Ein schier unvorstellbares Ergebnis bei einem Halbfinale gegen Brasilien, in Brasilien.

Das alles passierte einfach so. Wahnsinnig schnell. Eine Standardsituation zur 1:0 Führung. Danach einige Balleroberungen, als Brasilien in der Vorwärtsbewegung war, was Raum schuf. Raum, der mehrmals in der gleichen Form genutzt wurde: Pass nach außen, der Passgeber verlangsamt sein Tempo und entzieht sich der Übernahme durch den Innenverteidiger, Pass zurück, freier Zugang zum Tor. Es war nicht schwer zu verstehen, was man da sah. Es war nur kaum zu begreifen.
Alles schien überraschend einfach. Alles war einer Maschine gleich effektiv. Alles das führte früh zu einem Ergebnis in einer unglaublichen Dimension.

Ein Spiel, ein Ereignis, ein Abend, das und den keiner von uns jemals wieder vergessen wird. Weltmeisterschaften schaffen Erinnerungen. Ich habe dieses Spiel im Kreis meiner kleinen Familie erlebt. Meine Tochter (6) konnte sich nach dem 5:0 nicht mehr wach halten, verabschiedete sich aber mit der Bemerkung, dass sie sich sicher sei, dass Deutschland das schon gewinnen und nach dem Halb- auch ins Vollfinale einziehen würde. Mein Sohn hatte früh Mitleid mit den weinenden Brasilianern. Meine Frau feierte jedes Tor wie das erste. Und ich trank erstmals überhaupt ein „Augustiner Edelstoff“, empfand es als furchtbar dünn, plörrig, unwichtig, und werde wohl auch das nicht mehr vergessen können.

Und wie habt ihr das erlebt?



37 Kommentare zu “Der eingebrannte Abend”

  1. johajoha sagt:

    Danke für den blitzschnellen Text zum Spiel. Ich habe das Spiel um 5 Uhr morgens (Japan) alleine daheim geschaut. Leider ohne ein Bier, weil ich ziemlich direkt nach dem Abpfiff zur Arbeit musste. Kloses Rekordtreffer meldete ich sofort meiner schlafenden Frau (großer Fan von Klose), sie lächelte kurz: „Salto?“. „Diesmal nicht.“ Und schlummerte dann weiter. Danach habe ich angefangen, Hemden zu bügeln und die Lunchbox vorzubereiten. Musste bis zum fünften Tor oft an das 4:4 gegen Schweden denken. Im Nachhinein wohl ein Segen, dass es das Spiel gab. Kurz nach dem 6:0 rief mein Vater an.

    Vater: „Wo bist Du?“

    Ich: „Zu hause.“

    „Und? Was sagst Du?“

    „Verrücktes Spiel. Passiert nicht so oft.“

    „Ich bin völlig aus dem Häuschen. Musst auch gleich zur Arbeit, oder?“

    „Ja. Muss gleich los.“

    „Na, dann. Rufe heute nochmal an.“

    „Alles klar. Oh, jetzt sieben.“

    „Was? Bis nachher!“

    Nach dem Abpfiff von Länder- und Schalkespielen telefonieren wir schon öfters, aber während eines laufenden, wichtigen Spiels hatte er mich das letzte Mal beim 5:2 gegen Mailand angerufen.

    Ein schöner, entspannter Fußball…morgen.

  2. derwahrebaresi sagt:

    nichts gesehen und das ergebnis heute morgen im vorübergehn zur kenntnis genommen. die nutellaboys sind mir wumpe. meine mannschaft ist noch im tunier, mal schauen was die gauchos heute machen.

  3. Stollengewitter sagt:

    @Torsten Augustiner Lagerbier Hell…eiskalt im Weizenbierglas ist was ganz feines. Kann ich nur empfehlen, für den Pilstrinker aber erstmal ungewohnt dünn.

  4. Christian sagt:

    Gestern Morgen. Sohnemann (6 Jahre), jedes Spiel um 18.00 Uhr geschaut, die unseren bis auf das Achtelfinale sowieso. Untröstlich, dass das Halbfinale so spät. Papas Plan: „Geh um sieben ins Bett, ich weck Dich zum Anstoß.“ Plan gegen halbherzigen Widerstand vom Mama umgesetzt. Mit Blick auf das im Kreis Grinsen meines Sprösslings fand ich gestern Abend, ich hatte selten eine bessere Idee…

    @Augustiner: „dünn + plörrig“??? Hab ich ja noch nie gehört. ich kenn einige, denen ist es zu intensiv – Trinke ich übrigens lieber kellerkühl als eiskalt, dann kommt es besser zur Geltung. ich find es süffig und vollmundig. Wir üben das nächste Woche vor Ort nochmal :-)

  5. eakus1904 sagt:

    Zu Hause entspannt auf der Couch. Am Nachmittag noch mit nem Arbeitskollegen über die späte Anstoßzeit gesprochen und den launigen Spruch „Wenn es in der Halbzeit 5:0 steht, dann geh ich ins Bett“ rausgehauen. Tja, was soll ich sagen,heute bin ich ausgeschlafen! :-)

    Nein, ich hab natürlich bis zum Ende geschaut,kann es aber immer noch nicht so richtig fassen, was da denn passiert ist. Definitiv ein Spiel,an was man sich noch in 25 Jahren erinnern wird.

  6. Redondo sagt:

    Probiere doch zum Finale mal ein Tegernseer Hell!

    Das war wirklich ein erstaunlicher Fußballabend. Ein Spiel, von dem man auch in 50 Jahren noch reden wird. Auf einer Stufe mit Bern 1954, München 1974 oder das Achtelfinale 1990.

  7. Mario sagt:

    Ich habe allein zu Hause geschaut.
    Nach 10 Minuten dachte ich: oha, da kommt was auf uns zu, die Brasilianer machen Ernst und können doch etwas mehr, als bisher gezeigt.
    Nach 15 Minuten habe ich gedacht: sind die Brasilianer bekloppt? Warum rennen die bei 0-1 alle wie vogelwild nach vorne, ist doch noch reichlich Zeit für das Ausgleichstor.

    Danach war vorbei mit Denken…

    Ich war kein großer Fan unserer Nationalelf, aber das gestern hat mich bekehrt.
    Das Spiel war klasse, das Auftreten auch, sie sich haben auch nach dem siebten Tor nicht überheblich oder schadenfroh gezeigt, von der Kriegsmimik, die manche Spieler anderer Mannschaften gezeigt haben, war gottlob nichts zu sehen.
    Ein schöner Beweis dafür, dass auch eine Seriösität ausstrahlende Mannschaft begeistern kann.
    Es hätte zweistellig enden können, wenn Deutschland von der 46. bis zur 6-0-Minute nicht den Höflichkeitsmodus eingeschaltet hätte.
    Gut, dass es nicht so gekommen ist.
    Wenn jetzt auch noch alle die Hymne mitsingen würden, gäb´s gar nix mehr zu meckern, das mache ich ja sogar alleine vor dem Fernseher ;-)

    Frappiernd war allerdings auch die Hilflosigkeit der Brasilianer, mir kam es vor, dass die nach dem 0-1 nicht wussten, wie es weiter gehen soll. Es machte den Eindruck, als sei die Möglichkeit eines Rückstandes im Vorfeld der Partie nie in Betracht gezogen worden.

    Zur Verpflegung: Schokkelade, Schippse, kandierte Nüsse und zur Gewissensberuhigung zwei Flaschen Mineralwasser, alles wohlweislich schon vor dem Anpfiff passend drapiert.
    Bei Eurer Bierdiskussion bin ich raus, mir schmeckt das nicht, und Schnaps unter der Woche ist tabu.

    Und was mir ganz nebenbei aufgefallen ist: die Einlaufkinder schaffen manchmal das, was sonst keiner schafft: sie lenken die Spieler ein wenig ab und bringen sie manchmal auch zum Lachen oder Scherzen. Schön, dass für sowas bei aller zeitlicher Planung und allem Tamtam noch Platz ist!

    Jetzt mal den Abend abwarten, und dann vorfreuen!

    Grüße,

    Mario

  8. Voice sagt:

    Ich habe in meiner alten Stammkneipe mit ein paar Bekannten/Freunden geschaut. Da ich mittlerweile in der Nachbarstadt wohne fuhr ich mit dem Auto und gönnte mir ein einziges Altbier (soviel zur Bierdiskussion).

    Benedikt Höwedes hat ja vor ein paar Tage gesagt „wir nähern uns dem perfekten Spiel“. Tja, gestern war es soweit! Gegen die entblöste und völlig indisponierte Abwehr sah es kinderleicht aus, was die schwarz-roten da veranstalteten. Die Brasilianer hatten tatsächlich kein Rezept nach dem Rückstand, Plan B war nicht vorhanden. Zur fehlenden/falschen taktischen Ausrichtung kamen ein paar haarsträubende individuelle Fehler und nach dem 3-0 sind sie zusammengebrochen wie ich es selten erlebt habe. Sie und die erwartungsvollen Fans taten mir schon ab dem 2-0 leid. Bei den Fans relativierte sich das nach deren unfairen Behandlung einzelner Spieler.

    Niemals, wirklich nie und nimmer hätte ich gedacht, dass es in einem WM-Halbfinale, ganz gleich bei welcher Paarung, zu so einen Spiel kommen könnte.

    Mit Sicherheit war es das beste Länderspiel, das ich jemals gesehen habe. Respekt.

    Schön, das Julian auch noch sein WM-Debüt geben durfte, ein klasse Pass auf Özil gab es obendrein.

    Aber die überschwängliche Freude löst so ein Länderspiel bei mir irgendwie nicht aus, das bleibt Schalke vorbehalten. Auch werde ich nach einem evtl. Sieg am Sonntag nicht feiern gehen. Dieses schwarz-rot-goldene Getümmel liegt mir eher nicht. Ich weiß zwar, dass es -bis auf ein paar Idioten- niemand nationalistisch meint, aber ich halte mich trotzdem raus. Ich gönne aber allen ihre Freude, Böller und Autokorsos und erfreue mich am schönen und erfolgreichen Spiel. Sicherlich war das gestern der Höhepunkt dieser WM und versöhnt mich ein bißchen mit den schwachen Vorstellungen in den Viertelfinalspielen.

    Hoffentlich gibt es heute Abend auch ein Spektakel, es darf aber ruhig etwas ausgeglichener und spannender werden, bitte.

    @Torsten: Der Vergleich mit der Maschine gefällt mir gut. Ich finde, das gilt nicht nur für das Spiel sondern auch für das Verhalten und die Kommentare danach. Immer schön auf dem Boden bleiben und sofort an Sonntag denken. Das nenne ich konzentriert und fokussiert. Emotional schöner fand ich trotzdem die ausgelasseneren Reaktionen anderer Teams. Aber so ist man wohl erfolgreicher (hat der Bayern-Block schon alle anderen auf Spur gebracht?). Das Emotionale bekommen wir dann hoffentlich Sonntag ab 22.50 Uhr zu sehen…

  9. wilbor sagt:

    Vollfinale ist super. Mein Sohnemann nennt uns die Deutschländer.
    Passt. Deutschländer im Vollfinale – noch nirgends gelesen, trotz Twitter und WhatsApp Rekord.

  10. leoluca sagt:

    Der Vergleich mit einer Maschine ist mir etwas unheimlich. Obwohl, es war ja so. Es lief alles wie am Schnürchen und alles so unglaublich rund, leicht und einfach. Haben wir vielleicht das perfekte Spiel gesehen?

    Den Brasilianern kann man vielleicht den britischen Humor anempfehlen, um dieses Debakel zu verkraften. Eine der großen Zeitungen des Landes hat es jedenfalls damit schon mal versucht: „Okay. Brasilien hat dieses Spiel verloren, Deutschland aber zwei Weltkriege.“

  11. Ney sagt:

    4 auf Schalke groß gewordene Spieler am Ende auf dem Platz, das hat doch was.

  12. #Link11: Samba aus Greifswald | Fokus Fussball sagt:

    […] 4. Weitere Reaktionen: Die internationale Presse überschlägt sich mit Lob für die deutsche Elf (Sportschau). Der Fehlpass-WM-Podcast spricht knapp 38 Minuten über die 90 Minuten von gestern Abend, 7 Dinge über 8 Tore gibts bei Zum Blonden Engel. Ein “surreales Fußballspiel auf allerallerhöchstem Niveau” sah Trainer Baade, ein Abend, der sich eingebrannt hat, konstatiert Torsten Wieland auf seinem Königsblog. […]

  13. Manfred sagt:

    Brasilien hatte aber so gar keine Neymarqualitäten^^.
    Ich tippe – wie dein Büroorakel – auf Argentinien als Endspielgegner, aber rechne verschärft mit einer niederländischen Mannschaft im 2010er Finalmodus, will sagen: vier Platzverweise (3x NL, 1x ARG), 16 x Gelb, Messi in der 75. Minute von Robben mit Kranichkick entmannt und der Hunter verballert den entscheidenden Elfmeter. So ungefähr jedenfalls. Wird sicher lustig.
    Wo ich war? Am PC. Alleine. Grad geschaut mit BBC-Kommentar.
    Und warum wird eigentlich nirgends diese großartige Vorarbeit Müllers zum 7:0 gewürdigt? Mach ich das hier mal :)

  14. Maddin sagt:

    @derwahrebaresi

    ging mir ähnlich.
    Wenn es einen Fussballgott gibt, dann wird Amsterdam das neue Stalingrad. Mir geht diese wieder einmal einsetzende deutsche Grosskotzigkeit so dermaßen auf den Sack dass ich mir nicht lieber wünsche als das grossdeutsche Scheitern im Finale gegen Holland.
    Facebook, Twitter & Co zeigt in den letzten Stunden mal wieder dass es noch was Schlimmeres gibt als schlechte Verlierer: miese Gewinner

  15. Erle72 sagt:

    @Fußballgötter, Großdeutsche und Stalingrad.
    Ey werd mal locker, es ist „nur“ Fußball. Das gestern war ein selten gesehenes Spielexemplar mit vielen wunderbaren Spielszenen – egal welche Trikots da rumliefen. Einfach mal auf Facebook, Twitter & Co verzichten und sich auf das Wesentliche konzentrieren… mindestens 90 Minuten.
    Hoffentlich gibt es heute um 10 noch so einen Knaller zu sehen.

  16. Ney sagt:

    Die DFB-Mannschaft samt Stab hat sich, soweit ich es verfolgen konnte, als anständiger Gewinner erwiesen. Die „wieder mal einsetzende Grosskotzigkeit“ kann man wohl wirklich gezielt auf Twitter und Facebook suchen. Wenn man sowas zu brauchen meint. Angesichts von 30 Millionen Fussballinteressierten hierzulande werden sich zwangsläufig auch eine große Zahl missliebiger Äusserungen finden. Unfug des Kalibers Stalingrad und großdeutsch war mir vorher allerdings nur bei USA Today („Blitzkrieg“) untergekommen, aber bei denen ist kein Hass im Spiel.

  17. Markus sagt:

    Hallo in die Runde! Das ist mein erster Beitrag, aber ich lese schon seit Langem mit.

    Ich habe das Spiel in Schottland im Hotel auf BBC (welch angenehme Kommentatoren) gesehen. Es war erstaunlich, wie Alan Shearer und Rio Ferdinand in der Halbzeit und nach dem Abpfiff ins Schwärmen gerieten. Jeder, gegenüber dem ich mich heute (und sei’s nur durch den Akzent) als Deutscher oute, klopft einem verbal auf die Schulter. Das Spiel hat hier unterhalten und beeindruckt. Ich habe nicht den Eindruck, dass das Auftreten der deutschen Mannschaft als großkotzig empfunden wurde. Weder von „Mann auf der Straße“, noch von der Boulevardpresse.

    Das Endspiel wird wieder in der Heimat geschaut.

    Cheers!

  18. Oberwäller sagt:

    Hab um 22:03 zum letzten Mal auf den Wecker geguckt bzw. die Uhrzeit an der Decke abgelesen. Muß so gegen 22:10 Uhr eingeschlafen sein… und war heute morgen rel. gut ausgeschlafen, was mich mehr gefreut hat als das Ergebnis.
    Heute Abend werde ich aber wohl gucken….

  19. Maddin sagt:

    Ich bezog mich weder auf Spieler, noch auf der Betreuerstab oder DFB-Offizielle.
    Selbst wenn man die sozialen Medien ignoriert, diese großspurige Häme gegen die brasilianische Mannschaft erinnert stark an die „oooch, da weint der Ronaldo wieder“ Sprüche nach dem ersten Gruppenspiel. Meist ausgesprochen von den alle-zwei-Jahre-Kurzinteressierten.
    Sollte ich mit meiner Metapher jemandem zu nahe getreten sein, so tut es mir leid. Inhaltlich bleibe ich jedoch dabei.

  20. derwahrebaresi sagt:

    @maddin

    ich bin ganz bei dir, zumal ich weder twitter, fakebook und/oder sonstige „sozialen medien“ nutze.

    mir geht das schon auf die eier, wenn ein arbeitskollege sagt: „man müsse doch jetzt patriot sein.“

  21. Torsten sagt:

    Probiere doch zum Finale mal ein Tegernseer Hell!

    Das hatte ich bereits zum Viertelfinale. Das fand ich in der Tat besser.

    Selbst wenn man die sozialen Medien ignoriert, diese großspurige Häme gegen die brasilianische Mannschaft erinnert stark an die “oooch, da weint der Ronaldo wieder” Sprüche nach dem ersten Gruppenspiel. Meist ausgesprochen von den alle-zwei-Jahre-Kurzinteressierten.

    Sicherlich würde es mir auch leicht fallen, Dinge zu finden, die mir auf die Nerven fallen. Aber als regelmäßiger Twitter-Nutzer will ich kurz erwähnen, dass ich es gerade gestern so empfand, dass es besonders wenig Häme gegen die Brasilianer gab! Verglichen mit dem, was da abgeht, wenn Bayern/Borussia/Schalke mal unerwartet untergeht, war das gestern in meiner Twitter-Timeline eine Art kollektives Mitleid mit den im TV gezeigten, weinenden brasilianischen Fans.

  22. Carlito sagt:

    Ich saß mit der Frau auf der Couch, der Sohnemann schon im Bett und konnte meinen Augen kaum glauben. Und die weinenden Brasilianer taten mir von Herzen leid. Erinnerte mich ein wenig an meine Gefühlslage hauptsächlich 2001 und auch 2006.

  23. Ney sagt:

    In der Gaststätte, in der ich mit ca. 50 Leuten das Spiel verfolgte, erlebte ich atmosphärisch glücklicherweise einen störungsfreien Abend – ganz überwiegend Verblüffung und Begeisterung während des Spiels, keine Häme für weinende Fans, nach Spielschluss Respekt für die Stellungnahme Cesars. Auch auf der Arbeit heute keine Deutschtümeleien. Anscheinend ist Fussballdeutschland recht vielfältig.

  24. Սաշա sagt:

    Ich lasse mir die Freude heute zwar keinesfalls verderben, aber ich weiß nicht, wen ich schlimmer finde: Gerd Gottlob, der alle zwei Minuten auf das deutsche Spiel verwiesen hat und wieviel besser das war oder Karl-Heinz Scholl (den ‚Mehmet‘ sollte er endlich ablegen), der uns gerade nach dem Spiel erklärt hat, dass nicht nur Deutschland praktisch schon Weltmeister ist, sondern Neuer und Kahn sowieso sämtliche argentinische Elfmeter gehalten hätten.

    Ein paar Einträge weiter oben hatten wir sie ja schon: Die deutsche Großkotzigkeit. Die wurde heute auch von der ARD wieder allen Zuschauern mit auf den Weg gegeben und je nach Anlage sicherlich auch stellenweise wieder dankend entgegengenommen. Selbst wenn die deutsche Mannschaft gerade gar nicht anwesend ist, schafft es der Reporter – in diesem Falle Gottlob – nicht, sachliche Kritik an diversen Aktionen anzubringen ohne das Kritisierte in Relation zur deutschen Mannschaft zu setzen und so gleichzeitig die beiden anwesenden Mannschaft ab- und die nicht anwesende deutsche Mannschaft aufzuwerten. Völlig ohne Grund.

    Das ist natürlich nichts anderes als die logische Fortsetzung der anbiedernden Berichterstattung, die wir in den letzten Wochen auf den öffentlich rechtlichen Sendern gesehen haben. Dass angestachelt von dieser Berichterstattung auch gerne Häme ausgeschüttet wird, weil „wir“ das jetzt wieder dürfen und „wir“ nicht nur endlich wieder wer sind, sondern quasi das Role Model der ganzen Welt in allen gesellschaftlich relevanten Bereichen von Politik über Wirtschaft bis hin zum Fußballsport, muss da gar nicht weiter verwundern.

    Wenn jedenfalls andere einen anderen Ansatz pflegen, als ihn die deutsche Nationalmannschaft aktuell zeigt, müssen die schon ziemlich dämlich sein, wo doch seit gestern jeder weiß, wie die einzig „richtige“ Art Fußball zu spielen aussieht.
    Das geht dann wieder solange gut, bis auf dem Höhepunkt jemand behauptet, dass Deutschland nun auf Jahre hinaus unschlagbar sei. Am Ende fliegt man dann mit völlig überholtem Fußball relativ frühzeitig aus sämtlichen Turnieren raus und wird ganz panisch. Vielleicht wird dann ja mal wieder Matthäus nominiert. Als Spieler versteht sich.

    Warum man allerdings einfach nicht verstehen kann, dass beispielsweise Argentinien einfach einen komplett anderen Ansatz des Fußballs pflegt und das nicht grundsätzlich schlechter sein muss, nur weil es langsamer ist, werde ich wohl nie nachvollziehen können. Zumindest wollten heute beide Mannschaften den Ball (vielleicht der entscheidende Fehler Van Gaals?) und keine hat geachwalbt (vielleicht der entscheidende Fehler Robbens). Für mich sehr erfreulich und ich fand das Spiel auch insgesamt bei weitem nicht so schwach, wie Gottlob es gemacht hat. Natürlich gab es nicht viele Chancen, was aber gerade nicht an der mangelnden Qualität der Teams lag, sondern an deren Disziplin. Als Deutscher hat man es aber seit gestern einfach nicht mehr nötig die Leistung anderer angemessen zu würdigen, wenn diese nicht wenigstens mit acht Toren gewinnen.

  25. Basten04 sagt:

    Zum Spiel der Nutella-/ Nivea-Boys ist ja nun alles gesagt. Hab das Spiel mit schwedischem Kommentar gesehen, da im Feriendomizil „nur“ DBVT-Empfang vorhanden ist. Besonders lustig war die Aussprache von Bene’s Namen: Höjweedäs mit extralangem eeee!
    Bin sehr stolz über Bene’s Leisungen! Wo ist eigentlich der Döner-Pipi- Held aus Lüdenscheid?

    @Torsten: Mein Tip fürs Vollfinale: Ein lecker Grevensteiner Landbier aus der Brauerei Meschede/Grevenstein!

    Finale gibt’s dann wieder in Deutschland, vielleicht schon mit Bestellbestätigung(en) für Heimspiele unseres S04!
    Glück auf,

  26. klopenner sagt:

    @Սաշա: schon wieder so ne Rundumkritik an alle Fußballfans der deutschen Nationalmannschaft. Ich hab das vor einiger Zeit schon mal gefragt: Was ist dir für ne Laus über die Leber gelaufen?
    Seit der WM erkenne ich deinen Schreibstil kaum wieder. Du teilst nur noch aus und stellst dich teilweise auf die gleiche Stufe wie ein Gerd Gottlob. Der hat, wie übrigens fast alle Kommentatoren der öffentlich rechtlichen Sendeanstalten bei dieser WM, keinen besonders guten Job gemacht. Aber mit deinen Aussagen verallgemeinerst du genauso.

    Es ist in meinen Augen so, dass der Großteil SÄMTLICHER Fußballfans und auch der Eventfans, die sich nur zu Großturnieren vor den Glotzen versammeln, einen aufregenden Fußball besser findet, wie ihn Deutschland im Halbfinale gezeigt hat (NUR im Halbfinale), als das zweite Halbfinale zwischen den Niederlanden und Argentinien. Fußball hat als Primärziel das Toreschießen und nicht das Toreverhindern. Deshalb ist ein 7:1 natürlich spektakulärer und interessanter als ein 0:0. Einfach nur, weil es mehr zu sehen gibt. Das ein 7:1 nicht mehr spannend ist, sollte jedem klar sein, deshalb kann es trotzdem interessant bleiben. Ein 0:0 hat theoretisch mehr Spannung zu bieten, dafür war das gestern aber leider sehr aktionsarm in und um die Strafräume herum. Hinzu kamen, meiner Meinung, sehr viele technische SChwächen bei beiden Mannschaften, so dass auch ich zwischendurch auf die Uhr gesehen habe und gehofft habe, es möge bald ein Tor fallen, damit das Spiel entschieden wird, weil es (für mich) einfach langweilig anzusehen war. Nach diesem Spiel und noch vor dem Elfmeterschießen haben viele Bekannte und Freunde in meinem Umfeld, die mit Vereinsfußball nicht viel am Hut haben, also zu den Eventfans gezählt werden dürfen, direkt gesagt, dass uns bei den gezeigten Leistungen in den Halbfinalspielen nicht Bange werden muss, egal wer ins Finale einzieht.

    Komplett aufs Turnier bezogen bin ich sogar der Meinung, dass uns mit Argentinien der leichtere Gegner gefolgt ist.

    Deine Prognosen zum Verlauf zukünftiger Turniere finde ich genauso daneben wie darzustellen, alle deutschen Fans würden jedem erzählen wollen wie der richtige Fußball gespielt wird, nämlich deutsch! Ich weiß nicht, wo du diese Ansichten herholst, denn ich habe so etwas nirgendwo vernommen. Großkotzigkeit hab ich auch nicht wahrgenommen. Aber man wird doch wohl noch etwas Spaß haben dürfen und sich im Erfolg baden dürfen, nach einem (in der Höhe) historischen Erfolg eines WM-Halbfinals. Der Rest ist etwas Frotzelei und sollte definitiv lockerer gesehen werden.

    Dein letzter Satz ist meiner Meinung nach auch ziemlich falsch. Welcher Deutsche hat denn irgendeine hervorragende Leistung nicht anerkannt, weil diese nicht mit 8 Toren gewonnen wurde? Das ist doch wirklich nur Bullshit.

    Im Vergleich beider Halbfinals fällt das gestrige nunmal deutlich ab. Und für mich, wie oben schon angedeutet, hat Argentinien in keinem WM-Spiel 100%ig überzeugt. Darf ich das nicht mehr sagen, weil ich sonst deren Leistung nicht würdige? Was ist denn mit freier Meinungsäußerung? Man muss sich auch nicht sofort über jeden Käse, der irgendwo in den sozialen Netzwerken oder von Kommentatoren verzapft wurde aufregen. Einfach mal locker bleiben, sich auf noch zwei gute Spiele freuen und dann wieder den Vereinsfußball in den Fokus rücken.

    Man man man, nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird.

    P.S. ich wünsche mir den „alten“ Սաշա zurück.

  27. Սաշա sagt:

    Deshalb ist ein 7:1 natürlich spektakulärer und interessanter als ein 0:0. Einfach nur, weil es mehr zu sehen gibt.

    Ja, wenn es nach 30 Minuten allerdings 5:0 steht, nimmt das Interesse bei den Leuten aber auch ab, die sonst lieber Shopping Queen schauen. Das konnte man in unserer Runde sehr stark beobachten. Die eine – auch sonst fußballinteressierte – Hälfte hat weiter auf die Leinwand geschaut, noch immer ungläubig die Augen reibend, die andere hat sich über den neuesten Gossip der Gruppe unterhalten und genervt.

    Die Aussagen, wie überlegen der deutsche Fußball nun ist, kamen wie geschildert aus dem Fernsehen. Vor allem von Gottlob und Scholl. Und du kannst dich darauf verlassen, dass diese Ansicht von einem großen Teil der Zuschauer dankend aufgenommen wurde, entweder, weil sie nicht in der Lage sind sich eine eigene Meinung zum gerade gesehenen zu bilden oder weil sie eigentlich genauso denken, bloß nicht ganz sicher waren, ob man das auch laut sagen darf, weil das schon etwas nach deutscher Großkotzigkeit klingt. Diesen Zahn dürfte ihnen spätestens Scholl gezogen haben, in dem er den Gegnern erstmal grundsätzlich die Qualität abgesprochen hat. Im Kollektiv und auch individuell. Das Beispiel lieferst du ja gleich inklusive:

    Nach diesem Spiel und noch vor dem Elfmeterschießen haben viele Bekannte und Freunde in meinem Umfeld, die mit Vereinsfußball nicht viel am Hut haben, also zu den Eventfans gezählt werden dürfen, direkt gesagt, dass uns bei den gezeigten Leistungen in den Halbfinalspielen nicht Bange werden muss, egal wer ins Finale einzieht.

    Das ist zwar nicht so drastisch und respektlos formuliert, wie von Scholl, allerdings kenne ich ja im Gegensatz zu Scholl den O-Ton deiner Freunde und Bekannten nicht.

    Aber man wird doch wohl noch etwas Spaß haben dürfen und sich im Erfolg baden dürfen, nach einem (in der Höhe) historischen Erfolg eines WM-Halbfinals. Der Rest ist etwas Frotzelei und sollte definitiv lockerer gesehen werden.

    Ja, das darf man. Definitiv. Aber wie ich schon zuvor geschrieben habe, schaffen es die Deutschen einfach nicht, eigene Leistungen zu feiern, ohne die Leistung anderer zu degradieren. Das kann man auch ruhig mal so als Rundumschlag formulieren, weil das bei weitem kein einzelnes Phänomen ist (wenn natürlich auch nicht zutreffend für alle – andererseits distanziert sich aber auch niemand ausdrücklich davon) und beim Sport auch leider nicht aufhört. Das ist nicht lediglich sportlich witzige Frotzelei, sondern teilweise einfach nur respektlos. Aber vielleicht kann mir ja bei Gelegenheit irgendwer erklären, was die deutsche Mannschaft im Spiel Niederlande – Argentinien so überzeugendes geleistet hat, dass Gottlob beinahe öfter die deutsche Mannschaft – natürlich im hanebüchenen Vergleich – gelobt hat, als er über die beiden tatsächlich anwesenden Teams gesprochen hat.

    Im Vergleich beider Halbfinals fällt das gestrige nunmal deutlich ab. Und für mich, wie oben schon angedeutet, hat Argentinien in keinem WM-Spiel 100%ig überzeugt.

    Argentinien hat sowohl gegen mauernde Schweizer und mauernde Belgier so gut wie nichts zugelassen. Das fand ich ehrlich schon recht überzeugend. Gut, es war nicht so überzeugend wie das total überzeugende deutsche Spiel gegen Algerien, gegen Ghana, gegen die USA oder das geschenkte gegen Portugal und es sind auch leder keine 7 Tore gefallen, einfach weil den Argentiniern auch niemand den Gefallen tat mitspielen zu wollen, wie es Brasilien getan hat. Wenn eine Mannschaft so wenige Tore kassiert wie Argentinien in diesem Turnier, dann würde ich das schon als überzeugend bezeichnen. Aber ja, der deutsche Fußball ist nun das Maß aller Dinge und jeder muss sich an ihm messen lassen. Abweichungen sind in jeder Hinsicht als negativ zu bewerten.

    Deine Prognosen zum Verlauf zukünftiger Turniere finde ich genauso daneben[…]

    Das war ein Verweis auf ein Berti Vogts-Zitat aus den 90er Jahren, die zwar mit dem WM-Titel gut für den deutschen Fußball begonnen haben, aber in der Folge etwas holprig wurden und so gar nichts von Unbesiegbarkeit hatten, bis man zum Schluss der 90er Jahre mit Erschrecken einsehen musste, dass man vom Rest der Welt abgehängt wurde.
    Es ist nur das durch einen Lebenssachverhalt belegte Beispiel für den Spruch: Hochmut kommt vor dem Fall. Solange der Hochmut allerdings nicht bei Löw & Co. angekommen ist und sich auf Medien und große Teile der Fans beschränkt, ist dieser Verlauf äußerst unwahrscheinlich, das gebe ich zu.

    Fußball hat als Primärziel das Toreschießen und nicht das Toreverhindern.

    Und genau da liegst du falsch. Herrschende Meinung in diesem Blog und im Grundsatz ja auch richtig: Gewinnen ist das Ziel, das über allem steht. Dazu reicht es immer, wenn man einfach ein Tor mehr schießt als die anderen.
    Zudem war das Achtelfinale zwischen Brasilien – Chile das aus meiner Sicht bislang interessanteste Spiel der WM. Dieses Spiel hat nicht nur mir Spaß gemacht, sondern so ziemlich allen, mit denen man darüber geredet hat. Endstand: 3:2 i.E. – davor 0:0. Natürlich ein anderes 0:0 als das gestrige, aber immer noch Beweis genug, dass ein gutes Spiel nicht zwangsläufig Tore braucht.

    Was ist denn mit freier Meinungsäußerung? Man muss sich auch nicht sofort über jeden Käse, der irgendwo in den sozialen Netzwerken oder von Kommentatoren verzapft wurde aufregen. Einfach mal locker bleiben, sich auf noch zwei gute Spiele freuen und dann wieder den Vereinsfußball in den Fokus rücken.

    Nein, man muss sich nicht über jeden Mist aufregen, kann man aber mit gutem Grund. Die Herren, die mir diesen respektlosen Quatsch erzählen, werden nämlich von meinen GEZahlten Gebühren finanziert. Das macht mich schon etwas sauer, muss ich gestehen. Das hat nämlich schon eine ganz andere Qualität als irgendein Facebook-Post oder ein Tweet von Max Mustermann.
    Und was das alles mit freier Meinungsäußerung – einem Schutzgut in erster Linie des Bürgers gegenüber dem Staat – zu tun hat? Nichts. Gar nichts.

    P.S. Ich bin froh, wenn die WM vorbei ist. Dann benehmen sich alle wieder normal und ich darf mich dementsprechend wahrscheinlich auch weniger aufregen.

  28. Manfred sagt:

    Mannmannmannmannmann, hör einfach mal auf, hier den Konditor zu spielen und Allgemeinplätzchen zu backen, das ist ja furchtbar.
    Du guckst ARD und ZDF? Selber Schuld. Du hört diesem grenzdebilen Kommentatoren- und ‚Experten’pack zu? Selber Schuld.
    Die GEZ als Keule zu schwingen nach dem Motto ‚ich bezahl euch mit, also redet so, wie ich das will‘ ist übrigens auch nicht wirklich besser als das, was Scholl und Gesocks so rausreihern, was ich so les und höre.

  29. Սաշա sagt:

    Ja, Manfred, das ist genau das, was ich gefordert habe. So ein Schwachsinn…! Du darfst meine Beiträge gerne kommentieren – verbieten kann ich es sowieso nicht – aber dann würde ich mich freuen, wenn Du sie zumindest vorher liest. Sie sind lang und es kommen meist keine Bilder vor, was es bestimmt zäh macht. Ich werde versuchen das in Zukunft zu berücksichtigen.

    Ich habe Respekt von den Experten gefordert. Nicht mehr und nicht weniger. Das gebietet schon eine gewisse journalistische Professionalität, die ARD und ZDF aber bereits über das ganze Turnier vermissen lassen.

    Und ich habe gefordert, dass man nicht ständig von der deutschen Mannschaft palavert, wenn die nicht mal auf dem Platz steht. Da hätte auch ein Hinweis auf das kommende Finale genügt.

  30. Manfred sagt:

    Ich les dein Zeugs vorher und mir geht es ähnlich wie meinem Vorschreiber: früher gern, aber mittlerweile bereue ich das.
    Von den ÖR journalistische Professionalität einzufordern – ich bitte dich, das ist ein derart offensichtliches Oxymoron wie militärische Intelligenz, das sollte dir schon in der Sekunde einfallen, in der du den Gedanken hast.
    Die sind so doof. Ja, und du bezahlst das mit, got it.
    Andere auch:
    http://www.stefan-niggemeier.d.....-wm-drama/
    Und
    http://www.stefan-niggemeier.d.....tages-war/
    Wenn ein Blick auf das Bild im 2. Link nicht reicht, dann weiß ich auch nicht. Guck dir die selbstgefälligen Köppe doch nur mal an.

  31. Սաշա sagt:

    Gut, dann liest du sie eben, aber verstehst sie nicht (wie hier offensichtlich: „ich bezahl euch mit, also redet so, wie ich das will“) . Oder vielleicht ist es Dir auch egal, dass da Typen ihren Schwachsinn für das Schwarz-Rot-Geile Propaganda-Ministerium von Schland verbreiten, aber mich stört es eben – ganz unabhängig davon, dass ich das auch noch mitfinanzieren muss. Dich stört es wahrscheinlich auch nicht, dass viele auf diesen Propaganda-Zug aufspringen und zwar deutlich vernehmbar so viele, dass Verallgemeinerungen gar nicht so weit weg von der Realität sind. Da reicht beispielsweise ein Blick in die Kommentarspalte unter den Artikeln zum Halbfinale Argentinien – Niederlande auf SPON.

  32. Manfred sagt:

    Die Folgen und Begleiterscheinungen asozialer Netzwerke kennenzulernen vermeide ich so gut es eben geht.
    Es gibt auch keinen Grund, sich die Kommentare zB beim Guardian oder der Zeit durchzulesen, das ist was für Masochisten oder solche, die dafür Schmerzensgeld bekommen.
    Du weißt doch: Meinungen sind wie Arschlöcher: jeder hat eines. Und oft genug ist das, was rauskommt, identisch.
    Die ÖR machen das, was sie als so ne Art ‚Mehrheitenfernsehen‘ erachten, auch deswegen entblödete sich das heute-journälchen in der Halbzeitpause ja nicht, den seitens Niggemeier erwähnten Quatschkopf vor die Kamera zu holen. Oder lobpreist sich Tags drauf. Oder drückt Maybritt Illner ebenfalls ein Fußballthema auf. Oderoderoder…
    Wirklich entspannt kann man sich das nicht anschauen und schon gar nicht -hören, du weißt das seit weiß-ich-nicht, ich weiß das seit 2006.
    Ich finde es übrigens durchaus legitim, dass ein deutscher TV-Sender sich vornehmlich auf die Leistung der deutschen Mannschaft konzentriert, es ist letztlich ne Frage der Mittel, des Stils und der Distanz. Mittel haben sie reichlich, Stil gar keinen und Distanz nur dann, wenn es mal ein vermeintlich schlechtes Spiel gab wie zuletzt gegen Algerien.
    Ich habe weiter oben geschrieben, dass ich das Spiel einen Tag später gesehen habe, aber die Übertragung der BBC. Was Unsinn ist, es war SBS One, also aus Tralien^^. 90+ Minuten Fußball, australischer Kommentator und der war natürlich auch platt. Aber es war fabelhaft anzuhören, wie vergleichsweise unaufgeregt der blieb, obschon die Steigerung von Tor 2 zu 5 schon heftig war:
    Tor Klose – historic moment, 1. Tor Kroos – it’s getting too easy for Germany, 2. Tor Kross – it’s mayhem, absolute mayhem, total collapse from Brasil, Tor Khedira – it’s 5 and Brasil are in absolute tatters. Germany are wiping the floor with them.
    Schön.
    Ich hab mir dann doch mal die deutsche Version der 1. HZ besorgt und muß sagen: würg. Fanreportertum galore, unerträglich.
    Und Rethy ist imo einer der weniger schlimmen Plärrer.
    Wenn das hilflose ‚Wahnsinn! Was geht denn hier ab?‘-Gestammel ein Hinweis auf die restlichen Versuche ist – brauch ich weiterhin nicht.
    Du siehst: es ist mir nicht nur nicht egal, ich vermeide es einfach, weil es so beschissen ist. Ich tret ja auch nicht in Hundekothaufen, wenn es sich umgehen läßt. Und wenn nicht, dann geh ich nicht weiter.

  33. Սաշա sagt:

    Das würde ich ja auch tun. Ich mag beispielsweise lieber „meine“ spanischen Streams aus Südamerika. Die sind emotional, was mir gefällt, aber in der Regel auf beiden Seiten (außer natürlich das jeweilige Team des Landes spielt, das ist aber dann für mich in Ordnung). Die beschränken sich größtenteils darauf, das zu kommentieren, was gerade auf dem Platz tatsächlich geschieht. Da wird nicht versucht etwas aufzubauschen oder eine gewisse Stimmung für oder gegen irgendwen zu kreieren. Diese Verrückten verstehen sich als eine Art Künstler, die mit ihrem „Gesang“ einfach das untermalen, was auf dem Platz geschieht. Hier käme das vermutlich nicht so gut an. Ich stelle mir gerade Tom Bartels vor, wie er ein über 30 Sekunden gezogenes „TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOR!“ ins Mikro plärrt und es gefällt mir irgendwie auch nicht. Kann auch an Tom Bartels liegen – die bislang größte Enttäuschung der WM, weil der in meiner Erinnerung mal deutlich besser war. Im lateinamerikanischen Kontext funktioniert es jedenfalls und gefällt mir gut. Leider hatte die FIFA ein (zu) gutes Auge auf meine Lieblingsstreams geworfen, so dass diese in der Regel offline waren. Erschwerend kam dazu, dass ich während der WM vermehrt mit sozialen Verpflichtungen konfrontiert wurde. Ich musste oft in der Gruppe schauen, gelegentlich sogar in der Öffentlichkeit, was ich gar nicht so schwarz-rot-geil fand. Bei diesen Gelegenheiten musste ich mich natürlich der Gruppe unterordnen. Obwohl ich mir nach wie vor nicht sicher bin, ob Teile der Gruppe nicht lieber Shopping Queen, Das perfekte Dinner oder ein ähnliches Format geschaut hätten.

    Maybrit Illner… da sprichst du was an. Ich habe den Fehler gemacht, mir zuletzt zehn-zwanzig Minuten anzusehen. Zehn Minuten zuviel. In diesen zehn Minuten hat Thomas Berthold, der von schönem Fußball schon mal per se keine Ahnung hat, fußballhistorischen Revisionismus vom Allerfeinsten betrieben. Steile These: Deutschland hat niemals Rumpelfußball gespielt, denn schließlich sei Deutschland eine (Zitat:)“Fußball-Großmacht“. Gut, kann man ihm nachsehen. Er war ein Teil des schlimmsten Rumpelfußballs und musste sich das deshalb nicht wie wir anderen armen Schweine im Fernsehen ansehen. Dazwischen die gewohnt schlechte „Moderation“ Illners, die ausschließlich aus kurzen Einwürfen bestand, die Fachwissen und Informiertheit vorgaukeln sollten. Um den verheerenden Gesamteindruck, den die Sendung bei mir hinterlassen hat, mal auf den Punkt zu bringen: Magath war der kompetenteste, intelligenteste und sympathischste(!!!) Gast der Talkrunde. Und das obwohl auch er zwischendurch in den Schland-Modus abdriftete, als er meinte, das Endspiel brauche man sich gar nicht ansehen, so sicher wie der deutliche Ausgang für die deutsche Elf sei.

    Die FR nennt diese Opferung eines sonst vorgeblich seriösen Polit-Talks zugunsten des Fußball-Hypes auch unter Verweis auf Niggemeier blanken Opportunismus.

    Das Problem ist ja auch nicht ausschließlich, wie die ÖR (aber auch private Begleitmedien der WM) ihre Berichterstattung aufziehen, sondern vor allem das Resultat. Denn ich glaube, dass die ÖR ein Mehrheitsfernsehen machen, indem sie erstmal für die grundlegende Mehrheit sorgen.
    Richtig ist: Man kann den Kothaufen natürlich umgehen oder sich mit einer Kehrtwende entfernen. Wenn aber alles um dich herum nach Scheiße riecht, weil ein Großteil den Kothaufen dankend annimmt, sich freudetrunken darin suhlt und dir dann auch noch Teile davon ungefragt unter die Nase reibt, hilft es irgendwann auch nicht mehr, einfach nur noch durch den Mund zu atmen.

  34. Manfred sagt:

    Ich stell mir grad vor, ich würde noch TV und zudem irgendwas Live gucken *Schauder*. Mir langt vollends, da hin und wieder mal reinzuschnuppern und festzustellen, dass ich das weiterhin etwa so dringend brauche wie ein zusätzliches Loch im Kopf.
    Deinen letzten Gedankengang – soll der in Bezug auf deinen weiter oben erwähnten Gruppenguck verstanden werden? Weil sonst bin ich grad der Ochs vorm Berg.

  35. Սաշա sagt:

    Der letzte Gedankengang greift nochmal das auf, was ich schon die ganze Zeit schreibe, verpackt in deine Hundekot-Metapher:

    Selbst wenn ich nicht danach suche, also beispielsweise keinen Blick in die SPON-Kommentare werfe, um zu sehen, wie die Masse aktuell so tickt (ganz ekelhaft tickt sie), gibt es immer noch genügend Kanäle, die mir den Hundekot unter die Nase reiben, ohne dass ich mir das ausgesucht oder gar darum gebeten hätte. Sei es der Radiowecker, wo mich irgendein Großkotz mit schwarz-rot-geil-geschwängerter Häme, Propaganda oder Selbstüberhöhung schon am frühen Morgen belästigt, sei es meine Timeline bei Facebook, wo ich mittlerweile einigen aus meiner Freundesliste für die Dauer der WM schon gar nicht mehr folge – d.h.deren Statusupdates nicht mehr angezeigt bekomme oder auch bei WhatsApp, wo man mir irgendwelche blödsinnigen singenden Deutschland-Schlümpfe oder andere dämliche Videos schickt. Beim Gruppengucken stelle ich mich einfach immer schon im Vorfeld auf das Schlimmste ein. Deshalb bin ich davon auch nur so ein bisschen angekotzt. Aber viel schlimmer sind die anderen Belästigungen. Die erwischen mich einfach unvorbereitet.
    Und mal ehrlich: Man will sich doch auch nicht wochenlang vollkommen von der Welt abschneiden müssen, nur damit einen der Fußball-WM-Hype in Ruhe lässt.

    Das Finale schaue ich trotzdem lieber zuhause. Fenster geschlossen. Und hoffentlich über einen guten Stream aus dem Ausland.

  36. Ney sagt:

    Ihr Lieben, lest doch mal (wieder) „Der Fänger im Roggen“. Auch wenn darin wenig über A-a und Erbrochenes steht, besser wurde die Weltsicht von Gleichaltrigen literarisch nie beschrieben.

  37. Սաշա sagt:

    @Ney: Ich schäme mich mittlerweile doch ein bisschen, in erster Linie natürlich, weil du es geschafft hast, deine Kritik in eine so tiefgründige und intellektuelle Referenz zu verpacken. Ich schäme mich ferner für meine törichte Grundhaltung gegenüber unkritischer, anbiedernder bis teilweise unverschämter Berichterstattung und gegenüber den daraus resultierenden unkritischen, völlig verblendeten Menschen, die gerne auch mal Sportliches und „Säkulares“ vermischen. Natürlich feiern die nur. Das ist alles ganz harmlos und dann ja auch wieder für wenigstens zwei Jahre vorbei. Und außerdem sind das auch nur wenige. Oder viele. Wer weiß das schon? Aber auf jeden Fall keiner ‚hier‘ – wobei ‚hier‘ in diesem Zusammenhang überall meint, je nachdem wo man es gerade zur Sprache bringt, weil sich am Ende auf keinen Fall irgendwer so verhalten hat.

    „How would you know you weren’t being a phony? The trouble
    is, you wouldn’t.“
    – The Catcher In The Rye.

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