Kein Krul, kein Finale

Argentinien steht im Finale, weil Jasper Cillessen keine Elfmeter halten kann. Louis van Gaal hatte verpasst, Tim Krul einzuwechseln. Weshalb auch immer.

Schon gegen Costa Rica war es knapp. Louis van Gaal stand mit dem zweiten Torwart Tim Krul an der Seitenlinie und das Spiel wurde partout nicht unterbrochen. Die letzte Minute der Verlängerung lief bereits. Ich wunderte mich: Hatten Oranjes Spieler den Wechselwunsch tatsächlich nicht mitbekommen? Wieso schoss niemand den Ball ins Aus? Der gefühlt 68. Abseitspfiff rettete Hollands Trainer und ermöglichte so die Heldentaten des Tim Krul, der dafür sorgte, dass seine Mannschaft ins Halbfinale einzog.

Im Halbfinale gegen Argentinien brachte Van Gaal seinen zweiten Torhüter nicht. Welch ein Fehler! Jasper Cillessen machte seine Sache im Elfmeterschießen schlecht. Selbst wenn er in der richtigen Ecke war, vermochte er es nicht, einen Ball abzuwehren. Sein Versuch, Kruls Nervenkrieg nachzuahmen, den Gegner mit Gequatsche zu irritieren, wirkte hilflos.

Nach einem ganz schwachen Fußballspiel über 120 Minuten blieb also Argentinien als Sieger nach Elfmeterschieße übrig und trifft am Sonntag auf Deutschland. Ma’kucken.



21 Kommentare zu “Kein Krul, kein Finale”

  1. Սաշա sagt:

    Nach einem ganz schwachen Fußballspiel über 120 Minuten blieb also Argentinien als Sieger nach Elfmeterschieße übrig und trifft am Sonntag auf Deutschland.

    Dazu verweise ich gerne auf meinen frischen Beitrag unter dem Artikel zu Deutschlands Partie gegen Brasilien.

  2. Sönke sagt:

    Naja, verpasst hat van Gaal es nicht wirklich. Nach zuvor schon 3 Wechseln durfte er die Torhüter schlichtweg nicht mehr austauschen.

  3. eakus1904 sagt:

    Sönke hat es bereits geschrieben-ging nicht mehr.

    Wobei mir gestern dazu eine Frage in den Kopf kam. Ich meine, bei irgendeinem Turnier bzw. in einer kurzen Zeitspanne war es mal möglich oder zumindest im Gespräch, drei Feldspieler PLUS den Torhüter auswechseln zu können. Leider weiß ich nicht mehr, ob das stimmt oder nur mal eine Planung war und gar nicht durchgesetzt wurde. Kann sich da jemand dran erinnern?

  4. leoluca sagt:

    Nicht zu kapieren, der Verzicht auf Krul.

    Ansonsten bin ich gespannt, was der deutschen Elf gegen diese knochenharten, absoluten Minimalisten aus Argentinien einfällt.

    NL fing zwar ganz gut an, mit viel Ballbesitz, und die Defensive stand sicher (hervorragend: Ron Vlaar). Aber die Bälle in die Spitze funktionierten so gut wie nicht. Van Persie nicht in Form, Sneijder meist unglücklich, Robben zugestellt. Irgendwie hatten die Argentinier immer einen Schmutzfuß dazwischen, bis ganz zuletzt Dimechelis gegen Robben. Das wäre sonst der Sieg gewesen.

  5. Ney sagt:

    Ja, das sind so taktische Leckerbissen, wegen derer man sich gerne die Nacht um die Ohren schlägt.

    Wird zwangsläufig am Sonntag nicht viel anders, vermute ich.

  6. blues sagt:

    Interessant, dass solch ein unfairer „Verbal-Pepe“ hier für gut befunden wird. Sind hier jetzt überweigend nur noch Spektakel-Lucas unterwegs?
    Sportlich hat Holland in den letzten beiden Spielen gar nichts mehr gerissen. Schön, dass sie nun um den dritten Platz spielen.Für Robben und vGaal ist das scheinbar die Höchststrafe. Sagt alles.

  7. Torsten sagt:

    Dazu verweise ich gerne auf meinen frischen Beitrag unter dem Artikel zu Deutschlands Partie gegen Brasilien.

    Danke. Ich finde allerdings nicht, dass er meinen Text trifft. Ich habe nicht die Fähigkeiten der Mannschaften bewertet, das habe ich im Grunde nicht mal bezüglich der deutschen Mannschaft nach dem 7:1 getan. Sowohl Holland als auch Argentinien konnten und können „Abwehr“, besser als Brasilien. Es wäre töricht zu glauben, dass Deutschland nun irgendwie Favorit ist, nur weil es die einzige Mannschaft von 4 Halbfinalisten war, die ihre Offensive durchsetzen konnte.

    Dein Kommentar trifft meinen Text allenfalls in der unterschiedlichen Bewertung des Spiel an sich, dass Du das Spiel eben als „nicht so schwach“ bewertet hast, ich aber eben doch. Die Diskussion darum ist aber eigentlich müßig, diese Diskussion funktioniert bei 0:0-Spielen eigentlich immer. Wenn ein Spiel 0:0 endet haben die Mannschaften defensiv immer viel richtig gemacht. Ich schaue lediglich von der anderen Seite darauf und sah, dass sich keine Offensive durchsetzen konnte, was zu einem langsamen Spiel ohne erkennbare Kreativität und mit nur ganz wenigen Torraumszenen führte.

    @ Sönke, eakus1904:

    Das war mir schon bewusst. Ebenso wird es Van Gaal bewusst gewesen sein, als er Klaas-Jan Huntelaar einwechselte. Insofern war es selbstverständlich seine Entscheidung und im Nachhinein eben auch sein Fehler.

    @ blues:

    Der Vergleich mit Pepe ist fast schon böse. Krul hat nichts anderes getan als Lehmann 2006 gegen Argentinien. Er hat versucht, mit Spirenzchen seien Gegner zum Nachdenken zu bringen und sich einen psychologischen Vorteil zu verschaffen. Pepe ist ein Arschloch, das in Kauf nimmt, seine Gegner zu verletzen.

  8. Erle72 sagt:

    Eine Münze werfen statt Elfmeterschießen – Ich bin dafür.
    Vielleicht wären die Mannschaften dann bereit, in den 90 Minuten und in der Verlängerung mehr zu riskieren, anstatt taktisch klug und risikoarm zu agieren. Ein Münzwurf würde klarmachen was das Elfmeterschießen letztlich eben auch ist, eine Zufallsveranstaltung. Ob mit Assi-Krul oder ohne, mal wird das Tor getroffen und mal der Torwart. Vorhersagen lässt es sich kaum. Sicher ist nur die Mär von Helden und Versagern, die dieser Veranstaltung inne wohnt und dem in Superzeitlupen auf Ball und Gesichter gehuldigt werden kann.
    Eine Münze als Drohung ob man das Glück nicht lieber doch selber mit dem Fuß erzwingen sollte, als es einem schnöden Wurf anzuvertrauen.

  9. Ney sagt:

    Wenn einer den Pfosten trifft oder danebenschießt oder ganz lahm, dann ist das was anderes als ein Münzwurf. Das sind keine Zufälle, sondern Ergebnisse menschlichen Handelns.

    Münzwürfe würden aber sowieso nichts ändern. Man sagt sich bei solchen Spielen „Wenn wir offensiver spielen sind wir hinten anfällig und verlieren mit 60% Wahrscheinlichkeit durch einen Gegenzug. Dann lieber defensiv bleiben, beim Münzwerfen haben wir immerhin nur 50% Verlust.“

  10. Սաշա sagt:

    […] bis ganz zuletzt Dimechelis gegen Robben. Das wäre sonst der Sieg gewesen.

    Ja und wenn Palacio und wenn Higuaín (2x) und wenn Messis Freistoß blabla, dann wäre das ein Kantersieg bla. Man kann sich das Spiel jetzt natürlich aus der Perspektive der Niederlande schönreden, weil man van Gaals Fußball gerne im Finale gesehen hätte. Nach meinem Empfinden war das Elfmeterschießen nur die logische und gerechte Folge eines Spiels, in dem sich zwei Mannschaften über 120 Minuten durch große Disziplin neutralisierten. Dem Fan des Hurra-Umschalt-Fußballs, für den von nun an mindestens 8 Tore fallen müssen und mindestens alle zwei Minuten eine Großchance herausgespielt werden muss, damit ein Spiel als gut gelten darf, kann das natürlich nicht gefallen haben, ich habe das Spiel allerdings überwiegende positiv aufgenommen und weiß es aufgrund der taktischen Disziplin beider Mannschaften zu würdigen.

    Sowohl die Niederlande als auch Argentinien waren schon im bisherigen Turnierverlauf für ihre jeweiligen Gegner sehr unangenehm zu spielen. Das Spiel war daher so zu erwarten. Wenn nun Deutschland die Niederlande schon im Halbfinale abbekommen hätte, wäre das Spiel sicherlich ähnlich verlaufen wie das der Deutschen gegen Frankreich. Auch das war eine großartige, disziplinierte Leistung ohne große Höhepunkte nach Hummels‘ Tor. Die deutsche Mannschaft hatte allerdings im Halbfinale das Glück gegen einen (verunsicherten und durch Sperren und Verletzungen geschwächten) Gastgeber spielen zu dürfen, der zum offensiven Mitspielen verdammt ist, weil er sonst vom eigenen Publikum aus dem Stadion gepfiffen würde. Das soll weniger die Leistung des deutschen Teams schmälern, die nahezu perfekt war, als vielmehr das Dilemma des Gastgebers aufzeigen, sowie die Tatsache, dass Deutschland ein solcher Gegner einfach besser liegt als ein Team, wie es die aktuelle Mannschaft der Niederlande ist.

    Das war auch schon bei der WM 2010 so. Argentinien hatte bis zum Viertelfinale ein passables Turnier mit grundsätzlich offensiver Ausrichtung gespielt. Dann traf man auf Deutschland, die nach einem Standard früh in Führung gingen und die Argentinier fortan nach Strich und Faden auskonterten, weil Argentinien unter Maradona nicht anders konnte als mitzuspielen. Gegen das Deutschland von 2010 ein riesiger Fehler. Am Ende stand es 0:4, zwischenzeitlich traf sogar Holzfuß Friedrich – Höchststrafe! Die Deutschen wiederum trafen danach auf die Spanier, die mit Ballbesitz und großer Disziplin schon beim eigenen Ballbesitz darauf achteten, dass man den gefährlichen deutschen Kontern keinen Raum bietet. Deutschland hatte nicht eine ernstzunehmende Chance im gesamten Spiel, weil Spanien den Ball zumeist erst gar nicht an das deutsche Pressing verlor (und wenn dann hatten sie ihn im Gegenpressing ganz schnell wieder).

    Das war gestern auch das sichtliche Hauptaugenmerk beider Trainer: Keine Konter zulassen. Vor allem aber Messi/Robben unterbinden. Worst Case: Einer der beiden spielt mit viel Platz und im Tempodribbling einen Konter zu Ende. Das geht in der Regel nicht gut aus.
    Ich für meinen Teil bin positiv überrascht. Von der taktischen Arbeit Sabellas, der bisherigen Souveränität von Demichelis, von den (fast) fehlerfreien Leistungen Romeros, der gestern gar zum Helden wurde und insbesondere davon, dass ich mal wieder eine argentinische Mannschaft sehen darf, deren Defensivarbeit im Kollektiv gut funktioniert. Klar würde auch ich mir wünschen, dass man in der Offensive manchmal konsequenter wäre, dass man im richtigen Moment etwas öfter das Tempo kurz anzieht und dass man mehr Chancen herausspielt. Aber bisher hat sich gegen Argentinien ausnahmslos jeder Gegner ziemlich engmaschig und zurückhaltend präsentiert. Das macht es ungemein schwierig ein Spektakel zu zeigen. Sagt übrigens auch Algerien.

    Dein Kommentar trifft meinen Text allenfalls in der unterschiedlichen Bewertung des Spiel an sich, dass Du das Spiel eben als „nicht so schwach“ bewertet hast, ich aber eben doch. Die Diskussion darum ist aber eigentlich müßig, diese Diskussion funktioniert bei 0:0-Spielen eigentlich immer. Wenn ein Spiel 0:0 endet haben die Mannschaften defensiv immer viel richtig gemacht. Ich schaue lediglich von der anderen Seite darauf und sah, dass sich keine Offensive durchsetzen konnte, was zu einem langsamen Spiel ohne erkennbare Kreativität und mit nur ganz wenigen Torraumszenen führte.

    Richtig, treffend für diesen Beitrag ist natürlich nur meine Bewertung des Spiels. Die habe ich deshalb an dieser Stelle auch nochmal erneuert und ausgeführt.
    Der Rest des anderen Beitrags nimmt ja Bezug auf die unter Artikel zum Brasilien-Spiel diskutierte „Großkotzigkeit“ und hat mit dem Spiel NED-ARG nur am Rande zu tun.
    Ich sehe es wie gesagt eben so, dass die beiden Mannschaften defensiv so gut und diszipliniert gearbeitet haben, dass die Offensive nicht zu Geltung kommen konnte. Auch das sollte man entsprechend würdigen können.
    Mal mit Bezug auf das Deutschland-Spiel, weil das im hiesigen Fernsehen so gerne gemacht wird: Es war ja auch nicht nur Deutschlands Offensive SO überragend, sondern auch Brasiliens Abwehr SO desaströs.

    Pepe spielt übrigens hart aber in aller Regel fair. Weiß man, wenn man ihn regelmäßig spielen sieht und sich weniger von gewissen Kampagnen in den sozialen Medien mitreißen lässt. Man hält ihm nur eben gerne diese eine unfassbare, nicht zu entschuldigende Szene vor, die Jahre her ist und die mit dem aktuellen Pepe nicht mehr viel zu tun hat. Gegen Deutschland habe ich zum Beispiel nicht einmal gesehen, dass er zu irgendeinem Zeitpunkt die Gesundheit des Gegners vorsätzlich oder grob fahrlässig gefährdet hätte.
    Pepe hat sich auf Vereinsebene in über zehn Jahren gerade einmal wettbewerbsübergreifend 3 glatt rote Karten eingehandelt. Damit also genau so viele wie beispielsweise der nicht als Schwerverbrecher geltende Höwedes.

  11. Voice sagt:

    „Der Vergleich mit Pepe ist fast schon böse. Krul hat nichts anderes getan als Lehmann 2006 gegen Argentinien.“

    oder auch als Lehmann 1997…

  12. Prinz Poldi sagt:

    Sneijder sollte einfach keine Elfmeter mehr schiessen dürfen, der hat gefühlt die letzten 5 im Elfmeterschiessen verschossen.
    Und das Ron Vlaar nach so einem starken Spiel gleich den 1. versemmelt ist die Tragik des Fussballs.

    Sonntag Finale Germany – Argentinia oder Messi will Revanche für Maradona.

    Ich bin bereit für den 4. Stern auf der Brust :D

  13. Simon sagt:

    Ich finde grundsätzlich nicht, dass man das Elfmeterschießen als Glücksveranstaltung ansehen darf. Es ist doch eher so: Ein Schütze, der seine Nerven im Griff hat, und dazu Gelegenheit hat zu, tun, was er sich sonst wünscht (anlaufen, unbehindert vom Gegenspieler, kein Abwehrbein mehr dazwischen, lächerlich kurze Entfernung beim Schuss), muss eigentlich treffen. Fehlschüsse resultieren meist daraus, dass die Schützen eben nervös sind und dann schwache Sicherheitsschüsse abgeben, in der Hoffnung, dass der Torwart in die andere Ecke springt oder technische Unzulänglichkeiten aufweisen.

    Ich finde, dass man beide Faktoren durchaus als Elemente in einem sportlichen Wettkampf zählen sollte: Wer hat seine Nerven besser im Griff? Wer hat die bessere Schusstechnik? Das hat doch am Ende weniger mit Glück zu tun als vielmehr mit dem Bestehen einer Drucksituation. Und deswegen ist es auch keine Glückssache – auch wenn am Ende eine Mannschaft gewinnen kann, die während der 120 Minuten vorher einen unterlegeneren Eindruck gemacht hat.

    Und hier sind wir beim Spiel am Sonntag: Wenn ich mir Argentinien so anschaue, dann ist Deutschland vermutlich schon Favorit, aber wir könnten durchaus ein Spiel wie das CL-Finale 2012 erleben. Argentinien hat in der K.O.-Phase nicht ein Gegentor kassiert, hat vorne Spieler, die aus einer Situation heraus ein Spiel entscheiden können und hat eine sehr erfahrene Truppe beisammen. Ich gebe Սաշա da recht, dass diese argentinische Mannschaft – im Gegensatz zu manch anderem Team bei dieser WM – taktisch sehr gut und intelligent agiert, weil ihre Spieler im vollen Bewusstsein ihrer eigenen Stärken ihr Ding durchziehen.

    Ich denke daher, dass es am Sonntag ein weitaus spannenderes Spiel geben wird, als viele – nicht hier im Blog, sondern in größeren Kreisen – zu vermuten scheinen.

  14. swe sagt:

    Mir kommen in der Betrachtung von Սաշա die beiden Mannschaften einfach viel zu gut weg. Für mich ist ein solches Spiel keine taktische (Meister-)Leistung.

    Wo besteht denn die Meisterleistung der Niederlande keine Konter zuzulassen, wenn bei jedem Angriffchen trotzdem noch fünf Verteidiger tief hinten bleiben und dazu ein defensiver Mittelfeldspieler? Natürlich schießt man auf diese Weise keine Tore.

    Auf der anderen Seite kann Argentinien und jede andere Mannschaft auch mit einer 8:3 Überzahl (gut manchmal rückte doch mal ein vierter Niederländer mit auf) den Laden hinten dicht machen. Dass die Einzelspieler gut genug sind um Robben im doppeln oder trippeln auszuschalten nehme ich in einem Halbfinale als gegeben hin.

    Vor dem niederländischen Tor nicht viel besser, dazu allerdings noch mit der Konterverhinderungsmaschine Lionel Messi, der mit dem Ball am Fuß erstmal stehen bleibt und sich in Wildwestmanier ein Anstarrduell mit dem Gegenspieler liefert…

    Defensiv standen beide Mannschaften 120 Minuten lang sehr diszipliniert (was ich auch anerkenne, insbesondere die sehr enge Manndeckung der Niederländer im Strafraum war beeindruckend) und gut geordnet, aber das wurde auf beiden Seiten mit kaum zu unterbietender Harmlosigkeit im Offensivspiel erkauft. Der argentinische RA (#22) kaum so oft durch und durfte dann in einen orange-geschmückten Strafraum flanken, weil auch bei den Argentiniern maximal 3-4 Leute am Angriff teilnahmen.

    Eine taktisch starke Leistung setzt für mich vorraus, dass man das Spannungsfeld „Tore verhindern“ und „Tore schießen“ so löst, dass beides möglich ist und nicht, dass man das eine für das andere opfert und vorne auf Messi oder Robben hofft.

    Jetzt haben die Niederlande im Elfmeterschießen verloren und müssen sich zurecht vorwerfen lassen wieso sie gegen einen Gegner dem sie sich überlegen gefühlt haben (s. Interviews) nicht wenigstens ein paar Minuten lang ernsthaft versucht haben ein Tor zu erzielen.

  15. Սաշա sagt:

    Wo besteht denn die Meisterleistung der Niederlande keine Konter zuzulassen, wenn bei jedem Angriffchen trotzdem noch fünf Verteidiger tief hinten bleiben und dazu ein defensiver Mittelfeldspieler? Natürlich schießt man auf diese Weise keine Tore.

    Keine Ahnung welches Spiel du gesehen hast. Die Außenverteidiger beider Teams sind ständig mit aufgerückt oder habe ich mir die überwiegend leider schlechten Flanken von Rojo nur eingebildet?
    Kuyt war auch ständig in der Hälfte der Argentinier zu finden und der gelernte Stürmer Kuyt ist in diesem System ja schließlich sowas wie ein verkappter Außenverteidiger.
    Der Schlüssel zum Verständnis, warum die Angriffe so harmlos waren, war das hervorragende Verschieben der Niederländer und Argentinier.
    Aber auch hier erneuere ich einfach noch mal meine Ansicht:

    Wenn jedenfalls andere einen anderen Ansatz pflegen, als ihn die deutsche Nationalmannschaft aktuell zeigt, müssen die schon ziemlich dämlich sein, wo doch seit [dem Brasilien-Spiel] jeder weiß, wie die einzig “richtige” Art Fußball zu spielen aussieht.[..] Als Deutscher hat man es aber seit [dem Brasilien-Spiel] einfach nicht mehr nötig die Leistung anderer angemessen zu würdigen, wenn diese nicht wenigstens mit acht Toren gewinnen.

  16. schalkoholiker sagt:

    Ich gebe es zu: Ich hatte mich auf Fußball in orange gefreut – und auch auf ein Finale gegenn den Nachbarn. Stattdessen habe ich ein Team gesehen, dass in den letzten beiden Spielen in 240 Minuten kein einziges Tor geschossen hat. Da braucht man dann nicht mehr über Glück oder Unglück beim Elfmeterschießen lamentieren. Es war ein für uns Zuschauer übler Kick. Ich hol mir jetzt erst einmal einen Keks; und zwar einen ganz großen Fußballkeks.

  17. swe sagt:

    Sag mal Սաշա wer hat dir denn auf den Schlips getreten, dass du nur weil ich das Spiel schlechter gesehen habe als du gleich mit der Nationalismus/Rassismus-Keule um dich hauen musst?

    Klar Kuyt war TEILWEISE vorne, aber immer nur zu 70%. Hatte er den Ball gab es nur einen weg: Rückwärts. Dabei spielte er entweder eine schlechte Flanke oder einen Rückpass. Zu großen TEILEN blieb er aber auch einfach an der Mittellinie stehen und sicherte nach hinten ab.

    Die Harmlosigkeit der Niederländer ist mit dem verschieben der Argentinier einfach nicht ausreichend begründbar. Die Holländer hatten nach über 100 Minuten 2(!) mickrige Torschüsschen. Da kannst du perfekt verschieben, wenn eine gleichwertige Mannschaft ein ernsthaftes Offensivspiel aufzieht dann kommt es zu mehr Abschlüssen.

    Ich bleibe dabei: Von ständigem Aufrücken kann keine Rede sein. Das Offensivspiel wurde von beiden Mannschaften quasi nicht geführt. Statt dessen wurde im „Helden-Modus“ gespielt. Man hoffte auf den einen Messi-oder-Robben-Moment der das Spiel entscheiden sollte. Das verschob das Kräftegleichgewicht zugunsten der Abwehrreihen die NOCH DAZU sehr diszipliniert und zweikampfstark agierten.

  18. leoluca sagt:

    So diszipliniert und intelligent die Defensivleistung Argentiniens auch war, so sehr man damit rechnen muss, dass auf Deutschland ein schweres Finale wartet, so sehr kann man das argentinische Spiel aber auch stärker reden als es war.

    Dieser Minimalismus des Sabella-Teams konnte gegen NL nur so gut funktionieren, weil Hollands Offensive im Vergleich zu den Spielen davor (besonders gegen Mexiko) deutlich schwächer spielte: van Persie war offensichtlich nicht fit und eigentlich nicht anwesend, Sneijder wirkte früh schon ausgepumpt und es gelang ihm wenig; allein die Freistöße und langen Bälle Richtung Strafraum waren unter seinem Niveau. Robben wurde nicht nur vom Gegner zugestellt, er bekam auch deutlich weniger Bälle, die für ihn gemacht waren. So hatte selbst die Schweiz klar mehr Torchancen gegen diese Defensivmaschine als NL.

    Man muss außerdem kein Anhänger eines naiven Hurra-Fußballs sein, um etwas wehmütig daran zu denken, dass Argentinien einmal für großartigen Offensivfußball stand, der heute offenbar nicht gewollt ist. Es ist ja kein Zufall, dass ein begnadeter Spieler wie Riquelme, der bei den Boca Juniors eine gute Saison spielte, nicht mal im Kader ist – entgegen der Forderung vieler Experten und Fans im Land.

  19. blues sagt:

    @swe
    Sah ich auch so. Holland spielte nach dem Spanienspiel nur noch in einem taktisch modernisierten „Helden-Modus“. Dazu kamen ein paar Schwalben und diese Idee von van Gaal mit Krul. Insgesamt bleibt bei mir der Eindruck: Holland spielte insgesamt eher bescheiden und unsportlich…

    @Սաշա
    Auf mich wirkt dein Nationalismus-als-Wahrnehmungsverzerrer-Vorwurf etwas konstruiert.

  20. Lutt sagt:

    naja, leider konnte ich nur die Zusammenfassung des NL-ARG Spieles sehen und musste der Berichterstattung vertrauen.
    Aber bei der SZ gibt es ganz nette Statistiken zu den WM Spielen – unter anderem auch eine Heatmap.
    Interessanterweise zeigt diese auf beiden Seiten, dass der Aktionsradius der Spieler komplett ca. 30m vorm Tor aufgehört hat.
    http://liveticker.sueddeutsche.....d=heatmaps

    Ich finde das Kacke und bin nicht so traurig, das Spiel nicht gesehen zu haben. Damit oute ich mich als „Fan des Hurra-Umschalt-Fußballs“ für die Einen. Für andere, sicherlich auch kompetente Fußballfans, ist dieses Spiel ein OFFENSIV-Spiel. Das deutet bereits der Anstoß an, der aus symbolischen Gründen immer nach VORNE gespielt werden muss.
    Ich kann aus taktischem Hin- und Hergeschiebe einfach keine Freude ziehen, höchstens interessante Schlüsse.
    Vom Egoadmiral Van Gaal zum Beispiel mit solchem Spielermaterial und dann so einer defensiven Ausrichtung halte ich nix.

    Ich hoffe auf ein offensives Finale mit vielen Torszenen und dem besseren Ende für Deutschland – weil verdient wär’s mal wieder.

  21. Սաշա sagt:

    Komisch, dass man es gleich als Rassismus-/Nationalismus-Vorwurf auffasst, obwohl ich nicht mit einem Wort die Nation oder Rasse erwähne…
    Ich schreibe prinzipiell immer über Fußball und wenn ausnahmsweise mal nicht, dann mache ich das auch deutlich und nenne das gemeinte beim Namen. Die verzerrte Selbstwahrnehmung deutscher Fans auf den deutschen Fußball nach dem Brasilien-Spiel meine ich in diesem Fall. Und da ist mir auch völlig egal, welches Verhältnis diese Fans zur Nation haben.

    @leoluca:

    Es ist ja kein Zufall, dass ein begnadeter Spieler wie Riquelme, der bei den Boca Juniors eine gute Saison spielte, nicht mal im Kader ist – entgegen der Forderung vieler Experten und Fans im Land.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass sowas in der argentinischen Presse gefordert wurde. Wer allerdings 2014 ernsthaft noch den Standfußballer Riquelme mit zu einer WM nehmen will, ist wohl mehr Fan als Experte. Wo und für wen hätte denn Riquelme spielen sollen? Lavezzi? Di Maria? Biglia? Mascherano? Oder am Ende noch für Messi? Riquelme hätte nur irgendwem den Platz weggenommen und wäre als eine Art Maskottchen mitgefahren. Selbst die Mittelfeldspieler, die bei Argentinien von der Bank kommen haben alle noch deutlich mehr Qualität als Riquelme. So ein Spiel wie das gegen den Iran hätte er vielleicht auflockern können. Aber sonst sehe ich für ihn im heutigen Fußball keine Verwendung. Hätte er noch die Qualität eines Pirlo, hätte man meinetwegen gerne mit ihm planen können. Aber in Sabellas System sehe ich auch wirklich keinen Platz mehr für einen Spieler diesen Types. Man hat Mascherano. Der ist Abräumer und Verteiler in einem und damit deutlich wertvoller.

    Das mit der guten Saison ist auch sehr relativ. Ich nehme mal an, du hast da jetzt was gelesen, wahrscheinlich geschrieben von jemanden, der mal was gelesen hat, aber ich habe die Spiele von Boca Sonntags in der Nacht bis 3 Uhr wirklich angesehen und es mehr als einmal bereut. Riquelme hat wie auch die übrigen Spieler im Kader von Boca – Gago ausdrücklich eingeschlossen – nichts in einem argentinischen WM-Kader verloren. Gelegentliche Geistesblitze in einer Liga, die in Europa deutlich nicht zu den Top 10 gehören würde, reichen mir nicht, damit jemand zu einer WM mitgenommen wird. Vor allem dann nicht, wenn man soviel Qualität hat, dass man sogar u.a. Tevez zuhause lassen kann.

    Was den argentinischen Offensivfußball angeht, der nicht gewollt ist: Das ist eine Erfindung der Medien. Argentinien hat nicht einmal einen Gegner getroffen, der mitgespielt hätte. Dazu war tatsächlich diese gefühlt defensivste Elftal aller Zeiten noch am ehesten bereit. Iran, Bosnien, Nigeria, Schweiz, Belgien und eben auch die Niederlande standen alle eng gestaffelt im und am eigenen Strafraum. Deshalb hört dort auch Lutts Heat-Map auf rot zu leuchten. Argentinien hatte nicht einen mitspielenden Gegner wie Portugal oder Brasilien, sondern nur Teams, die den Bus im Strafraum geparkt haben. Und die sind immer ganz mies zu spielen.

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